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Rezensionen

Rezensionen von Miro

Autor: Brooke Fast

Wo Menschlichkeit in Frage gestellt wird - 4 Sterne

Endlock ist das grausamste Gefängnis aller Zeiten. Ursprünglich erbaut, um die Kriminalität einzudämmen, hat es sich zu einem veritablen Geschäftszweig entwickelt. In Endlock dürfen die Menschen mit Geld auf Jagd gehen. Es ist geradezu ihre Bürgerpflicht, die Welt von Kriminellen zu befreien. Doch es gibt keinen Unterschied. Für Mundraub landet man genauso in Endlock, wie für einen Mord.

Raven war noch sehr jung, als ihre Eltern in Endlock ums Leben kamen. Um sich und ihren kleinen Bruder versorgen zu können, begann sie als Kopfgeldjägerin zu arbeiten. Als ihr kleiner Bruder festgenommen wird, überlegt Raven nicht lange. Sie lässt sich ebenfalls verhaften, damit sie ihn in Endlock beschützen kann.

Raven hat früh gelernt, niemandem zu vertrauen, sich auf niemanden zu verlassen. Dass sie genau das in Endlock wieder lernen wird, kann sie selbst kaum glauben. Doch sie findet Freundschaft, Zusammenhalt und sogar Liebe an diesem gottverlassenen Ort, wo die Grausamkeit keine Grenzen kennt.

Das Buch ist streckenweise wirklich heftig zu lesen und doch wissen wir aus der Geschichte, wie grausam Menschen sein können, wenn der Rohheit kein Einhalt geboten wird. Die Autorin verwebt hier geschickt die Brutalität des Alltags mit dem Funken Hoffnung, den die kleine Gemeinschaft in Endlock sich aufbauen kann.

Ob ihnen die Flucht gelingt, wird hier natürlich nicht verraten.

Mich konnte das Buch von Anfang an fesseln und ich empfehle es allen, die "Die Tribute von Panem" mochten. Daran erinnert es ein bisschen.
von Miro - 2026-05-30 16:27:00
Autor: Florence Knapp

Bear, Julian oder Gordon - 5 Sterne

Cora, ehemalige Balletttänzerin und Frau des Hausarztes, ist auf dem Weg, um ihren jüngeren Sohn am Amt anzumelden. Nun soll er endlich seinen Namen bekommen. Für den Vater steht fest, dass er Gorden heißen muss, wie die Männer in der Familie schon seit Generationen heißen. Doch Cora schwankt, denn sie möchte nicht, dass ihr Sohn wie sein Vater wird.

Bear ist der Name, den ihm seine ältere Schwester ausgesucht hat. Er ist wild, mutig und frei, aber auch kuschelig warm. Julian wünscht sich Cora für ihn, ein klingender Name der an ein Juwel erinnert und Himmelsvater bedeutet, um den Vater zu ehren. Und Gordon bedeutet großer Hügel und ist unverrückbar und bedrohlich.

In Siebenjahresschritten erfahren wir, wie es der Familie ergeht, je nach Entscheidung die getroffen wurde. Wie viel Mut hat Cora aufgebracht, um sich gegen ihrem Mann zu stellen bzw. wie weit unterwirft sie sich seinen Wünschen und Befehlen.

Allen drei Wegen liegt eine Menge Drama inne, aber auch eine Menge an Freude und Glück. Es gibt immer eine Entwicklung und was anfangs als richtig erscheint, erweist sich nicht zwingen als die beste aller Möglichkeiten. Florence Knapp spielt hier sehr stark mit den Graustufen des Lebens und lässt es am Ende scheinen, als wäre jedem Menschen ein gewissen Quantum an Glück vorherbestimmt. Der eine verbraucht es früher, der andere eben später in seinem Leben.

Mich konnte die Autorin mit diesem Buch restlos begeistern. Sie hat mich gleich am Anfang gepackt, denn die Auswirkungen der Entscheidung bei der Namensfindung, nehmen direkt Einfluss auf das weitere Leben. Und die späteren Wendungen halten den Roman bis zum Ende spannend. Viel kann hier leider nicht verraten werden, um nicht zu spoilern, aber ein ist klar: Florence Knapp werde ich mir merken und ich freue mich auf ihr nächstes Buch!
von Miro - 2026-05-25 14:37:00
Autor: Debra Curtis

Eine wunderschöne und tragische Geschichte - 5 Sterne

Lily ist noch sehr jung, als ihre Mutter den Kampf gegen den Krebs verliert. Der Vater bemüht sich seine Kinder liebevoll großzuziehen, aber der Verlust hinterlässt Spuren in den beiden Mädchen.

Während Lily schnell eine erste Liebe findet, schaltet Jane immer öfter mit Alkohol auf Partys ab. Lily findet eine Stütze in dem Jungen, der sie fest verankert und Jane flüchtet regelmäßig aus der Realität.

Lily und der Junge planen auf die selbe Universität zu gehen und der Junge möchte sie unbedingt heiraten. Doch es kommt alles anders. Eine Party eskaliert und eine gemeinsame Zukunft wird unmöglich. Ein weiterer Verlust, den Lily verarbeiten muss. In ihrem späteren Ehemann Marshall findet Lily wieder einen Gefährten, der ihr auf Augenhöhe begegnet, sie unterstützt, wo sie es braucht und auch für ihre Schwester Jane da ist, die immer mehr mit ihrer Sucht zu kämpfen hat.

Aber es bleibt immer die Frage nach dem was wäre wenn. Wie wäre das Leben verlaufen, wenn es diesen einen Abend nicht gegeben hätte. Lily liebt ihren Mann, aber sie hält auch ihr Leben lang an der Erinnerung an den Jungen fest. Sie lebt ein aufregendes Leben, der Forschung und Bildung gewidmet, bleibt offen für Neues und wendet sich immer wieder neuen Themen zu.

Das Spannungsfeld zwischen Liebe und Logik wird auf mehreren Ebenen behandelt. Wir haben einerseits, das der Wissenschaft gewidmete Leben und die Liebe zu einem Wissenschaftler. Und wir finden das Spannungsfeld zwischen emotionalen und rationalen Entscheidung, die nicht immer Hand in Hand gehen.

Debra Curtis ist mit diesem Roman ein großes Familienepos gelungen. Mit feinsinnigem Gespür widmet sie sich ihren Figuren und gibt den Charakteren detailreiche Tiefe. Beim Lesen fühlte ich mich der Protagonistin Lily sehr nah und manche Schauplätze sind so bildhaft beschrieben, dass es fast filmisch wirkt. Das Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt und die Tragik des Schicksals konnte mich sehr berühren ohne dabei kitschig zu wirken. Ich bin ausgesprochen begeistert von diesem Debüt und freue mich jetzt schon auf weitere Romane der Autorin!
von Miro - 2026-05-19 21:08:00
Autor: Andreas Eschbach

Hitzewelle - 4 Sterne

Fausto lebt in einem kleinen Dorf mit wenigen anderen Bewohnern. Sie alle sind damit beschäftigt, am Leben zu bleiben. Wir befinden uns in einer Welt, nach dem Klimawandel. Regen ist eine dumpfe Erinnerung an bessere Tage. Es wächst nichts mehr, die Menschheit ist stark dezimiert und die meisten sind in den hohen Norden ausgewandert.

Fausto hat den Absprung verpasst. Aber er ist gut darin, Dinge zu finden und Sachen zu reparieren. Nacht für Nacht macht er sich auf den Weg, um letzte Vorräte zu finden, denn alles, was nicht gut versteckt ist, wurde längst geplündert. Das Leben könnte für ihn weiterhin so dahinplätschern, doch dann taucht eine junge Frau im Dorf auf, die erstaunlich gut mit dieser Hitze zurechtkommt. Was sie für ein Geheimnis trägt, wird hier natürlich nicht verraten.

Dieser Roman lebt nicht unbedingt von der Handlung. Es passiert schon was, aber nicht allzu viel. Was den Roman ausmacht, ist das düstere Bild, das Eschbach zeichnet, von unserer Welt nach dem Klimawandel. Die unbändige Hitze und der Wassermangel schaffen eine lebensfeindliche Welt, die unweigerlich zum Zusammenbruch geführt hat. Es leben noch einige Menschen hier, aber die Ressourcen werden nicht ewig halten. Das Ende steht definitiv bevor.

Aber es ist auch eine Welt, die vorstellbar ist, wenn die Menschheit nicht bald bereit ist, umzudenken. Der Klimawandel ist nicht mehr leugbar. Dadurch kreiert der Autor mit dieser Dystopie eine mögliche Zukunft mit Gänsehauteffekt.

Fausto ist ein sympathischer Protagonist. Er ist hilfsbereit und großzügig und zeigt, dass es möglich ist auch unter widrigsten Bedingungen die Menschlichkeit zu bewahren. Anhand seiner Erinnerungen erfahren wir, wie sich die Welt gewandelt hat und was ihm alles widerfahren ist, bevor er in diesem verlassenen Dorf gestrandet ist.

Ich habe mich gerne in das fahle Herz des Sommers begeben und mit von der düsteren Stimmung mitreissen lassen. Daher vergebe ich gerne 4 Sterne für diese Dystopie.
von Miro - 2026-05-10 22:40:00
Autor: Anne Freytag

Auf den Spuren von Jasmin - 5 Sterne

Kenni hat sich entschlossen nach Wien in eine WG zu ziehen. Zuhause hält er es nicht mehr aus, denn seine Gedanken kreisen immer nur um seine Freundin Jasmin, die bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Eigentlich wollten die beiden einen Roadtrip durch Frankreich machen in den Ferien. Der Camper steht bereit in der Garage, aber Kenni kann sich nicht aufraffen, alleine aufzubrechen.

In Wien lebt er sich langsam ein in der WG. In Paul findet er einen wirklich guten Freund, der auch in schlechten Zeiten für ihn da ist. Julia ist ein Ruhepol in der Gemeinschaft und Elif ist eine ganz besondere Mitbewohnerin. Kenni fühlt sich schnell zu ihr hingezogen, hat gleichzeitig Schuldgefühle wegen Jasmin und kämpft mit ambivalenten Gefühlen Elifs Freund gegenüber, der es nicht schafft, offiziell zu ihr zu stehen.

Ganz langsam kommt wieder Leben in Kenni und er beginnt, sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen, was seine Gefühle immer wieder ordentlich durcheinanderbringt. Es fällt ihm schwer, sich von Jasmin zu lösen. Vieles fühlt sich so unfertig an. Er sieht keinen Weg mit seiner inneren Zerrissenheit umzugehen.

Jahre später treffen sich die Vier wieder. Es ist der Abend von Kennis erster Vernissage und Paul hat alles als Überraschung organisiert. Wieder wirbeln die Freunde Kennis Leben durcheinander. Auch aus der Wiener Zeit ist nicht alles aufgearbeitet. Doch auch dieser Abend verläuft nicht so, wie Kenni es sich gewünscht hätte.

Kenni muss sich ein weiteres Mal seiner Vergangenheit stellen, bevor er wirklich bereit ist, ein neues Leben und eine neue Liebe zu beginnen. Anne Freytag schont ihren Protagonisten nicht. Er muss durch die dunkelsten Täler wandern und sich all seinen Unzulänglichkeiten stellen. Doch sie tut das mit sehr viel Feingefühl. Kenni ist mir sehr ans Herz gewachsen. Wir begleiten ihn hier durch Höhen und Tiefen und noch mehr Tiefen, doch er findet seinen Weg.

Das Buch ist emotional und dabei nicht kitschig. Es drückt nicht auf die Tränendrüse, was bei dieser Thematik eine echte Leistung ist und es bedient kaum Klischees. Mich konnte die Autorin mit "Laute Nächte" restlos begeistern.
von Miro - 2026-05-08 07:58:00
Autor: Martina Bogdahn

Der Pfarrer und seine Köchin - 5 Sterne

Mirabellentage spielt in einem beschaulichen Dorf in Bayern und im Zentrum steht Anna, die viele Jahre den Haushalt des Pfarrers geschupft hat. Josef und Anna waren schon als Kinder befreundet und über die Jahre hat ihre Freundschaft echte Tiefe erfahren. Als Josef ganz plötzlich stirbt, beginnt Annas Welt zu wanken.

Neben ihrer Trauer hat sie einiges an Aufgaben zu bewältigen. Die Beerdigung muss organisiert, der junge neue Pfarrer eingeführt werden und zusätzlich muss Anna noch ein großes Geheimnis wahren und einen Auftrag ausführen. Denn Josef wollte nicht neben seiner Mutter beerdigt werden, wie die Dorfgemeinschaft glauben gemacht wird. Anna soll Josef's Asche ins Meer streuen. Doch Anna ist noch kaum über die Grenzen ihres Dorfes hinausgekommen. Diese Aufgabe scheint für sie zu groß.

Matina Bogdahn schildert uns in diesem Dorfroman das einfache Leben der Menschen. Doch was uns einfach erscheint, birgt immer wieder überraschende Tiefe. In Erinnerungen werden einzelnen Leben herausgepickt und ihre Geschichten bieten häufig große Überraschungen. Auch Annas Leben war nicht immer so beschaulich und strukturiert wie es anfangs scheint.

Es ist ein Buch über vorgezeichnete Lebenswege, verpasste Chancen unterdrückte Gefühle und dem Versuch auszubrechen, neue Wege zu beschreiten und vielleicht eine andere Zukunft zu finden. Das Buch lebt von den liebevollen gezeichneten Charakteren und dem Mut, den es braucht, mal aus der Reihe zu tanzen.

Was mir besonders an dem Buch gefallen hat, ist dass die Autorin diese Geschichte mit viel Wärme und Liebe für ihre Figuren verfasst hat. Die ländliche Geborgenheit ist durch die Zeilen spürbar und obwohl das Buch von Trauer und einem Todesfall handelt ist es nicht bedrückend, sondern eher aufmunternd. Anna wird vom Dorf getragen, findet Trost in der Natur und Hilfe, wo sie diese nicht erwartet hätte.

Wie bereits der erste Band der Autorin hat mir auch dieses Buch ausgesprochen gut gefallen und ich kann es uneingeschränkt empfehlen.
von Miro - 2026-04-26 17:02:00
Autor: Douglas Stuart

Wie der Vater, so der Sohn - 4 Sterne

Im Zentrum des Romans steht John-Calum, genannt Cal, der auf den äußeren Hebriden aufgewachsen ist, als Sohn von John, großgezogen von seiner Großmutter Ella. Cal hat die Inseln zum Studieren verlassen, aber eine Arbeit findet er nicht. Als Ellas Gesundheitszustand nachlässt, wird er nach Hause gerufen.

Er kehrt zurück zu einem kargen Leben voll harter Arbeit. Schafzucht und Weberei prägen die Tage der Männer. Das Geld reicht vorn und hinten nicht und Cal hat einen Berg Schulden angehäuft während seiner Zeit in Glasgow.

Außerdem prägt die Kirche die kleine Inselgemeinschaft. Sie spendet Trost und Zusammenhalt, kontrolliert die Mitglieder allerdings auch genau. In presbyterianischer Strenge wird darauf geachtet, dass niemand aus der Reihe tanzt. Für Individualität und Freiheitsdrang, wie ihn Cal verspürt, ist hier kein Platz. Doch auch John hütet ein großes Geheimnis, das der Kirche nicht gefallen würde. Dadurch lebt er ein Doppelleben, dass ihn fast zerreißt.

Und auch Cal sollte zu einem Doppelleben gezwungen werden, denn seine Homosexualität kann er auf der Insel nicht ausleben. Vielmehr soll er seine Kindheitsfreundin heiraten, denn die hat sich in andere Umstände gebracht. Loyalität wird über das persönliche Glück gestellt und der Schein muss zwingend gewahrt werden.

Die Beziehung zwischen Vater und Sohn ist von Strenge und Härte geprägt. Sie lieben sich, reden aber kaum miteinander und wenn der Sohn nicht spurt, rutscht dem Vater schon mal die Hand aus. Schön ist das nicht! Doch wenn es drauf ankommt, sind die beiden doch füreinander da.

Diese Buch ist nicht ganz so hart wie Shuggie Bain oder Young Mungo, aber das karge Leben auf den äußeren Hebriden ist auch kein Zuckerschlecken. Diese Heimkehr ist für Cal eine Belastungsprobe nachdem er die Freiheit gekostet hat. In die Enge der Religion will er nicht zurückkehren, aber er ist bereit sich wieder in die Inselgemeinschaft einzugliedern. Er steht unter großem Druck und versucht trotzdem ein Stück weit seinen eigenen Weg zu gehen. Dafür mag ich Cal.

Und selbst John, mit seiner bigotten Strenge ist mir am Ende ans Herz gewachsen, denn auch er kann einfach nicht aus seiner Haut. Er hängt fest in seinen Traditionen und althergebrachten Strukturen. Das macht den Roman schließlich authentisch, denn so sind wir Menschen meistens.

John of John hat mir wieder gut gefallen, obwohl auch dies ein Buch ist, das nicht unbedingt gefallen will. Es ist schonungslos, manchmal kaltherzig und brutal und doch findet sich immer wieder ein Funken Hoffnung. Da ich es nicht so eindringlich wie die beiden Vorgänger empfunden habe, habe ich mich für 4 Sterne entschieden. Vielleicht ist das auch zu streng bewertet, aber es fühlt sich für mich richtig an. Empfehlen kann ich das Buch dennoch ohne Einschränkungen!
von Miro - 2026-04-21 20:57:00
Autor: Greta Herrlicher

Heilt die Zeit alle Wunden? - 3 Sterne

Britta, Max und Pia waren unzertrennlich als Kinder. In ihrer Kleinstadt sind sie recht behütet aufgewachsen, obwohl jedes Kind auch sein Scherflein zu tragen hatte. Dennoch war ihre Kindheit geprägt von Lagerfeuer, Zelten und Picknicks am See. Lauter kleine Abenteuer, die eine gute Kindheit ausmachen. Doch für Pia war das alles immer schon etwas eng. Sie wollte die große Welt sehen und ihrem Drang nach Freiheit endlich nachgeben.

Der Sommer nach dem Abitur sollte noch mal richtig unbeschwert sein, doch Pia verschwindet kurz nach der Abifeier ohne sich zu verabschieden und Max und Britta kommen mit ihren verletzten Gefühlen nicht klar. So verlieren sich alle drei aus den Augen, bis 20 Jahre später Brittas Vater nicht mehr allein zurecht kommt und Pia eine Ausstellung in ihrer ehemaligen Heimatstadt gibt.

Das holprige Wiedersehen reißt die alten Wunden auf und Geheimnisse kommen ans Licht. Die alte Freundschaft möchte wiederbelebt werden und neue Wege sollen beschritten werden. Können die drei über ihre Schatten springen und die gezogenen Gräben überwinden?

Greta Herrlicher widmet sich mit diesem Roman einem beliebten Thema: Die Vergangenheit und besonders ungelöste Konflikte beeinflussen das Denken und Handeln aller Protagonisten. Schuld und Verantwortung lassen sich häufig nicht klar zuordnen. Es gibt kein Schwarz und Weiß. Es gibt ein Gefüge aus Entscheidungen, die mal mehr mal weniger richtig getroffen wurden und schlußendlich bis in die Gegenwart Folgen zeigen.

Das Grundgerüst der Geschichte gefällt mir prinzipiell gut, aber die Autorin verarbeitet in ihrem Text eindeutig zu viele Plattitüden, die sich als Alltagsweisheiten tarnen. Das war mit definitiv zu flach. Die Geschichte hat Potential und deshalb war sie auch ganz nett zu lesen. Eine klare Empfehlung kann ich dafür aber nicht aussprechen.
von Miro - 2026-04-11 20:20:00
Autor: Marisha Pessl

Wandle, wo die Hexe ruht - 5 Sterne

In den 80er Jahren gab es eine beeindruckende Brettspiel-Entwicklerin: Lousiana Veda. Sie lebte zurückgezogen, über ihre Biografie war wenig bekannt, aber es ranken sich eine Menge Gerüchte um ihr Leben und Sterben.

Auch Dia ist von ihr und den Darkly Spielen fasziniert und sie hatte sogar schon einmal eins der begehrten Spiele in Händen. Leider konnte sie es nie fertigspielen, denn es wurde verkauft, um den Antiquitätenladen ihrer Mutter zu retten.

Als Dia einen der begehrten Praktikumsplätze bei Darkly ergattert, kann sie es kaum fassen und freut sich auf einen Sommer voller Abenteuer in England. Gemeinsam mit sechs anderen Jugendlichen wird sie auf die geheime Insel gebracht, wo die Darkly Fabrik vor sich hin rottet. Das Abenteuer ist wesentlich weniger glamourös, als sich Dia das erwartet hatte. Es wird allerdings auch wesentlich spannender und gefährlicher als vorstellbar.

Die sieben Auserwählten stehen einer großen Herausforderung gegenüber und erkennen schnell, dass es nicht nur darum geht, ein Rätsel zu lösen. Hier steht viel mehr auf dem Spiel! Es geht um Vertrauen, Vermächtnis und vielleicht sogar um Leben und Tod. Auf jeden Fall werden alle Sieben nie wieder die selben sein!

Darkly ist eine düstere Geschichte. Der Lost Place als Ausgangspunkt der Suche ist ein perfektes Setting dafür. Der Gruselfaktor ist hoch und die Geschichte wird in hohem Tempo erzählt. Die kurzen Kapitel tragen ihren Teil dazu bei. Man fliegt nur so durch die Seiten. Unterbrochen wird das Ganze immer wieder durch Briefe und Bilder aus längst vergangenen Tage, die man anfangs nicht einordnen kann.

Damit spielt die Autorin das ganz Buch hindurch. Kapitel beginnen immer wieder woanders und haben mich beim Lesen regelmäßig in Verwirrung gestürzt. Doch die Autorin erklärt jedesmal, wie wir dort hingekomen sind. Ich habe mich dann auch relativ schnell an diese Stilmittel gewöhnt. Für die Briefe und Bilder allerdings, muss man sich bis zum Schluss gedulden.

Mir hat dieses 3. Buch von Marisha Pessl wieder hervorragend gefallen, obwohl es auch wieder ganz anders ist als das Erste und das Zweite. Ich finde, es ist eine beeindruckende Leistung, so ein breites Spektrum abdecken zu können und warte nun geduldig auf das nächste Buch aus ihrer Feder in der Hoffnung auf eine weitere Überraschung!
von Miro - 2026-04-08 23:08:00
Autor: Alexandra Bell

Was für eine wunderbare Geschichte! - 5 Sterne

Eve Shaw ist nicht glücklich. Ihr reicht es, gerade so zufrieden zu sein, denn mehr hat sie ihrer Ansicht nach nicht verdient. Sie hat eine Schuld auf sich geladen, die sie sich selbst am allerwenigsten verzeihen kann.

Als sie im Rahmen ihrer Arbeit als Kunstexpertin auf das mysteriöse White Octopus Hotel stößt mit seinen magischen Artefakten, beginnt sie tiefer zu graben. Und als ihr die Legende berichtet wird, dass man mit einem Bogen Briefpapier aus dem Hotel einen Brief an das jüngere Ich senden kann, stürzt sie sich in die Suche. Sie möchte unbedingt einen Fehler korrigieren.

Eve fällt es leicht an Magie zu glauben, denn sie ist selbst ein bisschen magisch. Sie hat ein Oktopus Tattoo, das auf ihrer Haut herumkriecht, als wäre es lebendig. Vielleicht ist es das ja auch. Auf jeden Fall unterstreicht es die Verbindung, die sie zum Hotel zu spüren beginnt. Eine Reise in die Schweizer Alpen scheint unaufschiebbar und so wagt Eve diese Fahrt ins Ungewisse und findet sich durch Zauberhand im Glamour der 30er Jahre wieder, als das Hotel seine Blütezeit erlebte.

Das Hotel selbst ist ein toller Schauplatz. Es ist mysteriös und bietet Raum für allerlei magische Gerätschaften. Hier bleiben keine Wünsche offen und auch die Gäste wirken interessant. Manche kommen ihr bekannt vor und andere kennt sie tatsächlich. Es gibt noch andere Zeitreisende hier und sie findet einen Mann, der sie komplett aus der Bahn wirft.

Eve muss sich mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandersetzen und sich ihren Gespenstern stellen.

In märchenhaftem Stil beschreibt die Autorin die Schauplätze sehr bildhaft, fast filmreif. Als Leser*innen fühlen wir uns nahezu wie ein Teil der Geschichte. Mich konnte Alexandra Bell restlos begeistern mit dieser fantasievollen und atmosphärischen Reise durch die Zeit in ein Abenteuer, das mich absolut in seinen Bann ziehen konnte. Für mich war der Besuch im White Octopus Hotel ein Highlight!
von Miro - 2026-03-16 21:35:00