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Rezensionen

Fischtage
Roman | »So viel Wut und Zartheit in einem Roman, der von der ersten Seite an berührt und einen bis zum Ende nicht loslässt.« Jan Weiler 

Autor: Charlotte Brandi

Erschienen 2025 bei park x ullstein
ISBN 978-3-9881602-6-3
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Schräg mit Fisch - 2 Sterne

Ella ist sechzehn und lebt mit ihrer Bobofamilie in Dortmund. Ihre Eltern kümmern sich hauptsächlich um sich selbst und so denken sie sich auch nichts dabei, als ihr vierzehnjährige Luis plötzlich nicht mehr da ist. Ella jedoch macht sich Sorgen, auch wenn sie ihren Bruder - genau wie den Rest der Welt - eigentlich gar nicht ausstehen kann. Angepisst von ihren gleichgültigen Eltern zieht sie kurzerhand in den Schrebergarten ihres dementen Kumpels Eckard und begibt sich auf die Suche nach dem kleinen Bruder. Tatkräftige Unterstützung erhält sie von der Werkkursleiterin Oksana und einem sprechenden Fisch...

Charlotte Brandi zeichnet in "Fischtage" ein Portrait einer Teenagerin, die an beängstigenden Wutattacken leidet, umgeben von einer Familie der alles gleichgültig ist. So kümmert sie es nicht groß, dass ihr Junge verschwunden ist, genauso wenig, dass Ella in die Gartenhütte zieht und die Mutter fremdgeht. Ellas Wesen ist geprägt von Gewalt, nicht augenscheinlich aus ihrem Elternhaus - außer natürlich die Ego-Zentriertheit der Eltern, sondern von der Stadt, den Begegnungen, die sie hat und denen sie nur Wut entgegenbringen kann. So wird sie ein ums andere Mal verprügelt und schließlich auch vergewaltigt. Auszumachen scheint es der derben Sechzehnjährigen nur wenig. Nur wenn es um ihren vermissten Bruder geht, zeigt sie verletzliche Gefühle, die sie mitnehmen, die Sorge um ihn lässt sie zittern. Ellas neue Freundin Oksana ist ihr sehr wichtig und sie wird von ihr magisch angezogen. Als Leserin ist diese Figur aber sehr uneinsichtig und nervig und irgendwie wird angedeutet, dass auch eine sexuelle (oder romantische?) Anziehungskraft die beiden verbindet - das wird einem aber irgendwie nur vor die Füße geworfen, ohne dass man es spüren kann.

Vorwiegend zeichnet sich "Fischtage" durch eine derbe, vulgäre Sprache der Protagonistin und die bereits erwähnte Gleichgültigkeit und Gewalt aus. Was die Story eigentlich aussagen will, bleibt offen und wenn man dazu Lust hat, kann man darüber spekulieren. Das Positive ist, dass die Kapitel meist sehr kurz gehalten sind und man so recht schnell die notwendigen Pausen einlegen kann. Die Geschichte mit dem sprechenden Fisch, der gerne großspurige Ratschläge erteilt, ist mitunter erheiternd, auch wenn ihr es gut getan hätte, wenn er eine größere Rolle eingenommen hätte. Dieses fantastische Element und einige anderen schräge Ideen hätten das Buch zu einem modernen, wortgewaltigen Teenager-Werk werden lassen können. Die Lieblosigkeit, das Fallenlassen von Figuren (z.B. Eckard) und Handlungssträngen und das Martialische lassen einen aber nur mit vielen Fragezeichen im Kopf zurück. Kann man lesen, muss man aber nicht.
von Kwinsu - 2025-06-21 00:42:00

Dortmunder Sommer - 4 Sterne

Ella hat es nicht leicht. Ihre Eltern sind Künstler, die sich wenig um sie kümmern, ihre Schwester versteht sie nicht, ihr Ersatz-Opa wird dement, sie hat aufgrund ihrer Wutanfälle keine wirklichen Freunde und dann verschwindet auch noch ihr kleiner Bruder. Aber immerhin: Ella hat einen sprechenden Fisch. Und bald eine neue Bekanntschaft, die ihr auf der Suche nach dem verschollenen Bruder im heißen Sommer hilft.

Der Roman ist hervorragend geschrieben, mit einer abgeklärten Sprache und er vermag es sogar, die jugendliche Erzählerin real klingen zu lassen und nicht bemüht jugendlich. Die Charaktere sind abstrus, die Stadt Dortmund wird als abgerockt beschrieben und alles passt einfach sehr gut zusammen. Selbst der sprechende Fisch ist so überzeugend dargestellt, dass man keine Sekunde darüber nachdenkt, dass das ja eher Unsinn ist, sondern ihn einfach als tatsächlich sprechenden Fisch akzeptiert. Ein wirklich gelungener Roman!
von Reiseweise - 2025-05-01 19:55:00

toll - 4 Sterne

toll

Die Geschichte eines jungen Mädchen, die auf der Suche nach ihrem verschwundenen Bruder, langsam aus der Pubertät entwächst, und ein Stück erwachsen wird. Mit Hilfe eines Plastikfisches und neuen Bekanntschaften erlebt sie allerhand Abenteuer während ihrer Suche.

Das Buch liest sich so weg. Es ist witzig, detailreich und so locker lässig geschrieben, wie ein junges Mädchen so spricht. Mit einer sehr bildreichen Sprache ist so ein amüsantes, sehr witziges Buch entstanden. Die Personen in Ellas Umfeld, allen voran ihre Familie, sind sehr deutlich gezeichnet worden; man hat sie direkt vor Augen gesehen. Es sind alles liebenswerte Charaktere, mit allen ihren Schrullen und Eigenheiten.
Das Buch wirkt ein bisschen wie ein modernes Märchen.

Ella, die 16 jährige Protagonistin wirkt so echt, so authentisch und auf eine seltsame Art schutzbedürftig! Ich hätte sie so gern an die Hand genommen und gezeigt, wie Freundschaft und Familie auch sein kann!

Ein gelungener Debütroman, der sich zu lesen lohnt.
von div - 2025-04-30 12:09:00

Tolles Buch über ein besonderes Mädchen - 3 Sterne

Das Cover des Buchs Fischtage gefällt mir ausgesprochen gut und zeigt direkt, worum es in dem Buch geht. Es geht um Ella, die 16 jährige mit Agressionsproblemen, deren Eltern sich gerade trennen und für die ihre Kinder eine Nebenrolle spielen. Als Ellas Bruder plötzlich verschwindet und das die Eltern kaum interessiert, macht sie sich auf die Suche. Ella trifft unterschiedlichste Menschen, Situationen und unerwartete Freundschaften. Das Buch ist aus Sicht der Jugendlichen in ihrer Sprache geschrieben und wirkt so authentisch. Die Personen sind gut beschrieben, so dass man sie fast vor sich sehen konnte und trotz ihrer Schwierigkeiten habe ich Ella direkt ins Herz geschlossen. Die Kapitel sind relativ kurz und waren schnell weggelesen. Erwartet hatte ich, dass es im Buch mehr um Ellas Verhalten geht, ähnlich Systemsprenger, aber ihr Verhaltensproblem wird im Verlauf der Handlung immer unwichtiger.
von M - 2025-04-14 16:55:00

Ella und Fisch gegen den Rest der Welt - 5 Sterne


„Mit dreizehn hat Mama mich noch jedes Mal festgehalten, mit fünfzehn hat sie versucht, mit mir darüber zu reden, mit fünfzehn hat sie mich aufgegeben.“ (S.11)

In „Fischtage“ erzählt Charlotte Brandis die Geschichte der 16-jährigen Ella, die in einer ziemlich kaputten Familie lebt. Ihre Eltern interessieren sich mehr für Partys und Drogen als für ihre Kinder. Ihre große Schwester hält lieber Abstand, ihr kleiner Bruder Luis redet kaum noch und Ella hat ein Wutproblem. Als Luis plötzlich verschwindet, wartet Ella nicht auf Hilfe, sie macht sich selbst auf die Suche.

Der Schreibstil ist flapsig und locker, anfangs vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig. Aber wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, merkt man schnell: Der Ton passt perfekt. Es steckt viel Witz, aber auch Tiefe in der Sprache. Immer wieder tauchen starke Metaphern auf, die das Lesen zu einem Genuss machen.

Ella ist als Figur sehr echt und nahbar. Obwohl sie manchmal ausfallend ist, kann man gut mit ihr mitfühlen. Man versteht, warum sie sich so verhält – ihre Wut, ihre Verletzlichkeit, ihr Wunsch nach Nähe und gleichzeitig ihre Angst davor. Der sprechende Fisch war kurz gewöhnungsbedürftig, dann aber fast mein Lieblingscharakter.

Fischtage ist eine besondere Geschichte über das Suchen. Nicht nur nach einem verschwundenen Bruder, sondern auch nach sich selbst. Lustig, spannend, berührend und klug erzählt. Ein starkes Debüt. Leseempfehlung 4,5/5 Sterne
von Alo - 2025-04-09 11:49:00

Wild und warmherzig - 4 Sterne

Mit „Fischtage“ legt Charlotte Brandi einen unkonventionellen und doch einfühlsamen Debütroman vor. Im Zentrum steht die sechzehnjährige Ella, eine wütende, kluge und einsame Jugendliche, die in Wohlstandsverwahrlosung lebt, weil ihre Eltern mit sich selbst beschäftigt sind. Als ihre Eltern sich lautstark streiten, verschwindet Ellas kleiner Bruder Luis. Ihre einzige Vertrauensperson, der alte Eckard, kann ihr wegen fortschreitender Demenz nicht helfen, überlässt ihr aber seine Schrebergartenlaube. Dort richtet sie sich ihr Hauptquartier für die Suche nach Luis ein und wird von einem singenden Plastikfisch unterstützt, den sie dort findet – ein absurder, aber überraschend stimmiger Einfall, der dem Roman eine großartig abstruse Note gibt.

Brandi gelingt das Kunststück, die Geschichte einer innerlich zerrissenen Jugendlichen mit trockenem Humor und großer Wärme zu erzählen. Ella ist eine Figur, die einem schnell ans Herz wächst – nicht trotz, sondern wegen ihrer Unangepasstheit, ihrer Schroffheit, ihres Blicks auf die Welt, der nie einfach nur zynisch, sondern immer auch verletzlich ist. Der klugscheißende Fisch wird dabei zum lakonischen Gegenpart, zum absurden Gewissen, zum Stichwortgeber für eine Coming-of-Age-Geschichte, die sich entschieden gegen Klischees stellt.

Die episodische Struktur der Suche, bei der Ella die unterschiedlichsten Menschen trifft, sorgt für Tempo und Abwechslung, manchmal fühlt sich das fast roadmoviehaft an – bloß ohne Auto, dafür mit Aldi-Tüte und Fisch. Der Roman ist dabei durchzogen von Beobachtungen über Familie, Einsamkeit, Loyalität und das Erwachsenwerden in einer Welt, in der Erwachsene oft selbst nicht wissen, wo es langgeht.

Einziger Wermutstropfen: Das Ende fand ich nicht ganz so einfallsreich wie den Rest. Trotzdem: „Fischtage“ ist ein Roman, der sich etwas traut - ungewöhnlich, dennoch unterhaltsam zu lesen und mit einem ganz eigenen Sound.
von LeserinLu - 2025-04-06 19:46:00

Witzig - 4 Sterne

Ella ist verdammt wütend. Ihre Eltern sind mit sich selbst beschäftigt, Freunde hat sie keine und auch mit ihren Geschwistern läuft es nicht so rund. Allein der demenzkranke Eckard ist noch eine Bezugsperson von ihr. Als ihr Bruder verschwindet macht sie sich kurz entschlossen auf die Suche nach ihm. Mit einer Alditüte, einem sprechenden Fisch, wenig Angst aber ganz viel Wut macht sie sich auf den Weg.

Schon das Cover hat mich hier direkt abgeholt, der Gesichtsausdruck der Protagonistin, herrlich. Der Roman startet großartig, die Erzählweise frech und auf den Punkt. Eine wütende Teenagerin, die eigentlich alles und jeden nicht mag, und das mitten im Ruhrpott. Klingt so erstmal richtig toll. Für mich hat sich die Story dann allerdings leider etwas verloren. Der sprechende Fisch war schon toll aber sein Dasein hat sich mir nicht ganz erschlossen. Manche Charaktere kamen, gingen für mich aber auch zu schnell wieder. Da wären manchmal ein paar Hintergründe zu den Personen toll gewesen. Auch ein paar Erzählstränge verliefen für mich im nirgendwo. So war es für mich eine Woche im Leben eines trotzigen Teenagers. Trotz kleiner Kritikpunkte aufgrund des Schreibstils ein lesenswerter Roman.
von Anja S - 2025-04-06 12:08:00

Vom Aufwachsen in einer dysfunktionalen Familie - 2 Sterne

In dem literarischen Debüt »Fischtage« von Musikerin Charlotte Brandi begleiten wir die sechzehnjährige Ella.
Ella wird seit einigen Jahren von unkontrollierbaren Wutausbrüchen geplagt. Aufgewachsen in einer kaputten Familie, mit Eltern, die mehr Wert auf Schein statt Sein legen. Sie schmeißen Partys, nehmen Drogen und kümmern sich eher um ihr Ansehen, als um ihre Kinder. Neben Ella ist da noch ihre ältere Schwester Merle, zu der sie kein gutes Verhältnis hegt, sowie ihr jüngerer Bruder Luis, welcher in den vergangenen Jahren immer stiller wurde.
Ihr einziger Verbündeter, der „alte Eckard“, ein älterer Herr, den Ella seit Kindertagen kennt, leidet zunehmend an Demenz.
Als Luis eines Tages plötzlich verschwindet und niemand Anstalten macht, etwas zu unternehmen, beschließt Ella die Sache selbst in die Hand zu nehmen und begibt sich auf die Suche nach ihrem Bruder.
Vom alten Eckard bekommt sie einen Schlüssel zu dessen Gartenlaube im Schrebergarten. Hier verweilt sie fortan Tag und Nacht, wenn sie nicht gerade unterwegs ist, um neuen Fährten nachzugehen.
Und dann ist da auch noch ein sprechender Fisch…

Die Prämisse des Buches hat mich direkt neugierig gemacht: eine rebellische Teenagerin, die es nicht schafft, Freundschaften aufzubauen oder zu halten und viel Wut in sich trägt. Das klang nach einer Geschichte mit viel psychologischem Tiefgang und ich wollte wissen, wie es dazu kam. Leider konnte mich die Story letzten Endes nicht überzeugen. Während schwere Themen, wie Sucht, emotionale Vernachlässigung und sogar Vergewaltigung behandelt wurden, hat mir der Umgang mit diesen Themen nicht zugesagt. Die (versuchte) Vergewaltigung wurde einfach so nebenbei abgehandelt, ohne Konsequenzen. Abgesehen davon hätte es diese Szene meiner Meinung nach auch nicht gebraucht, ebenso wenig wie den sprechenden Fisch, welcher der Geschichte keinerlei Mehrwert brachte.
Während die ersten paar Kapitel einen spannenden Einblick in Ellas Leben offenbarten, verlor mich die Handlung im Mittelteil komplett. Dieser zog sich sehr und ich hatte das Gefühl, keinen Zugang zur Geschichte mehr zu haben. Den vermeintlich ernsten Themen haftete eine skurrile Komik an, die meines Empfinden nach nicht ganz passend war. Das Ende wurde dann leider auch sehr unglaubwürdig abgefertigt.

Ella hat mir als Protagonistin dennoch gut gefallen. Das Bild des sechzehnjährigen, rebellischen Teenagers, der sich auf sich allein gestellt fühlt wurde stark und glaubwürdig vermittelt. Ihre Wut und die Schwierigkeiten, emotionale Bindungen aufgrund der (emotionalen) Vernachlässigung durch ihre Eltern aufzubauen waren logisch und gut nachvollziehbar. Zudem hat sie im Laufe der Geschichte eine subtile und doch starke Wandlung hingelegt.
Leider reichen mir die positiven Punkte aber nicht aus und daher nur 2 Sterne von mir.
von Sina - 2025-03-27 16:42:00