Rezensionen
Botanik des Wahnsinns
Roman | »Unwiderstehlich. Leichtfüßig und ernst, zärtlich und brutal, ironisch und ehrlich.« Siri Hustvedt
Autor: Leon Engler
Erschienen 2025 bei DuMont Buchverlag
ISBN 978-3-7558-0053-8
Dieses Buch sprüht vor leisen, subtilen und doch so starken Momenten. - 5 Sterne
Als bei der Zwangsräumung der Wohnung seiner Mutter durch eine Verwechslung alles von Wert in die Müllverbrennungsanlage wandert, bleibt dem Erzähler wortwörtlich nur der Abfall der eigenen Familiengeschichte. Wie hat es so weit kommen können? Der Erzähler blickt auf die Biografie seiner Familie: ein Stammbaum des Wahnsinns. Die Großmutter bipolar, zwölf Suizidversuche, der Großvater Stammkunde in Steinhof, die Mutter Alkoholikerin, der Vater depressiv. Und er blickt auf seinen eigenen Weg: Eine Kindheit im Münchner Arbeiterviertel. Die frühe Angst, verrückt zu werden. Die Flucht vor der Familie ins entfernte New York. Jahre in Wien mit Freud im Kaffeehaus. Und wie er schließlich doch in der Anstalt landet – als Psychologe. Bei der Arbeit mit den Patienten lernt er, dass ein Mensch immer mehr ist als seine Krankheit, dass Zuhören wichtiger ist als Diagnostizieren. Vor allem aber muss er sich bald die Frage stellen, was das sein soll: ein normaler Mensch.
Eine aus dem Ruder gelaufene Familienanamnese? Ein Schelmenroman? Ein Lehrstück in Empathie? Leon Englers Debüt ist all das und mehr, ein zärtlicher Befreiungsschlag, die Geschichte einer Versöhnung.
Fazit: Leon Engler hat mit seinem Debütroman ein so tröstliches Buch geschrieben. Dieses Buch sprüht vor leisen, subtilen und doch so starken Momenten. Ich fand mich in sehr vielen Passagen wieder und konnte durch diese Lektüre entspannter und versöhnlicher auf meine Familiengeschichte blicken!
Eine aus dem Ruder gelaufene Familienanamnese? Ein Schelmenroman? Ein Lehrstück in Empathie? Leon Englers Debüt ist all das und mehr, ein zärtlicher Befreiungsschlag, die Geschichte einer Versöhnung.
Fazit: Leon Engler hat mit seinem Debütroman ein so tröstliches Buch geschrieben. Dieses Buch sprüht vor leisen, subtilen und doch so starken Momenten. Ich fand mich in sehr vielen Passagen wieder und konnte durch diese Lektüre entspannter und versöhnlicher auf meine Familiengeschichte blicken!
von Jaqueline Brabec - 2026-03-27 16:05:59
Botanik des Wahnsinns - 5 Sterne
„Meine Familie hat ein Talent für Verrücktheit.“
Erzählt wird uns diese Geschichte von Leon; eigentlich soll er Noel heißen, Weihnachten, aber das lässt der Bürgermeister nicht durchgehen, denn das sei kein richtiger Name. Also drehen seine Eltern den Namen einfach um.
Die erste Person, von der er denkt, sie sei verrückt, ist seine Deutschlehrerin. Sie trägt mit der Schere abgeschnittene Krawatten, damit sie ihr nicht in die Suppe hängen, dabei isst sie nie Suppe, sondern nur Döner.
Das klingt eher skurril als verrückt, nicht nur für den Leser, sondern auch für Leon. Aber wie selbstverständlich wächst er damit auf, dass sich in seiner Familie die „Verrücktheiten“ häufen, und als in der Schule die Vererbungslehre durchgenommen wird, macht er eine erste Hochrechnung, was auf ihn zukommen könnte, was auf ihn zukommen wird.
Die Großmutter: bipolar und psychotisch, diverse Suizidversuche.
Der Großvater: schizophren.
Die Mutter: schwere Alkoholabhängigkeit, diverse Entzugsversuche, alle gescheitert.
Der Vater: schwere Depressionen.
Im Schnitt wird jedes zweite Kind von Eltern mit psychischen Erkrankungen selbst psychisch auffällig. In wessen Fußstapfen soll Leon treten?
Die Neurologin, die er als junger Mann wegen eines MRT aufsucht, hält ihn auch ohne dieses für verrückt; die Psychiaterin nennt ihn einen Hypochonder.
Und Leon landet tatsächlich in der Psychiatrie, aber: „Es ist unspektakulär. Keine Polizei, kein Krankenwagen, keine abgeschnittenen Krawatten. Ich nehme einfach den Bus.“
Denn Leon wird Psychologe, und während er versucht, seine Patienten besser zu verstehen, versucht er auch, seine Familie besser zu verstehen.
„Botanik des Wahnsinns“ ist kein ganz einfaches Buch, bei dem ich mich mitunter gefragt habe: Was lese ich hier eigentlich? Einen (autofiktionalen?) Roman oder ein in eine Geschichte verpacktes Sachbuch?
Die Geschichte springt zwischen der Gegenwart des Erzählers und seinen Erinnerungen an früher, auch an noch frühere Generationen, die er gar nicht kannte, hin und her, und sehr geschickt werden nicht nur medizinische Fakten und Zahlen rund um das Thema psychische Erkrankungen in die Handlung eingebaut, sondern auch philosophische, biologische, geschichtliche und etymologische Betrachtungen.
All diese Zitate von Freud, Linné, Schopenhauer usw. findet man im Anhang, zusammengefasst als die Gedanken des Nachbarn, dessen Selbstgespräche Leon durch die dünnen Wände hören kann und die er in einem Notizbuch zusammenfasst. Ganz wunderbar gemacht!
Auch wenn, wie bereits erwähnt, die Lektüre dieses Romans nicht immer ganz einfach und nicht unbedingt erheiternd ist – wobei es schon jede Menge sehr trockenen Humor gibt! – gibt es von mir eine klare Leseempfehlung.
Denn „die Psychiatrie ist kein Ort für gesellschaftliche Fragen. Die Psychiatrie ist alles Mögliche, aber kein Ort für einfache Antworten.“
Und was sind eigentlich Symptome? Sind sie irrationale oder nur nervige Aspekte der Psyche eines Menschen und seines Denkens und Verhaltens? Sind sie Fehler, die es zu eliminieren gilt? Oder sind sie grundlegende Bestandteile einer Identität?
„Man kann sich in den Schmerz eingraben wie in einen Bergstollen. Aber ich könnte auch etwas anderes tun. Ich könnte sagen: Es ist nicht leicht, nicht hell, nicht schön, aber es ist in Ordnung. Wir nennen das das Leben.“
Erzählt wird uns diese Geschichte von Leon; eigentlich soll er Noel heißen, Weihnachten, aber das lässt der Bürgermeister nicht durchgehen, denn das sei kein richtiger Name. Also drehen seine Eltern den Namen einfach um.
Die erste Person, von der er denkt, sie sei verrückt, ist seine Deutschlehrerin. Sie trägt mit der Schere abgeschnittene Krawatten, damit sie ihr nicht in die Suppe hängen, dabei isst sie nie Suppe, sondern nur Döner.
Das klingt eher skurril als verrückt, nicht nur für den Leser, sondern auch für Leon. Aber wie selbstverständlich wächst er damit auf, dass sich in seiner Familie die „Verrücktheiten“ häufen, und als in der Schule die Vererbungslehre durchgenommen wird, macht er eine erste Hochrechnung, was auf ihn zukommen könnte, was auf ihn zukommen wird.
Die Großmutter: bipolar und psychotisch, diverse Suizidversuche.
Der Großvater: schizophren.
Die Mutter: schwere Alkoholabhängigkeit, diverse Entzugsversuche, alle gescheitert.
Der Vater: schwere Depressionen.
Im Schnitt wird jedes zweite Kind von Eltern mit psychischen Erkrankungen selbst psychisch auffällig. In wessen Fußstapfen soll Leon treten?
Die Neurologin, die er als junger Mann wegen eines MRT aufsucht, hält ihn auch ohne dieses für verrückt; die Psychiaterin nennt ihn einen Hypochonder.
Und Leon landet tatsächlich in der Psychiatrie, aber: „Es ist unspektakulär. Keine Polizei, kein Krankenwagen, keine abgeschnittenen Krawatten. Ich nehme einfach den Bus.“
Denn Leon wird Psychologe, und während er versucht, seine Patienten besser zu verstehen, versucht er auch, seine Familie besser zu verstehen.
„Botanik des Wahnsinns“ ist kein ganz einfaches Buch, bei dem ich mich mitunter gefragt habe: Was lese ich hier eigentlich? Einen (autofiktionalen?) Roman oder ein in eine Geschichte verpacktes Sachbuch?
Die Geschichte springt zwischen der Gegenwart des Erzählers und seinen Erinnerungen an früher, auch an noch frühere Generationen, die er gar nicht kannte, hin und her, und sehr geschickt werden nicht nur medizinische Fakten und Zahlen rund um das Thema psychische Erkrankungen in die Handlung eingebaut, sondern auch philosophische, biologische, geschichtliche und etymologische Betrachtungen.
All diese Zitate von Freud, Linné, Schopenhauer usw. findet man im Anhang, zusammengefasst als die Gedanken des Nachbarn, dessen Selbstgespräche Leon durch die dünnen Wände hören kann und die er in einem Notizbuch zusammenfasst. Ganz wunderbar gemacht!
Auch wenn, wie bereits erwähnt, die Lektüre dieses Romans nicht immer ganz einfach und nicht unbedingt erheiternd ist – wobei es schon jede Menge sehr trockenen Humor gibt! – gibt es von mir eine klare Leseempfehlung.
Denn „die Psychiatrie ist kein Ort für gesellschaftliche Fragen. Die Psychiatrie ist alles Mögliche, aber kein Ort für einfache Antworten.“
Und was sind eigentlich Symptome? Sind sie irrationale oder nur nervige Aspekte der Psyche eines Menschen und seines Denkens und Verhaltens? Sind sie Fehler, die es zu eliminieren gilt? Oder sind sie grundlegende Bestandteile einer Identität?
„Man kann sich in den Schmerz eingraben wie in einen Bergstollen. Aber ich könnte auch etwas anderes tun. Ich könnte sagen: Es ist nicht leicht, nicht hell, nicht schön, aber es ist in Ordnung. Wir nennen das das Leben.“
von Maxie Bantleon aus der Tyrolia-Filiale in Innsbruck - 2026-01-23 21:18:28
Brüchigkeit überall - 4 Sterne
Die Familiengeschichte ist bizarr, der Protagonist ist mit einer extremen Häufung psychischer Erkrankungen in seiner Familie konfrontiert, eine genetische, epigenetische und psychodynamische Herausforderung, der er sich über viele Jahre tapfer stellt. Er geht der Familiengeschichte nach, forscht in der Vergangenheit, begleitet die grenzkompensierten Eltern, die Mutter bis zum Tod. Und dann findet er sich selbst in der Psychiatrie wieder, als Psychologe nicht als Patient. Eine Schiefheilung? Die Erzählungen von den Begegnungen nicht nur mit den Eltern berühren, ebenso der Kampf des Protagonisten um seine Stabilität, die interponierten, an Fachbuchauszüge erinnernden Textteile stören jedoch. Der Text spiegelt die Brüchigkeit des Protagonisten, das Raum-Zeit-Gitter knirscht mitunter, aber es hält, Hypothesen zur Transgenerationalität fehlen. Manches bleibt unklar, der Wahnsinn hat eben nicht die strenge Nomenklatur und Systematik wie die Botanik.
von Herwig Oberlerchner - 2025-11-14 19:03:00
Roman, Biografie und Sachbuch in einem - 5 Sterne
Ist es ein Roman, eine Biografie oder sogar ein Sachbuch? Es ist alles in Einem. Leon Engler nimmt uns mit in seine Familiengeschichte, in der es seit Generationen psychische Erkrankungen in den verschiedensten Ausprägungen gab. Er selbst hatte eine Lehrerin mit wirren Ansichten, einen Nachbarn, der ihn an die Psychoanalyse heranführte, er erlebte die Selbstmordversuche seiner Großmutter und die Depressionen seines Vaters mit. Seine Mutter war anfänglich eine Frau mit Durchsetzungsvermögen und Lebenswillen, die sich aus einer ärmlichen Familie und ohne guter Schulbildung zur anerkannten Journalistin empor gearbeitet hat und ihre beiden Söhne versorgt hat bis zu ihrem langsamen Absturz in die Lethargie und Alkoholsucht. Leon selbst, der von beiden Elternteilen die Erbanlagen für psychische Probleme mitbekam und sich selbst gefährdet sah, entschloss sich zu einem Psychologiestudium und arbeitete in einer Einrichtung, in der sein Großvater lange Zeit seines Lebens verbrachte.
Wir erfahren Einzelheiten aus dem Familienleben aus einem einfachen, normalem Leben, über Höhen und Tiefen, über Freude und Lebenswillen und auch immer wieder Abstürze, die in der Psychiatrie endeten. Immer wieder gibt es wissenschaftliche Hinweise und Einschübe, die die Psychosen beleuchten. Sehr gut geschrieben.
Wir erfahren Einzelheiten aus dem Familienleben aus einem einfachen, normalem Leben, über Höhen und Tiefen, über Freude und Lebenswillen und auch immer wieder Abstürze, die in der Psychiatrie endeten. Immer wieder gibt es wissenschaftliche Hinweise und Einschübe, die die Psychosen beleuchten. Sehr gut geschrieben.
von Ulla - 2025-11-09 12:24:00
Gute Prämisse, mangelnde Ausführung - 2 Sterne
In Leon Englers "Botanik des Wahnsinns" geht es um den namenlosen Protagonisten, den Erzähler, der tief in seine Familiengeschichte, in die psychischen Krankheiten, an denen gefühlt alle seine Familienmitglieder erkrankt sind, eintaucht. Dabei blickt er auch auf seine eigene Geschichte zurück und fragt sich immer mehr, ob auch er davon betroffen ist oder sein wird. Und im Endeffekt in einer Psychiatrie landet - als Psychologe.
Die Prämisse des (autofiktionalen?) Romans hat mir sehr gut gefallen. Allein schon das Cover das Buches ist eine Aussage für sich. Engler schreibt teils sehr fragmentarisch und stakkatohaft, was den Lesefluss für manchmal beeinträchtigt hat. Die Geschichte wird auf der einen Seite fast schon sachlich erzählt, auf der anderen Seite scheinen aber manchmal auch komische Momente durch, die lustig sein sollen. Einen guten Zugang zu den Figuren konnte ich leider auch nicht finden. Interessant waren die Beschreibungen zu den psychischen Erkrankungen und dem Thema des Vererbens von psychischen Erkrankungen und Traumata.
Zusammenfassend war es leider kein Highlight für mich. Ich hätte definitiv mehr erwartet und leider wird es mir auch nicht so sehr in Erinnerung bleiben. Trotzdem bereue ich es nicht, das Buch gelesen zu haben. Daher vergebe ich 2,5 Sterne.
Die Prämisse des (autofiktionalen?) Romans hat mir sehr gut gefallen. Allein schon das Cover das Buches ist eine Aussage für sich. Engler schreibt teils sehr fragmentarisch und stakkatohaft, was den Lesefluss für manchmal beeinträchtigt hat. Die Geschichte wird auf der einen Seite fast schon sachlich erzählt, auf der anderen Seite scheinen aber manchmal auch komische Momente durch, die lustig sein sollen. Einen guten Zugang zu den Figuren konnte ich leider auch nicht finden. Interessant waren die Beschreibungen zu den psychischen Erkrankungen und dem Thema des Vererbens von psychischen Erkrankungen und Traumata.
Zusammenfassend war es leider kein Highlight für mich. Ich hätte definitiv mehr erwartet und leider wird es mir auch nicht so sehr in Erinnerung bleiben. Trotzdem bereue ich es nicht, das Buch gelesen zu haben. Daher vergebe ich 2,5 Sterne.
von rosetheline - 2025-10-06 22:35:00
Botanik des Wahnsinns von Leon Engler - 5 Sterne
Wie geht es jemandem, der nur mehr darauf wartet, den Verstand zu verlieren? In dessen Familie Alkoholabhängigkeit, Schizophrenie, Depression und Suizidversuche verbreitet sind und der sich fragt, wann und in welcher Intensität es ihn treffen wird? Leon Engler entwirft in seinem Roman das Bild eines rastlosen Menschen, der seiner Angst, „verrückt“ zu werden dadurch begegnet, dass er in die Psychiatrie geht – als Psychologe, der durch (Berufs-) Erfahrung und zahlreiche Begegnungen mit mehr oder weniger normalen Menschen ein eigenes Bild vom Wahnsinn entwirft. Eine spannende Erzählform, die zwischen Vergangenheit und Gegenwart wechselt und eine außergewöhnliche Familiengeschichte schildert, innerhalb derer die Grenzen des „Normalen“ oder sogar „Erträglichen“ regelmäßig überschritten werden. Hochemotionale, teilweise verstörende, aber sehr empfehlenswerte Lektüre!
von Gerda Mangl - 2025-09-20 16:41:38
Skurrile Familienanamnese - 3 Sterne
Mit „Botanik des Wahnsinns“ hat Leon Engler, der zuvor schon Theaterstücke, Hörspiele und Kurzgeschichten verfasst hat, sein Romandebüt geschaffen.
Aber ist es wirklich ein Roman oder doch eine Biografie? Autofiktion? So ganz schlau bin ich daraus nicht geworden.
Die Hauptfigur Leon erzählt die Geschichte seiner Familie, in der psychische Erkrankungen über viele Generationen allgegenwärtig sind. Dabei nimmt er seine Eltern und Großeltern genauestens unter die Lupe und porträtiert deren Krankheitsverläufe. Vor lauter Angst, selbst psychisch zu erkranken, weist er sich zunächst selbst als Patient in der Psychiatrie ein. Kurz darauf beschließt er jedoch Psychologie zu studieren und anschließend als Psychologe in der Psychiatrie zu arbeiten.
Was mir gut gefallen hat, ist das psychiatrische Fachwissen, welches Engler in seinen Roman mit eingebunden hat.
Der Schreibstil hingegen konnte mich leider gar nicht überzeugen. Kurze, stakkatoartige Sätze machen den Lesefluss zu einer Herausforderung. Die Figuren bleiben trotz detaillierter Darstellung eher schemenhaft. Zum Teil wirkt es einfach zu überladen und der Wechsel zwischen den einzelnen Figuren, Generationen und Krankheitsbildern ist zu sprunghaft, sodass es als Leser:in schwer fällt, den Überblick zu behalten.
Wer jedoch einen gut recherchierten Roman zum Thema psychische Erkrankungen sucht und sich nicht an einem eher sachlich, distanzierten Schreibstil stört, für den ist „Botanik des Wahnsinns“ vielleicht genau das richtige.
Aber ist es wirklich ein Roman oder doch eine Biografie? Autofiktion? So ganz schlau bin ich daraus nicht geworden.
Die Hauptfigur Leon erzählt die Geschichte seiner Familie, in der psychische Erkrankungen über viele Generationen allgegenwärtig sind. Dabei nimmt er seine Eltern und Großeltern genauestens unter die Lupe und porträtiert deren Krankheitsverläufe. Vor lauter Angst, selbst psychisch zu erkranken, weist er sich zunächst selbst als Patient in der Psychiatrie ein. Kurz darauf beschließt er jedoch Psychologie zu studieren und anschließend als Psychologe in der Psychiatrie zu arbeiten.
Was mir gut gefallen hat, ist das psychiatrische Fachwissen, welches Engler in seinen Roman mit eingebunden hat.
Der Schreibstil hingegen konnte mich leider gar nicht überzeugen. Kurze, stakkatoartige Sätze machen den Lesefluss zu einer Herausforderung. Die Figuren bleiben trotz detaillierter Darstellung eher schemenhaft. Zum Teil wirkt es einfach zu überladen und der Wechsel zwischen den einzelnen Figuren, Generationen und Krankheitsbildern ist zu sprunghaft, sodass es als Leser:in schwer fällt, den Überblick zu behalten.
Wer jedoch einen gut recherchierten Roman zum Thema psychische Erkrankungen sucht und sich nicht an einem eher sachlich, distanzierten Schreibstil stört, für den ist „Botanik des Wahnsinns“ vielleicht genau das richtige.
von Sina - 2025-09-13 10:12:00
Wahnsinnig? - 4 Sterne
In seinem Debütroman „Botanik des Wohnsinns“ thematisiert Leon Engler die psychischen Dynamiken innerhalb einer Familie, bei der über Generationen hinweg psychische Erkrankungen vorherrschen.
Der Protagonist hat aufgrund des familiären Hintergrunds Angst davor, selbst eines Tages an einer psychischen Erkrankung zu leiden und in den Wahnsinn zu rutschen. Hierbei ist der Erzähler selbst Psychologe, sodass dieses Thema narrativ als auch fachlich betrachtet wird. Erinnerungen und Imagination verschwimmen miteinander und eine klare Grenzziehung zwischen Realität und Funktion ist nicht möglich. Der Ich-Erzähler reflektiert über die verschiedenen Krankheitsbilder wie Schizophrenie und Depression, aber auch das Thema Abhängigkeit sowie Betäubungsmittel werden in diesem Kontext aufgegriffen.
Der Roman ist insbesondere für Lesende sicherlich von Interesse, die sich gerne mit dem Thema psychischer Erkrankungen beschäftigen.
Der Protagonist hat aufgrund des familiären Hintergrunds Angst davor, selbst eines Tages an einer psychischen Erkrankung zu leiden und in den Wahnsinn zu rutschen. Hierbei ist der Erzähler selbst Psychologe, sodass dieses Thema narrativ als auch fachlich betrachtet wird. Erinnerungen und Imagination verschwimmen miteinander und eine klare Grenzziehung zwischen Realität und Funktion ist nicht möglich. Der Ich-Erzähler reflektiert über die verschiedenen Krankheitsbilder wie Schizophrenie und Depression, aber auch das Thema Abhängigkeit sowie Betäubungsmittel werden in diesem Kontext aufgegriffen.
Der Roman ist insbesondere für Lesende sicherlich von Interesse, die sich gerne mit dem Thema psychischer Erkrankungen beschäftigen.
von warda - 2025-09-04 15:55:00
Botanik des Wahnsinns - 5 Sterne
Der junge Autor setzt sich mit den Biografien seiner Familienangehörigen auseinander. Die Aufarbeitung von Süchten und Entzügen, Suizidversuchen, Depressionen, sowie Aufenthalten in diversen Einrichtungen. Diese Tätigkeiten bringen ihn in die Psychiatrie - jedoch nicht als Patient, sondern als Psychologe. Das Buch gibt Einblick über den Umgang mit psychisch Kranken, wenn das teils auch bedrückend sein kann.
von Doris Stadlbauer - 2025-08-29 10:31:45
Von Wahnsinn bis Alkohol: alles drin, aber nichts wirklich greifbar - 2 Sterne
Das bunte, auffällige Cover hat mich sofort neugierig gemacht. Leider hat sich dieser erste Eindruck für mich beim Lesen nicht bestätigt. So wirr und durcheinander wie das Bild wirkt, so empfand ich auch den Inhalt des Romans.
Der Autor greift viele schwere Themen auf: Wahnsinn, Psychiatrie, Selbstmord, Alkoholabhängigkeit, Entzug, den schwierigen Weg über mehrere Generationen hinweg und zugleich den Versuch eines beruflichen Aufstiegs. Das hätte eine sehr bewegende Geschichte werden können – doch für mich wurde es zu viel auf einmal. Ich habe keinen klaren roten Faden gefunden und mich mehr verwirrt als mitgenommen gefühlt.
Es gibt Passagen, die wirklich eindringlich sind, und ich erkenne, wie viel Kraft in der Grundidee steckt. Aber im Ganzen war mir die Erzählung zu überladen, zu chaotisch, um mich wirklich zu fesseln. Am Ende blieb bei mir eher das Gefühl von Anstrengung als von Lesefreude.
Stark angefangen mit einem packenden Cover und einer mutigen Idee – doch die Umsetzung konnte mich nicht überzeugen. Deshalb vergebe ich zwei Sterne.
Der Autor greift viele schwere Themen auf: Wahnsinn, Psychiatrie, Selbstmord, Alkoholabhängigkeit, Entzug, den schwierigen Weg über mehrere Generationen hinweg und zugleich den Versuch eines beruflichen Aufstiegs. Das hätte eine sehr bewegende Geschichte werden können – doch für mich wurde es zu viel auf einmal. Ich habe keinen klaren roten Faden gefunden und mich mehr verwirrt als mitgenommen gefühlt.
Es gibt Passagen, die wirklich eindringlich sind, und ich erkenne, wie viel Kraft in der Grundidee steckt. Aber im Ganzen war mir die Erzählung zu überladen, zu chaotisch, um mich wirklich zu fesseln. Am Ende blieb bei mir eher das Gefühl von Anstrengung als von Lesefreude.
Stark angefangen mit einem packenden Cover und einer mutigen Idee – doch die Umsetzung konnte mich nicht überzeugen. Deshalb vergebe ich zwei Sterne.
von HEYN Leserunde, Silvia Grutze - 2025-08-27 18:35:00


