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Rezensionen

Rezensionen von HEYN Leserunde, Wolfgang Pfleger

Autor: Tanja Kokoska

Kaleidoskop der Menschlichkeit - 5 Sterne

„Guten Morgen, schönes Wetter heute“ erzählt von Menschen, die auf den ersten Blick wenig miteinander verbindet und deren Lebenswege sich dennoch auf überraschende Weise berühren. Aus vielen einzelnen Geschichten entsteht ein dichtes Geflecht aus Hoffnungen, Enttäuschungen, Eigenheiten und Sehnsüchten. Die Figuren wirken dabei bewusst vertraut und manchmal sogar klischeehaft, ohne jemals in Sentimentalität oder Kitsch abzurutschen. Gerade diese Wiedererkennbarkeit macht es leicht, sich in den unterschiedlichen Charakteren wiederzufinden. Besonders gelungen ist, wie die Autorin die einzelnen Schicksale miteinander verknüpft und daraus ein stimmiges Gesamtbild entstehen lässt. Die Erzählung zeigt Menschen mit ihren Stärken und Schwächen, ohne sie zu bewerten oder zu idealisieren. Dabei werden keine einfachen Antworten auf die Herausforderungen des Lebens gegeben. Nicht jede Geschichte findet einen versöhnlichen Abschluss, und manche Fragen bleiben offen. Das verleiht dem Roman eine glaubwürdige, manchmal auch nachdenkliche Note. Ein lesenswertes Buch für alle, die Geschichten über Menschen und ihre vielfältigen Lebenswirklichkeiten schätzen.
von HEYN Leserunde, Wolfgang Pfleger - 2026-06-11 22:58:00
Autor: Florence Knapp

Drei Namen, drei Geschichten - so what? - 3 Sterne

Drei Namen für ein neugeborenes Kind, drei Lebensgeschichten, die sich bei der Taufe entscheiden: 1. Bei "Bear" (Idee der Schwester) wird der Nachbar durch den gewalttätigen Vater ermordet, er geht ins Gefängnis, die traumatisierte Ehefrau ist alleinerziehende Mutter. 2. Bei "Julian" (Idee der Ehefrau) wird sie selbst vom Vater ermordet, er geht ins Gefängnis, die Mutter der Mutter zieht die Kinder auf. 3. Bei "Gordon" (Vorgabe des Vaters) wachsen die Kinder im Haus des gewalttätigen Ehemanns, der gepeinigten und geprügelten Gattin auf. Jö schau, habe ich mir gedacht, was für ein interessanter Plot. Leider wurde ich enttäuscht, habe ich doch daraus resultierende subtil und stringent ausgearbeitete, psychologisch fundierte Lebensverläufe erwartet. Leider haben die in Siebenjahres-Schritten erzählten Episoden meine Erwartungen keineswegs erfüllt und ich habe nach und nach das Interesse am Buch verloren. Es wäre wahrscheinlich besser gewesen, auf eines der drei Szenarien zu verzichten und in den verbleibenden eine größere Tiefe zu erreichen.
Kein schlechtes Buch, aber da wäre mehr gegangen
von HEYN Leserunde, Wolfgang Pfleger - 2026-04-17 16:58:00
Autor: Norbert Gstrein

Seelische Versehrtheit - 4 Sterne

Norbert Gstrein erzählt in seinem neuen Roman "Im ersten Licht" von den physischen und psychischen Verletzungen, die der Krieg in den Menschen hinterlässt – Verletzungen, die nicht verheilen, sondern ein Leben lang nachwirken. Die erlebten Traumata sind allgegenwärtig und prägen Biografien weit über das eigentliche Kriegsgeschehen hinaus - für die Überlebenden - Täter, wie Opfer - aber auch für Hinterbliebene, Freunde und Verwandte.
Adrian bildet dabei eine scheinbare Ausnahme: Alle waren im Krieg, nur er nicht – sein Vater bewahrte ihn durch einen brutalen Schlag aufs Bein vor der Einberufung. Doch gerade diese Abwesenheit vom Krieg wird zu einer eigenen Last. Die Auseinandersetzung mit dem Krieg lässt ihn sein Leben lang nicht los und führt in seinem Fall zu einer bedrückenden Sprachlosigkeit, völliger Talentlosigkeit zu Zuneigung und Liebe, ja geradezu zu einer seelischen Invalidität, die sein Leben bestimmt.
Gstreins Sprache wirkt seltsam aus der Zeit gefallen, von einer ruhigen, schwermütigen Präzision getragen, die dem Text eine eigentümliche Schwere und Nachdenklichkeit verleiht. Mich hat das Buch stark an den Ton des Buches "Der Mann ohne Eigenschaften" von Robert Musil, in dem Denken, Zögern und innere Spannungen wichtiger sind als äußere Handlung. Gleich diesem Klassiker ist die Lektüre von "Im ersten Licht" Knochenarbeit, selten belohnt durch freudvolle Lichtmomente.
von HEYN Leserunde, Wolfgang Pfleger - 2026-02-01 18:33:00
Autor: Nina George

Roman mit Tiefgang. Leseempfehlung! - 5 Sterne

„Die Passantin“ von Nina George entführt auf berührende Weise in das Leben einer Frau, die sich unter falschem Namen neu erfindet und damit die Fesseln ihres bisherigen Daseins hinter sich lässt. Die Protagonistin begibt sich auf einen Weg der Befreiung aus patriarchalen Fesseln, der in seiner Intensität und Klarheit lange nachhallt. Wer sich auf diese Geschichte einlässt, wird nicht nur mitgerissen, sondern auch nachhaltig berührt – eine absolute Empfehlung für alle, die Literatur mit Tiefgang lieben.
von HEYN Leserunde, Wolfgang Pfleger - 2025-11-09 22:30:00
Autor: Julia Engelmann

Zäh - 3 Sterne

Das Leben einer 15-Jährigen kann ganz schön zäh sein. Selbstmitleid, Selbsthass, Mobbing, Sehnsucht nach dem abwesenden Vater, Hass auf die Mutter, unverstanden fühlen, dann ein Lichtblick in Form des neuen Mitschülers "Pommel" - über weite Strecken vermag Julia Engelmann diese Tristesse im Leben von Charlie gut zu schildern. Leider wird die Geschichte im Verlauf immer langatmiger und langweiliger, vorhersehbar und ohne Finessen. Irgendwann wurde auch für mich das Lesen richtig zäh. Zusammenfassend: weder sprachlich, noch inhaltlich überzeugend.
von HEYN Leserunde, Wolfgang Pfleger - 2025-09-14 20:34:00
Autor: Leon Engler

Ein schweres Pinkerl! - 4 Sterne

Welch schweres Pinkerl der Protagonist des Romans zu tragen hat! Leon Engler erzählt in seinem Debütroman sprachlich brilliant über (s)eine (?) Familie, die voll von allen möglichen psychopathologischen Störungen ist. In dieser Botanik des Wahnsinns versucht der Ich-Erzähler normal zu bleiben, indem er Psychologie studiert und als Psychologe arbeitet, bzw. zu arbeiten versucht. Er scheitert in seinem Versuch, "normal" zu sein, wen wundert es bei dieser Familie! Wie sagt er am Ende treffend: "Gute Nacht, meine allerliebste böse Mutter". "Gute Nacht, mein allerliebster böser Vater".
Ein schweres Pinkerl hat aber auch der Leser zu tragen: Es gibt kaum Lichtblicke in diesem schwermütigen und für mich auch beklemmenden Roman.
Leseempfehlung? Ja, aber nur für sonnige Gemüter mit stabiler Gemütslage!
von HEYN Leserunde, Wolfgang Pfleger - 2025-08-04 11:59:00
Autor: Clare Leslie Hall

Groschenroman - 1 Sterne

Ein Roman zum Vergessen, wie ein Groschenroman: einfachste Sprache, Klischees, Kitsch, Banalitäten, künstlich wirkende zeitliche Verschränkungen, um ein wenig Spannung zu erzeugen.
Eine Qual von der ersten bis zur 392. Seite.
von HEYN Leserunde, Wolfgang Pfleger - 2025-06-16 11:52:00
Autor: Katharina Köller

Packend - 5 Sterne

Ein starker Mix macht diesen in der Sprache knappen aber äußerst dichten Roman zu einem großartigen, packenden Leseerlebnis:
Zwei zunächst rätselhafte Cousinen, die wortkarge, tierliebende, menschenhassende Johanna, die als Almöhi zurückgezogen auf einer Tiroler Alm lebt und die unglückliche Schuh-Designerin Marie, die aus einer durch Gewalt und Erniedrigung geprägten Beziehung aus Wien auf ebendiese Alm flüchtet.
Das Zusammentreffen der vermeintlichen Pechmarie Johanna und der um Anerkennung heischenden, im falschen Leben lebenden vermeintlichen Glücksmarie Marie.
Prägende Kindheitserlebnisse, entzogene und gewährte Eltern- und Großelternliebe, psychische Gewalt in der Erziehung in unterschiedlichster Ausprägung und physische Gewalt in der Ehe, die die Protagonistinnen zu dem gemacht haben, was sie sind.
Extrem starke Erzählsequenzen, wie die Flucht von Marie durch den nächtlichen Wald auf die Alm, der „Kampf“ mit Hubsi, dem Ziegenbock, die Schilderung eines alpinen Gewitters und schließlich das körperlich und schlussendlich auch sprachlich ausgetragene Ringen der Cousinen um Selbsterkenntnis und gegenseitiges Verständnis.
Zweifelhafte Exemplare der Spezies Mann repräsentiert durch den prägenden Großvater und den quälenden Ehemann und symbolisiert durch den Ziegenbock Hubsi.
Viele Klischees, viele Stereotypen, viel Schwarz-Weiß und wenig Grau-Schattierungen, die aber für mich genau so richtig waren.
Am Ende zwar keine Lösung aber den Hauch an Selbsterkenntnis und auch gegenseitiges Verstehen der Protagonistinnen.
Stark ! Absolute Leseempfehlung!
von HEYN Leserunde, Wolfgang Pfleger - 2025-04-02 05:15:00
Autor: Victor Lodato

Ein "Ja, aber"-Buch - 3 Sterne

Der Plot der Geschichte von Honey, einer dem Mafia-Millieu entflohenen Frau, die im hohen Alter wieder in Ihre Geburtsstadt zurückkommt und dann von ihrer Vergangenheit eingeholt wird, ist an sich interessant. Nach einem starken Beginn verflacht die Erzählung zunehmend und bleibt enttäuschend oberflächlich und beliebig.
von HEYN Leserunde, Wolfgang Pfleger - 2025-01-23 18:47:00
Autor: Takis Würger

Großartig! - 5 Sterne

Ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand gibt, bis man es ausgelesen hat. Fesselnd, berührend, traurig und schön!
von HEYN Leserunde, Wolfgang Pfleger - 2025-01-23 18:38:00