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Rezensionen

Schon schwankte die Welt
Roman

Autor: Felicitas Prokopetz

Erschienen 2026 bei Eichborn
ISBN 978-3-8479-0234-8
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Schon schwankte die Welt - 5 Sterne

Seit Kindertagen sind Viktoria und Helene die besten Freundinnen. Als Viktoria jung ein Kind bekommt – und der Vater sich davonmacht – ist Helene der Vaterersatz. In allen beruflichen und privaten Hochs und Tiefs stehen die Beiden sich bei. Als ein junger Mann ins Leben von Viktoria kommt, droht diese Beziehung die Bindung der Beiden zu zerbrechen. Was Raben mit dem Ganzen zu tun haben, und wie gefühlvoll Prokopetz die Geschichte der beiden Frauen erzählt, lesen Sie am besten selbst. Es lohnt sich!   
von Tappeiner Elisabeth aus der Athesia-Filiale in Schlanders - 2026-06-18 10:55:50

Schon schwankte die Welt - 4 Sterne

Schwierige Kindheit, instabile Partnerschaften, alleinerziehend: Der einzige Mensch, auf den sich Viktoria immer verlassen konnte, war ihre beste Freundin Helene. Die langjährige innige Freundschaft der beiden scheint unerschütterlich. Doch dann verliebt sich Viktoria in den 20 Jahre jüngeren Studenten Polly, der ihre Welt ins Schwanken bringt. Sowohl Helene als auch Viktorias Tochter Lara halten nicht viel von dieser Beziehung, was zu Auseinandersetzungen führt.
Zeitgleich taucht ein Rabe auf, den Viktoria fünf Jahre zuvor handaufgezogen hatte und der ihr offenbar etwas mitteilen möchte. Die Biologin, die auch beruflich mit der Erforschung von Raben zu tun hat, versucht mit Helene, Lara und Polly herauszufinden, was der Rabe ihr erzählen möchte.
Felicitas Prokopetz hat Sprachkunst studiert. Sprache und Kommunikation sind der rote Faden, mit dem sie den Leser durch diesen Roman führt. Die Autorin durchleuchtet Herausforderungen in der Kommunikation zwischen Mutter und Tochter, zwischen besten Freundinnen, innerhalb einer Beziehung, und nicht zuletzt zwischen Mensch und Tier. Es gibt viel Gesagtes, und noch mehr Ungesagtes. Ein interessanter Roman, der in Wien spielt und flüssig zu lesen ist.
von Eva Kronhofmann - 2026-06-15 10:23:08

Ein dichtes, hochpolitisches und spannungsvolles Werk - 5 Sterne

Ich mochte schon das Debüt von Felicitas Prokopetz sehr gern und ihr neuer Roman konnte das noch einmal toppen. Eine wirklich runde Erzählung mit hohem Tempo, pointierten Perspektivwechseln, einer scharfzüngigen politischen Komponente und einer Prise Raben-Mystik.

Die Figuren sind alle total spannend und ergänzen sich ganz toll. Ich bin besonders beeindruckt davon, wie die Autorin Perspektivwechsel einsetzt, um die Geschichte dichter zu machen. Das Tempo der Wechsel zieht manchmal so stark an, dass wir in einer bestimmten Szene quasi mit dabeisitzen und die verschiedenen Wahrnehmungen und Gedanken gleichzeitig erleben dürfen. Außerdem gelingt es ihr, die Spannung verschiedener Situationen auszuhalten. Die Empfindungen der Figuren in einem bestimmten Moment sind teilweise völlig gegensätzlich und diesen Raum zu halten ist anstrengend, aber eben eine wahre Kunst.

Die Sprache ist teils anspruchsvoll, die Sätze wirken nahezu wie Wort für Wort kuratiert. Das ist nicht immer mein Fall, hier ist es aber wohldosiert eingesetzt und bei einem so schmalen Buch nehme ich auch gern in Kauf, manche Sätze doppelt lesen zu müssen.

Ich finde es großartig, dass hier so politisch geschrieben wird. Feminismus, Veganismus, Klimakrise - alles ganz wichtige Themen und Prokopetz nimmt hier kein Blatt vor den Mund. Außerdem liebe ich ältere Frauenfiguren, die happily single sind und sich nicht dem gesellschaftlichen Narrativ einer „richtigen" Familie unterordnen wollen. Männer kommen dagegen nicht so gut weg und auch, wenn Polly als etwas klischeehaft eingeordnet werden kann, akzeptiere ich das gern - denn viele cis Männer sind eben genau auf diese Art „feministisch“. Wie subtil sexistisches Denken wirkt, fand ich unglaublich fein herausgearbeitet.

Das Ende greift die mystische Raben-Storyline noch einmal auf und hinterlässt seine Lesenden mit ein paar Fragezeichen. Das passt für mich nicht immer, aber hier war es mit Blick auf die gesamte Interaktion mit dem Raben stimmig. Nicht alles wird geklärt und das ist auch okay so.

Eine wirklich tolle, intensive Erzählung mit starken Figuren, die uns dank vieler Perspektivwechsel keineswegs schonen. Prokopetz jongliert eine schiere Masse an Themen und vermittelt sie auf anspruchsvolle, aber kluge Weise, die mich völlig für sich eingenommen hat. Die Kürze des Romans verhindert an manchen Stellen eine gewisse Tiefe, die mein Urteil insgesamt aber nicht verändert. Bitte mehr davon!
von nessabo - 2026-05-08 20:16:00