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Jane TaraMit anderen Augen

Hardcover

Diogenes (2026)

496 Seiten; 18.4 cm x 11.6 cm

ISBN 978-3-257-07383-6

Sofort verfügbar oder abholbereit

Mit anderen Augen

Hauptbeschreibung

Tilda Finch glaubt, sie sieht nicht richtig: Mit einem Mal ist ihr kleiner Finger verschwunden. Es folgen die Nase und das Ohr. Sie wird unsichtbar werden, sagt ihre Ärztin, doch das will Tilda auf keinen Fall zulassen. Schließlich hat sie eine Menge, wofür es sich lohnt, sichtbar zu bleiben: ihre wunderbaren Töchter, ein erfolgreiches Business und fantastische Freundinnen. Tilda nimmt all ihren Mut zusammen und beginnt, sich selbst mit anderen Augen zu sehen.




Text der Buchrückseite

Tilda Finch ist zweiundfünfzig, eine erfolgreiche Geschäftsfrau und Mutter von erwachsenen Zwillingstöchtern. Als sie sich eines Morgens an den Schreibtisch setzt, bemerkt sie, dass ihr kleiner Finger verschwunden ist. Kein Blut, keine Schmerzen, aber definitiv nicht mehr zu sehen. Von ihrer Ärztin bekommt sie die Diagnose: Unsichtbarkeit. Die Krankheit würde bei Frauen ab einem gewissen Alter häufig auftreten, sei aber noch nicht erforscht und auch nicht heilbar. Wenn Tilda ehrlich ist, ist sie nicht sonderlich überrascht: Sie hatte sich selbst schon vor Jahren aus den Augen verloren, hatte sich seit langer Zeit schon unsichtbar gefühlt. Nachdem der erste Schock verklungen ist, stemmt sich Tilda mit Witz und Mut gegen ihr langsames Verblassen aus der Welt.




Hersteller: Diogenes Verlag AG
Sprecherstrasse 8, 8032 Zürich CH
E-Mail: info@diogenes.chHersteller: truepages UG (haftungsbeschränkt)
Sprecherstrasse 8, 8032 Zürich CHWestermühlstrasse 29, 80469 München DE
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Unsichtbar
Tilda, eine Frau in den Fünfzigern, wird unsichtbar. Eines Tages ist ihr kleiner Finger nicht mehr sichtbar. Sie spürt ihn zwar, aber er ist äußerlich nicht mehr da und so verliert sie nach und nach weitere Körperteile. Die Diagnose ist Unsichtbarkeit in zweiten Stadium. Sie betrifft hauptsächlich Frauen um die Menopause, ist nicht heilbar und Forschung gibt es nicht. Im vierten Stadium ist man komplett unsichtbar... Im ersten Stadium wird man von der Gesellschaft ignoriert...

Eine absolute Metapher die hervorragend in diesem Buch umgesetzt wurde. Letztendlich geht es um die Unsichtbarkeit im Leben und sicher sind alternde Frauen davon betroffen, wie im Buch beschrieben, sie werden nicht mehr gesehen oder übersehen, aber mir fallen hierzu noch viele weitere Möglichkeiten ein und ich sehe das Buch eher so, dass man auch mal an die Menschen denken sollte, die aus der Gesellschaft verschwunden sind. Personen die krank sind und das Haus nicht mehr verlassen können, fallen unter dieses Kriterium und eben weil man sie nicht mehr im Alltag der Gesellschaft "draußen" sieht, sind sie unsichtbar.
Menschen mit Long Covid oder ME/CFS, die zu krank, zu geschwächt sind, um in der Gesellschaft auftauchen...
Menschen mit einer Duftstoff-Allergie oder multiplen Chemikaliensensibilität, die wegen der Duftstoffe und anderer Trigger in der Öffentlichkeit nicht mehr am öffentlichen Leben teilhaben können...
Menschen mit Erkrankungen, die sie ans Bett oder Haus fesseln...
All diese Menschen - und es sind viele ! - fallen raus aus der Gesellschaft, sind verschwunden im öffentlichen Leben und damit unsichtbar!
Dieses Buch von Jane Tara, das übrigens interessant und leichtgängig, sowie auch gut unterhaltend geschrieben ist, legt den Finger genau in die Wunde, die die funktionsfähige Menschheit und auch der Staat lieber nicht genauer betrachten möchte!

Auch wenn das Buch darauf hinausläuft, dass die Protagonistin Tilda an sich selbst
arbeiten soll, um aus ihrem eigens zurückgezogenen Leben herauszukommen und proaktiv zu sein usw. ... ist dies für o.g. Gruppen oft nicht möglich obwohl sie es möchten.

Eine bemerkenswerte Stelle im Roman war für mich die Begegnung zwischen Tilda und Patrick. Sie verurteilte im Stillen Patrick, dass er beim Kennenlernen seine Sonnenbrille nicht abnahm. Wie sich nach ihrem ersten Gespräch herausstellte, ist Patrick blind.
Überraschend für Tilda war, wie gut Patrick Tilda wahrnahm, obwohl sie doch unsichtbare Körperteile hatte.
Patrick konnte das nicht sehen, wohl aber Tilda auf andere Art wahrnehmen die viel tiefer geht und viel wichtiger ist als die Oberflächlichkeit des Äußeren.

Dieses Buch ist wichtig und es sollte zum Umdenken bewegen...

Der zweite Teil des Buches war mir etwas zu platt
von Ema
„Mit anderen Augen“ ist sprachlich wirklich stark geschrieben und hat mich vor allem mit seiner Thematik sofort abgeholt. Die Unsichtbarkeit von Frauen wird spannend und eindringlich dargestellt, ohne platt zu wirken – gerade die erste Hälfte des Buches fand ich deshalb richtig überzeugend.

Leider hat das Buch für mich danach stark nachgelassen. Besonders der Aufenthalt im Meditationszentrum und die daraus entstehenden angeblich lebensverändernden Erkenntnisse über das eigene Leben wirkten auf mich zu konstruiert. Das Ende war mir insgesamt zu glatt, zu viel Friede-Freude-Eierkuchen, und teilweise schon fast esoterisch angehaucht.

Schade, denn die Grundidee und der Schreibstil hätten für mich das Potenzial für ein echtes Highlight gehabt.

eine Gesellschaftskritik transportiert durch eine spannenden Idee
von leopol
Eines Morgens bemerkt Tilda Finch, 52 Jahre alt, dass sie ihren kleinen Finger nicht mehr sehen kann, aber ihn noch spürt. Nach einigen Untersuchungen bei Ärzten steht fest, sie leidet unter Unsichtbarkeit. Eine Krankheit, die vor allem Frauen ab einem bestimmten Alter betrifft und in verschiedenen Stadien auftritt – man wird übersehen, Körperteile verschwinden und schließlich verschwindet man selbst. Eine wirkliche Heilung ist nicht bekannt, allerdings scheint die Krankheit auch kaum erforscht zu sein. Tilda erkennt, wie sie über die Jahre ihre eignen Wünsche und Emotionen zurückgestellt hat und wie auch ihre eigene Kindheit sie beeinflusst. Auf Anregung ihrer Freundin, beginnt sei bei Selma, einer Vorreiterin in diesem Bereich, eine Therapie.

Ein Buch, das ein Thema aufgreift, dass auch in der Realität wirklich auftritt, jedoch hier mit etwas mehr künstlerischer Freiheit. Man erkennt, dass Frauen oft sehr strikt mit sich selbst sind, was Aussehen und Erwartungen betrifft. Oft auch übersehen werden, und um des Friedens willen so manches hinnehmen.

Hier begleitet man Tilda auf einer Reise in ihre eigene Vergangenheit und generell zu sich selbst. Man merkt, wie schwer ihr der Einstieg fällt und wie mutlos sie auf Grund der Erkrankung auch teilweise ist. Selma hält ihr einen Spiegel vor und regt sie zu einer Reise zu sich selbst an, die auch unangenehm und schwierig für Tilda ist. So z.B. der Weg in die Meditation, etwas das Tilda bisher belächelt hat.

Generell ist der Schreibstil leicht, humorvoll und flüssig, so dass man sich leicht in Tilda und ihre Lieben hineinfühlen kann. Die Charaktere, auch die Nebencharaktere starten sehr stark, leider verliert man so manche im Laufe der Geschichte. Leider wird auch das Konstrukt der Unsichtbarkeit nicht immer konsistent geschildert, oder war zumindest von mir ab der zweiten Hälfte nicht mehr vollumfänglich zu verstehen.

Ein Roman, der den Fokus auf ein wichtiges Thema richtet, jedoch für mich nicht vollkommen logisch war in seiner Erzählwelt.

Richtig guter Ansatz mit schwächerem Verlauf
von Ryria
Manchmal fühlt man sich einfach nicht richtig gesehen oder direkt ganz unsichtbar - in der Welt des Romans ist dies wörtlich zu nehmen. Überwiegend Frauen über 50 Jahren können an Unsichtbarkeit erkranken, nach und nach werden ihre Körperteile unsichtbar. Auch Tilda ist hiervon betroffen, doch sie will es nicht akzeptieren und macht sich auf die Suche nach der Heilung.

Die Geschichte hat so gut begonnen, dann aber im Mittelteil und Ende leider wieder nachgelassen und ich finde es richtig schade.
Zu Beginn überzeugen die Protagonistin sowie die Nebencharaktere mit wunderbarer Selbstironie und tollem Humor, man findet sie direkt sympathisch und kann sowohl die Familienbande als auch die Freundinnenschaften echt feiern.
Dazu werden extrem wichtige gesellschaftskritische und feministische Themen auf eine gleichzeitig unterhaltsame und doch emotionale und leicht anklagende Art aufgegriffen, sodass man durch die Seiten fliegt und dabei noch viel Stoff zum Nachdenken findet. Genau wie Tilda kann man gut über sich selbst reflektieren und wertvolle Lektionen für das eigene Leben mitnehmen.

Irgendwann im Mittelteil hat mir der Wandel der Erzählung dann aber nicht mehr so gut gefallen: Es wirkt ein wenig wie ein Selbsthilferatgeber, dazu werden (für meinen Geschmack zu viele) Elemente der Meditation eingebaut und dies in Kombination als Wundermittel verkauft. Ich persönlich konnte damit nicht so viel anfangen und fands auch schade, dass sich Probleme viel zu einfach wieder lösen. Die Bezeichnung des Klappentextes als "Märchen" ist hier echt passend, auch wenn es ganz anders angefangen hat.
Eine andere Richtung hätte das Buch überragend machen können, so wird es mir leider nur als ganz nette Unterhaltung im Gedächtnis bleiben.

War es das?
von Igela
Nach der Scheidung ist die 52-jährige Tilda Finch eigentlich glücklich und zufrieden mit ihrem Leben. Sie ist Mutter von erwachsenen Zwillingstöchtern und leitet erfolgreich ein Unternehmen.

Eines Morgens bemerkt sie, dass der kleine Finger ihrer rechten Hand fehlt. Beim Besuch bei ihrer Ärztin erhält sie die Diagnose "Unsichtbarkeit". Unheilbar und nicht ausgeschlossen, dass noch andere Körperteile verschwinden. Was physisch bei ihr fortschreitet, hat Tilda auch psychisch schon seit einiger Zeit bemerkt.

Nun ist es an der Zeit sich gegen die Unsichtbarkeit zu stemmen.


Morbus invisibilis: ein Phänomen, das vor allem Frauen in der Lebensmitte trifft. Sie werden von ihrer Umgebung übersehen und ignoriert. Diese Besonderheit gibt es auch im realen Leben. Hier in diesem Buch hat die Autorin noch körperliche Unsichtbarkeit dazu gedichtet.

Protagonistin Tilda verschwindet langsam aber sicher. Sie nimmt deshalb auch an einer Selbsthilfegruppe teil, in der einige Mitglieder nicht oder kaum noch sichtbar sind. Damit ist der Plot leicht skurril. Körperteile, die verschwinden, sind völlig aus der Luft gegriffen. Das hat mich seltsamerweise gar nicht gestört.

Hinter dem Ganzen steckt eine Krise, die Frauen in der Lebensmitte häufig trifft. Die Kinder sind aus dem Haus, die Frauen beruflich angekommen und in einem wertvollen Freundeskreis integriert.

War es das?

Eine Frage, die sie sich trotzdem stellen. Auch Tilda gehört dazu und sie stellt einiges an, um sichtbar zu werden. Sie wendet sich an ihre Ärztin und eine Psychoanalytikerin, sucht Rat bei ihren besten Freundinnen Leith und Ali, besucht ein Meditations Retreat und öffnet sich für eine neue Liebe. Per Zufall lernt sich nämlich einen Mann kennen. Patrick ist blind und nimmt die Makel an Tilda dadurch nicht wahr. Romantisch und sehr schön sind diese Passagen und entschädigen für die trockenen und esoterischen Teile der Selbstfindung Tildas, die für mich einen zu grossen Teil einnehmen.

Die Autorin lässt immer wieder einen leichten Humor durchblitzen, vernachlässigt jedoch nicht die tiefgründigen Passagen. Sehr schön die Lebensweisheiten von bekannten Persönlichkeiten, sowie fiktiven Figuren bei Beginn der Kapitel.

"Mit anderen Augen" ist ein Roman mit einem Hauch Romantik, einem Teil guter Freundschaften, Familienbande und ganz viel Selbstfindungsgedanken.

Meine Fantasie reicht nicht aus
Sicher geht es vielen Menschen so, dass sie sich in bestimmten Situationen fühlen, als wären sie unsichtbar. Was aber, wenn die Unsichtbarkeit zur Krankheit wird, wenn man nicht nur kein Selbstwertgefühl besitzt, sondern sogar der Körper davon betroffen wird, weil nach und nach einzelne Körperteile nicht mehr sichtbar sind?
In ihrem Roman erzählt Jane Tara solch eine Geschichte, die damit beginnt, dass Tilda plötzlich feststellt, dass ihr kleiner Finger verschwunden oder – besser gesagt – unsichtbar ist. Als sie die Diagnose Morbus invasibilis = Unsichtbarkeit bekommt, ist sie natürlich am Boden zerstört. Doch dann erwacht ihr Kampfgeist und sie will alles dafür tun, die Krankheit nicht nur zu stoppen, sondern wieder ganz gesund zu werden.
Mir gefällt der lockere, humorvolle Schreibstil. Allerdings bin ich wohl zu realitätsnah, wenn es darum geht mir vorzustellen, dass ganze Körperteile sichtbar verschwinden können und im schlimmsten Fall selbst die Kleidung unsichtbar wird.
Trotzdem habe ich Tilda gern begleitet auf ihrem Weg, den sie mit Hilfe einer Therapeutin, einer Selbsthilfegruppe, ihren beiden besten Freundinnen, aber in erster Linie mit ihrem eigenen festen Willen gegangen ist. Dabei hat sie ihr gesamtes Leben umgekrempelt und hinterfragt.
Auch wenn meine Fantasie nicht ausreicht, mir ein Bild zu machen, das mich ganz hineinfallen lässt in die Geschichte, habe ich doch einiges für mich selbst mitgenommen, das mich zum Nachdenken anregt.

Starker, bissiger und gesellschaftskritischer Start - dann kitschige Selbstfindungsreise
Ich bin herb enttäuscht, anders kann ich es nicht sagen. Die Literatur aus dem Diogenes-Verlag ist mir bisher sehr positiv im Gedächtnis geblieben und „Mit anderen Augen“ hat SO unglaublich stark begonnen, dass ich mir sicher war, ein weiteres Highlight in den Händen zu halten. Doch spätestens ab der Mitte wechselte der Roman seinen Ton so gravierend, dass ich nur noch kopfschüttelnd davor saß.

Die Autorin ist vor allem im ersten Drittel sehr reflektiert, bindet bspw. neurodivergente, queere und behinderte Menschen ganz organisch und sensibel in die Geschichte ein. Gleichzeitig gibt sie ihrer Protagonistin einen bissigen, ironischen Ton, den ich mindestens genauso sehr mochte wie die ganz starken Freundinnenschaften. Die Erzählung steckte anfangs voller weiblicher Solidarität und Wut.

Doch dann passierte etwas, das ich Jane Tara nur schwer verzeihen kann. Der Ton wechselte so radikal, dass ich manchmal dachte, die Autorin wurde auf halber Strecke ausgetauscht. Tilda verliert jegliche strukturelle Komponente aus dem Blick (etwa die zuvor angesprochene Gender Health Gap) und begibt sich stattdessen auf eine spirituell gefärbte Selbstfindungsreise. Dass sie überdurchschnittlich privilegiert ist und dadurch Zugang zu Ressourcen hat, die viele andere Frauen nicht haben, wird gekonnt ignoriert. Stattdessen liebt sie sich einfach selbst und schafft es, mit einer intensiven Meditation ihr bislang unerkanntes Kindheitstrauma zu bearbeiten.

Diese gar nicht mal so unterschwelligen Botschaften halte ich für absolut gefährlich. Beim Lesen wurde ich mit Aussagen konfrontiert, die mir vermitteln, ich solle die Heldin meiner Geschichte sein und nicht das Opfer und außerdem sei ich für meine Traumata ja schon irgendwie selbst verantwortlich. Es ist sicherlich bis hierhin bereits spürbar - so etwas macht mich sehr wütend!

Natürlich ist es wichtig, den eigenen Selbstwert von anderen unabhängig zu definieren. Aber das hat eben Grenzen und dieses toxisch Positive à la „Jeder einzelne Tag ist grandios“ ist lebensfernes Wunschdenken. Auch die anderen Frauen der Geschichte sind eigentlich nur Beiwerk, um die Entwicklung Tildas hin zur tatsächlichen Heldin des Buches zu unterstützen - mit dem absolut perfekten Mann natürlich als Sahnehäubchen.

Der Roman begann so stark und für mich hätte Tilda weiter die ironische, umperfekte Protagonistin bleiben sollen, die sich an ihre Freundinnenschaften hält. Die extreme Introspektion und der Wandel hin zum Spirituellen gefallen mir nicht und ich finde sie auch nicht fair allen Betroffenen sowie weniger Privilegierten gegenüber. Das wäre anders gegangen, aber so enden wir mit einer völlig weichgespülten, unmotivierten Geschichte, die mich absolut verloren hat. Ich bewerte für den starken Anfang und das durchgängig gute Erzähltempo des Romans wohlwollend, inhaltlich hätte ich noch strenger sein können.

Im Spiegel siehst du deine Seele
Die aus Australien stammende Autorin Jane Tara hat ihren bemerkenswerten Roman “Mit anderen Augen” über die Bedeutung der reiferen Frau in der Gesellschaft vorgelegt. Schon auf dem gelungenen Hardcover kann man die Intention des Buches erkennen, das Frauen, egal welchen Alters, dazu ermutigen will, vor den Vorhang zu treten.

Tilda ist zweiundfünfzig, betreibt eine eigene Firma, die Motivationssprüche auf diverse Artikel wie beispielsweise Kaffeetassen druckt. Sie hat erwachsene Zwillingstöchter und wunderbare Freundinnen. Aber sie hat keinen Partner, ihr Ehemann hat sie für eine jüngere Frau verlassen. Als Tilda eines Tages bemerkt, dass ihre Körperteile sukzessive verschwinden, erhält sie die Diagnose “Unsichtbarkeit”, nicht heilbar! Doch Tilda nimmt Hilfe in Anspruch, eine berühmte Therapeutin verspricht Genesung. Dazu muss Tilda sich klar werden über ihr Selbstbild und ihre negativen Gedanken, die sie ständig begleiten. In einer Selbsthilfegruppe- denn sehr viele Frauen sind auch von Tildas Krankheitsbild betroffen- fühlt sich Tilda nicht wohl, Meditation und Schweigen scheinen einen Weg zu weisen. Und ihr Jugendtraum, Porträts zu fotografieren, tritt wieder in den Vordergrund.
Auch ein attraktiver Mann, der ihre Makel nicht bemerkt, zeigt Interesse an Tilda. Unsichtbarkeit, ein Schicksal?

Jane Tara bettet die Geschichte von Tilda in eine allgemeine Analyse des Lebens von Frauen, die das gebärfähige Alter hinter sich haben. Sind sie deswegen weniger begehrenswert? Werden sie tatsächlich nicht mehr gesehen, vor allem von den Männern? Stellen sie für die Gesellschaft keine Bereicherung mehr dar, vielleicht sogar eine Last?

All diese Fragen verwebt die Autorin mit Tildas Leidensweg. Vielleicht mag es irritieren, dass die Autorin hier als Protagonistin eine Frau wählt, die in komfortablen Verhältnissen lebt, über viele Sozialkontakte verfügt und ökonomisch keine Probleme hat. Dennoch ist die Annahme richtig, dass dieses Gefühl des Verschwindens, des nicht wahrgenommen Werdens, jede Frau, ganz unabhängig von ihrer Situation, betreffen kann. Oft ist die Unsichtbarkeit eine Folge von Traumata in der Kindheit, die Muster für die Partnerwahl im späteren Leben geprägt haben und die Frauen gelehrt haben, dass sie Konflikten am ehesten aus dem Weg gehen, wenn sie so unbemerkt wie möglich bleiben. Auch negative Gedankenspiralen zerstören den Selbstwert. Für Tilda scheinen die Hinwendung zur Selbstliebe und Meditation ein Heilmittel zu sein. Hier verallgemeinert die Autorin nicht, sondern zeigt Wege auf, die aus einer scheinbar aussichtslosen Situation, wenn man sich selbst aus dem Blick verloren hat, herausführen können.

Natürlich hilft Tilda auch die Liebesgeschichte, die Jane Tara gekonnt in das Geschehen einbaut. In diesem Zusammenhang mögen sich die Lesenden fragen, ob von Bedeutung ist, dass der Mann, Patrick, superreich, attraktiv und empathisch ist. Wird nicht zu sehr die Außensicht betont? Genau hier liegt aber Patricks Defizit, diese Sicht des Äußeren ist ihm verwehrt.

“Mit anderen Augen” greift ernste gesellschaftliche Entwicklungen auf, dennoch besticht das Buch immer wieder mit subtilem Humor. In klarer Sprache führt die Autorin durch ein Frauenleben, das zu kippen droht, dennoch fehlt es dem Buch nicht an Spannung und Zuversicht. Damit bietet der Roman in großen Linien soziologische Befunde über den Bedeutungsverlust von Weiblichkeit, jedoch führt er beschwingt, aber gelassen durch ein schwieriges Thema. So bietet “Mit anderen Augen” vieles, was gute Literatur erfüllen soll: Der Roman ermöglicht Diskussion und kritische Betrachtung, er regt an, dem Geschehen in eigenen Gedanken nachzuspüren. “Mit anderen Augen” ist ein empfehlenswertes Buch, das nicht nur Frauen lesen sollten.

Diagnose Unsichtbarkeit, über Selbstfindung und -heilung
von Tara
„Mit anderen Augen“ ist ein gesellschaftskritischer Roman der australischen Autorin Jane Tara.

Die 52-jährige Tilda Finch steht mitten im Leben. Sie ist Mutter von Zwillingstöchtern und beruflich erfolgreich. Voller Erschrecken stellt sie eines Morgens fest, dass ihr ihr kleiner Finger fehlt. Dabei bleibt es nicht und sie geht zu ihrer Ärztin. Diese diagnostiziert ihr „Morbus Invisibilis“, eine Unsichtbarkeitserkrankung.

Das physische Verschwinden von Tildas Körperteilen steht für ihre gefühlte Unsichtbarkeit. Wie so viele Frauen in der Mitte ihres Lebens hat sie es immer versucht allen anderen recht zu machen und sich dabei nach und nach selbst verloren. Sie fühlt sich übersehen und übergangen und nun nimmt ihr innerer Gefühlszustand sichtbare bzw. in diesem Fall eben unsichtbare Formen an.

Der Schreibstil von Jane Tara liest sich trotz des ernsten Themas angenehm leicht, da sie ihre Protagonistin mit einer guten Portion Humor versehen hat.

Tilda will nicht unsichtbar werden und sie stemmt sich mit all ihrer ihr zur Verfügung stehenden Kraft dagegen. Dabei begibt sie sich auf eine inspirierende Reise der Selbstwiederentdeckung, bei der sie in ihr Leben zurückblickt. Sie beginnt damit ihr bisheriges Leben zu hinterfragen und begreift, dass ihr Verschwinden mit ihrer fehlenden Selbstwahrnehmung zusammenhängt. Sie probiert sich aus und endlich nehmen auch ihre Bedürfnisse etwas mehr Raum ein.

Mir gefällt es, wie die Autorin hier kritische Themen in Romanform gebracht haben. Leider werden viele Krankheiten, die nur Frauen betreffen – wie hier die Unsichtbarkeitserkrankung – nicht hinreichend und intensiv erforscht. Hier muss unbedingt mehr passieren. Genauso kritisch ist es zu sehen, dass sich viele Frauen übersehen fühlen und sich wie selbstverständlich hinten an stellen. Auch wenn die gesellschaftliche Unsichtbarkeit weit verbreitet ist, liegt es an jeder einzelnen Frau selbst wieder sichtbar zu werden und ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen.

Mir hat die Kombination aus Gesellschaftskritik, Humor, Selbstfindung und -heilung sehr gut gefallen und ich bin gespannt auf weitere Bücher der Autorin. Mit ihrem Roman trifft sie den Nerv der Zeit.

Witzig, schmerzhaft, wahr
Es gibt Dinge, die passieren jeden Tag und niemand nimmt sie wahr. Jane Tara hat sich in ihrem Roman mit genau einem dieser Themen beschäftigt. Der Unsichtbarkeit von Frauen in der Mitte ihres Lebens.
Bei Tilda beginnt es mit dem kleinen Finger, er ist weg. Die niederschmetternde Diagnose der Ärztin klingt absurd: „Unsichtbarkeit“, ein Phänomen, das Frauen trifft, die sich von der Gesellschaft nicht wahrgenommen fühlen und die selbst ihren Bedürfnissen auch nur wenig Raum geben.
Mit viel trockenem Humor beschreibt Jane Tara wie Tilda aus dem Blickfeld ihrer Mitmenschen verschwindet. Dabei schafft sie es schwere Themen wie Identitätsverlust und den Druck des Älterwerdens in eine federleichte, fesselnde Handlung zu verpacken.
Es ist ein kluger, feministischer Wohlfühlroman mit Biss und gleichzeitig eine Ermutigung für alle Frauen, die das Gefühl haben, nicht gesehen oder als selbstverständlich wahrgenommen zu werden.

Ich habe Tilda gerne auf ihrer Reise von der beginnenden Unsichtbarkeit zurück ins Leben begleitet. Das Buch wirft Fragen auf, macht nachdenklich, ist aber auch unterhaltsam, so dass ich es gerne gelesen habe und empfehlen kann.

Selbstwahrnehmung
von Ulla
Tilda ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau, geschieden, mit zwei erwachsenen und erfolgreichen Töchtern. Sie lebt in einem schönen Haus mit Hund und Katze und hat Freundinnen, die ihr immer zur Seite stehen. Bis sie eines Tages feststellt, dass ihr kleiner Finger verschwunden ist. Er ist noch da, sie sieht ihn nur nicht. Die Diagnose ihrer Ärztin lautet Unsichtbarkeit, eine unheilbare Krankheit, die Frauen ab Mitte 40 betrifft. Es kann bis zum völligen Verschwinden führen. In der Therapeutin Selma findet sie Hilfe um doch eine Heilung zu erlangen. Sie soll in sich hineinhorchen, feststellen, wie sie sich selbst wahrnimmt und meditieren.
Neben der Unsichtbarkeit, die viele Frauen kennen, auch wenn sie körperlich noch vollständig sind, werden sie bei Beförderungen übergangen, Leistungen nicht erkannt und ihre Aufopferung bis zur Selbstaufgabe für die Familie nicht gewürdigt, sind die Themen Gewalt in der Ehe, Autismus, ADHS und Erblindung in die Handlung eingewoben. Der Selbstfindungstripp Tildas führt über mehrere Formen der Meditation hin zu einem völlig unrealistischen Happyend, bei dem wirklich alles perfekt ist.
Die Idee ist hervorragend, an der Umsetzung hapert es leider. Für einen Roman ist viel zu viel Meditation dabei, und das Ende einfach nur rosarot und unglaubwürdig.

Hat mich nicht so richtig erreicht
Dieses Buch klang von der Beschreibung her so spannend: eine Parabel auf das "Unsichtbar-Werden" von Frauen irgendwann in den Wechseljahren, von dem mir schon so oft berichtet worden ist. Wie unangenehm es sei, auf einmal speziell von Männern, aber auch sonst in der Welt, kaum mehr wahrgenommen zu werden, weniger berufliche Chancen zu haben, übergangen zu werden.

Jane Tara treibt diesen Gedanken auf die Spitze: ihre Romanheldin Tilda, Anfang 50, Mutter zweier erwachsen werdender Mädchen, wird tatsächlich unsichtbar: beginnend mit einem Ohr oder einem Finger sind immer mehr Körperteile nicht mehr optisch wahrnehmbar, auch wenn sie sie immer noch spüren und verwenden kann. Sie sucht Rat bei ihrer Gynäkologin, mit der sie gleichzeitig auch eine freundschaftliche Verbindung hat und diese berichtet, dass es tatsächlich schon einige Betroffene gäbe, aber zu dem Thema, wie bei vielen speziell Frauen betreffenden Gesundheitsthemen, wenig geforscht werde, weil wenig Mittel dafür zur Verfügung ständen.

Diese Kurzbeschreibung der ersten Kapitel zeigt schon: hier geht es in vielerlei Hinsicht um starke Gesellschaftskritik und was das angeht, hat mir das Buch auch sehr gut gefallen und vermittelt es wichtig Botschaften und macht diese sichtbar.

Geschrieben ist es auf eine leicht-locker-humorvolle Art, die sich angenehm liest. Dennoch bin ich emotional mit Tilda und auch den anderen Figuren im Roman nicht so richtig warm geworden, sie hatten für mich nicht die charakterliche Tiefe, die ich an Romanfiguren sehr schätze. Auch hat das Buch bei mir keinen Lesesog ausgelöst, sodass ich immer gespannt gewesen wäre, weiterzulesen.

Insgesamt vergebe ich also mittelmäßige drei Sterne für ein Buch mit einer tollen Idee und einer Umsetzung mit Stärken und Schwächen.

Geniale Idee, die zunehmend unsichtbar wird
von Verena
„Mit anderen Augen“ beginnt vielversprechend: Tilda Finch, Anfang 50, bemerkt, dass Teile ihres Körpers verschwinden. Sie hat die „Unsichtbarkeitskrankheit“, die v.a. Frauen in ihrem Alter betrifft. Die Idee funktioniert zunächst richtig gut als märchenhafte, zugleich aber greifbare Metapher für ein reales gesellschaftliches Phänomen: das Übersehen- und Nicht-(mehr)-Ernstgenommenwerden von Frauen, im Beruf, im Alltag, im medizinischen Kontext. Der packende Einstieg macht Hoffnung auf eine kluge Auseinandersetzung mit Patriarchat, Sexismus und strukturellen Ungleichheiten.
Zunächst hat mich die Geschichte komplett abgeholt: Tildas Situation ist absurd und zugleich plausibel, man verfolgt gespannt ihren Kampf gegen das Verschwinden. Doch statt die Metapher zu vertiefen, verliert sich der Roman in zu vielen Figuren und Handlungssträngen, die meist oberflächlich bleiben. Auch inhaltlich kippt die Geschichte: Aus der vielversprechenden Gesellschaftskritik wird eine vereinfachte, teils plakative Botschaft. Komplexe strukturelle Probleme werden individualisiert, statt Ursachen zu hinterfragen. Der Fokus liegt plötzlich auf Selbstoptimierung, „richtig“ sehen, meditieren, Mindset ändern. Das wirkt streckenweise wie ein Selbsthilferatgeber/Lifestylecoach und wird dem wichtigen Thema nicht gerecht.
Besonders irritierend fand ich den Umgang mit Wissen: Medizinische Stimmen treten in den Hintergrund, alternative Ansätze dominieren. Gleichzeitig wird Tilda zur Heldin, die im Gegensatz zu den anderen Frauen den „Schlüssel“ findet. Gesellschaftliche Ursachen geraten dabei völlig aus dem Blick. Fast alle Frauenfiguren leben zudem privilegiert; können sich die heilende „Selbstoptimierung“ leisten. Tiefere Konflikte wie toxische Beziehungen werden nur angerissen. Problematisch ist zudem die Botschaft, Tilda ermögliche Toms Gaslighting durch ihr Verhalten.
Am Ende bleibt für mich ein zwiespältiger Eindruck: ein Roman mit origineller Idee und starkem Anfang, der jedoch an Tiefe verliert und zu einer Art Ratgeber wandelt. Die Themen sind wichtig und bieten Diskussionsstoff, aber ich hätte mir eine deutlich differenziertere Umsetzung gewünscht.

Unsichtbare Frauen
Jane Tara geht in diesem Buch auf unkonventionelle Art und Weise an weibliche alltägliche Lebensrealität heran.
Schon der Klappentext zeigt eindeutig, auf was die Autorin hinauswill … Frauen im mittleren Alter „verschwinden“ aus dem Sichtfeld der Gesellschaft, im Berufsleben wie im Privaten.
Ich finde es toll, dass die Autorin dieses Thema als physische Realität aufgreift … ein für mich ganz neuer Ansatz.
Ich bin zwar noch nicht ganz im mittleren Alter, aber ich kann mich total mit der Protagonistin identifizieren. Frauen kümmern sich tagtäglich um ihre Familien, stellen deren Wünsche und Bedürfnisse an die erste Stelle und vergessen darüber ihre eigenen Bedürfnisse und Sehnsüchte und verlieren sich schließlich selbst, können ihr eigenes Befinden gar nicht mehr wahrnehmen … Bin ich eigentlich glücklich? Was tut mir gut? Was wünsche ich mir? Genauso geht es Tilda, einer erfolgreichen Unternehmerin, Mutter von zwei Töchtern, die ihre beruflichen Ziele erfolgreich umsetzen, Ex-Frau eines Mannes, der sie immer nur runtergemacht hat. Und genau hier setzt die „Therapie“ der Autorin an … wieso wird eine attraktive, intelligente Frau mit künstlerischen Ambitionen, die mit einer ihrer Freundinnen ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut hat, plötzlich unsichtbar? Die Autorin beleuchtet in dem Buch mehrere Ursachen dieser „Krankheit“ und gibt auch gleich Tipps, wie man lernen kann, diese Ursachen zu bekämpfen. So gesehen ist dieses Buch nicht nur ein Roman, sondern vielleicht sogar ein bisschen Selbsthilfebuch … wenn es die Leserin/der Leser zulässt.
Das Cover ist nicht besonders auffällig oder stylish, aber es passt zum Text. Für mich zeigt es, wie eine Frau die Vorurteile, die sie sich selbst gegenüber hat und die ihr seit Kindertagen eingeimpft und immer wieder vor Augen geführt wurden, beiseiteschiebt und endlich einen klaren Blick auf ihr eigenes unverstelltes Selbst werfen kann … sich selber „mit anderen Augen“ sieht.
Außerdem finde ich es toll, dass die Freundschaft zwischen Tilda, Ali und Leith so herausgestellt wird und die Leserin ganz intensiv spürt, wie wichtig Frauenfreundschaften sind und welchen positiven Einfluss sie auf unser Wohlbefinden haben.
Die Figuren wirken authentisch … alles, was sie tun, wie sie miteinander umgehen und reden, was sie alles miteinander teilen, finde ich sehr gelungen und aus der Realität gegriffen.
Womit ich mir anfangs etwas schwergetan habe (so wie Tilda auch), ist der esoterische Touch, den vor allem Leith in die Geschichte mitbringt. Aber mit der Zeit habe ich gelernt, diese Aspekte auf mich wirken zu lassen und ihnen vielleicht ja etwas abzugewinnen, schließlich geht es in dem Buch auch darum „mal was ganz anderes auszuprobieren“.
Was ich auch schade fand und meiner Meinung nach die weibliche Stärke, die im Buch deutlich wird, etwas geschmälert hat, war die Tatsache, dass auch ein neuer Mann eine Rolle gespielt hat … wäre für mich persönlich entbehrlich gewesen.
Der Aufbau des Buches und der Kapitel hat mir gut gefallen. Bis auf ein paar Rückblenden verläuft die Geschichte chronologisch und es gibt keine komplizierten Herausforderungen beim Lesen. Besonders mochte ich die Zitate, die am Anfang jedes Kapitels stehen … immer eine kleine Inspiration und ein Ausblick auf das folgende Kapitel.
Die Autorin hat einen angenehmen Schreibstil und das Buch ist flüssig zu lesen. Jane Tara schreibt sehr bildhaft … ich konnte mir alles lebhaft vorstellen, wie ein innerer Film sozusagen ????.
Mein Fazit: Tolles Buch für Frauen, die ihr Inneres näher erkunden und sich mit anderen Augen möchten … und keine Probleme mit etwas Esoterik haben.

Unsichtbar
Tilda Finch kann nicht glauben, was sie sieht (oder nicht sieht), als sie auf ihre Hand schaut. Ihr Finger, er ist verschwunden. Er ist noch da, aber unsichtbar. Und der Blick in den Spiegel zeigt, auch ein Ohr ist verschwunden. Und bald kommen noch weitere Körperteile dazu. Ihre Ärztin bestätigt die Diagnose, Unsichtbarkeit. Tilda verzweifelt. Die Diagnose lautet unheilbar. Sie liest Bücher, sie geht zu einer Selbsthilfegruppe und lernt, es gibt gar nicht so wenige Frauen mit dieser Diagnose. Alle Mitte 40 und älter.
Sie erzählt ihren Freundinnen davon und eine von ihnen macht ihr einen Termin bei einer Therapeutin, die behauptet, die Krankheit wäre doch heilbar. Tilda will erst gar nicht hingehen, sie glaubt nicht an Heilung, hält die Therapeutin für eine Scharlatanin. Aber, vielleicht gibt es ja doch Hoffnung?
Was sehr stark beginnt, die reale Unsichtbarkeit als Bild für das, was viele Frauen beschreiben, wenn sie älter werden. Übergangen bei Beförderungen, übersehen, nicht mehr wahrgenommen, vergessen …
Doch leider kippt dann die Geschichte, wird sehr trivial weiter erzählt, gerät zum Selbsthilferatgeber mit großem Kitschfaktor.
Und natürlich liegt es an der Frau selbst, sich zu ändern, zu meditieren, die innere Stimme umzupolen, das Mindset zu ändern. Und am Ende warten der Märchenprinz, die perfekten Freundinnen, ein perfektes, privilegiertes Leben, die perfekten Kinder, alle schön und erfolgreich.
Darin geht die Gesellschaftskritik, die Kritik am Umgang mit weiblich gelesenen Personen leider völlig unter, auch wenn sie vorhanden ist. Da hilft es auch nicht, dass am Ende noch eine Freundin vor häuslicher Gewalt gerettet wird. Denn selbst dieser Erzählstrang gerät zum Beweis dafür, wie toll die Protagonistin geworden ist und wie toll sie das gemacht hat, sich so zu ändern und damit zur reinen Selbstdarstellung.
Sprachlich wird die Geschichte leider auch reichlich trivial erzählt.
Schade. Eine Geschichte mit Potential, eine gute Idee, die aber sehr an der Oberfläche bleibt und trotz der wirklich interessanten Botschaften langweilt und nicht berührt.
Mich hat der Roman leider nicht sehr überzeugt. Die drei Sterne gibt es für die Idee und die Teile, die doch immer wieder das Potential von dem, was ich mir gewünscht hätte, durchscheinen lassen.

Unsichtbare Frauen
"Mit anderen Augen" von Jane Tara ist ein Buch, das seinesgleichen sucht und spricht vor allem Leserinnen ab 40 oder 50 Jahren an. Natürlich können auch jüngere Menschen das Buch lesen, aber ich glaube sie würden nicht alles verstehen. Denn wenn man dieses Buch liest, wird oft mit dem Kopf genickt, man versteht oder wiedererkennt bestimmte Situationen, man fängt an zu überlegen. Bin ich womöglich auch schon in Stadium eins? Klar ab Stadium 2 wird es unrealistisch - plötzlich werden verschiedene Körperteile unsichtbar - aber irgendwie erkennt man doch den tieferen Sinn dahinter.
Trotz des nicht ganz leichten Themas, trotz "Werbung" für Meditation und "Sich Selbstfindens" hat es sehr viel Freude bereitet dieses Buch zu lesen, zu analysieren, zu hinterfragen. Es ist unterhaltsam und gleichzeitig stimmt es einen immer wieder nachdenklich.
Jane Tara ist hier ein ganz besonderes Buch gelungen!

Ein Perspektivwechsel, der nachwirkt
„Mit anderen Augen“ ist ein ruhiger, nachdenklicher Roman, der sich intensiv mit Wahrnehmung, Beziehungen und persönlichen Sichtweisen beschäftigt. Im Mittelpunkt steht weniger die äußere Handlung als vielmehr die Frage, wie unterschiedlich Menschen dieselben Situationen erleben und deuten.

Der Schreibstil ist klar und zurückhaltend, oft sehr reflektierend. Besonders gut gefallen hat mir, wie fein die inneren Gedanken und Emotionen der Figuren herausgearbeitet werden. Viele Szenen wirken leise, aber genau dadurch sehr eindringlich.

Das Tempo ist eher ruhig, was gut zur Thematik passt, an manchen Stellen aber auch etwas Geduld verlangt. Dafür entsteht eine dichte Atmosphäre, die zum Nachdenken anregt.

Fazit:
Ein stiller Roman über Perspektiven, Missverständnisse und das Verstehen anderer. Wer sich auf eine ruhige, introspektive Geschichte einlassen möchte, findet hier eine berührende und nachhaltige Lektüre.

Paula
Kennen sie ihre persönliche "Paula"? Feindin oder Freundin? Fühlen sie sich noch sichtbar?
Ein inspirierendes Buch um sich selbst und die Welt um sich herum bewusst wahrzunehmen. Witzig, anregend, unterhaltsam.

Mit anderen Augen
„Statistiken zeigen, dass 90% aller Frauen über 50 an einer Unsichtbarkeit im ersten Stadium leiden – ohne es zu wissen. Über Jahre entgehen ihnen zahllose soziale oder berufliche Gelegenheiten, weil sie unter dem Einfluss ihrer leichten Form von Unsichtbarkeit stehen.“

Das, was ich als jahrzehntelange Leserin bislang immer vermieden habe, nämlich die Lektüre von Selbsthilfe-Ratgebern, ist mir jetzt passiert! Weil Jane Tara ihre Ansichten und Weisheiten recht raffiniert in einem Roman verpackt hat.
Der Morgen, an dem die Geschichte ihren Anfang nimmt, beginnt unspektakulär. Tilda (52) war zuerst mit ihrem Hund am Strand spazieren, dann hat sie in der Küche herumgekramt und sich einen Kaffee gemacht. Als sie sich ihrem E-Mails zuwenden will, bemerkt sie es: Der kleine Finger ihrer rechten Hand ist weg. Verschwunden. Einfach abgefallen wird er ja wohl nicht sein, zumal an ihrer Hand weder eine Wunde noch Blut zu sehen sind. Außerdem kann sie ja auch spüren, dass er da ist… sie kann ihn bloß nicht sehen.
Ein Termin bei ihrer Ärztin bringt dann die Diagnose und damit auch die Gewissheit: Tilda leidet an einer Unsichtbarkeitserkrankung.
„Davon habe ich schon gehört. Ich weiß, dass das unter Frauen ein Thema ist, aber ich dachte immer, das ist so eine Art Metapher.“
Und auch wenn uns in diesem Roman noch jede Menge andere Frauen mit genau dieser Diagnose begegnen – die Treffen der Selbsthilfegruppe mit Frauen in den unterschiedlichsten Stadien dieser Erkrankung waren ein Highlight der Geschichte! – ist der laut Dr. Gurinder Majumdar gar nicht mal so seltene „Morbus Invisibilis“ natürlich eine Metapher.
Es handelt sich um eine „Krankheit“, die nur bei Frauen auftritt, vorwiegend bei älteren jenseits der fünfzig, und es gibt vier Stadien.
„Das erste Stadium ist extrem weit verbreitet: Man wird bei der Arbeit übersehen, wenn es um eine Beförderung geht, solche Sachen.“
Bei Tilda schreitet die Krankheit schnell voran – bald sind weitere Finger, ein Ohr, dann ein Arm, ihr Hals, ein Bein von der Unsichtbarkeit betroffen.
Aber sie will nicht hinnehmen, dass ihre Krankheit als unheilbar gilt, und ist bereit zu kämpfen. Dafür muss sie einen schwierigen, teils schmerzhaften Weg gehen und lernen, sich selbst „mit anderen Augen“ zu sehen und sich ihren Ängsten zu stellen. Tilda erkennt, dass sie jahrelang in alten Mustern gefangen war, dass sie sich all die Jahre klein gemacht hat, wie oft sie sich gesagt hat, sie sei nicht liebenswert, sie sei wertlos, wie oft sie damit beschäftigt war, den Erfordernissen des Lebens gerecht zu werden und der Welt eine ganz bestimmte Version von sich zu präsentieren.
„Ich war immer so wahnsinnig beschäftigt mit Plan B, dass es mir jetzt vorkommt, als hätte ich es mit Plan A nie probiert.“
All diese Erkenntnisse helfen Tilda, zu einer neuen Version ihrer selbst zu werden, zu einer sichtbaren Version, und sich zu fragen: Hat sie sich verändert oder hat sich nur die Art verändert, wie sie sich wahrnimmt?
Dabei stets an ihrer Seite: ihre Töchter, ihre pfiffigen Freundinnen und der charmante Patrick, der – obwohl er blind ist – Tilda „sieht“, so wie sie ist.
Die Liebesgeschichte, die sich so vorsichtig zwischen den beiden anbahnt, geht wirklich zu Herzen und ist einfach nur schön.

Die Lebensweisheiten und Zitate, die die Autorin in ihre Geschichte einstreut, waren für meinen Geschmack zum Schluss hin etwas zu geballt, und über so manches esoterische Gesäusel habe ich großzügig hinweggelesen.
Aber insgesamt hat sie natürlich recht!
„Im Grunde geht es nur um eine veränderte Sicht auf die Dinge.“

Die beste Erkenntnis unter den Unmengen von Zitaten liefert auf jeden Fall Dolly Parton:
„Wenn dir die Straße, auf der du gehst, nicht gefällt, asphaltier dir eine andere.“