Icon Kontrast wechseln

Rezensionen

Aanä

Autor: Jul Dillier

Erschienen 2026 bei Edition Valnød
ISBN 978-3-9526035-8-1
Rezension verfassen

"Word zum Muisig machä" - 5 Sterne

Julian Dillier (1922 - 2001) war jahrelang als Verwaltungsbeamter in Obwalden, einem zentralschweizerischen Kanton tätig, bevor er nach Basel zog, um dort als sog. Programmredaktor für den Schweizer Rundfunk zu arbeiten. Bekannt wurde er allerdings als Mundartschriftsteller; nicht nur in Obwalden, sondern in der entspr. Szene im gesamtdeutschen Raum. Daneben wirkte Julian Dillier als Mentor für junge Künstler:innen, Musiker:innen oder Dichter:innen.

Auch sein Neffe blieb von seinem Onkel nicht unbeeindruckt. Der mittlerweile in Wien lebende Klangkünstler, Pianist und Komponist Jul Dillier setzt sich seit etlichen Jahren mit den Gedichten seines Onkels auseinander, hat nun zu neun Gedichten Noten gesetzt und präsentiert diese Gedichte in Buchform mit den entsprechenden Codes und Links zur Musik, "Aanä". Glücklicherweise finden sich im ansprechend gestalteten Bändchen auch die deutschen und englischen Übertragungen aus dem Obwaldnertyytsch , sonst wären die Nichtschweizer:innen einigermaßen ratlos. "Täifi" ist beispielsweise nicht der Teufel, sondern die Tiefe.

Als Interpretation des Buch- bzw. Albumtitels, "Aanä", bieten sich drei Möglichkeiten an – ahnen, die Ahnen und akzeptieren. Die instrumentale Begleitung ist einerseits recht sparsam gestaltet, dann aber entwickeln die drei Musiker:innen ganz schnell eine überraschende Dynamik, wie in der fünften Nummer "Nid Alls". Spannend, wie man mit akustischen Instrumenten einen Sound wie seinerzeit das Esbjörn Svensson Trio entwickeln kann. Überraschend ist die Verwendung eines Hackbretts zur Fabrizierung einer ziemlich aggressiven Musik in "Bsitzstandwahrig", was auch an der Art und Weise der Bearbeitung des Instruments liegt. Nicht nur dass für Dillier praktisch jeder Alltagsgegenstand für eine Klangerzeugung Verwendung finden kann, bearbeitet er seine Instrumente, Klavier, Harmonium und Hackbrett fallweise auf unorthodoxe Weise. Auch der Autor der Texte selbst, Julian Dillier, kommt in zwei "Interludes" und einem "Postskriptum" als archivierte Stimme zu Wort.

Und irgendeinmal muss man entscheiden: Kommt "Aanä" ins Bücherregal oder zu den Musikalben?
von Wolfgang Suschnig - 2026-04-11 08:48:00