Rezensionen
Beste Zeiten
Roman. »Eine wunderschöne, zu Herzen gehende Coming-of-Age-Geschichte, die nachhallt« LUCY CALDWELL
Autor: Jenny Mustard
Erschienen 2025 bei Eichborn
ISBN 978-3-8479-0221-8
Eine ruhige, aber überaus tiefgründige Geschichte über Heilung und Identität - 5 Sterne
Ich mochte Jenny Mustard bereits in ihrem Debüt außerordentlich gerne. Denn obwohl ich mit ruhigen Geschichten oft mal meine Probleme habe, nimmt mich ihr Schreibstil einfach immer völlig in sich auf. So war es auch mit ihrem zweiten Roman, der dem ersten in nichts nachsteht und doch anders ist.
Während Mustards Debüt eine Paarbeziehung im Zentrum stehen hatte, dreht sich die Handlung hier noch einmal viel stärker um die Entwicklung der Hauptfigur sowie eine ganz tolle und angenehm unperfekte Freundinnenschaft. Sickan versucht ihren früheren Traumata sowie ihrem eher ärmlichen Wohnumfeld durch einen Umzug nach Stockholm zu entkommen. Das ist mit Anfang 20 ein sehr nachvollziehbarer Move, aber dass er die Probleme nicht wird lösen können, ist uns sicher allen klar.
Dabei wirkt es doch einige Zeit so, als würde die Freundinnenschaft zur selbstsicheren Hanna genau das tun. Sickan, die eigentlich um jeden Preis den coolen Leuten auffallen will, wächst an der Seite ihrer etwas eigenbrötlerischen Freundin zunächst deutlich. Doch irgendwann holen sie die früheren Prägungen ein. Ich finde es ganz toll, wie die Autorin hier wiederholt politisch wird, deutlicher als in ihrem Debüt. Es geht um Klassismus und was er sowie Mobbing mit Menschen nachhaltig anrichten können. Es geht ebenso um 6ualisierte Gewalt und auch hier schafft es Mustard, das Trauma zu verdeutlichen, ohne die Betroffene einzig darüber zu definieren. Sie macht die Auswirkungen stets klar, ohne effekthascherisch ins Detail zu gehen.
Sickan beginnt in ihrem „neuen Leben“ auch eine weitere Beziehung, die ebenso von viel Ehrlichkeit und Authentizität geprägt ist, aber zu meiner großen Freude nicht als Heilsbringer dargestellt wird. Und obwohl romantische Liebe eine Rolle spielt, macht Mustard deutlich, dass andere Beziehungen mindestens ebenbürtig, wenn nicht sogar bedeutsamer sind. Die Autorin zeigt wie schon in ihrem Debüt ihr Händchen für sanfte und reflektierte Männerfiguren. Loyalität, Ehrlichkeit und ein verletzliches Miteinander - all das spielt eine zentrale Rolle und das ganz unabhängig von der Beziehungsart.
Wer ruhig und fundiert erzählte Geschichten mag, die nah an der Hauptfigur sind, hat hier einen Treffer. Ich mochte „Beste Zeiten“ tatsächlich noch einmal mehr als den Vorgänger, weil er deutlich politischer und noch einen Ticken weniger romantisch ist. Sickans Suche nach Heilung und einer eigenen Identität ist schmerzhaft ehrlich und ich gehe rundum zufrieden aus dem Buch.
Während Mustards Debüt eine Paarbeziehung im Zentrum stehen hatte, dreht sich die Handlung hier noch einmal viel stärker um die Entwicklung der Hauptfigur sowie eine ganz tolle und angenehm unperfekte Freundinnenschaft. Sickan versucht ihren früheren Traumata sowie ihrem eher ärmlichen Wohnumfeld durch einen Umzug nach Stockholm zu entkommen. Das ist mit Anfang 20 ein sehr nachvollziehbarer Move, aber dass er die Probleme nicht wird lösen können, ist uns sicher allen klar.
Dabei wirkt es doch einige Zeit so, als würde die Freundinnenschaft zur selbstsicheren Hanna genau das tun. Sickan, die eigentlich um jeden Preis den coolen Leuten auffallen will, wächst an der Seite ihrer etwas eigenbrötlerischen Freundin zunächst deutlich. Doch irgendwann holen sie die früheren Prägungen ein. Ich finde es ganz toll, wie die Autorin hier wiederholt politisch wird, deutlicher als in ihrem Debüt. Es geht um Klassismus und was er sowie Mobbing mit Menschen nachhaltig anrichten können. Es geht ebenso um 6ualisierte Gewalt und auch hier schafft es Mustard, das Trauma zu verdeutlichen, ohne die Betroffene einzig darüber zu definieren. Sie macht die Auswirkungen stets klar, ohne effekthascherisch ins Detail zu gehen.
Sickan beginnt in ihrem „neuen Leben“ auch eine weitere Beziehung, die ebenso von viel Ehrlichkeit und Authentizität geprägt ist, aber zu meiner großen Freude nicht als Heilsbringer dargestellt wird. Und obwohl romantische Liebe eine Rolle spielt, macht Mustard deutlich, dass andere Beziehungen mindestens ebenbürtig, wenn nicht sogar bedeutsamer sind. Die Autorin zeigt wie schon in ihrem Debüt ihr Händchen für sanfte und reflektierte Männerfiguren. Loyalität, Ehrlichkeit und ein verletzliches Miteinander - all das spielt eine zentrale Rolle und das ganz unabhängig von der Beziehungsart.
Wer ruhig und fundiert erzählte Geschichten mag, die nah an der Hauptfigur sind, hat hier einen Treffer. Ich mochte „Beste Zeiten“ tatsächlich noch einmal mehr als den Vorgänger, weil er deutlich politischer und noch einen Ticken weniger romantisch ist. Sickans Suche nach Heilung und einer eigenen Identität ist schmerzhaft ehrlich und ich gehe rundum zufrieden aus dem Buch.
von nessabo - 2025-11-12 12:37:00
ein Buch voller Reibung - 4 Sterne
Coming-of-Age ist seit jeher eines meiner liebsten Roman-Themen und dieses Studentenleben mit dem Ausziehen und sich selbst finden ist ein nahbares, nachvollziehbares Thema, mit dem man sich gut identifizieren kann. Jenny Mustard hat hier wieder eine sehr eigenwillige Protagonistin geschaffen, kein 0815 Charakter, in vielen Punkten fast schon ins extreme überspitzt in dem was sie tut.
Ich glaube genau dadurch ist es mir so schwer gefallen Zugang zu Sickan zu finden und mit ihr mitzufühlen: vieles fühlt sich gewollt und gestellt an- Sickan die eine Rolle verkörpert und Punkte auf der To-Do-Liste des Lebens abhakt. Gleichzeitig kommen dadurch die Erlebnisse und Episoden sehr kraftvoll rüber
Die Freundschaft zwischen Sickan und Hanna ist schwierig, fast schon anstrengend zu verfolgen. Ich weiß gar nicht genau, was mich daran eigentlich gestört hat, aber für mich hat sich das stellenweise unnatürlich und geradezu negativ nuanciert angefühlt.
Dies ist kein bequemes Buch, aber eins, das irgendwie hängen bleibt. Das Leseerlebnis war teilweise fast schon fordernd, aber gleichzeitig auch wirklich interessant zu verfolgen. Bin unschlüssig, ob ich das Buch auf die klassische Weise mochte, aber es hatte was.
Ich glaube genau dadurch ist es mir so schwer gefallen Zugang zu Sickan zu finden und mit ihr mitzufühlen: vieles fühlt sich gewollt und gestellt an- Sickan die eine Rolle verkörpert und Punkte auf der To-Do-Liste des Lebens abhakt. Gleichzeitig kommen dadurch die Erlebnisse und Episoden sehr kraftvoll rüber
Die Freundschaft zwischen Sickan und Hanna ist schwierig, fast schon anstrengend zu verfolgen. Ich weiß gar nicht genau, was mich daran eigentlich gestört hat, aber für mich hat sich das stellenweise unnatürlich und geradezu negativ nuanciert angefühlt.
Dies ist kein bequemes Buch, aber eins, das irgendwie hängen bleibt. Das Leseerlebnis war teilweise fast schon fordernd, aber gleichzeitig auch wirklich interessant zu verfolgen. Bin unschlüssig, ob ich das Buch auf die klassische Weise mochte, aber es hatte was.
von Lies_ein_Buch - 2025-10-19 18:09:00
Coming of Age in Stockholm - 4 Sterne
Jenny Mustard war mir schon vorher durch ihren gleichnamigen YouTube Kanal bekannt und obwohl ich ihren ersten Roman "Okaye Tage" nicht gelesen habe,, sprach mich die Thematik von "Beste Zeiten" an.
Hier geht es um Sickan, eigentlich Siv, die aus einem kleinen Dorf in Skåne, in Südschweden, zum Studieren nach Stockholm zieht. Weg aus der Provinz, versucht sie sich hier neu zu erfinden, Freundschaften zu knüpfen und vor allem alles Alte zurückzulassen.
Man könnte meinen, dass es sich um einen seichten Coming of Age Roman handelt und zu einem gewissen Punkt stimmt das auch. Doch anders als erwartet, schwingen in dem Buch auch schwierige Themen mit rein. Sickan hat als Jugendliche Mobbingerfahrung gesammelt, darüber hinaus auch sexuellen Missbrauch und hat außerdem ein schwieriges Verhältnis zu ihren Eltern, die viel mehr an ihrem eigenen Leben interessiert zu sein scheinen, als an Sickans. Obwohl ihre Eltern promovierte Wissenschaftler*innen sind, sind sie nicht wohlhabend und so ist Sickan später auch auf die Hilfe ihrer Großmutter angewiesen, um studieren zu können.
In Stockholm fängt Sickan an ein typisches Student*innenleben zu führen und lernt neue Freund*innen kennen. Bei Hanna zieht sie letztendlich auch ein und die beiden führen ein WG Leben, das nicht ganz auf Augenhöhe stattfindet. Und auch die Liebesbeziehung, die sie zu Abbe aufbaut, kommt mit Hindernissen. Und so muss Sickan lernen Grenzen zu setzen, ihre Muster zu hinterfragen und vor allem auch ihre Vergangenheit aufzuarbeiten.
Mir hat "Beste Zeiten" gut gefallen. Neben den leichteren Themen, gab es auch schwere Themen und ich denke es ist hier auch wichtig sich die Triggerwarnungen anzuschauen. Mir haben die Beschreibungen rund um Schweden mit ihren kulturellen Eigenheiten gefallen und ich habe mich sofort nach Stockholm versetzt gefühlt. Alles in Allem ein gutes Buch, das zwar nicht herausragend war, ich aber gerne gelesen habe. Daher vergebe ich 3,75 Sterne.
Hier geht es um Sickan, eigentlich Siv, die aus einem kleinen Dorf in Skåne, in Südschweden, zum Studieren nach Stockholm zieht. Weg aus der Provinz, versucht sie sich hier neu zu erfinden, Freundschaften zu knüpfen und vor allem alles Alte zurückzulassen.
Man könnte meinen, dass es sich um einen seichten Coming of Age Roman handelt und zu einem gewissen Punkt stimmt das auch. Doch anders als erwartet, schwingen in dem Buch auch schwierige Themen mit rein. Sickan hat als Jugendliche Mobbingerfahrung gesammelt, darüber hinaus auch sexuellen Missbrauch und hat außerdem ein schwieriges Verhältnis zu ihren Eltern, die viel mehr an ihrem eigenen Leben interessiert zu sein scheinen, als an Sickans. Obwohl ihre Eltern promovierte Wissenschaftler*innen sind, sind sie nicht wohlhabend und so ist Sickan später auch auf die Hilfe ihrer Großmutter angewiesen, um studieren zu können.
In Stockholm fängt Sickan an ein typisches Student*innenleben zu führen und lernt neue Freund*innen kennen. Bei Hanna zieht sie letztendlich auch ein und die beiden führen ein WG Leben, das nicht ganz auf Augenhöhe stattfindet. Und auch die Liebesbeziehung, die sie zu Abbe aufbaut, kommt mit Hindernissen. Und so muss Sickan lernen Grenzen zu setzen, ihre Muster zu hinterfragen und vor allem auch ihre Vergangenheit aufzuarbeiten.
Mir hat "Beste Zeiten" gut gefallen. Neben den leichteren Themen, gab es auch schwere Themen und ich denke es ist hier auch wichtig sich die Triggerwarnungen anzuschauen. Mir haben die Beschreibungen rund um Schweden mit ihren kulturellen Eigenheiten gefallen und ich habe mich sofort nach Stockholm versetzt gefühlt. Alles in Allem ein gutes Buch, das zwar nicht herausragend war, ich aber gerne gelesen habe. Daher vergebe ich 3,75 Sterne.
von rosetheline - 2025-10-14 13:30:00
Ein Coming-of-Age-Roman, der mitten ins Herz trifft - 5 Sterne
In „Beste Zeiten“ begleiten wir Sickan, die ihren Platz im Leben sucht und gleichzeitig mit den Nachwirkungen ihrer Kindheit kämpft. Auf ihrer Reise stehen nicht nur Fragen nach Identität und Selbstfindung im Mittelpunkt, sondern auch ihre enge Freundschaft zu Hanna und die Beziehung zu Abbe, die beide eine große Rolle in ihrem Leben spielen.
Der Schreibstil hat mich sofort begeistert: flüssig, mitreißend und voller Emotionen. Mit Anfang 20 hätte ich mich sofort mit Sickan identifizieren können, aber auch heute konnte ich ihre Handlungen und Gedanken absolut nachvollziehen. Besonders stark fand ich, wie die Autorin zeigt, dass Erlebnisse aus der Kindheit uns auch als Erwachsene prägen. Die Freundschaft zu Hanna und die Beziehung zu Abbe sind einfühlsam und authentisch beschrieben, wodurch die Geschichte noch lebendiger wirkt. Gerade diese zwischenmenschlichen Momente haben mich sehr berührt.
Jenny Mustard hat ein besonderes Talent, Gefühle so spürbar zu machen, dass man völlig in die Geschichte eintaucht. Schon „Okaye Tage“ war für mich ein Highlight, aber „Beste Zeiten“ konnte mich sogar noch mehr begeistern.
Der Schreibstil hat mich sofort begeistert: flüssig, mitreißend und voller Emotionen. Mit Anfang 20 hätte ich mich sofort mit Sickan identifizieren können, aber auch heute konnte ich ihre Handlungen und Gedanken absolut nachvollziehen. Besonders stark fand ich, wie die Autorin zeigt, dass Erlebnisse aus der Kindheit uns auch als Erwachsene prägen. Die Freundschaft zu Hanna und die Beziehung zu Abbe sind einfühlsam und authentisch beschrieben, wodurch die Geschichte noch lebendiger wirkt. Gerade diese zwischenmenschlichen Momente haben mich sehr berührt.
Jenny Mustard hat ein besonderes Talent, Gefühle so spürbar zu machen, dass man völlig in die Geschichte eintaucht. Schon „Okaye Tage“ war für mich ein Highlight, aber „Beste Zeiten“ konnte mich sogar noch mehr begeistern.
von Lena - 2025-09-29 17:31:00
Ehrlich, intensiv – aber nicht immer rund - 4 Sterne
In „Beste Zeiten“ begleitet man Sickan, die Anfang 20 von ihrer Heimat nach Stockholm zieht. Dort will sie neu anfangen, nach Jahren von Mobbing, lieblosen Eltern und dem Gefühl, nie richtig dazuzugehören. Sie stürzt sich ins Studentenleben, findet Freundinnen, die erste Liebe – und merkt trotzdem, dass die Vergangenheit nicht einfach verschwindet.
Mir hat gefallen, wie ehrlich und direkt Jenny Mustard schreibt. Vieles wirkt schonungslos, ohne dabei übertrieben zu sein. Sickans Zweifel, Ängste und auch ihre Suche nach Zugehörigkeit sind sehr authentisch beschrieben. Manche Szenen haben mich richtig berührt, gerade die Rückblenden in ihre Jugend. Auch das Cover passt für mich sehr gut: modern, auffällig und passend zum Inhalt.
Allerdings fand ich das Buch nicht immer gleich stark. Einige Teile plätschern ein wenig dahin, die Erzählweise ist oft sprunghaft, und manche Nebenfiguren bleiben blass. Vor allem Hannas Rolle hätte für mich mehr Tiefe verdient. Auch bei Sickan gab es Momente, wo ihre Handlungen nicht ganz zu ihrer sonstigen Unsicherheit gepasst haben.
Trotz dieser Schwächen hat mich das Buch überzeugt. Es ist intensiv, nah an der Figur, und fängt das Lebensgefühl Anfang 20 sehr realistisch ein – mit allen Höhen, Tiefen und Unsicherheiten.
Fazit:
Ein ehrlicher Coming-of-Age-Roman, der vieles richtig macht und durch seine Atmosphäre überzeugt. Nicht perfekt, aber definitiv lesenswert – vor allem für alle, die sich für Geschichten über Erwachsenwerden, Selbstfindung und das Gefühl des Andersseins interessieren.
Mir hat gefallen, wie ehrlich und direkt Jenny Mustard schreibt. Vieles wirkt schonungslos, ohne dabei übertrieben zu sein. Sickans Zweifel, Ängste und auch ihre Suche nach Zugehörigkeit sind sehr authentisch beschrieben. Manche Szenen haben mich richtig berührt, gerade die Rückblenden in ihre Jugend. Auch das Cover passt für mich sehr gut: modern, auffällig und passend zum Inhalt.
Allerdings fand ich das Buch nicht immer gleich stark. Einige Teile plätschern ein wenig dahin, die Erzählweise ist oft sprunghaft, und manche Nebenfiguren bleiben blass. Vor allem Hannas Rolle hätte für mich mehr Tiefe verdient. Auch bei Sickan gab es Momente, wo ihre Handlungen nicht ganz zu ihrer sonstigen Unsicherheit gepasst haben.
Trotz dieser Schwächen hat mich das Buch überzeugt. Es ist intensiv, nah an der Figur, und fängt das Lebensgefühl Anfang 20 sehr realistisch ein – mit allen Höhen, Tiefen und Unsicherheiten.
Fazit:
Ein ehrlicher Coming-of-Age-Roman, der vieles richtig macht und durch seine Atmosphäre überzeugt. Nicht perfekt, aber definitiv lesenswert – vor allem für alle, die sich für Geschichten über Erwachsenwerden, Selbstfindung und das Gefühl des Andersseins interessieren.
von Piet1990 - 2025-09-28 19:25:00
Schmerz und Wachstum - 4 Sterne
„Beste Zeiten“ erzählt von Sickan, die es aus der Provinz in Südschweden nach Stockholm schafft und dort ihr Studium und vor allem ihr eigenes Leben beginnen möchte. Durch die Übersetzung von Lisa Kögeböhn kann man außerdem so richtig in den schwedischen Alltag und die schwedische Sprache eintauchen.
Was anfangs nach einem unbeschwerten Neustart für Sickan klingt, ist allerdings gleichzeitig geprägt von den Narben ihrer Vergangenheit: massives Mobbing, wenig einfühlsame Eltern und verlorenes Vertrauen belasten sie noch immer. Jenny Mustard beschreibt einfühlsam, wie Sickan Schritt für Schritt lernt, sich selbst zu spüren, Grenzen zu setzen und ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen – ohne dabei die Unsicherheiten und Widersprüche einer jungen Erwachsenen zu verschweigen.
Mir gefiel, wie realistisch das Uni-Setting und das WG-Leben dargestellt sind, wie intensiv Freundschaften und erste Beziehungen erlebt werden und wie Sickan trotz Schmerz und Fehlern immer wieder kleine Wachstumschancen ergreift. Die Nebenfiguren sind interessant und vielfältig, das Campus-Setting bildete für mich einen vertrauten, lebendigen Rahmen - auch wenn der Roman für mich definitiv kein Pageturner war.
Obwohl der Roman an manchen Stellen ein wenig vor sich hinplätschert, überwiegt für mich der positive Eindruck: Die Mischung aus Schmerz, Liebe und Selbstfindung macht „Beste Zeiten“ zu einem nachdenklichen und zugleich leicht zugänglichen Coming-of-Age-Roman. Dass die langfristigen Folgen von Mobbing thematisiert werden, habe ich so auch noch nicht in einem Roman gelesen.
Was anfangs nach einem unbeschwerten Neustart für Sickan klingt, ist allerdings gleichzeitig geprägt von den Narben ihrer Vergangenheit: massives Mobbing, wenig einfühlsame Eltern und verlorenes Vertrauen belasten sie noch immer. Jenny Mustard beschreibt einfühlsam, wie Sickan Schritt für Schritt lernt, sich selbst zu spüren, Grenzen zu setzen und ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen – ohne dabei die Unsicherheiten und Widersprüche einer jungen Erwachsenen zu verschweigen.
Mir gefiel, wie realistisch das Uni-Setting und das WG-Leben dargestellt sind, wie intensiv Freundschaften und erste Beziehungen erlebt werden und wie Sickan trotz Schmerz und Fehlern immer wieder kleine Wachstumschancen ergreift. Die Nebenfiguren sind interessant und vielfältig, das Campus-Setting bildete für mich einen vertrauten, lebendigen Rahmen - auch wenn der Roman für mich definitiv kein Pageturner war.
Obwohl der Roman an manchen Stellen ein wenig vor sich hinplätschert, überwiegt für mich der positive Eindruck: Die Mischung aus Schmerz, Liebe und Selbstfindung macht „Beste Zeiten“ zu einem nachdenklichen und zugleich leicht zugänglichen Coming-of-Age-Roman. Dass die langfristigen Folgen von Mobbing thematisiert werden, habe ich so auch noch nicht in einem Roman gelesen.
von LeserinLu - 2025-09-26 17:35:00
Schöner, gediegener Coming of Age Roman - 4 Sterne
Beste Zeiten ist der zweite Roman von Jenny Mustard. Die 21jährige Sickan ist zum Studium der Softwareentwicklung aus einem kleinen Örtchen in Schweden nach Stockholm gezogen. Beim Lesen erleben wir, wie sie sich nach und nach weiterentwickelt und Anschluss findet.
Ein schöner, gediegener Coming of Age Roman. Die Atmosphäre und der Schreibstil haben mich direkt an das erste Buch der Autorin, Okaye Tage, erinnert. Eine Atmosphäre des Erwachsenwerdens und der Identität, mit einem eher zarten und gleichzeitig irgendwie unaufgeregten und sachlichem Schreibstil. Es geht sonst auch noch um Themen wie Freundschaft, Beziehung und Abgrenzung. Das skandinavische Setting mit dem Studentenleben finde ich authentisch beschrieben. Sickan selbst ist eine vielschichtige Hauptfigur. Sie hat sowohl eine struggelnde, bedachte und ängstliche Seite, als auch eine selbstbestimmte, wagemutige und riskante. Insgesamt hat das Buch viele gediegene und langsame Abschnitte, wobei es auch ein paar Stellen gibt, die tiefer gehen, sensible Themen beschreiben und Spannung beinhalten.
Ein schöner, gediegener Coming of Age Roman. Die Atmosphäre und der Schreibstil haben mich direkt an das erste Buch der Autorin, Okaye Tage, erinnert. Eine Atmosphäre des Erwachsenwerdens und der Identität, mit einem eher zarten und gleichzeitig irgendwie unaufgeregten und sachlichem Schreibstil. Es geht sonst auch noch um Themen wie Freundschaft, Beziehung und Abgrenzung. Das skandinavische Setting mit dem Studentenleben finde ich authentisch beschrieben. Sickan selbst ist eine vielschichtige Hauptfigur. Sie hat sowohl eine struggelnde, bedachte und ängstliche Seite, als auch eine selbstbestimmte, wagemutige und riskante. Insgesamt hat das Buch viele gediegene und langsame Abschnitte, wobei es auch ein paar Stellen gibt, die tiefer gehen, sensible Themen beschreiben und Spannung beinhalten.
von Vobabooks - 2025-09-26 15:55:00
Verdammt realistische Coming-of-Age-Geschichte - 4 Sterne
Das Leben Anfang 20? Oft gar nicht mal so einfach. Auch nicht für Sickan. Ihrer Heimat ist sie in Richtung Stockholm entflohen. Weg vom Mobbing der Schulzeit, von der südschwedischen Langeweile, den Eltern, die zwar Akademiker sind, aber nichts aus sich machten. Stattdessen Studium, WG-Leben, erste Beziehungen – und alles, was daran doch nicht so golden ist, wie sie es sich ausgemalt hat.
„Beste Zeiten“ passt am besten in Anführungszeichen, denn so richtig rund läuft es nicht. Zwar wohnt sie nach einem Anfang in einem Wohnheim in einer WG mit Hanna und das in einer teuren Stockholmer Wohnung (für die sie dank Hannas wohlhabender Mutter kaum mehr zahlt als vorher). Zwar hat sie irgendwann eine Beziehung mit Abbe. Zwar ist sie die beste Studentin ihres Fachs. Aber Hanna kennt keine Grenzen, Abbe ist seltsam abwesend und plant einen Umzug nach Mexico City und das Studium lässt sie schleifen, um für andere Leute Hausarbeiten zu schreiben.
Wie schon in „Okaye Tage“, das übrigens auch immer am besten in Anführungszeichen stand, überzeugt Jenny Mustard mit einem ruhigen und doch schonungslos ehrlichen Realismus. Nichts wird beschönt, gleichzeitig aber auch nicht unnötig prekär dargestellt. Sickan erlebt typische Situationen wie Partys, Liebe und Krach. Und leider auch für viele junge Frauen typische Situationen wie Mobbing und sexuelle Übergriffe.
„Beste Zeiten“ ist dabei ein wirklich guter Coming-of-Age-Roman, wenn das Leben Anfang 20 noch zu diesem Genre zählt. Aber auch die Rückblenden sind schockierend und eindrucksvoll, besonders Sickans Erlebnisse mit 13, ohne zu spoilern. Manchmal scheint die Geschichte etwas an Fahrt zu verlieren, ein paar Seiten plätschert es mal dahin, was aber auch irgendwie gut zum Leben in diesem Alter passt, bevor es wieder an Fahrt aufnimmt. Und zu einem passenden, guten, realistischen Ende kommt.
Etwas kurios wirkt es manchmal, dass schwedische Wörter unübersetzt bleiben, in einem Roman einer Schwedin, der in Schweden spielt. Aber das scheint schon im Original so zu sein, ist „Beste Zeiten“ doch zunächst auf Englisch erschienen. Irgendwann liest man es auch einfach so mit, die meisten Wörter sind eh verständlich, der Rest lässt sich googlen.
Ganz an „Okaye Tage“ kommt ihr Zweitwerk nicht ganz, emotional zumindest. Aber Jenny Mustard entwickelt sich zu einer bedeutenden Stimme der Twenty-Somethings. Und ich bin schon sehr gespannt, welche Geschichte sie als nächstes erzählen wird – und ob der Titel zu den Vorgängern passt. Vermutlich schon.
„Beste Zeiten“ passt am besten in Anführungszeichen, denn so richtig rund läuft es nicht. Zwar wohnt sie nach einem Anfang in einem Wohnheim in einer WG mit Hanna und das in einer teuren Stockholmer Wohnung (für die sie dank Hannas wohlhabender Mutter kaum mehr zahlt als vorher). Zwar hat sie irgendwann eine Beziehung mit Abbe. Zwar ist sie die beste Studentin ihres Fachs. Aber Hanna kennt keine Grenzen, Abbe ist seltsam abwesend und plant einen Umzug nach Mexico City und das Studium lässt sie schleifen, um für andere Leute Hausarbeiten zu schreiben.
Wie schon in „Okaye Tage“, das übrigens auch immer am besten in Anführungszeichen stand, überzeugt Jenny Mustard mit einem ruhigen und doch schonungslos ehrlichen Realismus. Nichts wird beschönt, gleichzeitig aber auch nicht unnötig prekär dargestellt. Sickan erlebt typische Situationen wie Partys, Liebe und Krach. Und leider auch für viele junge Frauen typische Situationen wie Mobbing und sexuelle Übergriffe.
„Beste Zeiten“ ist dabei ein wirklich guter Coming-of-Age-Roman, wenn das Leben Anfang 20 noch zu diesem Genre zählt. Aber auch die Rückblenden sind schockierend und eindrucksvoll, besonders Sickans Erlebnisse mit 13, ohne zu spoilern. Manchmal scheint die Geschichte etwas an Fahrt zu verlieren, ein paar Seiten plätschert es mal dahin, was aber auch irgendwie gut zum Leben in diesem Alter passt, bevor es wieder an Fahrt aufnimmt. Und zu einem passenden, guten, realistischen Ende kommt.
Etwas kurios wirkt es manchmal, dass schwedische Wörter unübersetzt bleiben, in einem Roman einer Schwedin, der in Schweden spielt. Aber das scheint schon im Original so zu sein, ist „Beste Zeiten“ doch zunächst auf Englisch erschienen. Irgendwann liest man es auch einfach so mit, die meisten Wörter sind eh verständlich, der Rest lässt sich googlen.
Ganz an „Okaye Tage“ kommt ihr Zweitwerk nicht ganz, emotional zumindest. Aber Jenny Mustard entwickelt sich zu einer bedeutenden Stimme der Twenty-Somethings. Und ich bin schon sehr gespannt, welche Geschichte sie als nächstes erzählen wird – und ob der Titel zu den Vorgängern passt. Vermutlich schon.
von Morten - 2025-09-26 14:12:00
Erwachsen werden - 4 Sterne
Die junge Schriftstellerin Jenny Mustard erzählt in ihrem Roman,
Beste Zeiten, vom Erwachsen werden und sich selbst finden.
Das ist ihr ganz gut gelungen.
Sie lässt die einundzwanzigjährige Sickan aus ihrer Sicht erzählen.
Man erfährt von Sickans Schulzeit, in die sie nie dazu gehörte. Sie war nie schick gekleidet und hatte Minderwertigkeitsgefühle. Sie gab sich unsichtbar.
Als Studentin in Stockholm ging es auch erst nicht anders, bis Hannah in ihr Leben trat. Die hatte zwar Geld und eine Schicke Wohnung, aber sie hatte auch ihre Probleme.
Die Beiden tun sich gegenseitig gut.
Dann lernt Sickan die Liebe mit Freuden und Verlust kennen. Das prägt sie und sie kann sich endlich frei entwickeln.
Als Leser bin ich mal entzückt, dann wieder entsetzt über Sickans Entscheidungen.
Das hat die Autorin perfekt beschrieben. Der Roman hat mich gefesselt und gut unterhalten.
von begine - 2025-09-26 08:39:00
Eher langweilig und enttäuschend - 3 Sterne
Sickan geht es wie so vielen jungen Menschen: Sie hält es in dem Nest, in dem sie aufgewachsen ist, nicht mehr aus, möchte nur noch raus. Die Rettung kommt in Form ihres Studiums und Umzuges nach Stockholm.
In ihrer Heimat war Sickan immer eine Außenseiterin, immer unglücklich - nun will sie das komplette Gegenteil, will glücklich sein, dazugehören, an Parties teilnehmen, Freundinnen haben, Sex haben, sich verlieben ...
Wir begleiten Sickan auf ihrem Weg in dieses neue Leben, bei ihren Erfahrungen.
Eigentlich klang "Beste Zeiten" ganz nach einem Roman nach meinem Geschmack.
Und Jenny Mustards Schreibstil gefiel mir auch - der ist gut, keine Frage.
Und doch konnte mich "Beste Zeiten" leider nicht überzeugen.
Phasenweise fand ich den Roman ziemlich gut, phasenweise habe ich ihn gerne gelesen - überwiegend war aber leider auch das Gegenteil der Fall. Es gab für meinen Geschmack immer wieder Längen; immer wieder habe ich das Interesse verloren.
Auch das Gendern hat mich schnell genervt.
Jenny Mustards Figuren sind gelungen, sie sind authentisch, man kann sich mit ihnen identifizieren, sich selbst bzw. sein früheres Ich jedenfalls hier und da in ihnen wiedererkennen. Das sollte eigentlich Nähe schaffen, und ein Stück weit tat es das auch - aber größtenteils blieben mir sowohl die Figuren als auch die Handlung leider fremd und distanziert. Ich konnte keine Verbindung zu diesen Figuren und dieser Handlung aufbauen.
Für mich ist es leider keine Geschichte, die lange nachhallen wird.
Das Buch wird sicher seine Leser finden - aber mich konnte "Beste Zeiten" nicht fesseln, begeistern und überzeugen. Ich habe schon bessere Coming of Age-Romane gelesen. Vielleicht waren deshalb auch die Erwartungen (zu) hoch.
In ihrer Heimat war Sickan immer eine Außenseiterin, immer unglücklich - nun will sie das komplette Gegenteil, will glücklich sein, dazugehören, an Parties teilnehmen, Freundinnen haben, Sex haben, sich verlieben ...
Wir begleiten Sickan auf ihrem Weg in dieses neue Leben, bei ihren Erfahrungen.
Eigentlich klang "Beste Zeiten" ganz nach einem Roman nach meinem Geschmack.
Und Jenny Mustards Schreibstil gefiel mir auch - der ist gut, keine Frage.
Und doch konnte mich "Beste Zeiten" leider nicht überzeugen.
Phasenweise fand ich den Roman ziemlich gut, phasenweise habe ich ihn gerne gelesen - überwiegend war aber leider auch das Gegenteil der Fall. Es gab für meinen Geschmack immer wieder Längen; immer wieder habe ich das Interesse verloren.
Auch das Gendern hat mich schnell genervt.
Jenny Mustards Figuren sind gelungen, sie sind authentisch, man kann sich mit ihnen identifizieren, sich selbst bzw. sein früheres Ich jedenfalls hier und da in ihnen wiedererkennen. Das sollte eigentlich Nähe schaffen, und ein Stück weit tat es das auch - aber größtenteils blieben mir sowohl die Figuren als auch die Handlung leider fremd und distanziert. Ich konnte keine Verbindung zu diesen Figuren und dieser Handlung aufbauen.
Für mich ist es leider keine Geschichte, die lange nachhallen wird.
Das Buch wird sicher seine Leser finden - aber mich konnte "Beste Zeiten" nicht fesseln, begeistern und überzeugen. Ich habe schon bessere Coming of Age-Romane gelesen. Vielleicht waren deshalb auch die Erwartungen (zu) hoch.
von Cellissima - 2025-09-23 12:25:00


