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Rezensionen

Rezensionen von Chris

Autor: Eva Björg Ægisdóttir

Spannender Island‑Thriller, aber der Schluss fällt etwas ab - 4 Sterne

„Home Before Dark“ von Eva Björg Ægisdóttir startet direkt in die Geschichte und ist von der ersten Seite an extrem spannungsgeladen und mysteriös. Die Erzählweise ist sehr dicht, bildhaft und bestechend gut geschrieben, sodass man sich regelrecht in die nordisch‑düstere Landschaft und die angstgeladene Atmosphäre hineinversetzt fühlt.

Die Handlung dreht sich um Marsibil, die im ländlichen Island versucht, das vor zehn Jahren spurlos verschwundene Schicksal ihrer Schwester Stina aufzuklären. Zusätzlich muss sie mit ihren eigenen Zweifeln an der eigenen Erinnerung kämpfen – was Traum, was Realität ist, bleibt oft unklar und erhöht die Spannung zusätzlich.

Der Aufbau des Romans ist sehr gelungen: Die Geschichte von 1967 mit der verhängnisvollen Verabredung, bei der sich Marsibil als ihre Schwester ausgibt, und das darauffolgende Verschwinden von Stina, bildet eine starke Grundlage für den aktuellen Fall. Die Enthüllungen, die sich langsam entfalten, und die psychologische Spannung sorgen dafür, dass man das Buch kaum mehr aus der Hand legen möchte.

Ich habe rund drei Viertel des Buches in nur wenigen Tagen verschlungen und war sehr begeistert von Tempo, Stimmung und Charakterzeichnung. Die Autorin schafft es, Isolation, Angst vor dem eigenen Verstand und die beklemmende Bedrohung eines Mörders, der noch frei ist, sehr lebendig zu inszenieren.

Kritik bekommt der Roman bei mir vor allem für den Schluss: Dort passiert sehr viel innerhalb kurzer Zeit, die Handlung wirkt etwas überladen und wirkt stellenweise nicht mehr ganz stimmig oder realistisch. Die letzten Seiten hinterlassen einen etwas ratlosen, fast „abgedrehten“ Eindruck, der sich nicht ganz organisch aus der restlichen Erzählung ergibt.

Alles in allem ist „Home Before Dark“ aber ein sehr lesenswerter, atmosphärischer Thriller, der durch seine starke Figurenzeichnung, die Island‑Atmosphäre und die konstante Spannung überzeugt. Wer psychologische Krimis mit einem düsteren Setting mag, kommt hier voll auf seine Kosten – auch wenn der Schluss nicht ganz an die Qualität des restlichen Buches heranreicht.
von Chris - 2026-05-10 20:49:00
Autor: Christin Bohnke

Wunderschön illustriert – eher für Erwachsene oder ältere Kinder - 4 Sterne

„Südkorea“ von Christin Bohnke mit Illustrationen von Josephine Pauluth ist ein wunderschönes Buch, das mich optisch total begeistert hat. Das matte, hochwertige Cover und die tolle Haptik machen richtig Lust, reinzublättern.

Die Illustrationen sind das absolute Highlight: Sie dominieren das Buch, sind unglaublich toll gezeichnet, mit so viel Liebe zum Detail gestaltet und sprechen mich als Erwachsenen voll an. Jede Seite fühlt sich wie ein kleines Kunstwerk an, das Südkoreas Atmosphäre lebendig macht – von farbenfrohen Motiven bis hin zu feinen Nuancen, die neugierig machen.

Der Text ist im Vergleich klein und unterstützt die Bilder, während verschiedene Themen wie Geschichte, K-Pop und koreanische Küche abgehandelt werden – informativ und übersichtlich.

Ich wollte das Buch mit meinem 10-jährigen Sohn lesen, aber ehrlicherweise muss ich sagen: Die Themen haben ihn nicht allzu spannend gefunden, er hat schnell das Interesse verloren. Es wäre super als Referats-Hilfe für die Schule geeignet, ansonsten aber eher etwas für Ältere.
von Chris - 2026-04-19 15:28:00
Autor: Greta Herrlicher

Ein gefühlvoller Roman über alte Wunden und neue Nähe - 4 Sterne

Ein wunderbar flüssig geschriebenes Buch, das sich sehr angenehm lesen lässt – perfekt für den Urlaub. Besonders gut hat mir gefallen, wie greifbar die drei Hauptfiguren Britta, Pia und Martin beschrieben sind. Obwohl sie so unterschiedlich sind, spürt man ihre gemeinsame Vergangenheit und die emotionale Verbindung zwischen ihnen deutlich.

Die Atmosphäre der kleinen Stadt und die sommerlich-melancholische Stimmung sind sehr gelungen eingefangen. Allerdings war das „große Geheimnis“, das die Geschichte umgibt, für mich recht vorhersehbar, sodass der überraschende Moment am Ende ein wenig ausblieb.

Trotzdem ist „Der Sommer, der uns blieb“ ein schönes, einfühlsames Buch über Freundschaft, Vergebung und die Macht gemeinsamer Erinnerungen – ideal für alle, die ruhige, emotional stimmige Geschichten mögen...
von Chris - 2026-04-07 16:24:00
Autor: Christien Brinkgreve

Wenn Erinnerungen neu sortiert werden - 5 Sterne

„Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen“ hat mich viel stärker berührt, als ich erwartet hätte. In wenigen, intensiven Tagen gelesen, blieb es lange nach der letzten Seite in mir nachhallen.

Brinkgreve beschreibt, wie sie nach dem Tod ihres Mannes nicht nur das gemeinsame Haus entrümpelt, sondern auch die Geschichte ihrer Ehe und ihre Liebe sortiert. Sie erzählt von ihrem Leben als erfolgreiche Professorin und vierfache Mutter an der Seite eines Mannes, der oft negativ und vermutlich depressiv war – und stellt sich rückhaltlos die Frage, warum sie geblieben ist, wie sich ihre Beziehung im Lauf der Jahre verschoben und verschlechtert hat und ob es „andere Wege“ gegeben hätte.

Besonders berührend fand ich, wie sie über alte E-Mails und Briefe nicht nur Verletzungen, sondern auch fast vergessene schöne Momente zurückgewinnt. Dieses Buch ist kein leichter Trost, sondern ein ehrlicher, unsentimentaler Blick auf Trauer, Liebe und die Grauzonen einer langen Beziehung – und gerade deshalb wirkte es sehr stark auf mich.
von Chris - 2026-03-02 16:38:00
Autor: Madeleine Becker

Wurzeln schlagen - 5 Sterne

Madeleine Becker folge ich seit Jahren auf Instagram und liebe ihre gefühlvolle Schreibweise sowie ihre tollen Fotos, die immer so lebendig wirken. Ihr Buch "Gekommen, um zu bleiben" hat alle meine Erwartungen erfüllt und sogar übertroffen – es fühlt sich an wie ein Besuch auf ihrem Hof.

Es zeichnet ein realistisches Bild vom Umzug und dem neuen Leben auf dem Hof, ohne jegliche Schönfärberei. Besonders toll finde ich, wie sie einzelnen Kapiteln die Tiere des Hofs widmet: Sie beschreibt beispielsweise präzise die Charaktereigenschaften der Kühe, wie sie leben, sich verhalten und welche individuellen Eigenarten sie haben – das macht jedes Tier lebendig und greifbar. Gleichzeitig nimmt sie klar Stellung gegen Massentierhaltung und thematisiert dieses unschöne Thema mutig und einfühlsam, was dem Buch Tiefe verleiht.

Auch der Gartenabschnitt begeistert mich: Es ist inspirierend, wie viel sie selbst anbaut und den Kreislauf von Natur und Ernährung zeigt. Gleichzeitig verschweigt sie nicht, dass nicht alles gelingt – Misserfolge und Lehrgeld sind ehrlich eingebaut, was das Ganze authentisch und ermutigend macht. Die bildhafte Sprache lässt mich alles genau vor mir sehen, die Fotos verstärken diesen Effekt perfekt und ziehen einen richtig rein.

Unaufgeregt, leise und wunderschön – das Lesen hat mir riesigen Spaß gemacht und motiviert mich, selbst bewusster im Alltag Wurzeln zu schlagen.
von Chris - 2026-03-02 16:35:00
Autor: Elisabeth Sandmann

Starke Frauen - vergessene Heldinnen - 5 Sterne

Den Roman „Wir dachten, das Leben kommt noch“ von Elisabeth Sandmann habe ich in nur zwei Tagen gelesen. Die Geschichte über bislang unentdeckte Heldinnen des Zweiten Weltkriegs hat mich gefesselt und tief berührt.

Der Roman erzählt von Frauen, die als Agentinnen für Churchills Spezialeinheit (SOE) im besetzten Frankreich tätig waren. Die BBC-Moderatorin Gwen soll über den Einsatz dieser britischen Agentinnen berichten und nimmt Kontakt zu der ehemaligen Agentin, Pat, auf. Diese erzählt ihr von ihrer geheimen Arbeit im Widerstand und den Gefahren, die sie dabei auf sich nahm.

Im Verlauf des Romans werden weitere Frauen vorgestellt, deren Schicksale sich nach und nach miteinander verknüpfen. Das ist an manchen Stellen etwas verwirrend, da auch Decknamen verwendet werden – doch gerade das macht die Geschichte spannend und authentisch.

Alles in allem ist es ein beeindruckender und bewegender Roman über Mut, Zusammenhalt und die oft vergessenen Frauen im Krieg.
von Chris - 2026-02-02 10:49:00
Autor: Laura Maaß

Sehr bewegend - 5 Sterne

Die Autorin Laura Maaß hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Ihr Erzählstil ist tiefgründig, ruhig und gleichzeitig unglaublich angenehm.

Im Mittelpunkt des Romans stehen Jule und Andi, die als beste Freunde in einem kleinen Ort in Mecklenburg, nahe der Elbe und der innerdeutschen Grenze, in der DDR aufwachsen. Als Jugendliche verlieben sie sich ineinander.

Mit viel Einfühlungsvermögen und Intensität führt die Autorin die Leser*innen an die beiden Hauptfiguren heran – behutsam, aber eindringlich, sodass man sie nach und nach wirklich kennenlernt.

Die Wende bringt tiefgreifende Veränderungen in ihr Leben, auf die ich an dieser Stelle nicht näher eingehen möchte. Doch so viel sei gesagt: Diese Geschichte hat mich tief bewegt, zu Tränen gerührt und klingt immer noch nach.

Ein ganz besonderes Buch – ein Roman zwischen Freundschaft und Liebe, Ost und West – und einer Zeitenwende, die alles verändert.
von Chris - 2025-08-29 12:40:00
Autor: Ito Ogawa

Man muss sich darauf einlassen können - 4 Sterne

Es hat ehrlich gesagt etwas gedauert bis ich in das Buch von Ito Ogawa hineingefunden habe. Immer wieder habe ich das Buch weggelegt und ich konnte mit dem Konzept einer Briefeschreiberin ehrlich gesagt nichts anfangen.

Der Umbruch kam als die Protagonistin des Buches ihren Beruf mit einer Konditorin verglichen hat. So wie man einem besonderen Menschen eine Torte in einem Fachgeschäft kauft um damit seine Wertschätzung auszudrücken, kann man auch einen Brief von einer ausgebildeten Briefeschreiberin für einen wichtigen Menschen oder Anlass schreiben lassen. Die zweite Hälfte des Buches konnte ich dann auch irgendwie mehr verstehen und dadurch auch genießen.

Der Erzählstil ist sehr unaufgeregt, langsam und irgendwie auch still. Darauf muss man sich in jedem Fall einlassen können. Für mich ist es definitiv ein recht ungewöhnliches Buch.
von Chris - 2025-07-07 17:04:00
Autor: Frida Skybäck

Geht unter die Haut - 4 Sterne

Frida Skybäcks Roman Eisenblume startete ehrlich gesagt erst etwas zäh, hat mich dann aber irgendwann doch gefesselt. Das letzte Drittel des Buches ging dann absolut unter die Haut und es gab einige Überraschungen und unverhoffte Wendungen.

Die Autorin hat es geschafft, durch ihren Erzählstil die Ermittler Frederika Storm und Henry Calment lebendig werden zu lassen. Ich konnte mich gut in sie und ihre Gefühle hineinversetzen. Die Geschichte war für mich logisch und nachvollziehbar. Ab und an hätten es für meinen Geschmack aber etwas weniger Stereotype sein können (Frederika kämpft um Anerkennung und Henry leidet unter Eifersucht).

Den Bezug zur realen Medizingeschichte und die Beschreibung von Psychatrien in der Vergangenheit fand ich beklemmend und düster zugleich. Es ist erschreckend was diese Patienten durchmachen mussen und wie mit ihnen umgegangen wurde. Alles in allem ein solider Schwedenkrimi.
von Chris - 2025-07-07 16:59:00
Autor: Anne Stern

Sehr warm und gefühlvoll - 5 Sterne

Das Buch "Wenn die Tage länger werden" von Anne Stern stellt zwei sehr unterschiedliche Frauen in den Mittelpunkt.

Zum einen ist da Lisa, eine alleinerziehende Mutter eines sechsjährigen Sohnes. Sie ist zum ersten Mal seit Jahren für ein paar Wochen alleine ohne ihren Sohn und sie weiß dabei manchmal gar nicht was sie mit dieser ungewohnten Freiheit anfangen soll. Und dann ist da noch Ute, eine alleinstehende Obstbäuerin die gegen den Krebs und manchmal auch gegen die Einsamkeit kämpft.

Diese zwei unterschiedlichen Frauen lernen sich zufällig kennen und zwischen ihnen entwickelt sich ganz langsam eine Freundschaft. Obwohl das Buch von Alltagsproblemen von "ganz normalen Frauen" erzählt, hat es Anne Stern geschafft mich zu verzaubern. Der Roman und die Figuren darin haben mich berührt und mich zum Nachdenken über mein eigenes Leben und meine Herkunftsfamilie gebracht.
von Chris - 2025-04-25 20:41:00