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Rezensionen

Rezensionen von buecherfan.wit

Autor: Nina George

Sheesh, das war cringe! - 4 Sterne

In dem dritten Band der Reihe hat Monsieur Jean Perdu wieder mit seinem Bücherschiff, der Pharmacie Littéraire in einem Hafen an der Seine in Paris angelegt. Inzwischen hat er in der Auszubildenden Pauline Lahbibi eine Helferin, die wie ihr Chef über sehr gute Menschenkenntnis verfügt und den Menschen, die sie um Hilfe bitten, das passende Buch vermitteln kann. Sie haben spezielle Veranstaltungen für Kinder eingeführt, was zum Teil zu wütenden Protesten der Mütter führt, die mit dem den Kindern vorgestellten Lesestoff nicht einverstanden sind. In diesem Zusammenhang gibt es auch rassistische Attacken gegen Pauline. Im Mittelpunkt der Handlung steht die knapp zwölfjährige Francoise, die Hilfe für ihre Mutter sucht. Die Mutter, eine Frau von Mitte 30 mit Namen Guinevere Aveline Cleo Bellanger, ist seit dem Tod ihrer Zwillingschwester Camille schwer traumatisiert und verlässt kaum das Haus. Sie hat 12 Jahre zuvor den Kontakt zu ihren Eltern abgebrochen, obwohl diese ihren Lebensunterhalt finanzieren. Francoise hat eine Liste von Dingen erstellt, die ihre Mutter unter ihrer Anleitung lernen soll, um endlich am realen Leben teilzunehmen. Auch Bücher sollen dabei helfen, denn wieder geht es darum, welche lebensverändernde Wirkung Bücher auf Menschen haben, sodass man sie wie Medikamente zur Heilung aller möglichen Störungen einsetzen kann. Dieses wichtige Thema gefällt mir wieder sehr gut, vor allem, weil Bücher einen so hohen Stellenwert in meinem eigenen Leben haben. Ich habe mit Freude festgestellt, dass ich die meisten der im Roman genannten Titel kenne. Außerdem ist Paris meine Lieblingsstadt, die ich so oft besucht habe, dass ich mich dort gut auskenne. Was mir nicht so gefällt, ist die sprachliche Qualität des Romans. Die unzähligen französischen Wörter und Lokalitäten sollen wohl ein typisch französisches Ambiente schaffen, sind aber so voller Fehler, dass sie bei mir das Lesevergnügen ebenso beeinträchtigt haben wie der - vorsichtig formuliert - kreative Umgang mit der deutschen Sprache und die beträchtliche Zahl von Fehlern, die ein gründliches Lektorat vermissen lassen. Hinzukommt die etwas gewollt wirkende Einbeziehung typischer Jugendsprache. Ich bin etwas enttäuscht.
von buecherfan.wit - 2025-04-30 15:44:00
Autor: Candice Fox

Eine sehr spezielle Crew von Feuerwehrleuten - 4 Sterne

Die Crew “Engine 99“ - bestehend aus Chief Big Matt, Engo, Jake und Ben – ist in New York City im Einsatz. Der Leser weiß von Anfang an, dass sie einen Teil der Brände selbst legen, um im allgemeinen Chaos dann Banken und Juweliergeschäfte und die Wohnungen an ihren Einsatzorten zu plündern. Die Polizei ist in inzwischen misstrauisch geworden, weil es oft kurze Zeit vor spektakulären Einbrüchen dort Brände gegeben hat. Benjamin Haig genannt Ben hat außerdem die Polizei durch einen Brief über ihre kriminelle Nebentätigkeit informiert, um im Gegenzug zu erreichen, dass die Polizei die Suche nach seiner verschwundenen Partnerin Luna und ihrem Sohn Gabriel wiederaufnimmt. Das FBI schickt daraufhin eine verdeckte Ermittlerin, die sich Andy Nearland nennt und Teil des Teams wird. Die Gruppe bereitet gerade ihren letzten großen Coup vor. Andy muss ständig fürchten, enttarnt zu werden und ihr Leben zu verlieren. Chief Big Matt hat äußert brutale Methoden, die Loyalität seiner Leute zu testen. Das zeigt er auch bei seinem Umgang mit Andy und Ben, die sich schon bald näherkommen. Andy hilft Ben bei seiner Spurensuche nach den beiden Verschwundenen. Während die Polizei glaubt, dass Mutter und Sohn aus eigenem Antrieb weggegangen sind, vermutet Ben, dass seine Kollegen etwas mit ihrem Verschwinden zu tun haben. Mit Hilfe von Andy gewinnt er neue Erkenntnisse.
Erzählt wird die Geschichte auf verschiedenen Zeitebenen, abwechselnd aus Bens und Andys Perspektive. Jedes Mitglied der Gruppe hat hier eine dunkle Vergangenheit, die nicht ans Licht kommen soll, vor allem Big Matt, der bei 9/11 dabei war und durch eine Fehlentscheidung seine damaligen Kollegen im Stich gelassen hat. Die anfängliche enorme Spannung lässt später etwas nach und verliert sich in unzähligen Handlungsumschwüngen und immer neuen detailreichen Komplikationen, um dann zum Ende hin wieder rasant zuzunehmen. Mich hat der Thriller trotz seiner teils recht derben Sprache und einigen sehr gewalttätigen Szenen gefesselt, und ich habe ihn sehr zügig gelesen.
von buecherfan.wit - 2025-04-30 14:57:00
Autor: Anna Hope

Das ganze grüne, seltsame, schöne Land - 4 Sterne

Der Patriarch Philip Brooke stirbt, und seine drei Kinder Frannie, Milo und Isa kommen auf dem riesigen Anwesen der Familie in Sussex zusammen, um ihn zu beerdigen und um zu entscheiden, wie es mit dem Erbe weitergehen soll. Die Geschwister stehen einander nicht besonders nahe, auch ihrer Mutter nicht, und keiner trauert wirklich um den Egomanen, der seine Frau Grace immer wieder betrogen, sogar für Jahre mit seiner Geliebten in den USA gelebt und sich nie wirklich um seine Kinder gekümmert hat. In den vergangenen 10 Jahren hat Haupterbin Frannie die Ländereien bewirtschaftet und ist ihrem Vater durch ihr Projekt der Renaturierung erstmals nähergekommen. Sein Sohn Milo hat dagegen andere Pläne. Er will ein luxuriöses Therapiezentrum zur Behandlung mit Psilocybin, das aus psychedelischen Pilzen gewonnen wird, ausgerechnet auf dem Teil des Grundstücks errichten, wo Ned, ein Freund und Helfer, seit fast fünfzig Jahren in seinem Bus wohnt. Milo hat im Übrigen nie verwunden, dass sein Vater ihn als Kind zwang, jahrelang im Internat zu leben, wo er gemobbt und misshandelt wurde, und seine Mutter es nicht verhinderte. Isa, die jüngste der drei Geschwister, führt eine schwierige Ehe mit zwei Kindern und sorgt bei dem Familientreffen für Probleme, weil sie Clara Nelson, die Tochter von Philips damaliger Geliebter, zur Beerdigung eingeladen hat. Clara hat vor ihrer Reise recherchiert und konfrontiert die Familie mit den problematischen Quellen des ungeheuren Reichtums, den der Urahn Oliver Brooke 200 Jahre zuvor erworben hatte.
Auf der Ebene der Erzählgegenwart – also rund um die Beerdigung – erstreckt sich die Handlung über fünf Tage. Jedoch taucht der Leser immer wieder tief in die Geschichte der einzelnen Personen ein und begreift, dass hier jeder auf seine ganz eigene Weise unglücklich ist. Es geht um Schuld und Vergebung und ganz speziell auch darum, ob eine Wiedergutmachung für die historische Schuld der Brookes möglich ist. Werden Philips Kinder, seine Witwe und Ned eine Chance auf einen Neuanfang bekommen?
Mir hat der interessante Roman mit seinen eindrucksvollen Beschreibungen menschlicher Beziehungen und überwältigend schöner Landschaften trotz deutlicher Längen gut gefallen.
von buecherfan.wit - 2025-04-30 11:28:00
Autor: Alan Murrin

Harte Zeiten für Frauen - 4 Sterne

Alan Murrins Debütroman spielt in der Kleinstadt Ardglas im County Donegal an der irischen Küste. Die Handlung erstreckt sich über einen Zeitraum von wenigen Monaten – von Oktober 1994 - März 1995. Es waren die letzten Monate vor dem Scheidungsreferendum, das es endlich ermöglichte, unglückliche Ehen zu beenden. Genau darum geht es vor allem in diesem Roman. Colette Crowley, eine Dichterin, kehrt in die Stadt zurück und wird nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Sie hatte wenige Monate zuvor ihren Mann und ihre Kinder verlassen und war zu ihrem Liebhaber nach Dublin gezogen. Sie mietet das heruntergekommene, leerstehende Cottage des Ehepaars Mullen. Colettes Mann verwehrt ihr den Kontakt zu Carl, ihrem jüngsten Sohn. Sie bittet Izzy Keaveney, ihr zu einem geheimen Treffen mit Carl zu verhelfen. Doch die Sache kommt heraus, und die Schwierigkeiten werden für beide Frauen noch größer. Auch Izzy ist seit zwanzig Jahren unglücklich in ihrer Ehe. Es wird nur noch entweder gestritten oder geschwiegen. Ihrem Mann geht es einzig und allein um sein Ansehen in der Öffentlichkeit und seine politische Karriere. Die dritte unglückliche Ehefrau ist Dolores Mullen, deren Mann als notorischer Schürzenjäger bekannt ist. Murrin zeigt, wie verletzlich Frauen in dieser Gemeinschaft sind, wo jeder jeden kennt und viel getratscht wird. So reicht es, dass der örtliche Fleischer betrunken vor Colettes Cottage gesehen wird, um ihren Ruf vollends zu ruinieren. Ähnliches passiert Izzy Keaveney, weil sie mit dem Pfarrer befreundet ist. Die Männer haben das Sagen, und die Frauen erleben nicht nur Einschränkungen aller Art, sondern auch Geringschätzung und viel häusliche Gewalt.
Erstaunlicherweise ist es ein Mann, der den Blick auf Frauenleben im Irland der 90er Jahre richtet. Mir hat Murrins Debütroman gut gefallen – mit der Einschränkung, dass die sprachliche Qualität durch ein gründliches Lektorat noch verbessert werden sollte.


Harte Zeiten für Frauen
Alan Murrins Debütroman spielt in der Kleinstadt Ardglas im County Donegal an der irischen Küste. Die Handlung erstreckt sich über einen Zeitraum von wenigen Monaten – von Oktober 1994 - März 1995. Es waren die letzten Monate vor dem Scheidungsreferendum, das es endlich ermöglichte, unglückliche Ehen zu beenden. Genau darum geht es vor allem in diesem Roman. Colette Crowley, eine Dichterin, kehrt in die Stadt zurück und wird nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Sie hatte wenige Monate zuvor ihren Mann und ihre Kinder verlassen und war zu ihrem Liebhaber nach Dublin gezogen. Sie mietet das heruntergekommene, leerstehende Cottage des Ehepaars Mullen. Colettes Mann verwehrt ihr den Kontakt zu Carl, ihrem jüngsten Sohn. Sie bittet Izzy Keaveney, ihr zu einem geheimen Treffen mit Carl zu verhelfen. Doch die Sache kommt heraus, und die Schwierigkeiten werden für beide Frauen noch größer. Auch Izzy ist seit zwanzig Jahren unglücklich in ihrer Ehe. Es wird nur noch entweder gestritten oder geschwiegen. Ihrem Mann geht es einzig und allein um sein Ansehen in der Öffentlichkeit und seine politische Karriere. Die dritte unglückliche Ehefrau ist Dolores Mullen, deren Mann als notorischer Schürzenjäger bekannt ist. Murrin zeigt, wie verletzlich Frauen in dieser Gemeinschaft sind, wo jeder jeden kennt und viel getratscht wird. So reicht es, dass der örtliche Fleischer betrunken vor Colettes Cottage gesehen wird, um ihren Ruf vollends zu ruinieren. Ähnliches passiert Izzy Keaveney, weil sie mit dem Pfarrer befreundet ist. Die Männer haben das Sagen, und die Frauen erleben nicht nur Einschränkungen aller Art, sondern auch Geringschätzung und viel häusliche Gewalt.
Erstaunlicherweise ist es ein Mann, der den Blick auf Frauenleben im Irland der 90er Jahre richtet. Mir hat Murrins Debütroman gut gefallen – mit der Einschränkung, dass die sprachliche Qualität durch ein gründliches Lektorat noch verbessert werden sollte.


Harte Zeiten für Frauen
Alan Murrins Debütroman spielt in der Kleinstadt Ardglas im County Donegal an der irischen Küste. Die Handlung erstreckt sich über einen Zeitraum von wenigen Monaten – von Oktober 1994 - März 1995. Es waren die letzten Monate vor dem Scheidungsreferendum, das es endlich ermöglichte, unglückliche Ehen zu beenden. Genau darum geht es vor allem in diesem Roman. Colette Crowley, eine Dichterin, kehrt in die Stadt zurück und wird nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Sie hatte wenige Monate zuvor ihren Mann und ihre Kinder verlassen und war zu ihrem Liebhaber nach Dublin gezogen. Sie mietet das heruntergekommene, leerstehende Cottage des Ehepaars Mullen. Colettes Mann verwehrt ihr den Kontakt zu Carl, ihrem jüngsten Sohn. Sie bittet Izzy Keaveney, ihr zu einem geheimen Treffen mit Carl zu verhelfen. Doch die Sache kommt heraus, und die Schwierigkeiten werden für beide Frauen noch größer. Auch Izzy ist seit zwanzig Jahren unglücklich in ihrer Ehe. Es wird nur noch entweder gestritten oder geschwiegen. Ihrem Mann geht es einzig und allein um sein Ansehen in der Öffentlichkeit und seine politische Karriere. Die dritte unglückliche Ehefrau ist Dolores Mullen, deren Mann als notorischer Schürzenjäger bekannt ist. Murrin zeigt, wie verletzlich Frauen in dieser Gemeinschaft sind, wo jeder jeden kennt und viel getratscht wird. So reicht es, dass der örtliche Fleischer betrunken vor Colettes Cottage gesehen wird, um ihren Ruf vollends zu ruinieren. Ähnliches passiert Izzy Keaveney, weil sie mit dem Pfarrer befreundet ist. Die Männer haben das Sagen, und die Frauen erleben nicht nur Einschränkungen aller Art, sondern auch Geringschätzung und viel häusliche Gewalt.
Erstaunlicherweise ist es ein Mann, der den Blick auf Frauenleben im Irland der 90er Jahre richtet. Mir hat Murrins Debütroman gut gefallen – mit der Einschränkung, dass die sprachliche Qualität durch ein gründliches Lektorat noch verbessert werden sollte.
von buecherfan.wit - 2025-04-30 11:23:00
Autor: Chloe Dalton

Das Privileg einer außergewöhnlichen Erfahrung - 5 Sterne

Die Polit-Beraterin und Autorin Chloe Dalton hat sich zur Coronazeit in ihre Scheune auf dem Land zurückgezogen. Eines Tages findet sie ein mutterloses Feldhasenjunges. Sie transportiert es schließlich vorsichtig in ihr Haus und füttert Spezialnahrung mit der Pipette. In der Folgezeit liest sie Fachliteratur, um nichts falsch zu machen. Die versucht nie, das Wildtier zu vermenschlichen oder zu zähmen, gibt ihm nicht einmal einen Namen. Ihr neuer Mitbewohner bekommt so viel Freiraum, wie er oder sie benötigt. Das Tier wächst schnell und seine Retterin schafft bald die Möglichkeit, dass Hase ungehindert kommen und gehen kann. Der Leser verfolgt mit Erstaunen, in welchem Umfang Dalton bereit ist, sich auf Hases Bedürfnisse einzustellen und ihre eigenen als zweitrangig zu betrachten.
Die Geschichte zeichnet circa drei Jahre im Leben von Dalton und Hase nach. Das Tier wird nicht nur erwachsen, sondern bekommt in der Folge auch dreimal Nachwuchs, beim zweiten Mal im Haus. Die Autorin hat sich nicht nur sehr gründlich in der Fachliteratur informiert, sondern auch Poesie und Prosa aus fernen Jahrhunderten gelesen, wie die umfangreiche Auswahlbibliographie am Ende des Buches zeigt. Ihre Erfahrungen widersprechen häufig den dort dargelegten Aussagen.
Was das Buch so besonders macht, ist Chloes Weg der Selbstfindung und veränderten Einstellung zu Natur und Tierwelt. Sie stellt ihre eigene frühere Lebensweise total in Frage und weiß nun, was ein gutes Leben ausmacht. Sie sieht, wie der Mensch den natürlichen Lebensraum der Tiere immer weiter zerstört und riesige Erntemaschinen Wildtiere töten, dass Tiere wie der Feldhase nicht nur natürliche Feinde wie Fuchs, Dachs, Wiesel und große Vögel haben. Berührend ist auch, dass Dalton angesichts der geringen Lebenserwartung der Feldhasen jetzt schon weiß, dass Hase in naher Zukunft nicht mehr da sein wird und sie über den Verlust ihrer stillen und würdevollen Gefährtin große Trauer empfinden wird. Mir hat diese herzerwärmende, zum Nachdenken anregende Geschichte sehr gut gefallen. Sie hat mich auch sprachlich vollkommen überzeugt.
von buecherfan.wit - 2025-04-30 11:14:00
Autor: Karen Kliewe

Seltsame Frauenmorde - 3 Sterne

In Karen Kliewes Ostsee-Krimi “Die Brandung – Leichenfischer“ wird im deutsch-dänischen Grenzgebiet eine Frauenleiche gefunden, kurze Zeit später eine zweite. Beide Frauen wurden nach einem uralten Wikinger-Ritual mit nachgemachten Grabbeigaben bestattet. Die Gräber liegen in öffentlich zugänglichem Gebiet. Dennoch gibt es keine Zeugen für die aufwändigen Grabungsarbeiten. Die deutschen und dänischen Ermittler arbeiten zusammen, finden aber lange keine brauchbare Spur. Es gibt im Laufe der Geschichte verschiedene Verdächtige, aber es handelt sich immer wieder um falsche Fährten. Die Ermittler stehen auch deshalb stark unter Druck, weil weitere junge Frauen vermisst werden und nicht klar ist, ob sie irgendwo gefangen gehalten und dann ebenfalls ermordet werden. Ein weiteres ausgehobenes Grab hat man immerhin schon gefunden.
Die Geschichte wird mit ständig wechselnden Perspektiven an verschiedenen Orten erzählt, wobei der Leser auch wegen der kaum überschaubaren Personenvielfalt etwas den Überblick verliert. Am besten gefällt mir dabei die Figur der dänischen Archäologin Fria Svensson, die zeitweise mit dem deutschen Kommissar Ohlsen zusammenarbeitet. Erst eine Zeugenaussage von einem Schrottsammler, der ein Auto im Wald fotografiert hat und das von einer Kriminalpsychologin erstellte Täterprofil bringt die Ermittlungen schließlich voran. Besonders spannend fand ich diesen Krimi nicht. Die Geschichte ist etwas wirr und wirkt sehr konstruiert und realitätsfern. Warum ist der Täter/ die Täterin solche Risiken eingegangen? Besonders überzeugend wirkt auch sein/ ihr Motiv nicht.
Mich hat der Ostsee-Krimi, in dem die Ostsee weiter keine Rolle spielt, enttäuscht, und ich sehe keine Veranlassung, weitere Titel dieser Reihe zu lesen.
von buecherfan.wit - 2025-04-30 11:09:00
Autor: Kai Meyer

Geschehnisse im Dunkeln - 4 Sterne

Der neue Roman von Kai Meyer spielt auf zwei Zeitebenen, 1913 und 1933. Die Geschichte beginnt mit dem Jahr 1933. Kommissar Cornelius Frey wurde aus dem Polizeidienst entlassen, weil er nach einem Massaker an fünf Nazis nicht – wie gefordert – Kommunisten als Täter lieferte, sondern korrekt ermittelte. Inzwischen arbeitet er als Nachtwächter im Graphischen Viertel in Leipzig. Eines Abends verhindert er den Selbstmord eines jungen Mädchens, das sich Undine Malatesta nennt, in Wirklichkeit Emilie Abel heißt. Einen Tag später wird sie zusammen mit Freys früherem Kollegen Zirner erschossen aufgefunden. Frey wird wiedereingestellt, soll aber erneut Kommunisten als Täter dingfest machen. Auf die Wahrheit kommt es nicht an.
Auf der zweiten Handlungsebene reist die junge Lektorin Paula mit ihrem Verlobten Jonathan ins Baltikum, um im Auftrag des Verlegers das neueste Manuskript des berühmten Autors Aschenbrand abzuholen, der sich auf dem Landsitz einer reichen Familie einquartiert hat. Im Haus lebt zu der Zeit nur die Haushälterin Rasa. Es sind gefährliche Zeiten, denn man rechnet mit dem baldigen Angriff der Russen.
Der Roman erzählt vor dem historischen Hintergrund von damaligen Verbrechen gegen die Einheimischen im Baltikum und aktuellen Taten im Zusammenhang mit Judenhass, Okkultismus, Verschwörern aller Art und seltsamen Freimaurerlogen, die u.a. junge Mädchen ausbeuten. Auch die ermordete Amelie war in diesem Milieu tätig. Frey geht verschiedenen Spuren nach, gerät selbst in lebensbedrohliche Situationen und kann den Fall schließlich lösen. Dadurch werden für den Leser auch die personellen Verquickungen der geschilderten 20 Jahre auseinanderliegenden Ereignisse deutlich. Der Roman ist überwiegend spannend und klärt den Leser nicht nur über Geschehnisse im Zusammenhang mit den Baltendeutschen in Livland auf, sondern schafft auch wieder gekonnt mit Hilfe seiner besonderen Sprache eine düstere, teilweise mystische Atmosphäre. Mir hat das Buch insgesamt trotz einiger Längen gut gefallen.
von buecherfan.wit - 2024-12-22 18:15:00
Autor: Richard Osman

Geld regiert die Welt - 3 Sterne

Amy Wheeler arbeitet als Personenschützerin bei Maximal Impact Solutions und ist zu Beginn des Romans Bodyguard für die berühmte, sehr reiche Schriftstellerin Rosie d´Antonio, die ins Visier des russischen Chemie-Oligarchen Wassili Karpin geraten ist. Sie leben auf einer kleinen Insel vor der amerikanischen Westküste. Dann werden innerhalb kurzer Zeit ganz in der Nähe drei Influencer, Kunden von Amys Firma ermordet und Amy versteht, dass sie selbst in größter Gefahr ist. Währenddessen erhält ihr Chef Jeff Nolan bedrohliche Botschaften von einem Unbekannten namens Francois Loubet. Amy und Rosie verlassen die Insel und begeben sich auf eine lange Reise, die sie nach St Lucia, Irland, den New Forst und nach London führt. Amy hat inzwischen ihren Schwiegervater Steve um Hilfe gebeten, einen pensionierten Kommissar, der gelegentlich als Privatdetektiv arbeitet und ansonsten seinen Ruhestand in einem kleinen Ort genießt, vor allem das wöchentliche Pub-Quiz. Steve ermittelt für sie in Dubai, gerät selbst in Lebensgefahr und findet heraus, wer hinter den Auftragsmorden steckt. Es geht um Geldwäsche, wobei riesige Summen von Mittelsmännern um die Welt transportiert werden.
Der Leser hat etwas Mühe, den zahlreichen Handlungselementen und den vielen Spuren zu folgen, vor allem bei der Personenvielfalt den Überblick zu behalten. Die Charakterisierung der wichtigsten Figuren ist gelungen, und es gibt witzige Dialoge und Episoden. Ich finde allerdings den Auftakt dieser neuen Krimireihe von Richard Osman wirr und nicht besonders spannend und längst nicht so gelungen wie die Romane um den Donnerstagsmordclub. Vor allem stört mich die sprachliche Qualität der Übersetzung ganz entschieden: rausspitzen, wepsig, sündteuer, ableugnen, selbe Tasche, Irrsinns-Massel, in der Umgegend, zurzeit, sonst wie erbeuten, Fez haben, eine dermaßene Ehre, auf den Rücken klapsen, usw. usf. Soll das Deutsch sein? Für mich ist das Buch eine Enttäuschung.
von buecherfan.wit - 2024-12-22 18:13:00