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Rezensionen

Ochsenkopf
Roman | "Mit messerscharfer Präzision seziert Sarkar die Gleichgültigkeit der Gesellschaft." Gaea Schoeters

Autor: Manik Sarkar

Erschienen 2026 bei Zsolnay, Paul;Hollands Diep
ISBN 978-3-552-07594-8
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Mehr Ochse, denn Unternehmer - 5 Sterne

Was für ein Buch! Ich habe es geliebt. Schräg, witzig, aber auch nachdenklich stimmend. Wie kommt man nur auf die Idee, über einen Mann zu schreiben, der das Metzgerhandwerk über alles liebt und die Philosophie des Fleischverarbeitens für sich entdeckt hat?
Gut, man hätte sich auch ein Buch über einen Konditor oder Maurer vorstellen können- denn eigentlich geht es darum, über einen Menschen zu schreiben, der perfekt ist in seinem Tun, aber letztendlich in der Welt scheitert, da er das Business nicht beherrscht. Buchhaltung, Werbung, Kundenkontakt, das ganze Drumherum, das oft wichtiger ist als das eigentliche Geschäft, ist ihm ein Buch mit sieben Siegeln. Introvertiert, wenig Kontakt zur Außenwelt, einzig die Perfektion bei der Ausübung des Handwerks zählt für ihn. Er passt einfach nicht in diese Welt und muss scheitern.
Aber genau diese Fleischer-Ochsenkopf-Mentalität ist dann das Besondere, was sich auch in der Sprache zeigt. “Allen sturen Ochsenköpfen“ ist dieses Buch gewidmet und der Protagonist „breit wie ein Ochse, massige Oberarme (…), vom Sägen und Hacken und Heben: zähe, sehnige Muskelmasse. Einmal hatte er ein Stierkalb eingekauft, in dessen starren Augen er sich selbst wieder erkannte.“ (S.100) „Niemand konnte sich besser in ein Tier hineinversetzen als er, vor allem in die Kuh, unangefochtene Königin des Tierreichs.“ (S.126) - brilliant formuliert und exakt auf das Thema zugeschnitten.

von fantasia - 2026-06-18 18:14:00

Leidenschaftlich, aber stur - 4 Sterne

Seltsam – zuerst fiel mir eine gewisse Ähnlichkeit zwischen dem Rinderkopf auf dem Cover und der Stirn auf dem Autorenfoto auf. Und dann habe ich mit Vergnügen den Roman über einen recht sturen, aber sehr begabten Metzger gelesen. Begabt ja, für das Fleisch und seine Be- und Verarbeitung, aber der zwischenmenschliche Bereich fällt dem jungen Rensing halt verflixt schwer. Zwar hat er mit seiner Frau eine kluge Person an seiner Seite, aber das anzuerkennen, fällt ihm schwer. Doch es gibt eine gewisse Handlung, die ihm die Kraft für die richtigen Entscheidungen gibt…
Ich habe mich beim Lesen öfters köstlich amüsiert. Der unaufgeregte, ruhige Stil hat mich davongetragen, die Bilder sind stark und eindrücklich, die Charaktere eingängig gestaltet. Zudem interessieren mich Menschen am Rand der sogenannten „Normalität“ ohnehin viel mehr als alle anderen. Rensings Kampf gegen den Supermarkt bzw. seinen abgewanderten Kundenstock nimmt groteske Ausmaße an. Die Vernunft ist zwar bei seiner Frau durchaus beheimatet, doch es fällt ihrem Gatten schwer, das anzuerkennen. Einerseits der ruhig fließende Erzählton, andrerseits das viele Neue, das den Metzger zum Umdenken zwingen will, ihm immer mehr zusetzt und ihm innere Stürme beschert.
Von mir aus hätte auf die junge, praktisch veranlagte Metzgerstochter und nun Ehefrau Jacomine und auf eine andere Außenseiterin, Jans, mehr eingegangen werden können.
„Sturkopf“ ist lustig und traurig zugleich, weil ein so hingebungsvoller, begabter Mensch immer wieder scheitert. Auf jeden Fall ein ungewöhnliches Thema, kurzweilig und lesenswert, mit Blick auf die Einzelheiten, gestaltet. Der Einblick in das Metzgerhandwerk und wie ein Handel dabei vonstattengehen kann, hat mein bescheidenes Hausfrauenwissen überdies erweitert.
Von diesem Autor möchte ich mehr lesen. Gern empfehle ich den Roman weiter.
von Emmmbeee - 2026-06-17 11:47:00

Ungeahnter Lebensweg - 4 Sterne

"Ochsenkopf" von Manik Sarkar trägt auf dem Cover passend: einen Ochsenkopf.
Und wer bei Ochsenkopf sofort an Sturkopf denkt, springt schon mit einer passenden Erwartungshaltung in den Roman. Denn hier geht es um Rensing Junior. Er wächst in einer Metzger-Familie auf und hat daher schon einen vorbestimmten Weg den er auch bereitwillig einschlägt. Das tragikomische daran: er besitzt ein außergewöhnliches Talent das ihm die Fähigkeit gibt, schon zu sehen ob ein Tier zum schlachten taugt oder nicht. Leider zu seinem eigenen Leidwesen. Denn er lebt und arbeitet in einem Dorf in dem es an Feinschmeckern fehlt. Er kann noch so teure und hochwertige Tiere einkaufen und verarbeiten, seine Kunden danken es ihm nicht.

Der Roman hat mich positiv überrascht und ist tiefgründiger als man es am Anfang vermuten möchte. Besonders gut gefällt mir die Sprache, wenn zum Beispiel die Menschen "vertierlicht" werden und die Hände als Klauen bezeichnet werden. Zudem bietet der Roman den ein oder anderen Twist den man sich nicht zu wünschen vorgestellt hat.

Alles in Allem ein gelungener Roman der zum nachdenken anregt.
von Lydia_Te - 2026-06-16 20:23:00

Vorbestimmt - 4 Sterne

Rensings Leben ist vorbestimmt. Er wird Metzger, so wie sein Vater. Aber er hat eine Begabung. Er erkennt auf den ersten Blick, den Wert und die Güte eines Tieres. Ihn kann kein Verkäufer etwas vormachen. Aber dafür hat er andere Defizite. Außerdem ist er von sich eingenommen. Er will den Leuten nur das beste Fleisch verkaufen. Allerdings zu einem Preis, den in Zeiten der aufkommenden Supermärkte fast niemand bezahlen will. Auch als er Jacomine zur Frau nimmt, ändert sich nichts an seinem Verhalten. Er steuert unaufhaltsam seinem Untergang entgegen. Ein Buch, welches einen tiefen Einblick in den menschlichen Unverstand bietet, aber gleichzeitig auch den Glauben an seine persönlichen Ideen offenbart. Es vermittelt auch die Veränderungen im Leben und in der Industrie, welche Rensing allerdings nicht wahrnehmen will. Ein geniales Werk, mit einem fürchterlichen Finale. Das Cover zeigt unverblümt das Verhalten des Hauptdarstellers. Es lohnt sich, dieses Werk zu lesen.
von Goejos - 2026-06-16 10:40:00

Vorbestimmt - 4 Sterne

Rensings Leben ist vorbestimmt. Er wird Metzger, so wie sein Vater. Aber er hat eine Begabung. Er erkennt auf den ersten Blick, den Wert und die Güte eines Tieres. Ihn kann kein Verkäufer etwas vormachen. Aber dafür hat er andere Defizite. Außerdem ist er von sich eingenommen. Er will den Leuten nur das beste Fleisch verkaufen. Allerdings zu einem Preis, den in Zeiten der aufkommenden Supermärkte fast niemand bezahlen will. Auch als er Jacomine zur Frau nimmt, ändert sich nichts an seinem Verhalten. Er steuert unaufhaltsam seinem Untergang entgegen. Ein Buch, welches einen tiefen Einblick in den menschlichen Unverstand bietet, aber gleichzeitig auch den Glauben an seine persönlichen Ideen offenbart. Es vermittelt auch die Veränderungen im Leben und in der Industrie, welche Rensing allerdings nicht wahrnehmen will. Ein geniales Werk, mit einem fürchterlichen Finale. Das Cover zeigt unverblümt das Verhalten des Hauptdarstellers. Es lohnt sich, dieses Werk zu lesen.
von Goejos - 2026-06-16 10:32:00

Genie und Außenseiter - 5 Sterne

Der junge Rensing erlernt den Beruf des Metzgers, wie sein Vater. Geradezu virtuos geht er mit dem Fleisch um. Keine Kunst seines Handwerks ist ihm nicht bekannt. Nur im zwischenmenschlichen Bereich hapert es. Und so wird ihm eine Fleischertochter aus dem Nachbarort zur Seite gestellt. Bald heiraten die beiden und Rensing übernimmt nach dem Tod des Vaters die Metzgerei.

Kurz und knapp wird die Geschichte um Rensing und das Fleischergewerbe erzählt. Ein leichter Humor sticht immer wieder hindurch. Aber vor allem wird an den Beschreibungen nichts verschönert. So wird das Ableben der Kuh bis ins kleinste Detail sachgerecht erläutert, ohne jede Gefühlsregung. Was jedoch immer wieder verstörend wirkt ist die Begutachtung des noch lebenden Tiers durch Rensing. Wie ein psychopatischer Mörder inspiziert er den Körper des Tieres und bewundert seine Schönheit und Perfektion. So lässt er sich dazu hinreißen, überteuertes Schlachtvieh zu kaufen. Vorläufiger Höhepunkt seines Wahns ist die Tötung eines Schafs auf einer fremden Weide aus lauter Gier am Zerteilen des toten Tieres.

Ich fand den Roman sehr gutgeschrieben. Der Autor beschränkt sich auf die rein sachliche Darstellung, Emotionen bleiben komplett außen vor, sowohl gegenüber den Tieren als auch Menschen. In seinem Handwerk stellt der Autor Rensing als ein Genie heraus. Außerhalb seines Metiers ist er jedoch ein Sonderling und wirkt teilweise sogar abartig und angsteinflößend. Gekonnt versteht es der Autor diese Eigenschaften dem Leser zu vermitteln.
von Wolle - 2026-06-15 20:18:00