Rezensionen
Rezensionen von rosetheline
Autor: Clara Leinemann
Weibliche Gewalt - 3 Sterne
In Clara Leinemanns "Gelbe Monster" geht es um Charlie, eine Mathematikstudentin Anfang Zwanzig, die nach einer Eskalation mit ihrem Freund Valentin, ein Aggressionstraining machen muss, damit sie weiterhin bei ihrer besten Freundin Ella wohnen darf. Doch wie konnte es überhaupt erst so weit kommen?
Leinemann gibt den Leser*innen einen guten Einblick in Charlies Bällebad der Gefühle. Obwohl sie anfangs noch sehr glücklich über ihre Beziehung ist, fängt Charlie schnell an misstrauisch zu werden, an sich zu zweifeln und jede noch so kleine Handlung von Valentin zu analysieren bis sie an einen Punkt kommt an dem sie all ihre negativen Gefühle überschütten und ihrer Meinung nach Valentin an allem Schuld ist und dafür zur Rechenschaft gezogen werden muss - psychisch und physisch.
Zum ersten Mal habe ich einen Roman gelesen, in dem nicht, wie üblicherweise bekannt, die Gewalt von einem Mann ausgeht, sondern von einer Frau. Ich fand den Ansatz auf jeden Fall interessant, aber leider hat mir eine gewisse Tiefe gefehlt und außer Charlie fehlte mir ein besser Einblick in die anderen Charaktere. Sprachlich war das Buch dennoch gut zu lesen und ich bin auf jeden Fall auf weitere Werke von Clara Leinemann gespannt.
Daher vergebe ich 3,5 Sterne.
Leinemann gibt den Leser*innen einen guten Einblick in Charlies Bällebad der Gefühle. Obwohl sie anfangs noch sehr glücklich über ihre Beziehung ist, fängt Charlie schnell an misstrauisch zu werden, an sich zu zweifeln und jede noch so kleine Handlung von Valentin zu analysieren bis sie an einen Punkt kommt an dem sie all ihre negativen Gefühle überschütten und ihrer Meinung nach Valentin an allem Schuld ist und dafür zur Rechenschaft gezogen werden muss - psychisch und physisch.
Zum ersten Mal habe ich einen Roman gelesen, in dem nicht, wie üblicherweise bekannt, die Gewalt von einem Mann ausgeht, sondern von einer Frau. Ich fand den Ansatz auf jeden Fall interessant, aber leider hat mir eine gewisse Tiefe gefehlt und außer Charlie fehlte mir ein besser Einblick in die anderen Charaktere. Sprachlich war das Buch dennoch gut zu lesen und ich bin auf jeden Fall auf weitere Werke von Clara Leinemann gespannt.
Daher vergebe ich 3,5 Sterne.
von rosetheline - 2026-06-11 21:56:00
Autor: Jacqueline Harpman
Fragenkarussell - 3 Sterne
Jacqueline Harpmans "Ich, die ich Männer nicht kannte" ist schon seit einiger Zeit immer wieder auf englischsprachigen Booktube Kanälen aufgetaucht und hat vor allem vor Kurzem einen regelrechten Hype ausgelöst und das, obwohl es vor über 30 Jahren zum ersten Mal veröffentlicht worden ist.
In Harpmans Buch geht es um eine namenlose Protagonistin, die zusammen mit 39 anderen Frauen eingesperrt in einer Art Keller lebt. Sie ist die jüngste von allen und hat schon immer in Gefangenschaft gelebt und kennt kein Leben außerhalb. Jeder Tag sieht gleich aus, die Wachtmänner sind streng und reden nicht mit den Gefangenen, Widerstand ist zwecklos. Eines Tages durchströmt eine Sirene den Keller, alle Wachtmänner laufen weg. Die Frauen schaffen es an einen Schlüssel zu kommen und somit ihr Verlies zu verlassen...
Als Lesende hatte ich zu Anfang der Geschichte eine Theorie, was es mit den Frauen, den Wachtmännern und dem Keller auf sich hat, die allerdings nach einiger Zeit nicht mehr stimmig war. Dann hatte ich eine weitere Theorie, dann noch eine, doch nie hat sich irgendeine davon bewahrheitet, weil es keine Lösung in diesem Buch gibt. Es ist, als würde man die Hoffnungslosigkeit am eigenen Leib spüren, weil die unbeantworteten Fragen einen regelrecht überschwemmen. Das Leben der Frauen scheint dabei so trist, auch, wenn es für sie besser ist als im Verlies.
Ich kann den Hype an dem Buch nicht ganz nachvollziehen. Es ist bestimmt ein gutes Buch für einen Buchclub, weil so viele existenzielle Fragen gestellt und besprochen werden können. Mir persönlich waren es allerdings zu viele unbeantwortete Fragen und daher kann ich dem Buch nur 2,5 Sterne geben.
In Harpmans Buch geht es um eine namenlose Protagonistin, die zusammen mit 39 anderen Frauen eingesperrt in einer Art Keller lebt. Sie ist die jüngste von allen und hat schon immer in Gefangenschaft gelebt und kennt kein Leben außerhalb. Jeder Tag sieht gleich aus, die Wachtmänner sind streng und reden nicht mit den Gefangenen, Widerstand ist zwecklos. Eines Tages durchströmt eine Sirene den Keller, alle Wachtmänner laufen weg. Die Frauen schaffen es an einen Schlüssel zu kommen und somit ihr Verlies zu verlassen...
Als Lesende hatte ich zu Anfang der Geschichte eine Theorie, was es mit den Frauen, den Wachtmännern und dem Keller auf sich hat, die allerdings nach einiger Zeit nicht mehr stimmig war. Dann hatte ich eine weitere Theorie, dann noch eine, doch nie hat sich irgendeine davon bewahrheitet, weil es keine Lösung in diesem Buch gibt. Es ist, als würde man die Hoffnungslosigkeit am eigenen Leib spüren, weil die unbeantworteten Fragen einen regelrecht überschwemmen. Das Leben der Frauen scheint dabei so trist, auch, wenn es für sie besser ist als im Verlies.
Ich kann den Hype an dem Buch nicht ganz nachvollziehen. Es ist bestimmt ein gutes Buch für einen Buchclub, weil so viele existenzielle Fragen gestellt und besprochen werden können. Mir persönlich waren es allerdings zu viele unbeantwortete Fragen und daher kann ich dem Buch nur 2,5 Sterne geben.
von rosetheline - 2026-06-01 13:42:00
Autor: Douglas Stuart
Sehr atmosphärisch mit einigen Längen - 3 Sterne
Mit seinem dritten Roman "John of John" bringt uns Douglas Stuart auf die Äußeren Hebriden, eine Inselkette nordwestlich der schottischen Küste.
Dabei begleiten wir Cal, einen homosexuellen jungen Mann, der nach seinem Studium in Edinburgh notgedrungen auf Bitte seines Vaters John zurück auf die Hebriden (Harris) kehrt, weil es seiner Großmutter Ella nicht gut geht. Doch zurück fängt ihn all das ein wovor er "geflohen" ist.
Stuarts Sprache ist sehr atmosphärisch und so hatte ich als Lesende das Gefühl selbst dort zu sein. Vor allem das kalte, raue Klima haben die gewisse Tristheit und Schwere der Erzählung gut unterstrichen. Auch die weite und schwere Anreise hat mir das Gefühl gegeben, dass Cal nicht nur körperlich weit reisen musste, sondern Edinburgh (Freiheit, Akzeptanz) und Harris (Tradition, Konservatismus, Verschlossenheit) auch mental weit voneinander entfernt liegen und es Cal schwer machen der zu sein. Denn selbst sein Vater kann den neuen Cal mit den langen, gefärbten Haaren nicht akzeptieren. Oder kann er vielleicht nicht akzeptieren, dass sein eigener Sohn sich von den Traditionen und Blicken der anderen freimachen konnte und er selbst nicht? Es gibt viele Geheimnisse in dem Buch, die nach und nach gelüftet werden (wenn auch manche nicht im Detail besprochen werden) und einen die Geschichte nochmal besser verstehen lassen.
Dennoch hätte ich gerne mehr über einige Charaktere und ihre Gedanken erfahren und gewisse andere Längen im Buch dafür eingetauscht, denn die Geschichte ist eher langsam und lebt vor allem von seiner Atmosphäre.
Alles in Allem ist es aber ein solides Buch und ich werde auf jeden Fall noch die anderen Bücher von Stuart lesen, die zum Teil ähnliche (wichtige) Themen wie komplexe Familiendynamiken, Identität, Armut und Homosexualität behandeln.
Dabei begleiten wir Cal, einen homosexuellen jungen Mann, der nach seinem Studium in Edinburgh notgedrungen auf Bitte seines Vaters John zurück auf die Hebriden (Harris) kehrt, weil es seiner Großmutter Ella nicht gut geht. Doch zurück fängt ihn all das ein wovor er "geflohen" ist.
Stuarts Sprache ist sehr atmosphärisch und so hatte ich als Lesende das Gefühl selbst dort zu sein. Vor allem das kalte, raue Klima haben die gewisse Tristheit und Schwere der Erzählung gut unterstrichen. Auch die weite und schwere Anreise hat mir das Gefühl gegeben, dass Cal nicht nur körperlich weit reisen musste, sondern Edinburgh (Freiheit, Akzeptanz) und Harris (Tradition, Konservatismus, Verschlossenheit) auch mental weit voneinander entfernt liegen und es Cal schwer machen der zu sein. Denn selbst sein Vater kann den neuen Cal mit den langen, gefärbten Haaren nicht akzeptieren. Oder kann er vielleicht nicht akzeptieren, dass sein eigener Sohn sich von den Traditionen und Blicken der anderen freimachen konnte und er selbst nicht? Es gibt viele Geheimnisse in dem Buch, die nach und nach gelüftet werden (wenn auch manche nicht im Detail besprochen werden) und einen die Geschichte nochmal besser verstehen lassen.
Dennoch hätte ich gerne mehr über einige Charaktere und ihre Gedanken erfahren und gewisse andere Längen im Buch dafür eingetauscht, denn die Geschichte ist eher langsam und lebt vor allem von seiner Atmosphäre.
Alles in Allem ist es aber ein solides Buch und ich werde auf jeden Fall noch die anderen Bücher von Stuart lesen, die zum Teil ähnliche (wichtige) Themen wie komplexe Familiendynamiken, Identität, Armut und Homosexualität behandeln.
von rosetheline - 2026-06-01 13:29:00
Autor: Edition Michael Fischer
Perfektes Japanbuch für Anfänger*innen - 5 Sterne
Mit "JAPAN – Kultur, Landschaft, Menschen & ein Leben mit Ikigai" hat der EMF ein Buch herausgebracht das perfekt für alle ist, die Japan kennen- und liebenlernen wollen.
Auf 192 Seiten werden hier verschiedene Bereiche rund um das Land der aufgehenden Sonne durchleuchtet. Dabei gibt es viele leckere, aber auch bekannte Rezepte wie Sushi, Ramen oder auch Mochi auszuprobieren. Bekannte, aber auch wenige bekannte Reiseziele machen einen Großteil des Buches aus und so erfährt man als Lesende*r wie vielfältig das Land über Tokio, Kyoto und Hiroshima hinaus ist. Ebenso gibt es viel über andere kulturelle Besonderheiten wie Ikigai, Kintsugi, Festen und Ritualen sowie wichtigen Umgangsformen zu erfahren.
Abgerundet wird alles durch die wundervolle Gestaltung des Buches sowohl außen durch den Farbschnitt, als auch innen durch die vielen schönen Fotos und Illustrationen. Dabei wirkt das Buch nie überladen, sondern genau richtig, um darin immer mal wieder herumzublättern.
Ich kann das Buch daher jeder/jedem empfehlen, die/der Japan und Coffee Table Books mag. Für Leute, die schon mehr über Japan wissen, wird vieles schon bekannt sein, daher denke ich, dass es vor allem für Anfänger*innen ein größeres Highlight ist.
Auf 192 Seiten werden hier verschiedene Bereiche rund um das Land der aufgehenden Sonne durchleuchtet. Dabei gibt es viele leckere, aber auch bekannte Rezepte wie Sushi, Ramen oder auch Mochi auszuprobieren. Bekannte, aber auch wenige bekannte Reiseziele machen einen Großteil des Buches aus und so erfährt man als Lesende*r wie vielfältig das Land über Tokio, Kyoto und Hiroshima hinaus ist. Ebenso gibt es viel über andere kulturelle Besonderheiten wie Ikigai, Kintsugi, Festen und Ritualen sowie wichtigen Umgangsformen zu erfahren.
Abgerundet wird alles durch die wundervolle Gestaltung des Buches sowohl außen durch den Farbschnitt, als auch innen durch die vielen schönen Fotos und Illustrationen. Dabei wirkt das Buch nie überladen, sondern genau richtig, um darin immer mal wieder herumzublättern.
Ich kann das Buch daher jeder/jedem empfehlen, die/der Japan und Coffee Table Books mag. Für Leute, die schon mehr über Japan wissen, wird vieles schon bekannt sein, daher denke ich, dass es vor allem für Anfänger*innen ein größeres Highlight ist.
von rosetheline - 2026-03-27 13:56:00
Autor: Kurt Prödel
Lebenswelt junger Erwachsener - 4 Sterne
Mit "Salto" hat Kurt Prödel seinen zweiten Roman veröffentlicht und ich war sehr gespannt auf das neue Buch, da mir "Klapper" so gut gefallen hatte.
In "Salto" geht es um Marko, einen sehr guten Schüler, der unbedingt Medizin studieren möchte, nicht nur, weil seine verstorbene Mutter (eine Krankenschwester) und er die Idee hatten irgendwann einmal zusammen zu arbeiten. Und so beschließt er zusammen mit Claire nach München zu gehen und dort zu studieren, wäre da nicht das Problem, dass er nicht angenommen wird. In keiner Uni in Deutschland. Nach einem großen Hin und Her ermutigt Markos Vater Frank ihn schließlich ein teures Medizinstudium in Budapest zu absolvieren, zumindest bis zum Physikum: Mit dem Geld aus der Lebensversicherung der Mutter. Marko sieht das als einzige Möglichkeit. Doch mit dieser Entscheidung zerbricht auch die Beziehung mit Claire und es folgen viele weitere Hindernisse auf ihn.
Kurt Prödel hat mich wieder mit seinem Stil abgeholt, der nahbar und gut leserlich ist. Die Geschichte hat einige Spannungsbögen und eine der Thematiken, die im Roman einen großen Stellenwert bekommt, ist meiner Meinung nach eine über die ich bisher in keinem Buch gelesen habe und eine worüber vor allem junge Menschen viel zu wenig wissen.
Die Beziehung zwischen Marko und Claire ist für viele bestimmt typisch für ihr Alter und dem Stil von Sally Rooney gleich, doch für mich fühlte sie sich sehr platonisch an. Zum Ende des Buches habe ich ein bisschen das Interesse verloren und hätte mir ein bisschen mehr gewünscht.
Alles in Allem war "Salto" für mich ein gutes, aber leider kein herausragendes Buch, anders als der Vorgänger "Klapper". Dafür hat mir ein gewisser Nachhall gefehlt. Es ist dennoch lesenswert und ich bin gespannt auf weitere Bücher von Kurt Prödel. Daher vergebe ich 3,5 Sterne.
In "Salto" geht es um Marko, einen sehr guten Schüler, der unbedingt Medizin studieren möchte, nicht nur, weil seine verstorbene Mutter (eine Krankenschwester) und er die Idee hatten irgendwann einmal zusammen zu arbeiten. Und so beschließt er zusammen mit Claire nach München zu gehen und dort zu studieren, wäre da nicht das Problem, dass er nicht angenommen wird. In keiner Uni in Deutschland. Nach einem großen Hin und Her ermutigt Markos Vater Frank ihn schließlich ein teures Medizinstudium in Budapest zu absolvieren, zumindest bis zum Physikum: Mit dem Geld aus der Lebensversicherung der Mutter. Marko sieht das als einzige Möglichkeit. Doch mit dieser Entscheidung zerbricht auch die Beziehung mit Claire und es folgen viele weitere Hindernisse auf ihn.
Kurt Prödel hat mich wieder mit seinem Stil abgeholt, der nahbar und gut leserlich ist. Die Geschichte hat einige Spannungsbögen und eine der Thematiken, die im Roman einen großen Stellenwert bekommt, ist meiner Meinung nach eine über die ich bisher in keinem Buch gelesen habe und eine worüber vor allem junge Menschen viel zu wenig wissen.
Die Beziehung zwischen Marko und Claire ist für viele bestimmt typisch für ihr Alter und dem Stil von Sally Rooney gleich, doch für mich fühlte sie sich sehr platonisch an. Zum Ende des Buches habe ich ein bisschen das Interesse verloren und hätte mir ein bisschen mehr gewünscht.
Alles in Allem war "Salto" für mich ein gutes, aber leider kein herausragendes Buch, anders als der Vorgänger "Klapper". Dafür hat mir ein gewisser Nachhall gefehlt. Es ist dennoch lesenswert und ich bin gespannt auf weitere Bücher von Kurt Prödel. Daher vergebe ich 3,5 Sterne.
von rosetheline - 2026-03-22 12:57:00
Autor: Kira Mohn
Machtgefälle - 3 Sterne
In Kira Mohns "Alle glücklich" geht es um Nina und Alexander sowie ihre Kinder Emilia und Ben - Eine von außen hin gutbürgerliche Familie. Das könnte man zumindest meinen.
Nina und Alexander haben sich während ihres Medizinstudiums kennengelernt und obwohl Alexander nun erfolgreich als Oberarzt arbeitet, hat Nina nach ihrer Schwangerschaft zum Ende des Studiums ihre eigene Karriere hintenangestellt und arbeitet nun als MTA.
Ihr Sohn Ben ist Student und man sollte meinen, dass dies die beste Zeit im Leben eines jungen Erwachsenen sein sollte, doch Ben ist schüchtern und ein kleiner Nerd mit wenig sozialen Kontakten.
Ihre Tochter Emilia ist Schülerin und bei ihr scheint alles gut zu laufen, vor allem in den Bereichen, in denen Ben viel Kummer erleidet.
Mohn schafft es in ihrem Roman ein "ganz normales" Familienkonstrukt zu schaffen, das es so bestimmt zuhauf gibt und in das sich viele Leser*innen hineinversetzen können. Die kleinen Probleme, die sich anfangs aufzeigen, werden mit der Zeit jedoch immer größer und entwickeln sich in weitere Probleme. Dabei nehmen Themen wie ungleiche Machtverhältnisse, Missbrauch, Einsamkeit, mangelndes Einstehen für sich selbst und Weiterentwicklung einen großen Platz ein. Manchmal wirkt das alles jedoch viel zu viel und es wäre schöner gewesen, wenn die Autorin sich auf ein, zwei Themen weniger eingelassen hätte, denn so hat die Geschichte am Ende für mich ein wenig seiner Glaubwürdigkeit verloren.
Zusammenfassend fand ich den Roman dennoch lesenswert und die genannten Themen auch wichtig. Er ließ sich gut lesen und ich bin definitiv nicht abgeneigt ein weiteres Buch der Autorin zu lesen. Daher vergebe ich 3,5 Sterne.
Nina und Alexander haben sich während ihres Medizinstudiums kennengelernt und obwohl Alexander nun erfolgreich als Oberarzt arbeitet, hat Nina nach ihrer Schwangerschaft zum Ende des Studiums ihre eigene Karriere hintenangestellt und arbeitet nun als MTA.
Ihr Sohn Ben ist Student und man sollte meinen, dass dies die beste Zeit im Leben eines jungen Erwachsenen sein sollte, doch Ben ist schüchtern und ein kleiner Nerd mit wenig sozialen Kontakten.
Ihre Tochter Emilia ist Schülerin und bei ihr scheint alles gut zu laufen, vor allem in den Bereichen, in denen Ben viel Kummer erleidet.
Mohn schafft es in ihrem Roman ein "ganz normales" Familienkonstrukt zu schaffen, das es so bestimmt zuhauf gibt und in das sich viele Leser*innen hineinversetzen können. Die kleinen Probleme, die sich anfangs aufzeigen, werden mit der Zeit jedoch immer größer und entwickeln sich in weitere Probleme. Dabei nehmen Themen wie ungleiche Machtverhältnisse, Missbrauch, Einsamkeit, mangelndes Einstehen für sich selbst und Weiterentwicklung einen großen Platz ein. Manchmal wirkt das alles jedoch viel zu viel und es wäre schöner gewesen, wenn die Autorin sich auf ein, zwei Themen weniger eingelassen hätte, denn so hat die Geschichte am Ende für mich ein wenig seiner Glaubwürdigkeit verloren.
Zusammenfassend fand ich den Roman dennoch lesenswert und die genannten Themen auch wichtig. Er ließ sich gut lesen und ich bin definitiv nicht abgeneigt ein weiteres Buch der Autorin zu lesen. Daher vergebe ich 3,5 Sterne.
von rosetheline - 2026-03-01 16:24:00
Autor: Abbas Khider
Wichtig und zugänglich - 4 Sterne
In "Der letzte Sommer der Tauben" erzählt Abbas Khider von Noah, einem vierzehnjährigen Jungen, der zusammen mit seinen Eltern in einer Stadt, an einem heißen Ort wohnt. Noah ist Schüler, doch ebenso Taubenzüchter und hat diese Kunst von seinem Onkel gelernt.
Eines Tages muss Noah seinem Vater im Laden helfen, da die strengeren Regeln des Kalifats es nun nicht mehr erlauben "unzüchtige" Kleidung zu verkaufen und Schaufensterpuppen ohne Niqab auszustellen. Was anfangs eine einzige, schwierige und einschneidende Veränderung ist, wird eine von vielen weiteren, die mit der Zeit dazukommen. Bis es eines Tages Noahs Tauben betrifft.
Khider hat ein wichtiges Buch geschrieben, das mit Sicherheit autobiografische Züge hat. Als Leser*in verfolgt man gut mit, wie schnell ein extremes Regime seine Ideologien umsetzen und den Menschen (aber in diesem Fall auch den Tauben sinnbildlich) die Freiheit nehmen kann. Dabei zeigt Khider jedoch, dass es selbst in einer Familie verschiedene Akteure geben kann, die sowohl für oder gegen das Regime sind und ferner inwiefern Minderheiten davon betroffen sein können.
Die Kapitel sind kurz und leicht zu lesen. Sie wirken zwar anfangs etwas abgehackt, doch mit der Zeit konnte ich mich gut zurechtfinden.
Alles in Allem habe ich das Buch gerne gelesen und würde es definitiv weiterempfehlen, vor allem auch um den Einfluss politischer Entwicklungen auf Menschenebene in anderen Ländern zu verstehen. Daher vergebe ich 4,5 Sterne.
Eines Tages muss Noah seinem Vater im Laden helfen, da die strengeren Regeln des Kalifats es nun nicht mehr erlauben "unzüchtige" Kleidung zu verkaufen und Schaufensterpuppen ohne Niqab auszustellen. Was anfangs eine einzige, schwierige und einschneidende Veränderung ist, wird eine von vielen weiteren, die mit der Zeit dazukommen. Bis es eines Tages Noahs Tauben betrifft.
Khider hat ein wichtiges Buch geschrieben, das mit Sicherheit autobiografische Züge hat. Als Leser*in verfolgt man gut mit, wie schnell ein extremes Regime seine Ideologien umsetzen und den Menschen (aber in diesem Fall auch den Tauben sinnbildlich) die Freiheit nehmen kann. Dabei zeigt Khider jedoch, dass es selbst in einer Familie verschiedene Akteure geben kann, die sowohl für oder gegen das Regime sind und ferner inwiefern Minderheiten davon betroffen sein können.
Die Kapitel sind kurz und leicht zu lesen. Sie wirken zwar anfangs etwas abgehackt, doch mit der Zeit konnte ich mich gut zurechtfinden.
Alles in Allem habe ich das Buch gerne gelesen und würde es definitiv weiterempfehlen, vor allem auch um den Einfluss politischer Entwicklungen auf Menschenebene in anderen Ländern zu verstehen. Daher vergebe ich 4,5 Sterne.
von rosetheline - 2026-03-01 16:13:00
Autor: Dita Zipfel
Fehlende Tiefe und große Absurdität - 2 Sterne
In Dita Zipfels Roman "Es ist hell und draußen dreht sich die Welt" geht es um die beiden Paare Linn und Matze sowie Eva und Felix, die einige Tage zusammen Urlaub in Südfrankreich machen.
Während Linn und Matze seit Jahren versuchen Eltern zu werden, haben Eva und Felix bereits zwei Kinder. Und auch sonst scheint das Leben der beiden perfekt. Und so ist es natürlich für den Selfmademan Felix auch nichts Großes Linn und Matze in den Urlaub einzuladen.
Was anfangs perfekt scheint, fängt jedoch nach und nach an zu bröckeln. In Evas und Felix' Leben ist nicht alles perfekt und auch Linn fängt an ihre Lebensplanung zu überdenken.
Die Prämisse des Buches hat mir richtig gut gefallen. Anfangs hatte die Geschichte noch Stärken und Denkanstöße, doch mit jedem folgenden Kapitel kam mehr Absurdität dazu und viele Handlungsweisen erschienen mir unglaubwürdig. Einige der Charaktere waren sehr unsympathisch, was nicht unbedingt ein Problem für mich war, doch auch die "tiefe Verbindung" zwischen Eva und Linn habe ich nicht gespürt. Ich hätte mir viel mehr Tiefe und auch mehr Einblick in die Gedanken der einzelnen Charaktere gewünscht. Schade, denn die Geschichte hätte wirklich Potenzial gehabt.
Daher kann ich nur 1,5 Sterne vergeben.
Während Linn und Matze seit Jahren versuchen Eltern zu werden, haben Eva und Felix bereits zwei Kinder. Und auch sonst scheint das Leben der beiden perfekt. Und so ist es natürlich für den Selfmademan Felix auch nichts Großes Linn und Matze in den Urlaub einzuladen.
Was anfangs perfekt scheint, fängt jedoch nach und nach an zu bröckeln. In Evas und Felix' Leben ist nicht alles perfekt und auch Linn fängt an ihre Lebensplanung zu überdenken.
Die Prämisse des Buches hat mir richtig gut gefallen. Anfangs hatte die Geschichte noch Stärken und Denkanstöße, doch mit jedem folgenden Kapitel kam mehr Absurdität dazu und viele Handlungsweisen erschienen mir unglaubwürdig. Einige der Charaktere waren sehr unsympathisch, was nicht unbedingt ein Problem für mich war, doch auch die "tiefe Verbindung" zwischen Eva und Linn habe ich nicht gespürt. Ich hätte mir viel mehr Tiefe und auch mehr Einblick in die Gedanken der einzelnen Charaktere gewünscht. Schade, denn die Geschichte hätte wirklich Potenzial gehabt.
Daher kann ich nur 1,5 Sterne vergeben.
von rosetheline - 2026-03-01 16:01:00
Autor: Jennette McCurdy
Gutes Romandebüt - 3 Sterne
Jennette McCurdy ist vielen durch ihre Rolle der "Sam" in iCarly bekannt und hat mit "I'm Glad My Mom Died" ein sehr persönliches und starkes Memoir veröffentlicht. Mit "Half His Age" ihrem ersten Roman polarisiert sie nun zum zweiten Mal.
Im Buch geht es um Waldo, eine 17-jährige Schülerin, die mit ihrer alleinerziehenden Mutter in Anchorage (Alaska) lebt und dabei ist ihrem Schulabschluss zu machen. Ihr Leben könnte kaum schwieriger und trister sein, da ihre 34-jährige Mutter nicht genug für sie da ist und ihren Lebensinhalt vor allem durch ihre Beziehungen füllt. Und auch das Geld, das Waldo in ihrem Nebenjob verdient, wird regelmäßig für Online-Shopping Exzesse missbraucht, um eine Leere zu füllen.
Doch eines Tages tritt Mr. Korgy, ihr Lehrer für Kreatives Schreiben in ihr Leben und obwohl dieser Anfang vierzig, verheiratet, Vater und nicht mehr besonders attraktiv ist, entwickelt Waldo eine Obsession für ihn. Denn Mr. Korgy scheint in Waldo Talent zu sehen.
Die Geschichte ließ sich sehr gut und flüssig lesen und wurde durch die kurzen Kapitel vereinfacht. Schnell entstand für mich ein Sog und ich wollte unbedingt wissen, ob/was zwischen den beiden Protagonist*innen entsteht. Provokant waren dabei die expliziten und obsessiven Beschreibungen und ich kann verstehen, dass diese nicht jedem gefallen würden.
Ich denke, dass McCurdy außerdem gewisse Parallelen aus ihrem eigenen Leben mit einfließen lassen hat, was vor allem die Thematik rund um die Mutter-Tochter-Beziehung angeht.
Prinzipiell fand ich die Geschichte gut und habe sie gerne gelesen, doch zum Ende hin wurde sie für mich ein bisschen eintönig. Dennoch ist es ein gelungenes Romandebüt und ich bin gespannt, welche Themen in McCurdys weiteren Büchern vorkommen werden.
Daher kann ich das Buch für alle nicht zu Zartbesaiteten empfehlen.
Im Buch geht es um Waldo, eine 17-jährige Schülerin, die mit ihrer alleinerziehenden Mutter in Anchorage (Alaska) lebt und dabei ist ihrem Schulabschluss zu machen. Ihr Leben könnte kaum schwieriger und trister sein, da ihre 34-jährige Mutter nicht genug für sie da ist und ihren Lebensinhalt vor allem durch ihre Beziehungen füllt. Und auch das Geld, das Waldo in ihrem Nebenjob verdient, wird regelmäßig für Online-Shopping Exzesse missbraucht, um eine Leere zu füllen.
Doch eines Tages tritt Mr. Korgy, ihr Lehrer für Kreatives Schreiben in ihr Leben und obwohl dieser Anfang vierzig, verheiratet, Vater und nicht mehr besonders attraktiv ist, entwickelt Waldo eine Obsession für ihn. Denn Mr. Korgy scheint in Waldo Talent zu sehen.
Die Geschichte ließ sich sehr gut und flüssig lesen und wurde durch die kurzen Kapitel vereinfacht. Schnell entstand für mich ein Sog und ich wollte unbedingt wissen, ob/was zwischen den beiden Protagonist*innen entsteht. Provokant waren dabei die expliziten und obsessiven Beschreibungen und ich kann verstehen, dass diese nicht jedem gefallen würden.
Ich denke, dass McCurdy außerdem gewisse Parallelen aus ihrem eigenen Leben mit einfließen lassen hat, was vor allem die Thematik rund um die Mutter-Tochter-Beziehung angeht.
Prinzipiell fand ich die Geschichte gut und habe sie gerne gelesen, doch zum Ende hin wurde sie für mich ein bisschen eintönig. Dennoch ist es ein gelungenes Romandebüt und ich bin gespannt, welche Themen in McCurdys weiteren Büchern vorkommen werden.
Daher kann ich das Buch für alle nicht zu Zartbesaiteten empfehlen.
von rosetheline - 2026-01-30 18:12:00
Autor: Giulia Enders
Spannender Körper - 5 Sterne
Im Jahr 2014 erschien „Darm mit Charme“, ein Buch, das in über 40 Sprachen übersetzt wurde und Giulia Enders damit in kürzester Zeit bekannt machte. Nun, 11 Jahre später ist ihr langersehntes zweites Buch „Organisch“ erschienen.
Ging es bei „Darm mit Charme“, wie der Titel schon sagt, um den Darm, geht es bei „Organisch" um unseren Körper als Ganzes.
Aufgeteilt ist das Buch in fünf Themengebiete: Die Lunge, das Immunsystem, die Haut, die Muskeln und das Gehirn.
Als Leser*in bekommt man dabei spannende Einblicke in unseren Körper als Ganzes. Neben wissenschaftlichen Ausdrücken gibt es aber vor allem viele Bespiele und Anekdoten, die das Buch leicht und gut verständlich und dadurch lebhaft machen.
Enders schafft es in ihrem Buch, wie schon in ihrem ersten Buch, Themen interessant zu machen, die auf den ersten Blick vielleicht eher uninteressant erscheinen, in Wahrheit aber einfach nur erstaunlich sind.
Die Illustrationen im Buch kommen, wie auch schon im ersten Buch, von Enders‘ Schwester Jill. Neben einigen Farbseiten sind im Buch viele Illustrationen in schwarzweiß gehalten. Beide fügen sich dabei wunderbar in den geschriebenen Text ein und ergänzen das Buch perfekt.
Zusammenfassend kann ich das Buch jedem/jeder empfehlen. Zwar hat mir "Darm mit Charme" etwas mehr gefallen, dennoch ist "Organisch" ein wirklich interessantes und zugängliches Buch und ein perfekter Einstieg für alle, die keine oder nur wenige Sachbücher lesen. Empfehlenswert ist außerdem auch das Hörbuch, das von Enders selbst eingesprochen wurde und das Ganze noch lebhafter macht. Alles in Allem daher 4,5 Sterne.
Ging es bei „Darm mit Charme“, wie der Titel schon sagt, um den Darm, geht es bei „Organisch" um unseren Körper als Ganzes.
Aufgeteilt ist das Buch in fünf Themengebiete: Die Lunge, das Immunsystem, die Haut, die Muskeln und das Gehirn.
Als Leser*in bekommt man dabei spannende Einblicke in unseren Körper als Ganzes. Neben wissenschaftlichen Ausdrücken gibt es aber vor allem viele Bespiele und Anekdoten, die das Buch leicht und gut verständlich und dadurch lebhaft machen.
Enders schafft es in ihrem Buch, wie schon in ihrem ersten Buch, Themen interessant zu machen, die auf den ersten Blick vielleicht eher uninteressant erscheinen, in Wahrheit aber einfach nur erstaunlich sind.
Die Illustrationen im Buch kommen, wie auch schon im ersten Buch, von Enders‘ Schwester Jill. Neben einigen Farbseiten sind im Buch viele Illustrationen in schwarzweiß gehalten. Beide fügen sich dabei wunderbar in den geschriebenen Text ein und ergänzen das Buch perfekt.
Zusammenfassend kann ich das Buch jedem/jeder empfehlen. Zwar hat mir "Darm mit Charme" etwas mehr gefallen, dennoch ist "Organisch" ein wirklich interessantes und zugängliches Buch und ein perfekter Einstieg für alle, die keine oder nur wenige Sachbücher lesen. Empfehlenswert ist außerdem auch das Hörbuch, das von Enders selbst eingesprochen wurde und das Ganze noch lebhafter macht. Alles in Allem daher 4,5 Sterne.
von rosetheline - 2025-11-27 20:34:00











