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Rezensionen

Rezensionen von gabiliest

Autor: Silke Schellhammer

Was liegt denn hier vergraben? - 5 Sterne

Die SPIEGEL Bestseller- Reihe “School of Talents” hat Zuwachs bekommen. Mit “Neunte Stunde: Schatzfieber” gibt es wieder ein spannendes Abenteuer in dieser eigenartigen Schule, in der alle Kinder besondere Fähigkeiten haben. Schon auf dem fröhlichen Hardcover kann man die Schülerinnen und Schüler bei ihrer Suche beobachten.

Alva ist neu in der School of Talents und sie ist die Nichte des Direktors- aber das darf natürlich niemand wissen. So hat Alva neben ihrem Geheimnis noch zwei besondere Talente: Sie versteht die Sprache der Tiere, etwas, das sie wirklich lästig findet und sie schreddert superschnell ihre Tablets. Daher muss Alva im Sekretariat helfen- und sieh an, auch der Schulsekretär Herr Petrulla hat ein Geheimnis.

Doch jetzt bietet ein Lehrer, Herr Hagenbusch, ein neues Projekt an. Es geht um Ausgrabungen, da wollen Alva und ihre Freunde mitmachen. Vielleicht finden sie ja einen Schatz, die Lehrer benehmen sich sehr verdächtig und stecken genau das Gelände ab. Außerdem hat Herr Hagenbusch jede Menge seltsamer Pakete bestellt. Die wiegen ja fast nichts, was ist da bloß drin?

Die bekannte Autorin Silke Schellhammer hat mit dem neunten Band dieser beliebten Kinderbuchreihe eine spannende Geschichte geschrieben, in der Teetassen fliegen, Kinder unsichtbar werden oder sich in Monster verwandeln können. Natürlich läuft die vermeintliche Schatzsuche nicht reibungslos. Lange finden die Kinder nichts Bedeutendes, da könnte man ja mal selbst was vergraben. Warum werden die Grabungslöcher über Nacht zugeschüttet? Und wie kommt ein Boot in eine unterirdische Höhle und bringt fünf Kinder damit in große Gefahr?

“School of Talents: Neunte Stunde Schatzfieber” überzeugt mit interessanten Charakteren, die Fähigkeiten der Kinder sind magisch, doch nicht alle sind mit ihrem Können zufrieden. So wird Selma unsichtbar, ohne es zu merken und erschreckt damit die anderen Kinder, Mala herrscht über das Wasser und Niklas kann plötzlich Gegenstände groß werden lassen. Einen gefundenen Knochen, zum Beispiel. Ob der wohl von einem Dinosaurier stammt? Unterstützt wird diese fantasievolle Geschichte durch gelungene schwarz-weiß Illustrationen von Simona M. Ceccarelli. Um die Figuren besser kennen zu lernen, gibt es sowohl am Anfang wie am Schluss des Buches Porträts der Kinder und natürlich auch von Krähe Rodrigo, der sich gerne mit Alva unterhält, aber manchmal einfach verschwindet, ohne Bescheid zu sagen. Die große Schrift und die kurzen Kapitel machen das Buch leicht lesbar, damit ist es für Leseanfänger gut geeignet und wird ab acht Jahren empfohlen.

Mein Fazit:

In dieser witzigen, warmherzigen und fröhlichen Geschichte sind Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfe wesentlich, neben vielen magischen Elementen spart des Buch nicht mit unterhaltsamen Dialogen und Situationen. Ich habe das Buch mit meiner neun Jahre alten Enkelin gelesen, uns hat es sehr gut gefallen und wir geben gerne eine Leseempfehlung ab.
von gabiliest - 2026-06-24 16:33:00
Autor: Judith Spörl

Pompsi braucht eine Geschichte - 5 Sterne

Was passiert in der fantastischen Kinderbuchwerkstatt? Neben Schreiblingen und Farbklecksis tummeln sich hier Figuren, die aus Kinderbüchern ausgebüxt sind. So auch Marie, die an einem Plakat malt, als plötzlich ein kleiner grüner Kerl aus dem Bild herauspurzelt- richtig, der Pomps oder Pompsi, wie Marie ihn nennt.

In dieser magischen Buchwerkstatt erzählt Schreiblingin Judith Spörl fantasievoll darüber, dass Pompsi eine eigene Geschichte braucht, um unvergänglich zu werden, sonst würde er verblassen und letztlich verschwinden. Unvergänglich- das sind Kinderbuchfiguren ja wohl! Doch niemand will etwas schreiben, auch Marie nicht, sosehr Pompsi auch darum bittet. Warum kann Marie das nicht? Das hängt mit ihrem Geheimnis zusammen, doch da kann Pompsi helfen. Und als Marie sich endlich traut, bekommt auch Pompsi eine großartige Geschichte, in der er ein Held sein darf.

Autorin Judith Spörl und Farbklecksin- also Illustratorin- Arabell Watzlawik haben ein tolles Kinderbuch geschaffen, das die kleinen Lesenden dazu ermutigen soll, sich etwas zu trauen, ihre Träume zu verwirklichen und so zum Helden oder zur Heldin der eigenen Geschichte zu werden. Das Buch überzeugt mit Warmherzigkeit, Fröhlichkeit und besonderen Ideen. Freundschaft und gegenseitige Hilfe werden groß geschrieben, die Figuren finden einen geschützten Raum vor, in dem sie sich kreativ entwickeln und wachsen können. Kinder werden ermutigt, eigene Ideen umzusetzen, dann letztlich brauchen alle eine eigene Geschichte, in der sie eine wichtige Rolle spielen.

“Eine Tür für den Pomps” überzeugt durch kurze Kapitel, eine besonders klare Schrift und eine Erzählung, die Spannung bietet. Die Kinder werden Pompsi und Marie sowie die anderen sehr liebevoll ausgeführten Figuren des Buches sofort in ihr Herz schließen und sie gerne nicht nur in die Kinderbuchwerkstatt, sondern auch in den Kompostwald begleiten, wo sich alle Ideen finden, die nicht verwirklicht wurden, um dort zu wachsen und Blüten zu treiben. Diese schönen Sprachbilder werden durch detailreiche, künstlerische Illustrationen begleitet, für die die Farbe grün gewählt wurde, ein sehr guter Kompromiss zwischen schwarz- weiß Zeichnungen und bunten Bildern. Hier kommt das Auge zur Ruhe, die Kinder können gedanklich innehalten, denn oft ist uns Erwachsenen gar nicht bewusst, wie schwierig es für Anfänger ist, lesen und schreiben zu lernen. Das Buch gibt dafür eine behütende Atmosphäre vor, in der Benotungen und Kritik keinen Platz haben, genau so, wie man es sich in der Realität für die Kinder wünschen würde. Das Buch wird für Kinder ab acht Jahren empfohlen, durch sein praktisches Taschenbuchformat passt es gut in jeden Rucksack und auch in den Urlaubskoffer. Es eignet sich sehr gut dazu, im Schulunterricht eingesetzt zu werden, um die Kinder dazu anzuregen, ihre eigene Heldengeschichte zu schreiben.

“Eine Tür für den Pomps” ist ein kluges, außergewöhnliches und genau für das Lesealter der Zielgruppe gestaltetes Buch, das ich gerne weiterempfehle und mit fünf Sternen bewerte.
von gabiliest - 2026-06-22 13:18:00
Autor: Soraya Lane

Schmerzvolle Vergangenheit - 5 Sterne

Wenn dramatische Ereignisse aus der Vergangenheit die Gegenwart beeinflussen, hat die SPIEGEL Bestseller- Autorin Soraya Lane ihr neues Buch, das mittlerweile siebente der “Töchter-Reihe”, vorgelegt. “Die vergessene Tochter” entführt die Lesenden in die wunderschöne norwegische Landschaft und lässt sie teilhaben an zwei Liebesgeschichten, die die Chronik einer Familie umschreiben werden.

1950, im Sommer: In einem Hotel an einem idyllischen Fjord lernen einander das Stubenmädchen Amalie und der Hilfskoch Oskar kennen und lieben. Doch was Amalie nicht weiß: Oskar stammt aus einer reichen Familie, die sie niemals akzeptieren wird, nicht einmal, als ein Kind unterwegs ist. Oskar will Amalie nicht im Stich lassen, doch das Schicksal will es anders.

In der Gegenwart erhält Charlotte, die Urenkelin Amalies und begnadete Köchin, das Angebot, als Küchenchefin in einem fantastischen neuen Hotel in Oslo zu arbeiten. Als Charlotte, die bisher in London gelebt hat, von einer Frau ein geheimnisvolles Kästchen erhält, das ihre Urgroßmutter vor Jahrzehnten in einem Heim für ledige Mutter zurückgelassen hat, macht sich Charlotte auf den Weg in ihre Heimat. Als sie Amalie mit dem Kästchen konfrontiert, scheint die alte Dame zu neuem Leben zu erwachen, denn sie erinnert sich: An ihre erste Liebe, an Oskar und an ein Kind, das bis heute nicht weiß, wer eigentlich sein Vater ist.

Soraya Lane lässt parallel zur Aufarbeitung der Vergangenheit Charlotte selbst eine neue, wenn auch schwierige Liebe finden. Harrison, der Architekt des neuen Hotels und Bewunderer ihrer Kochkünste, wird ihr immer vertrauter. Doch gibt es ein einschneidendes Ereignis in seiner Vergangenheit, das er Charlotte verschweigt. Und tatsächlich- die Liebe scheint sich nicht zu erfüllen. Kann Charlotte noch glücklich werden?

“Die vergessene Tochter” ist ein romantisches Buch, das seine Geheimnisse nur langsam enthüllt. Die Autorin lässt ihre Protagonistinnen zwischen Liebe und Leid schwanken, Schatten der Vergangenheit wirken bis in die Gegenwart. Amelies Liebe litt unter den Konventionen ihrer Zeit, unter den Unterschieden, die die soziale Stellung von Menschen mehr betonten als ihren Charakter. Ihr schweres Schicksal, das sie in eine verzweifelte Situation brachte, schien unabwendbar, doch manchmal kennt das Leben Gnade. Ist ihre Tochter wirklich verloren?

Charlotte, eine moderne, tüchtige Frau, muss die eigene Vergangenheit, den Verlust der Mutter und die Herabsetzungen durch den Vater verkraften. Doch das hat sie stärker gemacht und dazu geführt, dass sie trotz aller Härten ihren Weg zur Spitzenköchin gehen konnte. Als es auch für sie eine neue Liebe zu geben scheint, wird Charlotte bitter enttäuscht. Gibt es für sie dennoch Hoffnung, dass sich ihre Liebe erfüllt?

Soraya Lane hat einen, romantischen, gefühlvollen Roman geschrieben, der drei Frauenleben, die durch ihre Zeit beeinflusst wurden, nachzeichnet. Als Leserin fühlt man mit den Figuren, hofft genau wie sie auf die Aufklärung von Amelies Geheimnis und das Happy- End für Charlottes Liebe. Dabei darf man sich in der wundervollen norwegischen Landschaft bewegen und versteht, wieso dieses Land nicht nur Heimat, sondern auch Sehnsuchtsort für die Protagonistinnen ist. “Die vergessene Tochter” ist ein stimmungsvoller Roman, der es erlaubt, bei der Auflösung von alten Familiengeheimnisses mitzufiebern und dennoch in der Gegenwart zu Hause zu sein. Ich empfehle das Buch gerne weiter und bewerte es mit fünf Sternen.
von gabiliest - 2026-06-21 11:24:00
Autor: Stephan Barth

Wunderwerke Mitochondrien - 5 Sterne

Dr. Stephan Barth ist ein ausgewiesener Fachmann auf den Gebieten der Medizin, Zellbiologie, Ernährungswissenschaft und Toxikologie. In seinem neu erschienenen Buch “Die heimlichen Heldinnen des Stoffwechsels” beschreibt er das Wunderwerk der Mitochondrien, die in jeder Körperzelle nicht nur als Kraftwerk fungieren, sondern auch Auswirkungen auf Nerven, Hormone und Gene haben. Der Autor bezeichnet die Mitochondrien als Superheldinnen- ja, die weibliche Formulierung passt, denn die Mitochondrien werden ausschließlich von der mütterlichen Eizelle beigesteuert.

Das Buch überzeugt mit seinem klaren Aufbau. Teil eins und zwei beschäftigen sich in amüsanter und wissenschaftlich fundierter Weise mit der Entstehung der Mitochondrien und verblüffen mit ihrer schier unglaublichen Zahl von 100 Billiarden (der Autor gibt uns eine Hilfe: Das ist eine Eins mit siebzehn Nullen). Man könnte auch sagen: Alle Mitochondrien eines menschlichen Körpers hinter einander gelegt ergeben eine Strecke von der Erde bis zur Sonne. Für mich waren diese Zahlen erstaunlich, denn man bedenkt gar nicht, welche unglaublichen Stoffwechselprozesse unter der Oberfläche im ganz normalen Alltag ablaufen. Auch war mir bisher nicht bewusst, dass Mitochondrien erschöpft sein können, ein Grund für Müdigkeit und Krankheit. Kernelement des Stoffwechsels ist also nicht Energieerzeugung, sondern Energieumwandlung durch die Mitochondrien. Zudem verfügt der Körper über die für Laien unerwartete Fähigkeit, Mitochondrien zu regenerieren. Genau das ist die Aussage des Buches: Pflege deine Mitochondrien, um lange gesund zu leben. Diese Teile des Buches sind für Laien vielleicht etwas schwierig, aber es lohnt sich, sie auch ein zweites Mal zu lesen. Unterstützt werden die Ausführungen durch sehr gelungene und anschauliche Illustrationen von Lea Hümbs.

In den Teilen drei und vier fand ich sehr hilfreiche Tests, um den eigenen Energiestatus zu überprüfen. Diese bieten einen guten Anhaltspunkt, welche Problemstellen im Alltag vielleicht verbessert werden sollen. Im letzten Teil finden sich konkrete und detaillierte Anleitungen, was man selbst zur Mitochondriengesundheit beitragen kann. Dabei habe ich festgestellt, dass sich einzelne Schritte im Alltag sehr leicht umsetzen lassen, zum Beispiel Kakao zu trinken und Nüsse zu essen. Auch die Bewegungseinheiten beginnen mit kleinen “Snacks” von einigen Minuten, die mit der Zeit je nach persönlichen Möglichkeiten ausgeweitet werden können.

“Die heimlichen Heldinnen des Stoffwechsels” ist ein Buch, das für Laien wie für Fachleute einen sehr guten und wissenschaftlich fundierten Überblick über das Thema Mitochondriengesundheit bietet. Im Text finden sich “ deep dive” Abschnitte, wo man einzelne Zusammenhänge sehr detailliert erklärt bekommt. Wer das zu kompliziert findet, liest einfach darüber hinweg. Am Ende des Buches befindet sich zudem ein ausführliches Quellenverzeichnis.

Ich habe das Buch fordernd, aber auch sehr hilfreich gefunden. Einerseits erklärt es Zusammenhänge aus wissenschaftlicher Sicht, die wirklich erstaunen lassen, andererseits bietet es aber auch für Laien eine gut verständliche Anleitung zur Verbesserung der eigenen Gesundheit und Langlebigkeit. Daher gebe ich gerne eine Leseempfehlung ab und bewerte das Buch mit fünf Sternen.
von gabiliest - 2026-06-17 18:32:00
Autor: Elisa Hoven

Im Zwielicht: Zwischen Recht und Gerechtigkeit - 5 Sterne

Die bekannte und renommierte Autorin Elisa Hoven hat mit “Feine Risse” den zweiten Band über die Strafverteidigerin Eva Herbergen vorgelegt. Wie der Titel schon sagt, sind es oft minimale Unterschiede eines Tatherganges, die den Ausschlag geben, welches Urteil über einen Straftäter gefällt wird. Ebenso feine Unterschiede führen zu einer völlig anderen Sichtweise, wenn man ein Verbrechen vom Standpunkt der persönlichen Moral aus betrachtet. Was ist jetzt Recht- und was ist gerecht?

Die Autorin, selbst Juristin, die Strafrecht an der Universität Leipzig lehrt und Richterin im Sächsischen Verfassungsgerichtshof ist, greift für ihren Roman auf spektakuläre Kriminalfälle zurück, die sie an die Geschichte des Buches anpasst und mit einem fiktiven Ende versieht. So ergeben sich nicht nur Einsichten in die Arbeitsweise der Justiz und der Ermittlungsbehörden, sondern auch die spannende Aufarbeitung von Verbrechen mit all ihren Facetten wie der Berichterstattung in den Medien und der öffentlichen Meinung. Um diesen Roman zu lesen, muss man aber keine Rechtskenntnisse haben, es geht um Taten, die in der Realität begangen wurden und deren Beurteilung durch die Gerichte zu Diskussionen Anlass geben kann.

Elisa Hoven hat als Hauptfiguren für ihren Roman das Ehepaar Herbergen gewählt. Eva ist eine bekannte und gefragte Strafverteidigerin, ihr Ehemann Peter lehrt an der Universität und steht knapp vor dem Ruhestand. So erfahren die Lesenden nicht nur die Sichtweise von Eva über den Gang der Gerichtsverfahren, die Beurteilung der Mandanten, die Zweifel am richtigen Vorgehen der Verteidigung und die Bewertung von Beweisen, sondern Peter bringt auch eine andere, persönliche Meinung zu den Fällen ein. Diese Fälle werden einigen Lesenden bekannt sein: Die Fahrt eines Betrunkenen, der ein Kind niederfährt und Fahrerflucht begeht; der Bergunfall eines Managers, der mit Bergführer eine zu schwere Tour geht oder das entführte Kind, dessen Aufenthaltsort der Entführer nicht preisgeben will. Die Aufzählung ist nur beispielhaft für die sehr gut ausgewählten spektakulären Verbrechen und ihre Aufarbeitung.

Ebenso wichtig ist die schöne, innige und gleichberechtigte Beziehung der Eheleute Eva und Peter, die selbst in ein länger zurückliegendes Kapitalverbrechen verwickelt werden, das Peters Familie betrifft. Während Peter eher zögerlich ist, veranlasst Eva die Auswertung der alten Spuren, das Ergebnis ist schockierend. Soll Eva Peter damit konfrontieren, denn wie wird er sein bisheriges Leben im Licht dieser neuen Erkenntnisse bewerten?

Abseits der Verbrechen beschäftigt sich das Buch mit ernsten, persönlichen Themen. Wie will man das eigene Alter verbringen, wie sich auf den Ruhestand vorbereiten? Soll Eva auch beruflich kürzer treten, wenn Peter in Pension ist? Darf man alten Bekannten vertrauen oder wird dieses Vertrauen missbraucht? Hier geht es nicht um Recht und Gerechtigkeit sondern um wichtige Lebensentscheidungen, um Weichen, die man für das eigene Schicksal stellt.

“Feine Risse” ist ein in gut verständlicher Sprache geschriebener spannender und interessanter Roman, der zwischen Realität und Fiktion changiert, ein Buch, das man am liebsten im einem Rutsch lesen möchte. Die Charaktere aller Protagonisten sind lebensnah ausgearbeitet, die Lesenden fühlen sich direkt in das Geschehen versetzt und beziehen unwillkürlich Stellung zu den jeweiligen Rechtsfragen und Schicksalen. Dieses Buch beeindruckt einerseits durch große Sachkenntnis, andererseits aber auch durch Empathie, sowohl für die Opfer als auch manchmal sogar für die Täter. Für mich war es ein Lesehighlight, ich empfehle es gerne und bewerte es mit fünf Sternen.
von gabiliest - 2026-06-08 18:51:00
Autor: Lucy Steeds

Wo das Licht am stärksten ist, ist der Schatten am dunkelsten (Leonardo da Vinci) - 5 Sterne

1957: Eine Frau steht in der National Gallery in London vor einem Gemälde, sie hat es gemalt. Als einziges hat es ein Inferno überstanden. Doch der Name des Malers auf dem kleinen Schild daneben lautet Édouard Tartuffe.

Südfrankreich 1920: Auf einem einsamen Bauernhof, in einer Landschaft die von Staub und Sonne flirrt, lebt der bekannte Maler Tata, Édouard Tartuffe. Seine Gemälde sind hochpreisig, er, der Schüler Cézannes, gilt als Meister des Lichts. Doch sein Charakter ist dunkel, menschenfeindlich, egoistisch und brutal. Kunst ist alles, mit dem Leben kommt er nicht zurecht. Das organisiert seine Nichte Ettie, die nach dem Tod der Mutter alleine bei ihm wohnt. Ettie hat gelernt, sich unsichtbar zu machen, um Tatas Wut zu entgehen. Doch führt sie, die sich um alles kümmert, im Hintergrund Regie. Als Joseph Adelaide, ein Journalist, auf den Hof kommt, wird er von Tata schroff abgewiesen. Tata gibt keine Interviews. Aber Joseph darf Modell sitzen, Joseph darf bleiben.

Die preisgekrönte britische Autorin Lucy Steeds hat mit “The Artist: Die Farben des Lichts” einen Roman vorgelegt, der in kurzen Kapiteln ein Gesamtbild erschafft, so wie an einem Gemälde immer ein Stück weitergearbeitet wird. Durch die beschreibende, dichte und atmosphärische Sprache stehen die Lesenden beobachtend am Rand der Geschichte, die Joseph und Ettie abwechselnd aus der Ich- Perspektive erzählen.

In dieser einsamen Szenerie begegnet man einsamen Menschen. Tata, der nur für seine Kunst lebt, hat schon lange kein Gemälde mehr gemalt, auf dem Menschen zu sehen sind. Er ist besessen von seinem Schaffensdrang und unfähig zu jeder sozialen Beziehung. Ettie, die sich mit einem unfreien, kleinen Leben arrangiert hat, wollte als Kind selber malen. Doch hat Tata ihre Gemälde zerrissen- es kann nur einen Künstler geben! So wird Ettie zu einem Geschöpf der Nacht, in der ihr eigentliches Leben abläuft. Langsam findet sie an Joseph Gefallen, langsam näheren sich die beiden an. Auch Joseph hat eine kurze Kunstausbildung und doch- Ettie erkennt klar, dass Joseph nicht richtig “sehen” kann. Spät wird Joseph Etties Geheimnis lüften, denn Ettie hat Tata bei seiner Arbeit ganz genau beobachtet, Ettie hat gelernt, auch wenn sie keine Kunstschule besuchen durfte.

Geprägt sind die Figuren von den Auswirkungen ihrer Zeit. Der zweite Weltkrieg ist kaum zu Ende, die Autorin lässt Ettie in einem Lazarett Verwundete pflegen und sich das erste Mal verlieben. In infernalischen Bildern schildert Lucy Steeds die Zustände im Lazarett, die Schmerzen und Verzweiflung. In diesem der Kunst gewidmeten Roman findet sich ein schreckliches und erschütterndes Kriegsbild. Daneben hat Tata begonnen, Essen zu malen, jedoch erst, wenn die Speisen in Verwesung übergehen- auch diese Gemälde ein Bild der Endlichkeit und Zerstörung, wenn auch durchflutet von wunderbarem Licht. Joseph möchte mit Ettie weggehen, doch kann sie Tata, den sie liebt und gleichzeitig hasst, alleine lassen? Als Tata die Beziehung von Ettie und Joseph herausfindet, sind seine Schreie von Tierlauten nicht zu unterscheiden. Doch in der Ferne leuchtet ein roter Schein, Ettie ist im Atelier verschwunden.

London 1957: Eine Frau steht in einer Kunstgalerie in London, ihre Bilder sind ausgestellt. Doch eines ihrer Bild hängt in der National Gallery, denn nur dieses eine wurde damals nicht vernichtet. Damals, als ein roter Schein Tatas Atelier erfüllte.

So gehen die Lesenden von Kapitel zu Kapitel, wie man in einem Museum von Saal zu Saal flaniert und bestaunen die mit Worten geschaffenen Bilder dieses außergewöhnlichen Romans, der historische Fakten und Fiktion vermischt, wunderbar zu lesen und zurecht preisgekrönt ist.
von gabiliest - 2026-06-02 21:54:00
Autor: Katharina E. Volk

Anton findet Freunde und ein Kätzchen - 5 Sterne

In der beliebten Leserabe- Reihe hat die bekannte Autorin Katharina E. Volk ein neues Buch für die Vor-Lesestufe vorgelegt. Schon das fröhliche, bunte und liebevoll gestaltete Hardcover zeigt Anton, dessen Herzenswunsch eine Katze ist- aber dieser Wunsch ist schwierig zu erfüllen.

Anton zieht mit seinen Eltern in eine neue Stadt, wo er niemanden kennt. Anton ist unglücklich. Doch in der Wiese neben dem Haus sitzt ein Kätzchen. Ob Anton es behalten darf? Leider geht das nicht, sein Papa ist allergisch gegen Tierhaare. Und Mama meint, dass das Kätzchen sicher jemandem gehört. Tatsächlich meldet sich eine Familie mit zwei Kindern, die ganz in der Nähe wohnen. So findet Anton Freunde und kann das Kätzchen immer besuchen. Nun fühlt sich Anton nicht mehr fremd.

Diese kindgerechte Geschichte ist hervorragend geeignet für Kinder, die die Vorschule besuchen oder Leseanfänger sind, denn die Hauptwörter sind im Buch als Bilder dargestellt. So können sich die Kinder aktiv beteiligen, ein Leseerlebnis, das schnellen Erfolg bringt und zum Weiterlesen ermutigt. Dadurch wird das Lesen von Anfang an als positiv empfunden und die Scheu, diese für Kinder schwierige Aufgabe zu bewältigen, verschwindet. Sarah Garbers hat das Buch phantasievoll illustriert. Die kurzen Kapitel, die große Schrift und die großzügige Seiteneinteilung erhalten die Lesefreude. Das Buch ist hochwertig ausgestattet, das dicke Papier ermöglicht, dass man es problemlos oft zur Hand nehmen kann, denn diese Geschichte möchten die kleinen (Mit)-Lesenden sicher öfter hören. Am Ende des Buches finden sich lustige Rätsel und eine Wörterliste zum Ausklappen.

“Eine kleine Katze für Anton” zeigt, dass ein Neuanfang auch etwas Gutes haben kann und ermutigt die Kinder, Freundschaften zu knüpfen. Auch wenn sich Wünsche nicht gleich erfüllen lassen findet sich doch oft eine passende Lösung. Viele Kinder werden sich in diesem Buch wiederfinden, denn fast jedes Kind hätte gerne ein Haustier.

Ich habe das Buch mit meinem Enkel gelesen, der bald seinen fünften Geburtstag feiert. Er mochte die Geschichte, fand Anton nett und meinte, er würde auch gerne mit ihm befreundet sein. Und ein Kätzchen wünscht mich mein Enkel schon lange- daher war es für uns genau das richtige Buch, das wir gerne allen großen und kleinen Leseratten empfehlen.
von gabiliest - 2026-06-01 23:18:00
Autor: Ingrid Brodnig

Wie digitaler Hass Frauen die Stimme raubt - 5 Sterne

Die durch ihre fundierten Analysen von digitalen Entwicklungen bekannte Autorin Ingrid Brodnig hat sich mit ihrem neuen Buch “Feindbild Frau” der Aufgabe gestellt, an Hand von Interviews mit Politikerinnen zu beleuchten, welchen Beleidigungen, Verfemungen und sexistischen Kommentaren Frauen ausgeliefert sind- natürlich vor allem dann, wenn sie sich auf öffentlicher Bühne bewegen.
In den geführten Interviews zeigen die Betroffenen sehr ehrlich, welchen negativen Einfluss auf ihr privates und berufliches Leben, ihren Gemütszustand und ihr Selbstbild Hasskommentare haben.

Die Autorin gibt Posts wieder, die Frauen auf Grund ihres Geschlechtes herabsetzen, sie obszön bedrohen und demütigen und - gerade für die interviewten Politikerinnen sehr wesentlich- ihnen die Kompetenz absprechen. So werden sie nicht nur persönlich, sondern auch fachlich diskreditiert. Dadurch wird der Transport politischer Botschaften schwierig, das Darstellen komplexer Sachverhalte fast unmöglich. Neben Drohungen gegen Leib und Leben schrecken Hassposter auch vor der Bedrohung der Familie nicht zurück. Betroffene überlegen, sich zurückzuziehen, eine Einengung des öffentlichen Diskurses und der Meinungsbildung ist die Folge.

Die Autorin empfiehlt Strategien, wie man solchen Hetzkampagnen in Internet begegnen kann und soll, von der Prüfung des eigenen Sicherheitslevels bis zum Vorgehen gegen Plattformen und Klagen vor Gericht. Hier möchte ich anmerken, dass die Frauen, die im Buch Raum bekommen, einerseits das Schicksal vieler anderer Frauen teilen, die in Sozialen Medien verbaler Gewalt ausgesetzt sind, andererseits den Politikerinnen sicherlich mehr Mittel und Unterstützung zur Verfügung stehen, auf die andere Frauen nicht zurück greifen können. Allerdings ist der Beruf der Politikerin besonders exponiert. Fake News, verkürzte oder polemisch dargestellte Sachverhalte im Internet können, vor allem wenn sie auch von den Printmedien aufgegriffen werden, das Karriereende bedeuten.

Besonders interessant fand ich, welche Rolle Ingrid Brodnig dem Humor zuschreibt. Humor kann und soll belustigen, wenn er jedoch auf Kosten anderer Menschen geht, ist er oft bösartig und kränkend. Besonders betroffen sind hier Menschen mit Migrationshintergrund oder nicht heterosexueller Orientierung sowie vulnerable Gruppen. Die Autorin nimmt auch Memes als Beispiele für die wiederkehrende Verunglimpfung, dafür, wie mit Bildsprache herabsetzende Inhalte transportiert werden.

“Feindbild Frau” wirft die Frage auf, ob es eine universale moralische Achtung gäbe. Würde sich unter dieser Annahme der Ton im Netz verändern? Meine persönliche Meinung dazu ist, dass ich diese universale Moral nicht sehe. Moral ist immer eine subjektive Norm und damit zu unterscheiden von Rechtsnormen. Hier bietet die Autorin den Ansatz, Opfer von Hass im Netz solidarisch zu unterstützen und zeigt dazu auch die Möglichkeiten auf. Viele Politikerinnen haben Social Media Abteilungen, um nicht direkt mit Hasspostings konfrontiert zu werden. Als “normale” Nutzerin könnte man jemand um Hilfe bitten, dem man vertraut. Und natürlich sollte man alle rechtlichen Möglichkeiten ausnutzen. Dazu und zu Ansprechstellen, die Hilfe bieten, finden sich eigene Anhänge im Buch. Ebenso findet sich im Anhang ein ausführliches Verzeichnis von Quellen und Anmerkungen.

“Feindbild Frau” ist ein hervorragendes Sachbuch, das mahnt, die Gesprächskultur im Netz zu hinterfragen und, wenn notwendig, Beiträge auch zu sanktionieren. Wenn Meinungen durch Falschinformationen, Drohungen oder Hass aus den öffentlichen Debatten verschwinden, Menschen sich aus der gesellschaftlichen Verantwortung herausnehmen, hat das auch demokratiepolitische Konsequenzen. Ingrid Brodnig stellt in ihrem Buch das Wissen bereit, dagegen anzukämpfen.
von gabiliest - 2026-05-31 14:26:00
Autor: Rebecca Reid

Wenn die Liebe ins Netz geht - 5 Sterne

Die bekannte Autorin Rebecca Reid hat mit ihrem Roman “Seven Rules For A Perfekt Marriage” erstmals ein Buch auf Deutsch vorgelegt. Wer jetzt denkt, einen Beziehungsratgeber gefunden zu haben, wird enttäuscht sein, wer jedoch einen modernen, heiteren, aber doch tiefgründigen Liebesroman erwartet hat genau zum richtigen Buch gegriffen. Das humorvolle Cover zeigt bereits, wie schwierig es ist, in einer Ehe den richtigen Weg zu finden um schließlich am Ziel, einer gelungenen Langzeitbeziehung, anzukommen.

Als Jack und Jessica heiraten, ist die Liebe groß und das Einkommen klein. Das ändert sich, als Jessica beginnt, auf ihren Social- Media- Kanälen Beziehungsratschläge zu geben und die sieben Regeln für eine perfekte Ehe zu promoten. Die Zahl der Follower steigt, Werbedeals folgen und ein Verlag bringt den Beziehungsratgeber “Seven Rules For A Perfekt Marriage” heraus. Jack und Jessica sind zu einer Marke geworden. Doch was ist mit der Liebe?

Jessica ist glücklich mit ihrer Arbeit und über ihr hohes Einkommen. Allerdings versucht sie schon lange, schwanger zu werden, aber es klappt nicht. Das belastet auch ihre Ehe. Jack ist unglücklich, er ist kein Instragram- Husband sondern sehnt sich zurück in seinen Journalistenberuf bei der BBC. Jessicas Arbeit hält er für oberflächlich, spät wird er erkennen, dass er sich getäuscht hat. Jessica findet, dass Jack sie nicht genug unterstützt. Doch was ist mit der Liebe?

Rebecca Reid lässt in ihrem Roman die beiden Protagonisten abwechselnd in der Ich- Form erzählen, Rückblenden zeichnen den Werdegang des Paares nach. Aus der Marke “Jack und Jessica” wird ein Paar, das unterschiedliche Lebensziele verfolgt. Jack betet Jessica an, aber hat das Gefühl, nie genügen zu können, ein Minderwertigkeitskomplex, der aus seiner Kindheit herrührt. Jessica verfolgt diszipliniert ihre beruflichen Ziele und leidet furchtbar unter ihrer Kinderlosigkeit. Denn was würde man von einem “Vorzeigeehepaar” mehr erwarten, als die Krönung ihrer Liebe durch ein süßes Baby. Vielleicht bringt ein Paar- Retreat Hilfe, den der Verlag veranstaltet und an dem auch fremde Paare teilnehmen. Doch dort macht Jack seiner Seele Luft- leider vor der falschen Person und mit unabsehbaren Folgen.

Rebecca Reid hat einen Liebesroman geschrieben, der auf authentische Weise schildert, wie Schwierigkeiten in einer Ehe entstehen, wenn beide Partner unterschiedliche Zukunftsvorstellungen haben, aber trotzdem an ihrer Liebe festhalten. Helfen die sieben Regeln, die Jessica und Jack aufgestellt haben wirklich, eine glückliche Ehe zu führen oder sollte man diese Regeln überdenken?

So versuchen Jessica und Jack, aus einer verfahrenen Situation, in der Eifersucht und Unehrlichkeit eine Rolle spielen, wieder zu einander zu finden. Auch wenn der Roman in seiner Tonalität heiter ist, hat die Autorin durchaus ernste Probleme ins Visier genommen. Es zeigt sich, wie belastend ein unerfüllter Kinderwunsch sein kann. Die Familien der beiden machen das Leben nicht leichter, denn ihre Ansichten sind grundverschieden. Und doch, kann Liebe all diese Hindernisse überwinden?

“Seven Rules For A Perfekt Marriage” ist mit locker- leichter Hand geschrieben und macht Spaß beim Lesen. Die Charaktere der Protagonisten sind sympathisch und gut ausgearbeitet, so nehmen die Lesenden unwillkürlich an den Problemen des Ehepaares teil und wünschen ihnen, eine Lösung zu finden. Rebecca Reid erzählt eine warmherzige Geschichte, die von großer Liebe und großen Herausforderungen handelt. Reichen sieben Regeln für das Glück? Um eine Antwort zu finden, empfehle ich gerne dieses romantische und unterhaltsame Buch.
von gabiliest - 2026-05-26 18:11:00
Autor: Naomi Ishiguro

Der Kampf um die Drachenperle - 5 Sterne

Die bekannte britische Autorin Naomi Ishiguro hat mit ihrem epischen Fantasyroman “The Rainshadow Orphans” den ersten Band einer Trilogie von vorgelegt. Dystopische Szenarien treffen auf den Kampf um Gerechtigkeit und das Gute im Menschen. Der farbenfrohe und phantasievoll entworfene Buchumschlag sowie der exklusive dreiseitige Motivfarbschnitt zeigen den Bezug zu japanischer Mythologie. Das Buch ist hochwertig ausgestattet, zum besseren Verständnis trägt eine Karte von Rainshadow Island am Buchanfang bei.

Rainshadow Island ist eine zweigeteilte Insel. Im wohlhabenden Abschnitt ist der Palast von Kaiserin Asayo Soramoto, die zusammen mit der Verbrecherorganisation der Lucky Crows über die Insel herrscht. Im durch einen elektrisch geladenen Stacheldrahtzaum von der Stadt abgetrennten Teil wohnen die Kinder des Hüters, eines Kindgottes, bettelarm und ausgebeutet. Dort lebten auch die drei Wahlgeschwister Mei, Toshiko und Jun Kawakami. Als Waisenkinder wurden sie von Tante Reiko aufgenommen. Der Anführer der Lucky Crows, Ken Saito, hat Tante Reiko ermordet. Seitdem leben die Geschwister im Verborgenen in der Stadt, um sich an Saito und den Crows zu rächen.

Bei einem Fest stiehlt Toshiko Ken eine Drachenperle, die übernatürliche Kräfte hat. Auch der kleine Haru, Sohn der Kaiserin, scheint diese Fähigkeiten zu haben, denn er kann Sonnengeister sehen und ist fest entschlossen, die Perle den Drachen, denen sie gestohlen wurde, zurückzugeben. Doch die Sensei, die Anführerin der Crows und selbst magisch begabt, scheut keine Brutalität, um die Perle zu erhalten. Denn sie und die Kaiserin planen, menschenähnliche Bots zu erschaffen. Dazu brauchen sie den Halbmond des Hüters, den armen Teil der Stadt. Nur Haru und die mutigen Bewohner scheinen das Blatt wenden zu können, es gibt fürchterliche Kämpfe. Doch dann taucht plötzlich ein Drache aus dem Meer auf..…

Naomi Ishiguro hat einen beeindruckenden Roman geschrieben, der nicht nur alternative Welten schafft, sondern auch Bezug zur Realität hat. So wird die Ausbeutung des armen Teils der Bevölkerung, ihre Angst und Not überzeugend dargestellt. Die absolute Herrscherin nützt ihre Untergebenen aus, die kaiserliche Garde und die Kriminellen bedrohen immer wieder das Leben der Menschen. Die Verflechtung mit einer Verbrecherorganisation, die enormen Einfluss gewonnen hat, ist nicht nur spekulative Fiktion sondern zeigt, welche gesellschaftlichen Entwicklungen absolute Herrschaft hervorbringen kann. Besonders hervorzuheben ist die stimmige Zeichnung der Charaktere der drei Geschwister. Mei ist ein Computergenie, als Hackerin gelingt es ihr immer wieder, die Kommunikationswege der Crows zu stören. Toshiko ist eine furchtlose Kämpferin, die nie aufgibt. Jun ist ein Heiler. Alle drei übernatürlichen Gaben sind unverzichtbar, um die Herrschaft der Kaiserin und das Elend der Hüterskinder zu beenden. Auch der kindliche Kaiser Haru, der Sonnenwesen liebt und bereit ist, ein gerechter Herrscher zu werden, ist einfühlsam dargestellt. Doch ist auch die Sensei besiegt? Wie eng liegen Loyalität und Verrat beisammen?

Mein Fazit:

Der Roman steht für phantastische Welten, bevölkert von magischen Wesen. Bittere Armut und Entrechtung stehen Menschen, die ihre Macht und Herrschaft missbrauchen, gegenüber. Nur mit Mut und Zusammenhalt gelingt es, dieses Joch und den Einfluss krimineller Organisationen abzuschütteln und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Verlustreiche Kämpfe bringen den Tod, aber auch Freiheit und den Glauben an eine bessere Zukunft. Dennoch ist das Böse noch nicht besiegt.

“The Rainshadow Orphans” ist ein bis zur letzten Seite spannender, ideenreicher und in bildhafter Sprache geschriebener Fantasyroman, auf dessen Fortsetzungen ich mich freue. Dieser erste Teil der Trilogie hat mir sehr gut gefallen und ich bewerte ihn mit fünf Sternen.
von gabiliest - 2026-05-24 16:20:00