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Rezensionen

Nimm den Zwängen die Macht
Zwangsstörungen und Zwangsgedanken verstehen, sich ihnen stellen und Freiheit zurückgewinnen

Autor: Prof. Dr. Ulrich Voderholzer; Prof. Dr. Rebecca Schennach; Dr. Stefan Koch

Erschienen 2026 bei Stiftung Warentest
ISBN 978-3-7471-1036-2
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Internet-Tipps zusammengefasst - 2 Sterne

Normalerweise mag ich die Bücher der Stiftung Warentest, doch dieses hier hat mir eher weniger gefallen.
Das Thema an sich interessiert mich sehr und einen Einblick in die Hintergründe von Personen mit Zwängen zu erhalten war durchaus aufschlussreich. Es wurde viele Zwänge angesprochen, von denen man noch nicht inbedingt etwas gehört hat. Auch der Leidensdruck, der für die Betroffenen damit einhergeht, wurde gut dargestellt. Doch schlussendlich kam das Buch nicht über eine mittelmäßige Handlungsanweisung heraus, die man so ähnlich auch einfach im Internet recherchieren könnte.
Der größte Tipp des Buches, natürlich neben: Suchen Sie bitte eine Ärztin oder Arzt auf, war die Expositionstherapie, die man gerne auch schon ohne ärztliche Begelictung ausprobieren soll. In sehr vielen Wiederholungen werden detaillierte Anweisungen gegeben, wie man sich damit selbst therapieren kann. Das mag einigen Leuten mit Sicherheit helfen, doch glaube ich, dass es auch Betroffene gibt, die damit ggfs. tiefer in ihre Zwänge fallen. Immerhin wurde auch auf den Fall aufmerksam gemacht, dass sich der befürchtete schlechte Ausgang durchaus einmal einstellen kann und wie man dann damit umgeht.

Zudem fiel auf, dass sich der Schreibstil im Verlauf des Buches merklich ändert und das nicht unbedingt zum Besseren. Gerade in mittleren Teil liest es sich fast umgangssprachlich., was im restlichen Buch nicht der Fall war. Gerade bei mehreren Autor:innen wäre es mir wichtig einen einheitlichen Schreibstil zu haben.
Was mir zudem sehr negativ aufgefallen ist, war das Beispiel einer Person mit Waschzwang, die Angst vor der Ansteckung mit HIV hat und dadurch im Supermarkt Berührungen mit Einkaufswägen etc. vermeidet. Hier wäre unbedingt ein Hinweis darauf nötig gewesen, dass sich HIV nicht über die bloße Berührung über Oberflächen verbreitet. Dieser fehlt leider völlig.

Gut gefallen haben mir dagegen die vielen Kontaktmöglichkeiten zu Hilfestellen, die sowohl im Verlauf des Buch, als auch am Ende nochmal angegeben waren. Auch das Kapitel für Angehörige der Betroffenen fand ich exemplarisch gut erklärt. Der erste Impuls als angehörige Person, die Zwänge niederschwellig zu vermeiden, stellt sich dabei als überhaupt nicht hilfreich dar.
Hilfreich sind bestimmt auch die vielen Grafiken, in denen Körperfunktionen verständlich erklärt werden und Seiten zum Selbstausfüllen.

Schlussendlich wäre mein Tipp die 20,00 € lieber in Therapie zu investieren und ansonsten einmal die Online-Suchmaschine zu benutzen.
von 19cici95 - 2026-06-16 18:40:00

Umfassender Ratgeber - 5 Sterne

Ich glaube, fast jeder und fast jede denkt, ein Sklave zwanghafter Handlungen zu sein. In diesem Fall bietet der Ratgeber "Nimm den Zwängen die Macht" von Ulrich Voderholzer, Stefan Koch und Rebecca Schennach schnelle Ersthilfe. Der allumfassende Ratgeber hilft erst einmal dabei, genau einzuordnen, ob man wirklich unter Zwängen leidet oder ob die Zwänge eher als Marotte durchgehen können.

Mir hat es sehr geholfen, zwischen beidem zu unterscheiden, wobei ich eher bei der Marotte gelandet bin, was dann wieder sehr erleichternd war. Liest man den Ratgeber, so erfährt man aber auch, welche Zwänge es so gibt: Vieles hat man schon gehört, anderes war mir neu. Viele Menschen "müssen" bestimmte Dinge tun, z.B. Treppenstufen zählen, doch wenn es für sie nicht einschränkend ist und andere nicht darunter leiden oder darauf hinweisen, ist dies kein Problem.

Eine echte Zwangserkrankung jedoch schränkt das Leben immens ein und kann z.B. auch zur Vereinsamung führen. In diesem Fall brauchen Betroffene Hilfe. Der Ratgeber ist allumfassend und daher sehr wertvoll für alle, die glauben, eine Zwangserkrankung zu haben. Und so kann es sein, dass man entweder mit der Marotte leben kann oder noch zusätzliche Hilfe in Anspruch nehmen muss, denn eine solche Erkrankung muss möglicherweise doch professionell behandelt werden. Alles in allem sehe ich den Ratgeber vor allem als Hilfe, auszuloten, wo man steht. Dass man sich dem Zwang durch ihn entziehen kann, wäre toll, darf man aber nicht erwarten.
von signalhill - 2026-05-16 09:52:00

Informativ und gut verständlich - 4 Sterne

Der Ratgeber "Nimm den Zwängen die Macht" will von Zwangsstörungen betroffenen Menschen dabei helfen, ihre Krankheit zu verstehen und ihnen Mut machen, gegen sie anzugehen. Die Autoren erklären, wie sich harmlose Marotten von einem krankhaften Zwang unterscheiden, wann eine Behandlung nötig wird und wie diese aussehen kann. Ferner werden die Entstehung von Zwängen, ihre verschiedenen Formen und ihre Funktion beleuchtet. Dadurch werden die Betroffenen, die sicher Schuldgefühle wegen ihrer oft als peinlich empfundenen Störung haben, entlastet. Und dadurch wird auch klar, warum es so schwer ist, damit aufzuhören.

Als eine der erfolgreichsten Methoden zur Überwindung einer Zwangsstörung wird die Expositionsbehandlung im Rahmen einer Verhaltenstherapie angesehen. Dieses Verfahren wird hier ausführlich beschrieben. Außerdem werden Möglichkeiten aufgezeigt, Familienmitglieder und Freunde in den Prozess einzubinden. Verweise auf relevante Internetseiten und Literatur runden das Ganze ab.

Das Buch informiert kenntnisreich und in für medizinische Laien gut verständlicher Sprache über diese belastende Erkrankung und bietet Hilfestellung zu ihrer Bewältigung an. Besonders wichtig finde ich, dass die Hintergründe für das Zwangsverhalten anschaulich beschrieben werden. Zu Verstehen, warum ich etwas tue, ist der erste Schritt, um es zu ändern. Doch werden schwer Betroffene die vorgestellte Behandlung nicht ohne professionelle Hilfe durchführen können. Darauf weisen die Autoren auch mehrfach hin.
von Bineira - 2026-04-06 17:26:00

Strategien gegen Zwänge - 5 Sterne

Zwangsgedanken und Zwangshandlungen, wann gelten sie noch als „normal“ und ab wann sind sie pathologisch? Dieser und weiteren Fragen gehen Ulrich Voderholzer, Rebecca Schennach und Stefan Koch in ihrem Ratgeber nach. Das Buch ist übersichtlich aufgebaut und die Erklärungen sind gut verständlich. Theoretische Abschnitte wechseln sich mit Übungen, Fragen und kurzen Zwischeninformationen ab. Der Ton des Ratgebers ist wertschätzend, verständnisvoll und motivierend. Wie wird man nun Zwänge los? Der Schlüssel ist die Exposition. Das Autoren-Trio leitet die Betroffenen zur Selbsterfahrung an, gibt aber auch Informationen zu Anlaufstellen, die Unterstützung bieten können. Besonders gut an diesem Buch gefällt mir die Offenheit und Ehrlichkeit, was zum Beispiel zur Medikamentengabe oder auch zur aktuellen Therapeutensituation zu sagen ist. Die Autoren machen Mut, sich selbst mithilfe der Tools zu helfen, wobei sie doch realistisch darauf hinweisen, dass es nicht einfach ist, sich seinen Zwängen zu stellen und es Anstrengung und Dranbleiben erfordert, um wieder zur Freiheit zu gelangen. Ich kann den Ratgeber nicht nur Betroffenen, sondern auch Angehörigen oder Interessierten empfehlen.
von Normanfips - 2026-03-31 14:01:00