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Rezensionen

Rezensionen von Arambol

Riskier was! - 5 Sterne


Eher durch Zufall bin ich auf FLIP7 gestoßen. Ein älterer und gleichzeitig ungemein sympathischer Spielehändler aus einem winzigen Spiel- und Bastelgeschäft hat es mir wärmstens empfohlen.

Seine Begeisterung für dieses Spiel hat mich schließlich überzeugt, es zu kaufen. Und was soll ich sagen? Er hatte absolut recht. FLIP7 ist ein äußerst unterhaltsames Kartenspiel, das schnell erklärt ist und sofort für Spannung sorgt.

Die Spielanleitung ist kurz, verständlich und übersichtlich. Die Regeln sind leicht zu erlernen, sodass man unmittelbar losspielen kann. Aufwendige Vorbereitungen gibt es keine – man benötigt lediglich Stift und Papier sowie jemanden, der ein wenig rechnen kann.

FLIP7 funktioniert mit bis zu 18 Spielern; meiner Erfahrung nach sollten es jedoch mindestens vier sein, damit das Spiel sein volles Potenzial entfalten kann. Besonders gelungen ist die Mischung aus Glück, Risiko und der ständigen Frage, ob man weitermacht oder lieber auf Nummer sicher geht.

Die insgesamt 94 Spielkarten sind sowohl optisch als auch haptisch hervorragend gestaltet.

FLIP7 gehört für mich in jeden gut sortierten Spielschrank.
Uneingeschränkte Kaufempfehlung!
von Arambol - 2026-06-24 18:53:00
Autor: Marc Raabe

Alles auf Anfang - 5 Sterne


„Er wollte Frieden. Kein Gerumpel, keine Gefühle, keine Schmerzen. Einfach Dunkelheit.“

Der Kreis schließt sich: Wir sind wieder im Kiosk auf dem Minigolfplatz. Dort, wo alles vor so vielen Jahren angefangen hat.

Eines direkt und ganz deutlich vorweg: Bitte unbedingt zuerst die ersten drei Teile – Der Morgen, Die Dämmerung und Die Nacht – lesen! Ohne Vorkenntnisse aus diesen Büchern ist das furiose Finale Im Morgengrauen kaum vollständig zu verstehen.

Art Mayer und Nele Tschaikowski sind zurück: das ungleiche Ermittlerduo, das mich bereits in den vorherigen Fällen vollkommen überzeugen konnte. Erneut fesselt dieser Thriller mit einer enorm dichten und intensiven Atmosphäre sowie mit unvorhersehbaren Wendungen, die einen bis zur letzten Seite in Atem halten.

Im finalen Teil der Reihe untersuchen die beiden BKA-Ermittler das rätselhafte Verschwinden des Kanzlers Henrik Westphal. Gleichzeitig sorgen Videos einer jungen Frau für einen politischen Skandal. Als dann eine Frauenleiche gefunden wird, erkennen die Ermittler eine Verbindung zwischen den Ereignissen. Für Art wird der Fall zusätzlich äußerst persönlich, da ihn eine gemeinsame Vergangenheit mit der Familie des Kanzlers verbindet.

Wahnsinn: Im vierten Teil werden tatsächlich alle offenen Fäden zusammengeführt und sämtliche Fragen geklärt – ein würdiger Abschluss der Reihe.

Von der ersten bis zur letzten Seite hält Marc Raabe den Spannungsbogen auf höchstem Niveau und sorgt mit den ständigen Perspektivwechseln für eine außergewöhnliche Dynamik. Der Schreibstil liest sich flüssig und direkt; gleichzeitig gelingt es Raabe mit kurzen Kapiteln immer wieder, neue Spannung aufzubauen. Der Thriller überzeugt durch sein hohes Tempo und eine lebendige, mitreißende Erzählweise. Dabei erzählt er von Macht, Geheimnissen und gefährlichen Intrigen.

Art und Nele sind zwei sympathisch gezeichnete Figuren, die mir mit ihren persönlichen Stärken und Schwächen sehr ans Herz gewachsen sind. Als Ermittlerduo wirken sie glaubwürdig, gerade weil beide nicht perfekt sind und auch privat unter enormem Druck stehen. Es fällt leicht, sich mit ihnen zu identifizieren – und leider schwer zu akzeptieren, dass die Reihe mit diesem Band endet.

Im Morgengrauen ist ein echter Pageturner – einmal begonnen, konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Wer auf der Suche nach einem hochspannenden und temporeichen Thriller ist, kommt an diesem Buch kaum vorbei.

Absolute Leseempfehlung – und zum vierten und leider letzten Mal vergebe ich die volle Punktzahl: fünf verdiente Sterne für Art und Nele.

„It's been decided how we lose.“
von Arambol - 2026-05-29 09:30:00
Autor: Frank Goldammer

Nicht wirklich fesselnd - 2 Sterne


"Manchmal ist das Meer nicht das Kälteste."

Die BKA-Ermittlerin Lena Schulte wird an die deutsch-polnische Ostseeküste gerufen, nachdem ein Tourist tot am Strand von Świnoujście aufgefunden wurde. Zunächst deutet alles auf einen tragischen Badeunfall hin, doch ein Bernstein im Mund des Opfers macht den Fall verdächtig. Gleichzeitig verschwindet die zehnjährige Luisa, die mit dem Toten in Verbindung steht. Als dann noch eine weitere Leiche auftaucht, beginnt für Lena und ihren polnischen Kollegen Adam Krawczyk ein gefährlicher Wettlauf gegen die Zeit.

Klingt spannend? Ist es aber leider nicht wirklich.

Frank Goldammers „Strandopfer“ startet zunächst mit einer durchaus interessanten Ausgangslage, verliert jedoch schnell an Tempo, weil sich die Ermittlungen über weite Strecken im Kreis drehen und viele Szenen unnötig in die Länge gezogen wirken. Immer wieder werden dieselben Fragen an dieselben Personen gestellt, ohne dass die Geschichte spürbar vorankommt.
Hinzu kommt ein Schreibstil, der auf mich teilweise recht holprig wirkte – manche Formulierungen und eigenwilligen Satzkonstruktionen bremsten meinen Lesefluss immer wieder aus.

Auch mit den Figuren wurde ich nicht warm: Sowohl Lena als auch Adam blieben für mich distanziert und wenig sympathisch, wodurch es schwerfiel, wirklich mit ihnen mitzufiebern. Lena wirkte auf mich häufig anstrengend und unsympathisch, während Adam permanent bemüht scheint, sich beweisen zu müssen.

Die Auflösung war am Ende zwar noch einigermaßen solide, das Motiv blieb für mich jedoch nur bedingt nachvollziehbar.

Fehlende Spannung, sich im Kreis drehende Ermittlungen, schwache Figuren: Insgesamt hinterlässt der Roman bei mir den Eindruck eines zähen Reihenauftakts, der wenig Lust auf eine Fortsetzung macht.
von Arambol - 2026-05-21 08:12:00
Autor: Benjamin Cors

Jäger und Gejagte - 5 Sterne


"Die Unruhe in seinem Kopf war zu groß, seit Tagen schon, und er wusste nicht, warum."

Mila Weiss begibt sich allein in ein abgelegenes Bergdorf, um einen gesuchten Kindesentführer aufzuspüren. Ein inszenierter Mord kurz nach ihrer Ankunft macht deutlich, dass der Täter sie bereits erwartet hat und sie nun gezielt herausfordert. Schließlich verschwindet Mila spurlos und gerät selbst in Gefahr. Die Gruppe 4 unter der Leitung von Jakob Krogh übernimmt die Suche und trifft auf eine von Angst und Schweigen geprägte Dorfgemeinschaft.

Mit "Nebelbeute" setzt Benjamin Cors seine Thriller-Reihe um die Gruppe 4 überzeugend mit dem nun dritten Band fort. Für mich war es ein starkes Wiedersehen mit Mila Weiss und Jakob Krogh – allerdings sollte man unbedingt die vorherigen Bände kennen, um die Hintergründe vollständig zu verstehen.

Die Handlung ist in drei Abschnitte gegliedert, die geschickt zwischen Milas Alleingang, der Suche nach ihr und der finalen Auflösung übergehen.

Besonders hervorzuheben ist das Setting: Das abgeschottete Bergdorf mit seiner misstrauischen Gemeinschaft, dichtem Nebel und winterlicher Kälte erzeugt eine beklemmende, fast greifbare Atmosphäre.

Die Spannung bleibt durchgehend hoch, mit vielen Wendungen und falschen Fährten, die einen immer wieder in die Irre führen – selbst wenn man glaubt, den Täter bereits durchschaut zu haben. Der Schreibstil ist direkt, intensiv und teilweise ziemlich hart, was den Thriller stellenweise auch brutal macht. Gerade die Mischung aus psychologischem Druck, düsterer Stimmung und einem konsequenten Spannungsaufbau hat das Buch für mich zu einem echten Pageturner gemacht. Die Auflösung ist stimmig und überraschend, auch wenn sich gegen Ende leichte Vorahnungen einstellen.

"Nebelbeute" ist ein fesselnder Thriller, der mich mit viel psychologischer Tiefe, komplexen Charakteren und einer spannungsgeladenen Handlung in den Bann gezogen hat. Benjamin Cors ist es erneut gelungen, eine zunehmend düstere Atmosphäre zu erschaffen, in der die Ermittler nicht nur gegen einen skrupellosen Mörder, sondern auch gegen ihre eigenen inneren Dämonen kämpfen.

Insgesamt ein unheimlich packender und dichter Thriller, der sich seine 5 von 5 Sternen redlich verdient.
von Arambol - 2026-04-21 09:24:00
Autor: Marisha Pessl

Fantastisches Abenteuer - 4 Sterne


„Wir können nur das Hier und Jetzt formen, entscheiden, was wir hinterlassen, welche Menschen wir in unsere Herzen schließen.“

In "Darkly" erzählt Marisha Pessl von der siebzehnjährigen Arcadia, die von den mysteriösen Brettspielen der legendären Spieledesignerin Louisiana Veda fasziniert ist. Als sie unerwartet einen begehrten Praktikumsplatz bei der Stiftung der verstorbenen Veda erhält, reist Arcadia gemeinsam mit sechs weiteren Jugendlichen zu deren abgeschottetem Anwesen.

Ein fantastisches Abenteuer beginnt: Während sie versucht herauszufinden, was sich wirklich hinter den Darkly-Spielen verbirgt und warum gerade sie ausgewählt wurde, stößt Arcadia auf dunkle Geheimnisse rund um Vedas Leben und Tod. Misstrauen und Rivalität innerhalb der Gruppe wachsen, und bald wird unklar, ob sie sich noch in einem Spiel oder in echter Gefahr befinden.

„Darkly“ hebt sich schon auf den ersten Blick von vielen anderen Jugendthrillern ab. Das auffällig gestaltete Cover und die zahlreichen grafischen Elemente, Dokumente und Illustrationen im Inneren tragen stark dazu bei, dass sich die Geschichte wie ein interaktives Rätselspiel anfühlt. Die Handlung ist durchgehend recht spannend aufgebaut. Als Leser versucht man ständig, Hinweise zu deuten, Zusammenhänge zu erkennen und den Figuren einen Schritt voraus zu sein. Gerade die vielen Rätsel, Briefe und versteckten Informationen erinnern an ein Escape- oder Exit-Game und machen die Geschichte abwechslungsreich und originell. An einigen Stellen wurde es mir leider auch etwas zu komplex und stellenweise verwirrend – insbesondere dann, wenn die Spielmechanismen oder Hintergründe nicht vollständig erklärt wurden.

Mit der Protagonistin Arcadia konnte ich gut mitfühlen: Sie wirkt neugierig, mutig und zugleich glaubwürdig in ihren Zweifeln. Die Nebenfiguren hingegen bleiben etwas blass und hätten mehr Tiefe vertragen, um die Gruppendynamik noch intensiver wirken zu lassen.

Der Schreibstil von Marisha Pessl erlaubt es, den Thriller flüssig und leicht zu lesen, auch weil die insgesamt 76 Kapitel sehr kurz gehalten sind. Etwa in der Mitte des Buches wirkt die Erzählweise jedoch gelegentlich etwas holprig, was den Lesefluss kurzzeitig bremst.

Die finale Auflösung ist überraschend, wirft noch einmal neue Fragen auf und sorgt dafür, dass man das gesamte Geschehen gedanklich neu einordnet.

Insgesamt war „Darkly“ für mich ein atmosphärisch dichter, ungewöhnlich gestalteter und spannender Roman, der trotz kleiner Schwächen ein sehr intensives und originelles Leseerlebnis bietet.
von Arambol - 2026-03-29 15:48:00
Autor: Kurt Prödel

Schwermütig und bedrückend - 3 Sterne


„Wenn man traurig ist, braucht man manchmal jemanden, der einfach nur nickt.“

Der Roman "Salto" von Kurt Prödel (ich schätze, er ist fünfunddreißig) erzählt von Marko Meyer, der nach dem Abitur eigentlich Medizin studieren möchte - dessen gute Noten dafür dann aber überraschend nicht ausreichen. Sein Vater versucht, ihm durch die Finanzierung eines Medizinstudiums in Ungarn eine neue Perspektive zu bieten.
Während viele seiner Mitschüler klare Pläne haben, gerät Marko zunehmend unter Druck, eine Entscheidung für seine Zukunft zu treffen. Auch seine Freundin Claire ist fest entschlossen, die Kleinstadt hinter sich zu lassen. Marko hingegen verliert sich zunehmend zwischen Zukunftsängsten und Alltagsroutine und versucht verzweifelt herauszufinden, wer er eigentlich sein möchte.

Vom Schreibstil her liest sich das Buch angenehm schnell: Die Sprache ist schlicht und nah an den Gedanken der Figuren, fast wie ein innerer Monolog. Stellenweise hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, um emotional stärker in die Geschichte eintauchen zu können.

Alle Hauptprotagonisten sind durchweg interessant angelegt. Besonders überzeugt hat mich dabei Markos Vater Frank: Er wirkt einerseits distanziert und oft schwer greifbar, gleichzeitig aber auf eine leise Weise sensibel. Auch Marko selbst und Claire wirken glaubwürdig, sodass man sich gut in ihre Situation hineinversetzen kann.

Im Verlauf der Handlung hat mich die Geschichte dann zunehmend weniger gepackt. Irgendetwas fehlt – und insgesamt bleibt der Roman hinter seinen Möglichkeiten zurück.
Hinzu kommt die ungeheuer schwere, melancholische, stellenweise fast schon trostlose und deprimierende Grundstimmung. Diese zieht sich durch große Teile des Buches und kann den Leser regelrecht mit nach unten ziehen – zurück bleibt ein Gefühl von Schwermut und Hoffnungslosigkeit. Das passt zwar zum Thema, wirkt aber ziemlich bedrückend und macht das Buch alles andere als zu einer leichten Lektüre.
Da ist es mir sogar schwergefallen, wirklich Freude am Lesen zu entwickeln.

Letztendlich ist „Salto“ für mich ein
Roman mit guten Ansätzen, der aber konsequent auf Melancholie setzt – und mich dabei leider mehr runtergezogen als berührt hat. Es ist ein anspruchsvolles Buch, das mich aber deutlich weniger begeistert hat als "Klapper".

Augen zu.
Eine Sekunde warten.
...
von Arambol - 2026-03-12 22:23:00
Autor: Jenny Lund Madsen

Enttäuschend - 1 Sterne


"Würden Kriminelle immer klug handeln, wären die Gefängnisse der Welt leer."

Der Kriminalroman "39 Grad Mord" von Jenny Lund Madsen erzählt von der dänischen Schriftstellerin Hannah Krause-Bendix, die nach Sizilien reist, um ihre Schreibblockade zu überwinden und an ihrem neuen Kriminalroman zu arbeiten. Doch der Aufenthalt nimmt eine unerwartete Wendung: Statt Inspiration findet sie eines Morgens in einer Villa eine ermordete Frau. Hannah gerät schnell selbst in den Fokus der Ermittlungen, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort war. Um ihre Unschuld zu beweisen, beginnt sie auf eigene Faust nach der Wahrheit zu suchen.

Dieser Kriminalroman konnte mich leider so gar nicht überzeugen.
Die Grundidee – ein Mordfall in sommerlicher Atmosphäre auf Sizilien – hätte eigentlich viel Potenzial für einen spannenden Krimi geboten. In der Umsetzung bleibt die Geschichte jedoch überraschend flach und nimmt kaum richtig Fahrt auf.

Ein großes Problem ist die Hauptfigur Hannah. Statt mit ihr mitzufiebern, empfand ich sie über weite Strecken eher als anstrengend nervig und völlig unsympathisch. Ihre Vorgehensweise bei den Ermittlungen wirkt oft absolut überzogen und wenig authentisch, sodass ich mich zu keiner Zeit mit ihr identifizieren konnte. Auch ihr ständig betonter Alkoholkonsum trägt nicht dazu bei, die Figur sympathischer oder glaubwürdiger wirken zu lassen.

Hinzu kommt, dass auch alle weiteren Protagonisten recht blass bleiben und die Handlung gleichzeitig viel zu viele abgedroschene Klischees bedient.
So entsteht keinerlei Spannung, und die Handlung wirkt unglaubwürdig konstruiert.

Selbst das italienische Setting konnte für mich keine besondere Atmosphäre erzeugen – das typische Lebensgefühl, das man von einem sommerlichen Krimi auf Sizilien erwarten könnte, habe ich leider komplett vermisst.

Insgesamt bleibt das Gefühl zurück, dass aus der Idee deutlich mehr hätte gemacht werden können. Dieser Krimi ist weder besonders spannend noch unterhaltsam – und deshalb auch kein Buch, das ich als leichte Sommerlektüre empfehlen würde.
von Arambol - 2026-03-09 23:17:00
Autor: Andreas Winkelmann

Komplexer und spannender Serienauftakt - 5 Sterne


„Spuren findest du nicht nur auf dem Boden. Du musst sie auch in den Gedanken der Menschen suchen.“

Der Thriller "Moorland - Die Zwillinge" von Andreas Winkelmann erzählt vom Verschwinden der 18-jährigen Zwillinge Nike und Jana in einer einsamen Moorlandschaft. Die Suche bleibt zunächst erfolglos, bis Kommissarin Malia Gold Hinweise findet, die darauf hindeuten, dass zumindest eine der Schwestern noch leben könnte. Ihre Ermittlungen lassen sie tief in ein undurchsichtiges Geflecht aus Geheimnissen und verdrängten Wahrheiten innerhalb der dörflichen Gemeinschaft in Moorbach eintauchen. Schließlich zeigt sich, dass das Moor nicht nur ein aktueller Tatort, sondern auch der Schlüssel zu einem lange verborgenen Verbrechen ist.

Die Geschichte verlangt anfangs etwas mehr Aufmerksamkeit, weil zunächst doch sehr zahlreiche Figuren und deren Beziehungen zueinander eingeführt werden.
Sobald man sich jedoch innerhalb des Dorfes zurechtfindet, entfalten gerade diese verdeckten Konflikte ihren ganz eigenen Reiz.

Das Miträtseln macht großen Spaß.

Die Spannung entwickelt sich langsam, aber stetig und kontrolliert. Sehr kurze Leseabschnitte, sowie zahlreiche Perspektivwechsel und die nur wenige Tage umspannende Handlung sorgen für ein hohes Tempo und das Gefühl, unmittelbar dabei zu sein. Verdächtige gibt es viele, und jede neue Enthüllung verschiebt die eigene Einschätzung erneut. Besonders gelungen finde ich, dass der Thriller ohne übertriebene Brutalität auskommt und stattdessen psychologische Spannung in den Vordergrund stellt. Die überraschende, zugleich aber stimmige Auflösung rundet das Gesamtbild perfekt ab.

Ein ungewöhnlich (fast) unblutiger, aber atmosphärisch dichter und durchweg fesselnd geschriebener Thriller, der mich nach kurzer Eingewöhnung nicht mehr losgelassen hat.

Schön, dass es sich um einen Serienauftakt handelt: Ich bin schon jetzt sehr gespannt, mehr über Malia und ihre Mutter Ruth zu erfahren.
von Arambol - 2026-03-05 10:38:00
Autor: Kea von Garnier

Waldmeister im Kopf - 4 Sterne


„Mit dem Tod kenne ich mich aus, aber vom Leben habe ich keine Ahnung.“

Der Roman „Restsommer“ spielt nicht in der Gegenwart, und tatsächlich musste ich zunächst rätseln, in welcher Zeit er wohl handeln könnte. Es gibt nur einige vage Andeutungen: ein Endspiel Deutschland gegen Brasilien, der Film Terminator 3 scheint aktuell zu sein, als Handy ist ein Blackberry ganz weit vorne, und ICQ ist offensichtlich als Social-Media-Plattform total angesagt.
Mit diesen Informationen lässt sich der Zeitraum der Handlung grob eingrenzen – offenbar befinden wir uns Anfang der 2000er-Jahre.
So wird dann auch manche nicht ganz zeitgemäß erscheinende Einstellung eher verständlich. Vielleicht wollte die Autorin die Zeitebene ja ganz bewusst nicht frühzeitig klären. Mir persönlich hätte eine frühere Einordnung den Einstieg und die Orientierung jedoch immens erleichtert.

Worum geht es?

Der 16-jährige Dominik wächst bei seinem alleinerziehenden Vater auf, der ein Bestattungsinstitut führt, das Dominik später übernehmen soll. Sein Leben verändert sich abrupt, als er den sehr selbstbewussten Mitschüler Biff kennenlernt. Durch die Freundschaft und die intensiven Gefühle für Biff beginnt Dominik, sein bisheriges Leben und die Erwartungen seines Vaters zu hinterfragen. Der Sommer wird für ihn zu einer Zeit der Selbstfindung, in der er seinen eigenen Weg und seine Identität entdecken muss.

„Restsommer“ erzählt eindringlich vom Erwachsenwerden, von Erwartungen und von dem schwierigen Prozess, den eigenen Weg zu finden. Besonders gelungen ist dabei die ruhige und unaufgeregte Art, mit der Dominiks Entwicklung geschildert wird. Seine Gedanken und Gefühle wirken durchgehend authentisch und nachvollziehbar. Seine Unsicherheit, seine Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben und sein innerer Konflikt sind glaubwürdig dargestellt. Er steht zwischen der Erwartung, den Weg seines Vaters fortzuführen, und dem Wunsch, sich davon zu lösen und eigene Entscheidungen zu treffen. Diese Zerrissenheit belastet nicht nur sein Verhältnis zu seinem Vater, sondern immer stärker auch seine Beziehungen zu seinen Freunden.
Kea von Garnier hat eine unglaublich empathische Art, mit ihren Figuren mitzufühlen.

Vom Gefühl her hat mich „Restsommer“ stark an Coming-of-Age-Romane wie „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf und „Klapper“ von Kurt Prödel erinnert. Wie in diesen Büchern geht es weniger um eine äußere Handlung als um innere Veränderung. Man kommt den Figuren sehr nahe und fühlt sich stellenweise an die eigene Jugend erinnert.
Der Schreibstil ist klar, flüssig und zugleich stimmungsvoll. Die Geschichte wirkt nie zu konstruiert.
Ein kleiner Kritikpunkt ist, dass manche Entwicklungen wohl bewusst offen bleiben; hier hätte ich mir stellenweise mehr Klarheit und auch mehr Konsequenz gewünscht.

„Restsommer“ ist ein eindringlicher und authentischer Roman über das Erwachsenwerden und den Mut, einen eigenen Weg zu suchen.

Leseempfehlung: ein toller Debütroman von Kea von Garnier.
von Arambol - 2026-02-23 22:05:00
Autor: Arno Strobel

Überzeugender Serienauftakt - 5 Sterne


„Wenn die Welt zu laut wird, musst du dorthin, wo sie dich nicht findet.“

„Ungelöst. Die erste Zeugin“ von Arno Strobel ist der Auftakt einer neuen Cold-Case-Serie. Im Mittelpunkt steht die Medizinstudentin Luisa Menkhoff: Auf einem Vermisstenflugblatt erkennt sie eine Frau, die sehr eng mit ihrer eigenen Vergangenheit verknüpft ist. Nicole Klement war einst die Partnerin des Mannes, der Luisa als fünfjähriges Mädchen entführt hatte. Aufgrund ihrer besonderen Fähigkeit – sie verfügt über ein fotografisches Gedächtnis – kann Luisa sich noch sehr konkret an jedes einzelne Detail erinnern. Sie wendet sich an die Münchner Polizei und trifft dort auf Hauptkommissar Ramin Brunner. Beeindruckt von Luisas Erinnerungen, holt er sie als Beraterin für den aktuellen Vermisstenfall hinzu.

Strobel startet seinen neuen Thriller eher behutsam und bemüht sich, sein Ermittlerduo zunächst möglichst ausführlich und detailreich einzuführen. Ramin Brunner agiert dabei stets sehr empathisch, und Luisa Menkhoff wirkt vor allem aufgrund ihrer eiditischen Fähigkeit interessant. Eine Identifikation mit den beiden Hauptprotagonisten fällt leicht. Durch die langsame Entwicklung der Charaktere braucht die Handlung zwar etwas Anlaufzeit, doch sobald sie Fahrt aufnimmt, entfaltet sich ein Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Mich hat das Buch von da an bis zur letzten Seite gepackt; die Spannung bleibt permanent auf extrem hohem Niveau.

Mit Bernd Menkhoff, dem Vater von Luisa, begegnet man einer Figur, die Kenner der „Mörderfinder“-Reihe wiedererkennen dürften – doch das ist kein Muss: Der Thriller funktioniert vollständig eigenständig und ist auch ohne Vorkenntnisse problemlos verständlich.

Die Ermittlungen verlaufen alles andere als geradlinig. Zahlreiche Spuren, widersprüchliche Aussagen und offene Fragen stehen im Raum, die sich zunächst nicht zu einem schlüssigen Gesamtbild fügen wollen. Immer wieder glaubt man, der Lösung näherzukommen – nur um kurz darauf erneut eine überraschende Wendung zu erleben. Bis kurz vor Schluss hatte ich keine klare Vorstellung davon, worauf alles hinausläuft. Die letztliche Auflösung empfand ich als schlüssig und gut vorbereitet.

Typisch für Arno Strobel ist der klare, präzise und schnörkellose Schreibstil. Die vielen überschaubar kurzen Kapitel, schnellen Perspektivwechsel und gezielt eingesetzten Cliffhanger sorgen für ein hohes Tempo und machen es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Der Spannungsbogen reißt kaum ab, selbst in ruhigeren Passagen bleibt stets ein unterschwelliger Druck bestehen.

Als Auftaktband erfüllt „Ungelöst. Die erste Zeugin“ genau das, was man sich von einer neuen Reihe wünscht: Der Fall wird konsequent zu Ende erzählt und stimmig abgeschlossen, gleichzeitig weckt das Finale große Neugier auf die weitere Entwicklung der Figuren und des neuen Ermittlerteams.

Fazit: Temporeich, überraschend und hochspannend – für mich klar 5 von 5 Sternen wert.
von Arambol - 2026-02-14 16:52:00