Rezensionen
Rezensionen von niki
Autor: Kate Chopin
Einer der ersten amerikanischen feministischen Romane - 5 Sterne
Wir befinden uns im ausgehenden 19. Jahrhundert. Edna Pontellier verbringt den Sommer mit ihrer Familie auf Grand Isle, einer Insel bei New Orleans. Sie hat einen sehr wohlhabenden Mann, Léonce Pontellier, in sehr jungen Jahren geheiratet und mit ihm zwei kleine Kinder. Es ist eine typische Ehe dieser Zeit: patriarchale Strukturen, aus Vernunft geheiratet, emotionslos, aber nicht unbedingt schlecht.
Mit den Gesprächen der Frauen im Urlaub, die sich nur um Kinder, Ehemänner und Haushalt drehen, kann sie kaum mehr etwas anfangen. Sie verbringt viel Zeit mit Robert Lebrun, dem Sohn der Vermieterin und verliebt sich in ihn. Von einem auf den anderen Tag reist Robert ab und verreist für unbestimmte Zeit nach Mexiko. Er weiß, dass diese Liebe nicht sein darf.
Nach der Rückkehr aus dem Sommerurlaub kann Edna nicht mehr in ihren Alltag zurückkehren und bricht aus den ehelichen Strukturen aus. Sie richtet kein Dinner für die Geschäftsfreunde ihres Mannes aus, die Kinder werden zu den Großeltern gebracht und sie beginnt zu malen.
Ein Roman, der mir sehr gut gefallen hat. Ednas Handlungen und Gedanken sind aus heutiger Sicht so nachvollziehbar – damals skandalös. Eine Frau, die nach Jahren feststellt, dass für sie das Lebenskonzept „Kinder, Haushalt und Ehemann“ nicht länger erfüllend ist.
Der Roman erschien 1899 in Amerika und war eine Revolution in Anbetracht der damaligen Konventionen. Im deutschsprachigen Raum wurde er erstmals 1978 veröffentlicht.
Heute gehört der Roman insbesondere in Amerika zum Kanon der feministischen Literatur.
Aus dem amerikanischen Englisch von Melanie Walz und einem sehrklugen Nachwort von Barbara Kingsolver
Mit den Gesprächen der Frauen im Urlaub, die sich nur um Kinder, Ehemänner und Haushalt drehen, kann sie kaum mehr etwas anfangen. Sie verbringt viel Zeit mit Robert Lebrun, dem Sohn der Vermieterin und verliebt sich in ihn. Von einem auf den anderen Tag reist Robert ab und verreist für unbestimmte Zeit nach Mexiko. Er weiß, dass diese Liebe nicht sein darf.
Nach der Rückkehr aus dem Sommerurlaub kann Edna nicht mehr in ihren Alltag zurückkehren und bricht aus den ehelichen Strukturen aus. Sie richtet kein Dinner für die Geschäftsfreunde ihres Mannes aus, die Kinder werden zu den Großeltern gebracht und sie beginnt zu malen.
Ein Roman, der mir sehr gut gefallen hat. Ednas Handlungen und Gedanken sind aus heutiger Sicht so nachvollziehbar – damals skandalös. Eine Frau, die nach Jahren feststellt, dass für sie das Lebenskonzept „Kinder, Haushalt und Ehemann“ nicht länger erfüllend ist.
Der Roman erschien 1899 in Amerika und war eine Revolution in Anbetracht der damaligen Konventionen. Im deutschsprachigen Raum wurde er erstmals 1978 veröffentlicht.
Heute gehört der Roman insbesondere in Amerika zum Kanon der feministischen Literatur.
Aus dem amerikanischen Englisch von Melanie Walz und einem sehrklugen Nachwort von Barbara Kingsolver
von Nicole Koppandi - 2026-06-22 19:19:00
Autor: Paul Auster; Paul Karasik; Lorenzo Mattotti; David Mazzucchelli
Sehr gelungene Graphic Novel Adaption - 5 Sterne
Habe gerade die Ghost Stories von Siri Hustvedt gelesen und da hatte es sich angeboten, Paul Austers New York Trilogie wieder zu lesen. Als “Prosa“-Lektüre habe ich mir die Trilogie schon vor ca 20 Jahren zu Gemüte geführt, wobei ich heute wenig Erinnerung daran habe, außer dass es ein absolut geniales Buch war. Diese Graphic Novel-Adaption von „Stadt aus Glas“, „Schlagseiten“ und „Hinter verschlossenen Türen“ ist aber jedenfalls bestens geeignet den Inhalt wieder aufzufrischen.
Alle drei Detektivgeschichten sind so anders und gerade deshalb so besonders – jede einzeln inhaltlich zu beschreiben, würde hier den Rahmen sprengen. Nur so viel: jede Geschichte ist genial, surreal und unglaublich gut durchdacht. Die Stimmung ist düster und irgendwie unheimlich, weil die Protagonisten verstricken sich in Obsessionen einerseits und sind andererseits immer einsam. Dabei steigern sie sich gedanklich rein und schon nehmen die Dinge ihren Lauf.
Die Zeichnungen sind alle in schwarz-weiß gehalten, jedoch hat jede der drei Geschichten einen eigenen Stil.
Paul Karasik und David Mazzucchelli ist eine großartige Adaption gelungen, die gut mit dem Original mithalten kann.
Der Standard schreibt in seiner Kritik: „[…] Die literarischen Vorlagen werden in der Comicinszinierung der New-York-Trilogie niemals nur abgebildet, sondern erweitert und in einem ästhetischen Dialog in visuelle Allegorien und eine neue bildliche Sprache übersetzt“ – ich könnte keine besseren Worte zur Charakterisierung dieser Graphic Novel-Adaption finden.
Große Empfehlung!
Aus dem Englischen von Joachim A. Frank
Alle drei Detektivgeschichten sind so anders und gerade deshalb so besonders – jede einzeln inhaltlich zu beschreiben, würde hier den Rahmen sprengen. Nur so viel: jede Geschichte ist genial, surreal und unglaublich gut durchdacht. Die Stimmung ist düster und irgendwie unheimlich, weil die Protagonisten verstricken sich in Obsessionen einerseits und sind andererseits immer einsam. Dabei steigern sie sich gedanklich rein und schon nehmen die Dinge ihren Lauf.
Die Zeichnungen sind alle in schwarz-weiß gehalten, jedoch hat jede der drei Geschichten einen eigenen Stil.
Paul Karasik und David Mazzucchelli ist eine großartige Adaption gelungen, die gut mit dem Original mithalten kann.
Der Standard schreibt in seiner Kritik: „[…] Die literarischen Vorlagen werden in der Comicinszinierung der New-York-Trilogie niemals nur abgebildet, sondern erweitert und in einem ästhetischen Dialog in visuelle Allegorien und eine neue bildliche Sprache übersetzt“ – ich könnte keine besseren Worte zur Charakterisierung dieser Graphic Novel-Adaption finden.
Große Empfehlung!
Aus dem Englischen von Joachim A. Frank
von Nicole Koppandi - 2026-06-18 05:31:00
Autor: Mooses Mentula
Zwischen Kriegstrauma und Neuanfang - 5 Sterne
Finnland in der Nachkriegszeit.
Vilho und seine Frau Elsa versuchen nach dem Krieg in Toiviokoski ein gemeinsames Leben aufzubauen, fern ihrer Heimat. Toiviokoski ist jene Stadt, in der eine Papierfabrik vielen Menschen Arbeit gibt und somit eine Chance auf ein Leben ohne große Entbehrungen.
Vilho ist Kriegsveteran, er hat seinen linken Arm verloren und weiß, wie schwer es sein wird, die körperlich schwere Arbeit in der Fabrik zu schaffen.
Elsa unterstützt ihn, wie es nur möglich ist, und stellt keine Ansprüche ans Leben. Sie ist das Mädchen aus der Nachbarschaft, deren Vater eigentlich einen anderen, besseren Mann für sie vorgesehen hatte.
In Rückblenden und Träumen wird Vilho immer wieder vom Krieg eingeholt, nur Tabletten helfen ihm das alles zu überstehen – mental und körperlich. Es stellt diese Abhängigkeit jedoch ein weiteres Problem dar. Mit einem Vorrat an Pillen kommt er anfangs noch gut in Toiviokoski aus, später muss er bei Dealern seine Ersparnisse dafür umsetzen.
Für mich ist das jener Bereich, der besonders stark im Roman erzählt wird: das sich Anstrengen und alle anderen Arbeitern gleichwertig sein wollen, und andererseits das Kompensieren des fehlenden Arms und das Verstecken der Medikamentensucht, denn ohne Medikamente würde er die Schmerzen bei der Arbeit nicht ertragen. Auch die Albträume und Bilder im Kopf nicht aushalten, die der Krieg verursachte, er seinen sterbeneden Freund zurückließ und zum Verlust des linken Armes führten.
Es ist eine glaubwürdige Geschichte, die genauso gewesen sein könnte nach dem Krieg und dem Wiederaufbau. Ein beeindruckender Roman, der während des Lesens unter die Haut geht und lange im Gedächtnis bleibt. Ich konnte mich so gut in die Erzählung hineinversetzen, sah alles plastisch vor mir – großartiger Roman.
Absolute Empfehlung
Vilho und seine Frau Elsa versuchen nach dem Krieg in Toiviokoski ein gemeinsames Leben aufzubauen, fern ihrer Heimat. Toiviokoski ist jene Stadt, in der eine Papierfabrik vielen Menschen Arbeit gibt und somit eine Chance auf ein Leben ohne große Entbehrungen.
Vilho ist Kriegsveteran, er hat seinen linken Arm verloren und weiß, wie schwer es sein wird, die körperlich schwere Arbeit in der Fabrik zu schaffen.
Elsa unterstützt ihn, wie es nur möglich ist, und stellt keine Ansprüche ans Leben. Sie ist das Mädchen aus der Nachbarschaft, deren Vater eigentlich einen anderen, besseren Mann für sie vorgesehen hatte.
In Rückblenden und Träumen wird Vilho immer wieder vom Krieg eingeholt, nur Tabletten helfen ihm das alles zu überstehen – mental und körperlich. Es stellt diese Abhängigkeit jedoch ein weiteres Problem dar. Mit einem Vorrat an Pillen kommt er anfangs noch gut in Toiviokoski aus, später muss er bei Dealern seine Ersparnisse dafür umsetzen.
Für mich ist das jener Bereich, der besonders stark im Roman erzählt wird: das sich Anstrengen und alle anderen Arbeitern gleichwertig sein wollen, und andererseits das Kompensieren des fehlenden Arms und das Verstecken der Medikamentensucht, denn ohne Medikamente würde er die Schmerzen bei der Arbeit nicht ertragen. Auch die Albträume und Bilder im Kopf nicht aushalten, die der Krieg verursachte, er seinen sterbeneden Freund zurückließ und zum Verlust des linken Armes führten.
Es ist eine glaubwürdige Geschichte, die genauso gewesen sein könnte nach dem Krieg und dem Wiederaufbau. Ein beeindruckender Roman, der während des Lesens unter die Haut geht und lange im Gedächtnis bleibt. Ich konnte mich so gut in die Erzählung hineinversetzen, sah alles plastisch vor mir – großartiger Roman.
Absolute Empfehlung
von Nicole Koppandi - 2026-05-28 06:05:00
Autor: Nicole List
Nicole List gibt Erfahrungen eine Sprache, über die lange geschwiegen wurde - 5 Sterne
Was für ein kluges und sehr persönliches Buch hat Nicole List geschrieben. Und nein, das schreibe ich nicht, weil sie meine Freundin ist. Man könnte denken, ich kann ja nicht anders, als positiv über das Buch zu schreiben – aber so ist es nicht.
Ich schreibe positiv über diesen Essay, weil ich in einer Generation aufgewachsen bin, in der auch ich die Erfahrung gemacht habe, dass Männer grenzüberschreitend waren und ein unangenehmes Gefühl auslösten. Ich lernte jedoch nicht sensibel dafür zu sein, dass dies nicht in Ordnung ist, sondern es wurde nie thematisiert, zur Sprache gebracht oder sonst darüber geredet. Fast war es so, dass uns gesagt wurde „freu dich doch über das Kompliment“ oder „dem gefällst halt“. Wir haben bei und zu Grenzverletzungen gelächelt, obwohl es uns unangenehm war. Man hat es ad acta geschoben, obwohl diese Ängste und unangenehmen Gefühle gegenüber Männern in vielen Situationen absolut bekannt waren – trotzdem hat niemand darüber nachgedacht, es war halt so.
Daher bin ich Nicole dankbar (wie vielen anderen jungen Autor*innen), dass sie uns als vorhergehende Generation sensibilisieren. Es gelingt ihr vielmehr persönlich erlebte singuläre Erfahrungen zu solchen für alle Frauen zu machen und in besonderer Weise uns alle zu sensibilisieren.
Ich war bei der großartigen Premierenlesung im überfüllten Literaturhaus anwesend und hatte beim Lesen ihre Stimme im Ohr und sie selbst sprechen hören.
Ich habe den Essay ausschließlich in der U-Bahn und Straßenbahn gelesen und es war schon ein komisches Gefühl, wenn Männer neben mir saßen und auf den Buchtitel und dann auf mich geschaut haben. Solche Gefühle hatte ich nicht, wenn Frauen auf den Titel des Buches sahen. Auch das eine spezielle Erfahrungen, die vielleicht Bewusstsein schafft.
Es benötigt genau solche Bücher von jungen Frauen über verletzende Ereignisse, die in ihrer banal-bösen kruden Alltäglichkeit hier nicht thematisch wiederholt oder gar ausgebreitet werden müssen. Ihr besondere Wert liegt darin, die erzählten Erfahrungen uns alle sensibilisieren. Männer sollte dieses Buch auch lesen, damit sie (besser) verstehen, welches Verhalten uns Angst vor Männern macht.
Meine liebe Nicole, ich gratuliere dir sehr herzlich zu dem Erfolg und wünsche dir, dass deine Geschichte von vielen Leser*innen auf- und wahrgenommen wird.
Ich schreibe positiv über diesen Essay, weil ich in einer Generation aufgewachsen bin, in der auch ich die Erfahrung gemacht habe, dass Männer grenzüberschreitend waren und ein unangenehmes Gefühl auslösten. Ich lernte jedoch nicht sensibel dafür zu sein, dass dies nicht in Ordnung ist, sondern es wurde nie thematisiert, zur Sprache gebracht oder sonst darüber geredet. Fast war es so, dass uns gesagt wurde „freu dich doch über das Kompliment“ oder „dem gefällst halt“. Wir haben bei und zu Grenzverletzungen gelächelt, obwohl es uns unangenehm war. Man hat es ad acta geschoben, obwohl diese Ängste und unangenehmen Gefühle gegenüber Männern in vielen Situationen absolut bekannt waren – trotzdem hat niemand darüber nachgedacht, es war halt so.
Daher bin ich Nicole dankbar (wie vielen anderen jungen Autor*innen), dass sie uns als vorhergehende Generation sensibilisieren. Es gelingt ihr vielmehr persönlich erlebte singuläre Erfahrungen zu solchen für alle Frauen zu machen und in besonderer Weise uns alle zu sensibilisieren.
Ich war bei der großartigen Premierenlesung im überfüllten Literaturhaus anwesend und hatte beim Lesen ihre Stimme im Ohr und sie selbst sprechen hören.
Ich habe den Essay ausschließlich in der U-Bahn und Straßenbahn gelesen und es war schon ein komisches Gefühl, wenn Männer neben mir saßen und auf den Buchtitel und dann auf mich geschaut haben. Solche Gefühle hatte ich nicht, wenn Frauen auf den Titel des Buches sahen. Auch das eine spezielle Erfahrungen, die vielleicht Bewusstsein schafft.
Es benötigt genau solche Bücher von jungen Frauen über verletzende Ereignisse, die in ihrer banal-bösen kruden Alltäglichkeit hier nicht thematisch wiederholt oder gar ausgebreitet werden müssen. Ihr besondere Wert liegt darin, die erzählten Erfahrungen uns alle sensibilisieren. Männer sollte dieses Buch auch lesen, damit sie (besser) verstehen, welches Verhalten uns Angst vor Männern macht.
Meine liebe Nicole, ich gratuliere dir sehr herzlich zu dem Erfolg und wünsche dir, dass deine Geschichte von vielen Leser*innen auf- und wahrgenommen wird.
von Nicole Koppandi - 2026-05-25 20:19:00
Autor: Barbara Kadletz
Wenn Swing zum Widerstand wird: Die Geschichte der Schlurfs - 5 Sterne
Ich konnte mir unter „Schlurfs“ nichts vorstellen, bis ich zur Prämierenlesung ins Literaturhaus ging und mir von Barbara Kadletz und Jorghi Poll „alles“ über Schlurfs bei der großartigen Prämierenlesung erzählen lies.
Schlurf ist die abwertende Bezeichnung für Jugendliche aus dem Arbeiter*innenmilieu, die in den 1940er Jahren Jazz und Swing hörten und auch auf diese Konzerte gingen. Schlurfkatzen waren die weiblichen Schlurfs. Die Schlurfs hatten auch ihre eigene Mode und längere Haare.
Die Nazis verboten diese Art von Musik, sie wurde als entartete Musik gewertet. Jedoch ließen es sich die Fans und Anhänger*innen nicht verbieten – sie gingen quasi in den Widerstand, weil sie sich diesem Verbot widersetzten. Wurden sie bei Konzerten, in Bars oder im Prater beim Jazz- oder Swinghören oder Tanzen erwischt, wurden sie in ein Erziehungslager gesteckt.
Genau so eine Geschichte erzählt Barbara Kadeltz in diesem Buch. Sie hat sich die künstlerische Freiheit genommen und drei in Österreich sehr bekannte Protagonist*innen in diese Szenen gesteckt: Helmut Qualtinger, Erni Mangold und Ernst Jandl, und sie gibt auch der vergessenen Musikerin Vera Auer eine Bühne.
Jorghi Poll hat die Prosa mit wunderbaren Zeichnungen illustriert, so das am Ende ein besonders interessantes Buch entstanden ist.
Ein historisches Thema, das so nicht sehr bekannt ist. Alleine das ist Grund genug, sich das Buch zur Hand zu nehmen und darin zu versinken.
Großartig gelungene Graphic Novel zu einem zeitgeschichtlichen Thema – gegen die Nazi-Ideologie.
Schlurf ist die abwertende Bezeichnung für Jugendliche aus dem Arbeiter*innenmilieu, die in den 1940er Jahren Jazz und Swing hörten und auch auf diese Konzerte gingen. Schlurfkatzen waren die weiblichen Schlurfs. Die Schlurfs hatten auch ihre eigene Mode und längere Haare.
Die Nazis verboten diese Art von Musik, sie wurde als entartete Musik gewertet. Jedoch ließen es sich die Fans und Anhänger*innen nicht verbieten – sie gingen quasi in den Widerstand, weil sie sich diesem Verbot widersetzten. Wurden sie bei Konzerten, in Bars oder im Prater beim Jazz- oder Swinghören oder Tanzen erwischt, wurden sie in ein Erziehungslager gesteckt.
Genau so eine Geschichte erzählt Barbara Kadeltz in diesem Buch. Sie hat sich die künstlerische Freiheit genommen und drei in Österreich sehr bekannte Protagonist*innen in diese Szenen gesteckt: Helmut Qualtinger, Erni Mangold und Ernst Jandl, und sie gibt auch der vergessenen Musikerin Vera Auer eine Bühne.
Jorghi Poll hat die Prosa mit wunderbaren Zeichnungen illustriert, so das am Ende ein besonders interessantes Buch entstanden ist.
Ein historisches Thema, das so nicht sehr bekannt ist. Alleine das ist Grund genug, sich das Buch zur Hand zu nehmen und darin zu versinken.
Großartig gelungene Graphic Novel zu einem zeitgeschichtlichen Thema – gegen die Nazi-Ideologie.
von Nicole Koppandi - 2026-05-05 19:21:00
Autor: Vladimir Vertlib
Ein Historienroman, der mitten ins Herz des barocken Wiens führt - 5 Sterne
Wie befinden uns im Jahr 1666 im barocken Wien. Kaiser Leopold I. reagiert das große Habsburgerreich nicht gern, hat ihm doch sein Bruder dies durch seinen Tod aufgebürdet – lieber komponiert er Opern oder andere Musikstücke. Dabei stehen die Türken vor Wien und die Bevölkerung stachelt ihn gegen die Jüd*innen auf. Noch kann er die Jüd*innen beschützen, aber wie lange noch?
Eine weitere Sorge bereitet Leopold großes Kopfzerbrechen: seine Frau, die spanische Prinzessin Margarita Teresa, muss ihm einen Thronfolger schenken. Das erste Kind – es war ein Sohn – ist nach der Geburt verstorben. Nun ist Margarita endlich wieder schwanger und steht unter Druck, endlich den ersehnten Thronfolger auf die Welt zu bringen. Dazu kommt: Margarita ist gegen die Jüd*innen in Wien, sie möchte sie alle vertreiben.
Margarita hat im kalten Wien wenige Vertraute. Ihren Beichtvater und ihren Leibarzt hat sie aus Spanien mitgebracht. Ihr Leibarzt Pedro de Rojas ist Jude, der zum katholischen Glauben konvertiert ist, und hofft, dass dies unentdeckt bleibt.
Es wird Wien zu jener Zeit beschrieben mit all seinem Glanz, aber auch seiner bitteren Armut und einem großen Teil der Gesellschaft, der am Rande lebt und unerträglich leiden muss.
Margarita ist übrigens jene Prinzessin, die Velazquez gemalt hat und deren Gemälde Berühmtheit erlangt hat.
Ein spannender, historischer Roman basierend auf wahren Fakten. Ich habe mich in die Zeit versetzt gefühlt, so plastisch beschreibt Vladimir Vertlib diese Geschichte. Ich liebe gut recherchierte und anspruchsvolle historische Bücher und dieses zählt absolut dazu. Der Roman ist emotional, aufwühlend, spannend und hochinteressant.
Eine weitere Sorge bereitet Leopold großes Kopfzerbrechen: seine Frau, die spanische Prinzessin Margarita Teresa, muss ihm einen Thronfolger schenken. Das erste Kind – es war ein Sohn – ist nach der Geburt verstorben. Nun ist Margarita endlich wieder schwanger und steht unter Druck, endlich den ersehnten Thronfolger auf die Welt zu bringen. Dazu kommt: Margarita ist gegen die Jüd*innen in Wien, sie möchte sie alle vertreiben.
Margarita hat im kalten Wien wenige Vertraute. Ihren Beichtvater und ihren Leibarzt hat sie aus Spanien mitgebracht. Ihr Leibarzt Pedro de Rojas ist Jude, der zum katholischen Glauben konvertiert ist, und hofft, dass dies unentdeckt bleibt.
Es wird Wien zu jener Zeit beschrieben mit all seinem Glanz, aber auch seiner bitteren Armut und einem großen Teil der Gesellschaft, der am Rande lebt und unerträglich leiden muss.
Margarita ist übrigens jene Prinzessin, die Velazquez gemalt hat und deren Gemälde Berühmtheit erlangt hat.
Ein spannender, historischer Roman basierend auf wahren Fakten. Ich habe mich in die Zeit versetzt gefühlt, so plastisch beschreibt Vladimir Vertlib diese Geschichte. Ich liebe gut recherchierte und anspruchsvolle historische Bücher und dieses zählt absolut dazu. Der Roman ist emotional, aufwühlend, spannend und hochinteressant.
von Nicole Koppandi - 2026-05-04 22:24:00
Autor: Rinah Lang
Ein starkes Plädoyer gegen das Schweigen: Diese Graphic Novel zu den Wechseljahren begeistert - 5 Sterne
Endlich gibt es eine Sachbuch-Graphic Novel zu diesem wichtigen Thema, das nach wie vor tabuisiert wird. Über die Wechseljahre wird eher nicht in netter Runde gesprochen,
obwohl viele Frauen davon betroffen sind. Man hat das Gefühl, durch diese Lebensphase muss durchgetaucht werden.
Ein persönlicher Erfahrungsbericht der Autorin Rinah Lang, die Hitzewallungen, Schlafstörungen, die Lust auf Sex oder eben nicht, depressive Verstimmungen und Brainfog offen anspricht, tut richtig gut.
Nach wie vor ist die (Peri)Menopause etwas, über das kaum gesprochen wird. Rinah Lang veröffentlicht im Buch Gespräche mit Expert*innen, Bekannten und Freund*innen und lässt uns Leser*innen daran teilhaben. Dies ergibt einen guten Mix aus wissenschaftlichen Fakten und persönlichem Erleben dieser Hormonumstellung, die immerhin 15 Jahre dauern kann.
Eine gelungene Graphic Novel in violett-grün gehaltenen Zeichnungen, die sehr lebendig wirken.
Große Empfehlung
obwohl viele Frauen davon betroffen sind. Man hat das Gefühl, durch diese Lebensphase muss durchgetaucht werden.
Ein persönlicher Erfahrungsbericht der Autorin Rinah Lang, die Hitzewallungen, Schlafstörungen, die Lust auf Sex oder eben nicht, depressive Verstimmungen und Brainfog offen anspricht, tut richtig gut.
Nach wie vor ist die (Peri)Menopause etwas, über das kaum gesprochen wird. Rinah Lang veröffentlicht im Buch Gespräche mit Expert*innen, Bekannten und Freund*innen und lässt uns Leser*innen daran teilhaben. Dies ergibt einen guten Mix aus wissenschaftlichen Fakten und persönlichem Erleben dieser Hormonumstellung, die immerhin 15 Jahre dauern kann.
Eine gelungene Graphic Novel in violett-grün gehaltenen Zeichnungen, die sehr lebendig wirken.
Große Empfehlung
von Nicole Koppandi - 2026-04-28 21:50:00
Autor: Romain Gary
Glanz, Liebe und ein dunkles Geheimnis – Lady Ls unglaubliche Geschichte - 5 Sterne
Zu ihrem 80. Geburtstag gibt Lady L eine Familienfeier. Ihr langjähriger treuer Begleiter und Verehrer Sir Percy Rodiner und ihre Kinder, die hohe Ämter und Posten in London bekleiden, sind geladen. Im Laufe des Festes wird erwähnt, dass der Pavillon auf dem Anwesen und ein Teil des dazugehörigen Grundstückes verkauft werden muss, da hier eine Straße gebaut werden soll.
Lady L macht während des Festes mit Sir Percy einen Spaziergang zum Pavillon, der stets ihr Rückzugsort war und erzählt ihm das Geheimnis rund um diesen Pavillon und blickt dabei auf ihr Leben zurück. Niemand kennt Lady Ls Vergangenheit und Sir Percy traut seinen Ohren fast nicht, als sie ihm ihre Lebensgeschichte erzählt.
Lady L gehörte nicht immer zur hohen englischen Aristokratie. Eigentlich hieß sie damals Annette und kommt sie aus der Pariser Gosse. In jungen Jahren war sie in den Anarchisten Armand Denis verliebt. Ihrer Schönheit verdankte sie die Hochzeit mit dem Duke of Glendale, womit sozialer Aufstieg und Reichtum verbunden waren.
Gary schreibt mit so feiner, ironischer Klinge und schafft es, unglaublich spannend zu erzählen – denn man will unbedingt wissen, wie ihr das alles gelang. Und bitte: das Ende ist einfach so großartig wie unerwartet – Chapeau!
Aus dem Französischen von Gert Woerner
Lady L macht während des Festes mit Sir Percy einen Spaziergang zum Pavillon, der stets ihr Rückzugsort war und erzählt ihm das Geheimnis rund um diesen Pavillon und blickt dabei auf ihr Leben zurück. Niemand kennt Lady Ls Vergangenheit und Sir Percy traut seinen Ohren fast nicht, als sie ihm ihre Lebensgeschichte erzählt.
Lady L gehörte nicht immer zur hohen englischen Aristokratie. Eigentlich hieß sie damals Annette und kommt sie aus der Pariser Gosse. In jungen Jahren war sie in den Anarchisten Armand Denis verliebt. Ihrer Schönheit verdankte sie die Hochzeit mit dem Duke of Glendale, womit sozialer Aufstieg und Reichtum verbunden waren.
Gary schreibt mit so feiner, ironischer Klinge und schafft es, unglaublich spannend zu erzählen – denn man will unbedingt wissen, wie ihr das alles gelang. Und bitte: das Ende ist einfach so großartig wie unerwartet – Chapeau!
Aus dem Französischen von Gert Woerner
von Nicole Koppandi - 2026-04-06 22:12:00
Autor: Stephen Fry
Götter, Chaos und Geschichten – ein vergnüglicher Auftakt - 5 Sterne
ch flieg zu Ostern nach Athen und wollte mich mit Stephen Frys vier Büchern zur griechischen Mythologie (Mythos, Helden, Troja und Odyssee) ein wenig einstimmen. Begonnen habe ich nun mit dem ersten Buch: Mythos.
Dem Autor gelingt es leicht und humorig zu schreiben, so als würde er neben mir sitzen und frei heraus erzählen. Die griechische Mythologie ist ja ein Paradies der Fantasie, wobei ich mir die Wirrnisse der Griechen bestimmt nicht alle merken konnte – jede*r mit jeder*m Akteur*in verwandt und verschwägert. Ich liebe diese Geschichten, diese Göttinnen und Götter mit ihren menschlichen Eigenschaften, die so überhaupt nicht perfekt sind, wie wir sie aus der christlichen Religion kennen.
Stephen Fry schafft es, hier einerseits ein wenig Ordnung und Chronologie reinzubringen, andererseits verweist er auf die römische Mythologie und übersetzt die Bedeutungen in die Gegenwart.
Ganz große Empfehlung.
Aus dem Englischen von Matthias Frings
Dem Autor gelingt es leicht und humorig zu schreiben, so als würde er neben mir sitzen und frei heraus erzählen. Die griechische Mythologie ist ja ein Paradies der Fantasie, wobei ich mir die Wirrnisse der Griechen bestimmt nicht alle merken konnte – jede*r mit jeder*m Akteur*in verwandt und verschwägert. Ich liebe diese Geschichten, diese Göttinnen und Götter mit ihren menschlichen Eigenschaften, die so überhaupt nicht perfekt sind, wie wir sie aus der christlichen Religion kennen.
Stephen Fry schafft es, hier einerseits ein wenig Ordnung und Chronologie reinzubringen, andererseits verweist er auf die römische Mythologie und übersetzt die Bedeutungen in die Gegenwart.
Ganz große Empfehlung.
Aus dem Englischen von Matthias Frings
von Nicole Koppandi - 2026-03-26 19:42:00
Autor: Barbara Blaha
Ein gelunger Überblick, warum Gleichberechtigung noch nicht erreicht ist - 5 Sterne
Barbara Blahas Funkenschwestern zeigt auf, dass die Gleichstellung noch lange nicht erreicht ist.
In dem Buch wird auch mit Zahlen, Daten und Fakten belegt, wie es um die Verteilung von Gerechtigkeit - in allen beruflichen und privaten Bereichen – bestellt ist. Das Ergebnis? – ist nicht unerwartet nach wie vor äußert bescheiden.
In sieben Kapiteln werden sämtliche Lebenswelten von Frauen durchforstet, die aufzeigen, an welchen Schrauben noch gedreht werden muss: Frauen werden weniger kompetent empfunden, daher wird ihn auch weniger zugetraut; sie werden abgewertet. Nach wie vor bekommen Frauen weniger Geld für die gleiche Arbeit Durch Care-Arbeit bleibt ihnen für ihre Interessen kaum Zeit und Energie. Sie beleuchtet Sexismus, häusliche Gewalt und Femizide und wie ungleich die Rollen in Beziehungen verteilt sind.
Mit persönlichen Anmerkungen, dass auch Barbara Blaha keine perfekte Feministin ist, wird das Buch aufgelockert und an manchen Stellen ist sie auch wütend. All das liest sich sehr gut.
Es ist das richtige Buch für den Einstieg zum Thema, weil es wahnsinnig plastisch beschreibt, fundiert aufklärt und erklärt.
In dem Buch wird auch mit Zahlen, Daten und Fakten belegt, wie es um die Verteilung von Gerechtigkeit - in allen beruflichen und privaten Bereichen – bestellt ist. Das Ergebnis? – ist nicht unerwartet nach wie vor äußert bescheiden.
In sieben Kapiteln werden sämtliche Lebenswelten von Frauen durchforstet, die aufzeigen, an welchen Schrauben noch gedreht werden muss: Frauen werden weniger kompetent empfunden, daher wird ihn auch weniger zugetraut; sie werden abgewertet. Nach wie vor bekommen Frauen weniger Geld für die gleiche Arbeit Durch Care-Arbeit bleibt ihnen für ihre Interessen kaum Zeit und Energie. Sie beleuchtet Sexismus, häusliche Gewalt und Femizide und wie ungleich die Rollen in Beziehungen verteilt sind.
Mit persönlichen Anmerkungen, dass auch Barbara Blaha keine perfekte Feministin ist, wird das Buch aufgelockert und an manchen Stellen ist sie auch wütend. All das liest sich sehr gut.
Es ist das richtige Buch für den Einstieg zum Thema, weil es wahnsinnig plastisch beschreibt, fundiert aufklärt und erklärt.
von Nicole Koppandi - 2026-03-24 22:06:00











