Rezensionen
Ich bin Anna - 5 Sterne
Tom Saller hat mit seiner Biographie über Anna, der berühmten Tochter Sigmund Freuds, nun das Meisterwerk geschafft, die Leerstellen zu füllen, die uns die historischen Fakten auferlegen: Zwar wissen wir viel über die von Freud entwickelte bahnbrechende Psychotherapie, doch wenig über die Therapie, der sich Anna unterzogen hat und womit sie zur Erbin des großen Wissens des Vaters und schließlich selbst Gründerin der Kinder- und Jugendpsychoanalyse wurde: „Ist es nicht immer das vermeintliche Paradies der Kindheit, in dem der Baum der Erkenntnis wächst?“
Dass das Portrait dieser außerordentlichen Frau, die von sich selbst sagt: „Denn ich bin frei. Bin Anna. Bin ich“, gelingt, ist dem Umstand zu verdanken, dass der Autor, Tom Saller, selbst Psychotherapeut ist. Er vermag auch Lesern, die sich nicht sehr mit Psychoanalyse auskennen, interessante Erkenntnisse zu vermitteln und gleichzeitig ein spannendes Setting zu schaffen, wo tatsächliche Biographie und Fiktion ineinander fließen. Im Buch geht es um die Jahre 1917/18, als Anna beginnt, sich aktiv an der Arbeit ihres berühmten Vaters zu beteiligen; es wird dann der Bogen bis zum Jahr 1938 – dem Jahr des Anschlusses Österreichs an das Dritte Reich – gespannt: für die jüdische Familie Freud ein schicksalhaftes Jahr, das sie zur Flucht nach London zwingt. Wir treffen Anna Freud schließlich im Jahre 1980 wieder, als sie eine besondere Todesnachricht erhalten wird, die die Rückblenden und Erinnerungen an die Vergangenheit erst ermöglicht. Zu viel sei nicht verraten, denn obgleich der Roman sehr viel über Psychoanalyse und therapeutische Ansätze lehren kann, ist er doch voll unerwarteter Wendungen, die mit der starken Persönlichkeit Annas einhergehen; sie ist von Beruf Lehrerin, interessiert sich aber für die Arbeit des Vaters und wird von ihm durch eine Lehranalyse am ehemaligen Soldaten Stadlober, der an den Traumata des Krieges leidet, miteinbezogen. Gleichzeitig ist sie literarisch begabt: „Schreiben gibt Halt, verleiht Bedeutung. Materialisiert Gedanken und Gefühle und nicht zuletzt die Zeit, und so werden die Dinge gleichermaßen greifbar wie begreifbar.“
Anna – und wir mit ihr – lernen die Idee Freuds bezüglich des Todestriebes, Thanatos, kennen, wie auch den im Menschen vorhandenen Lebenstrieb, Eros. Durch die Therapiesitzungen, an denen sie – mit Erlaubnis des Vaters – teilnimmt, werden auch ihre eigenen verdrängten Triebe sichtbar: dies ist die wohl wichtigste und für Freud selbst spannendste Aufgabe, wie es – und das ist historisch in seinem Brief an Lou Andreas-Salomé verbürgt - gelte, „die Libido seiner Tochter aus deren Schlupfwinkel“ herauszutreiben. Dass dies gelungen ist, zeigt sich an der damals ungewöhnlichen Entscheidung Annas, eine Beziehung zu einer Frau, mit der sie auch zusammenleben wird, einzugehen.
Der Autor vermag es, Lehrreiches und Spannendes harmonisch zu kombinieren und man gewinnt diese eigenwillige Tochter lieb, die Sigmund Freud selbst als „mein schwarzer Teufel“ bezeichnet. Der Roman ist außerdem höchst aktuell, da er sich mit Themen beschäftigt, die uns leider auch heute – angesichts des Ukraine-Kriegs, des Nahost-Konflikts – angehen; so heißt es im Buch: „Wie vermochte sich ein gewöhnlicher, friedfertiger Mensch unversehens in einen zum Töten bereiten zu verwandeln? Scheinbar ohne zu zögern von einer höheren psychischen Entwicklungsstufe auf eine frühere, primitivere zurückzufallen? Welche seelischen Kräfte waren da am Werk?“
Passend dazu finden gerade an diesem Wochenende die Tage der Deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt, auch als Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb bekannt, statt. In seiner Eröffnungsrede hat Ferdinand Schmalz zurecht darauf hingewiesen, dass die Krisen, in denen wir leben, einen „Nullpunkt“ erreicht haben: „… einen solchen bitter realistischen moment, einen nullpunkt, von dem aus man in aller nüchternheit beschauen kann, was denn schon da ist und woran wir nun in aller ruhe weiterarbeiten sollten. wir aber verbleiben viel zu oft im augenblick einer schnappatmigen panik, in alarmismus und reflexhaftem sofortismus. doch wenn man dauerhaft auf messers schneide lebt, stumpft man langsam, aber sicher ab. und kann man den prozess einer allgemeinen abstumpfung allerorten schon beobachten, wenn die nachrichten vermieden werden, wenn die wahlen unterwandert, die demokratien unterhöhlt werden.“
Ein gutes Mittel, auf Krisen zu reagieren, sind Bücher: Bücher, die ebenso intelligent wie unterhaltsam sind, weil sie uns durch Geschichten die Wirklichkeit näher bringen, weil sie uns aufwecken möchten, in Zeiten, wo rechte Parteien wieder einen so großen Zulauf haben. Noch einmal sei hier die Eröffnungsrede 2024 in Klagenfurt erwähnt: „… in einem solchen zustand haben es natürlich jene leicht, die eine hoffnung auf erlösung zu vermarkten wissen, die billiger als der billigste löskaffee. gestern haben sie uns noch an den rand der verfassungskrise geführt, heute sind sie wieder die strahlenden erlöser. unter daueralarmbeschallung laufen scharenweise aufgescheuchte wähler*innen dem blauen stammtischdichter zu, dem immer nur der niederträchtigste reim einfallen will. unser volksschulkanzler in spe, der schon stricherllisten führt, wen seine schergen dann in den schwitzkasten nehmen dürfen, unliebsame journalist*innen, komiker*innen oder künstler*innen, ja, dieser schwitzkasten ist groß, da werden sich noch manche wundern, wer da alles platz hat in diesem schwitzkasten drin, unser ganzer liberaler rechtsstaat wird da drinnen platz haben müssen. das können ihnen die freundschaftsvertraglich verbundenen autokraten, die können ihnen das bestätigen, dass so ein schwitzkasten geräumig ist. und unsere demokratie, die liegt längelang da am behandlungstisch, wie eine kritische patientin liegt sie da, mit offenem herzen. während einer schon wieder zum entwurmungsmittel greift.“
Lauter schwierige Patienten, also. Aber dem setzt Tom Saller die Figur Anna entgegen: „Denn ich bin frei. Bin Anna. Bin ich.“ What else? „Ich bin Anna.“
Dass das Portrait dieser außerordentlichen Frau, die von sich selbst sagt: „Denn ich bin frei. Bin Anna. Bin ich“, gelingt, ist dem Umstand zu verdanken, dass der Autor, Tom Saller, selbst Psychotherapeut ist. Er vermag auch Lesern, die sich nicht sehr mit Psychoanalyse auskennen, interessante Erkenntnisse zu vermitteln und gleichzeitig ein spannendes Setting zu schaffen, wo tatsächliche Biographie und Fiktion ineinander fließen. Im Buch geht es um die Jahre 1917/18, als Anna beginnt, sich aktiv an der Arbeit ihres berühmten Vaters zu beteiligen; es wird dann der Bogen bis zum Jahr 1938 – dem Jahr des Anschlusses Österreichs an das Dritte Reich – gespannt: für die jüdische Familie Freud ein schicksalhaftes Jahr, das sie zur Flucht nach London zwingt. Wir treffen Anna Freud schließlich im Jahre 1980 wieder, als sie eine besondere Todesnachricht erhalten wird, die die Rückblenden und Erinnerungen an die Vergangenheit erst ermöglicht. Zu viel sei nicht verraten, denn obgleich der Roman sehr viel über Psychoanalyse und therapeutische Ansätze lehren kann, ist er doch voll unerwarteter Wendungen, die mit der starken Persönlichkeit Annas einhergehen; sie ist von Beruf Lehrerin, interessiert sich aber für die Arbeit des Vaters und wird von ihm durch eine Lehranalyse am ehemaligen Soldaten Stadlober, der an den Traumata des Krieges leidet, miteinbezogen. Gleichzeitig ist sie literarisch begabt: „Schreiben gibt Halt, verleiht Bedeutung. Materialisiert Gedanken und Gefühle und nicht zuletzt die Zeit, und so werden die Dinge gleichermaßen greifbar wie begreifbar.“
Anna – und wir mit ihr – lernen die Idee Freuds bezüglich des Todestriebes, Thanatos, kennen, wie auch den im Menschen vorhandenen Lebenstrieb, Eros. Durch die Therapiesitzungen, an denen sie – mit Erlaubnis des Vaters – teilnimmt, werden auch ihre eigenen verdrängten Triebe sichtbar: dies ist die wohl wichtigste und für Freud selbst spannendste Aufgabe, wie es – und das ist historisch in seinem Brief an Lou Andreas-Salomé verbürgt - gelte, „die Libido seiner Tochter aus deren Schlupfwinkel“ herauszutreiben. Dass dies gelungen ist, zeigt sich an der damals ungewöhnlichen Entscheidung Annas, eine Beziehung zu einer Frau, mit der sie auch zusammenleben wird, einzugehen.
Der Autor vermag es, Lehrreiches und Spannendes harmonisch zu kombinieren und man gewinnt diese eigenwillige Tochter lieb, die Sigmund Freud selbst als „mein schwarzer Teufel“ bezeichnet. Der Roman ist außerdem höchst aktuell, da er sich mit Themen beschäftigt, die uns leider auch heute – angesichts des Ukraine-Kriegs, des Nahost-Konflikts – angehen; so heißt es im Buch: „Wie vermochte sich ein gewöhnlicher, friedfertiger Mensch unversehens in einen zum Töten bereiten zu verwandeln? Scheinbar ohne zu zögern von einer höheren psychischen Entwicklungsstufe auf eine frühere, primitivere zurückzufallen? Welche seelischen Kräfte waren da am Werk?“
Passend dazu finden gerade an diesem Wochenende die Tage der Deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt, auch als Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb bekannt, statt. In seiner Eröffnungsrede hat Ferdinand Schmalz zurecht darauf hingewiesen, dass die Krisen, in denen wir leben, einen „Nullpunkt“ erreicht haben: „… einen solchen bitter realistischen moment, einen nullpunkt, von dem aus man in aller nüchternheit beschauen kann, was denn schon da ist und woran wir nun in aller ruhe weiterarbeiten sollten. wir aber verbleiben viel zu oft im augenblick einer schnappatmigen panik, in alarmismus und reflexhaftem sofortismus. doch wenn man dauerhaft auf messers schneide lebt, stumpft man langsam, aber sicher ab. und kann man den prozess einer allgemeinen abstumpfung allerorten schon beobachten, wenn die nachrichten vermieden werden, wenn die wahlen unterwandert, die demokratien unterhöhlt werden.“
Ein gutes Mittel, auf Krisen zu reagieren, sind Bücher: Bücher, die ebenso intelligent wie unterhaltsam sind, weil sie uns durch Geschichten die Wirklichkeit näher bringen, weil sie uns aufwecken möchten, in Zeiten, wo rechte Parteien wieder einen so großen Zulauf haben. Noch einmal sei hier die Eröffnungsrede 2024 in Klagenfurt erwähnt: „… in einem solchen zustand haben es natürlich jene leicht, die eine hoffnung auf erlösung zu vermarkten wissen, die billiger als der billigste löskaffee. gestern haben sie uns noch an den rand der verfassungskrise geführt, heute sind sie wieder die strahlenden erlöser. unter daueralarmbeschallung laufen scharenweise aufgescheuchte wähler*innen dem blauen stammtischdichter zu, dem immer nur der niederträchtigste reim einfallen will. unser volksschulkanzler in spe, der schon stricherllisten führt, wen seine schergen dann in den schwitzkasten nehmen dürfen, unliebsame journalist*innen, komiker*innen oder künstler*innen, ja, dieser schwitzkasten ist groß, da werden sich noch manche wundern, wer da alles platz hat in diesem schwitzkasten drin, unser ganzer liberaler rechtsstaat wird da drinnen platz haben müssen. das können ihnen die freundschaftsvertraglich verbundenen autokraten, die können ihnen das bestätigen, dass so ein schwitzkasten geräumig ist. und unsere demokratie, die liegt längelang da am behandlungstisch, wie eine kritische patientin liegt sie da, mit offenem herzen. während einer schon wieder zum entwurmungsmittel greift.“
Lauter schwierige Patienten, also. Aber dem setzt Tom Saller die Figur Anna entgegen: „Denn ich bin frei. Bin Anna. Bin ich.“ What else? „Ich bin Anna.“
von Katja Hölzl aus der Tyrolia-Filiale in Innsbruck - 2024-06-28 12:04:04
Clever konstruierte Lektüre - 5 Sterne
„Bedauerlicherweise weiß niemand, ob das Glückhaben eine konstante Eigenschaft des Menschen ist.“ (S. 70)
1917, der 1. Weltkrieg tobt und Sigmund Freud behandelt den blinden Patienten Ludwig Stadlober. Stadlober, der nach einem Senfgasangriff erblindet ist, zeigt keine organischen Ursachen für seine Blindheit, was ihn zu einem interessanten Fall für die Psychoanalyse macht. Anna, fasziniert von der Arbeit ihres Vaters, nimmt inoffiziell Kontakt zu Stadlober auf und entwickelt eine tiefe Verbindung zu ihm. Diese Begegnungen sind prägend für Annas weitere Entwicklung.
Im Laufe der Jahre entwickelt sich die Beziehung zwischen Anna und ihrem Vater weiter, wobei auch Annas eigene psychoanalytische Fähigkeiten und innere Konflikte eine zentrale Rolle spielen. Als die Nazis 1938 in Wien einmarschieren, steht die Familie Freud vor existenziellen Herausforderungen. Anna und Stadlober begegnen sich erneut, und ihre einst freundschaftliche Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt.
Anna, die jüngste Tochter des berühmten Psychoanalytikers, steht im Mittelpunkt des Romans. Sie wird als eine vielschichtige und facettenreiche Persönlichkeit dargestellt, die in der Schattenwelt ihres übermächtigen Vaters und ihrer starken Schwester nach ihrer eigenen Identität sucht. Ihr Weg zur Selbstverwirklichung und ihre Entwicklung von der schüchternen Tochter zur eigenständigen Frau und Psychoanalytikerin bilden das Herzstück der Erzählung.
Saller thematisiert nicht nur die Beziehung zwischen Vater und Tochter, sondern auch die inneren Kämpfe und die Suche nach Selbstbestimmung in einer von patriarchalen Strukturen dominierten Welt. Anna ringt mit den Erwartungen ihres Vaters und der Gesellschaft, während sie gleichzeitig ihre eigene Identität und ihren Platz in der Welt finden muss. Die Integration von psychoanalytischen Konzepten und Analyse der Persönlichkeitsmuster verleiht den Figuren im Roman Lebendigkeit und Tiefe.
Die abwechselnden Erzählperspektiven aus der Sicht von Sigmund und Anna Freud zeigen, wie unterschiedlich ein und derselbe Sachverhalt verstanden und interpretiert werden kann. Saller gelingt es, diese verschiedenen Stränge und Sichtweisen präzise und mit sprachlicher Finesse zu verbinden und er verwebt historische Fakten gekonnt mit erzählerischer Freiheit.
"Ich bin Anna" ist auch als feministischer Roman zu verstehen, der Annas Emanzipation von familiären und gesellschaftlichen Zwängen thematisiert. Ein atmosphärischer und erfrischender Roman, der in die Welt der Psychoanalyse und die komplexen Dynamiken der Familie Freud entführt. Zeitgleich aber auch die „Befreiung“ von Anna Freud erzählt. Saller zeichnet ein fesselndes Psychogramm einer jungen Frau, die zwischen der Loyalität zu ihrem Vater und ihrem eigenen Streben nach Freiheit hin- und hergerissen ist. Eine clever konstruierte Lektüre, die zum Nachdenken anregt und einen Blick auf die berühmte Familie Freud bietet. Mit hat das sehr gefallen! #leseempfehlung!
1917, der 1. Weltkrieg tobt und Sigmund Freud behandelt den blinden Patienten Ludwig Stadlober. Stadlober, der nach einem Senfgasangriff erblindet ist, zeigt keine organischen Ursachen für seine Blindheit, was ihn zu einem interessanten Fall für die Psychoanalyse macht. Anna, fasziniert von der Arbeit ihres Vaters, nimmt inoffiziell Kontakt zu Stadlober auf und entwickelt eine tiefe Verbindung zu ihm. Diese Begegnungen sind prägend für Annas weitere Entwicklung.
Im Laufe der Jahre entwickelt sich die Beziehung zwischen Anna und ihrem Vater weiter, wobei auch Annas eigene psychoanalytische Fähigkeiten und innere Konflikte eine zentrale Rolle spielen. Als die Nazis 1938 in Wien einmarschieren, steht die Familie Freud vor existenziellen Herausforderungen. Anna und Stadlober begegnen sich erneut, und ihre einst freundschaftliche Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt.
Anna, die jüngste Tochter des berühmten Psychoanalytikers, steht im Mittelpunkt des Romans. Sie wird als eine vielschichtige und facettenreiche Persönlichkeit dargestellt, die in der Schattenwelt ihres übermächtigen Vaters und ihrer starken Schwester nach ihrer eigenen Identität sucht. Ihr Weg zur Selbstverwirklichung und ihre Entwicklung von der schüchternen Tochter zur eigenständigen Frau und Psychoanalytikerin bilden das Herzstück der Erzählung.
Saller thematisiert nicht nur die Beziehung zwischen Vater und Tochter, sondern auch die inneren Kämpfe und die Suche nach Selbstbestimmung in einer von patriarchalen Strukturen dominierten Welt. Anna ringt mit den Erwartungen ihres Vaters und der Gesellschaft, während sie gleichzeitig ihre eigene Identität und ihren Platz in der Welt finden muss. Die Integration von psychoanalytischen Konzepten und Analyse der Persönlichkeitsmuster verleiht den Figuren im Roman Lebendigkeit und Tiefe.
Die abwechselnden Erzählperspektiven aus der Sicht von Sigmund und Anna Freud zeigen, wie unterschiedlich ein und derselbe Sachverhalt verstanden und interpretiert werden kann. Saller gelingt es, diese verschiedenen Stränge und Sichtweisen präzise und mit sprachlicher Finesse zu verbinden und er verwebt historische Fakten gekonnt mit erzählerischer Freiheit.
"Ich bin Anna" ist auch als feministischer Roman zu verstehen, der Annas Emanzipation von familiären und gesellschaftlichen Zwängen thematisiert. Ein atmosphärischer und erfrischender Roman, der in die Welt der Psychoanalyse und die komplexen Dynamiken der Familie Freud entführt. Zeitgleich aber auch die „Befreiung“ von Anna Freud erzählt. Saller zeichnet ein fesselndes Psychogramm einer jungen Frau, die zwischen der Loyalität zu ihrem Vater und ihrem eigenen Streben nach Freiheit hin- und hergerissen ist. Eine clever konstruierte Lektüre, die zum Nachdenken anregt und einen Blick auf die berühmte Familie Freud bietet. Mit hat das sehr gefallen! #leseempfehlung!
von mari_liest - 2024-06-02 19:25:00


