Rezensionen
Der stille Freund
Spiegel-Bestseller-Autor
Autor: Ferdinand von von Schirach
Erschienen 2025 bei Luchterhand
ISBN 978-3-630-87812-6
Der stille Freund - 5 Sterne
Wer braucht in diesen turbulenten Zeiten nicht einen „stillen Freund“? Ferdinand von Schirachs neuer Erzählband über Moral, Schuld und Sinn ist ein eben solch behutsamer und verschwiegener Lebensbegleiter! Der renommierte Jurist, Strafverteidiger und deutsche Intellektuelle Ferdinand von Schirach behandelt in seinen Geschichten, die teils autobiographisch, teils fiktiv sind, immer wieder Schicksale von Menschen, die in moralische Zwickmühlen geraten. Das Thema der Schuld steht im Zentrum, aber es wird nicht emotional oder mit erhobenem Zeigefinger verhandelt, sondern nüchtern und sachlich – und gerade deshalb umso eindringlicher. So etwa in der Geschichte rund um Philipp, einem Sohn aus adeligem Hause, der den Tod seiner Mutter Tony aufklären will. Von Schirach schreibt: „Ich war 14 Jahre Anwalt in Berlin, als mich Philipp, der Sohn Tonys, an einem Winternachmittag in der Kanzlei aufsuchte. Er hatte sich unter dem Namen Philipp Stahnske im Sekretariat angemeldet, und vermutlich erkannte ich ihn auch deshalb nicht gleich. Als ich ihn das letzte Mal gesehen hatte, war er 15 oder 16 Jahre alt gewesen. Jetzt war er 30, ein kleiner, etwas dicklicher und früh gealterter Mann mit Scheitel, randloser Brille, Anzug und Krawatte.“
Als Tony, die Mutter, auf einer Reise von einem Kreuzfahrtschiff verschwindet, verdächtigt Philipp ihren aktuellen Liebhaber, sie über Bord geworfen zu haben. Doch die Spuren, die der Anwalt und Erzähler ausfindig macht, deuten in eine andere Richtung… Zu viel sei hier nicht verraten, doch geht es bei den Geschichten stets um die Suche nach Gerechtigkeit, um existentielle Fragen und um die Sehnsucht, auf Unerklärliches Antwort zu erhalten. So heißt es im Buch: „Alle Fragen nach einem Sinn sind Kinderfragen. Niemand weiß, warum das eine Leben glückt und das andere nicht. Es gibt keine Regeln, es gab sie noch nie.“
In der titelgebenden Erzählung „Der stille Freund“ erinnert sich von Schirach an Massimo, den belesenen Freund aus Schulzeiten im Jesuiten-Internat. Nachdem er weder bei Kant noch bei Platon finden konnte, was er suchte, erleuchtete ihn - jenseits aller philosophischen Maximen - diese eine existenzielle Erkenntnis: „Und dann, ganz plötzlich, wurde ihm klar, dass nur das Lebendige wahr ist, nur das Staunen, nur die Schönheit unserer Welt, dieser eine Moment. Er ging in ein Café, bestellte ein Cornetto, biss hinein und konnte nicht mehr aufhören zu lachen. Massimo nannte diesen Moment später seinen "stillen Freund", zu dem er immer wieder zurückkehren konnte. Das verstand ich sehr gut.“ Massimo freut sich also über diesen Augenblick, in dem das Lebendige, das Staunen und die Schönheit wahr sind. Sein „stiller Freund“ ist jener Augenblick, zu dem Faust sagt, verweile doch, du bist so schön. Genau das zeigt uns Ferdinand von Schirach auf meisterhafte und kluge Weise: Um den Sinn unseres Daseins zu erklären, reichen die Weisheiten dieser Welt nicht aus – eben wie es Faust erkannte: nur dieser eine, erfüllte Augenblick vermag dies zu vollbringen.
Solche Passagen werden in uns nachhallen, auch lange nach der Lektüre. Kennen wir nicht alle solche Momente des stillen Glücks, die wir festhalten wollen? Die Momente, in dem man eine „Madeleine“ genießt – wie im Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust, in dem sein Erzähler durch den Geschmack eines in Tee getauchten Madeleine-Kuchens an seine Kindheit erinnert wird; eine zarte, aber lebhafte Erinnerung, inmitten aller Verletzungen, die das Leben uns zufügt: Ein sogenannter „Madeleine-Moment“ ist ein Augenblick, der durch eine sensorische Erfahrung wie einen Geschmack oder Geruch ausgelöst wird. Der Madeleine-Moment ist dieser “stille Freund” – jemand, wie William Shakespeare schon wusste, “der Deine Vergangenheit versteht, an Deine Zukunft glaubt und Dich so akzeptiert, wie Du bist.“
Genau diese Momente – und das Bewusstsein für solche Momente! – vermitteln die Erzählungen. Etwas Tiefgründiges, Fundamentales berührt uns beim Lesen – es werden keine leichten Lösungen angeboten, keine Erfolgsgeschichten geschildert, sondern es wird meisterhaft gezeigt, wie nah Triumph und Scheitern beieinander liegen. Oft sind es Zufälle, die unserem Leben eine ganz andere Richtung geben; das Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit ist ebenso notwendig wie das Geheimnis, das den Menschen trotz allen Fortschritts noch immer umgibt. So erklärt der Autor: „Alle Fragen nach einem Sinn sind Kinderfragen. Niemand weiss, warum das eine Leben glückt und das andere nicht. Es gibt keine Regeln, es gab sie noch nie. Ich jedenfalls kann Massimos Buch nicht schreiben. Aber ich erinnere mich an den Geruch des Sommers in Südfrankreich, als ich 15 Jahre als war und an den roten Sand des Tennisplatzes in unserem Park und an die sehr langen, weissen Seidenhandschuhe meiner Tante. Ich bin Schriftsteller, ich erzähle nur Geschichten.“
Ein heißer Tipp: Das neue Buch bildet die Grundlage für Ferdinand von Schirachs großes Bühnenprogramm „Der stille Freund“, mit dem er ab Herbst 2026 durch Deutschland, Österreich und die Schweiz auf Tournee geht!
Das Buch „Der stille Freund“ ist ein treuer Begleiter und Highlight unserer Herbstabende; ein Erzählband voll Innerlichkeit und Tiefgang – er zeigt, dass es Unschuld in ihrer reinsten Form nicht geben kann: Wir alle haben in irgendeiner Weise mit Schuld und Sühne zu tun; die Geschichtensammlung zeigt aber auch die Schönheit und Würde des Menschen trotz aller Tragik und Schicksalsschläge. Und gerade in den trüben Momenten tauchen „stille Freunde“ auf, wie es im Sprichwort heißt: „Wahre Freunde stolpern meist zufällig in Dein Leben und bleiben dann mit voller Absicht.“
Als Tony, die Mutter, auf einer Reise von einem Kreuzfahrtschiff verschwindet, verdächtigt Philipp ihren aktuellen Liebhaber, sie über Bord geworfen zu haben. Doch die Spuren, die der Anwalt und Erzähler ausfindig macht, deuten in eine andere Richtung… Zu viel sei hier nicht verraten, doch geht es bei den Geschichten stets um die Suche nach Gerechtigkeit, um existentielle Fragen und um die Sehnsucht, auf Unerklärliches Antwort zu erhalten. So heißt es im Buch: „Alle Fragen nach einem Sinn sind Kinderfragen. Niemand weiß, warum das eine Leben glückt und das andere nicht. Es gibt keine Regeln, es gab sie noch nie.“
In der titelgebenden Erzählung „Der stille Freund“ erinnert sich von Schirach an Massimo, den belesenen Freund aus Schulzeiten im Jesuiten-Internat. Nachdem er weder bei Kant noch bei Platon finden konnte, was er suchte, erleuchtete ihn - jenseits aller philosophischen Maximen - diese eine existenzielle Erkenntnis: „Und dann, ganz plötzlich, wurde ihm klar, dass nur das Lebendige wahr ist, nur das Staunen, nur die Schönheit unserer Welt, dieser eine Moment. Er ging in ein Café, bestellte ein Cornetto, biss hinein und konnte nicht mehr aufhören zu lachen. Massimo nannte diesen Moment später seinen "stillen Freund", zu dem er immer wieder zurückkehren konnte. Das verstand ich sehr gut.“ Massimo freut sich also über diesen Augenblick, in dem das Lebendige, das Staunen und die Schönheit wahr sind. Sein „stiller Freund“ ist jener Augenblick, zu dem Faust sagt, verweile doch, du bist so schön. Genau das zeigt uns Ferdinand von Schirach auf meisterhafte und kluge Weise: Um den Sinn unseres Daseins zu erklären, reichen die Weisheiten dieser Welt nicht aus – eben wie es Faust erkannte: nur dieser eine, erfüllte Augenblick vermag dies zu vollbringen.
Solche Passagen werden in uns nachhallen, auch lange nach der Lektüre. Kennen wir nicht alle solche Momente des stillen Glücks, die wir festhalten wollen? Die Momente, in dem man eine „Madeleine“ genießt – wie im Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust, in dem sein Erzähler durch den Geschmack eines in Tee getauchten Madeleine-Kuchens an seine Kindheit erinnert wird; eine zarte, aber lebhafte Erinnerung, inmitten aller Verletzungen, die das Leben uns zufügt: Ein sogenannter „Madeleine-Moment“ ist ein Augenblick, der durch eine sensorische Erfahrung wie einen Geschmack oder Geruch ausgelöst wird. Der Madeleine-Moment ist dieser “stille Freund” – jemand, wie William Shakespeare schon wusste, “der Deine Vergangenheit versteht, an Deine Zukunft glaubt und Dich so akzeptiert, wie Du bist.“
Genau diese Momente – und das Bewusstsein für solche Momente! – vermitteln die Erzählungen. Etwas Tiefgründiges, Fundamentales berührt uns beim Lesen – es werden keine leichten Lösungen angeboten, keine Erfolgsgeschichten geschildert, sondern es wird meisterhaft gezeigt, wie nah Triumph und Scheitern beieinander liegen. Oft sind es Zufälle, die unserem Leben eine ganz andere Richtung geben; das Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit ist ebenso notwendig wie das Geheimnis, das den Menschen trotz allen Fortschritts noch immer umgibt. So erklärt der Autor: „Alle Fragen nach einem Sinn sind Kinderfragen. Niemand weiss, warum das eine Leben glückt und das andere nicht. Es gibt keine Regeln, es gab sie noch nie. Ich jedenfalls kann Massimos Buch nicht schreiben. Aber ich erinnere mich an den Geruch des Sommers in Südfrankreich, als ich 15 Jahre als war und an den roten Sand des Tennisplatzes in unserem Park und an die sehr langen, weissen Seidenhandschuhe meiner Tante. Ich bin Schriftsteller, ich erzähle nur Geschichten.“
Ein heißer Tipp: Das neue Buch bildet die Grundlage für Ferdinand von Schirachs großes Bühnenprogramm „Der stille Freund“, mit dem er ab Herbst 2026 durch Deutschland, Österreich und die Schweiz auf Tournee geht!
Das Buch „Der stille Freund“ ist ein treuer Begleiter und Highlight unserer Herbstabende; ein Erzählband voll Innerlichkeit und Tiefgang – er zeigt, dass es Unschuld in ihrer reinsten Form nicht geben kann: Wir alle haben in irgendeiner Weise mit Schuld und Sühne zu tun; die Geschichtensammlung zeigt aber auch die Schönheit und Würde des Menschen trotz aller Tragik und Schicksalsschläge. Und gerade in den trüben Momenten tauchen „stille Freunde“ auf, wie es im Sprichwort heißt: „Wahre Freunde stolpern meist zufällig in Dein Leben und bleiben dann mit voller Absicht.“
von Katja Hölzl aus der Tyrolia-Filiale in Innsbruck - 2025-10-20 16:47:11
Der stille Freund - 4 Sterne
Ferdinand von Schirach erzählt in Der stille Freund mit einfacher und präziser Sprache von Begegnungen, die unscheinbar beginnen und plötzlich Schicksal werden. In diesen kurzen Momenten entlarvt er, wie brüchig Gewissheiten sind, und gibt Einblick unter die Oberfläche, wo Fragen über Sinn und Moral, Schuldgefühle und existenzielle Zweifel lauern. Die Geschichten sind leise, aber von großer Wucht. Ideal, wenn man beim Lesen still wird und sich selbst wiederfindet.
von Markus Costa aus der Athesia-Filiale in Meran - 2025-09-24 11:51:34
Der stille Freund - 5 Sterne
Erinnerungen in kurzen Geschichten über Persönlichkeiten wie Adolf Loos, Gottfried von Cramm oder Egon Friedell. Gesammelt und großartig erzählt von dem bekannten Autor.
von Doris Stadlbauer - 2025-08-27 11:23:49


