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Hannah HäffnerDie Riesinnen

Roman - »Wüst, wild, bewegend und voller Poesie.« DORIS KNECHT

Hardcover

Penguin (2026)

416 Seiten; 22 cm x 14.6 cm

ISBN 978-3-328-60433-4

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Die Riesinnen

Hauptbeschreibung

»›Die Riesinnen‹ saugen einen auf der ersten Seite ein, und am Ende dieses Drei-Generationen-Porträts großer Frauen wird man atemlos ausgespuckt. Wüst, wild, bewegend und voller Poesie.« DORIS KNECHT




»Mager ist sie, wie ein Kleiderhaken, zurechtgebogen zu Menschenform. Dünn und stark und langgestreckt: Keine ist größer als sie, im Dorf nicht, und auch nicht im nächsten. Dazu die Kupferwollehaare, die wütend nach dem Himmel greifen. Wer sie sieht, weiß, wer sie ist, man weiß es sofort, und sie hasst es, hasst es, hasst es. Vielleicht hätte sie es, an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit, auch lieben können, aber das geht nicht, nicht hier.«


Wittenmoos, ein kleines Dorf im Schwarzwald, ist die Heimat dreier Frauen. Groß und dünn überragen sie alle anderen und wollen so gar nicht in die Dorfgemeinschaft passen. Und doch sind sie hier verwurzelt und müssen ihren eigenen Weg in den engen Grenzen des Dorfes finden. Liese, die still und unerbittlich die Metzgerei führt. Cora, ihre Tochter, die Wütende, die ausbrechen wird und lernen muss, dass Heimkehr keine Niederlage ist. Und Eva, Coras Tochter, die den Wald so sehr liebt und sich dessen erst bewusst werden muss.


In dunkler, satter, aber auch zarter Poesie erzählt Hannah Häffner mit stilistischer Präzision, feinem Humor und einer subtilen Beobachtungsgabe die Geschichte dreier Frauen, die sich von den 60-er Jahren bis in unsere Zeit spannt. Ein lange nachhallender Roman über die Sehnsucht nach Freiheit und Wurzeln, über Mütter und Töchter und über die Kraft der Natur.



»Hier schreibt zweifellos jemand, der Sprache liebt, auch ihre regionale Färbung.«
Amonte Schröder-Jürss, ZEIT-Online


»Der zauberhafte Roman ›Die Riesinnen‹ von Hannah Häffner wird für Furore sorgen.«
Peer Teuwsen, Neue Zürcher Zeitung


»Neue deutsche Heimatliteratur auf den Spuren Dörte Hansens.«
Denis Scheck


Hersteller: Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH
Neumarkter Straße 28, 81673 München DE
E-Mail: produktsicherheit@penguinrandomhouse.de


Warum ragt dieses Buch so heraus – und bleibt trotzdem so tief verwurzelt?
Dieses Buch erfährt gerade einen enormen Hype – und ausnahmsweise kann ich sagen: völlig zu Recht. Die Riesinnen ist nicht nur gut, es ist großartig. Still großartig. Eindringlich großartig. Und vor allem: nachhaltig.
Im Zentrum stehen drei Frauen aus drei Generationen – Liese, Cora und Eva. Drei Leben, die unterschiedlicher kaum verlaufen könnten und doch untrennbar miteinander verbunden sind. Liese, die sich in einer rauen Nachkriegswelt behaupten muss, festhält, durchhält, weitermacht – auch dann, wenn das Leben wenig Raum für eigene Wünsche lässt. Cora, die sich gegen diese Enge auflehnt, hinaus will, alles hinter sich lässt, um dann zu erkennen, dass Flucht nicht automatisch Freiheit bedeutet. Und schließlich Eva, die zwischen diesen beiden Polen aufwächst – zwischen dem Drang hinaus und dem Sog zurück.
Wittenmoos, dieses kleine Schwarzwalddorf, ist dabei weit mehr als nur ein Schauplatz. Es ist Kraftfeld und Käfig zugleich. Ein Ort, der hält und gleichzeitig einengt. Hier kennt jeder jeden, hier wird beobachtet, geredet, bewertet – und doch ist genau hier auch diese tiefe, kaum erklärbare Verbundenheit spürbar. Besonders der Wald zieht sich wie ein lebendiger Organismus durch den Roman: schützend, fordernd, manchmal fast unerbittlich. Für alle drei Frauen wird er zu einem Gegenpol zur sozialen Enge – ein Raum, in dem sie atmen können.
Was mich besonders berührt hat: Dieses Buch braucht keine großen dramatischen Wendungen, um zu wirken. Es erzählt vom Leben selbst – von Entscheidungen, die nicht laut getroffen werden, von Wegen, die sich erst im Rückblick als die richtigen erweisen. Wenn man am Ende zurückblickt, merkt man, wie viel eigentlich passiert ist. Ganz leise. Ganz konsequent.
Und dann dieser Schreibstil. Hannah Häffner schreibt mit einer Präzision, die fast weh tut – weil sie so genau ist. Ihre Sprache ist dicht, poetisch, manchmal dunkel, dann wieder überraschend zart. Sätze, die nicht einfach gelesen, sondern gespürt werden wollen.
Dabei gelingt ihr etwas sehr Besonderes: Sie verbindet eine fast entschleunigte Erzählweise mit einer enormen Sogkraft. Es passiert scheinbar wenig – und gleichzeitig will man immer weiterlesen. Weil jede Figur Tiefe hat, weil jede Beziehung Nuancen trägt, weil zwischen den Zeilen oft mehr liegt als im Offensichtlichen.
Auch die Entwicklung über die Generationen hinweg ist fein gezeichnet. Während Liese noch stark gegen äußere Umstände ankämpfen muss, geht es bei Cora um Abgrenzung und Aufbruch. Und Eva? Sie darf bereits wählen. Ihr Weg wirkt freier, bewusster – und zeigt, dass Veränderung oft leise beginnt, aber über Generationen hinweg wirkt.
Und ja, es gibt Momente, die fast zu rund erscheinen, fast zu schön. Aber selbst das fügt sich in dieses Gesamtbild ein: als leiser Hoffnungsschimmer, nicht als Kitsch.
Für mich ist Die Riesinnen ein Roman über Frauen, die sich nicht laut emanzipieren müssen, weil sie es längst tun – auf ihre eigene, oft stille Weise. Über Herkunft, die prägt, aber nicht festschreibt. Über Heimat, die gleichzeitig Last und Halt sein kann.
Und vielleicht ist genau das das Geheimnis dieses Buches: Es erzählt nichts Spektakuläres – und trifft dabei mitten ins Herz.

Poetisch
Der Roman „Die Riesinnen“ von Hannah Häffner erzählt die Geschichte von drei Frauengenerationen in einem kleinen Schwarzwalddorf. Obwohl das Motiv von Müttern und Töchtern nicht neu ist, entwickelt der Text aufgrund seiner tollen Sprache eine ganz eigene, eindringliche Atmosphäre. Im Zentrum stehen Liese, ihre Tochter Cora und ihre Enkelin Eva, die alle auf ihre Weise aus der Dorfgemeinschaft herausragen. Der Roman begleitet sie von den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart und verwebt persönliche Entwicklungen mit gesellschaftlichen Veränderungen.

Was mich von Beginn an begeistert hat, ist die Sprache. Sie ist gleichzeitig bildreich und präzise, poetisch und nüchtern, manchmal fast kühl und dann wieder überraschend zart. Diese besondere Mischung sorgt dafür, dass man sehr schnell in die Geschichte hineingezogen wird: Ich bin durch den ersten Teil regelrecht geflogen. Der leicht melancholische Ton trägt viel zur dichten Atmosphäre bei und passt gut zu den Themen des Romans.

Inhaltlich bleibt die Geschichte zunächst recht nah an bekannten Mustern: das schwierige Verhältnis zwischen Mutter und Tochter, der Wunsch nach Ausbruch und die Frage nach Zugehörigkeit. Trotzdem wollte ich unbedingt weiterlesen. Gleichzeitig wurde die Handlung für mich zunehmend vorhersehbar und es gab einige Längen. Auch das Ende war für mich nicht die spannendste Möglichkeit, die Geschichte zu beenden. Dennoch gab es immer wieder einzelne Sätze und Gedanken, die herausgestochen haben.

Insgesamt ist „Die Riesinnen“ ein sprachlich beeindruckender Roman mit starker Atmosphäre und interessanten Figuren, der inhaltlich nicht immer ganz überraschen kann, aber durch seine erzählerische Qualität dennoch lesenswert bleibt.

Drei Frauenschicksale

Das fiktive Dorf Wittenmoos ist Schauplatz in diesem Roman, der über das Leben drei starker Frauen erzählt: Liese, Cora und Eva. Liese, hochgewachsen, mager mit leuchtend roten Haaren vererbt ihr Erscheinungsbild an ihre Tochter (Cora) und an ihre Enkelin (Eva) weiter. Wir begleiten die drei Frauen bei ihren unterschiedlichen Lebenswegen, die aber immer wieder, manchmal freiwillig, manchmal unfreiwillig, nach Wittenmoos führen.
Alles wird von Hannah Häffner ganz und gar unaufgeregt erzählt. Manchmal ist die Beschreibung einiger Ereignisse sehr distanziert, und die Protagonistinnen kamen mir manchmal etwas sehr kühl und emotionslos vor. Trotzdem hat es mich gefesselt wie die drei Frauen die Hürden in ihren Leben gemeistert haben.
Fazit: Eingefleischten Krimi-Fans fehlt hier vermutlich die Spannung, aber wer sich für Familien- bzw. Mutter-Tochter-Geschichten interessiert, kommt hier auf seine Kosten.

Ein wunderbarer, starker Roman über Heimat und Wurzeln. Archaisch, wild, feinfühlig.
von MarcoL
Das ist eines der besten Bücher, das ich je! gelesen habe. Es ist atmosphärisch, wild, stürmisch und ruhig zugleich. Und von einer so wunderbaren Sprache durchdrungen, dass man ewig darin verweilen möchte. Alleine die Naturbeschreibungen, vor allem die Szenen im Wald, bewegen einen sehr und man wünscht sich beim Lesen nichts sehnlicher als mit dabei zu sein in dieser kleinen Welt der Abgeschiedenheit unter den Bäumen.

„Dieser Wald, den man nicht aus sich herausbekommt, auch wenn man ihn verlässt. Der wurzelt, unter dem Herzen, hinter den Lungen, und man hört ihn deiner Sprache an und sieht ihn in deinen Augen.“

Es fühlt sich an wie ein Zuhause – und der Begriff Heimat ist auch eines der Kernthemen dieses Romans.

„Zuhause ist schließlich etwas anderes als daheim. Zu Hause kann sich ändern, daheim bleibt“

Die Menschen in der Heimat können grausam sein, böse, abweisend. Besonders dann, wenn man nicht in deren Weltanschauung hineinpasst. Und das passiert auf dem Land oder im Dorf, wo es keine Anonymität gibt, sehr leicht. Schneller als einem lieb ist wird man zur Außenseiter*in gestempelt. Und sei es erst mal nur wegen des äußerlichen Erscheinungsbildes.
Wittenmoos – ein Dorf im Schwarzwald. Liese ist groß, schlank und hat orange-rotes Haar. Ihre Tochter Cora wird ihr ähnlich werden. Lieses Mann Bernhard wendet sich ab, er wollte einen Sohn, wird gewalttätig. Nach Bernhards Unfalltod steht Liese mit dem neuen Haus und ihrer Tochter alleine da, ohne Einkünfte, ohne helfende Hände; - auch nicht die ihre Schwiegereltern. Doch sie beißt und kämpft sich durch, fordert das Erbe von Bernhard ein: die Dorfmetzgerei. Ohne jegliche Erfahrung übernimmt sie den Laden, kämpft sich mit viel Fleiß trotz Gegenwind durch und hat Erfolg. Cora wird bald zu einer unentbehrlichen Stütze, das Geschäft floriert. Aber auch Cora hat ihren eigenen Willen und macht sich auf die Suche nach sich selbst … und letztendlich schließt Eva, Coras Tochter und Lieses Enkelin, den Kreis und veranschaulicht, was es bedeutet, eine Heimat zu haben.
Der Roman ist so wunderbar erzählt (erwähnte ich schon). Hannah Häffner geht feinfühlig mit ihren Protagonist*innen um, lässt ihren Ecken und Kanten, Sehnsüchten und Pflichten freien Spielraum, nur damit wir merken, dass es so sein muss.

„Dinge, die so sind, wie sie sein sollen, haben ihren eigenen Schmerz“

Über drei Generationen nimmt uns die Autorin mit in diese Abgeschiedenheit des Schwarzwälder Dorfes und hinterlässt am Ende den Wunsch, die Geschichte möge unendlich weitergehen.

Ganz große Erzählkunst, und ganz große Leseempfehlung. Lieblingsbuch für immer.

Ein tolles Buch
Müsste ich die Grundstimmung in diesem Roman mit zwei Wörtern beschreiben würde ich wohl sagen es ist kämpferisch und zu gleich etwas melancholisch. Die Riesinnen erzählt die Geschichte einer Familie in der die Frauen zusammenhalten auch wenn der Rest der Welt sich gegen sie stellt. Drei Generationen von Frauen die versuchen ihren eigenen Weg zu gehen auch wenn die Welt sie immer wieder versucht in ihre Schranken zu weisen. Egal wie hart sie dafür kämpfen müssen und gegen welche widrichkeiten auch immer. Hannah Häffner hat hier ein Buch geschrieben das einen fordert, eine Geschichte die von Wunden erzählt. Vom Leben als außenseiterinnen und der Suche nach sich selbst.
Dieses Buch hat mich berührt, mich gefordert und mich teilweise auch sehr wütend gemacht. Immer wieder prallen die verschiedenen Lebensentwürfe der Frauen aufeinander. Es ist mal harmonisch, mal reibt sich die eine an der anderen, dann kracht es wieder. So entsteht ein spannendes Panorama einer Familie mit sehr authentischen Charakteren die man genau so wohl in vielen Familien finden könnte. Für mich ein sehr interessantes Buch auf das man sich anfangs einlassen muss das einen aber für dieses sich einlassen auf jeden Fall mit einer spannenden Geschichte belohnt.

groß-artig
Auf dieses Buch muss man sich einlassen und wirklich gute Zeit finden, um sich in der Welt, in der Liese(lotte) lebt, zurechtzufinden.
Ein dörfliches Leben, in der Natur des Schwarzwaldes umgibt die erste Riesin Liese, zu groß gewachsen und dünn ist sie..., beschreibt ihren Werdegang als Mutter und gleichzeitig der zweiten Riesin Cora, Liese's Tochter, sowie später deren Tochter Eva, ebenfalls Riesin.
Die Frauen sind also alle drei außergewöhnlich groß, was schon mal ein Punkt zum Auffallen im Dorf ist, und ihnen für immer anhaftet.
Schicksalsjahre nehmen ihren Lauf und verbinden die drei
Riesinnen um mehr als nur ihr Familienband. Die Suche und Abwendung von Heimat ist bei allen drei Frauen auf unterschiedliche Weise spürbar und doch haben sie mehr oder weniger ihr Zuhause... im Dorf.
Sie sind trotz aller Widrigkeiten starke Persönlichkeiten, auch wenn sie nicht immer erreicht haben was sie wollten.

Die Sprache der Autorin ist perfekt in diese beinahe hinterwäldlerische Abgeschiedenheit hineingeflossen. Sie ziert verblüffend schöne, fast poetische Satzgefüge, die man gern liest, eingearbeitet in die dörfliche Sprache, die auch ein Zeitgefühl für diesen Roman schafft und gleichzeitig Bilder zum Greifen nah entstehen lässt.
Hannah Häffner hat damit ein außergewöhnliches Buch geschaffen!
Es wird aber nicht jeden Geschmack treffen, mein Geschmack ist es eigentlich auch nicht...

Das Cover gefällt mir sehr gut, auffallend das Blatt in der Farbe blau woraus ein Blick verborgen schaut.

Beeindruckend
von Zisa
Das Cover und der Klappentext klangen interessant, aber das Buch hat mich dann mehr gepackt, als ich gedacht habe.
Es handelt sich um einen wortgewaltigen, atmosphärischen Roman, der in einem fiktiven kleinen Schwarzwalddorf spielt. Drei Frauen- Großmutter, Mutter und Tochter werden ausdrucksstark in ihren jeweiligen Lebenssituationen und ihren Verbindungen untereinander aufgezeichnet. Drei Frauen, die auffallen, als anders von den anderen wahrgenommen werden, weil sie größer und magerer sind. Ausgesondert werden sie, von de Dorfbewohnern und in lösen die Frage, was ist Heimat und Heimatverbundenheit wenn die Menschen nicht das sind, was mich hält. Ist es die Natur oder manchmal auch die Begrenzung durch mangelnde Möglichkeiten? Wie sieht Freiheit in alldem aus? Fragen, die mich auch nach der Lektüre noch oder wieder neu beschäftigen. Daher eine absolute Leseempfehlung von mir.

Kein klassisches Highlight, aber eine Wucht von Buch
Ich mag Generationsromane, die sich über eine längere Zeit erstrecken, wirklich gern. Deshalb hatte ich auch große Lust auf „Die Riesinnen“ und wurde nicht enttäuscht. Obwohl sehr intensiv mit einer poetischen Sprache geworben wird und ich mit einer solchen selten viel anfangen kann, hatte ich nahezu durchgängig eine tolle Lesezeit mit diesem atmosphärischen Roman.

Wir dürfen drei Generationen der Riessberger-Frauen begleiten, die im dörflichen Setting des Romans über lange Zeit wie Aussätzige behandelt werden. Was alle drei Protagonistinnen jedoch vor allem eint, ist ihre Stärke. Diese ist dabei ganz unterschiedlich zu verstehen. Mal liegt sie darin, dass Liese in den 60er-Jahren nach dem Tod ihres Mannes dessen Metzgerei übernimmt und sich in einer frauenfeindlichen Arbeitswelt behaupten muss. Oder darin, dass Cora eisern ihren Weg geht, ohne eine Abkehr davon als Niederlage zu empfinden. Und schlussendlich zeigt sie sich darin, dass Eva beginnt, das Schweigen zu brechen und alte Umstände nicht einfach als gegeben hinzunehmen.

Auffällig ist die Sprache und Erzählstruktur der Geschichte. Stilistisch und sprachlich wählt die Autorin nämlich stets einen nahtlosen Übergang zur nächsten zentralen Hauptfigur und damit Generation. Erzählerisch finde ich das wirklich großartig und innovativ gemacht, denn es erfordert ein aufmerksames Lesen, um den Wechsel bewusst wahrzunehmen. Was zuvor noch poetisch und naturnah war, ist dann z. B. auf einmal direkter und irgendwie wütender - weil die nächste Generation die Geschichte weitererzählt.

Die Figuren werden vielschichtig beschrieben, zum Teil auch noch im Nachhinein durch die Perspektive der späteren Protagonistin. Das ist klug gemacht, sehr detailliert und gleichzeitig feinsinnig - erfordert aber auch hier wieder aufmerksames Lesen. Ich bin Fan davon, wenn Figuren über eine weite Strecke der Geschichte hinweg immer feiner gezeichnet werden. Es erfordert aber definitiv auch die richtige Stimmung und Konzentration auf die Handlung.

Die Sprache unterstreicht stets den Inhalt, die Atmosphäre ist wechselnd und wirklich unglaublich greifbar geschrieben. Und auch, wenn es sprachlich schon stellenweise sehr poetisch wird, verfestigt das in diesen Momenten einfach noch einmal die Verbundenheit mit der Natur und konkret dem Wald. Es bleibt mein least favourite Sprachstil, aber trotzdem fand ich es hier treffend umgesetzt und außerdem nicht zu ausschweifend, sodass ich immer wieder gut in die Geschichte zurückgefunden habe. Somit war es für mich äußerst positiv, dass sich die sehr deutliche Bewerbung der Poesie nicht in dieser Intensität bestätigt hat.

Der Fokus liegt sehr deutlich auf den Protagonistinnen und deren Beziehung zueinander. Nebenfiguren finden kaum statt, was eine akzeptable Entscheidung der Autorin ist, auch wenn ich mir zu einigen Nebencharakteren doch mehr Informationen gewünscht hätte. Hier bleibt die Autorin, sicherlich bewusst, oft sehr vage. Leerstellen und Schweigen spielen eben eine große Rolle in der Geschichte, aber ich fand es fast immer gut gelöst, weil Häffner an den relevanten, also die Familie betreffenden, Stellen zwischen den Zeilen detailliert genug ist, um alles verständlich zu machen - wenn aufmerksam gelesen wird. Außerdem ist sie wirklich Herrin der zahlreichen Erzählstränge und kann viele von ihnen am Ende geschickt miteinander verflechten.

„Die Riesinnen“ ist ein dichtes Werk, das aufgrund seiner vielen Details viel Fokus erfordert. Ich habe den Roman eher langsam gelesen und das war gut so, denn er ist gleichermaßen gewaltig wie subtil und ruhig. Manche Abschnitte waren sprachlich nicht so meins, insgesamt fand ich die Vereinigung von Form und Inhalt aber einfach richtig hochwertig. Einen großen Pluspunkt bekommt das Werk von mir - und das ist ein kleiner Spoiler - weil die Frauen sich bewusst gegen feste Beziehungen mit Männern entscheiden und ihnen fehlt NICHTS. Ich liebe das und will so etwas wirklich noch viel öfter lesen.

4,5 Sterne

Drei Frauen, drei Generationen
Ein kleines Dorf im Schwarzwald. Die Grenzen sind eng. Wer nur irgendwie anders ist, gehört nicht dazu. Liese Riessberger ist eine von denen, für die es schwer ist. Groß, dünn, rothaarig. Ihr ganzes Leben wird sie gemobbt und schief angesehen. Auch die Ehe mit dem angesehenen Fleischersohn ändert daran nichts. Als sie schwanger wird, hoffen alle auf einen Sohn, einen Erben. Doch das Leben hat eigene Pläne. Es ist eine Tochter. Cora Riessberger. Der Vater stirbt früh, seine Tochter hat er nie geliebt. Auch sie groß, dünn und rothaarig. Liese nimmt ihr Leben in die Hand. Sie wählt nicht den leichten Weg, kämpft für sich und ihre Tochter und schafft viel. Cora will wie ihre Mutter weg aus dem Dorf. Freiheit, Leben, die Welt sehen. Und dann studieren. Aber erstmal unterwegs sein. Auch hier hat das Leben andere Pläne für sie. Auch sie kehrt wieder zurück ins Dorf. Auch sie hat eine Tochter, Eva. Eva hat den Rückhalt und die Liebe ihrer Mutter und Großmutter. Doch im Gegensatz zu ihnen liebt sie es, im Dorf zu leben. Sie kommt mit den Mitschüler:innen zurecht, kümmert sich nicht um die Meinung der anderen. Ihre Vorfahrinnen wünschen ihr Freiheit, ihr steht die Welt offen. Aber eigentlich ist sie am liebsten im Wald. Und so ist sie die erste, der drei Frauen, die freiwillig und glücklich zurückkommt.
Mich hat der Roman von Anfang an in seinen Bann gezogen. Ich mochte die Sprache und auch die Ehrlichkeit, mit der erzählt wurde. Die Frauen haben Ecken und Kanten, die Geschichten wählen nicht den leichten Weg, die Männer, die ihnen begegnen sind nicht die Prinzen, die sie plötzlich glücklich machen. Und dennoch ist es ein positives Buch. Es sind starke Frauen und vor allem starke Mütter. Aber auch ihre Grenzen werden nicht ausgespart.
Sehr gelungen fand ich auch, wie im Laufe der Geschichte, die Perspektiven wechseln. Erst wird aus Lieses Sicht erzählt, dann aus Coras und schließlich aus Evas. Das passiert sehr stimmig, ohne Bruch, wie ein fließender Übergang.
Ich habe das Buch sehr geliebt. Es war schön erzählt, alles sehr realistisch, die Figuren mit viel Hintergrund und Tiefgang und gelungen aufgebaut.
Definitiv ein Buch, das ich empfehlen kann.

(Un-) Zugehörigkeit - ein Highlight
von Kwinsu
"Was haben sie daran geglaubt, dass sie zusammengehören, nur um festzustellen, dass nichts für die Ewigkeit sein kann, was menschlich ist." (S. 277)

Drei Frauen, so groß, so rothaarig, so anders - und trotzdem gehören sie dazu. Nach Wittenmoos, einem kleinen Dorf im Schwarzwald, borniert, konservativ, jeder weiß über jeden Bescheid. Sie brechen aus in ihrer Haltung, ohne den Ort wirklich lange zu verlassen. Liese übersteht eine langweilige und trostlose Ehe, die von Gewalt gezeichnet ist. Halt gibt ihr ihre Tochter Cora, die bereits als Kind zur Außenseiterin wird. Im jungen Erwachsenenalter flieht sie aus dem engen Korsett der Dorfgemeinschaft, nur um kurze Zeit später in schwangerem Zustand und resigniert wieder zurückzukehren. Ihre Tochter Eva will eigentlich gar nicht weg aus Wittenmoos, studiert kurz in einer größeren Stadt, um danach, sowie die beiden anderen Frauen auch, ihre Bestimmung zu finden.

Hannah Höffner ist mit "Die Riesinnen" ein grandioser, literarisch anspruchsvoller Roman gelungen, der drei Generationen von Frauen portraitiert, die anderes für sich gewollt hätten, das Leben aber so nehmen, wie es kommt, um das beste daraus zu machen. Der Schreibstil der Autorin ist sehr poetisch, teils nüchtern, oft philosophisch, was einem durchaus etwas abverlangt. Ihr Sinn, eine dichte und eindrückliche Atmosphäre zu schaffen, ist feinfühlig und atemberaubend zugleich. Die Geschichte wirkt aus der Zeit gefallen und ist deshalb umso einnehmender. Das gesellschaftliche Korsett der Dorfgemeinschaft ist eng geschnürt, deshalb ist es umso erstaunlicher, dass sie trotzdem ein schier unüberbrückbarer Anziehungspunkt ist, dem die Protagonistinnen nur halbherzig entfliehen mögen.

Der Roman hat einen beeindruckenden Tiefgang, zahlreiche Themen werden verhandelt. Zentral ist aber immer die Frage nach der Heimat, nach den Wurzeln, auch jene des eigenen Selbst. Neben den drei Frauen ist der Schwarzwald und seine betörende Natur ein wesentlicher Protagonist, er scheint für alle ein essentielles Lebenselixier zu sein, genauso wie die familiäre und intensive Bindung zueinander - und das alles ohne jeglichen Kitsch, mit einer Klarheit, die oft im Versteckten lauert, aber irgendwann sicher zum Vorschein kommt. Besonders schön herausgearbeitet ist meines Erachtens die Unterschiedlichkeit der drei Frauen, die aber niemals ohne einander können und unmissverständlich zueinander gehören. Wie sie mit den vielfältigen Herausforderungen des Lebens umgehen, trotz vieler Schicksalsschläge, ist nachvollziehbar und strotzt vor innerlicher Stärke, die ihnen aber so gar nicht bewusst ist. Einer der besonderen Aspekte des Buches ist es auch, dass wirklich die drei Frauen im Mittelpunkt stehen und alle anderen Figuren, so sehr sie sie beeinflussen oder auch nicht, nur peripher steuernde Charaktere sind, die nie eine so zentrale Rolle spielen, als dass die Protagonistinnen aus ihrem Mittelpunkt fallen würden.

Mein Fazit: "Die Riesinnen" ist ein unvergleichliches Lesehighlight, das durch poetische, nüchterne und philosophische Sprache und der feinen Beobachtungsgabe von familiärer Bindung besticht. Zentral sind drei starke Frauen, tief verbunden mit dem Schwarzwald, die trotz Widrigkeiten und Enge der Dorfgemeinschaft für sich selbst kämpfen, um ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Ein sehr besonderes Buch, das wohl in den nächsten Jahren immer als eins meiner Lieblingsbücher gelistet werden wird.

Poetisch, berührend, magisch, wunderschön - ein Jahreshighlight!
Ich lese jedes Jahr sehr viele Bücher. Doch gar nicht so oft berührt eines davon so tief mein Herz, wie das "Die Riesinnen" getan haben. Dieses Buch hat für mich einfach alles, was ich am Lesen liebe: eine unterhaltsame Geschichte mit tiefgründigen, sympathischen Figuren, eine poetische Sprache, philosophische Tiefe bei erzählerischer Leichtigkeit und so viel Weisheit und Liebe! Es ist ein ganz besonderes Buch, das mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird und aus dem ich mir unzählige Stellen herausgeschrieben habe.

Worum geht es? Um drei außergewöhnliche Frauen im fiktiven Dorf Wittenmoos im Schwarzwald, einem sehr konservativen Ort, in dem es erst einmal wenig Aufgeschlossenheit für Neues und Unkonventionelles gibt:

„In Wittenmoos ändern sich selten Dinge, darum geht es ja gerade. Das große Sichdrehen braucht eine Achse. Wer neu ist, suche sich seinen Platz, wer von hier stammt, bleibe auf seinem. Es hilft, in manchen Dingen, sofern man bereit ist, das Gewicht zu tragen. Ein Ort, an den man gehört, auch wenn man ihn sich nicht ausgesucht hat. Geh, und alles hinter dir zerfällt, bleib, und du musst bleiben, wer du bist, weil es sonst nicht funktioniert. Was ist Heimat, wenn nicht eine Zuflucht vor einer Angst, die du ohne sie nicht hättest?“ (S. 102)

Hier leben nun Liese, Cora und Eva: Großmutter, Mutter und Tochter - drei Generationen der Riessberger-Frauen, in der Zeit zwischen den 1960er-Jahren und heute. Es sind tatsächlich "riesige" Frauen, körperlich überragen sie alle anderen Frauen im Dorf deutlich, sind hager, blass, sommersprossig und rothaarig und damit schon äußerlich Ausnahmeerscheinungen, die nie Teil der Masse sein werden. Aber auch innerlich zeichnet die drei Frauen eine große Kraft aus: jeweils an die Zeitumstände angepasst, handelt es sich um mutige, selbstbestimmte und entschlossene Frauen, die auf ihre Weise jede für sich ihren Weg gehen.

Da ist Liese, deren Handlungsmöglichkeiten als Frau auf dem Dorf in den 1960er Jahren noch sehr begrenzt sind. Die eine lieblose Ehe mit dem Metzgerei-Erben Bernhard eingeht, von ihren Schwiegereltern verachtet wird und den Mann enttäuscht, als sie statt des gewünschten männlichen Erben "nur" eine Tochter zur Welt bringt: Cornelia, genannt Cora, lang, hager, blass und rothaarig wie die Mutter. Sie wird ihr einziges Kind bleiben, denn bald kommt Bernhard bei einem Unfall um, und so wird Liese die Tochter alleine großziehen und nebenbei gegen den Willen der Schwiegereltern für ihre Tochter die Metzgerei übernehmen, sich in einem fremden Betrieb und als Frau behaupten und gegen alle Widerstände damit erfolgreich sein.

Kraft gibt Liese der Wald, dem sie sich tief verbunden fühlt: „Man sieht es nicht, das Künstliche, der Wald hat sich seine Ungezähmtheit zurückgeholt. Wild und stur ist er, aber Liese findet ihn nicht bedrohlich. Ist er nicht. Nicht, wenn man ihn respektiert. Es ist, als hätte das dunkle Grün bei allen Schatten eine Wärme in sich. Man geht nicht verloren, im Wald, man wird bloß ein Teil von ihm.“ (S. 24)

Auch Cora hat es nicht leicht in Wittenmoos. Als Tochter einer Witwe und als großes, sommersprossiges, rothaariges Mädchen wird sie ausgeschlossen und gemobbt. Umso mehr bemüht sie sich, Stärke zu beweisen und die anderen zu beeindrucken: „Cora tut, was sie tut, nicht weil sie nicht anders kann, sondern weil sie kann. Wann immer sie denkt, dass sie sich nicht traut, traut sie sich einfach doch. Das hilft, irgendwie.“ (S. 137)

Cora träumt davon, das ungeliebte Dorf zu verlassen, auszubrechen, und die große Welt zu erkunden, und wird doch schließlich umständehalber dort hängenbleiben und ebenfalls als alleinerziehende Mutter ihre Tochter Eva dort aufziehen.

Eva nun hätte alle Möglichkeiten, das Dorf zu verlassen: doch, auch wenn auch sie groß, hager und rothaarig ist, ist sie im Gegensatz zu ihrer Mutter und Großmutter nun nicht mehr die Außenseiterin, sondern findet viele Freundinnen und Freunde, fühlt sich wohl in dem Dorf, liebt, wie ihre Großmutter, den Wald, und kann man den vielen Möglichkeiten, in die weite Welt zu reisen, die ihre Mutter so gerne vor ihr ausbreiten würde, wenig anfangen. Kurz unternimmt Eva als junge Erwachsene im Rahmen ihres Studiums und erster Beziehungen einen Ausflug in "die große weite Welt", studiert in einer größeren Stadt in Deutschland und führt eine Beziehung mit einem Mann aus sehr reichem Elternhaus, doch spürt dabei sehr deutlich, was nicht ihres ist, als sie ihren Partner in seinem Elternhaus besucht:

„Alles sieht so teuer aus, dass man nicht mehr atmen möchte, und Eva stellt sich vor, dass es irgendwo eine Tür gibt, eine versteckte, die in einen geheimen Teil des Hauses führt, mit Möbeln, auf denen man sitzen kann, und Dingen, die man anfassen darf.“ (S. 293)

Und so schließt sich der Kreis der Generationen: Eva liebt wie Liese den Wald, doch anders als diese fühlt sie sich auch in der Dorfgemeinschaft wohl und insgesamt in ihrem Heimatort zutiefst verwurzelt und angekommen. Sie erkennt, dass ihre Träume und Wünsche andere sind als die ihrer Mutter:

„Eva müsste das Gefühl haben, etwas zu verpassen, sie ist ja noch jung, aber das Gefühl kommt nicht. Es scheint alles richtig zu sein, wie es ist. Sie mag die Menschen, die sie umgeben, die unaufgeregt sind und freundlich, das macht der Wald mit ihnen. Sie mag, wenn sie selbst draußen ist, es fühlt sich jetzt anders an, alles eine Ahnung dessen, was sie erwartet, wo sie hingehört. Irgendwann wird sie ihren eigenen Wald haben, der unter ihren Händen und Augen wächst, jeden Tag zu etwas Neuem, er wird sich verändern, und sie wird ihn immer wiedererkennen und sich mit ihm verändern, denn das ist ihre Aufgabe.“ (S. 361)

So viele Themen werden in diesem Buch verhandelt: Ausgeschlossen-Werden und Dazugehören, sich selbst fremd oder verwurzelt fühlen, die eigene Wahl des Lebensweges und das, was das Schicksal uns bringt, Verbundenheit mit der Natur, Tochter-Mutter-Großmutter-Beziehungen, unkonventionelle Entscheidungen, der Mut zum Anpacken und vieles mehr.

Die Autorin zeigt ein feines Gespür für menschliche Charaktere und Verbindungen, für die Natur in all ihren Facetten genauso wie für Klassenunterschiede und das Gefühl des Nicht-Dazugehörens, aber auch das Glück, das damit verbunden ist, zu spüren, wo man sich zutiefst zu Hause und zugehörig fühlt.

Die vielen Zitate sollen zeigen, durch was für eine besondere, poetische und punktgenaue Sprache sich dieses Buch auszeichnet und dabei die Natur genauso wie die menschliche Psyche in all ihren Farben und Tiefen erlebbar und spürbar macht. Es ist ein zutiefst emotionales Buch auf hohem literarischem Niveau, das tief berührt. Damit gehört es für mich zu den allerbesten Büchern, die ich jemals gelesen habe, und ich kann es einer breiten Leserschaft absolut ans Herz legen! Hoffentlich werden wir von dieser talentierten Autorin noch viele weitere Werke genießen können.

Was bedeutet Heimat
von Ruth
Die Riesinnen, das sind die Riessberger- Frauen, Liese, Cora und Eva, drei Generationen einer Familie. Aus der Dorfgemeinschaft herausragen tun sie nicht nur wegen ihrer Größe und ihrem auffallenden Aussehen, sondern auch durch ihre Art. Eigenwillig, stark und unbequem stellen sie sich gegen Erwartungen von außen. Das macht sie zu Außenseitern in dem kleinen fiktiven Schwarzwalddorf Wittenmoos.
Es beginnt in den 1960er Jahren mit Liese. Die heiratet Bernhard, den Metzgersohn, der einmal die elterliche Metzgerei erben soll. Es ist keine Liebesheirat, das wird Liese bald bewusst. Still lebt das Paar nebeneinander her und heimlich träumt Liese vom Weggehen. Doch dafür fehlt ihr der Mut. Und als Liese ein Kind bekommt, da kennt sie ihren Platz. Tochter Cora ist ihr ganzes Glück, ihre Erfüllung. Für sie würde sie alles tun. Aber sie kann nicht verhindern, dass Bernhard seine Enttäuschung, nicht den gewünschten Stammhalter bekommen zu haben, das Mädchen gewaltsam spüren lässt. Da kommt bei Liese auch keine Trauer auf, als Bernhard bei einem Unfall ums Leben kommt.
Und sie fordert nun das, was ihr und ihrer Tochter zusteht: die Metzgerei. „Auch wenn sie dafür jemand sein muss, der sie noch nie war. Sie weiß nicht, ob sie das kann. Aber vielleicht muss sie es einfach herausfinden.“
Zielstrebig und mit unerbittlicher Willenskraft erobert sie sich eine Postion, die ihr niemand zugetraut hat. Das hat seinen Preis. Liese schuftet bis zum Umfallen, sie versagt sich vieles, auch Liebe und Freundschaften, wird hart und streng.
Doch als Cora nach dem Abitur weg will, steht sie ihrer Tochter nicht im Weg. Auch wenn sie sich vielleicht etwas anders gewünscht hätte .
„Wenn du gehen willst, dann geh, Kind. …Du kannst immer zurückkommen. Aber zwingen tu ich dich nicht.“
Cora will raus aus der dörflichen Enge, verständlich, denn von klein auf ist sie eine Außenseiterin. Das bekommt sie von allen Seiten schmerzhaft zu spüren. Aber Cora lässt sich nicht unterkriegen. Und nun lockt sie die weite Welt. Konkrete Pläne hat Cora nicht, nur weg.
Aber bald wird sie heimkommen, mit einem Baby im Bauch.
Dieses Kind wird keine Außenseiterin mehr sein im Dorf, obwohl sie wie Mutter und Großmutter die anderen mit ihrer Größe überragt, „aber sie zieht den Kopf nicht ein, und nicht einer sagt ein böses Wort.“
Eva soll den Absprung schaffen, raus aus dem Dorf, das wünschen sich Liese und Cora. Aber dort, in der großen Stadt, spürt Eva bald, dass sie hier nicht hergehört. Sie war und ist ein „Waldkind“. Und so zieht es sie zurück in den Schwarzwald.
Hannah Häffner hat mit ihren „Riesinnen“ wahrlich große Frauenfiguren geschaffen, Figuren, die in Erinnerung bleiben, einem ans Herz wachsen. Alle Drei sind auf der Suche nach ihrem Platz in der Welt, kämpfen dafür, treffen falsche und richtige Entscheidungen, sind zielbewusst und wandlungsfähig. Gerade in letzterem liegt ihre Kraft. Sie lassen sich nicht zerbrechen von widrigen Umständen ( „Manche Dinge bringen dich nur um, wenn du sie lässt.“) und vor allem sind sie sich gegenseitig Halt und Stütze. Sie haben nicht immer Verständnis füreinander, aber die Liebe zueinander bleibt.
Zentrales Thema im Roman ist die Frage nach den eigenen Wurzeln und dem, was Heimat ist. Enge oder Halt?
Dabei fallen viele kluge nachdenkenswerte Sätze: „ Zu Hause ist schließlich etwas anderes als daheim. Zu Hause kann sich ändern, daheim bleibt.“ Oder : „Was ist falsch an Wurzeln? Sie halten dich, das ist es, das ist ihr Fehler und das einzig Sinnvolle, was sie tun.“
Während Liese und Cora sich lange gefangen fühlen in der dörflichen Enge, beweist Eva, dass man nicht weggehen muss, um sich selbst zu finden.
Der Schwarzwald ist dabei die heimliche Hauptfigur. In unzähligen Variationen wird er beschrieben, immer realistisch, nie kitschig. Dafür findet die Autorin viele Bilder und lässt ihn mal wunderschön, dann wieder düster und geheimnisvoll erscheinen. Für alle drei Frauen ist der Wald Rückzugsort und Kraftquelle zugleich.
Die gesellschaftlichen Veränderungen machen auch vor dem Dorf nicht Halt, obwohl sich dort die Dinge nur langsam ändern. Auch das beschreibt der Roman.
Erzählt wird das alles in einer außergewöhnlichen Sprache, bilderreich, voller Poesie und in einer beeindruckenden Klarheit. Das alles entwickelt eine Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann. Der Erzählstil ist ruhig und sachlich, für jede Figur findet die Autorin einen eigenen Ton. Mit großer Beobachtungsgabe fühlt sie sich ein in deren Gefühlswelt.
So ist Hannah Häffner mit „Die Riesinnen“ ein großartiger Roman gelungen, den ich unbedingt empfehlen kann. Für mich jetzt schon ein Highlight im neuen Bücherjahr!

Drei starke Frauen im Schwarzwald
Schauplatz dieses Romans ist Wittenmoos, ein kleines Dorf im Schwarzwald. Es ist die Heimat dreier Frauen, dreier Generationen: Liese, Cora und Eva. Schon optisch sind sie anders als alle anderen Menschen in Wittenmoos, schon das ist genug, um sie zu Außenseitern zu machen - und es gibt noch mehr Dinge, die dafür sorgen, dass sie nicht dazugehören, dass sie gemieden werden.
Dennoch ist Weggehen keine bzw. keine dauerhafte Option, denn es ist ihre Heimat, sie sind hier verwurzelt, sie lieben den Schwarzwald.
Der Roman beleuchtet das Leben dieser drei Frauen über Jahrzehnte hinweg, von den 60er Jahren bis in die Gegenwart.
Hannah Häffners Schreibstil und Sprache, diese Schönheit, dieses Poetische, all diese Gedanken, Erkenntnisse und Weisheiten haben mich von der ersten Seite an begeistert, und schon deshalb lohnt sich die Lektüre dieses Romans.
Es sind starke Frauen, die viel erleiden müssen und doch alle Schwierigkeiten meistern, die viel träumen und viel sehnen und dann doch weiter wurzeln oder sich gar zu ihrer Heimat bekennen - und auch die Natur spielt hier eine große Rolle; auch sie, auch der Schwarzwald machen diesen Roman aus.
Ich habe "Die Riesinnen" sehr gerne gelesen, denn es ist auch ein Roman, der viele Denkprozesse beim und im Leser anstößt. Es ist keine Geschichte, die man mal eben nebenbei lesen kann, sondern eine, für die man sich Zeit nehmen, die man auf sich wirken lassen, über die man nachdenken muss. Gerade das hat mir ebenfalls sehr gut gefallen.
Doch leider gibt es auch Kritikpunkte: ich hatte zwischendurch das Gefühl, dass es die ein oder andere Länge gibt.
Cora blieb mir leider völlig fremd und distanziert, ich konnte keine Verbindung zu ihr aufbauen.
Und ich hätte gerne noch mehr Antworten auf offene Fragen bekommen.
Doch insgesamt ist "Die Riesinnen" ein sehr guter und lesenswerter Roman und sehr empfehlenswert für alle, die sprachlich hervorragende, fast schon poetische Romane voller Weisheiten sowie Romane, in deren Mittelpunkt starke Frauen und die Natur stehen, mögen.

ruhiger Roman über starke Frauen
von div
ruhiger Roman über starke Frauen

„Die Riesinnen“ von Hannah Häffner ist ein ruhiges, aber dennoch sehr eindrucksvolles Buch.
Liese, Cora, Eva - drei Frauen, die in einem Dorf leben, und herausstechen. Das Buch hält viele Schicksalsschläge bereit, aber auch viel Kraft.
Schon nach dem ersten Teil merkt man, dass es nicht nur um eine Geschichte geht, sondern um Gefühle, die viele Menschen kennen. Die Riesinnen stehen für Sorgen, Ängste und innere Lasten, die manchmal so groß werden, dass sie einen überwältigen.
Teilweise finde ich das Ausgangsszenario der Frauen für das Buch aber nicht ganz gelungen - es wirkt daher etwas unglaubwürdig.

Hannah Häffner hat einen sehr besonderen Schreibstil, der das Buch für mich auch sehr besonders gemacht hat. Die Sprache ist ruhig, poetisch und leicht zu lesen. Die Stimmung im Buch ist oft melancholisch, aber nicht hoffnungslos. Ich habe mich beim Lesen immer wieder nachdenklich gefühlt und musste über mein eigenes Leben nachdenken.

Die Riesinnen
Die Riesinnen, das sind drei Generationen von Frauen in einem Dorf im Schwarzwald. Liese, Cora und Eva sind groß und hager und haben störrisches Haar. Mit einer poetischen und kraftvollen Sprache erzählt die Autorin die Geschichten der drei Frauen, die eigensinnig und stark sind. Mit Feingefühl beschreibt Hannah Häffner Familienstrukturen, Heimat und Freiheit, die Liebe zum Wald, die Suche nach sich selbst und dem Platz im Leben. Empfehlung!

Die Riesinnen
Liese ist die erste, die sie die Riesin nennen. Sie ist groß und dünn und stark. Und stark ist auch ihr Wille. In dem kleinen Dorf im Schwarzwald will sie sich nicht unterkriegen lassen. Sie wird ihren Weg gehen, auch wenn sie kein Verständnis dafür finden wird. Cora, ihre Tochter ist die nächste Riesin. Auch sie ist auf ihre Weise unangepasst, versucht auszubrechen und kehrt wieder zurück. Und dann ist da noch Eva, Coras Tochter, die dritte Riesin. Anders wieder als ihre Mutter und Großmutter, und doch so ähnlich. Von drei Generationen von eigenwilligen Frauen erzählt dieser Roman eigenwillig und doch auf eine ganz besondere Art berührend.

Die Riesinnen
„Man muss einen Ort nicht lieben, um ihn nicht loszuwerden; wohin man gehört, entscheidet man schließlich nicht selbst. Man steuert seine Wurzeln nicht, sie suchen sich selbst ihr Stück Erde, und man muss dann damit leben."

An einem solchen Ort, in einem kleinen Dorf inmitten des ungezähmten Schwarzwalds spielt die Geschichte, die sich über drei Generationen erstreckt.
Da ist Liese, aus der mal jemand schlau werden müsste, bei der jedes Wort eine Entscheidung ist und deren Rückgrat man gerne hätte.
Ihre Tochter Cora, deren Mundwerk man sich wünscht, und die sich selber nichts mehr wünscht als wegzukommen aus diesem Dorf inmitten der Wiesen, schön wie für eine Postkarte, wo man die Lügen nicht sieht, nicht die Wunden. „Wie soll ein Leben, das so groß hätt werden können, das schon dabei war, groß zu werden, in dieses Dorf passen.“
Und Eva, Lieses Enkelin – das Waldkind –, die erkennt, dass es nur etwas Gutes sein kann, wenn Heimat etwas ist, für das man sich entscheidet. Die hierhin gehört, „als hätte sie irgendwann jemand vorsichtig aus dem Grün gelöst, aber an den Wurzeln war noch Erde, die ganze Zeit.“


Es gibt ja ganz viele Autorinnen, die so schreiben, wie man selber auch schreiben würde, wenn man es denn könnte und täte.
Und dann gibt es die mit dieser ganz eigenen, ganz besonderen, speziellen Sprache, zum Beispiel Katharina Köller oder Mareike Fallwickl.
Und jetzt eben Hannah Häffner!
Ihre Sprache ist so bildgewaltig, dass ich mit dem Anstreichen von wunderschönen, nachdenklich machenden Sätzen kaum noch aufhören wollte.
Toll fand ich auch den Bruch in der Sprache bzw. die Veränderung, denn die Kapitel, in denen es um Cora geht bzw. die aus ihrer Sicht erzählt sind, sind viel nüchterner, viel härter als die von Liese.
Überhaupt ist Liese die Riesin, die mir am meisten bedeutet, ihre Geschichte ist wunderschön und traurig und macht einen stellenweise auch so unglaublich wütend.
Erst ganz zum Schluss begreift man, warum Liese ein einziges Mal jemand sein musste, der sie noch nie war, und das lässt sie dann in der Rückschau gleich noch viel stärker wirken.

Aber auch Cora ist sehr beeindruckend, vor allem als Kind, das unbeirrt seinen Weg geht, sich nichts sagen lässt, das sich wehrt.
„Cora straft alle menschlichen Erwartungen Lügen, lässt sich keine Angst in den Körper prügeln. Sie bleibt störrisch, zu ihrem eigenen Glück und Nachteil. Liese versucht sie zu schützen, so gut sie kann, und dazu gehört auch der Versuch, Cora unsichtbar werden zu lassen, und still, aber Cora wird nichts davon.“

Ich habe keine Ahnung, welch tolle Bücher in diesem Jahr noch kommen, aber ein Highlight sind die Riesinnen definitiv.
Hannah Häffner und ihren Riesinnen wünsche ich, dass sie allen anderen Buchhändlerinnen genauso ans Herz wachsen wie mir, ihnen genau so unvergessen bleiben – und vielleicht sogar auf der Liste für einen Buchpreis landen.
Verdient hätten es „Die Riesinnen“, weil sie so außergewöhnlich sind.

Schwarzwald
Ein starkes Buch über drei große, eigensinnige Frauen, die ihre Leben trotz vieler Widrigkeiten meistern und tiefverwurzelt mit ihrer Heimat sind und zusammenhalten. Die außergewöhnliche, klare Sprache mit atmosphärischen Beschreibungen sind beeindruckend. Lesenswert!

Riesiges Lesevergnügen
Liese, Cora, Eva - Mutter, Tochter, Enkelin. Nicht nur weil sie groß, dünn und rothaarig sind, passen sie nicht so recht in das kleine Dorf im Schwarzwald.
Dennoch ist jede von ihnen hier zu Hause, hier verwurzelt. Wie sehr, das lernen sie auf teils schmerzhafte Art und Weise, aber immer können sie sich aufeinander verlassen.
Vom ersten Satz weg ist man in diesem Roman daheim, der Erzählton und die Sprache sind ein Fest für den Leser.
Mit diesem Buch startet man gerne in den Lesefrühling - große Empfehlung!