Rezensionen
Angst vor Männern
Erzählendes Sachbuch, das inspiriert. Mut zur Veränderung: ästhetisch gestaltetes Essay zum Nachdenken
Autor: Nicole List
Erschienen 2026 bei Wasser Publishing FlexKapG
ISBN 978-3-903618-08-4
Angst vor Männern - 4 Sterne
Als ich den großen Spiegel-Artikel mit dem Interview von Collien Fernández las, in dem sie erzählt, warum sie jetzt eine Klage gegen ihren zukünftigen Exmann Christian Ulmen eingereicht hat, war ich entsetzt. Und gleichzeitig nicht überrascht. Schon lange weiß ich, was Männer Frauen antun können, nicht obwohl, sondern weil sie sich in ihrem direkten Umfeld befinden und manchmal sogar in einer Liebesbeziehung.
Und ich habe Angst davor.
Als ich dem Mann, der mir am nächsten steht, von dem Artikel und den Presseberichten erzählte und nach seinen Gedanken dazu fragte, hatte er noch gar nichts davon mitbekommen.
In seiner Welt gehören solche Meldungen zur Yellow Press und sind nichts, was ihn persönlich betrifft. Er liest „richtige“ Nachrichten, wie Börsenkurse etc.pp.
Und genau da liegt irgendwo ein Problem. Nicht meine Freunde, oder meine Arbeitskollegen lesen den Essay „Angst vor Männern“ von Nicole List, sondern ICH. Wobei fair enough: Meine Feunde und Arbeitskollegen lesen einfach vermutlich gar nicht, außer Aktionkurse und Bundesligatabellen, siehe oben.
“Dieses ganze Buch handelt davon, ist im Grunde ein einziges Lehrwerk für Männer, endlich die beschissene Situation zu verstehen, in der man als Frau so oft steckt.”
Nicole List erzählt darin sehr persönlich und auch anekdotisch von ihrer Angst vor Männern, die sie mit ihren Freundinnen teilt. Von den vielen Situationen als Frau, die einzeln genommen vielleicht gar nicht so schlimm oder alltäglich wirken, in ihrer Summe aber Frauen* immer wieder klar machen, in wessen Welt sie sich bewegen.
List adressiert dabei direkt die Lesenden und fordert sie auf, diese Realität und Angst von Frauen endlich anzuerkennen.
Das Ding ist nur, ich glaube wirklich, es interessiert Männer einfach nicht. Es ist ja nicht so, als hätten wir noch nie darüber geredet und als gäbe es keine Zahlen, Fakten und Statistiken darüber.
Meine persönliche Einstellung zum Leben, Lieben und Arbeiten mit Männern ist zynisch und pragmatisch und ich fürchte, anders als der Abschluss von Lists Essay, mit wenig Hoffnung auf Veränderung.
Ich begrüße jede Veröffentlichung und jede Stimme, die das ausdrückt und Worte dafür findet, was viele wahrscheinlich viele so Menschen empfinden, sich aber nicht trauen , auszusprechen, oder vielleicht gar zu denken.
Und ich habe Angst davor.
Als ich dem Mann, der mir am nächsten steht, von dem Artikel und den Presseberichten erzählte und nach seinen Gedanken dazu fragte, hatte er noch gar nichts davon mitbekommen.
In seiner Welt gehören solche Meldungen zur Yellow Press und sind nichts, was ihn persönlich betrifft. Er liest „richtige“ Nachrichten, wie Börsenkurse etc.pp.
Und genau da liegt irgendwo ein Problem. Nicht meine Freunde, oder meine Arbeitskollegen lesen den Essay „Angst vor Männern“ von Nicole List, sondern ICH. Wobei fair enough: Meine Feunde und Arbeitskollegen lesen einfach vermutlich gar nicht, außer Aktionkurse und Bundesligatabellen, siehe oben.
“Dieses ganze Buch handelt davon, ist im Grunde ein einziges Lehrwerk für Männer, endlich die beschissene Situation zu verstehen, in der man als Frau so oft steckt.”
Nicole List erzählt darin sehr persönlich und auch anekdotisch von ihrer Angst vor Männern, die sie mit ihren Freundinnen teilt. Von den vielen Situationen als Frau, die einzeln genommen vielleicht gar nicht so schlimm oder alltäglich wirken, in ihrer Summe aber Frauen* immer wieder klar machen, in wessen Welt sie sich bewegen.
List adressiert dabei direkt die Lesenden und fordert sie auf, diese Realität und Angst von Frauen endlich anzuerkennen.
Das Ding ist nur, ich glaube wirklich, es interessiert Männer einfach nicht. Es ist ja nicht so, als hätten wir noch nie darüber geredet und als gäbe es keine Zahlen, Fakten und Statistiken darüber.
Meine persönliche Einstellung zum Leben, Lieben und Arbeiten mit Männern ist zynisch und pragmatisch und ich fürchte, anders als der Abschluss von Lists Essay, mit wenig Hoffnung auf Veränderung.
Ich begrüße jede Veröffentlichung und jede Stimme, die das ausdrückt und Worte dafür findet, was viele wahrscheinlich viele so Menschen empfinden, sich aber nicht trauen , auszusprechen, oder vielleicht gar zu denken.
von @lust_auf_literatur - 2026-06-10 13:15:00
Nicole List gibt Erfahrungen eine Sprache, über die lange geschwiegen wurde - 5 Sterne
Was für ein kluges und sehr persönliches Buch hat Nicole List geschrieben. Und nein, das schreibe ich nicht, weil sie meine Freundin ist. Man könnte denken, ich kann ja nicht anders, als positiv über das Buch zu schreiben – aber so ist es nicht.
Ich schreibe positiv über diesen Essay, weil ich in einer Generation aufgewachsen bin, in der auch ich die Erfahrung gemacht habe, dass Männer grenzüberschreitend waren und ein unangenehmes Gefühl auslösten. Ich lernte jedoch nicht sensibel dafür zu sein, dass dies nicht in Ordnung ist, sondern es wurde nie thematisiert, zur Sprache gebracht oder sonst darüber geredet. Fast war es so, dass uns gesagt wurde „freu dich doch über das Kompliment“ oder „dem gefällst halt“. Wir haben bei und zu Grenzverletzungen gelächelt, obwohl es uns unangenehm war. Man hat es ad acta geschoben, obwohl diese Ängste und unangenehmen Gefühle gegenüber Männern in vielen Situationen absolut bekannt waren – trotzdem hat niemand darüber nachgedacht, es war halt so.
Daher bin ich Nicole dankbar (wie vielen anderen jungen Autor*innen), dass sie uns als vorhergehende Generation sensibilisieren. Es gelingt ihr vielmehr persönlich erlebte singuläre Erfahrungen zu solchen für alle Frauen zu machen und in besonderer Weise uns alle zu sensibilisieren.
Ich war bei der großartigen Premierenlesung im überfüllten Literaturhaus anwesend und hatte beim Lesen ihre Stimme im Ohr und sie selbst sprechen hören.
Ich habe den Essay ausschließlich in der U-Bahn und Straßenbahn gelesen und es war schon ein komisches Gefühl, wenn Männer neben mir saßen und auf den Buchtitel und dann auf mich geschaut haben. Solche Gefühle hatte ich nicht, wenn Frauen auf den Titel des Buches sahen. Auch das eine spezielle Erfahrungen, die vielleicht Bewusstsein schafft.
Es benötigt genau solche Bücher von jungen Frauen über verletzende Ereignisse, die in ihrer banal-bösen kruden Alltäglichkeit hier nicht thematisch wiederholt oder gar ausgebreitet werden müssen. Ihr besondere Wert liegt darin, die erzählten Erfahrungen uns alle sensibilisieren. Männer sollte dieses Buch auch lesen, damit sie (besser) verstehen, welches Verhalten uns Angst vor Männern macht.
Meine liebe Nicole, ich gratuliere dir sehr herzlich zu dem Erfolg und wünsche dir, dass deine Geschichte von vielen Leser*innen auf- und wahrgenommen wird.
Ich schreibe positiv über diesen Essay, weil ich in einer Generation aufgewachsen bin, in der auch ich die Erfahrung gemacht habe, dass Männer grenzüberschreitend waren und ein unangenehmes Gefühl auslösten. Ich lernte jedoch nicht sensibel dafür zu sein, dass dies nicht in Ordnung ist, sondern es wurde nie thematisiert, zur Sprache gebracht oder sonst darüber geredet. Fast war es so, dass uns gesagt wurde „freu dich doch über das Kompliment“ oder „dem gefällst halt“. Wir haben bei und zu Grenzverletzungen gelächelt, obwohl es uns unangenehm war. Man hat es ad acta geschoben, obwohl diese Ängste und unangenehmen Gefühle gegenüber Männern in vielen Situationen absolut bekannt waren – trotzdem hat niemand darüber nachgedacht, es war halt so.
Daher bin ich Nicole dankbar (wie vielen anderen jungen Autor*innen), dass sie uns als vorhergehende Generation sensibilisieren. Es gelingt ihr vielmehr persönlich erlebte singuläre Erfahrungen zu solchen für alle Frauen zu machen und in besonderer Weise uns alle zu sensibilisieren.
Ich war bei der großartigen Premierenlesung im überfüllten Literaturhaus anwesend und hatte beim Lesen ihre Stimme im Ohr und sie selbst sprechen hören.
Ich habe den Essay ausschließlich in der U-Bahn und Straßenbahn gelesen und es war schon ein komisches Gefühl, wenn Männer neben mir saßen und auf den Buchtitel und dann auf mich geschaut haben. Solche Gefühle hatte ich nicht, wenn Frauen auf den Titel des Buches sahen. Auch das eine spezielle Erfahrungen, die vielleicht Bewusstsein schafft.
Es benötigt genau solche Bücher von jungen Frauen über verletzende Ereignisse, die in ihrer banal-bösen kruden Alltäglichkeit hier nicht thematisch wiederholt oder gar ausgebreitet werden müssen. Ihr besondere Wert liegt darin, die erzählten Erfahrungen uns alle sensibilisieren. Männer sollte dieses Buch auch lesen, damit sie (besser) verstehen, welches Verhalten uns Angst vor Männern macht.
Meine liebe Nicole, ich gratuliere dir sehr herzlich zu dem Erfolg und wünsche dir, dass deine Geschichte von vielen Leser*innen auf- und wahrgenommen wird.
von Nicole Koppandi - 2026-05-25 20:19:00


