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Iris WolffHalber Stein

Roman

Taschenbuch

Klett-Cotta (2026)

320 Seiten; 19 cm x 11.5 cm

ISBN 978-3-608-96660-2

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Halber Stein

Text der Buchrückseite


»Wo bist du so lange gewesen, schien mir das Haus aus jedem Zimmer zuzuflüstern.«


 


Einfühlsam und kraftvoll erzählt Iris Wolff in ihrem beglückenden Debütroman von der Sehnsucht einer jungen Frau nach Zugehörigkeit. Die Reise zu den Menschen und in die Landschaft ihrer Kindheit schenken Sine den rettenden Raum für ihre Erinnerungen. »Halber Stein« ist von ebenjener poetischen Schönheit getragen, die das preisgekrönte Gesamtwerk von Iris Wolff kennzeichnet.


 



»Ein Erzählen, das von Innen strahlt.« 
Anne-Catherine Simon, Die Presse, »zu Lichtungen«




Hauptbeschreibung


»Wo bist du so lange gewesen,
schien mir das Haus 
aus jedem
Zimmer zuzuflüstern.«


Einfühlsam und kraftvoll erzählt Iris Wolff in ihrem beglückenden Debütroman von der Sehnsucht einer jungen Frau nach Zugehörigkeit. Die Reise zu den Menschen und in die Landschaft ihrer Kindheit schenken Sine den rettenden Raum für ihre Erinnerungen. „Halber Stein“ ist von ebenjener poetischen Schönheit getragen, die das preisgekrönte Gesamtwerk von Iris Wolff kennzeichnet.



Sine kehrt nach über zwanzig Jahren an den Ort ihrer Kindheit zurück. Ihre Großmutter Agneta ist gestorben, und gemeinsam mit ihrem Vater Johann reist sie zu deren Begräbnis nach Siebenbürgen. Das Haus der Großmutter zieht sie vom ersten Augenblick an in ihren Bann: das Gebäude mit seiner geheimnisvollen Architektur, dem vermauerten Eingang zur ehemaligen Familienfärberei und den verschiedenfarbigen Räumen wecken Erinnerungen an ein Zuhause, das Sine längst verloren glaubte. Agnetas Lebensgeschichte und die Menschen, die sie umgaben, sind ein erster Schlüssel für Sines Suche nach ihrer eigenen Zugehörigkeit. Doch erst die Begegnung mit Julian, dem Freund der Kindheit, und
Sines Eintauchen in die Landschaft Siebenbürgens öffnen Sine den Blick für das Wesentliche: Heimat ist der Ort, an dem die Erinnerungen aufgehoben sind.





Iris Wolff, geboren in Hermannstadt, Siebenbürgen. Die Autorin wurde für ihr literarisches Schaffen mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter mit dem Eichendorff-Literaturpreis, dem Marieluise-Fleißer-Preis sowie dem Marie-Luise-Kaschnitz-Preis und dem Solothurner Literaturpreis für ihr Gesamtwerk. Zuletzt erschien 2024 der Roman »Lichtungen«, der mit dem Uwe-Johnson-Preis und dem Spycher: Literaturpreis Leuk ausgezeichnet sowie für die Shortlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Die Autorin lebt in Freiburg im Breisgau.




Hersteller: J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger GmbH
Rotebühlstraße 77, 70178 Stuttgart DE
E-Mail: produktsicherheit@klett-cotta.de, Telefon: +49 711 6672-0


Auf der Suche nach Heimat und Zugehörigkeit
von bedard
Zur Beerdigung ihrer Großmutter Agneta reist Sine gemeinsam mit ihrem Vater Johann nach Michelsberg in Siebenbürgen. Hier hat sie die Sommer ihrer Kindheit verbracht, bevor ihre Eltern einen Ausbürgerungsantrag stellten. Mit der Rückkehr in das Haus der Großmutter und der erneuten Erkundung der Umgebung kehren auch längst vergessene Erinnerungen zurück. Sine begegnet Julian, ihrem Freund aus Kindertagen, der das Dorf nie verlassen hat. Gemeinsam besuchen sie vertraute Orte wieder, Sine entdeckt deren Schönheit dabei neu und sie erkennt ihre anhaltende Bedeutung für ihr eigenes Leben.

Sines Reise nach Michelsberg fällt in eine Phase des Umbruchs. Sie hat ihr Studium abgeschlossen, ist zu ihren Eltern zurückgezogen und hat sich bislang eher halbherzig und erfolglos beworben. Der Aufenthalt im Haus der Großmutter gibt ihr den notwendigen Raum zur Reflexion und hilft ihr, Klarheit über ihre Zukunft und anstehende Entscheidungen zu gewinnen.

Trotz des traurigen Anlasses ist Halber Stein kein deprimierender Roman. Er lebt von einer poetischen, ruhigen Sprache sowie von eindrucksvollen Beschreibungen der landschaftlich reizvollen Region und der inneren Prozesse der Protagonistin. Zwar gibt es einzelne dramatischere Begegnungen, insgesamt bleibt der Roman jedoch zurückhaltend und entfaltet gerade dadurch eine nachhaltige, nachdenklich stimmende Wirkung. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Heimat, Erinnerung und Zugehörigkeit.

Auch die Geschichte und Kultur der Siebenbürger Sachsen sowie die Situation der ausgebürgerten und in Deutschland oft unwillkommenen Menschen werden sensibel und unaufdringlich in die Handlung eingeflochten, ohne belehrend zu wirken.

Halber Stein ist ein leiser, atmosphärischer Roman, der durch Tiefe, Sprachgefühl und emotionale Ehrlichkeit überzeugt und lange nachhallt.

Über die Kraft, die aus der Herkunft kommt
"Halber Stein" ist das Romandebüt der vielfach ausgezeichneten deutschen Autorin Iris Wolff. Die Wurzeln der Autorin liegen selbst in Siebenbürgen, sie stammt aus einer deutschsprachigen "sächsischen" Familie in Rumänien und ist als Kind gemeinsam mit ihrer Familie nach Deutschland ausgewandert.

In diesem Roman erzählt sie von Friedesine, genannt "Sine", eine fiktive junge Frau, die ein ganz ähnliches Schicksal teilt, als Kind Siebenbürgen für Deutschland verlassen hat, dort nun ihr Studium beendet hat und anlässlich des Todes der geliebten Großmutter Agneta zum ersten Mal nach Jahrzehnten wieder für eine kurze Zeit die alte Heimat besucht. Sine selbst steht an einer Weiche in ihrem Leben, weiß nicht so recht, wohin mit sich beruflich und auch sonst.

Sine kommt in Siebenbürgen an und streift erst einmal herum. Sie begegnet Julian, einem alten Freund aus der Kindheit. Die beiden haben damals miteinander gespielt, nun sind sie in unterschiedlichen Ländern und Welten erwachsen geworden, begegnen einander wieder, nähern sich an, erkunden gemeinsam Sines alte Heimat, dabei entwickelt sich eine zarte, nur angedeutete Romanze zwischen ihnen.

Dieses Buch lebt nicht von großen, dramatischen Ereignissen. Es ist ein stilles, poetisches Buch mit eindringlicher, wunderschöner Sprache, das mich emotional tief mit der mir bisher unbekannten ländlichen Gegend Siebenbürgens verbunden hat, denn es ist voll von detaillierten Landschaftsbeschreibungen und Hintergrundinformationen über die Region:

"Ich blieb stehen. Das undurchdringliche Blaugrün eines Gletschersees lag vor uns. Die Berge umrundeten ihn im Halbkreis, eine einzelne Wolke hob sich fast senkrecht über der spiegelglatten Oberfläche in die Luft. Büschelweise lila Enzian und Silberdisteln, so weit das Auge reichte. Vereinzeltes Geröll lag übers Gras verstreut, das nicht wie in Michelsberg verdorrt und ausgebleicht die Erde bedeckte, sondern hellgrün leuchtete. Ich hatte mehr noch als unten in der transsilvanischen Ebene das Gefühl, der Herbst habe sich zwischen den Jahreszeiten verloren." (S. 181/182)

Dazu kommen die Erinnerungen an die verstorbene Großmutter und an die Zeit als Kind in der siebenbürgischen Heimat... so viele Erinnerungen sind mit dem alten Haus verknüpft, doch nun wohnt keiner mehr darin, Sines Vater und Onkel haben es geerbt, der eine möchte es behalten, der andere verkaufen.

Immer wieder eingewoben in das Buch sind auch historische Bezüge, wenn der passionierte Hobbyhistoriker Julian, der von einem Geschichtestudium träumt, von der Vergangenheit erzählt und dabei lebendig wird, welchen Herausforderungen die Vorfahren der Siebenbürger Sachsen ausgesetzt waren: "Mit welchem Gefühl baut man ein Dorf wieder auf, nachdem es niedergebrannt wurde? Wie schafft man es, sich wieder am selben Ort anzusiedeln, wenn eine ganze Dorfgeneration versklavt wurde? Nicht aufzugeben, obwohl man in diesem Gebiet so vielen Gefahren und Unwägbarkeiten ausgesetzt war?" (S. 45)

Dann geht es wieder um die etwas jüngere Vergangenheit, um die schwierigen Zeiten unter den Kommunisten, Verschleppung von Deutschsprachigen, aber auch Diskriminierung von ethnischen Rumänen durch diese. Später dann die vielen Deutschsprachigen, die gegangen sind, sobald sie konnten. Zurück bleiben verlassene Felder und geräumige Höfe, Spuren der einst so lebendigen Gemeinschaft in dieser Gegend, und die wenigen, die noch geblieben sind. Es gibt Begegnungen mit Menschen, die Agneta kannten, und oft auch Sine als Kind. Blicke zurück in die Vergangenheit, auf die Großmutter, auf die eigene Herkunft, das eigene Erbe.

Am Ende des Buches ist die Oma begraben und sonst im Außen nicht so viel passiert. Doch zurück bleibt das Gefühl, dass es vielleicht für Sine nun ein bisschen leichter werden kann, sich zu orientieren im Leben. Denn in diesen wenigen, aber tiefgründigen und bedeutungsvollen Tagen in Siebenbürgen hat sie sich wieder tiefer mit ihren Wurzeln und ihrer Herkunft verbunden und wird daraus vielleicht Kraft schöpfen können für den weiteren Weg, den sie nun geht.

Mich hat dieses Buch sehr berührt und mir viel Wissen, aber vor allem auch Gefühl für Siebenbürgen und die deutschsprachigen Bewohnerinnen und Bewohner dieser Gegend vermittelt, ja, sogar Lust darauf gemacht, diese interessante Gegend zu besuchen und selbst zu erkunden. Es eignet sich insbesondere für Leserinnen und Leser, die bereit sind, sich auf ein ruhiges, poetisches und dafür umso tiefgründigeres Buch einzulassen, ohne besonders viel Spannung oder ein schnelles Voranschreiten der Handlung zu erwarten.

Geschichte Siebenbürgens
von Ulla
Friedesine, genannt Sine, ist vor 20 Jahren als Kind mit ihren Eltern von Siebenbürgen in Rumänien nach Deutschland ausgewandert. Sie beschreibt aus ihrer Sicht ihre Anfänge in einem fremden Land, die Probleme mit der Sprache und der Andersartigkeit. Inzwischen ist sie angekommen und sieht Deutschland als ihre Heimat an. Doch nun ist ganz überraschend ihre Großmutter Agneta verstorben und sie fährt mit ihrem Vater nach Michelstadt. Sie trifft dort auf alte Erinnerungen, auf Menschen, die ihr etwas bedeuteten. Die Beerdigung muss organisiert werden und was passiert mit dem Haus in dem alle Erinnerungen aufbewahrt wurden. Auch die Begegnung mit ihrem Jugendfreund Julian lässt sie nicht kalt, aus der alten Vertrautheit entwickelt sich eine vorsichtige Liebe. Julian, der an den elterlichen Hof gefesselt ist, möchte viel lieber als Historiker arbeiten. Er unternimmt Ausflüge mit Sine und zeigt und erzählt ihr von der reichen Geschichte des Landes, über die Zeit des zweiten Weltkrieges und die Probleme der Sachsen, die diesen Landstrich bevölkerten.
Sehr geschickt erfahren wir durch diese Erzählungen viel über Siebenbürgen. Der Roman ist poetisch und emotional geschrieben, manchmal jedoch zu ausschweifend und langatmig.

Kindheitserinnerungen

Friedesine kehrt nach vielen Jahren an den Ort ihrer Kindheit in Siebenbürgen zurück weil ihre Großmutter verstorben ist. Sie berichtet wie sie die Vorbereitungen für die Trauerfeier ihrer Großmutter Agneta erlebt, die sehr tradionell gestaltet wird. Sie trifft ihren Jugendfreund Julian wieder und beide erneuern ihre Freundschaft. Allein und auch gemeinsam mit ihrem Vater erkundet sie den Ort und die Gegend ihrer Kindheit, und erinnert sich dabei an damalige Ereignisse.
Iris Wolff erzählt mit "Halber Stein" wie es sich anfühlt, wenn man nach jahrelanger Abwesenheit an den Ort zurückkehrt, an dem man als Kind aufgewachsen ist. Ein ruhiger Roman, der vor allem durch seine detaillierte Beschreibung der Landschaft in Siebenbürgen besticht. Wer selbst in Siebenbürgen gelebt hat, wird sicherlich Freude an dieser Erzählung haben. Für mich als Ortsunkundige waren die Beschreibungen oft zu langatmig und gingen zu Lasten der Spannung.

Langatmig
von Pearl
Dieser etwas melancholische Roman Halber Stein, führt und nach Hermannstadt dem Dorf, wo Sines Großmutter gelebt hat. Jetzt da sie verstorben ist kehrt sie mit ihrem Vater in das Dorf zurück um die Beerdigung und den Nachlass der Großmutter Agneta zu regeln. Zwanzig Jahre ist Sine nicht mehr in der Heimat der Großmutter gewesen, da sie mit ihren Eltern nach Deutschland ausgewandert ist. Doch sie hat viel schöne Sommerferien bei der Großmutter verbracht und erinnert sich jetzt wieder an die schönen Sommer. Die Landschaft und die Menschen werden hier sehr schön und bildlich beschrieben, aber auch das nicht leichte Leben der Großmutter.
Fazit:
Ein Roman der sehr einfühlsam und ruhig geschrieben ist, daher enthält er auch sehr wenig Spannung und lässt die Handlung auch etwas blass und langatmig erscheinen. Wer samste und tiefgründige Roman mag, für den ist die Geschichte genau richtig. Mich konnte der Roman leider nicht überzeugen.

Wo ist Heimat?
Friedesine, genannt Sine, kehrt nach 20 Jahren an den Ort ihrer Kindheit zurück. Der Anlass ist der Tod ihrer Großmutter Agneta. Gemeinsam mit ihrem Vater Johann (der ältere Sohn Agnetas) fährt sie zum Begräbnis nach Siebenbürgen ins kleine Michelsberg unweit von Hermannstadt.
Aus der Ich-Perspektive der jungen Frau erfährt man die Gedanken über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eines Landstrichs mit einer deutschen Minderheit, deren reiche Traditionen zu verschwinden drohen und ihre spannende Historie mehr und mehr in Vergessenheit gerät.
Ich bin dieser Geschichte gern gefolgt. Ausdrucksstark und in lebhaften Farben und schönen Bildern schildert die Autorin in dem Roman ein Sommerende in den Südkarpaten.
Poetisch erfolgen die vielfältigen Beschreibungen der Landschaft. Auf die Protagonistin Sine prasseln eine riesige Menge an Erinnerungen ein, die sie immer wieder mit der verstorbenen Großmutter verbinden. Sie war eine starke Persönlichkeit, die sich in ihrem wechselvollen Leben immer wieder zu behaupten wusste. Ihr Sohn Johann vermisst sie sehr und er versucht in ihrem Haus mit der geheimnisvollen Architektur die Endlichkeit der Erinnerungen und den Schmerz über den Verlust der Mutter in einem Bild zu verarbeiten, das er von ihr malt.
Sehr aufschlussreich fand ich eine Sache, die fast am Ende des Buches erzählt wird. Jinni, eine Freundin von Agneta vergleicht sie mit der Epischen Seite. Das ist die Kehrseite einer Stickseite. Beim Sticken im Sächsischen (Siebenbürgen!) besteht die Herausforderung, dass sich die Vorderseite nicht von der Rückseite unterscheidet. Jinni vergleicht Agneta als Mensch mit der epischen Seite, weil sie strikte Prinzipien hat.

Mir gefällt die erzählerische Kraft von Iris Wolff. Sie zeichnet mit winzigen Details Situationen, Begebenheiten, eine Realität, die ich nachvollziehen kann. Den halben Stein verstehe ich als Sinnbild für die Vergänglichkeit. Er bleibt, während sich vieles andere wandelt oder verschwindet.
Den Roman empfinde ich als warm, behutsam und liebevoll erzählt. Allerdings, wer Spannung erwartet, ist hier falsch. Es wird sehr ausführlich berichtet.

Bei mir bleibt die Frage: Wo ist Heimat?


Leise Rückkehr zu Erinnerung und Herkunft
„Halber Stein“ ist ein sehr ruhiger, poetischer Roman, der weniger von Handlung als von seiner Atmosphäre lebt. Im Mittelpunkt steht Sine, die nach dem Tod ihrer Großmutter nach Siebenbürgen zurückkehrt. Diese Rückkehr wird zum Auslöser für Erinnerungen, innere Reflexionen und die Auseinandersetzung mit Herkunft, Verlust und Zugehörigkeit.

Was mir besonders gefallen hat, ist die Sprache. Iris Wolff schreibt sehr bildhaft und fein, fast meditativ. Landschaften, Häuser und kleine Beobachtungen bekommen viel Raum, ohne überladen zu wirken. Die Natur und der Ort selbst spielen eine zentrale Rolle und spiegeln Sines innere Stimmung wider. Man merkt, dass es der Autorin weniger um dramatische Ereignisse geht, sondern um das Nachspüren von Gefühlen und Erinnerungen.

Die Geschichte ist bewusst langsam erzählt. Das muss man mögen. Wer eine klare Handlung oder Spannung erwartet, wird hier nicht fündig. Für mich hatte diese Ruhe aber etwas sehr Stimmiges. Sie passt zum Thema des Innehaltens, des Zurückblickens und des Sich-Verortens zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Trotzdem gab es Stellen, an denen sich das Erzähltempo für meinen Geschmack etwas zog.

Die Figuren bleiben eher zurückhaltend gezeichnet, was ebenfalls gut zur Erzählweise passt. Sine wirkt dabei authentisch in ihrer Zerrissenheit zwischen dem Leben, das sie führt, und dem Ort, der sie geprägt hat. Viele Gedanken und Gefühle werden nur angedeutet – genau das macht den Reiz des Buches aus.

Fazit:
„Halber Stein“ ist ein leiser, poetischer Roman über Erinnerung, Heimat und Identität. Er verlangt Geduld und Aufmerksamkeit, belohnt diese aber mit einer schönen Atmosphäre und einer sehr feinen Sprache. Für Leser:innen, die ruhige, nachdenkliche Literatur schätzen, ist dieses Buch sehr empfehlenswert. Wer jedoch eine dynamische, handlungsgetriebene Geschichte sucht, könnte sich mit der Langsamkeit schwertun.

Sinnlich
von Krani
Sine stammt aus Siebenbürgen, was die meisten wohl erst einmal googeln müssen. Nun ist ihre Großmutter verstorben, und sie reist mit ihrem Vater in die alte Heimat, um Abschied zu nehmen.
Heimat ist das zentrale Thema des Romans, in dem sonst nicht viel passiert. Es werden Kindheitserinnerungen geschildert, meist sehr sinnlich, die eng mit der Landschaft verbunden sind. Erinnerungen und Gegenwartseindrücke gehen dabei absatzlos ineinander über. In den poetischen Naturbeschreibungen vermischen sich Gedanken und Träume mit Sines Suche nach eigener Identität. Sie ist gerade mit dem Studium fertig und hat noch nicht entschieden, was sie weiter machen möchte. Sie führt Gespräche mit Menschen, die sie kaum kennt, und die ihr von ihrer Herkunft erzählen. Das wird manchmal auch philosopisch.
Insgesamt ist das nicht leicht zu lesen. Für soviel Nachdenklichkeit, Sinnsuche und auch Poesie muss man schon etwas Geduld haben. Menschen, denen Heimat aktuell ein wichtiges Thema ist, könnten hier Inspiration finden. Auch wenn sie nicht aus Siebenbürgen stammen.

Leise und melancholische Familiengeschichte
„Halber Stein“ ist der Debütroman von Iris Wolff. Es ist eine Neuauflage des Romans, der 2012 erschienen ist. Nach dem Tod ihrer Großmutter Agneta reist Sine zur Beerdigung nach Michelsberg in Siebenbürgen, Rumänien. Nach dem Studium fühlt Sine sich ziemlich lost und hat viele Fragen ans Leben. Erinnerungen an ihre Kindheit in Siebenbürgen werden wach, ihr Kindheitsfreund Julian ist wieder da und viele Familienfragen werden laut.
Eine leise und melancholische Familiengeschichte. Die Atmosphäre ist voller Sehnsucht und Traurigkeit. Es geht um Fragen wie Herkunft, Familie, Identität und Auswanderung, eingebettet in Historie und Kultur. Die Landschaftsbeschreibungen sind zudem wirklich schön und bildhaft. Das Erzähltempo ist dabei eher gemächlich. Eine berührende Geschichte über Sines Suche und ihre Familie.