Rezensionen
50:50 - 5 Sterne
Wie fühlt es sich an, nur das halbe Monat zuhause bei der eigenen Familie zu sein und die andere Hälfte im Ausland bei einer kranken alten Frau zu verbringen? Und wie fühlt sich die Familie, wenn plötzlich ein weiterer Mensch in die Familienstruktur eingegliedert werden muss? Dieser Roman beschreibt wunderbar beide Seiten. Ohne in Sentimentalität oder Banalität abzuschweifen. Ohne anzuklagen.
Ein großartiges Buch! Ich bin schon auf die nächste Geschichte der Autorin gespannt.
Große Empfehlung!
Ein großartiges Buch! Ich bin schon auf die nächste Geschichte der Autorin gespannt.
Große Empfehlung!
von HEYN Leserunde, Manuela Meierhofer - 2025-05-19 16:25:00
Ergreifende Geschichte zweier Frauen - 5 Sterne
„Halbe Leben“ von Susanne Gregor ist ein sehr ergreifender, wortgewaltiger Roman über den Umgang mit Pflege und den Folgen für das eigenen Leben.
Der Roman erzählt auf der einen Seite von Frust, Erschöpfung und den Umgang mit Angehörigen von Pflegenden, aber auch von der Hingabe und Lebensaufgabe sich um seine Nächsten zu kümmern, selbst bis zur völligen Selbstaufgabe.
Paulína kommt alle zwei Wochen für vierzehn Tage nach Österreich, um sich dort um Irene zu kümmern. Irene, die nach ihrem Schlaganfall im Haus ihrer Tochter Klara und ihrer Familie lebt und dort versorgt wird. Klara und ihr Mann Jacob nehmen Paulína immer mehr in Anspruch, ziehen sie in ihr eigenes Leben, was ohne „ihren slowakischen Engel“ nicht mehr zu funktionieren scheint. Wir steigen immer tiefen in die Lebens- und Gefühlswelt von Paulína ein und nehmen an ihren Ängsten, Zweifeln und Gedanken teil. Besonders ihre beiden Söhne, die in ihrer Abwesenheit von der Schwiegermutter versorgt werden, bereiten ihr Kummer. Paulínas Zerrissenheit zwischen der pflegerischen Arbeit in einer österreichischen Familie und ihrer eigenen Familie in der Slowakei wird sehr deutlich und bedrückend erzählt.
Der Roman beginnt mit Klaras Tod, die Erzählungen beginnen am Ende. Besonders diese Erzählweise hat mich sehr berührt, mich regelrecht aufgewühlt. Der Roman entwickelt eine Wucht, die die Leserschaft in die Gefühlswelt, besonders in Paulínas Welt hineinzieht. Auch Tage nach Beendigung des Buches wirkt dieses in mir nach.
Der klare, detaillierte Schreibstil lässt die Leserschaft dicht an den Protagonisten bleiben und zeichnet die Geschichte sehr gut.
Das Buchcover zeigt ein eher verschwommenes Bild zweier Frauen in der Natur. Mit dem Cover wird bereits die Zerrissenheit der beiden Frauen deutlich. Das Cover ist farblich sehr ansprechend gestaltet, auch die Innenseiten überzeugen.
„Halbe Leben“ von Susanne Gregor ist ein wortgewaltiger, wirklich besonderer Roman über die Pflege eines Menschen und deren Auswirkungen auf so viele Leben. Dieses Buch bekommt von mir fünf Sterne und ist eine klare Kaufempfehlung.
Der Roman erzählt auf der einen Seite von Frust, Erschöpfung und den Umgang mit Angehörigen von Pflegenden, aber auch von der Hingabe und Lebensaufgabe sich um seine Nächsten zu kümmern, selbst bis zur völligen Selbstaufgabe.
Paulína kommt alle zwei Wochen für vierzehn Tage nach Österreich, um sich dort um Irene zu kümmern. Irene, die nach ihrem Schlaganfall im Haus ihrer Tochter Klara und ihrer Familie lebt und dort versorgt wird. Klara und ihr Mann Jacob nehmen Paulína immer mehr in Anspruch, ziehen sie in ihr eigenes Leben, was ohne „ihren slowakischen Engel“ nicht mehr zu funktionieren scheint. Wir steigen immer tiefen in die Lebens- und Gefühlswelt von Paulína ein und nehmen an ihren Ängsten, Zweifeln und Gedanken teil. Besonders ihre beiden Söhne, die in ihrer Abwesenheit von der Schwiegermutter versorgt werden, bereiten ihr Kummer. Paulínas Zerrissenheit zwischen der pflegerischen Arbeit in einer österreichischen Familie und ihrer eigenen Familie in der Slowakei wird sehr deutlich und bedrückend erzählt.
Der Roman beginnt mit Klaras Tod, die Erzählungen beginnen am Ende. Besonders diese Erzählweise hat mich sehr berührt, mich regelrecht aufgewühlt. Der Roman entwickelt eine Wucht, die die Leserschaft in die Gefühlswelt, besonders in Paulínas Welt hineinzieht. Auch Tage nach Beendigung des Buches wirkt dieses in mir nach.
Der klare, detaillierte Schreibstil lässt die Leserschaft dicht an den Protagonisten bleiben und zeichnet die Geschichte sehr gut.
Das Buchcover zeigt ein eher verschwommenes Bild zweier Frauen in der Natur. Mit dem Cover wird bereits die Zerrissenheit der beiden Frauen deutlich. Das Cover ist farblich sehr ansprechend gestaltet, auch die Innenseiten überzeugen.
„Halbe Leben“ von Susanne Gregor ist ein wortgewaltiger, wirklich besonderer Roman über die Pflege eines Menschen und deren Auswirkungen auf so viele Leben. Dieses Buch bekommt von mir fünf Sterne und ist eine klare Kaufempfehlung.
von LesenIstLeben - 2025-04-30 10:03:00
Ausbeutung - 5 Sterne
Das ist ein Buch, das mich auch nach dem Lesen noch nachhaltig beschäftigt.
Es geht um zwei, nein eigentlich sind es sogar vier Frauenleben.
Da ist die Familie aus Österreich mit der pflegebedürftigen Mutter und Oma, die Familie bekommt die Betreuung nicht mehr hin.
Dann Klara, die einen anspruchsvollen Job hat und ihn auch liebt und deshalb nach einer Lösung für ihre Mutter sucht. Und ihre Tochter, ein Oma-Kind, zu dem Klara wenig innere Verbundenheit hat.
Die Lösung für das Pflegeproblem ist Paulína, eine Slowakin, die immer für 14 Tage bei der Familie lebt. Im Wechsel mit einem männlichen Pfleger, der hier aber eine untergeordnete Rolle spielt.
Paulína ist eine echte Perle und wird schnell unentbehrlich in der Familie. Und aus anfänglicher Hilfsbereitschaft seitens Paulína wird dann ein Ausnutzen, denn Paulína wuppt das alles ja so wunderbar. Sie hat allerdings selbst ein Leben, eine Familie, die sie in der Slowakei zurücklassen musste. Danach fragt nur niemand. Ihr Kind ist krank? Egal, Hauptsache man kann den geplanten Wellnessurlaub durchziehen. Dann ein Scheinchen, dann passt das schon.
Und schließlich ist man ja befreundet, nicht wahr?
Das Buch legt den Finger in die Wunde - nein eigentlich sind es viele Wunden. Es beleuchtet primär den Pflegenotstand und was es mit den Pflegenden, die aus Osteuropa zu uns kommen, macht.
Es zeigt aber auch auf, wo die ganze Last, Mental Load und Mental Care liegt, nämlich bei den Frauen und damit, warum es überhaupt so weit kommen muss.
Die Männer im Leben der Frauen sind von Verantwortungslosigkeit und sorglos in den Tag hinein ihr eigenes Ding machen, gekennzeichnet.
Sowohl Klaras Mann, der eigentlich Zeit genug hätte, seinen Teil am Familienleben beizutragen, sich aber aushalten lässt und und die Selbstverwirklichungsschiene fährt als auch Paulínas Exmann, der sich nur gelegentlich um seine Kinder kümmert, nur dann, wenn es ihm passt. Völlig unabhängig davon, ob seine Exfrau gerade ihre "Zuhause-Wochen" hat und die Kinder auch sehen möchte. Auch die finanzielle Verantwortung lädt er komplett ab.
Ein Buch, das subtil und ohne Holzhammer die Machtverhältnisse deutlich macht. Das - obwohl der finale Paukenschlag gleich zu Beginn des Buches erfolgt - durchgehend fesselt und mich ratlos und nachdenklich zurücklässt.
Das alles in nur 192 Seiten - eine bemerkenswerte Leistung.
Es geht um zwei, nein eigentlich sind es sogar vier Frauenleben.
Da ist die Familie aus Österreich mit der pflegebedürftigen Mutter und Oma, die Familie bekommt die Betreuung nicht mehr hin.
Dann Klara, die einen anspruchsvollen Job hat und ihn auch liebt und deshalb nach einer Lösung für ihre Mutter sucht. Und ihre Tochter, ein Oma-Kind, zu dem Klara wenig innere Verbundenheit hat.
Die Lösung für das Pflegeproblem ist Paulína, eine Slowakin, die immer für 14 Tage bei der Familie lebt. Im Wechsel mit einem männlichen Pfleger, der hier aber eine untergeordnete Rolle spielt.
Paulína ist eine echte Perle und wird schnell unentbehrlich in der Familie. Und aus anfänglicher Hilfsbereitschaft seitens Paulína wird dann ein Ausnutzen, denn Paulína wuppt das alles ja so wunderbar. Sie hat allerdings selbst ein Leben, eine Familie, die sie in der Slowakei zurücklassen musste. Danach fragt nur niemand. Ihr Kind ist krank? Egal, Hauptsache man kann den geplanten Wellnessurlaub durchziehen. Dann ein Scheinchen, dann passt das schon.
Und schließlich ist man ja befreundet, nicht wahr?
Das Buch legt den Finger in die Wunde - nein eigentlich sind es viele Wunden. Es beleuchtet primär den Pflegenotstand und was es mit den Pflegenden, die aus Osteuropa zu uns kommen, macht.
Es zeigt aber auch auf, wo die ganze Last, Mental Load und Mental Care liegt, nämlich bei den Frauen und damit, warum es überhaupt so weit kommen muss.
Die Männer im Leben der Frauen sind von Verantwortungslosigkeit und sorglos in den Tag hinein ihr eigenes Ding machen, gekennzeichnet.
Sowohl Klaras Mann, der eigentlich Zeit genug hätte, seinen Teil am Familienleben beizutragen, sich aber aushalten lässt und und die Selbstverwirklichungsschiene fährt als auch Paulínas Exmann, der sich nur gelegentlich um seine Kinder kümmert, nur dann, wenn es ihm passt. Völlig unabhängig davon, ob seine Exfrau gerade ihre "Zuhause-Wochen" hat und die Kinder auch sehen möchte. Auch die finanzielle Verantwortung lädt er komplett ab.
Ein Buch, das subtil und ohne Holzhammer die Machtverhältnisse deutlich macht. Das - obwohl der finale Paukenschlag gleich zu Beginn des Buches erfolgt - durchgehend fesselt und mich ratlos und nachdenklich zurücklässt.
Das alles in nur 192 Seiten - eine bemerkenswerte Leistung.
von Marie aus E. - 2025-04-19 08:22:00
Halbe Leben - 5 Sterne
Zwei Frauen, zwei völlig unterschiedliche Leben: Klara ist beruflich erfolgreich, ziemlich glücklich verheiratet, hat keine Geldsorgen, allerdings eine Mutter, die nach einem Schlaganfall nicht alleine sein kann. Der Spagat zwischen Beruf und Pflege reibt sie zunehmend auf. Paulina kämpft in der Slowakei nach der Trennung von ihrem Mann mit den zwei Kindern um ein geregeltes Leben. Und entschließt sich, als 24-Stunden-Pflegekraft nach Österreich zu gehen. Da schließt sich der Kreis und die beiden Frauen begegnen einander.
In sehr klarer und eindringlicher Sprache schildert Susanne Gregor die Lebenswelten völlig unterschiedlicher Frauen. Ihre Sichtweisen, ihre Bedürfnisse (auch die von Klaras verwirrter Mutter), die so verschieden sind, aber aus der jeweiligen Perspektive nachvollziehbar und verständlich. Das Aufeinanderprallen dieser Welten wirft unweigerlich Probleme auf, die schließlich eskalieren. Ein Buch, das fesselt und mitnimmt und am Ende dennoch verwirrt zurück lässt, denn es gibt eben nicht nur Schwarz und Weiß.
In sehr klarer und eindringlicher Sprache schildert Susanne Gregor die Lebenswelten völlig unterschiedlicher Frauen. Ihre Sichtweisen, ihre Bedürfnisse (auch die von Klaras verwirrter Mutter), die so verschieden sind, aber aus der jeweiligen Perspektive nachvollziehbar und verständlich. Das Aufeinanderprallen dieser Welten wirft unweigerlich Probleme auf, die schließlich eskalieren. Ein Buch, das fesselt und mitnimmt und am Ende dennoch verwirrt zurück lässt, denn es gibt eben nicht nur Schwarz und Weiß.
von Lucia Kirchner-Krämer - 2025-04-01 12:10:54
Aufrüttelnde Gesellschaftskritik - 5 Sterne
Susanne Gregor erzählt in ihrem Roman „Halbe Leben“ eine spannende und tiefgründige Geschichte. Auf wenigen Seiten behandelt sie ein wichtiges Thema: Ungleichheit und Abhängigkeit in der häuslichen Pflege.
Gleich zu Beginn erfährt man vom plötzlichen Tod von Klara. Sie ist eine erfolgreiche Architektin, Mutter und Ehefrau. Doch als ihre eigene Mutter nach einem Schlaganfall Pflege braucht, holt sie Paulína aus der Slowakei als 24h Pflege in ihr Haus. Zunächst scheint alles gut zu funktionieren, doch wird das so bleiben?
Gregor schreibt klar und eindringlich. Die Beziehungen zwischen den Figuren sind toll ausgearbeitet. Besonders die Frauenfiguren sind vielschichtig, inklusive der zu pflegenden Mutter. Der Roman wirft wichtige Fragen auf: Wer kümmert sich um unsere Angehörigen? Und welche Auswirkungen hat die Pflegearbeit auf die Pflegenden und deren Familien?
Das Buch macht nachdenklich. Es zeigt, wie schwierig und ungerecht die Situation oft ist. Ein wichtiges Thema, über das viel zu wenig gesprochen wird und das mich noch lange beschäftigen wird. Absolut lesenswert! 4,5/5 Sterne
Gleich zu Beginn erfährt man vom plötzlichen Tod von Klara. Sie ist eine erfolgreiche Architektin, Mutter und Ehefrau. Doch als ihre eigene Mutter nach einem Schlaganfall Pflege braucht, holt sie Paulína aus der Slowakei als 24h Pflege in ihr Haus. Zunächst scheint alles gut zu funktionieren, doch wird das so bleiben?
Gregor schreibt klar und eindringlich. Die Beziehungen zwischen den Figuren sind toll ausgearbeitet. Besonders die Frauenfiguren sind vielschichtig, inklusive der zu pflegenden Mutter. Der Roman wirft wichtige Fragen auf: Wer kümmert sich um unsere Angehörigen? Und welche Auswirkungen hat die Pflegearbeit auf die Pflegenden und deren Familien?
Das Buch macht nachdenklich. Es zeigt, wie schwierig und ungerecht die Situation oft ist. Ein wichtiges Thema, über das viel zu wenig gesprochen wird und das mich noch lange beschäftigen wird. Absolut lesenswert! 4,5/5 Sterne
von Alo - 2025-03-27 14:31:00
Zwei unterschiedliche Frauen - 4 Sterne
In Susanne Gregors Roman "Halbe Leben" geht es allen voran um Klara und Paulína, zwei Frauen, die aus unterschiedlichen Verhältnissen kommen und unterschiedliche Leben führen.
Klara lebt mit ihrem Mann, ihrer Tochter und ihrer Mutter in Österreich. Klara ist ihre Karriere im Architekturbüro sehr wichtig und so trifft es sie sehr, als ihre Mutter immer mehr Hilfe benötigt, die sie und ihr Mann nicht beide stemmen können. Und gleichzeitig wünscht sich ihr Mann noch ein weiteres Kind.
Paulína, eine alleinerziehende Mutter, kommt aus der Slowakei und möchte das Leben für sich und ihre zwei Sohne schöner gestalten und ihnen etwas bieten können. Kurzerhand entschließt sie sich als Pflegerin nach Österreich zu gehen. Ihre Söhne verbringen die Zeit daraufhin vor allem bei ihrer Schwiegermutter und bei ihrem Ex-Mann.
Gregor zeigt gut auf, wie zwei unterschiedliche Welten aufeinander prallen und wie sich die beiden Protagonistinnen fühlen. Wie prasseln zwei Kulturen aufeinander ein? Ist ein besserer Lebensstandard wichtiger, als das Zusammensein als Familie?
Mit guten Erzählstil geht Gregor auf diese und andere Sachen ein. Hie und da hätte ich mir vielleicht ein bisschen mehr Tiefgang gewünscht, doch prinzipiell hat mir das Buch gut gefallen.
Klara lebt mit ihrem Mann, ihrer Tochter und ihrer Mutter in Österreich. Klara ist ihre Karriere im Architekturbüro sehr wichtig und so trifft es sie sehr, als ihre Mutter immer mehr Hilfe benötigt, die sie und ihr Mann nicht beide stemmen können. Und gleichzeitig wünscht sich ihr Mann noch ein weiteres Kind.
Paulína, eine alleinerziehende Mutter, kommt aus der Slowakei und möchte das Leben für sich und ihre zwei Sohne schöner gestalten und ihnen etwas bieten können. Kurzerhand entschließt sie sich als Pflegerin nach Österreich zu gehen. Ihre Söhne verbringen die Zeit daraufhin vor allem bei ihrer Schwiegermutter und bei ihrem Ex-Mann.
Gregor zeigt gut auf, wie zwei unterschiedliche Welten aufeinander prallen und wie sich die beiden Protagonistinnen fühlen. Wie prasseln zwei Kulturen aufeinander ein? Ist ein besserer Lebensstandard wichtiger, als das Zusammensein als Familie?
Mit guten Erzählstil geht Gregor auf diese und andere Sachen ein. Hie und da hätte ich mir vielleicht ein bisschen mehr Tiefgang gewünscht, doch prinzipiell hat mir das Buch gut gefallen.
von rosetheline - 2025-03-26 10:41:00
Großartiger Blick in verschiedene Lebenswelten - 5 Sterne
Klara ist tot. Abgestürzt beim Wandern. Ihre Begleiterin, Paulína - die Pflegerin von Klaras Mutter - kann dem nichts entgegensetzen.
Rückblickend erfahren wir von der Verbindung der beiden Frauen und wie unterschiedlich sie sich gegenseitig wahrgenommen haben. Klara kann sich durch die Hilfe von Paulína, die sich einfühlsam um ihre Mutter Irene kümmert, wieder ihrer Karriere widmen und sich selbst weiter verwirklichen. Paulína hingegen hat die größten Entbehrungen zu leisten, sind doch ihre beiden Söhne in der Slowakei zurückgeblieben und sie sieht sie nur mehr in ihrem pflegerischen Zwei-Wochen-Rhythmus. Unterschiedlicher könnten ihre Lebenswelten nicht sein, doch die österreichische Familie fühlt Paulína bereits als Familienmitglied, während die Slowakin still und gutmütig leidet.
Susanne Gregor liefert mit "Halbe Leben" einen großartigen Roman, der schmerzhaft bewusst macht, welche Entbehrungen 24-Stunden-Kräfte über sich ergehen lassen müssen. Und wie wir sie, als Arbeitgeber:innen, ausnutzen, ihre Lebenswelt ignorieren, sie nach unseren Ansprüchen formen wollen. Übergriffig, gedankenlos, egoistisch, nur damit unser gewohntes Lebens so weitergehen kann, wie wir es kennen und lieben. Aber eben auch nachvollziehbar. Wichtig dabei ist, dass die Autorin in keinem Moment mit erhobenen Zeigefinger auf die Situationen schaut, sondern sich als hervorragende Beobachterin und Erzählerin beweist.
Gregor schafft es mit ihrer einnehmenden, direkten und fein-analytischen Sprache, dass ein Hineinfühlen in die jeweiligen Charaktere ein Leichtes ist. Man spürt förmlich die Peinlichkeit in der Szene, als Klara Paulína als vermeintlichen Akt der Nächstenliebe ihre alten Kleidungsstücke andrehen will und Paulína so als Mensch zweiter Klasse dastehen lässt. Fühlt Paulínas Unwillen, die hässlichen Ausmusterungen entgegenzunehmen, es dann aber aus nicht ablehnend wollender Höflichkeit doch zu tun. Mit dieser Widersprüchlichkeit sind wir Leser:innen durch den ganzen Roman hindurch konfrontiert. Die nicht bösgemeinte und vermutlich nicht wahrgenommene Überheblichkeit gegenüber Menschen aus anderen Ländern wirkt abstoßend, ist aber wohl jedem und jeder Leser:in der Wohlstandgesellschaft bestens bekannt. Es gibt aber durchaus auch verbindende Elemente, beispielsweise ist die Beziehung von Paulína und ihrem Pflegeschützling Irene guttuend und wohlwollend. Nicht genug allerdings, um die immer mehr werdenden Forderungen von Klara und ihrem Ehemann in irgendeiner Weise erträglich zu machen.
Mein Fazit: "Halbe Leben" ist ein überaus gelungener und feinfühliger Roman, der die Kluft zwischen systemerhaltenden Pflegekräften aus Osteuropa und den Ansprüchen ihrer arbeitgebenden Familien eindringlich aufzeigt. Susanne Gregor holt die Existenz der pflegenden Menschen vor den Vorhang und gibt ihnen ein Sprachrohr, eine von vielen verleugnende Existenz. Dadurch veranschaulicht sie, wie wenig unsere Gesellschaft ohne diese aufopfernden und nicht wahrgenommenen Menschen auskommen würde. Ein absolutes Lesemuss für alle, die sich Gedanken über unser Miteinander machen wollen.
Rückblickend erfahren wir von der Verbindung der beiden Frauen und wie unterschiedlich sie sich gegenseitig wahrgenommen haben. Klara kann sich durch die Hilfe von Paulína, die sich einfühlsam um ihre Mutter Irene kümmert, wieder ihrer Karriere widmen und sich selbst weiter verwirklichen. Paulína hingegen hat die größten Entbehrungen zu leisten, sind doch ihre beiden Söhne in der Slowakei zurückgeblieben und sie sieht sie nur mehr in ihrem pflegerischen Zwei-Wochen-Rhythmus. Unterschiedlicher könnten ihre Lebenswelten nicht sein, doch die österreichische Familie fühlt Paulína bereits als Familienmitglied, während die Slowakin still und gutmütig leidet.
Susanne Gregor liefert mit "Halbe Leben" einen großartigen Roman, der schmerzhaft bewusst macht, welche Entbehrungen 24-Stunden-Kräfte über sich ergehen lassen müssen. Und wie wir sie, als Arbeitgeber:innen, ausnutzen, ihre Lebenswelt ignorieren, sie nach unseren Ansprüchen formen wollen. Übergriffig, gedankenlos, egoistisch, nur damit unser gewohntes Lebens so weitergehen kann, wie wir es kennen und lieben. Aber eben auch nachvollziehbar. Wichtig dabei ist, dass die Autorin in keinem Moment mit erhobenen Zeigefinger auf die Situationen schaut, sondern sich als hervorragende Beobachterin und Erzählerin beweist.
Gregor schafft es mit ihrer einnehmenden, direkten und fein-analytischen Sprache, dass ein Hineinfühlen in die jeweiligen Charaktere ein Leichtes ist. Man spürt förmlich die Peinlichkeit in der Szene, als Klara Paulína als vermeintlichen Akt der Nächstenliebe ihre alten Kleidungsstücke andrehen will und Paulína so als Mensch zweiter Klasse dastehen lässt. Fühlt Paulínas Unwillen, die hässlichen Ausmusterungen entgegenzunehmen, es dann aber aus nicht ablehnend wollender Höflichkeit doch zu tun. Mit dieser Widersprüchlichkeit sind wir Leser:innen durch den ganzen Roman hindurch konfrontiert. Die nicht bösgemeinte und vermutlich nicht wahrgenommene Überheblichkeit gegenüber Menschen aus anderen Ländern wirkt abstoßend, ist aber wohl jedem und jeder Leser:in der Wohlstandgesellschaft bestens bekannt. Es gibt aber durchaus auch verbindende Elemente, beispielsweise ist die Beziehung von Paulína und ihrem Pflegeschützling Irene guttuend und wohlwollend. Nicht genug allerdings, um die immer mehr werdenden Forderungen von Klara und ihrem Ehemann in irgendeiner Weise erträglich zu machen.
Mein Fazit: "Halbe Leben" ist ein überaus gelungener und feinfühliger Roman, der die Kluft zwischen systemerhaltenden Pflegekräften aus Osteuropa und den Ansprüchen ihrer arbeitgebenden Familien eindringlich aufzeigt. Susanne Gregor holt die Existenz der pflegenden Menschen vor den Vorhang und gibt ihnen ein Sprachrohr, eine von vielen verleugnende Existenz. Dadurch veranschaulicht sie, wie wenig unsere Gesellschaft ohne diese aufopfernden und nicht wahrgenommenen Menschen auskommen würde. Ein absolutes Lesemuss für alle, die sich Gedanken über unser Miteinander machen wollen.
von Kwinsu - 2025-03-17 00:48:00
Leben in zwei Welten - 5 Sterne
Paulina kommt in das Haus von Klara und Jakob, um Klaras Mutter nach einem Schlaganfall zu pflegen. Dazu muss sie Ihre Kinder bei Ihrer Schwiegermutter in der Slowakei in Obhut geben.
Klara ist eine Karrierefrau, die nie Zeit für ihre Familie hat. Die Tochter wurde von Klaras Mutter groß gezogen. Die Freundlichkeit mit der Klara und Jakob Paulina begegnen ist oberflächlich. Sie merken gar nicht, wie schwer Paulina die Trennung von ihren Kinder fehlt. Paulina wird immer mehr von der Familie vereinnahmt, keiner fragt nach ihren Bedürfnissen.
Mit viel Fingerspitzengefühl schildert Susanne Gregor die Lebensituationen. Paulinas schlechtes Gewissen ihren Kindern gegenüber und die schleichende Vereinnahmung von Klara und Jakob. Auch Klaras Zerrissenheit zwischen Karriere und Familie wird anschaulich beschrieben. Leise baut sich während der ganzen Geschichte eine Spannung zwischenden Protagonisten auf.
Ein wichtiges Buch , dass den Blick auf die Probleme von ausländischem Pflegepersonal lenkt, die zwischen zwei Leben pendeln.
Klara ist eine Karrierefrau, die nie Zeit für ihre Familie hat. Die Tochter wurde von Klaras Mutter groß gezogen. Die Freundlichkeit mit der Klara und Jakob Paulina begegnen ist oberflächlich. Sie merken gar nicht, wie schwer Paulina die Trennung von ihren Kinder fehlt. Paulina wird immer mehr von der Familie vereinnahmt, keiner fragt nach ihren Bedürfnissen.
Mit viel Fingerspitzengefühl schildert Susanne Gregor die Lebensituationen. Paulinas schlechtes Gewissen ihren Kindern gegenüber und die schleichende Vereinnahmung von Klara und Jakob. Auch Klaras Zerrissenheit zwischen Karriere und Familie wird anschaulich beschrieben. Leise baut sich während der ganzen Geschichte eine Spannung zwischenden Protagonisten auf.
Ein wichtiges Buch , dass den Blick auf die Probleme von ausländischem Pflegepersonal lenkt, die zwischen zwei Leben pendeln.
von Beavielleser - 2025-03-06 10:14:00
Halbe Leben - 5 Sterne
So drastisch es beginnt, so feinfühlig führt uns Susanne Gregor an ihre Figuren heran. Die erfolgreiche Unternehmerin, die Pflegerin aus dem Osten,die die pflegebedürftige Mutter versorgt. Ein Leben zwischen Pflicht und Verantwortung. Sie alle bestreiten ihr Leben auf engsten Raum, sind aber doch sehr weit entfernt … Ein sehr scharfsichtiges literarisches Porträt, wunderschön geschrieben, ein Buch, das lange nachwirkt.
von Ulrike Weinhäupl - 2025-02-23 19:17:50
Zwei Frauen, zwei Leben, ein geteiltes Schicksal - 4 Sterne
Zum Inhalt: Paulina ist eine Slowakische Pflegekraft, die von Klaras Familie angeheuert wird, um sich um Klaras Mutter zu kümmern, die kürzlich eine Schlaganfall hatte und nicht mehr alleine Leben kann. Paulina wird schnell zum festen Bestandteil in Klaras Familienleben, auch wenn sie dafür ihre eigene Familie zurücklassen muss. Und dann passiert ein Unfall.
Die beiden Frauen könnten nicht gegensätzlicher sein, in klarer, gradliniger Sprache werden die Klassen- und Machtverhältnisse zwischen Klara und Paulina herausgearbeitet.
Klara hat im Umgang mit Paulina eine fast schon unbesonnene Art und die Interaktionen zwischen den beiden Frauen bekommen dadurch einen fahlen Beigeschmack. Obwohl Paulina bei der Familie lebt, bleibt das Verhältnis distanziert, auch wenn immer wieder der Eindruck vermittelt werden soll, Paulina wäre mehr als nur eine b bezahlte Angestellte.
Die Kluft zwischen den beiden Frauen und ihren so unterschiedlichen Leben wurde gut herausgearbeitet. Ich fand die sehr unterschiedlichen Familiensituationen eindrücklich geschildert, genauso wie den unterschwelligen Groll zwischen den beiden Frauen, der sich gemächlich zu etwas größerem auszuweiten scheint.
Ich finde hier wird auf subtile Art sehr viel vermittelt, die leisen Zwischentöne zwischenmenschlicher Beziehungen, in denen ein Machtgefüge herrscht, sind gut getroffen. Das Buch hat eine eher schwer greifbare Spannung, gleichzeitig gibt es wenig Deutungsspielraum. Ich habe den Fortgang der Handlung gespannt verfolgt und hing gebannt an den Seiten. Mir hats gut gefallen.
Die beiden Frauen könnten nicht gegensätzlicher sein, in klarer, gradliniger Sprache werden die Klassen- und Machtverhältnisse zwischen Klara und Paulina herausgearbeitet.
Klara hat im Umgang mit Paulina eine fast schon unbesonnene Art und die Interaktionen zwischen den beiden Frauen bekommen dadurch einen fahlen Beigeschmack. Obwohl Paulina bei der Familie lebt, bleibt das Verhältnis distanziert, auch wenn immer wieder der Eindruck vermittelt werden soll, Paulina wäre mehr als nur eine b bezahlte Angestellte.
Die Kluft zwischen den beiden Frauen und ihren so unterschiedlichen Leben wurde gut herausgearbeitet. Ich fand die sehr unterschiedlichen Familiensituationen eindrücklich geschildert, genauso wie den unterschwelligen Groll zwischen den beiden Frauen, der sich gemächlich zu etwas größerem auszuweiten scheint.
Ich finde hier wird auf subtile Art sehr viel vermittelt, die leisen Zwischentöne zwischenmenschlicher Beziehungen, in denen ein Machtgefüge herrscht, sind gut getroffen. Das Buch hat eine eher schwer greifbare Spannung, gleichzeitig gibt es wenig Deutungsspielraum. Ich habe den Fortgang der Handlung gespannt verfolgt und hing gebannt an den Seiten. Mir hats gut gefallen.
von Lies_ein_Buch - 2025-02-21 21:22:00


