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Rezensionen

Fünf, sechs, sieben, acht
Roman

Autor: Ewald Arenz

Erschienen 2026 bei DuMont Buchverlag
ISBN 978-3-7558-0057-6
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„Fünf, sechs, sieben, acht“ - 5 Sterne

Ich bin auf das Buch Fünf, sechs, sieben, acht von Ewald Arenz wegen seines Titels aufmerksam geworden. Der Titel zieht einen sofort in eine Welt voller Leidenschaft hinein – und plötzlich versteht man auch den Protagonisten viel leichter.

Auch das Cover und die gesamte Gestaltung des Buches sind wunderschön gelungen. Ich habe mich richtig gefreut, es endlich in den Händen zu halten.

Anton ist mit seinen sechzig Jahren noch immer ein leidenschaftlicher Stepptänzer. Umso härter trifft es ihn, als das Theater seinen Vertrag nicht verlängert – das Team soll jünger werden, und damit wird Anton ersetzt. Niemand bereitet ihn darauf vor, dass ausgerechnet seine eigene Tochter die Choreografie übernehmen wird.

Das wirft Anton in eine Lebensphase, in der er gezwungen ist, zurückzublicken – auf das, was war, und auf das, was er verloren hat. Doch genau dadurch gelingt es ihm später, wieder mit echter Freude nach vorne zu schauen.

Der Autor Ewald Arenz lässt uns sehr eindrücklich spüren, wie es Anton in dieser Situation geht. Anton weiß genau, dass er nicht mehr der Jüngste oder der Schnellste ist. Er tanzt jedoch mit ungebrochener Leidenschaft – und das Publikum feiert ihn weiterhin, was das Loslassen nur noch schwerer macht.

Als er erfährt, dass ausgerechnet seine Tochter Emma seinen Platz einnimmt, ist er zugleich wütend und stolz auf sie. Auf ihrer gemeinsamen Reise nach Irland werden die Konflikte zwischen Vater und Tochter noch deutlicher – Arenz bringt sie mit großer Sensibilität ans Licht.

Das Buch ist ruhig erzählt und widmet sich dem Altwerden, dem Loslassen, der Familie und der Frage, ob man im Leben die richtigen Entscheidungen getroffen hat. Ewald Arenz hat mit Anton eine authentische Figur geschaffen und lässt uns aufmerksam beobachten, wie sich sein Protagonist weiterentwickelt.

Ganz besonders haben mir die Beschreibungen des Tanzens gefallen. Sie vermitteln noch stärker das Gefühl von Leidenschaft und lassen einen spüren, wie viel Emotion mit Tanzen verbunden ist.

Ein tolles Buch für alle, die das Tanzen im Herzen tragen und sich mit der zweiten Jugend beschäftigen möchten.
von Niko - 2026-06-26 10:21:00

Älterwerden ohne Bedauern - 3 Sterne

Ewald Arenz arbeitet nach wie vor als Lehrer an einem Gymnasium in Nürnberg. Und das, obwohl seine Romane regelmäßig die Bestsellerlisten stürmen.
Nun ist ein neues Buch von ihm erschienen, in dessen Zentrum der knapp sechzigjährige Anton steht. Er ist Stepptänzer am Theater seiner Heimatstadt und feiert nun gerade Premiere mit einer ausgefeilten Choreografie. Sicher, er mag nicht mehr so flink sein wie früher, dafür kann er auf jahrelanger Erfahrung aufbauen. Anton ist zufrieden mit sich. Da trifft es ihn besonders hart, dass die neue Intendantin auf ihn verzichten möchte und lieber einen Neustart mit jemand Jüngerem plant. Seinen Job soll ausgerechnet Tochter Emma, die in seine Fußstapfen getreten ist, bekommen. Eigentlich dürfte er als Vater stolz sein. Doch Anton ist zutiefst gekränkt. Keiner hatte ihn vorgewarnt, weder seine Exfrau Katja, der er noch immer freundschaftlich verbunden ist, noch die Tochter. Auf diese Verletzung reagiert Anton beleidigt, ist taub für jegliche Erklärung.
Gleichzeitig wird ihm seine eigene Endlichkeit bewusst. In seinem Beruf ist er auf einen fitten Körper angewiesen. Wenn die eigene Kraft nachlässt, gehört man schnell zum alten Eisen. Aber Anton fühlt sich doch noch garnicht alt.
Diese Überlegungen lassen ihn Bilanz ziehen und die Frage aufkommen, ob er das richtige Leben gelebt hat. Hintergrund dafür ist eine Leerstelle aus seiner Jugend, die ihn noch immer beschäftigt. Damals hat ihn seine große Liebe Jo von einem Tag auf den andern verlassen, ohne Gründe zu nennen, ja, ohne sich zu verabschieden, und blieb danach verschwunden.
Und obwohl er später mit Katja eine Familie gegründet hat, nagt dieses Erlebnis bis heute an ihm. Wäre sein Leben anders verlaufen, besser vielleicht, gemeinsam mit Jo?
Mit Hilfe von Emma finden sich Hinweise auf Jos Verbleib. Anton und Emma reisen zusammen nach Irland auf der Suche nach der verschollenen Geliebten, und auch in der Hoffnung, die Gräben zwischen Vater und Tochter zu schließen. Doch die erwünschte Annäherung zwischen den beiden bleibt aus. Alte Konflikte brechen auf und so muss sich Anton allein seiner Vergangenheit und seinen eigenen Fehlern stellen.
Anton ist kein Sympathieträger. Dazu ist er zu eitel und zu selbstverliebt. Es fällt ihm schwer, Verständnis für die Wünsche und Bedürfnisse anderer zu entwickeln. Zu sehr kreist sein Denken nur um sich und seine Befindlichkeiten. Ganz anders ist Katja, seine Ex-Frau. Sie ist klug und empathisch und versucht zwischen Vater und Tochter zu vermitteln. Im Grunde verstehen sich Anton und Katja immer noch und man fragt sich, warum es zur Trennung kam. Der Schatten von Jo stand immer zwischen ihnen. Wie hätte Katja gegen eine solche Phantomfrau ankämpfen sollen?
Es dauert lange, bis Anton erkennt, dass er einen Trugbild nachgejagt hat und dass man auf der Suche nach dem anderen, dem „richtigen“ Leben das wahre Leben verpasst.
Es sind universelle Themen und Fragen, die Ewald Arenz hier aufgreift, so das Älterwerden und seine Herausforderungen, Konflikte zwischen Eltern und Kinder und ganz zentral die Frage nach den verpassten Chancen und ungelebten Träumen.
Allerdings hat er wenig Zutrauen in seine Leserschaft. Zu viel wird vorgegeben, ausformuliert, so bleibt wenig Raum für eigene Interpretationen. Außerdem stellt sich der Grund für Jos einstiges Verschwinden als sehr abwegig und konstruiert heraus.
Daneben liefert der Roman aber auch schöne Lesemomente, so z.B. wenn Anton die Geräusche seiner Umwelt immer wieder in Rhythmus umsetzt. Und Ewald Arenz mag seine Charaktere, beschreibt ihre Macken und Fehler mit Empathie und leisem Humor.
Obwohl sein neuer Roman „Fünf, sechs, sieben, acht“ leider nicht an die literarische Qualität von „Alte Sorten“ oder „Der große Sommer“ herankommt, werden die Fans von Ewald Arenz ihn lieben und kaufen. Denn sie bekommen damit gute Unterhaltung und einiges zum Nachdenken.
von Ruth - 2026-06-25 22:41:00

Das Leben lebt sich vorwärts - 5 Sterne

Dieses Buch hat mich wirklich berührt. Vor allem durch die Frage, wie sehr einen vergangene Entscheidungen ein Leben lang begleiten können. Ich glaube, viele kenne dieses Gefühl, sich zu fragen, was gewesen wäre, wenn man sich damals anders entschieden hätte.

Mich hat vor allem die Frage beschäftigt, was passiert, wenn man zu lange an einer Vorstellung festhält, anstatt sich der Realität zu stellen. Das Buch zeigt sehr eindrücklich, wie Erinnerungen und Sehnsüchte unser Leben beeinflussen können.

Sehr berührend fand ich, wie feinfühlig erzählt wird, dass Entscheidungen der Eltern ihre Kinder oft noch viele Jahre später prägen und dass manche Verletzungen mit der Zeit nicht einfach verschwinden.

Das Buch arbeitet nicht mit großen Dramen. Es erzählt einfach vom Leben. Es geht um Reue, Verantwortung, Beziehungen, dem Älterwerden und die Frage, ob man irgendwann lernt, die Vergangenheit loszulassen, um im Hier und Jetzt zu leben.
Am Ende hat mich das Buch daran erinnert, dass man das Leben nur vorwärts leben kann.

Ich kann das Buch allen empfehlen, die ruhige, tiefgründige Geschichten mit viel Gefühl mögen.
von askyfullofpages - 2026-06-21 20:22:00

Über das Loslassen und Wiederfinden - 5 Sterne

Als begeisterte Leserin von Ewald Arenz habe ich mich sehr auf seinen neuen Roman „Fünf, sechs, sieben, acht“ gefreut. Und wieder einmal hat mich der Autor vollkommen überzeugt. Ewald Arenz besitzt die besondere Gabe, von den großen Fragen des Lebens zu erzählen, ohne laut werden zu müssen. Seine Geschichten leben von den leisen Tönen, von seinen Figuren und von einer Sprache, die mich jedes Mal aufs Neue begeistert.
Im Mittelpunkt steht Anton, ein 60-jähriger Tänzer, der sein Leben lang für seine Leidenschaft gelebt hat. Als ihm eine berufliche Enttäuschung widerfährt, gerät vieles ins Wanken. Gleichzeitig holen ihn Erinnerungen an eine große Liebe ein, die vor vielen Jahren plötzlich aus seinem Leben verschwand. Er macht sich auf die Suche nach Antworten und begibt sich auf eine Reise, die weit mehr ist als nur eine Reise in ein anderes Land.
Ewald Arenz gelingt es erneut, seine Figuren mit großer Wärme und Menschlichkeit zu zeichnen. Besonders die Beziehung zwischen Anton und Emma hat mich sehr berührt. Ihre Konflikte, ihre Verletzungen, aber auch ihre Verbundenheit wirken authentisch und lebensnah. Ich konnte ihre Gedanken und Gefühle jederzeit nachvollziehen und habe sie während des Lesens gerne begleitet.
Was mich besonders beeindruckt hat, ist erneut das außergewöhnliche Sprachgefühl des Autors. Seine Sprache ist feinfühlig, präzise und poetisch, ohne jemals kitschig zu werden. Er schafft es, selbst alltägliche Momente mit Bedeutung zu füllen und den Leser ganz nah an seine Figuren heranzuführen. Genau das liebe ich an seinen Romanen so sehr.
Darüber hinaus erzählt „Fünf, sechs, sieben, acht“ von Vergänglichkeit, vom Älterwerden, von verpassten Chancen und von der Frage, ob es jemals zu spät ist, sein Leben neu zu betrachten. Diese Themen behandelt Ewald Arenz mit großer Sensibilität und einer beeindruckenden Menschenkenntnis.
von BarbaraM - 2026-06-20 16:22:00