Rezensionen
Rezensionen von Karina
Autor: Tanja Kokoska
Ein buntes Miteinander - 4 Sterne
4,5 Sterne
'Guten Morgen, schönes Wetter heute' - das ist nicht nur eine alltägliche Smalltalk-Floskel, ähnlich wie "Na, wie geht's?", sondern auch der Titel des Romans von Tanja Kokoska. Und genau dieses Buch möchte ich euch heute ans Herz legen. ????
Die Geschichte spielt in einer Großstadtsiedlung, in der 1583 Menschen miteinander - oder vielleicht eher nebeneinander - leben. Wir begleiten einige von ihnen und erhalten Einblicke in ihre Sehnsüchte, Ängste, Hoffnungen und Träume. Dabei erzählt der Roman von den kleinen und großen Dingen des Lebens: davon, dass man manchmal mutig sein muss, loslassen sollte, genauer hinsehen darf und wie wichtig die kleinen Gesten sind, die unser Miteinander zusammenhalten.
Auf die einzelnen Figuren möchte ich gar nicht so sehr eingehen, denn der Klappentext verrät bereits ein wenig über sie. Aber eines muss ich unbedingt erwähnen: Ich fand alle Charaktere unglaublich lebendig und liebevoll gezeichnet. Jede einzelne Geschichte hatte ihren Reiz. Besonders berührt hat mich jedoch die Geschichte der Familie Arslan - warum, das dürft ihr gerne selbst herausfinden.
Dieses Buch verbindet Tiefgründigkeit mit einer wunderbaren Leichtigkeit und hat mir beim Lesen sehr viel Freude bereitet.
Deshalb kann ich meine Empfehlung vom Anfang nur wiederholen: Lest es! Ich glaube, dass diese Geschichte viele Menschen begeistern wird. ????✨️
'Guten Morgen, schönes Wetter heute' - das ist nicht nur eine alltägliche Smalltalk-Floskel, ähnlich wie "Na, wie geht's?", sondern auch der Titel des Romans von Tanja Kokoska. Und genau dieses Buch möchte ich euch heute ans Herz legen. ????
Die Geschichte spielt in einer Großstadtsiedlung, in der 1583 Menschen miteinander - oder vielleicht eher nebeneinander - leben. Wir begleiten einige von ihnen und erhalten Einblicke in ihre Sehnsüchte, Ängste, Hoffnungen und Träume. Dabei erzählt der Roman von den kleinen und großen Dingen des Lebens: davon, dass man manchmal mutig sein muss, loslassen sollte, genauer hinsehen darf und wie wichtig die kleinen Gesten sind, die unser Miteinander zusammenhalten.
Auf die einzelnen Figuren möchte ich gar nicht so sehr eingehen, denn der Klappentext verrät bereits ein wenig über sie. Aber eines muss ich unbedingt erwähnen: Ich fand alle Charaktere unglaublich lebendig und liebevoll gezeichnet. Jede einzelne Geschichte hatte ihren Reiz. Besonders berührt hat mich jedoch die Geschichte der Familie Arslan - warum, das dürft ihr gerne selbst herausfinden.
Dieses Buch verbindet Tiefgründigkeit mit einer wunderbaren Leichtigkeit und hat mir beim Lesen sehr viel Freude bereitet.
Deshalb kann ich meine Empfehlung vom Anfang nur wiederholen: Lest es! Ich glaube, dass diese Geschichte viele Menschen begeistern wird. ????✨️
von Karina - 2026-06-18 07:02:00
Autor: Debra Curtis
Zwischen Liebe und Verlust - 3 Sterne
Manche Bücher sind schwer zu rezensieren, und 'Die Gesetze von Liebe und Logik' von Debra Curtis gehört für mich definitiv dazu. Die Geschichte begleitet die Schwestern Lily und Jane durch die Höhen und Tiefen des Erwachsenwerdens, wobei der Fokus vor allem auf Lily, ihrer ersten großen Liebe und deren Verlust liegt.
Die Liebesgeschichte hat mir vor allem am Anfang gut gefallen. Noch interessanter fand ich jedoch die Beziehung zwischen Lily und Jane. Ihre Dynamik hat mich durch die gesamte Geschichte hinweg mehr gefesselt als die Liebesgeschichte selbst, und gerade über Jane hätte ich gerne noch mehr erfahren.
Etwas irritiert hat mich, dass Lilys erste große Liebe durchgehend nur "der Junge" genannt wird, obwohl er eine wichtige Rolle in der Geschichte spielt. Wieso bekommt er als einzige Figur keinen Namen?
Das Buch habe ich sowohl gelesen als auch als Hörbuch gehört, gesprochen von Sandrine Mittelstädt. Tatsächlich hat mir die Hörbuchversion sogar noch etwas besser gefallen.
Insgesamt ist es ein schöner Roman mit einem sehr starken ersten Drittel, einigen Längen im Mittelteil und einem überraschenden Ende. Gerne gehört - aber kein persönliches Highlight.
Die Liebesgeschichte hat mir vor allem am Anfang gut gefallen. Noch interessanter fand ich jedoch die Beziehung zwischen Lily und Jane. Ihre Dynamik hat mich durch die gesamte Geschichte hinweg mehr gefesselt als die Liebesgeschichte selbst, und gerade über Jane hätte ich gerne noch mehr erfahren.
Etwas irritiert hat mich, dass Lilys erste große Liebe durchgehend nur "der Junge" genannt wird, obwohl er eine wichtige Rolle in der Geschichte spielt. Wieso bekommt er als einzige Figur keinen Namen?
Das Buch habe ich sowohl gelesen als auch als Hörbuch gehört, gesprochen von Sandrine Mittelstädt. Tatsächlich hat mir die Hörbuchversion sogar noch etwas besser gefallen.
Insgesamt ist es ein schöner Roman mit einem sehr starken ersten Drittel, einigen Längen im Mittelteil und einem überraschenden Ende. Gerne gehört - aber kein persönliches Highlight.
von Karina - 2026-06-15 07:17:00
Autor: Martina Bogdahn
Eine Reise durch die Dorfgemeinschaft - 3 Sterne
Nun habe ich meinen imaginären Spaziergang durch das fränkische Blumenfeld beendet und dabei so einiges über seine Bewohner erfahren. ????
In 'Mirabellentage' erzählt Anna, die langjährige Haushälterin des verstorbenen Ortspfarrers Josef, so allerhand Anekdoten aus vergangenen Zeiten. Für sie ist das eine Form der Trauerbewältigung - und gleichzeitig ihre ganz eigene Art, den neuen Priester Fridjof in sein Amt einzuführen.
Dabei hat es Fridjof nicht leicht: Er tritt in große Fußstapfen und wird als junger Mann von einer Hallig an der Nordsee von den Dorfbewohnern oft kaum verstanden. Umso besser, dass Anna ihm den Tipp gibt, die Gemeinde einfach mit seinem 'Latein' zu beeindrucken. ????
Für mich war dieser Roman ein schöner sommerlicher Lesehappen für zwischendurch. Die Erzählungen sind mal traurig und nachdenklich, mal humorvoll, manchmal auch etwas gewöhnungsbedürftig (ich sage nur: Gänseessen ????).
Besonders gefallen hat mir, wie sehr die zwischenmenschlichen Beziehungen im Mittelpunkt stehen. Immer wieder wird deutlich, wie wichtig Zusammenhalt und Gemeinschaft sind - etwas, das dem Roman viel Wärme verleiht.
Zeitweise waren mir die vielen aneinandergereihten Anekdoten allerdings etwas zu viel, sodass ich hin und wieder aus dem Lesefluss geraten bin. Es fühlte sich ein wenig so an, als würde die nette ältere Dame von nebenan einem bei jedem Treffen noch schnell eine weitere Geschichte von früher erzählen - manchmal charmant, manchmal auch ein kleines bisschen anstrengend. ????
Trotzdem habe ich mich in Blumenfeld sehr wohlgefühlt und könnte mir durchaus vorstellen, dort ein Plätzchen unter den Einwohnern zu finden. ????
In 'Mirabellentage' erzählt Anna, die langjährige Haushälterin des verstorbenen Ortspfarrers Josef, so allerhand Anekdoten aus vergangenen Zeiten. Für sie ist das eine Form der Trauerbewältigung - und gleichzeitig ihre ganz eigene Art, den neuen Priester Fridjof in sein Amt einzuführen.
Dabei hat es Fridjof nicht leicht: Er tritt in große Fußstapfen und wird als junger Mann von einer Hallig an der Nordsee von den Dorfbewohnern oft kaum verstanden. Umso besser, dass Anna ihm den Tipp gibt, die Gemeinde einfach mit seinem 'Latein' zu beeindrucken. ????
Für mich war dieser Roman ein schöner sommerlicher Lesehappen für zwischendurch. Die Erzählungen sind mal traurig und nachdenklich, mal humorvoll, manchmal auch etwas gewöhnungsbedürftig (ich sage nur: Gänseessen ????).
Besonders gefallen hat mir, wie sehr die zwischenmenschlichen Beziehungen im Mittelpunkt stehen. Immer wieder wird deutlich, wie wichtig Zusammenhalt und Gemeinschaft sind - etwas, das dem Roman viel Wärme verleiht.
Zeitweise waren mir die vielen aneinandergereihten Anekdoten allerdings etwas zu viel, sodass ich hin und wieder aus dem Lesefluss geraten bin. Es fühlte sich ein wenig so an, als würde die nette ältere Dame von nebenan einem bei jedem Treffen noch schnell eine weitere Geschichte von früher erzählen - manchmal charmant, manchmal auch ein kleines bisschen anstrengend. ????
Trotzdem habe ich mich in Blumenfeld sehr wohlgefühlt und könnte mir durchaus vorstellen, dort ein Plätzchen unter den Einwohnern zu finden. ????
von Karina - 2026-06-09 08:19:00
Autor: Aisling Rawle
Reality-TV im Buchformat - 4 Sterne
Trash TV zum Lesen? ????
Da gibt's von mir ein klares: Jaaaa! ????
Ich bin eine bekennende Trash Queen und deshalb war ich sofort begeistert, als ich 'Das Spiel' von Aisling Rawle entdeckt habe.
Nichts lässt mich besser abschalten als Lesen, Faulenzen und/oder Reality-TV schauen. Einfach gucken, lachen, sich aufregen und gelegentlich ein bisschen fremdschämen.
Und das Konzept dieses Buches hat mich direkt abgeholt: Eine Dauershow, die mit zehn Frauen und zehn Männern auf einem luxuriösen Anwesen mitten in der Wüste startet. Nahrung, Wasser und andere Dinge des täglichen Bedarfs müssen in Gruppen-Challenges erspielt - oder manchmal sogar erkämpfen werden. In Einzelaufgaben winken Luxusgegenstände, die die Teilnehmenden für sich behalten dürfen.
Die vielen Namen sind zu Beginn nicht leicht zu merken. Aber wie bei echten Reality-Shows sind manche Kandidaten ohnehin schnell wieder verschwunden, während andere durch Sympathie oder Antipathie automatisch zu den Hauptfiguren werden. Es entstehen spannende Dynamiken, die sich je nach Situation und äußeren Umständen ständig verändern.
Wie schon im Klappentext erwähnt, musste auch ich sofort an 'Herr der Fliegen' denken. Und erschreckenderweise fand ich keine der Entwicklungen wirklich unrealistisch. Ich hätte mir zwar noch etwas mehr Challenges und vielleicht auch mehr direkte Konkurrenz zwischen den Teilnehmenden gewünscht, aber das lässt sich in einem Roman vermutlich nur schwer so darstellen wie im Fernsehen.
Besonders spannend fand ich Lilys schonungslose Selbstreflektion. Männliches Dominanzverhalten spielt ebenfalls eine Rolle und wird nicht unkommentiert stehen gelassen. Vor allem das Ende hat mich berührt und nachdenklich zurückgelassen.
Den Inhalt genauer zusammenzufassen, ist tatsächlich gar nicht so einfach. Im Grunde ist es genau das, was es verspricht: eine Reality-Show in Buchform.
Wer mit Reality-TV grundsätzlich nichts anfangen kann, wird vermutlich auch mit diesem Buch nicht warm werden. Wer aber Spaß an diesem Genre hat, wird hier mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr gut unterhalten.
Da gibt's von mir ein klares: Jaaaa! ????
Ich bin eine bekennende Trash Queen und deshalb war ich sofort begeistert, als ich 'Das Spiel' von Aisling Rawle entdeckt habe.
Nichts lässt mich besser abschalten als Lesen, Faulenzen und/oder Reality-TV schauen. Einfach gucken, lachen, sich aufregen und gelegentlich ein bisschen fremdschämen.
Und das Konzept dieses Buches hat mich direkt abgeholt: Eine Dauershow, die mit zehn Frauen und zehn Männern auf einem luxuriösen Anwesen mitten in der Wüste startet. Nahrung, Wasser und andere Dinge des täglichen Bedarfs müssen in Gruppen-Challenges erspielt - oder manchmal sogar erkämpfen werden. In Einzelaufgaben winken Luxusgegenstände, die die Teilnehmenden für sich behalten dürfen.
Die vielen Namen sind zu Beginn nicht leicht zu merken. Aber wie bei echten Reality-Shows sind manche Kandidaten ohnehin schnell wieder verschwunden, während andere durch Sympathie oder Antipathie automatisch zu den Hauptfiguren werden. Es entstehen spannende Dynamiken, die sich je nach Situation und äußeren Umständen ständig verändern.
Wie schon im Klappentext erwähnt, musste auch ich sofort an 'Herr der Fliegen' denken. Und erschreckenderweise fand ich keine der Entwicklungen wirklich unrealistisch. Ich hätte mir zwar noch etwas mehr Challenges und vielleicht auch mehr direkte Konkurrenz zwischen den Teilnehmenden gewünscht, aber das lässt sich in einem Roman vermutlich nur schwer so darstellen wie im Fernsehen.
Besonders spannend fand ich Lilys schonungslose Selbstreflektion. Männliches Dominanzverhalten spielt ebenfalls eine Rolle und wird nicht unkommentiert stehen gelassen. Vor allem das Ende hat mich berührt und nachdenklich zurückgelassen.
Den Inhalt genauer zusammenzufassen, ist tatsächlich gar nicht so einfach. Im Grunde ist es genau das, was es verspricht: eine Reality-Show in Buchform.
Wer mit Reality-TV grundsätzlich nichts anfangen kann, wird vermutlich auch mit diesem Buch nicht warm werden. Wer aber Spaß an diesem Genre hat, wird hier mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr gut unterhalten.
von Karina - 2026-05-30 12:55:00
Autor: Kea von Garnier
Ein unvergesslicher Sommer - 5 Sterne
Gestern beendet - und danach einfach noch im Bett gelegen und an Domi und Biff gedacht. ????
Mit 'Restsommer' hat Kea von Garnier einen unglaublich schönen Coming-of-Age-Roman geschaffen. Dominik führt ein ganz 'normales' Teenagerleben: Er lebt recht dörflich, Schule, Freunde treffen, Bandproben und nebenbei hilft er seinem Vater im Bestattungsinstitut - und irgendwie scheint damit auch sein weiterer Lebensweg schon vorgezeichnet zu sein.
Doch dann taucht Benjamin, genannt Biff, aus dem großen Berlin in Domis Clique auf und plötzlich öffnen sich ganz neue Sehnsüchte, Wünsche und Möglichkeiten.
Die Autorin hat den Vibe dieses Alters und dieser Zeit einfach perfekt eingefangen und sich so authentisch in die Perspektive der Jungs hineinversetzt. Alles fühlt sich unglaublich natürlich und echt an - beim Lesen war ich sofort wieder ein Stück jünger.
Der Schreibstil ist locker, leicht und wunderbar flüssig; man fliegt nur so durch die Seiten. Und die Figuren? So toll gezeichnet, dass ich wirklich alle ins Herz geschlossen habe - außer vielleicht Biffs Vater. ????
Diese zarte queere Lovestory hat mich komplett abgeholt. Domi und Biff sind mir so ans Herz gewachsen, dass ich das Buch nur sehr widerwillig zugeschlagen habe.
Für alle Fans von Coming-of-Age Geschichten: absolute Herzens-Empfehlung. ????
Ihr werdet 'Restsommer' lieben.
Mit 'Restsommer' hat Kea von Garnier einen unglaublich schönen Coming-of-Age-Roman geschaffen. Dominik führt ein ganz 'normales' Teenagerleben: Er lebt recht dörflich, Schule, Freunde treffen, Bandproben und nebenbei hilft er seinem Vater im Bestattungsinstitut - und irgendwie scheint damit auch sein weiterer Lebensweg schon vorgezeichnet zu sein.
Doch dann taucht Benjamin, genannt Biff, aus dem großen Berlin in Domis Clique auf und plötzlich öffnen sich ganz neue Sehnsüchte, Wünsche und Möglichkeiten.
Die Autorin hat den Vibe dieses Alters und dieser Zeit einfach perfekt eingefangen und sich so authentisch in die Perspektive der Jungs hineinversetzt. Alles fühlt sich unglaublich natürlich und echt an - beim Lesen war ich sofort wieder ein Stück jünger.
Der Schreibstil ist locker, leicht und wunderbar flüssig; man fliegt nur so durch die Seiten. Und die Figuren? So toll gezeichnet, dass ich wirklich alle ins Herz geschlossen habe - außer vielleicht Biffs Vater. ????
Diese zarte queere Lovestory hat mich komplett abgeholt. Domi und Biff sind mir so ans Herz gewachsen, dass ich das Buch nur sehr widerwillig zugeschlagen habe.
Für alle Fans von Coming-of-Age Geschichten: absolute Herzens-Empfehlung. ????
Ihr werdet 'Restsommer' lieben.
von Karina - 2026-05-17 17:31:00
Autor: Tara Menon
Grausam schönes Meer - 5 Sterne
Wow - genau deshalb liebe ich das Lesen. Ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut und es hat mich völlig mitgerissen und erst wieder losgelassen, als ich die letzte Seite beendet hatte.
Wir befinden uns im Jahr 2012: Marissa streift durch ein New York, das sich auf einen drohenden Hurrikan vorbereitet. Überall Warnungen - doch sie ist wie so oft in Gedanken versunken. Gedanken, die sie zurückführen zu ihrer Freundschaft mit Arielle, die am 26. Dezember 2004 in Phuket ihr tragisches Ende findet. Die meisten wissen, welches verheerende Ereignis sich hinter diesem Datum verbirgt. Der fürchterliche Tsunami, der so vielen Menschen das Leben nahm.
So schwer dieses Thema auch ist - es dominiert den Roman nicht. Im Gegenteil: Ein Großteil der Geschichte ist von einer beinahe greifbaren Leichtigkeit getragen. Man spürt die Sonne Thailands auf der Haut, taucht mit Arielle und Marissa ins Meer ein und erlebt ihre Freundschaft in all ihren Facetten - intensiv, lebendig und zutiefst berührend.
Mit 'Unter Wasser' ist Tara Menon ein vielschichtiger Roman gelungen, der große Emotionen einfängt, ohne je überladen zu wirken. Die Balance zwischen Schönheit und Schmerz ist fein abgestimmt und wirkt lange nach.
Wer Geschichte über Freundschaft, das Meer und die Tiefe menschlicher Verbindungen liebt - und auch vor melancholischen Momenten nicht zurückschreckt - sollte dieses Buch unbedingt lesen. Absolute Empfehlung.
Wir befinden uns im Jahr 2012: Marissa streift durch ein New York, das sich auf einen drohenden Hurrikan vorbereitet. Überall Warnungen - doch sie ist wie so oft in Gedanken versunken. Gedanken, die sie zurückführen zu ihrer Freundschaft mit Arielle, die am 26. Dezember 2004 in Phuket ihr tragisches Ende findet. Die meisten wissen, welches verheerende Ereignis sich hinter diesem Datum verbirgt. Der fürchterliche Tsunami, der so vielen Menschen das Leben nahm.
So schwer dieses Thema auch ist - es dominiert den Roman nicht. Im Gegenteil: Ein Großteil der Geschichte ist von einer beinahe greifbaren Leichtigkeit getragen. Man spürt die Sonne Thailands auf der Haut, taucht mit Arielle und Marissa ins Meer ein und erlebt ihre Freundschaft in all ihren Facetten - intensiv, lebendig und zutiefst berührend.
Mit 'Unter Wasser' ist Tara Menon ein vielschichtiger Roman gelungen, der große Emotionen einfängt, ohne je überladen zu wirken. Die Balance zwischen Schönheit und Schmerz ist fein abgestimmt und wirkt lange nach.
Wer Geschichte über Freundschaft, das Meer und die Tiefe menschlicher Verbindungen liebt - und auch vor melancholischen Momenten nicht zurückschreckt - sollte dieses Buch unbedingt lesen. Absolute Empfehlung.
von Karina - 2026-04-25 08:57:00
Autor: Vera Zischke
Drei schräge Vögel für Leo - 5 Sterne
Ich habe mich riesig gefreut, als der neue Roman von Vera Zischke angekündigt wurde - 'Ava liebt noch' hat mir damals schon so gut gefallen, und auch die sympathische Art der Autorin mag ich sehr.
Und was soll ich sagen: Ich reihe mich definitiv in die begeisterten Stimmen zu 'Pina fällt aus' ein. ????
Die Geschichte dürfte vielen bekannt sein: Der autistische Leo lebt mit seiner Mutter Pina in der Hansastraße 20 - in seiner ganz eigenen, gut strukturierten Welt. Die beiden sind ein eingespieltes Team, und Pina weiß genau, was Leo braucht, damit es ihm gut geht. Doch wie so oft bei pflegenden Angehörigen bleibt sie selbst dabei auf der Strecke ... bis es zum großen Knall kommt und Pina plötzlich ausfällt.
Auf einmal sind es die so unterschiedlichen Nachbarn, die einspringen:
Inge, die ihre Wohnung nicht mehr verlässt und eigentlich nur noch auf das Ende wartet.
Zola, wütend, sechzehn und auf der Suche nach sich selbst.
Wojtek, eigenbrötlerisch, verliebt und meist alleine vor seinem PC.
Es läuft nicht alles glatt - ganz im Gegenteil. Aber genau darin liegt die Stärke dieser Geschichte: im echten, manchmal unbeholfenen, aber ehrlichen Zusammenhalt. Und am Ende profitieren alle voneinander.
Und dann ist da noch Sam, der Intensivpfleger - mein heimlicher Lieblingscharakter. ????????
Ein wunderbar geschriebener Roman: unterhaltsam, witzig, schonungslos und ehrlich. Er zeigt, was passieren kann, wenn die Kraft nicht mehr reicht und kein stabiles Netz auffängt. Und er macht auch schmerzhaft klar, dass es eben nicht oft eine "Hansastraße 20" gibt ...
Es gäbe so viele kluge und schöne Zitate, die ich hier teilen können - aber ehrlich: Lest das Buch einfach selbst, es lohnt sich. ????
Und was soll ich sagen: Ich reihe mich definitiv in die begeisterten Stimmen zu 'Pina fällt aus' ein. ????
Die Geschichte dürfte vielen bekannt sein: Der autistische Leo lebt mit seiner Mutter Pina in der Hansastraße 20 - in seiner ganz eigenen, gut strukturierten Welt. Die beiden sind ein eingespieltes Team, und Pina weiß genau, was Leo braucht, damit es ihm gut geht. Doch wie so oft bei pflegenden Angehörigen bleibt sie selbst dabei auf der Strecke ... bis es zum großen Knall kommt und Pina plötzlich ausfällt.
Auf einmal sind es die so unterschiedlichen Nachbarn, die einspringen:
Inge, die ihre Wohnung nicht mehr verlässt und eigentlich nur noch auf das Ende wartet.
Zola, wütend, sechzehn und auf der Suche nach sich selbst.
Wojtek, eigenbrötlerisch, verliebt und meist alleine vor seinem PC.
Es läuft nicht alles glatt - ganz im Gegenteil. Aber genau darin liegt die Stärke dieser Geschichte: im echten, manchmal unbeholfenen, aber ehrlichen Zusammenhalt. Und am Ende profitieren alle voneinander.
Und dann ist da noch Sam, der Intensivpfleger - mein heimlicher Lieblingscharakter. ????????
Ein wunderbar geschriebener Roman: unterhaltsam, witzig, schonungslos und ehrlich. Er zeigt, was passieren kann, wenn die Kraft nicht mehr reicht und kein stabiles Netz auffängt. Und er macht auch schmerzhaft klar, dass es eben nicht oft eine "Hansastraße 20" gibt ...
Es gäbe so viele kluge und schöne Zitate, die ich hier teilen können - aber ehrlich: Lest das Buch einfach selbst, es lohnt sich. ????
von Karina - 2026-04-19 11:45:00
Autor: Rachel Khong
Familiengeheimnisse - 4 Sterne
Es gab ja schon recht viele Vorschusslorbeeren für diesen #deutschlandliesteinbuch Roman. Aber was soll ich Euch sagen - es ist schon ein echtes Stück Leseglück. ????
'Real Americans' von Rachel Khong ist in drei Teile gegliedert und erzählt die Geschichte einer chinesisch-amerikanischen Familie über mehrere Generationen hinweg - voller Sehnsucht, unausgesprochener Wahrheiten und Entscheidungen, die noch lange nachwirken.
Im ersten Abschnitt begleiten wir Lily Chen, die Tochter chinesischer Einwanderer. Sie wächst zwischen zwei Kulturen auf und merkt früh, dass sie in beiden nie ganz zu Hause ist. Für die Chinesen ist sie zu amerikanisch umd für die Amerikaner zu chinesisch. Erst als sie Matthew kennenlernt, hat sie das Gefühl, wirklich gesehen und geliebt zu werden.
Der zweiten Teil gehört ihrem Sohn Nick. Sein Vater spielt in seinem Leben keine Rolle mehr, und damit fehlt ihm ein wichtiger Teil seiner eigenen Geschichte. Äußerlich sieht er seinem Vater ähnlich und wirkt kaum chinesisch - doch auch er spürt immer wieder dieses Dazwischen, dieses Gefühl, nirgends ganz hineinzupassen. Und Lilys Schweigen über die Vergangenheit schafft eine Distanz zwischen Mutter und Sohn, die beim Lesen wirklich wehgetan hat.
Im dritten Teil lernen wir schließlich Mai kennen - Lilys Mutter und Nicks Großmutter. Ihre Geschichte bringt viele der verborgenen Wahrheiten ans Licht. Trotzdem blieb sie für mich die Figur, zu der ich am wenigsten Zugang gefunden habe. Wahrscheinlich weil sie mir einfach nicht sympathisch ist und ich einige ihrer Handlungen nicht gutheißen kann.
Und doch: Gerade diese Familiengeschichte, die von Geheimnissen, Erwartungen und Identität geprägt ist, hat mich gefesselt. Nach und nach setzt sich das große Ganze zusammen - und genau das hat diesen Roman für mich so besonders gemacht.
Ich hatte eine richtig gute Zeit mit diesem Buch und kann es euch sehr empfehlen.
'Real Americans' von Rachel Khong ist in drei Teile gegliedert und erzählt die Geschichte einer chinesisch-amerikanischen Familie über mehrere Generationen hinweg - voller Sehnsucht, unausgesprochener Wahrheiten und Entscheidungen, die noch lange nachwirken.
Im ersten Abschnitt begleiten wir Lily Chen, die Tochter chinesischer Einwanderer. Sie wächst zwischen zwei Kulturen auf und merkt früh, dass sie in beiden nie ganz zu Hause ist. Für die Chinesen ist sie zu amerikanisch umd für die Amerikaner zu chinesisch. Erst als sie Matthew kennenlernt, hat sie das Gefühl, wirklich gesehen und geliebt zu werden.
Der zweiten Teil gehört ihrem Sohn Nick. Sein Vater spielt in seinem Leben keine Rolle mehr, und damit fehlt ihm ein wichtiger Teil seiner eigenen Geschichte. Äußerlich sieht er seinem Vater ähnlich und wirkt kaum chinesisch - doch auch er spürt immer wieder dieses Dazwischen, dieses Gefühl, nirgends ganz hineinzupassen. Und Lilys Schweigen über die Vergangenheit schafft eine Distanz zwischen Mutter und Sohn, die beim Lesen wirklich wehgetan hat.
Im dritten Teil lernen wir schließlich Mai kennen - Lilys Mutter und Nicks Großmutter. Ihre Geschichte bringt viele der verborgenen Wahrheiten ans Licht. Trotzdem blieb sie für mich die Figur, zu der ich am wenigsten Zugang gefunden habe. Wahrscheinlich weil sie mir einfach nicht sympathisch ist und ich einige ihrer Handlungen nicht gutheißen kann.
Und doch: Gerade diese Familiengeschichte, die von Geheimnissen, Erwartungen und Identität geprägt ist, hat mich gefesselt. Nach und nach setzt sich das große Ganze zusammen - und genau das hat diesen Roman für mich so besonders gemacht.
Ich hatte eine richtig gute Zeit mit diesem Buch und kann es euch sehr empfehlen.
von Karina - 2026-03-14 07:32:00
Autor: Katrin Zipse
Wenn die Worte fehlten - 5 Sterne
Kleine Info vorneweg: Ich konnte wirklich sofort ganz tief in diesen tollen Roman eintauchen und war richtig traurig als er zu Ende war.
Wir befinden uns im Jahr 1949, in der Nachkriegszeit. Überall herrscht Mangel. Auch in Island fehlen Arbeitskräfte auf den Höfen - und potenzielle Ehefrauen. Viele Frauen sind nach den Krieg mit amerikanischen Soldaten fortgegangen. Um diesem Problem entgegenzuwirken, wurde ein Aufruf gestartet: Deutsche Frauen sollten nach Island kommen, um dort ein neues Leben zu beginnen. So machten sich knapp 300 von ihnen auf den Weg - mit Hoffnung im Gepäck, aber auch mit Trauer, Verlust und großen inneren Wunden.
Auch unsere Protagonistin Elsa gehört zu ihnen. Sie ist schwer traumatisiert, voller Hoffnungslosigkeit und zunächst kaum in der Lage zu sprechen. Selbst einfache Worte fallen ihr schwer, und es dauert lange, bis sie ihre eigene Stimme - und gleichzeitig eine fremde Sprache - (wieder)findet.
Besonders mochte ich die Bauernfamilie, bei der Elsa schließlich unterkommt: den ruppigen Bauern und seine Frau, ihre beiden erwachsenen Söhne, eine verschwundene Tochter - und meine absolute Lieblingsfigur, den Knecht Halldór.
Diese Menschen rau, direkt und sehr echt. Genau wie die Natur Islands selbst: wunderschön, aber auch unerbittlich.
An 'Moosland' von Katrin Zipse habe ich vieles geliebt: die bildhaften Naturbeschreibungen, die eingewobenen isländischen Wörter und diesen kleinen sprachlichen Clou rund um die Namen der Isländer (der sich im Laufe der Geschichte entfaltet). Besonders berührt hat mich auch die leise, vorsichtige Annäherung zwischen den Figuren und die sensible Art, wie Elsas Verhalten und Entwicklung beschrieben werden.
Ein kleines bisschen mehr Hintergrund zu ihrem Erlebnis mit Sola hätte ich mir gewünscht - das wird nur angerissen. Außerdem endet die Geschichte für meinen Geschmack etwas abrupt. Ich hätte wirklich gerne noch weitergelesen.
Wie ihr vermutlich schon rauslesen konntet: Mir hat dieses atmosphärische Buch sehr gut gefallen und daher gibt es eine ganz, ganz große Leseempfehlung meinerseits. ????
Wir befinden uns im Jahr 1949, in der Nachkriegszeit. Überall herrscht Mangel. Auch in Island fehlen Arbeitskräfte auf den Höfen - und potenzielle Ehefrauen. Viele Frauen sind nach den Krieg mit amerikanischen Soldaten fortgegangen. Um diesem Problem entgegenzuwirken, wurde ein Aufruf gestartet: Deutsche Frauen sollten nach Island kommen, um dort ein neues Leben zu beginnen. So machten sich knapp 300 von ihnen auf den Weg - mit Hoffnung im Gepäck, aber auch mit Trauer, Verlust und großen inneren Wunden.
Auch unsere Protagonistin Elsa gehört zu ihnen. Sie ist schwer traumatisiert, voller Hoffnungslosigkeit und zunächst kaum in der Lage zu sprechen. Selbst einfache Worte fallen ihr schwer, und es dauert lange, bis sie ihre eigene Stimme - und gleichzeitig eine fremde Sprache - (wieder)findet.
Besonders mochte ich die Bauernfamilie, bei der Elsa schließlich unterkommt: den ruppigen Bauern und seine Frau, ihre beiden erwachsenen Söhne, eine verschwundene Tochter - und meine absolute Lieblingsfigur, den Knecht Halldór.
Diese Menschen rau, direkt und sehr echt. Genau wie die Natur Islands selbst: wunderschön, aber auch unerbittlich.
An 'Moosland' von Katrin Zipse habe ich vieles geliebt: die bildhaften Naturbeschreibungen, die eingewobenen isländischen Wörter und diesen kleinen sprachlichen Clou rund um die Namen der Isländer (der sich im Laufe der Geschichte entfaltet). Besonders berührt hat mich auch die leise, vorsichtige Annäherung zwischen den Figuren und die sensible Art, wie Elsas Verhalten und Entwicklung beschrieben werden.
Ein kleines bisschen mehr Hintergrund zu ihrem Erlebnis mit Sola hätte ich mir gewünscht - das wird nur angerissen. Außerdem endet die Geschichte für meinen Geschmack etwas abrupt. Ich hätte wirklich gerne noch weitergelesen.
Wie ihr vermutlich schon rauslesen konntet: Mir hat dieses atmosphärische Buch sehr gut gefallen und daher gibt es eine ganz, ganz große Leseempfehlung meinerseits. ????
von Karina - 2026-03-11 17:18:00
Autor: Leïla Slimani
Was ist Heimat - 4 Sterne
Eine so eindrucksvolle Familientrilogie - sie hat mich von der ersten bis zur letzten Seite vollkommen in ihren Bann gezogen.
Erst als ich 'Trag das Feuer weiter' in den Händen hielt, bemerkte ich, dass es sich um den dritten Band handelt. Deshalb habe ich zuvor die beiden ersten Teile, 'Das Land der Anderen' und anschließend 'Schaut, wie wir tanzen' als Hörbuch gehört - und das war genau die richtige Entscheidung. Die gesamte Familiengeschichte zu kennen, verleiht dem dritten Band noch einmal eine ganz andere Tiefe und ein intensiveres Verständnis für die Figuren.
Leïla Slimani beginnt ihre marrokanisch-französischen Familienchronik kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Die abenteuerlustige und leidenschaftlich Elsässerin Mathilde verliebt sich in den marrokanischen Offizier Amine und folgt ihm in seine Heimat. Dort ist sie die Fremde - konfrontiert mit einer anderen Mentalität, schwierigen Lebensumständen und einem traditionellen Frauenbild, mit dem sie erst umgehen lernen muss. Ich mochte Mathilde sehr: sie ist stark, lebensfroh und unangepasst. Bis zum Ende der Trilogie bleibt sie meine absolute Lieblingsfigur.
Der zweite Band spielt in den 1960er- und 1970er- Jahren. Wir begleiten Aïcha, die Tochter von Mathilde und Amine, nach ihrem Medizinstudium: wie sie lebt, liebt und und sich beruflich Respekt verschafft. Gleichzeitig zeichnet der Roman ein eindrucksvolles Bild des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs in Marroko. Aïchas Bruder Selim hingegen zerbricht am Druck seines Vaters und an den Erwartungen, die auf ihm lasten - auch das wird sehr bewegend geschildert.
Im dritten Teil treten Mathilde und Amine leider etwas in den Hintergrund, was ich persönlich schade fand, ohne das es die Qualität des Romans mindert. Nun steht die dritte Generation im Mittelpunkt: Aïchas und Mehdis Töchter Mia und Inès Ringen mit ihren eigenen Herausforderungen. Vieles ähnelt den Konflikten der vorherigen Generationen - und ist doch ganz anders. Auch diese jungen Frauen haben mein Herz erobert. Ebenso Selma, Amines Schwester: Als schönes, aber eingeengtes junges Mädchen geboren, kämpft sie unbeirrbar für ihre Unabhängigkeit. Trotz schwerer Schicksalsschläge bleibt sie aufmüpfig und stark.
Die Trilogie basiert auf der eigenen Familiengeschichte Slimanis, was den Romanen eine besondere Authentizität verleiht. Alles wirkt glaubwürdig und lebendig, die Figuren erscheinen nahbar und echt. Zudem ist die kulturelle Dimension äußerst spannend und bereichernd. Ich habe alle drei Bände sehr genossen.
Hervorragend gesprochen von Wiebke Puls, sensibel und flüssig übersetzt von Amelie Thoma - und großartig geschrieben von Leïla Slimani.
Erst als ich 'Trag das Feuer weiter' in den Händen hielt, bemerkte ich, dass es sich um den dritten Band handelt. Deshalb habe ich zuvor die beiden ersten Teile, 'Das Land der Anderen' und anschließend 'Schaut, wie wir tanzen' als Hörbuch gehört - und das war genau die richtige Entscheidung. Die gesamte Familiengeschichte zu kennen, verleiht dem dritten Band noch einmal eine ganz andere Tiefe und ein intensiveres Verständnis für die Figuren.
Leïla Slimani beginnt ihre marrokanisch-französischen Familienchronik kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Die abenteuerlustige und leidenschaftlich Elsässerin Mathilde verliebt sich in den marrokanischen Offizier Amine und folgt ihm in seine Heimat. Dort ist sie die Fremde - konfrontiert mit einer anderen Mentalität, schwierigen Lebensumständen und einem traditionellen Frauenbild, mit dem sie erst umgehen lernen muss. Ich mochte Mathilde sehr: sie ist stark, lebensfroh und unangepasst. Bis zum Ende der Trilogie bleibt sie meine absolute Lieblingsfigur.
Der zweite Band spielt in den 1960er- und 1970er- Jahren. Wir begleiten Aïcha, die Tochter von Mathilde und Amine, nach ihrem Medizinstudium: wie sie lebt, liebt und und sich beruflich Respekt verschafft. Gleichzeitig zeichnet der Roman ein eindrucksvolles Bild des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs in Marroko. Aïchas Bruder Selim hingegen zerbricht am Druck seines Vaters und an den Erwartungen, die auf ihm lasten - auch das wird sehr bewegend geschildert.
Im dritten Teil treten Mathilde und Amine leider etwas in den Hintergrund, was ich persönlich schade fand, ohne das es die Qualität des Romans mindert. Nun steht die dritte Generation im Mittelpunkt: Aïchas und Mehdis Töchter Mia und Inès Ringen mit ihren eigenen Herausforderungen. Vieles ähnelt den Konflikten der vorherigen Generationen - und ist doch ganz anders. Auch diese jungen Frauen haben mein Herz erobert. Ebenso Selma, Amines Schwester: Als schönes, aber eingeengtes junges Mädchen geboren, kämpft sie unbeirrbar für ihre Unabhängigkeit. Trotz schwerer Schicksalsschläge bleibt sie aufmüpfig und stark.
Die Trilogie basiert auf der eigenen Familiengeschichte Slimanis, was den Romanen eine besondere Authentizität verleiht. Alles wirkt glaubwürdig und lebendig, die Figuren erscheinen nahbar und echt. Zudem ist die kulturelle Dimension äußerst spannend und bereichernd. Ich habe alle drei Bände sehr genossen.
Hervorragend gesprochen von Wiebke Puls, sensibel und flüssig übersetzt von Amelie Thoma - und großartig geschrieben von Leïla Slimani.
von Karina - 2026-02-28 15:51:00











