Rezensionen
Feindbild Frau
Wie Politikerinnen im Netz bedroht, beleidigt und verdrängt werden – und was wir alle dagegen tun können
Autor: Ingrid Brodnig
Erschienen 2026 bei Brandstätter Verlag
ISBN 978-3-7106-0942-8
Keine leichte Kost, nichts für den schnellen Lesegenuss zwischendurch! - 5 Sterne
Keine leichte Kost, nichts für den schnellen Lesegenuss zwischendurch: Dieses Buch zeigt eindringlich, wie das Feindbild Frau gezielt kultiviert und gesellschaftlich verankert wird.
Für Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen – Politikerinnen, Ärztinnen, Anwältinnen und viele andere –, gehören digitale Hetze, geschlechtsspezifischer Hass sowie verbale und reale Gewaltandrohungen längst zum Alltag.
Wer sich im Internet bewegt, stößt rasch auf Kommentare, die von Hass, Verachtung, Ignoranz, Spott und Gewaltfantasien geprägt sind. Nichts davon lässt sich mit einem achselzuckenden Verweis auf die Freiheit des Netzes entschuldigen. Nichts davon darf verharmlost oder schöngeredet werden.
Immer wieder frage ich mich, ob unsere Gesellschaft tatsächlich von so vielen Menschen geprägt ist, die verbal eskalieren, Gewalt androhen oder sogar Freude daran empfinden, andere einzuschüchtern. Liegt diese Enthemmung daran, dass sich Täter hinter Pseudonymen und der vermeintlichen Anonymität des Internets verstecken können? Oder erleben wir gerade eine Entwicklung, die zur neuen Normalität werden soll – und an die sich Frauen gefälligst gewöhnen sollen? Doch kann und darf man sich an Hass gewöhnen?
Besonders erschreckend ist, dass diejenigen, die Frauen mit Hass, Drohungen und Einschüchterungen überziehen, oftmals kaum Konsequenzen zu befürchten haben. Gesetzliche Lücken und unzureichende Durchsetzung bestehender Regelungen begünstigen diese Straflosigkeit. Dabei gäbe es durchaus Möglichkeiten, wirksamer gegen die überwiegend männlichen Täter vorzugehen.
Gleichzeitig zeigt das Buch auf, welche Strategien der Gegenwehr Betroffenen zur Verfügung stehen und wie Zivilgesellschaft und Politik reagieren können.
Gewalt im Netz bedroht die Demokratie. Hass ist keine Meinung, und Gewalt hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun.
Für Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen – Politikerinnen, Ärztinnen, Anwältinnen und viele andere –, gehören digitale Hetze, geschlechtsspezifischer Hass sowie verbale und reale Gewaltandrohungen längst zum Alltag.
Wer sich im Internet bewegt, stößt rasch auf Kommentare, die von Hass, Verachtung, Ignoranz, Spott und Gewaltfantasien geprägt sind. Nichts davon lässt sich mit einem achselzuckenden Verweis auf die Freiheit des Netzes entschuldigen. Nichts davon darf verharmlost oder schöngeredet werden.
Immer wieder frage ich mich, ob unsere Gesellschaft tatsächlich von so vielen Menschen geprägt ist, die verbal eskalieren, Gewalt androhen oder sogar Freude daran empfinden, andere einzuschüchtern. Liegt diese Enthemmung daran, dass sich Täter hinter Pseudonymen und der vermeintlichen Anonymität des Internets verstecken können? Oder erleben wir gerade eine Entwicklung, die zur neuen Normalität werden soll – und an die sich Frauen gefälligst gewöhnen sollen? Doch kann und darf man sich an Hass gewöhnen?
Besonders erschreckend ist, dass diejenigen, die Frauen mit Hass, Drohungen und Einschüchterungen überziehen, oftmals kaum Konsequenzen zu befürchten haben. Gesetzliche Lücken und unzureichende Durchsetzung bestehender Regelungen begünstigen diese Straflosigkeit. Dabei gäbe es durchaus Möglichkeiten, wirksamer gegen die überwiegend männlichen Täter vorzugehen.
Gleichzeitig zeigt das Buch auf, welche Strategien der Gegenwehr Betroffenen zur Verfügung stehen und wie Zivilgesellschaft und Politik reagieren können.
Gewalt im Netz bedroht die Demokratie. Hass ist keine Meinung, und Gewalt hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun.
von Astrid - 2026-06-03 21:16:00
Wie digitaler Hass Frauen die Stimme raubt - 5 Sterne
Die durch ihre fundierten Analysen von digitalen Entwicklungen bekannte Autorin Ingrid Brodnig hat sich mit ihrem neuen Buch “Feindbild Frau” der Aufgabe gestellt, an Hand von Interviews mit Politikerinnen zu beleuchten, welchen Beleidigungen, Verfemungen und sexistischen Kommentaren Frauen ausgeliefert sind- natürlich vor allem dann, wenn sie sich auf öffentlicher Bühne bewegen.
In den geführten Interviews zeigen die Betroffenen sehr ehrlich, welchen negativen Einfluss auf ihr privates und berufliches Leben, ihren Gemütszustand und ihr Selbstbild Hasskommentare haben.
Die Autorin gibt Posts wieder, die Frauen auf Grund ihres Geschlechtes herabsetzen, sie obszön bedrohen und demütigen und - gerade für die interviewten Politikerinnen sehr wesentlich- ihnen die Kompetenz absprechen. So werden sie nicht nur persönlich, sondern auch fachlich diskreditiert. Dadurch wird der Transport politischer Botschaften schwierig, das Darstellen komplexer Sachverhalte fast unmöglich. Neben Drohungen gegen Leib und Leben schrecken Hassposter auch vor der Bedrohung der Familie nicht zurück. Betroffene überlegen, sich zurückzuziehen, eine Einengung des öffentlichen Diskurses und der Meinungsbildung ist die Folge.
Die Autorin empfiehlt Strategien, wie man solchen Hetzkampagnen in Internet begegnen kann und soll, von der Prüfung des eigenen Sicherheitslevels bis zum Vorgehen gegen Plattformen und Klagen vor Gericht. Hier möchte ich anmerken, dass die Frauen, die im Buch Raum bekommen, einerseits das Schicksal vieler anderer Frauen teilen, die in Sozialen Medien verbaler Gewalt ausgesetzt sind, andererseits den Politikerinnen sicherlich mehr Mittel und Unterstützung zur Verfügung stehen, auf die andere Frauen nicht zurück greifen können. Allerdings ist der Beruf der Politikerin besonders exponiert. Fake News, verkürzte oder polemisch dargestellte Sachverhalte im Internet können, vor allem wenn sie auch von den Printmedien aufgegriffen werden, das Karriereende bedeuten.
Besonders interessant fand ich, welche Rolle Ingrid Brodnig dem Humor zuschreibt. Humor kann und soll belustigen, wenn er jedoch auf Kosten anderer Menschen geht, ist er oft bösartig und kränkend. Besonders betroffen sind hier Menschen mit Migrationshintergrund oder nicht heterosexueller Orientierung sowie vulnerable Gruppen. Die Autorin nimmt auch Memes als Beispiele für die wiederkehrende Verunglimpfung, dafür, wie mit Bildsprache herabsetzende Inhalte transportiert werden.
“Feindbild Frau” wirft die Frage auf, ob es eine universale moralische Achtung gäbe. Würde sich unter dieser Annahme der Ton im Netz verändern? Meine persönliche Meinung dazu ist, dass ich diese universale Moral nicht sehe. Moral ist immer eine subjektive Norm und damit zu unterscheiden von Rechtsnormen. Hier bietet die Autorin den Ansatz, Opfer von Hass im Netz solidarisch zu unterstützen und zeigt dazu auch die Möglichkeiten auf. Viele Politikerinnen haben Social Media Abteilungen, um nicht direkt mit Hasspostings konfrontiert zu werden. Als “normale” Nutzerin könnte man jemand um Hilfe bitten, dem man vertraut. Und natürlich sollte man alle rechtlichen Möglichkeiten ausnutzen. Dazu und zu Ansprechstellen, die Hilfe bieten, finden sich eigene Anhänge im Buch. Ebenso findet sich im Anhang ein ausführliches Verzeichnis von Quellen und Anmerkungen.
“Feindbild Frau” ist ein hervorragendes Sachbuch, das mahnt, die Gesprächskultur im Netz zu hinterfragen und, wenn notwendig, Beiträge auch zu sanktionieren. Wenn Meinungen durch Falschinformationen, Drohungen oder Hass aus den öffentlichen Debatten verschwinden, Menschen sich aus der gesellschaftlichen Verantwortung herausnehmen, hat das auch demokratiepolitische Konsequenzen. Ingrid Brodnig stellt in ihrem Buch das Wissen bereit, dagegen anzukämpfen.
In den geführten Interviews zeigen die Betroffenen sehr ehrlich, welchen negativen Einfluss auf ihr privates und berufliches Leben, ihren Gemütszustand und ihr Selbstbild Hasskommentare haben.
Die Autorin gibt Posts wieder, die Frauen auf Grund ihres Geschlechtes herabsetzen, sie obszön bedrohen und demütigen und - gerade für die interviewten Politikerinnen sehr wesentlich- ihnen die Kompetenz absprechen. So werden sie nicht nur persönlich, sondern auch fachlich diskreditiert. Dadurch wird der Transport politischer Botschaften schwierig, das Darstellen komplexer Sachverhalte fast unmöglich. Neben Drohungen gegen Leib und Leben schrecken Hassposter auch vor der Bedrohung der Familie nicht zurück. Betroffene überlegen, sich zurückzuziehen, eine Einengung des öffentlichen Diskurses und der Meinungsbildung ist die Folge.
Die Autorin empfiehlt Strategien, wie man solchen Hetzkampagnen in Internet begegnen kann und soll, von der Prüfung des eigenen Sicherheitslevels bis zum Vorgehen gegen Plattformen und Klagen vor Gericht. Hier möchte ich anmerken, dass die Frauen, die im Buch Raum bekommen, einerseits das Schicksal vieler anderer Frauen teilen, die in Sozialen Medien verbaler Gewalt ausgesetzt sind, andererseits den Politikerinnen sicherlich mehr Mittel und Unterstützung zur Verfügung stehen, auf die andere Frauen nicht zurück greifen können. Allerdings ist der Beruf der Politikerin besonders exponiert. Fake News, verkürzte oder polemisch dargestellte Sachverhalte im Internet können, vor allem wenn sie auch von den Printmedien aufgegriffen werden, das Karriereende bedeuten.
Besonders interessant fand ich, welche Rolle Ingrid Brodnig dem Humor zuschreibt. Humor kann und soll belustigen, wenn er jedoch auf Kosten anderer Menschen geht, ist er oft bösartig und kränkend. Besonders betroffen sind hier Menschen mit Migrationshintergrund oder nicht heterosexueller Orientierung sowie vulnerable Gruppen. Die Autorin nimmt auch Memes als Beispiele für die wiederkehrende Verunglimpfung, dafür, wie mit Bildsprache herabsetzende Inhalte transportiert werden.
“Feindbild Frau” wirft die Frage auf, ob es eine universale moralische Achtung gäbe. Würde sich unter dieser Annahme der Ton im Netz verändern? Meine persönliche Meinung dazu ist, dass ich diese universale Moral nicht sehe. Moral ist immer eine subjektive Norm und damit zu unterscheiden von Rechtsnormen. Hier bietet die Autorin den Ansatz, Opfer von Hass im Netz solidarisch zu unterstützen und zeigt dazu auch die Möglichkeiten auf. Viele Politikerinnen haben Social Media Abteilungen, um nicht direkt mit Hasspostings konfrontiert zu werden. Als “normale” Nutzerin könnte man jemand um Hilfe bitten, dem man vertraut. Und natürlich sollte man alle rechtlichen Möglichkeiten ausnutzen. Dazu und zu Ansprechstellen, die Hilfe bieten, finden sich eigene Anhänge im Buch. Ebenso findet sich im Anhang ein ausführliches Verzeichnis von Quellen und Anmerkungen.
“Feindbild Frau” ist ein hervorragendes Sachbuch, das mahnt, die Gesprächskultur im Netz zu hinterfragen und, wenn notwendig, Beiträge auch zu sanktionieren. Wenn Meinungen durch Falschinformationen, Drohungen oder Hass aus den öffentlichen Debatten verschwinden, Menschen sich aus der gesellschaftlichen Verantwortung herausnehmen, hat das auch demokratiepolitische Konsequenzen. Ingrid Brodnig stellt in ihrem Buch das Wissen bereit, dagegen anzukämpfen.
von gabiliest - 2026-05-31 14:26:00
Eine klare Leseempfehlung! - 5 Sterne
„Wie Politikerinnen im Netz bedroht, beleidigt und verdrängt werden und was wir alle dagegen tun können“
Wie schon in ihrem Buch „Hass im Netz“ zeigt Autorin und Expertin für digitale Gesellschaft auf, wie sehr die Anonymität im Netz Menschen ihre Hemmungen nicht, weshalb sie immer und überall ungefragt ihre Meinung kundzutun und das vor allem Frauen gegenüber, in einer menschenverachtenden Weise.
„Beleidigungen sind wirkungsvoll, weil sie uns Menschen signalisieren, welchen Stellenwert wir in der Gesellschaft haben“ (S. 39).
Ingrid Brodnig analysiert in 13 Kapiteln die digitale Gewalt die Frauen in Führungspositionen entgegen schlägt. Darüber hat sie mit Politikerinnen in Österreich und Deutschland gesprochen, die, weil sie in der Öffentlichkeit sichtbar sind, einer besonderen Aggression ausgesetzt sind. Vor allem die sexualisierte Gewalt der Hetze im Netz ist für Frauen besonders verletzend. Das Beispiel eines Mannes, der zunächst eine Politikerin sexistisch beleidigt, den Prozess leider gewinnt, anschließend die Frau, die sich gewehrt hat wegen Rufschädigung klagt, und letztlich eine Frau, nämlich seine eigene Lebensgefährtin ermordet, zeigt auch, dass vermeintlich harmlose Übergriffe im Netz recht schnell an anderen Stelle eskalieren können.
Das Ergebnis der Analyse überrascht nicht: Es ist vor allem Männer, die sich die Anonymität des Netzes zu Nutze machen, Frauen werden bedroht, beleidigt und diffamiert, um sie mundtot zu machen und in Schranken zu weisen.
Die Autorin weist auf die Motive und die Mechanismen dieser Bedrohungsszenarien hin und entwirft gleichzeitig zahlreiche Strategien der Gegenwehr und zeigt, was jede Einzelne tun kann, gegen Gewalt im Netz aufzutreten. „Denn die Gewalt im Netz ist kein individuelles Problem, sondern ein Angriff auf demokratische Teilhabe.“
Im Anhang gibt Ingrid Brodnig zahlreiche Tipps, von rechtsicheren Screenshots über Buddy-Systeme bis hin zu strategischem Blockieren, die das Buch auch praktisch nutzbar machen.
Fazit:
Auch dieses Buch von Ingrid Brodnig zeichnet sich durch klare Struktur und fundierte Sachkenntnis aus. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Wie schon in ihrem Buch „Hass im Netz“ zeigt Autorin und Expertin für digitale Gesellschaft auf, wie sehr die Anonymität im Netz Menschen ihre Hemmungen nicht, weshalb sie immer und überall ungefragt ihre Meinung kundzutun und das vor allem Frauen gegenüber, in einer menschenverachtenden Weise.
„Beleidigungen sind wirkungsvoll, weil sie uns Menschen signalisieren, welchen Stellenwert wir in der Gesellschaft haben“ (S. 39).
Ingrid Brodnig analysiert in 13 Kapiteln die digitale Gewalt die Frauen in Führungspositionen entgegen schlägt. Darüber hat sie mit Politikerinnen in Österreich und Deutschland gesprochen, die, weil sie in der Öffentlichkeit sichtbar sind, einer besonderen Aggression ausgesetzt sind. Vor allem die sexualisierte Gewalt der Hetze im Netz ist für Frauen besonders verletzend. Das Beispiel eines Mannes, der zunächst eine Politikerin sexistisch beleidigt, den Prozess leider gewinnt, anschließend die Frau, die sich gewehrt hat wegen Rufschädigung klagt, und letztlich eine Frau, nämlich seine eigene Lebensgefährtin ermordet, zeigt auch, dass vermeintlich harmlose Übergriffe im Netz recht schnell an anderen Stelle eskalieren können.
Das Ergebnis der Analyse überrascht nicht: Es ist vor allem Männer, die sich die Anonymität des Netzes zu Nutze machen, Frauen werden bedroht, beleidigt und diffamiert, um sie mundtot zu machen und in Schranken zu weisen.
Die Autorin weist auf die Motive und die Mechanismen dieser Bedrohungsszenarien hin und entwirft gleichzeitig zahlreiche Strategien der Gegenwehr und zeigt, was jede Einzelne tun kann, gegen Gewalt im Netz aufzutreten. „Denn die Gewalt im Netz ist kein individuelles Problem, sondern ein Angriff auf demokratische Teilhabe.“
Im Anhang gibt Ingrid Brodnig zahlreiche Tipps, von rechtsicheren Screenshots über Buddy-Systeme bis hin zu strategischem Blockieren, die das Buch auch praktisch nutzbar machen.
Fazit:
Auch dieses Buch von Ingrid Brodnig zeichnet sich durch klare Struktur und fundierte Sachkenntnis aus. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
von Bellis-Perennis - 2026-03-12 06:54:00


