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Rezensionen

Adlergestell
Roman | Shortlist »Die schönsten deutschen Bücher" Stiftung Buchkunst

Autor: Laura Laabs

Erschienen 2025 bei Tropen
ISBN 978-3-608-50288-6
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Poetisches Puzzle einer Kindheit - 4 Sterne

„Adlergestell“ hat mich sofort angesprochen – nicht nur wegen des schlichten, leicht melancholischen Covers, sondern vor allem wegen der Sprache. Laura Laabs erzählt in fragmentarischen Erinnerungen von drei Mädchen, die in der Nachwendezeit in Ostberlin aufwachsen. Zwischen grauer Ausfallstraße, Center Shocks und ersten Freiheitserfahrungen entsteht ein atmosphärisches Bild, das weit mehr ist als nostalgische Rückschau.

Besonders beeindruckt hat mich die Präzision der Sprache: poetisch, aber nie kitschig, klar und trotzdem voller Zwischentöne. Die Szenen sind wie kleine Momentaufnahmen, die sich zu einem Mosaik zusammensetzen – manchmal humorvoll, manchmal bitter, oft nachdenklich. Gerade diese Mischung aus Leichtigkeit und Schwere hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Die Figuren – allen voran die Erzählerin, Lenka und Chaline – wirken echt, mit all ihren Eigenheiten, Brüchen und stillen Momenten der Entfremdung. Laabs gelingt es, den Ton der jeweiligen Lebensphase glaubwürdig einzufangen und gleichzeitig die unterschwellige Melancholie der Zeit spürbar zu machen.

Fazit:
Ein leises, literarisches Debüt, das nicht vorgibt, alle Antworten zu liefern, sondern Erinnerungen und Gefühle anstößt. Für alle, die Geschichten mögen, die man sich Stück für Stück selbst erschließt – poetisch, präzise und nachhaltig im Kopf.
von Piet1990 - 2025-09-01 15:36:00

stilles Buch mit Tiefgang - 4 Sterne

stilles Buch mit Tiefgang

Adlergestell ist ein Buch, das mich tief berührt hat. Laura Laabs schreibt auf eine direkte und ehrliche Weise, die unter die Haut geht. Die Geschichte ist traurig, aber auch stark. Es geht um Familie, Verlust und das Erwachsenwerden – um das Gefühl, nicht dazuzugehören und trotzdem weiterzumachen.

Besonders bewegt hat mich, wie die Autorin über Trauer schreibt. Nichts wird verschönert, aber auch nichts wird zu schwer. Man spürt, wie weh Erinnerungen tun können – und gleichzeitig, wie wichtig sie sind. Der Ort "Adlergestell" wird fast zu einer eigenen Figur im Buch. Die Stimmung dort ist grau, kalt, fast hoffnungslos – und doch irgendwie vertraut.

Die Sprache ist klar und manchmal fast hart, aber genau das macht das Buch so stark. Es fühlt sich ehrlich an. Nichts ist übertrieben, und gerade deshalb bleibt vieles lange im Kopf.

Ich kann dieses Buch allen empfehlen, die Geschichten mögen, die echt sind – Geschichten, die wehtun, aber auch Mut machen. Adlergestell ist ein stilles, aber kraftvolles Buch.
von div - 2025-08-29 22:01:00

Toller Nachwenderoman! - 4 Sterne

Mit einem Auszug aus ihrem Debütroman “Adlergestell” war die Regisseurin und Autorin bereits zum Ingeborg-Bachmann-Preis 2025 eingeladen. Ich dachte eigentlich auch an einen Nominierung für die Longslist des Deutschen Buchpreises, denn ich fand „Adlergestell“ ist ein toller Nachwenderoman, der aus der Vergangenheit bis in unsere Gegenwart führt.
Der Titel bezieht sich übrigens nicht auf eine Verballhornung von Faberkastell, wie ich als Süddeutsche mit Allgemeinbildungslücken dachte, sondern auf die längste Straße Berlins. Sie verläuft im Bezirk Treptow-Köpenick und begleitet uns als Schauplatz in Laabs Roman durch die Zeitenwende.

An dieser Straße wächst Laabs Ich-Erzählerin und ihre Freundinnen Lenka und Chaline auf.

Zusammen knacken sie Kaugummi Automaten und spielen der Streiche aus der Telefonzelle. Es sind die 90er und der Mauerfall liegt noch nicht lange zurück.
Die Wende versprach für den Osten eine aufregende Zukunft, doch einige Jahre später ist von der Euphorie nicht mehr viel übrig.

„Kinder, deren Eltern plötzlich geschieden waren oder arbeitslos oder beides. Kleine Menschen mit großen Erwartungen, die absehbar zu großen Enttäuschungen werden würden.“

Laabs Roman ist multiperspektivisch aufgebaut, neben den längeren Passagen ihrer kindlichen und später erwachsenen Ich-Erzählerin schiebt sie immer wieder die Perspektiven von Frauen der Eltern- und Großelterngeneration. Tante Nora hat noch den Krieg erlebt, die Mutter von Chaline wurde als Leistungsturnerin von ihrem Trainer im DDR-System missbraucht, um nur zwei Einzelschicksale zu nennen.
Laabs blickt auf das Leben der Frauen, die mit den politischen und gesellschaftlichen Veränderungen umgehen müssen.

„Erst hat die Mauer ihr Leben geteilt in ein Davor und ein Dahinter. Nun teilt der Fall der Mauer ihr Leben in ein Davor und ein Danach.“


Und die Ich-Erzählerin?
Sieht im Fersehen die poppigen Werbespots der 90er. Mit Fairy Ultra und Yogurette soll das Leben zum leichten Traum werden. Laabs zeigt entlarvend die kapitalistischen Werbelügen und Manipulation jener Zeit, die zum Konsum anregen, aber eigentlich nur Unzufriedenheit schüren.

Laabs verwendet immer wieder die Farben Rot, Grün und Blau. Es sind die Farben aus denen sich früher jedes Fernsehbild zusammensetzte. Und in die Farben Rot, Grün und Blau zerfallen die bunte Bilder wieder, wenn du zu nah ran gehst. Es sind die Farben, die du auch auf dem Cover wiederfindest.

„Oder waren wir selbst Geister? Waren wir bereits in unsere kleinsten Atome zerlegt, aufgelöst, verschwunden? Die Perlen trafen den Fußboden, schossen aus dem Zimmer und stürzten die Treppe hinunter - Blau, Rot und Grün - in die dunkle Tiefe. Ins Schwarz.“


Die Erzählerin wird erwachsen und verliert ihre Freundinnen aus den Augen, hat dafür Beziehungen mit Männern. Die Mutter am Adlergestell besucht sie selten.


Mir gefällt die konsequent weibliche Perspektive des Romans, so ganz im Kontrast zur historischen Geschichtsschreibung des Adlergestell, sehr.

„Es scheint, als hätte es nur Männer gegeben am Adlergestell. Doch beinahe unbemerkt schlugen sich auch Frauen hier durch die Geschichte.“

Die Geschichte der Ich-Erzählerin führt mich bis ins Heute, zu den aktuell brennenden Themen unserer Zeit.

Und die letzten Seiten erwischen mich noch so richtig.
„Wie ein Center Shock, mitten durchs Herz.“
von @lust_auf_literatur - 2025-08-28 19:56:00

Überraschendes Highlight - 5 Sterne

Was für ein ungewöhnliches Cover dachte ich, als ich das Buch zu ersten Mal gesehen habe. Und dann der Titel – was sich wohl dahinter versteckt?
Kurz gesagt: Ein überraschendes Highlight; zumindest für mich. Und das vor allem aus zwei Gründen.
Zum einen konnte mich die Geschichte richtig gut mitnehmen. Ich war ganz in der Welt der Nachwendezeit gefangen. Die drei Mädchen in ihrem Leben zu begleiten hat mir richtig Spaß gemacht. Und ganz besonders haben mir die Kapitel gefallen, in denen es um die Erwachsenen bzw. um historische Gegebenheiten ging. Vor allem die Geschichte von Eleftheria hat mich emotional richtig mitgenommen. Und das Kapitel Adlergestell war so interessant, dass ich direkt googeln musste.
Was mich aber richtig begeistert hat, war der Aufbau des Buches. Diesen fand ich sehr kreativ und regt dazu an, immer noch einen Abschnitt lesen zu wollen. Man fliegt regelrecht durch die Seiten. Die schwarzen Seiten dazwischen waren dann immer wie ein kleines Bonbon, bevor es wieder weiter ging.
Volle 5 Sterne. Gerne mehr davon!
von morlin - 2025-08-24 17:56:00

Rückblick - 5 Sterne

Chaline, Lenka und die Erzählerin wohnen in Ostberlin an der langen, geraden Ausfallstraße, dem Adlergestell. Die Erzählerin bringt uns die gemeinsame Jugend- und Schulzeit der Drei authentisch näher. Ihre Abenteuer und ihre Streiche, ihre Erlebnisse und ihre Niederlagen in der Zeit des Mauerfalles und danach. Sie erleben das Verschwinden der Versprechungen und Ankündigungen nach der Wiedervereinigung. Aber die Drei lassen sich nicht unterkriegen und halten zusammen wie Pech und Schwefel. Hervorzuheben bei diesem Buch ist u.a. der Schreibstil der Autorin. Das Buch ist wunderbar und schnell zu lesen. Es werden die damaligen Eindrücke plastisch rübergebracht. Man hat das Gefühl, selbst mit den Dreien in die Schule gegangen zu sein. Doch so rational das Geschehen geschildert wurde, etwas verstört hat mich das Ende zurückgelassen. Ein großartiges Buch trotzdem, welches zum Nachdenken anregt.
von Goejos - 2025-08-21 18:14:00

Rückblick - 4 Sterne

Chaline, Lenka und die Erzählerin wohnen in Ostberlin an der langen, geraden Ausfallstraße, dem Adlergestell. Die Erzählerin bringt uns die gemeinsame Jugend- und Schulzeit der Drei authentisch näher. Ihre Abenteuer und ihre Streiche, ihre Erlebnisse und ihre Niederlagen in der Zeit des Mauerfalles und danach. Sie erleben das Verschwinden der Versprechungen und Ankündigungen nach der Wiedervereinigung. Aber die Drei lassen sich nicht unterkriegen und halten zusammen wie Pech und Schwefel. Hervorzuheben bei diesem Buch ist u.a. der Schreibstil der Autorin. Das Buch ist wunderbar und schnell zu lesen. Es werden die damaligen Eindrücke plastisch rübergebracht. Man hat das Gefühl, selbst mit den Dreien in die Schule gegangen zu sein. Doch so rational das Geschehen geschildert wurde, etwas verstört hat mich das Ende zurückgelassen. Ein großartiges Buch trotzdem, welches zum Nachdenken anregt.
von goejos - 2025-08-21 18:05:00

Rückblick - 5 Sterne

Chaline, Lenka und die Erzählerin wohnen in Ostberlin an der langen, geraden Ausfallstraße, dem Adlergestell. Die Erzählerin bringt uns die gemeinsame Jugend- und Schulzeit der Drei authentisch näher. Ihre Abenteuer und ihre Streiche, ihre Erlebnisse und ihre Niederlagen in der Zeit des Mauerfalles und danach. Sie erleben das Verschwinden der Versprechungen und Ankündigungen nach der Wiedervereinigung. Aber die Drei lassen sich nicht unterkriegen und halten zusammen wie Pech und Schwefel. Hervorzuheben bei diesem Buch ist u.a. der Schreibstil der Autorin. Das Buch ist wunderbar und schnell zu lesen. Es werden die damaligen Eindrücke plastisch rübergebracht. Man hat das Gefühl, selbst mit den Dreien in die Schule gegangen zu sein. Doch so rational das Geschehen geschildert wurde, etwas verstört hat mich das Ende zurückgelassen. Ein großartiges Buch trotzdem, welches zum Nachdenken anregt.
von Goejos - 2025-08-21 18:02:00

ganz gut - 4 Sterne

Mich hat die Geschichte des Buches direkt angesprochen und ich wollte wissen. Wie es denn Protagonistinnen in dem Buch ergeht,denn dieses Buch handelt von der Direkten Nachwendezeit und berichter die Geschichten von 3 Freundinnen. Diese freundinnen wohnen alle in einer Straße in Berlin. In ost Berlin. Trotz, das sie alle zusammen in den gleichen Familienverhältnissen und Fast an dem gleichen Ort aufwachsen Gehen ihren Leben Einen Anderen Weg und sind ziemlich unterschiedlich.
Ich will das Thema der Nachwendezeit und des Ankommens Loslassen und neuorientierung sehr spannend und deshalb wollte ich das Buch unbedingt lesen. Es war nicht immer einfach zu lesen, da es viele Zeitsprünge im Buch gibt und ich auch nicht immer der Handlung komplett folgen konnte. Dennoch war es lesenswert und Recht gut geschrieben. Das thema hat mir gefallen.
von inya - 2025-08-19 14:43:00

Eine Kindheit - 4 Sterne



Laura Laabs führt uns in ihrem Roman, Adlergestell, in die Wendezeit am Rande Ostberlins.
Die Autorin hat beim Ingeborg Bachmann Preis in Klagenfurt einen Text aus diesem Roman vorgetragen. Da hatte ich doch Lust den ganzen Roman zu lesen.
Die Geschichte beginnt mit der Einschulung von Lenka Chaline und der Erzählerin.
Alle Drei sind tagsüber auf sich gestellt. Lenka und die Erzählerin waren schon Freundinnen im Kindergarten.
Die Erzählerin schildert ihre Kindheit und was sie da alles anstellten. Nach einem besonders schweren Ereignis wird Chaline wo anders hingebracht. . Dann von ihrem Studium. Nach 35 Jahren besucht sie ihre Heimatstadt wieder. Aber es hat sich viel geändert.
Lenka ist dem Islam beigetreten und wird etwas scheel angesehen.
Chaline hat auch ihren Weg gemacht..
Die Autorin hat eine eindrucksvolle Erzählweise, die das Buch interessant macht und gut lesen lässt.
von begine - 2025-08-16 16:56:00

Freundschaft nach der wende - 3 Sterne

Laura Laabs Buch Adlergestell spielt in der Zeit nach der Wende und dem Fall der Berliner Mauer. Es wird von drei Mädchen ab dem Zeitpunkt an dem sie in die Grundschule kommen erzählt, sie verbringen ihre Zeit in der Nähe der breiten und längsten DurchfahrtsStraße Adlergestell in Berlin. Erzählerin ist eine der drei Mädchen. Die Geschichte handelt von Alltag, Familie, Probleme wie Vernachlässigung und familiäre Gewalt, Arbeitslosigkeit, Schulprobleme und Scheidung finden Erwähnung in der Geschichte. Aber auch Freundschaft mit all ihren Facetten, Streiche und Dummheiten der drei werden erzählt. Manches erkenne ich von früher, wie z.B. Telefonstreiche oder Eierlikörbecher zum essen erkenne ich aus dieser Zeit. In Abschnitten dazwischen wird aus der späteren, erwachsenen Zeit erzählt. Das Buch war sehr gut zu lesen, etwas befremdlich fand ich die kurzen Kapitel dazwischen mit den dunklen Seiten, deren Sinn mir nicht immer so ganz erschlossen war.
von M - 2025-08-14 19:20:00