Rezensionen
Der Fotograf der Kaiserin - Funke einer neuen Zeit
Ein Roman am Hof von Kaiserin Sisi
Autor: Tom Sacher
Erschienen 2026 bei Gmeiner-Verlag
ISBN 978-3-7349-3662-3
Hier ist wenig, wie es scheint - 5 Sterne
Der zweite Fall für Kaiserin Elisabeths Kammerdienerin Liesel und dem Hoffotografen Viktor Angerer spielt kurz nach dem verheerenden Brand des Wiener Ringtheaters 1881, bei dem Hunderte Menschen getötet worden sind und nur wenige gerettet worden sind. Weil man der Gasbeleuchtung einen großen Anteil an dem Brand zumisst, wird versucht, die Beleuchtung auf elektrischen Strom umzustellen, was naturgemäß der Gaslobby, die vor allem aus Kohlegrubenbesitzern besteht, die um ihre Gewinne fürchten, nicht gefällt.
Wie man weiß, ist Kaiser Franz Joseph Neuerungen ziemlich abhold, weshalb er von den „Funken einer neuen Zeit“ rein gar nichts hält. Das wiederum setzt seine Gemahlin Kaiserin Elisabeth in Marsch, ihm durch mehr oder weniger subtile Interventionen, versucht, das „neumodische Teufelszeug“ schmackhaft zu machen.
Doch zurück zum Buch!
Während einer Veranstaltung kommt die junge Tänzerin Noelani, Mitglied der Reisegruppe des hawaiianischen Königs, der gerade in Wien weilt, ums Leben. Schnell stellt sich heraus, dass Noelani sowohl männlich als auch weibliche Geschlechtsmerkmale aufweist, was man in Hawaii zu schätzen weiß, in Wien aber als Kuriosität gilt. Ist nun auch Lili, die Schwester des Königs in Gefahr?
Kaiserin Elisabeth beauftragt ihre pfiffige Kammerdienerin Liesel und Viktor Angerer den Mord aufzuklären. Instinktiv will Liesel eigentlich Wien nicht verlassen. Doch kann man der Kaiserin von Österreich widersprechen?
Widerwillig begeben sich Liesel und Angerer zunächst einmal nach Brünn, um wenig später nach Prag reisen zu müssen und dort einen weiteren Auftrag der Kaiserin zu erfüllen.
Meine Meinung:
Tom Sacher, hinter diesem Namen verbirgt sich niemand anderer als Krimi-Autor Michael Seitz, hat uns hier einen interessanten Krimi, in dem er reale Personen mit fiktiven Charakteren geschickt mischt, beschert. So lässt der Herr Autor den realen und an technischen Neuerungen interessierten Dichter Ludwig Ganghofer (1855-1920), der im Herbst 1881 tatsächlich als Dramaturg, des im Dezember des gleichen Jahres abgebrannten im Ringtheaters beschäftigt gewesen ist, die fiktive Schauspielerin Lolo aus der brennenden Künstlergarderobe retten. Dabei trägt sie schwere Verbrennungen davon und muss ihre Karriere nicht nur deswegen beenden.
Auch der Aufenthalt des hawaiianischen Königs samt Entourage in Wien, der mir schon bekannt gewesen ist, trägt dazu bei, die Story farbenprächtig und lebendig zu gestalten. Gleichzeitig erhalten wir Einblick in die Abgründe wie mit der die feine Wiener Gesellschaft Andersartigkeit begegnen. Der Standesdünkel, mit dem der alte (oft verarmte) Adel auf den (Geld)Adel verächtlich herabsieht, ist schwer zu ertragen. Ebenso sind Antisemitismus, Verschwörungstheorien rund um die Freimaurerei und verbotene Duelle geschickt in den historischen Krimi verwoben.
Gut gefällt mir, wie die technischen Details der Stromerzeugung sowie die lebensgefährlichen Zusammenhänge von Wasser und Elektrizität, so quasi im Vorbeigehen, erklärt werden. Die neugierige Liesel ist hier perfekt in Szene gesetzt. Obwohl sie Analphabetin ist, ist ihr eine schnelle Auffassungsgabe in die Wiege gelegt. Ich denke, dass sie endlich lesen und schrieben lernen sollte, egal ob die Kaiserin das goutiert oder nicht. Das absichtliche „dumm halten“ von Untertanen ist mir immer wieder ein Gräuel. Bayern hin oder her, herrscht nicht auch dort die Schulpflicht? Angerer oder Ganghofer böten sich hier als heimliche Lehrer an.
Schmunzeln musste ich über den Auftritt des „Amerikaners“ William Cody Johnson. Hier hat der Autor Anleihen beim echten Varieté-Star William Frederick Cody (1846-1917), genannt Buffalo Bill, genommen, der mit seiner Wild-West-Show mehrere Jahre durch Europa gereist und im Mai 1890 auch im Wiener Prater aufgetreten ist. Auch ein Onkel von Albert Einstein hat einen kurzen Auftritt, bei dem er sich um die Sprachlosigkeit und den Geisteszustand des kleinen Albert sorgt.
Die Darstellung der Kaiserin Elisabeth lässt sie in einem differenzierten Licht sehen. So wählt sie ihre Hofdamen nicht (nur) unter dem Aspekt der Genealogie aus, sondern wegen deren „gesunden Füßen“. Wenn man sich die Schuhe der damaligen Zeit ansieht und die Gepflogenheiten Elisabeths, flotten Schrittes über Stock und Stein zu eilen, eigentlich durchaus vernünftig. Trotzdem kommt sie nicht umhin, Speichelleckerinnen wie Gräfin von Tolna, die eifersüchtig auf Liesel herabsieht, um sich zu dulden.
Für diejenigen, die sich am realen Wiener Hof nicht so gut auskennen, gibt es ein Personenverzeichnis. Natürlich darf auch Luziwuzi, das Enfant Terrible der Habsburger, Erzherzog Ludwig Viktor, der jüngste Bruder des Kaiser, der schwul ist und immer wieder in Frauenkleidern anzutreffen ist, nicht fehlen. Zudem gibt es im Nachwort Hinweise auf die Entstehungsgeschichte dieses historischen Krimis sowie was Fakt und was Fiktion ist.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem zweiten Fall für das ungleiche Ermittlerpaar Liesel und Viktor, der im historischen Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts spielt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Wie man weiß, ist Kaiser Franz Joseph Neuerungen ziemlich abhold, weshalb er von den „Funken einer neuen Zeit“ rein gar nichts hält. Das wiederum setzt seine Gemahlin Kaiserin Elisabeth in Marsch, ihm durch mehr oder weniger subtile Interventionen, versucht, das „neumodische Teufelszeug“ schmackhaft zu machen.
Doch zurück zum Buch!
Während einer Veranstaltung kommt die junge Tänzerin Noelani, Mitglied der Reisegruppe des hawaiianischen Königs, der gerade in Wien weilt, ums Leben. Schnell stellt sich heraus, dass Noelani sowohl männlich als auch weibliche Geschlechtsmerkmale aufweist, was man in Hawaii zu schätzen weiß, in Wien aber als Kuriosität gilt. Ist nun auch Lili, die Schwester des Königs in Gefahr?
Kaiserin Elisabeth beauftragt ihre pfiffige Kammerdienerin Liesel und Viktor Angerer den Mord aufzuklären. Instinktiv will Liesel eigentlich Wien nicht verlassen. Doch kann man der Kaiserin von Österreich widersprechen?
Widerwillig begeben sich Liesel und Angerer zunächst einmal nach Brünn, um wenig später nach Prag reisen zu müssen und dort einen weiteren Auftrag der Kaiserin zu erfüllen.
Meine Meinung:
Tom Sacher, hinter diesem Namen verbirgt sich niemand anderer als Krimi-Autor Michael Seitz, hat uns hier einen interessanten Krimi, in dem er reale Personen mit fiktiven Charakteren geschickt mischt, beschert. So lässt der Herr Autor den realen und an technischen Neuerungen interessierten Dichter Ludwig Ganghofer (1855-1920), der im Herbst 1881 tatsächlich als Dramaturg, des im Dezember des gleichen Jahres abgebrannten im Ringtheaters beschäftigt gewesen ist, die fiktive Schauspielerin Lolo aus der brennenden Künstlergarderobe retten. Dabei trägt sie schwere Verbrennungen davon und muss ihre Karriere nicht nur deswegen beenden.
Auch der Aufenthalt des hawaiianischen Königs samt Entourage in Wien, der mir schon bekannt gewesen ist, trägt dazu bei, die Story farbenprächtig und lebendig zu gestalten. Gleichzeitig erhalten wir Einblick in die Abgründe wie mit der die feine Wiener Gesellschaft Andersartigkeit begegnen. Der Standesdünkel, mit dem der alte (oft verarmte) Adel auf den (Geld)Adel verächtlich herabsieht, ist schwer zu ertragen. Ebenso sind Antisemitismus, Verschwörungstheorien rund um die Freimaurerei und verbotene Duelle geschickt in den historischen Krimi verwoben.
Gut gefällt mir, wie die technischen Details der Stromerzeugung sowie die lebensgefährlichen Zusammenhänge von Wasser und Elektrizität, so quasi im Vorbeigehen, erklärt werden. Die neugierige Liesel ist hier perfekt in Szene gesetzt. Obwohl sie Analphabetin ist, ist ihr eine schnelle Auffassungsgabe in die Wiege gelegt. Ich denke, dass sie endlich lesen und schrieben lernen sollte, egal ob die Kaiserin das goutiert oder nicht. Das absichtliche „dumm halten“ von Untertanen ist mir immer wieder ein Gräuel. Bayern hin oder her, herrscht nicht auch dort die Schulpflicht? Angerer oder Ganghofer böten sich hier als heimliche Lehrer an.
Schmunzeln musste ich über den Auftritt des „Amerikaners“ William Cody Johnson. Hier hat der Autor Anleihen beim echten Varieté-Star William Frederick Cody (1846-1917), genannt Buffalo Bill, genommen, der mit seiner Wild-West-Show mehrere Jahre durch Europa gereist und im Mai 1890 auch im Wiener Prater aufgetreten ist. Auch ein Onkel von Albert Einstein hat einen kurzen Auftritt, bei dem er sich um die Sprachlosigkeit und den Geisteszustand des kleinen Albert sorgt.
Die Darstellung der Kaiserin Elisabeth lässt sie in einem differenzierten Licht sehen. So wählt sie ihre Hofdamen nicht (nur) unter dem Aspekt der Genealogie aus, sondern wegen deren „gesunden Füßen“. Wenn man sich die Schuhe der damaligen Zeit ansieht und die Gepflogenheiten Elisabeths, flotten Schrittes über Stock und Stein zu eilen, eigentlich durchaus vernünftig. Trotzdem kommt sie nicht umhin, Speichelleckerinnen wie Gräfin von Tolna, die eifersüchtig auf Liesel herabsieht, um sich zu dulden.
Für diejenigen, die sich am realen Wiener Hof nicht so gut auskennen, gibt es ein Personenverzeichnis. Natürlich darf auch Luziwuzi, das Enfant Terrible der Habsburger, Erzherzog Ludwig Viktor, der jüngste Bruder des Kaiser, der schwul ist und immer wieder in Frauenkleidern anzutreffen ist, nicht fehlen. Zudem gibt es im Nachwort Hinweise auf die Entstehungsgeschichte dieses historischen Krimis sowie was Fakt und was Fiktion ist.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem zweiten Fall für das ungleiche Ermittlerpaar Liesel und Viktor, der im historischen Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts spielt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
von Bellis-Perennis - 2026-06-22 11:29:00
Spannender Roman im alten Wien - 4 Sterne
Der zweite Fall für ein ungewöhnliches Ermittlerduo. Kammerdienerin Liesel und Hoffotograf Viktor Angerer werden von Kaiserin Elisabth damit beauftragt den Mord an einer Tänzerin aufzuklären. Diese gehörte zum Gefolge der Schwester des Hawaiianischen Königs.
Funke eiber Zeit ist ein spannender Krimi der zur Kaiserzeit in Wien spielt. Tom Sacher verbindet hier historisches mit Fiktion und mischt real existierende Personen mit fiktiven. So entsteht ein der gelungener Roman.
Die Geschichte lebt in erster Linie von der pfiffigen und sehr sympathischen Liesel, die so gar nicht an den Hof der Kaiserin passen will. Widerwillig nimmt sie die Ermittlungen auf, die sie bisher nach Prag führen und die Frage aufwirft, ob das Ganze etwas mit der Tänzerin Lolo zu tun hat, die beim Brand des Ringtheaters schwer entstellt wurde.
Mir hat es sehr gefallen das es in dem Roman auch um den letzten König von Hawaii und dessen Schwester ging, von deren Aufenthalt in Wien ich zum ersten Mal gelesen habe und ich finde es immer sehr interessant in Romanen von eher unbekannten Ereignissen zu lesen.
Der Krimi war sehr spannend und hat mich immer wieder überrascht, so das ich bis zur Auflösung mitgerätselt habe.
Funke eiber Zeit ist ein spannender Krimi der zur Kaiserzeit in Wien spielt. Tom Sacher verbindet hier historisches mit Fiktion und mischt real existierende Personen mit fiktiven. So entsteht ein der gelungener Roman.
Die Geschichte lebt in erster Linie von der pfiffigen und sehr sympathischen Liesel, die so gar nicht an den Hof der Kaiserin passen will. Widerwillig nimmt sie die Ermittlungen auf, die sie bisher nach Prag führen und die Frage aufwirft, ob das Ganze etwas mit der Tänzerin Lolo zu tun hat, die beim Brand des Ringtheaters schwer entstellt wurde.
Mir hat es sehr gefallen das es in dem Roman auch um den letzten König von Hawaii und dessen Schwester ging, von deren Aufenthalt in Wien ich zum ersten Mal gelesen habe und ich finde es immer sehr interessant in Romanen von eher unbekannten Ereignissen zu lesen.
Der Krimi war sehr spannend und hat mich immer wieder überrascht, so das ich bis zur Auflösung mitgerätselt habe.
von Philiene - 2026-06-15 20:31:00


