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Daniel GlattauerIn einem Zug

Roman

E-Book (EPUB)

DUMONT Buchverlag (2025)

208 Seiten

ISBN 978-3-7558-1073-5

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Hauptbeschreibung
Eduard Brünhofer, ehemals gefeierter Autor von Liebesromanen, sitzt im Zug von Wien nach München. Nicht unbedingt in der Absicht, sich mit der Frau frühen mittleren Alters im Abteil zu unterhalten. Schon gar nicht in der Absicht, mit ihr über seine Bücher zu sinnieren. Erst recht nicht in der Absicht, über seine Ehejahre mit Gina zu reflektieren. Aber Therapeutin Catrin Meyr, die Langzeitbeziehungen absurd findet, ist unerbittlich. Sie will mit ihm über die Liebe reden. Dabei gerät der Schriftsteller gehörig in Zugzwang.

»Was befähigt einen Autor, über die Liebe zu schreiben?«, fragt sie.
»Ihre Frage ist klüger als jede Antwort darauf«, erwidere ich.
»Danke. Probieren Sie es trotzdem.«

»Wir haben so viel Spaß wie 2006 bei Daniel Glattauers Riesenerfolg ›Gut gegen Nordwind‹.« Elke Heidenreich, BUNTE

»Einer der zauberhaftesten und klügsten Liebesdialoge der Gegenwartsliteratur« DER SPIEGEL über ›Gut gegen Nordwind‹


Eine sehr persönliche Reise
Ich habe das Gefühl, dass Autor Daniel Glattauer polarisiert. Also nicht er als Person, aber seine Bücher. Entweder man liebt sie oder man kann so gar nichts mit ihnen anfangen. Ich gehöre eigentlich zu der ersten Gruppe, außer bei "Darum". Dies ist eines der wenigen Bücher, das ich nicht fertiglesen konnte.
In den letzten Jahren habe ich eher ältere Werke Glattauers noch einmal gelesen und mich von seinen Neuerscheinungen ein wenig ferngehalten. Warum dies der Fall war, kann ich gar nicht sagen, es hat sich einfach so ergeben. Umso mehr habe ich mich jetzt gefreut wieder mal ein neues Werk von ihm zu lesen. Noch dazu eines, von dem Glattauer selbst sagt, dass es sein bisher autobiographischstes ist. Ich war also mehr als nur gespannt was mich erwartet.
Wie auch bei vielen anderen seiner Bücher ist die Seitenanzahl eher überschaubar. In der Kürze liegt die Würze könnte man sagen. Auch bereits von ihm bekannt, es passiert eigentlich nicht viel in dem Buch. Wobei die Betonung hier definitiv auf dem Wort "eigentlich" liegt. Es gibt im Prinzip nur einen Handlungsort, okay stimmt nicht ganz, es sind zwei. Großteils spielt das Buch aber, wie es der Titel bereits verrät, im Zug.
Ein in die Jahre gekommener Autor und eine Frau frühen mittleren Alters sitzen zufälligerweise zusammen in einem Zugabteil auf dem Weg von Wien nach München. Also zumindest der Autor, Eduard Brünhofer, fährt nach München, wohin es die Dame führt, ist zu Beginn noch unklar. Die beiden kommen ins Gespräch, ganz zwanglos zuerst, wie es einem nun mal auf Zugreisen passieren kann, wenn man längere Zeit in einem Abteil zusammensitzt. Doch so wie der Zug langsam eine Station nach der anderen durchfährt, durchläuft auch das Gespräch mehrere Phasen und ist schon bald nicht mehr einfach nur belangloser, ungezwungener Smalltalk.
Den Ausspruch Glattauers zum Thema autobiographisches Werk habe ich erst nach Beendigung des Buches gelesen. Dieser hat mich in meiner persönlichen Einschätzung des Buches bestärkt. Denn von der ersten Seite weg hatte ich das Gefühl, viel von dem Autor selbst in seiner Romanfigur zu entdecken.
Die Gespräche von Eduard Brünhofer und Catrin Meyr drehen sich bis zu einem gewissen Grad im Kreis und lassen manchmal ein klein wenig Tiefe vermissen. Die Ausführungen zum Thema Alkohol, noch dazu in Kombination damit, dass Eduard und Catrin, das eine oder andere Glas während ihrer Reise trinken, mag dem einen oder der anderen sauer aufstoßen. Auch sind die beiden Charaktere für mich nicht unbedingt Sympathieträger. Catrins ständiges Herumreiten auf gewissen Punkten und Eduards immer wieder kehrendes analysieren ihres Lächelns kann einen anöden. Für mich macht aber die Summe dieser Punkte, so komisch es vielleicht auch klingen mag, seinen Reiz aus. Alles wirkt ein wenig echter, authentischer und realer.
Beide Protagonisten sind meilenweit davon entfernt perfekt zu sein. Sie sind einfach nur zwei Menschen, die sich zufällig zur gleichen Zeit, im gleichen Zug befinden.
Meiner Meinung nach hat Daniel Glattauer hier wieder ein sehr gutes Buch abgeliefert. Den unvermeidlichen Vergleich mit "Gut gegen Nordwind" schenke ich mir jetzt an dieser Stelle. Denn Daniel Glattauer ist mehr als nur "Gut gegen Nordwind", sowie Eduard mehr als nur ein Liebesroman Autor ist und Catrin mehr als nur eine Therapeutin.

Zwei Fremde im Gespräch
von peedee
Eduard Brünhofer, gefeierter Autor von Liebesromanen – eigentlich müsste ich sagen, ehemals gefeierter Autor, denn er hat schon lange nichts mehr veröffentlicht –, sitzt im Zug von Wien nach München. Er ist nicht der grosse Redner, sondern eher der Schweiger, Nicker. Doch die jüngere Frau, die sich als Catrin Meyr vorstellt und ihm schräg gegenüber sitzt, sieht das anders: Sie will sich mit ihm unterhalten, und zwar über die Liebe. Und was sie will, das kriegt sie auch. Es wird eine lange und unangenehme Reise werden, sofern sie nicht bald aussteigt…

Erster Eindruck: Mir gefällt die zweifache Interpretationsmöglichkeit des Buchtitels.

Grundsätzlich ist man ja höflich, auch im Umgang mit fremden Menschen. Daher kann man der Passagierin, die in Eduards Abteil Platz nehmen will, diesen nicht verweigern. Und leider kann er ihr auch nicht das kurzum begonnene Gespräch ausreden. Er hofft, dass sie – wie die jungen Leute heute eben so sind – kurzum ihr Handy zücken und im World-Wide-Web versinken wird. Aber nein. Catrin hat anderes im Sinn. Als sie von ihm erfährt, dass er seit vielen Jahren glücklich verheiratet ist, will sie alles über ihn, seine Frau Regina – genannt Gina – und die Liebe im Allgemeinen wissen. Wie kam es, dass er sich ausgerechnet dem Genre Liebesroman verschrieben hat? Und wie ist seine Frau so? Was hält sie davon, dass er auch mal „heisse“ Szenen beschreibt? Und so weiter und so fort.

„Ich liebe zwar die Menschen, ich liebe sie wirklich, aber eher schriftlich und durchaus in ihrer Abwesenheit.“

Das Buch (bzw. Büchlein) hat sich flüssig lesen lassen und war aufgrund des geringen Umfangs sehr schnell beendet. Die Geschichte war amüsant, unterhaltsam und bot auch Überraschendes. Am meisten erstaunt war wohl Eduard, als er plötzlich Gefallen an diesem Gespräch fand. Mir hat die lesetechnische Reise von Wien nach München sehr gut gefallen und daher vergebe ich gerne 4 Sterne.

Auf Schiene
Der bekannte Schriftsteller Eduard Brünhofer muss rasch sein neues Werk auf Schiene bringen, um dem Vorschuss vom Verlag gerecht zu werden. Hierfür begibt er sich in einen Zug von Wien-Hütteldorf Richtung München Hauptbahnhof – und trifft auf „eine Frau frühen mittleren Alters“ (kindle, Pos. 35). Obwohl er ungerne spricht, wird er in einen Dialog verstrickt, den wir im Folgenden lesen dürfen.

Eine gesamte Zugfahrt lang, nämlich von Wien nach München, zeigt Catrin Meyr Interesse an ihrem zufälligen Reisebegleiter, der ihr im Viererabteil schräg gegenüber sitzt. Mit einer spannenden Verquickung aus Gespräch mit Meyr und eigenen Gedanken Brünhofers versetzt Glattauer den Leser in die Lage des Beobachters und Zuhörers einer spannenden Bahngeschichte, die unglaublich gut unterhält, obwohl sie so einfach gestrickt ist – oder auch gerade deswegen. Humorvoll, selbstironisch, ein wenig autobiografisch (?) kommt dieses Bahngeplänkel daher und zaubert auch dem Leser da und dort ein Schmunzeln ins Gesicht. Heitere Momente, nachdenkliche Sätze, persönliche, ja fast aufdringliche Fragen lassen diese Reise kurzweilig dahingleiten, mitunter einen Stopp einlegen in manch einer Station wie Amstetten oder Attnang-Puchheim und nach kurzen Dehnübungen die beiden Hauptfiguren und gleichsam den Leser weiterreisen bis zum erquickenden Zielbahnhof, der noch für eine besondere Überraschung gut ist.

Dieses schmale, aber umso vergnüglichere Büchlein ist nicht nur Stationsführer von da nach dort, nein, die Reise mit zwei, mitunter auch drei Gästen im Viererabteil ist auch für den Leser eine erbauenden und erquickliche Reise zum Geheimnis von glücklichen Langzeitbeziehungen – oder gibt es etwa gar kein Geheimnis? Leseempfehlung!