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Esther SchüttpelzGrüne Welle

Hardcover

Diogenes (2026)

208 Seiten; 18.4 cm x 11.6 cm

ISBN 978-3-257-07381-2

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Grüne Welle

Hauptbeschreibung

Nach dem Kinobesuch mit ihrer besten Freundin setzt sich eine Frau in ihr Auto und fährt heim – bis eine Umleitung sie von ihrem Weg abbringt. Sie verpasst Ausfahrt um Ausfahrt, entfernt sich immer weiter von ihrem Zuhause, wo ihr Mann auf sie wartet. Nach einer ganzen Nacht und dem folgenden Tag wird klar: Vielleicht wäre es besser, wenn sie nie wieder zu ihm zurückkehren würde. Denn so unheimlich die Finsternis der Landstraßen und Tankstellen auch ist, die wahre Gefahr lauert dort auf sie.




Text der Buchrückseite

Mit Mitte vierzig hat sich ihr Leben auf wenige Routinen reduziert, dazu gehört der monatliche Kinobesuch mit ihrer besten, ihrer einzigen Freundin. Doch statt in ihrem Auto zurück nach Hause zu fahren, entfernt sie sich, wie von einer unsichtbaren Schnur gezogen, immer weiter von ihrem eigentlichen Ziel, und fährt auf einer »grünen Welle« über Autobahnen und Landstraßen durch die ganze Nacht und den folgenden Tag. Was zuerst aussieht wie eine unwillkürliche Irrfahrt, wird mit jedem Kilometer mehr zu einer Flucht vor der Gegenwart und einer Reise in die Vergangenheit – ein Road-Trip, der ihr Leben verändern könnte.




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Genug Sympathie für den Teufel?
von bedard
Genug Sympathie für den Teufel?

Der Roman von Esther Schüttpelz erzählt von einer Frau, die sich einmal im Monat mit ihrer einzigen Freundin im Kino trifft. Danach fährt sie in ihrem alten Golf Kombi mit Rolling-Stones-Aufkleber, defektem Blinker und Türen, die sich nicht mehr richtig verschließen lassen, zu ihrem Mann nach Hause. An diesem Abend jedoch zwingt eine Umleitung sie durch die Straßen ihrer früheren Kunststudentinnenzeit. Sie verfährt sich, will an der nächsten roten Ampel wenden – doch alle Ampeln stehen auf Grün.
Was folgt, ist eine scheinbar ziellose Fahrt durch die Nacht, getragen von einem inneren Monolog.

Schüttpelz verzichtet fast vollständig auf Namen und reduziert das Personal auf ein Minimum. Statt Handlung dominiert Reflexion: über das Leben der Protagonistin als Ehefrau eines erfolgreichen Anwalts und über ihre künstlerische Entwicklung. Dabei entsteht ein konstant unterschwellig bedrohliches Gefühl.

Ein Einschnitt erfolgt im Morgengrauen durch einen Rehunfall – wie vieles in diesem Roman von symbolischer Bedeutung. Später nimmt sie zwei Anhalterinnen mit, eher aus Überrumpelung als aus freier Entscheidung. Als sie nach ihrem Namen gefragt wird, nennt sie sich spontan „Amy“, inspiriert von einem Song von Amy Winehouse. Mit diesem Namen verändert sich auch ihr Verhalten: Sie wirkt offener, interessierter, beinahe befreit. Erst als eine der jungen Frauen ihre Fassade durchdringt, bricht diese Rolle zusammen – und die Protagonistin flieht.

Zentrales Thema des Romans ist Gewalt in Beziehungen, insbesondere in ihrer subtilen, schwer greifbaren Form. Explizit benannt wird die physische Gewalt erst auf Seite 49; bis dahin bleibt sie eine Ahnung. So ergeht es auch der Freundin der Protagonistin: Sie spürt, dass etwas nicht stimmt, begegnet dem Ehemann, der nach außen charmant und kontrolliert wirkt, und gerät dennoch kurz in seinen Bann.
Gerade darin liegt die Stärke des Buches: Es zeigt, wie geschickt toxische Dynamiken verborgen werden und wie schleichend Manipulation das Selbstvertrauen der Betroffenen untergräbt, bis ihnen die Kraft zur Flucht fehlt.

Schüttpelz arbeitet stark mit Symbolen. Nahezu jedes Detail ist bedeutungstragend, besonders die im Radio gespielten Songs. Der Rolling-Stones-Aufkleber zu Beginn findet seine Entsprechung am Ende in „Sympathy for the Devil“ – ein möglicher Wendepunkt, an dem die Protagonistin erkennen könnte, dass ihre „Sympathie“ für den Teufel ein Ende haben muss.

„Großartig“ trifft es, auch wenn das Buch keine leichte Lektüre ist. Die präzise, durchdachte Sprache verlangt Aufmerksamkeit, belohnt diese jedoch auf jeder Seite. Die Namenlosigkeit der Figuren unterstreicht dabei die eigentliche Aussage: Diese Geschichte könnte jede treffen.

Fahr um dein Leben!
von Kwinsu
Es gibt Bücher, die begeistern mich. Weil sie eingänglich geschrieben sind, einen besonderen Schreibstil vorweisen, eine berührende und / oder mitreißende Geschichte erzählen, die nachhallen. Und dann gibt es Bücher wie "Grüne Welle", die ich so feiere, dass ich am liebsten jede/r ein Exemplar in die Hand drücken und sagen möchte: Du musst das lesen!

Im Mittelpunkt steht eine Frau, später wird sie sich Amy nennen, die im Auto fährt. Und fährt. Und fährt. Und sich denkt: wenn die nächste Ampel auf rot schaltet, kehre ich um. Doch es kommt keine rote Ampel, dafür aber immer mehr die Gedanken an ihr Leben, das so wie es ist, nicht gut ist. Ihr Mann ist herrisch, bestimmt über sie, schränkt sie ein, ja, eigentlich sperrt er sie ein. Nur einmal im Monat darf sie mit ihrer Freundin ins Kino gehen, muss aber gleich danach wieder heim kommen. Die Frau ist nur mehr ein Schatten ihrer selbst, nein, eigentlich ist sie gar nicht mehr sie, ihre Träume, ihre Pläne, alles vergessen, der Mann hat sie fest im Griff. Warum also nicht einmal planlos durch die Nacht düsen, die Gedanken schweifen lassen? Das Reh vor ihrem Auto wollte es anders und bringt eine Begegnung mit zwei Tramperinnen mit sich. Im Gespräch mit ihnen erinnert sich die Frau wieder an sich selbst, an ihre Kunst, an das selbstbestimmte Leben, dass sie einmal hatte.

Wie genial Ester Schüttpelz sich an das Thema häusliche Gewalt annähert, ohne belehrend, zu offensichtlich oder zu plakativ zu sein, zeigt sich vor allem an der Wahnsinnssprache. Sie setzt unterschiedliche Stilmittel ein um die Universalität des Themas häusliche Gewalt aufzuzeigen: die Frau bleibt lange nur die Frau; nur kurz, als sie die vertiefenden Gespräche mit den Tramperinnen führt und für einen Augenblick zu sich selbst zurück findet, wird sie wieder Amy - eine eigenständige Person, ein Mensch mit Talenten, Träumen und Hoffnungen. Im Schutze der Anonymität ist sie das unsichtbare Opfer, Gefangen in einem Käfig, der beherrscht wird von dem Mann, der sie als Besitz ansieht. Außerdem nutzt die Autorin Symbolik als starkes Element der übertragenen Situationsbeobachtung. Der plötzliche Stopp, den sie durch das Reh einlegen muss, steht der rasanten, unaufhaltsamen Autofahrt, die eigentlich eine Flucht ist, diametral entgegen, bringt sie jedoch in weiterer Folge für einen kurzen Moment zur Rückbesinnung auf sich selbst. Das Reh ist tot, wie sie selbst, doch sie will es noch nicht ganz gehen lassen.

Die Gewalt, die die Frau in allen Facetten erleben muss, wird nie so wirklich direkt beschrieben, aber feine Andeutungen lassen eine/n beim Lesen wissen, wie der Hase läuft. Ihre - mittlerweile einzige - Freundin, weiß nichts, vermutet aber viel, hat das richtige Gespür und droht Gefahr sich vom Mann täuschen zu lassen. Und die Frau selbst - bis zum Schluss wissen wir nicht, ob sie die Kraft aufwenden wird können, um sich zu befreien.

"Grüne Welle" betört mit einer Tiefgründigkeit, einer distanzierten Sprache und der Intensität der gefühlten Berührung, die sich oft in Form von Beklemmung und Atemlosigkeit Luft schafft. Für mich ist der Roman definitiv ein Jahreshighlight, mit dem ich mich noch des Öfteren beschäftigen werde.

Freiheit, die sich anfühlt wie ein Abgrund
Nach einem dieser vertrauten Abende – Kino, Gespräche, ein Stück Normalität – steigt die Frau ins Auto. Der Weg ist bekannt, beinahe automatisiert. Doch dann: eine Umleitung. Eine kleine Verschiebung, kaum der Rede wert – und doch der Anfang von allem. Aus einem simplen Heimweg wird eine Fahrt ins Offene. Aus Abzweigungen werden verpasste Entscheidungen. Aus der Nacht wird ein Raum ohne Rückkehr.
Sie fährt weiter. Und weiter….Die Ampeln bleiben grün, als hätten sie sich gegen sie verschworen oder ihr – ganz leise – einen Ausweg angeboten. Zuhause wartet der Mann, zunehmend unruhig, irritiert von der Abweichung im gewohnten Ablauf. Doch während er versucht, die Kontrolle zu behalten, entgleitet sie ihm Kilometer um Kilometer. Die Nacht dehnt sich, ein neuer Tag bricht an – und mit ihm die Erkenntnis: Vielleicht ist das Weiterfahren kein Zufall. Vielleicht ist es der erste eigene Entschluss seit langer Zeit.
Was sich zunächst wie ein beinahe minimalistischer Plot liest, entfaltet eine enorme innere Wucht. Denn diese Fahrt ist keine Flucht vor der Dunkelheit der Straßen – sondern vor der, die längst in ihr Zuhause eingezogen ist. Zwischen Tankstellenlicht, Landstraßen und flüchtigen Begegnungen tastet sich die Frau durch Erinnerungen, Zweifel und leise, schmerzhafte Einsichten. Und plötzlich wird klar: Die größte Bedrohung sitzt nicht im Schatten der Nacht, sondern in der Enge einer Beziehung, die sie längst verschluckt hat.
Esther Schüttpelz schreibt dabei mit einer fast schon irritierenden Ruhe. Ihr Stil ist reduziert, klar, beinahe kühl – und gerade darin so eindringlich. Sie verzichtet auf große Dramatik und setzt stattdessen auf die Kraft der Wiederholung, auf das leise Drängen von Gedanken, die sich im Kreis bewegen wie das Auto auf der Straße. Dass ihre Figuren namenlos bleiben – die Frau, der Mann, die Freundin – ist kein Zufall, sondern Konzept: Es geht nicht um Einzelschicksale, sondern um Strukturen, um Muster, die erschreckend universell sind.
Besonders bemerkenswert ist die feine Symbolik, die sich durch den gesamten Roman zieht. Die grüne Welle wird zum Sinnbild für das passive Sich-Treiben-Lassen – aber auch für die seltene Chance, einfach weiterzufahren, ohne anzuhalten, ohne sich rechtfertigen zu müssen. Gleichzeitig liegt in ihr etwas Unheimliches: ein Kontrollverlust, der sich erst wie Freiheit anfühlt und dann wie ein Abgrund.
Atmosphärisch ist dieser Roman dicht und fast körperlich spürbar. Man sitzt mit im Auto, hört das monotone Surren des Motors, spürt die Müdigkeit, die Angst, das leise Aufkeimen von Hoffnung. Die Begegnungen unterwegs wirken wie Spiegel, wie flüchtige Möglichkeiten eines anderen Lebens. Und doch bleibt immer diese Unsicherheit: Ist das hier Aufbruch – oder nur ein weiteres Kreisen?
„Grüne Welle“ ist kein lauter Roman. Er schreit nicht, er klagt nicht an – und trifft gerade deshalb so präzise. Es ist ein Buch über das Verstummen, über das Sich-Verlieren und vielleicht auch über den ersten, zaghaften Versuch, sich selbst wiederzufinden. Die Geschichte bleibt bewusst offen, verweigert einfache Antworten –gut so.
Ein stilles, klug komponiertes Debüt, das unter die Haut geht. Für alle, die Literatur lieben, die zwischen den Zeilen spricht – und dort ihre größte Wahrheit entfaltet.

Wenn einer Frau der Zufall den Weg aus der Gefahrenzone zeigt
Die Frau war mit der Freundin im Kino. Einmal im Monat macht sie das. Es scheint ihr einziger dauerhafter Sozialkontakt zu sein, neben ihrem Mann, mit dem sie seit über zehn Jahren verheiratet ist. Doch diesmal ist etwas anders als sonst. Sie fährt nicht auf direktem Weg nach Hause, sondern lässt sich von den grünen Ampeln treiben, immer weiter weg. Es ist keine wirklich bewusste Entscheidung, sie lässt sich einfach treiben und denkt ab und zu darüber nach, dass sie umkehren werde, sobald mal eine Ampel rot sein werde... doch es ist grüne Welle. Sie fährt auf die Autobahn auf und noch weiter weg. Sie lässt sich treiben, so ist sie es gewohnt. Entschlossen eigene Entscheidungen zu treffen, war vielleicht noch nie ihre Sache, vielleicht war sie schon immer der intuitive Typ, vielleicht hat sie in den letzten Jahren ihren Glauben an ihre Selbstwirksamkeit verloren...

Währenddessen wird der Mann zu Hause unruhig, schließlich ist er gewohnt, dass die Frau nach dem Kinobesuch mit der Freundin einmal im Monat direkt zu ihm nach Hause fährt. Er kontaktiert die Freundin der Frau, diese weiß auch nicht mehr. Die beiden reden darüber, ob etwas getan werden solle. Die Polizei solle nicht gerufen werden, wünscht der Mann. Und so schreitet die Nacht voran und dann bricht ein neuer Tag an und die Frau ist immer noch in ihrem Auto unterwegs.

Ich habe mich bemüht, diese kurze Zusammenfassung in einem ähnlichen Stil zu schreiben, in dem das Buch verfasst ist. Denn dieses besondere Buch lebt stark von der Art, wie es geschrieben ist. Es sind nicht Menschen mit konkreten Namen, mit denen wir zu tun haben, es sind "die Frau", "der Mann", "die Freundin der Frau" und später zwei Mädchen, die sie trifft: "die Große" und "die Kleine". Das macht schon deutlich, worum es in diesem Buch geht: nicht um konkrete Personen und Einzelschicksale, sondern um Muster und destruktive Beziehungsdynamiken von Gewalt in der Beziehung und damit einhergehender Isolation von anderen Menschen und Entfremdung von der Welt.

Auf ihrem Roadtrip lernen wir die Frau besser kennen und erfahren nach und nach mehr über sie. Früher war sie eine lebensfrohe junge Frau, sie hat auf der Kunsthochschule studiert und ist Künstlerin, doch dann hat sie den Mann kennen gelernt und in der Beziehung mit ihm ist ihre Welt immer kleiner und enger geworden. Auch körperliche Verletzungen sind an ihrem Körper zu entdecken. Und sie ist sehr ängstlich, fürchtet ständig, bei einem Stopp könne jemand die Autotüren aufreißen, weil die Verriegelung des alten Autos nicht mehr funktioniert. Dabei gibt es auf den ersten Anblick in der Umgebung, die sie durchfährt, kaum offensichtliche Gefahren... abgesehen von Wild, das plötzlich auf die Straße rennen könnte.

Wenn man näher hinschaut, ist dieses Buch voll von interessanter Symbolik, die sich an vielen Stellen zeigt und wiederholt. Dadurch wirkt das Buch insbesondere emotional sehr stark nach, was ich auch beim Verfassen dieser Rezension, mehr als eine Woche nach Beendigung der Lektüre, noch deutlich in mir spüre. Sobald ich wieder an dieses Buch denke, habe ich das Gefühl, wieder mit der Frau auf ihrem Roadtrip zu sein, ihre Beklemmung zu spüren, aber auch gemeinsam mit ihr auf ihre Befreiung aus ihrem unglücklichen Leben und der Gewaltbeziehung zu hoffen.

Nachdenklich macht das Buch auch über die destruktive Dynamik von Gewaltbeziehungen und darüber, wie schwer es ist, aus diesen auszubrechen - auch deshalb, weil die Täter ihre Opfer sozial isolieren und deren Selbstwert systematisch zerstören. Ob der Frau das am Ende gelingen wird, beantwortet dieses Buch nicht abschließend, das muss es auch nicht. Der größte Wert des Buches liegt darin, auf eindringliche Weise gerade durch die allgemein gehaltenen Charaktere und die eingebundene Symbolik für das Thema häuslicher Gewalt zu sensibilisieren. Es ist ein rundum gelungenes Werk, das ich allen, die tiefgründige Bücher mögen, in denen es einiges an zu entschlüsselnden Metaphern gibt, sehr empfehlen kann!

Intensive Irrfahrt
Eine Frau ist auf dem Weg nach Hause in ihrem Auto, als sie auf eine Umleitung stößt. Sie fährt und fährt. Und fährt immer weiter. Dies ist der Ausgangspunkt des zweiten Romans der Autorin. Nah dran an den Gedanken ihrer Hauptfigur, aber doch mit Distanz erzählt sie von einer Frau, die in ihrem Leben gefangen ist, und die durch eine Reihe grüner Ampeln scheinbar die Gelegenheit bekommt, in die Freiheit zu fahren. Doch ganz so einfach ist es nicht. Esther Schüttpelz seziert die Strukturen, die Frauen dazu bringen, in schlimmen Beziehungen mit gewalttätigen Männern zu bleiben. Ohne dabei einfache Antworten zu finden. Die Frau begegnet auf ihrem Weg mehreren Menschen, doch wird sie am Ende auch die Kraft haben, ihrem Leben zu entkommen? Ein spannender, atemlos erzählter Gedankenstrom, der mit reduzierten Elementen dennoch eine enorme Spannung erzeugt - und dessen Ende nach dem Lesen noch zum Nachdenken anregt. Ein gelungener Roman!

Experimentelle Literatur, feinfühlig umgesetzt
von MarcoL
Eine Frau – und so wird die Protagonistin im ganzen Roman nur genannt – verbringt einen Abend mit der „Freundin der Frau“ im Kino. Das machen sie einmal im Monat. Die Frau fährt nach Hause, aber sie verfährt sich, geschuldet an einem Wald aus Umleitungsschilder. Eigentlich müsste sie ihren Mann anrufen – genau: „der Mann der Frau“ – damit er Bescheid weiß, dass sie etwas später nach Hause kommt.
Das möchte sie an der nächsten roten Ampel machen. Sie sieht schon von weitem das rote Licht. Allerdings wechselte das Signal kurz vor ihrer Ankunft auf grün. Als sie ihr Missgeschick bemerkt, beschließt sie, an der nächsten roten Ampel stehen zu bleiben und umzudrehen. Auch die war dann grün. Und so macht die Frau weiter, überfährt irgendwann ein Reh, dessen Kadaver sie kurzerhand in den Kofferraum zerrt. An einer Tankstelle nimmt sie zwei junge Anhalterinnen mit. Und fährt ziellos weiter. Was dann passiert – eben eigentlich nichts.
In Zwischensequenzen erzählt die „Freundin der Frau“ einiges über den Abend, die Frau und den Mann der Frau. Der scheint nicht gerade ein mustergültiger Ehegatte zu sein. Das weiß auch die Frau – wahrscheinlich winkt sie das Schicksal jetzt mit den grünen Ampeln auf neue Wege durch.
Die Sprache klingt wie ein neutraler Bericht eines x-beliebigen Erzählers. Die Sätze meist holprig, verschachtelt, sich wiederholend. Man kann sich zwar daran gewöhnen, man kann es „Literatur“ nennen – und ist bestimmt mal eine ganz andere, ja beinahe schon experimentelle Erzählweise, aber anfreunden konnte ich mich damit nicht. Der Inhalt hinterließ mir mehr einen faden als erquickenden Geschmack, auch wenn vieles sehr symbolhaft und allegorisch zu verstehen ist.
Möge hier jeder für sich entscheiden, ob er sich auf solch ein literarischen Terrain wagen will.

Fahrt in ein neues Leben?
von cosmea
Im Roman “Grüne Welle“ von Esther Schüttpelz tritt die namenlose Protagonistin nach dem monatlichen Kinobesuch mit ihrer Freundin den Heimweg an. Auf einer Umleitung verpasst sie die Ausfahrt, und statt umzukehren, entfernt sie sich immer weiter von ihrem Zuhause. Sie lässt eine Serie von grünen Ampelphasen entscheiden, wohin sie fährt. Anfangs will sie ihrem Mann noch mitteilen, dass sie später nach Hause kommt. Das ist jedoch nicht möglich, weil der Akku von ihrem Smartphone leer ist und sie nirgends anhalten kann oder will. Während dieser langen Fahrt ins Ungewisse denkt sie über ihr Leben nach, ihre Freundin und über ihre unglückliche Ehe mit einem gewalttätigen Mann. Irgendwann weiß sie, dass sie eigentlich gar nicht zurückkehren möchte. An einer Tankstelle nimmt sie zwei junge Anhalterinnen mit, die ihr Interesse für Kunst teilen. Als sie in einem Wald anhalten, um ein von der Frau überfahrenes Reh zu begraben, kommt es zu einem Streit, weil sie die Fragen der beiden jungen Frauen nach der Herkunft ihrer Verletzungen nicht beantworten will, und sie fährt spontan allein weiter. Irgendwann stellt sie fest, dass sie nach 23 Stunden wieder in Richtung ihrer Heimatstadt unterwegs ist. Wird sie einfach so weitermachen wie bisher, oder findet sie den Mut zu einem Neuanfang? Einiges deutet auf letzteres hin, aber es fehlt eine klare Aussage dazu.
Der Roman liest sich nicht nur wegen seiner überschaubaren Länge, sondern auch wegen der sprachlichen Qualität zügig. Er hat mir gefallen, obwohl es gewöhnungsbedürftig ist, dass es weder eine geografische Verortung gibt noch Charaktere mit Namen. Da haben wir die Frau, den Mann, die Freundin der Frau, die Große, die Kleine. Gegenüber den Anhalterinnen nennt sich die Frau vorübergehend Amy, weil sie gerade einen Song von Amy Winehouse gehört hat. So kommt man den Figuren nicht wirklich nahe. Dennoch ist es für mich ein interessantes Buch, dessen Thematik nicht an Aktualität verliert, und durchaus empfehlenswert ist.

Eine Frau
von Wolle
Eine Frau fährt nach dem allmonatlichen Kinobesuch mit ihrer Freundin nicht nach Haus, sondern begibt sich immer weiter weg. Es wird eine Reise in das Innenleben der Frau.

„Eine Frau“ oder „die Freundin der Frau“, so beginnt fast jeder 2. Satz in dem Roman. Wer die Personen genau sind erfahren wir nicht. Ein distanzierter Blick entsteht. Aber auch eine Verallgemeinerung, „die Frau“ könnte stellvertretend für so viele unglücklich verheiratete Frauen stehen. Während der Fahrt erfährt der Leser immer mehr über die Vergangenheit und seelischen Beweggründe der Frau. Es handelt sich um einen Roman ohne große Sensationen, der aber dennoch zum Nachdenken anregt.

Obwohl der Schreibstil aufgrund der ständigen Wiederholungen etwas eintönig wirkt, fand ich diesen doch durchaus interessant. Leider gibt es bei dieser anonymisierten Schreibweise ja auch nicht so viele alternative Begriffe. Aufgrund der kompakten Struktur des Romans mit nur 200 Seiten, empfand ich diesen Stil als durchaus gelungen.

Das Cover ist ganz im üblichen Stil des Verlags, schlicht, ohne allzu große Aussagekraft, aber dennoch passend.

Erzählung auf Abstand
von Verena
Zu „Grüne Welle“ gibt es viele begeisterte Stimmen, aber ich habe ich damit leider eher schwergetan.
Die Ausgangssituation an sich ist aber schonmal sehr catchy: eine Frau fährt nachts nach einem Kinobesuch nach Hause, kommt durch eine Umleitung vom Weg ab, fährt aber immer weiter und weiter. Als Leser:in ist man allein im Auto mit der namenlosen Protagonistin und ihrer Gedankenwelt. Ein vielversprechender Beginn. Wovon fährt sie davon? Wo will sie hin?
Sprachlich empfand ich die vielen langen Schachtelsätze eher bremsend als vertiefend. Mehr Sinn hätte diese Satzstruktur für ich ergeben, wenn der Text konsequent als Stream of Consciousness verfasst worden wäre. So war es mir stellenweise ein bisschen zu konstruiert und hat eher dazu beigetragen, die Distanz zum Text zu verstärken. (Ich fühle mich direkt ein bisschen mies das zu schreiben, weil ich selbst oft zu Schachtelsätzen neige.)
Inhaltlich geht es spannend los, aber dann plätschert der an sich sehr kurze Roman über weite Strecken vor sich hin. Man versteht früh, worauf es hinausläuft, was grundsätzlich nicht stört, aber auch hier half mir die Distanz zum Text nicht. Gerade weil ich parallel einen anderen Roman mit ähnlicher Thematik gelesen habe, der emotional deutlich zugänglicher erzählt war, fiel mir das hier besonders auf.

Etwas mehr Fahrt bringen dann allerdings die beiden jungen Anhalterinnen in die Geschichte, die die Protagonistin mitnimmt. Hier war ich zum ersten Mal die Distanz verloren, vielleicht auch, weil die Frau sich nicht mehr nur passiv treiben lassen kann (wenn natürlich das stete Weiterfahren auch schon eine aktive Entscheidung gegen das Nachhause Fahren ist).
Beim Ende bin ich mir nicht ganz sicher, wie ich es deuten soll. Einerseits lässt es viel Raum für Interpretation, andererseits verstärkt es aber auch das Gefühl, nie so ganz in die Geschichte hineingefunden zu haben.

ganz anders
Das Cover des Buches passte gut zum Inhalt. Ich kann die Autorin noch nicht vor diesem Buch aber ich war sehr gespannt auf den Inhalt des Buches. In diesem Buch geht es um meine Frau, die nach einem Kinobesuch mit ihrer Freundin einfach nur nach Hause fahren möchte. Doch auf Ihrer Heimstrecke ist auf einmal die Straße gesperrt und sie muss eine
Umleitung nehmen. Diese Umleitung führt sie auf längst vergessene Straßen und ganz fremde Straßen. Eigentlich möchte sie bei der nächsten Gelegenheit umdrehen. Aber irgendwie. Ergibt sich diese Gelegenheit nicht und somit entfernt sich die Frau immer mehr von ihrem Zuhause. Sie hat auch ein schlechtes Gewissen gegenüber ihrem Mann. Doch kann sich auch nicht durch. Kühlschrank in zu Kontaktieren. Denn der Mann scheint die Frau sehr einzuengen und zu kontrollieren. Eine ganz andere Geschichte doch dennoch sehr packend.

Impulsiv
Das Cover und der Titel haben für mich vielversprechend geklungen. Zu Beginn der Geschichte war ich auch noch sehr überzeugt und fand die Handlung nachvollziehbar und realistisch. Doch je weiter die Geschichte fortschreitet, desto unrealistischer habe ich es gefunden. Die Grundidee einer Frau die aus ihrem Alltag ausbricht und einfach mit ihrem metallicblauen Golf fährt und fährt und fährt bietet eine solide Grundlage. Doch leider finde ich es sehr unrealistisch das man 24 Stunden durchgehend Auto fährt, kaum etwas trinkt oder isst.
Ebenfalls finde ich es sehr absurd, dass die Freundin der Autofahrerin sich plötzlich sehr gut mit deren Ehemann versteht. Obwohl sie ihn laut der Geschichte noch nie leiden konnte. Und jetzt da die Autofahrerin verschwunden ist, ist die Vergangenheit vergeben und vergessen.

Alles in Allem ist der Roman sehr gut lesbar, leider gefallen mir ein paar Ideen und Wendungen im Roman nicht bzw. finde ich es nicht nachvollziehbar und unrealistisch.
Stabile 3 von 5 Sterne.

im Kopf der Frau
von Ulla
Eine, zuerst namenlose, Frau, eine Künstlerin, verlässt das Kino, in dem sie regelmäßig mit ihrer Freundin aus Studienzeiten trifft. Dies ist ihre einzige Auszeit von ihrem bestimmenden Mann, einem erfolgreichen Anwalt. Sie steigt in ihr Auto und will nach Hause fahren, bis sie zuerst in einer Umleitung gerät und dann, im Dunkeln, einen falschen Weg gewählt hat. Sie beschließt weiterzufahren und an der nächsten roten Ampel zu wenden. Doch jede Ampel leuchtet grün. So fährt sie und fährt, übermüdet und unterzuckert, bis sie einen kleinen Unfall hat.
Was diese Frau bewegt hat, sich immer weiter von ihrem Zuhause zu entfernen, wird uns während der langen Fahrt nahegebracht. Die Gedanken und Gefühle der Frau, ihre Wünsche und Sehnsüchte, die sie sich jetzt erst eingesteht, könnten viele Frauen so oder so ähnlich erlebt haben. Als sie auf zwei junge Anhalterinnen trifft werden die Reflektionen mit ihrem bisherigem Leben intensiver.
Eine weitere Sichtweise erleben wir durch die Freundin der Frau, die sich erst Sorgen um die verschwundene Frau macht, dann jedoch merkt, dass sie nicht zu ihrem Mann fahren möchte.
Der Roman ist in einer ganz besonderen Sprache geschrieben, teilweise mit sehr langen Sätzen und einem Inhalt, der nachdenklich macht.

Ungewöhnlich
Der Roman „Grüne Welle“ hat mich vor allem durch seine ungewöhnliche Ausgangssituation gepackt: Eine scheinbar harmlose Heimfahrt einer Frau nach dem Kino mit ihrer Freundin wird zu einer immer längeren Fahrt ins Ungewisse. Sie nimmt - bewusst oder unbewusst? - eine falsche Ausfahrt und begibt sich damit auch auf eine innere Reise.

Beim Lesen begleitet man die Protagonistin überwiegend durch ihren Gedankenstrom aus Erinnerungen, Rechtfertigungen, Ängsten. Der Stil ist intensiv und entfaltet durch lange Satzkonstruktionen einen Sog, weshalb ich den Roman in einem Rutsch gelesen habe. Das ist fordernd, hat mich aber zugleich stark in den Roman hineingezogen. Nur an wenigen Stellen hatten ihre Reflexionen für mich Längen. Nach und nach setzt sich das Schicksal der Frau zusammen, ergänzt wird die Geschichte der Frau durch Kapitel aus Sicht ihrer Freundin. Dieses langsame Aufdecken von Informationen hat mir gut gefallen.

Für mich ist „Grüne Welle“ ein kluger Roman über Selbsttäuschung, Angst und den Mut, sich der eigenen Wahrheit zu stellen, den man an gut an einem ruhigen Nachmittag lesen kann.

Mitreißende und intensiv erzählte Geschichte
Nach dem Debütroman "Ohne mich" der Juristin und Autorin Esther Schüttpelz hat der Diogenes Verlag nun "Grüne Welle" veröffentlicht.
 
Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine namenlose Künstlerin, die nach einem Kinobesuch mit ihrer besten Freundin mit ihrem alten Golf unterwegs nach Hause ist. Es ist dunkel, sie folgt einer Umleitung und biegt falsch ab. Sie nimmt sich vor, an der nächsten roten Ampel zu wenden, doch die Ampeln zeigen grün, und so fährt sie immer weiter, ohne Ziel. Sie hat ein schlechtes Gewissen, weil sie weiß, dass ihr Mann sich Sorgen machen wird, und doch entfernt sie sich immer weiter von zuhause. Mitten in der Nacht fährt sie trotz aufkommender Müdigkeit auf die Autobahn, und irgendwann ist sie wieder auf der Landstraße. An einer Tankstelle nimmt sie zwei junge Anhalterinnen mit ...
 
Wir folgen der Protagonistin für die Dauer von 24 Stunden auf ihrer Fahrt und erleben dabei ihren inneren Monolog. Sie denkt an ihre Freundin, die sie vor Jahren an der Kunsthochschule kennenlernte, und sie denkt an ihren Mann, einen Juristen, der sie ständig kontrolliert und ihr wenig Freiräume lässt.
Parallel begleiten wir die Freundin der Frau, mit der der Ehemann der Frau Kontakt aufgenommen hat, nachdem diese nach dem Kinobesuch nicht nach Hause gekommen ist.
 
Die Autorin erzählt die ungewöhnliche und teilweise beklemmende Geschichte in schöner Sprache und ruhigem Tempo. Die interessante Protagonistin, im Buch durchgehend nur als "die Frau" bezeichnet, ist großartig skizziert, ich konnte mich gut in ihre Gedankenwelt hineinversetzen, jedoch nicht jede ihrer Handlungen nachvollziehen. Auch die Nebenfiguren sind sehr gut gezeichnet: der unsympathische und autoritäre Ehemann, die langjährige Freundin und die beiden Anhalterinnen, die der Frau unbequeme Fragen stellen.
 
Ich habe das mitreißende und nachdenklich machende Buch, in dem eine Frau sich während einer langen Autofahrt intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzt, bis zum für mich stimmigen und hoffnungsvollen Ende sehr gern gelesen. 

Absolute Leseempfehlung!

Umleitung
von begine


Grüne Welle ist ein Roman der Autorin Esther Schüttpelz.
Sie hat dem Roman einen besonderen Stil angedeihen lassen.
Die Protagonistin wird meistens als die Frau betitelt. Dann gibt es noch die Freundin der Frau und den Ehepaar der Frau. Atmosphäre.
Das gibt einen eigenartige
Nach einer Zeit habe ich mich damit abgefunden und die Frau mit Interesse begleitet.
Die Frau fährt nach einem Kinobesuch nach Hause. Durch eine Umleitung fährt sie immer weiter. Zuhause wartet wahrscheinlich ein brutaler Ehemann. Sie lässt ihre Gedanken wandern. Sie fährt immer weiter und lässt alle Abfahrten vorüber gleiten, ohne abzubiegen.
Die Autorin schildert eine Frau, die eigentlich nicht mehr zufrieden ist, die sich befreien will.
Das macht sie besonders gut.
Es geht um häusliche Gewalt und Lieblosigkeit Und um Befreiung.
Der Roman fesselt.