Rezensionen
When Women were Dragons – Unterdrückt. Entfesselt. Wiedergeboren: Eine feurige, feministische Fabel für Fans von Die Unbändigen
Autor: Kelly Barnhill
Erschienen 2024 bei Cross Cult Entertainment
ISBN 978-3-9866664-8-4
Feminismus, Freiheit, Gleichberechtigung - 5 Sterne
When Women Were Dragons gehört zu meinen Lese-Highlights 2024.
Zuerst hätte ich das nach lesen des Klappentextes so gar nicht erwartet, dass es mich überhaupt interessiert - ich hab mich getäuscht.
Die Geschichte handelt von der Protagonistin Alex Green, die Mitte des 20. Jahrhunderts aufwächst. 1955 kam es auf der ganzen Welt zu dem berüchtigten Drachenwandeln, in dem sich tausende Frauen in Drachen verwandelt haben.
Das Verwandeln steht für die Freiheit der Frau, raus aus der Unterdrückung und hin zur Gleichberechtigung (und für vieles mehr).
Obwohl es auch vorher und nachher immer wieder zu Verwandlungen kommt wird es vom ganzen Land, Regierung und Medien Tod geschwiegen.
Ich konnte den Roman tagelang nicht aus der Hand legen, so gefesselt und gespannt war ich von dieser Geschichte, die zum einen spannend und gleichzeitig eindringlich über die Gleichberechtigung aller Menschen erzählt.
Kelly Barnhill ist hier ein ganz besonders und wichtige Werk gelungen, das ich uneingeschränkt weiter empfehlen kann.
Zuerst hätte ich das nach lesen des Klappentextes so gar nicht erwartet, dass es mich überhaupt interessiert - ich hab mich getäuscht.
Die Geschichte handelt von der Protagonistin Alex Green, die Mitte des 20. Jahrhunderts aufwächst. 1955 kam es auf der ganzen Welt zu dem berüchtigten Drachenwandeln, in dem sich tausende Frauen in Drachen verwandelt haben.
Das Verwandeln steht für die Freiheit der Frau, raus aus der Unterdrückung und hin zur Gleichberechtigung (und für vieles mehr).
Obwohl es auch vorher und nachher immer wieder zu Verwandlungen kommt wird es vom ganzen Land, Regierung und Medien Tod geschwiegen.
Ich konnte den Roman tagelang nicht aus der Hand legen, so gefesselt und gespannt war ich von dieser Geschichte, die zum einen spannend und gleichzeitig eindringlich über die Gleichberechtigung aller Menschen erzählt.
Kelly Barnhill ist hier ein ganz besonders und wichtige Werk gelungen, das ich uneingeschränkt weiter empfehlen kann.
von Sandra Schwarz - 2025-01-01 19:35:00
Sprachgewaltig und so wichtig - 5 Sterne
“[Y]ou did not raise me to be an angry woman, [...] I was never allowed to be angry, was I? [...] Until, at last, I learned to stop denying myself.” (3)
When Women Were Dragons von Kelly Barnhill hat mich absolut überwältigt. Selten habe ich so viele zitierwürdige Stellen in einem Buch markiert oder einfach nur "Yes!" an den Rand geschrieben, weil die Sätze der Autorin so wunderschön, so treffend, so relevant sind.
Darum geht's:
In den 1950ern kommt es in den USA zu einem Phänomen, das als “dragoning” bezeichnet wird: immer mehr Frauen verwandeln sich scheinbar ohne ersichtlichen Grund in Drachen, verlassen ihre Familien und nutzen die neu gewonnenen Fähigkeiten, um Gebäude oder auch Ehemänner in Brand zu setzen. Die Geschehnisse werden von der Gesellschaft zunächst geleugnet und später öffentlich verurteilt.
Viel mehr kann ich dazu gar nicht schreiben, ohne wichtige Elemente der Geschichte zu verraten. Nur so viel: es ist ein Buch über das kreative Potenzial von Frauen, die sich gegen den patriarchalen Mythos auflehnen, aufgrund ihrer weiblichen Körper minderwertig zu sein. Es ist ein Buch, das zeigt, welche produktive Kraft entfesselt werden kann, wenn wir unserer Freude und unserer Wut freien Lauf lassen können, ohne dabei in Kategorien wie “zu kindlich” oder “nicht ladylike” gesteckt zu werden. Es ist auch ein Buch, das ganz klar deutlich macht, dass Feminismus eben nicht bedeutet, Verhalten, das mit traditionellen Geschlechterrollen assoziiert wird, aus Prinzip zu verurteilen - vielmehr geht es darum, eine echte Wahl zu haben und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Und nicht zuletzt ist es ein Buch über Mutterschaft, Freundschaft und den Zusammenhalt unter Frauen, und das daraus resultierende schöpferische Potenzial.
Was mir neben der Geschichte besonders gefallen hat, war die lyrische, malerische Sprache, bei der jedes Wort mit Bedacht gewählt wurde. Ich hoffe sehr, dass das bei der deutschen Übersetzung nicht zu sehr verloren geht. Allen, die gerne auf Englisch lesen, empfehle ich das Original, aber auch die deutsche Ausgabe ist lesenswert.
Und damit diese Rezension eine runde Sache wird, lasse ich euch zum Schluss eine Frage da, die sich wunderbar auf den Anfang bezieht und die wir uns viel öfter stellen sollten: “Who benefits, my dear, when you force yourself to not feel angry?” (208)
When Women Were Dragons von Kelly Barnhill hat mich absolut überwältigt. Selten habe ich so viele zitierwürdige Stellen in einem Buch markiert oder einfach nur "Yes!" an den Rand geschrieben, weil die Sätze der Autorin so wunderschön, so treffend, so relevant sind.
Darum geht's:
In den 1950ern kommt es in den USA zu einem Phänomen, das als “dragoning” bezeichnet wird: immer mehr Frauen verwandeln sich scheinbar ohne ersichtlichen Grund in Drachen, verlassen ihre Familien und nutzen die neu gewonnenen Fähigkeiten, um Gebäude oder auch Ehemänner in Brand zu setzen. Die Geschehnisse werden von der Gesellschaft zunächst geleugnet und später öffentlich verurteilt.
Viel mehr kann ich dazu gar nicht schreiben, ohne wichtige Elemente der Geschichte zu verraten. Nur so viel: es ist ein Buch über das kreative Potenzial von Frauen, die sich gegen den patriarchalen Mythos auflehnen, aufgrund ihrer weiblichen Körper minderwertig zu sein. Es ist ein Buch, das zeigt, welche produktive Kraft entfesselt werden kann, wenn wir unserer Freude und unserer Wut freien Lauf lassen können, ohne dabei in Kategorien wie “zu kindlich” oder “nicht ladylike” gesteckt zu werden. Es ist auch ein Buch, das ganz klar deutlich macht, dass Feminismus eben nicht bedeutet, Verhalten, das mit traditionellen Geschlechterrollen assoziiert wird, aus Prinzip zu verurteilen - vielmehr geht es darum, eine echte Wahl zu haben und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Und nicht zuletzt ist es ein Buch über Mutterschaft, Freundschaft und den Zusammenhalt unter Frauen, und das daraus resultierende schöpferische Potenzial.
Was mir neben der Geschichte besonders gefallen hat, war die lyrische, malerische Sprache, bei der jedes Wort mit Bedacht gewählt wurde. Ich hoffe sehr, dass das bei der deutschen Übersetzung nicht zu sehr verloren geht. Allen, die gerne auf Englisch lesen, empfehle ich das Original, aber auch die deutsche Ausgabe ist lesenswert.
Und damit diese Rezension eine runde Sache wird, lasse ich euch zum Schluss eine Frage da, die sich wunderbar auf den Anfang bezieht und die wir uns viel öfter stellen sollten: “Who benefits, my dear, when you force yourself to not feel angry?” (208)
von EvaLiest - 2024-12-18 10:36:00
Eine Geschichte der Frauen - 3 Sterne
Ich liebe gute Geschichten über starke, mutige Frauen, Female Empowerment und positives Frausein.
Dieses Buch hat sich für mich in einem Graubereich bewegt. Einerseits ist es durchaus ermutigend, gleichzeitig zeugt es aber davon, wie Frauen klein gehalten und verleugnet wurden und erinnert damit ein bisschen an Bücher von Christina Dalcher. Bin mir nicht ganz schlüssig, wie ich das nun eigentlich fand.
Zum Inhalt: in den 50er Jahren wachsen Hunderttausenden von Frauen in Amerika Schuppen, Klauen und Flügel, bevor sie als mächtige Drachen aus ihren bürgerlichen Leben verschwinden. Ein Ereignis, dass als Massenverwandlung bezeichnet und anschließend totgeschwiegen wird, ausradiert aus dem kollektiven Gedächtnis der Gesellschaft, aber nicht derer, die sie liebten. Bis sich erneut etwas Bahn bricht.
Die Grundidee mochte ich irgendwie total gern und fand sie sehr besonders, irgendwo zwischen Fantasy und historischem Roman. Dass die zwischen den Haupttext eingeworfenen Zeitungsartikel, Briefe und offiziellen Texte dem ganzen Thema einen wissenschaftlich und sozial aufgearbeiteten Charakter verliehen, fand ich eine schöne Idee.
Trotzdem las sich der Text für mich zwischenzeitlich mal ganz schön zäh und entwickelte sich eher träge und mühselig. Und obwohl die Protagonistin weiblich ist, werden männliche Gedanken, Empfindungen, Bedürfnisse und Ansichten sehr oft in den Fokus gerückt, was natürlich dem dargestellten Zeitgeist entsprach, mich aber wenig angesprochen hat. Ich hatte mir von dieser Erhebung und Flucht der Frauen irgendwie mehr erhofft.
Die Geschichte hatte schon so ihre Momente, aber auf mich einfach keinen Wow-Effekt.
Dieses Buch hat sich für mich in einem Graubereich bewegt. Einerseits ist es durchaus ermutigend, gleichzeitig zeugt es aber davon, wie Frauen klein gehalten und verleugnet wurden und erinnert damit ein bisschen an Bücher von Christina Dalcher. Bin mir nicht ganz schlüssig, wie ich das nun eigentlich fand.
Zum Inhalt: in den 50er Jahren wachsen Hunderttausenden von Frauen in Amerika Schuppen, Klauen und Flügel, bevor sie als mächtige Drachen aus ihren bürgerlichen Leben verschwinden. Ein Ereignis, dass als Massenverwandlung bezeichnet und anschließend totgeschwiegen wird, ausradiert aus dem kollektiven Gedächtnis der Gesellschaft, aber nicht derer, die sie liebten. Bis sich erneut etwas Bahn bricht.
Die Grundidee mochte ich irgendwie total gern und fand sie sehr besonders, irgendwo zwischen Fantasy und historischem Roman. Dass die zwischen den Haupttext eingeworfenen Zeitungsartikel, Briefe und offiziellen Texte dem ganzen Thema einen wissenschaftlich und sozial aufgearbeiteten Charakter verliehen, fand ich eine schöne Idee.
Trotzdem las sich der Text für mich zwischenzeitlich mal ganz schön zäh und entwickelte sich eher träge und mühselig. Und obwohl die Protagonistin weiblich ist, werden männliche Gedanken, Empfindungen, Bedürfnisse und Ansichten sehr oft in den Fokus gerückt, was natürlich dem dargestellten Zeitgeist entsprach, mich aber wenig angesprochen hat. Ich hatte mir von dieser Erhebung und Flucht der Frauen irgendwie mehr erhofft.
Die Geschichte hatte schon so ihre Momente, aber auf mich einfach keinen Wow-Effekt.
von Lies_ein_Buch - 2024-11-22 13:01:00
Feministische Fantasy - 4 Sterne
Frauen erhalten die Macht, sich ihrer aussichtslosen Situation zu entziehen, indem sie sich in Drachen verwandeln. Abgesehen von der starken Symbolik und Frauenpower in dieser alternativen Realität der 1950er Jahre, ist es auch eine mitreißende Fantasy-Erzählung über eine Frau und ihre Familie, die zurückbleibt. Über Tabus und Sprachlosigkeit, über Potentialentfaltung, Ungerechtigkeit, Aufbegehren und natürlich feuerspeiende Drachen.
Der Schreibstil hat mich ohne lange Eingewöhnung mitgerissen und mich mit Alex mitfiebern lassen, die, in der Ich-Perspektive geschrieben, nach dem Warum sucht. Diesen Sog konnte das Buch nicht über die gesamte Länge halten, aber trotzdem mochte ich die unterschiedlichen Etappen und das Ende, das durchaus noch nachklingt. Es ist ein Buch, das zu Gesprächen einlädt und mich nicht so schnell losgelassen hat. Besonders hat mir gefallen, dass Kelly Barnhill märchenhafte Ideen einbringt und Abwechslung bietet, die sowohl zeitgemäß inspiriert und zeitlos begeistert. Dabei haben die Figuren genau das richtige Maß an Komplexität und Vielfalt. Es ist eine fantastische Geschichte weibliche Selbstermächtigung, die erzählerisch und fantasievoll überzeugt. Das Cover finde ich großartig, aber hier verdient vor allem der Inhalt eine Leseempfehlung.
Der Schreibstil hat mich ohne lange Eingewöhnung mitgerissen und mich mit Alex mitfiebern lassen, die, in der Ich-Perspektive geschrieben, nach dem Warum sucht. Diesen Sog konnte das Buch nicht über die gesamte Länge halten, aber trotzdem mochte ich die unterschiedlichen Etappen und das Ende, das durchaus noch nachklingt. Es ist ein Buch, das zu Gesprächen einlädt und mich nicht so schnell losgelassen hat. Besonders hat mir gefallen, dass Kelly Barnhill märchenhafte Ideen einbringt und Abwechslung bietet, die sowohl zeitgemäß inspiriert und zeitlos begeistert. Dabei haben die Figuren genau das richtige Maß an Komplexität und Vielfalt. Es ist eine fantastische Geschichte weibliche Selbstermächtigung, die erzählerisch und fantasievoll überzeugt. Das Cover finde ich großartig, aber hier verdient vor allem der Inhalt eine Leseempfehlung.
von La Calavera Catrina - 2024-11-19 21:18:00
Frau, Wut, Drachin - 3 Sterne
Eine alternative Gegenwart: Im Jahr 1955 verwandeln sich hunderttausende Frauen in den USA in Drachen. Dieser Sache auf den Grund zu gehen, ist nicht möglich, denn es gibt Denkverbote. Und es gibt Scham. Die Drachinnen werden als etwas Unanständiges betrachtet.
In den fünfziger Jahren können Frauen praktisch nur Hausfrau und Mutter sein, etwas anderes ist nicht möglich. Alex ihat eine Begabung für Mathematik, sie hat Mutter und Tante verloren und ihr Vater lehnt es ab, ihr ein Studium zu finanzieren. Um Klos zu putzen, so sein Argument, brauche es keinen Universitätsabschluss.
Die Sprache ist schön, oftmals poetisch und sehr angenehm zu lesen. Die Hauptperson Alex ist leidenschaftlich, zielstrebig und durchaus glaubwürdig. Doch die Geschichte einer Frau, die sich gegen alle Widerstände Bildung und ein eigenes Leben erkämpft, hat man schon allzu oft gelesen. Alle anderen Persönlichkeiten wirken etwas blass.
Die Idee, dass unterdrückte Frauen aus Wut zu Drachinnen werden, funktioniert als Geschichte nicht so richtig. Die Wut ist mehr als begreiflich. Aber Drachen mit Lippenstift und Handtäschchen? Zwar gehören Feuerspeien und das Verschlingen von Menschen zu den Dingen, die diese Drachinnen tun. Doch sie backen auch Kuchen, häkeln und besuchen den Gottesdienst oder eben Schulen und Universitäten.
Eine kühne Idee, deren Umsetzung mich nicht überzeugt hat. Besonders unpassend fand ich den englischsprachigen Titel für ein Buch in deutscher Sprache.
In den fünfziger Jahren können Frauen praktisch nur Hausfrau und Mutter sein, etwas anderes ist nicht möglich. Alex ihat eine Begabung für Mathematik, sie hat Mutter und Tante verloren und ihr Vater lehnt es ab, ihr ein Studium zu finanzieren. Um Klos zu putzen, so sein Argument, brauche es keinen Universitätsabschluss.
Die Sprache ist schön, oftmals poetisch und sehr angenehm zu lesen. Die Hauptperson Alex ist leidenschaftlich, zielstrebig und durchaus glaubwürdig. Doch die Geschichte einer Frau, die sich gegen alle Widerstände Bildung und ein eigenes Leben erkämpft, hat man schon allzu oft gelesen. Alle anderen Persönlichkeiten wirken etwas blass.
Die Idee, dass unterdrückte Frauen aus Wut zu Drachinnen werden, funktioniert als Geschichte nicht so richtig. Die Wut ist mehr als begreiflich. Aber Drachen mit Lippenstift und Handtäschchen? Zwar gehören Feuerspeien und das Verschlingen von Menschen zu den Dingen, die diese Drachinnen tun. Doch sie backen auch Kuchen, häkeln und besuchen den Gottesdienst oder eben Schulen und Universitäten.
Eine kühne Idee, deren Umsetzung mich nicht überzeugt hat. Besonders unpassend fand ich den englischsprachigen Titel für ein Buch in deutscher Sprache.
von Krani - 2024-11-11 18:53:00


