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Rezensionen

Rezensionen von Igela

Autor: Shari Lapena

Etliche Twists - 5 Sterne

Ein Tag wie viele andere ist der Tag, an dem Bryden Frost spurlos verschwindet. Die junge Mutter bringt Töchterchen Clara in die Kindertagesstätte und fährt nach Hause ins Home-Office.

Abends bekommt ihr Mann Sam einen Anruf der Kindertagesstätte, seine Frau hat die dreijährige Clara nicht abgeholt. Sam beeilt sich, holt seine Tochter ab und fährt nach Hause.

Brydens Wagen steht in der Tiefgarage, ihre Handtasche mit Handy und Portemonnaie auf der Kommode im Flur. Doch von seiner Frau fehlt jede Spur...


Dieser Thriller spielt sich in einer gutsituierten und geordneten Familie ab. Ein Ehepaar mit einer Eigentumswohnung, guten Jobs und einer süssen kleinen Tochter. Scheinbar glücklich und zufrieden. Die Frau und Mutter verschwindet jedoch spurlos aus der gemeinsamen Wohnung. Ihr Mann, ihre Eltern, Schwester, die beste Freundin und Nachbarn sind entsetzt. Genau wie sie habe ich mich gefragt, ob Bryden freiwillig verschwand oder Opfer einer Gewalttat ist. Wenn ersteres: Weshalb sollte die glücklich verheiratete Frau verschwinden? Wenn letzteres: Wer ist für ihr Verschwinden verantwortlich?

Beide Fragen halten die Spannung am Laufen und die Autorin schafft es diese Spannung über die Ermittlungen und das ganze Buch zu halten. Denn sehr schnell wird die Polizei mit dem Fall betraut und sie finden so einiges heraus. Da verbirgt sich etliches hinter der Fassade. Bryden, sowie ihr näheres Umfeld, haben nämlich Geheimnisse. Weitere Figuren kommen ins Spiel und mit ihnen ergeben sich neue Fährten und Verdächtigungen.

Sehr schnell ist das Umfeld Brydens mit diesen Verdächtigungen zur Stelle. Da ist zum Beispiel ein Nachbar, der vorbestraft ist oder eine Zufallsbekanntschaft von Bryden, der ebenfalls Dreck am Stecken haben könnte. Aber auch ihre Schwester, die in einer True Crime Gruppe mitmischt oder ihre beste Freundin könnten etwas mit dem Verschwinden zu tun haben.

Dann deckt Detective Jayne Salter noch brisante Gegebenheiten aus Brydens Leben aus, die stutzig machen. Diese haben mich dann wieder auf die zweite Theorie, der des freiwilligen Verschwindens, schwenken lassen. Mitte Buch werden diese ersten Fragen beantwortet. Damit ist es jedoch noch nicht aus mit der Spannung. Denn nun fragte ich mich nach dem Grund des Ganzen.

Obwohl Shari Lapena nicht mit grossen Emotionen schreibt, fiebert man einfach mit. Die Handlung ist chronologisch geordnet und die Autorin verzichtet auf Perspektivwechsel oder Wechsel der Zeitebenen. Etwas, was mir sehr gut gefallen hat und in keinem Moment langweilig war.

Das und die überschaubare Anzahl Figuren lassen diesen Thriller relativ einfach und gradlinig lesen. So blieb mehr Zeit zum Rätseln! Etliche Twists machen diese Geschichte abwechslungsreich und so hat mich "Was sie nicht weiss" bestens unterhalten.
von Igela - 2026-06-23 15:27:00
Autor: Emma Stonex

Hass und Rache! - 4 Sterne

In einem Dorf in Wiltshire lebt Birdie Keller mit ihrer Familie mehr oder weniger glücklich. Einzig der Verlust ihrer jüngeren Schwester belastet sie immer noch. 18 Jahre ist es her seit Providence, ihre geliebte kleine Schwester, ermordet wurde.

Der Mörder James Maguiere ist im selben Dorf aufgewachsen, wurde verurteilt und sitzt seine Strafe ab. Die Nachricht, dass er entlassen wurde, lässt Birdie ihren Plan in die Tat umsetzen.

Einen Plan, den sie schon vor 18 Jahren geschmiedet hat. Der Täter soll sterben und erst wenn er tot ist, findet Birdie Ruhe.


Teil eins der Geschichte gehört Birdie. Sie wird getrieben von Hass. Hass auf den Mörder ihrer kleinen Schwester. Providence wurde 18 Jahre zuvor ermordet, der Mörder sitzt seither in Haft. Nun wird dieser entlassen und Birdie, mittlerweile Ehefrau und Mutter, hat nur auf diesen Tag gewartet. Denn jetzt will sie die Rechnung, die sie mit ihm noch offen hat, begleichen. Rückblicke in Birdies Kindheit, die in diesem Teil integriert sind, zeigen wie sehr sie an der kleinen Schwester hing. Die beiden wachsen bei der Grossmutter auf, da die Mutter keinerlei Interesse an ihren Töchtern zeigt.

Teil zwei widmet sich dem Mörder von Providence, der 18 Jahre lang seine Unschuld beteuerte. James Maguiere, aufgewachsen in einer destruktiven Familie, hatte von Beginn weg keinen guten Start in das Leben. Als jüngster Spross der weitaus berüchtigten "Säuferfamilie" des Dorfes gerät er sehr schnell auf die schiefe Bahn. Wird jemand mit einem solchen familiären Hintergrund automatisch zum Kriminellen? Mit dieser Frage setzt sich die Autorin auseinander und ich fand dies hochinteressant. Die Passagen, in denen James in Ich Perspektive erzählt, sind authentisch gehalten. Vom Schreibstil her merkt man, dass hier jemand mit einer tiefen Bildung seine Geschichte erzählt.

Danach gibt es weitere drei Teile mit beiden Protagonisten, zweitweise vermischt sich die Handlung. Diese ist einerseits dynamisch, dann wieder plätschert sie vor sich hin. Vor allem die Gedanken von James, die sich oft im Kreis drehen, sind zu sehr in die Länge gezogen.

Die Frage, ob dann schlussendlich Birdie James richtet, hat mich durch das Buch getragen. Warum sie zur Waffe greift, eröffnet sich nach und nach in den Rückblicken, die die Beziehung zwischen den Schwestern und den Maguire Brüder offenbaren. Hier zeigt sich, dass Schuld viele Gesichter haben kann und wie Rache oft Antrieb ist. Denn Birdie verlässt ihren sicheren Hafen, ihre Familie ... nicht nur um Rache zu üben, sondern auch um endlich ihre Trauer zu überwinden.

Dieses Buch ist kein Thriller, sondern ein Roman, in dem es um Gefühle wie Hass, Vergeltung, Schwesternliebe, aber auch um die Kindheit geht. Hier sieht man sehr schnell, weshalb ein Kind kriminell wird. Die vielen unterschwellig eingewobenen sozialen Probleme und Interaktionen haben mich gefesselt.
von Igela - 2026-06-20 20:40:00
Autor: Federico Axat

Zurück in die Zukunft - 4 Sterne

Anna de Marchi ist verliebt in ihren Freund Oliver Cohen und trotzdem ermordet sie ihn im Haus seiner Eltern. Nach dem Mord verschwindet die junge Frau, hinterlässt nur eine Notiz mit einem Datum.

Zwei Jahre später und genau an dem notierten Datum wird sie gefunden. Bewusstlos am Ufer eines Sees. Ihr fehlt die Erinnerung an den Mord, überhaupt kann sie sich nicht mehr an die Vergangenheit erinnern.

Anna wird in die psychiatrische Klinik Lavender Memorial eingewiesen. Doch die behandelnde Ärztin, Dr. Julia Katz, ist überzeugt, dass die Antwort, weshalb Anna gemordet hat, ausserhalb der Klinik zu finden ist. Dr. Katz schafft Anna auf eine Farm, was Annas Erinnerungen beeinflusst.


Ich benötigte 200 Seiten bis ich den Plot einigermassen verstanden habe. Die ersten 200 Seiten empfand ich als wirr und undurchschaubar. Ich hatte ständig das Gefühl, der Geschichte nicht folgen zu können. In diesem Teil musste ich mich ganz schön durchbeissen. Ich mag es nicht, wenn die Zeitebenen nicht klar sind oder ich ganze Passagen nicht einordnen kann. Ohne zu viel zu verraten, liegt genau hier das Zentrum dieses Psychothrillers, wie ich dann Mitte Buch begriffen habe. Was dann kommt, ist genial und habe ich so noch nie gelesen in einem Thriller. Aber eben, bis ich an diesem Punkt angelangt war, musste ich mich durchkämpfen. Es lohnt sich allemal.

Vorahnungen, Erinnerungen, Realität, Träume, Zukunftsvisionen, Einbildung: damit spielt der Autor und als Leser ist man ständig damit beschäftigt, alles entsprechend einzusortieren. Es geht leicht in die Richtung Fantasy und man sollte sich auf Grundthema Vorahnungen einlassen können. Es vermischen sich Passagen, die Anna im Jetzt erlebt mit Szenen aus der Vergangenheit und Erlebnissen in der Gegenwart. Das konnte ich nicht immer klar einreihen und manchmal war die Verwirrung gross.

Die Figuren, die im Mittelpunkt stehen, konnte ich sehr lange nicht einschätzen. Allen voran Anna, die ihren Freund ermordet haben soll und sich nun in der psychiatrischen Klinik befindet. Spielt sie ihrem Umfeld etwas vor oder hat sie wirklich keine Ahnung, was vor zwei Jahren geschah?

Ebenfalls ein Mysterium für mich war Dr. Julia Katz. Was verbirgt sie vor ihrer Patientin? Was steckt hinter der Beziehung zu ihren drei Kindern? Carla, die aus der ersten Ehe ihres Mannes stammt. Der neunjährige Martin, der spürt, dass seine Mutter zu ihm auf Distanz geht. Oder dem Nachzügler, Baby Aaron, dem sie die meiste Aufmerksamkeit schenkt. Sachen, die erst beim "Blick in die Zukunft" nachvollziehbar werden und ein Highlight der Geschichte sind.

Federico Axat spielt in diesem Psychothriller mit den Zeitebenen. Wo die Geschichte in der Handlung steckt, war mir nicht immer ganz klar. Dazu hätte ich mir, anstelle dieser kryptischen Zeitangaben, klare Ansagen bei Kapitelbeginn gewünscht.
von Igela - 2026-06-17 15:48:00
Autor: Ulf Kvensler

Ueberraschend! - 5 Sterne

Da sein gehyptes Buch eine Eintagsfliege war, arbeitet Autor Marcus Andersson wieder als Postbote. Seinen Traum, einen weiteren Bestseller zu schreiben, hat er jedoch noch nicht ganz aufgegeben. Deshalb sagt Marcus zu, als er von seinem Bekannten Ernst gebeten wird dessen Manuskript zu prüfen und vielleicht auch bei einem Verlag unterzubringen.

Das Buch schlägt ein wie eine Bombe. Aber Ernst Fabricius möchte nicht unter dem eigenen Namen, sondern unter einem Pseudonym veröffentlichen. Durch ein Missverständnis prangt jedoch Marcus Namen auf dem veröffentlichten Buch, es wird ein Bestseller.

Als Ernst Forderungen an Marcus stellt, verliert dieser die Kontrolle über die Situation.


Eine Story mitten aus Schweden:

Diese Geschichte handelt in der Welt der Literatur und zeigt die Geduld und den Durchhaltewillen, die ein Schriftsteller haben muss. Dies vor allem, wenn ihm nach einem gefeierten Buch nichts mehr einfällt, um nachzudoppeln. Es zeigt aber auch, wie abhängig die Autoren von wohlwollenden Rezensionen ihrer Leser oder der Buchkritiker sind.

Marcus hatte einen hochgelobten Bestseller geschrieben und ihm will nun nichts Gescheites mehr einfallen, geschweige denn gelingen. Er musste sich eine andere berufliche Perspektive suchen. Ist er aus der Not heraus so empfänglich für die Bitte seines alten Freundes Ernst? Dieser bittet ihn nämlich, für seinen Erstling die Fühler auszustrecken.

Marcus, der durchwegs aus seiner Sicht erzählt, kommt dem Leser unheimlich nahe. Ich konnte seine Gedankengänge gut nachvollziehen. Ehrlich gesagt, habe ich auch verstanden, dass und wie er in diesen Schlamassel hineingerutscht ist. Plötzlich stand da sein Name, statt des vereinbarten Pseudonyms, auf dem Cover des Buches. Was sich der Protagonist gegen Schluss noch einfallen lässt, darüber kann man sicher geteilter Meinung sein...

Mich hat die Richtung, in die die Geschichte geht, völlig überrascht. Auf dem Cover steht ganz klar nicht "Thriller". Etwas, was mir gefällt und mich auch beeindruckt. Bedauerlicherweise wird nämlich oft diese Genreeinteilung auf die Cover gedruckt, auch wenn der Inhalt es keinesfalls ist.

Diese Geschichte hier würde ich als Spannungsroman betiteln, auch wenn es mittendrin Opfer gibt. Tote, die ermordet wurden.

Ein Gedanke noch zu Nathalie, mit der Marcus verheiratet ist. Sie ist ein wahres Biest, von sich mehr als überzeugt und eine Nummer für sich. Nathalie hat bei mir Emotionen ausgelöst, jedoch eher negative. Ebenso Ernst, der es, wie sich am Schluss zeigt, faustdick hinter den Ohren hat.

Mit einigen überraschenden Wendungen konnte mich Ulf Kvensler begeistern.

Die Handlung enthält Lügen, Betrug, Rechtfertigungen, Trennung, Hass und ja auch Mord. Ulf Kvensler hat nach "Die Insel" und "Der Ausflug" wieder ein Buch abgeliefert, das mich fesseln konnte.
von Igela - 2026-06-15 16:56:00
Autor: Sarah Goodwin

Unterhaltsam - 4 Sterne

Ziel erreicht, heisst es für Amelia Knox. Sie und ihr Freund Ford wurden zu der begehrten Sommerparty der Familie Fowley eingeladen. Ford ist der Cousin des wohlhabenden Gastgebers Lawrence Foley. Dieser residiert in einer luxuriösen Villa an der norwegischen Küste, in der auch das Sommerfest stattfindet.

Einem Anwesen, von dem ein Jahr zuvor Amelias jüngere Schwester Rose verschwunden ist.

Amelia will herausfinden, was mit Rose geschehen ist und hat sich nur diesem Zweck an Ford herangemacht. Geht ihr Plan auf?




Nachdem ich von der Autorin schon "Die Yacht" und "Das Resort" gelesen habe, war ich gespannt auf ihren neusten Thriller. Einem Thriller, der dieses Mal in einem exklusiven Setting mit Figuren, die sehr wohlhabend sind, handelt. Die Reichen und Einflussreichen treffen sich zu einem längeren Partywochenende.

Sehr schnell habe ich mich gefragt, was mit Amelias jüngerer Schwester Rose geschehen ist und was Mysteriöses auf diesen Sommerpartys vorgeht. Dass ich mich dafür durch allerhand Partybeschreibungen lesen musste, hat mich zuerst nicht gross gestört. Irgendwann einmal wurde es jedoch langatmig und ich war froh um vereinzelt brisante Szenen, denen Amelia ausgesetzt wird.

Fast die ganze Geschichte lang steht Amelia im Mittelpunkt der Handlung. Eine junge Frau, die sich clever in die illustre Gesellschaft einschleicht. Sie hofft aufzudecken, was ein Jahr zuvor auf jener Sommerparty, von der Rose verschwunden ist, geschah.

In der Gegenwart wird ordentlich gefeiert und gebechert. So mancher Partygast übertreibt es und es gibt auch Tote. Diese Party könnte buchstäblich überall stattfinden. Beschreibungen der norwegischen Küste mit dem titelgebenden Fjord, gibt es nur zurückhaltend.

Sarah Goodwin hat es geschafft, dass trotz einiger Längen die Geschichte unterhaltsam bleibt. Gegen Ende gab es für mich auch noch zwei überraschende Wendungen betreffend Täter. Ehrlich gesagt, habe ich nicht mit dieser Auflösung gerechnet und so bleibt ein "Aha-Gefühl" zurück.
von Igela - 2026-06-12 13:53:00
Autor: Samantha Hayes

Geheimnisse... - 5 Sterne

Eine abgelegene Lodge in Schottland dient als Feriendomizil für die Familie Hunter. Seit ihrer Kindheit haben die Schwestern Kate, Darby und Bea zahlreiche Ferien mit ihren Eltern Connie und Ray in dem Ferienhaus verbracht.

Nun, drei Monate nach Rays Beerdigung, hat Connie ihre Töchter und deren Familien für zehn Tage in das Haus am Ufer des Loch Muir eingeladen.

Doch es sollen nicht nur Ferientage mit den Töchtern, deren Partner und den Enkeln werden...Connie muss ihnen vorsichtig beibringen, was in Rays Testament steht. Eine Nachricht, die ihr die Familie zu entreissen droht.

Samantha Hayes punktet mit dieser Familiengeschichte, die sich nach und nach zum Psychothriller entwickelt. Die Hunters versuchen den Tod von Ehemann, Vater, Schwiegervater und Grossvater Ray zu verarbeiten. Das Familienoberhaupt starb drei Monate zuvor. Seine genaue Todesursache liegt erstmal im Dunklen und wird nicht genau benannt.

Doch dies ist nicht das einzige Geheimnis, das Familie Hunter den Lesern vorenthält. Mutter Connie, die ihren Töchtern Einzelheiten des Testaments beibringen muss, hütet ein Geheimnis. Ebenso wie zwei ihrer Töchter, sowie ein Schwiegersohn. Und dann ist da auch noch der äusserst seltsame zweite Schwiegersohn mit seinem verstockten Sohn aus erster Ehe.

Fast jedes Familienmitglied verheimlicht, vor einem oder mehreren Mitgliedern der Familie, etwas. Dabei tauchen auch bei einigen Mordgedanken auf. Etliche Figuren, die in eigenen Kapiteln in den Mittelpunkt gerückt werden, erzählen ihre Sicht auf das ganze "Familiendrama". Dabei sind alle Figuren authentisch und als Leser erkennt man, weshalb sie agieren, wie sie agieren. Einmal mehr zeigt sich hier, wie prägend die Kindheit für einen Menschen ist. Kate ist da das beste Beispiel dafür.

Sehr fesselnd und ausgesprochen spannend hat die Autorin mit Wendungen, die mich unvorbereitet getroffen und begeistert haben, die Story garniert. Einige Rückblicke, die die Vergangenheit von Connie und Ray thematisieren, vertiefen die Story noch. Diese sind wegweisend für die Handlung in der Gegenwart und ergänzen diese gut. Mich hat dieses Buch bestens unterhalten und ich lege es jedem ans Herz, der ein Faible für geheimnisumwitterte Familiengeschichten hat.
von Igela - 2026-06-09 10:36:00
Autor: Solveig-Marie Kastner

Sommerfeeling! - 4 Sterne

Mia Hoffmann hat ihren sicheren Job in Deutschland gekündigt und hat eine Stelle an der Algarve angenommen. In Portugal wird sie in dem luxuriösen Plâto Beach Resort als Yogalehrerin arbeiten.

Doch die Traumstelle entpuppt sich für Mia als weniger glamourös als gedacht. Die junge Frau findet nur schwer Anschluss. Die anderen Animationsmitglieder benehmen sich seltsam. Nur Barkeeper Yanis ist freundlich und sie verliebt sich Hals über Kopf.

Doch nicht nur Yanis verbirgt etwas, auch Mia verheimlicht den Grund für ihren Aufenthalt in dem Luxusresort. Als eine Leiche an die Bucht des Hotels gespült wird, verdichten sich die Verdächtigungen...auch zwischen Mia und Yannis.


Ideal, wenn man diesen Sommerthriller an einem Strand lesen kann. Ich denke mit dem entsprechenden Urlaubsfeeling im Rücken kann dieses Buch punkten. Ein Luxus - Resort am Meer, Sommerpartys am Strand, Yogastunden, gutes Essen und Sonne bilden die Grundlage dieser Geschichte.

Es dauert hingegen eine Weile bis sich die Thriller - Seite zeigt. Erst mal geht es um die Ankunft Mias in dem Resort, ihr Einleben und die Versuche in der Crew der Animateure Anschluss zu finden. Das stellt sich als sehr schwierig heraus und die junge Frau ist kurz davor aufzugeben. Wenn da nicht ihre kurzen Gedanken wären, die sie den Lesern offenbart. Sehr schnell begreift man, dass noch eine andere Motivation sie antreibt, in dem Resort zu bleiben. Das und die unterschwellig unheimliche Stimmung hat mich dran bleiben lassen. Auch wenn ich mich durch Flirts, Sommerliebe und eifersüchtige Mitkollegen lesen musste.

Die auf dem Klappentext versprochene Leiche lässt sich Zeit, hat jedoch meine Vermutungen angekurbelt. Wer musste sterben und wer ist verantwortlich für diese Leiche? War es ein Unfall oder Mord?

Die Geschichte wird aus Sicht von Mia, von Yanis und einer weiteren Figur geführt. Da jede Figur in Ich Perspektive erzählt, sieht man Beziehungen, Geschehnisse und Erlebnisse jeweils in einem andern Licht. Etwas, was Tiefe in die Story bringt, denn die Sichten unterscheiden sich oft sehr.

Einige brenzlige Situationen retten diese Geschichte über die manchmal langatmigen Beschreibungen von Beziehungen hinweg. Erst gegen Schluss zeigt sich, dass dieses Buch eben doch ein Psychothriller ist. Über einige Klischees, die die Gäste des Hotels betreffen, musste ich schmunzeln. Der Schreibstil ist gut. Einzig das Wort "klebrig", das die Örtlichkeiten des Personals immer wieder mal beschreibt, hätte sparsamer eingesetzt werden dürfen.
von Igela - 2026-06-07 11:34:00
Autor: Camilla Sten

Viele (weibliche) Figuren - 3 Sterne

Das Wochenende auf der kleinen Schäreninsel Isle Blind soll nicht nur in einem Yoga Retreat stattfinden, sondern zugleich ein Junggesellinnenabschied sein.

Eine Handvoll Freundinnen feiert das letzte Wochenende, an dem Anneliese unverheiratet ist. Tessa, eine der Freundinnen, weiss jedoch als einzige, dass auf Isle Blind vor zehn Jahren vier Freundinnen spurlos verschwunden sind.

Die Journalistin hofft mehr über diesen Cold Case herauszufinden, will jedoch die anderen nicht beunruhigen. Was kläglich misslingt, denn eine der Freundinnen stirbt ...


Dieser Thriller spielt sich auf verschiedenen Zeitebenen ab. Zu der Zeit vor 10 Jahren, als die vier Freundinnen verschwunden sind und nun als Cold Case gehandelt werden. In der Gegenwart, der Zeit des Junggesellinnenabschieds. Aber auch ab und zu vor beiden Ereignissen oder kurz nach dem ersten. Es wird dadurch sehr unruhig und die grosse Figurenanzahl, zum grossen Teil weiblich, sorgen zusätzlich für Verwirrung. Ich musste immer wieder überlegen, wer denn jetzt wer ist und in welche Zeitebene ich die Figur einsortieren muss.

Die Frauen feiern unter sich und die Themen sind, wie der Titel so sagt, Bachelorette würdig. Trinkspiele, Gespräche über Männer und Frauen, Beziehungen untereinander, Karriere... dies über weite Passagen die vorherrschenden Themen. Oft sitzt die Frauengruppe beieinander und tauscht sich über die oben genannten Themen aus.

Das bisschen Spannung, das man in der ersten Hälfte spürt, wird hauptsächlich durch das Setting erzeugt. Eine kleine Schäreninsel, auf der das einzige Boot erst mal verloren geht. Damit fehlt erst einmal die Möglichkeit von der Insel zu kommen. Nicht neu als Setting, aber passend zu der Geschichte. Der Täter wird lange vor Schluss nebenbei präsentiert. Hier hat die Autorin mich durch eine zusätzliche Komponente versöhnen können.

Der Thriller hätte Potenzial, das aber leider mit unnahbaren und zu vielen Figuren verschenkt wurde.
von Igela - 2026-05-31 16:28:00
Autor: Annika Strauss

Science-Fiction - 3 Sterne

Als Vierjährige bekommt Alysee Marek von ihrem Vater Jörg Steigemann die Anweisung nicht einzuschlafen. Jörg fleht seine Tochter regelrecht an. Doch das kleine Mädchen ist zu müde und schläft ein. Als Alysee wieder erwacht, ist sie Waise. Nach ihrer Mutter ist nun auch ihr Vater tot.

Zwanzig Jahre später: Alysee ist in einer Pflegefamilie aufgewachsen und die traumatischen Erinnerungen an den Abend verfolgen sie immer noch. Sie tritt das Erbe ihres Vaters an und hofft herauszufinden, aus welchem Grund er sterben musste.




Das Autorenduo Fitzek und Strauss, die mit "REM" ihr gemeinsam geschriebenes Buch herausgaben, sind in der Buch-Welt bekannt. Von beiden habe ich schon mindestens ein Buch gelesen und so war ich gespannt auf diesen Horror-Thriller.

Mir war dabei bedauerlicherweise nicht bewusst, dass die Geschichte so sehr Richtung paranormale Phänomene geht. Ja, eigentlich ist die Einteilung "Horror" damit gegeben und ich musste mich doch sehr darauf einlassen. Es tummeln sich also Monster, spukende Hunde, KBI (künstliche biologische Intelligenzen) und Gestaltenwandler in der Geschichte. Wichtiges Werkzeug und Dreh- und Angelpunkt ist ein Somnakular, ein erfundener Gegenstand der Autoren. Mit dieser Brille können Träume aufgezeichnet und betrachtet werden. Sehr futuristisch und Science-Fiction angehaucht. Wie gesagt, ich musste mich darauf einlassen. Die Prise Liebe, die mitläuft, ist hingegen sehr real.

Belohnt wurde ich mit einem tollen Schreibstil. Immer wieder stiess ich auf Sätze, die mich berührt haben. " ... der Mensch, bei dem das Wort Liebe zu einem Gefühl wurde". (Seite 189).

Die vielen Perspektivwechsel und Zeitsprünge fand ich oft verwirrend. Gewaltbeschreibungen, bei denen ich mich oft gefragt habe, ob das nun von einer Figur geträumt oder in der Handlung geschieht, berechtigen das Wort "Thriller" hinter dem "Horror". Oft eklig und ab und zu nicht so richtig passend in der Handlung, die ja schon auch "Thriller" sein sollte. Manchmal habe ich mir gedacht, dass diese Gewaltbeschreibungen genau zu diesem Zweck eingefügt wurden. Vor allem der Aufenthalt Alysees und Weggefährten in einem alten Hotel zieht viele dieser Beschreibungen an und gipfelt in abstrusen Passagen.

Kann man lesen, man muss sich aber wirklich bewusst sein, dass es Richtung Science-Fiction geht.
von Igela - 2026-05-28 13:30:00
Autor: Andrea Mara

Durchwegs spannend. - 5 Sterne

Der 4-jährige Milo ist zum ersten Mal bei Jacob zum Spielen eingeladen. Seine Mutter Marissa Irvine steht, wie per Nachricht mit Jacobs Mutter vereinbart, vor der Türe an der Tudor Grove Nummer 14 in Kerryglen und will ihren Sohn abholen.

Doch Milo ist nicht bei der angegebenen Adresse. Dort lebt eine unbekannte Frau, die nicht weiss wo Milo abgeblieben ist.

Jacobs Mutter Jenny Kennedy schwört kein Spieldate vereinbart zu haben. Milo bleibt verschwunden. Der ganze Bezirk in dem Dubliner Vorort ist beunruhigt und Gerüchte machen die Runde...


Die Geschichte beginnt harmlos, ja sogar alltäglich. Eine Mutter, die ihr Kind bei einem Freund abholen will. Doch weder ist das Kind an der angegebenen Adresse noch lebt die neu zugezogene Familie dort. Die Einladung erfolgte per Nachrichten und Milo wurde direkt nach der Vorschule zum Spieldate mitgenommen.

Die Horrorvorstellung aller Eltern dient als Einstieg und heizt schon mal ordentlich ein. Doch es wird noch verzwickter und variantenreicher. Denn die Autorin hat mehrere überraschende Wendungen eingebaut, die das Spannungslevel hochhalten. Dem anfänglichen Grauen, nicht zu wissen, wo Milo abgeblieben ist, wird nämlich noch einen draufgesetzt. Dabei wird der Fokus weniger auf die Ermittlungen gelegt. Denn im Mittelpunkt stehen die Eltern des Vermissten, sowie Jacobs Mutter Jenny. Letztere wird zu einer wichtigen Person für Marissa, Milos Mutter.

Sehr authentisch ist die Panik von Marissa und das Schuldbewusstsein von Jenny beschrieben. Gerade die Gefühle von Jenny, die sich verantwortlich für das Verschwinden des kleinen Jungen fühlt, konnte ich nachvollziehen. Unterschwellig schwingt immer die Frage mit, wo Milo ist und ob er noch lebt.

Die Autorin hat einen Thriller geliefert, der vorwiegend im familiären Umfeld handelt. Eltern, die am Schultor ihre Kinder von der Vorschule abholen, Familien in denen die Fassade wichtig ist, wohlhabende Eltern, die den Spagat zwischen Beruf und Kindern mit einer Nanny lösen. Es geht oft um Kinder, Erziehung und Beziehungen innerhalb der Familie und zu den anderen Eltern. Trotzdem hat Andrea Mara es geschafft, diese "Familiengeschichten" zu einem psychologisch gut ausgearbeiteten Thriller zu verarbeiten. Es wird nie langweilig, auch wenn ganz viel Kinderbetreuung oder Schwiegermutterkatastrophen drinstecken.

Auf die Auflösung, was mit dem Vierjährigen geschehen ist, wäre ich nie gekommen. Denn das ist clever, trickreich und sehr unterhaltend.
von Igela - 2026-05-26 10:43:00