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Douglas StuartJohn of John

Roman | »Bis zum smarten Happy End erzählt Stuart ein ganzes Inselleben, ich schmecke die salzige Luft und fühle mit allen mit.« Emotion

Hardcover

Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (2026)

560 Seiten; 21 cm x 14 cm

ISBN 978-3-446-28582-8

Sofort verfügbar oder abholbereit

John of John

Hauptbeschreibung
Der neue Roman von Booker-Preisträger Douglas Stuart: »Menschliche Wärme, die seltsam schöne Atmosphäre eines unwirtlichen Insellebens, eine große innere Spannung: Ein Roman, wie er nur alle zehn, fünfzehn Jahre vorkommt.« (Daniel Schreiber)

Cal ist zurück und all das, vor dem er nach Edinburgh geflüchtet war, ist wieder da: das karge Leben auf den Hebriden, der windgepeitschte Kreislauf aus Schafzucht und Nächten am Webstuhl, die Enge der Inselgemeinschaft. Sein Vater John hat ihn nach Hause beordert, dem er all sein Wissen über Farben und Wolle verdankt, dessen Hingabe als Tweed-Weber er liebt und dessen presbyterianische Strenge er hasst. Sie sind einander so nah und kennen sich so wenig – blind für das wohlgehütete Geheimnis des anderen. Niemals könnte Cal dem Vater von seiner Sehnsucht nach einem Partner erzählen, wo dieser schon seine langen Haare als Sünde ahndet. Stattdessen sucht Cal immer mehr die Nähe von Innes, Johns sanftem bestem Freund ...
Ein großer Roman über Verpflichtung und Verblendung, Liebe und Scham und die verwandelnde Kraft der Wahrheit.

Hersteller: Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG
Vilshofener Straße 10, 81679 München DE
E-Mail: info@hanser.de


viel Tiefgang, starke Charaktere und eine breite Palette an Gefühlen
von Niko
Nachdem Cal in Edinburgh studiert hat, kehrt er auf Wunsch seines Vaters auf die Insel der Hebriden Insel Harris zurück, wo John und seine Großmutter Ella bereits auf ihn warten.
Die Insel ist klein, und nur wenige Bewohner sind geblieben, denn das Leben dort ist hart. Wie viele andere arbeitet Cals Vater John als Weber. Doch die Zeiten sind schwierig: Immer mehr Stoffe werden günstig aus China importiert, wodurch die Arbeit der Inselbewohner kaum noch genug einbringt, um davon leben zu können.
Der Autor Douglas Stuart beschreibt sehr detailliert das Leben auf der Insel, das zähe Wetter, die wenigen Bewohner, die trotz der schwierigen Lebensbedingungen auf der Insel geblieben sind und die sozialen Strukturen der Gemeinschaft.
Ich finde das Buch sehr gut, ich war einfach von der ersten Seite gefesselt. Die Charaktere sind vielschichtig und präzise gezeichnet. Man versteht ihre Beweggründe, selbst wenn man ihre Entscheidungen nicht immer teilen kann. Viele von ihnen tragen Geheimnisse mit sich, die ihr Leben prägen und sie zugleich verletzlich machen. Es gibt sehr viele Charaktere, die gut beschrieben sind, Cal und John, aber auch der netter Innes, die Großmutter Ella und die Mutter Grace, sowie Doll und Isla. Man sieht in dem Buch, wie intensiv der Autor sich mit seinen Charakteren und ihren Gefühlen auseinandergesetzt hat. Weiter möchte ich nicht zu viel verraten, da genau das ist, was das Buch so spannend macht.
Das ist ein wunderbarer Roman, der an vielen Themen nachdenklich macht: Zugehörigkeit vs. Einsamkeit, Identität als Individuum suchen und als Gemeinde bewahren, Tradition vs. eigene Wünsche erfüllen, familiäre Konflikte, Geheimnisse und Doppelleben, und vieles mehr.

Ich kann das Buch von ganzem Herzen weiterempfehlen. Wer ein Buch mit viel Tiefgang, starken Charakteren und einer breiten Palette an Gefühlen sucht, ist hier genau richtig.

Gottesfürchtigkeit
von Ulla
Cal soll wieder zurück nach Hause, nach Falaby, einem kleinen Ort in den äußeren Hebriden. Seiner Großmutter Ella geht es schlecht und so verlässt Cal Edinburgh, wo er nach seinem Textilstudium ohne Job und Wohnung nicht glücklich war. Doch zu Hause erwartet ihn auch sein strenger Vater John, stark im presbyterianischem Glauben verankert. Cal eckt durch seine langen und gefärbten Haare an und wagt es nicht, seinem Vater seine Homosexualität zu beichten, obwohl dieser ihn zu einer Ehe drängt. John selbst ist geschieden von Grace, die Mann und Kind für seinen Bruder verlies und Ella, Grace Mutter, hat Cal erzogen. Das Haus, in dem John als Schafzüchter und Tweedweber wohnt, gehört Ella, die es ihrer Tochter überschreiben möchte. Wo soll John dann leben? Sein Nachbar Innes, zu dem er ein sehr inniges Verhältnis hat, bietet ihm Räumlichkeiten an, doch dieses kann John nicht annehmen. Wie würde das aussehen, da könnten ja die anderen Kirchenmitglieder glauben, er wäre schwul, das darf nicht sein, das ist nicht gottgefällig.
So tragen beide, Cal und John, ihre Andersartigkeit mit sich selbst aus, immer auf der Suche nach einem Weg zwischen Pflicht und Glück.
Der Roman beschreibt das karge und einfache Leben auf der schottischen Insel, der Gemeinschaft und Hilfe untereinander. Jeder kennt jeden und so ist es schwierig, ein Geheimnis für sich zu behalten. Gottesfürchtigkeit steht vor Mitgefühl, denn der Glaube steht über allem. Trotz der Länge des Romans bei gleichzeitig wenig Handlung langweilt er auf keiner Seite. Ganz hervorragend geschrieben.

Sehr atmosphärisch mit einigen Längen
Mit seinem dritten Roman "John of John" bringt uns Douglas Stuart auf die Äußeren Hebriden, eine Inselkette nordwestlich der schottischen Küste.
Dabei begleiten wir Cal, einen homosexuellen jungen Mann, der nach seinem Studium in Edinburgh notgedrungen auf Bitte seines Vaters John zurück auf die Hebriden (Harris) kehrt, weil es seiner Großmutter Ella nicht gut geht. Doch zurück fängt ihn all das ein wovor er "geflohen" ist.

Stuarts Sprache ist sehr atmosphärisch und so hatte ich als Lesende das Gefühl selbst dort zu sein. Vor allem das kalte, raue Klima haben die gewisse Tristheit und Schwere der Erzählung gut unterstrichen. Auch die weite und schwere Anreise hat mir das Gefühl gegeben, dass Cal nicht nur körperlich weit reisen musste, sondern Edinburgh (Freiheit, Akzeptanz) und Harris (Tradition, Konservatismus, Verschlossenheit) auch mental weit voneinander entfernt liegen und es Cal schwer machen der zu sein. Denn selbst sein Vater kann den neuen Cal mit den langen, gefärbten Haaren nicht akzeptieren. Oder kann er vielleicht nicht akzeptieren, dass sein eigener Sohn sich von den Traditionen und Blicken der anderen freimachen konnte und er selbst nicht? Es gibt viele Geheimnisse in dem Buch, die nach und nach gelüftet werden (wenn auch manche nicht im Detail besprochen werden) und einen die Geschichte nochmal besser verstehen lassen.
Dennoch hätte ich gerne mehr über einige Charaktere und ihre Gedanken erfahren und gewisse andere Längen im Buch dafür eingetauscht, denn die Geschichte ist eher langsam und lebt vor allem von seiner Atmosphäre.

Alles in Allem ist es aber ein solides Buch und ich werde auf jeden Fall noch die anderen Bücher von Stuart lesen, die zum Teil ähnliche (wichtige) Themen wie komplexe Familiendynamiken, Identität, Armut und Homosexualität behandeln.

Schwul sein, wo es nicht erlaubt ist
Es sind die 1990er Jahre, als der 22-jährige Cal nach seinem Kunststudium in der Großstadt und erfolgloser Jobsuche, pleite und obdachlos, aufgrund eines Anrufes seines Vaters, dass die älter werdende Großmutter Unterstützung brauche, in seine Heimat auf die schottische Hebrideninsel Harris zurückkehrt. Auf Harris ist die Familie in eine sehr strenggläubige christliche Gemeinde eingebunden, Vater John hat dort eine wichtige Rolle inne und auch von Cal wird erwartet, sich in der Gemeinde einzubringen und sich vor allem ihren unerbittlichen Regeln insbesondere in Bezug auf Sexualität und Sexualmoral zu unterwerfen.

Abweichendes Verhalten ist nicht vorgesehen und wird verdammt, und besonders verdammenswert sind für diese Gemeinde jene, die „bei einem Mann liegen wie bei einer Frau“, denn das sei, in Bezug auf einzelne Bibelstellen, die für diese Gemeinde sehr viel Bedeutung haben, „dem Herren ein Gräuel“.

Nun, das ist ein großes Problem für Cal, denn Cal ist schwul und das darf hier auf Harris erst einmal keiner wissen, schon gar nicht sein strenger Vater:

„In der Vordertasche steckte eine kostenlose Schwulenzeitschrift – keine Ahnung, warum er sie noch hatte – doch, als er sich nach einem Mülleimer umsah, bekam er Angst, dass der Wind sie aufwirbeln und über die Insel wehen könnte. Er faltete die Zeitung klein und schob sie ins Futter seines Rucksacks, weil er zu dem Schluss kam, dass es sicherer wäre, sie später zu Hause zu verbrennen. Am Ende stopfte er seine schmutzige Wäsche in den Rucksack und krönte das Ganze stolz mit der alten Bibel seiner Mutter.“ (S. 25)

Die Jahre des Studiums fernab der Insel waren eine Zeit der Freiheit und Selbsterkundung für ihn, doch wie soll Cal nun damit umgehen, dass er nun einmal ist, wie er ist, und auch gerne entsprechend leben würde (aber wie einen schwulen Partner finden auf einer Insel, auf der sich kaum jemand dazu zu bekennen traut?).

Außerdem hat Cal eine herausfordernde Beziehung zu seinem Vater John, der ihn zwar auf eine konservativ-verquere Art zu lieben meint, seine künstlerischen Talente sieht und wertschätzt, aber große Angst davor hat, der Sohn könnte mit seinem abweichenden Äußeren und Verhalten zu negativ auffallen und deshalb mit unerbittlicher Strenge gegen jedes abweichende Verhalten des Sohnes vorgeht:

„John hatte einen Jungen, der mit einer Gabe gesegnet war, und das Beste daran war, er hatte eine Gabe für alles, was mit Stoff zu tun hatte, was John das Gefühl gab, sein eigenes Leben wäre keine Verschwendung gewesen. Aber Dundee, Glasgow und Edinburgh stießen bei ihm auf Widerstand. Als Presbyterianer hatte John Macleod zwar eine Hochachtung vor Bildung, aber das College-Leben barg so viel Unbekanntes, und Kunsthochschulen hatten ein Image, das bei ihm moralische Panik auslöste.“ (S. 51)

„Geh nicht zum Inn“, John klopfte auf den Tisch, um Cal zur Aufmerksamkeit zu rufen. „Ich will, dass du mit uns betest. Du bist auf Abwege geraten.“ (S. 79)

Wenn Cal sich den unerbittlichen religiösen Regeln nicht genug unterwirft, beispielsweise, indem er sich nicht so kleidet und die Haare schneidet, wie es von einem „richtigen Mann“ in dieser Gemeinde erwartet wird, kommt es auch schon mal zu brutaler Gewalt des Vaters gegenüber dem erwachsenen Sohn, die letzterer erst einmal unterwürfig über sich ergehen lässt, allerdings später heimlich rebelliert.

Es ist eine tragische Vater-Sohn-Beziehung, die im Zentrum dieses Romans steht. So viel Entfremdung und Gewalt bei zwei Menschen, die sich eigentlich nahestehen könnten und sich auf irgendeine Weise auch lieben.

Aber das ist bei weitem nicht die einzige tragische Beziehung in diesem Roman. Denn, wie wir bald erfahren, ist auch John selbst im Geheimen homosexuell und führt seit langem eine vor allen verborgene Beziehung mit seinem Geliebten Innes, während er nach außen hin den sittenstrengen Vater und glaubensstarken Mann gibt:

„Damals hatte John sich regelmäßig davongestohlen, und für Innes war es ein Fest. Sie unternahmen mit den Hunden unnötig lange Wanderungen, bis sie irgendwo in den Bergen eine Senke fanden, eine trockene Stelle, wo sie vor den Augen der Nachbarn verborgen waren. Die Landschaft war so karg, dass es nicht leicht war, ein Versteck zu finden, aber über die Jahre hatten sie die Orte im Kopf kartiert, an denen sie zusammen sein konnten, und sie erkannten sie an den Blumen, die dort wuchsen, oder an der Felsformation, unter der sie verborgen waren.“ (S. 238)

Im Zentrum der Geschichte stehen also klar diese drei Männer: Cal, John und Innes, doch auch einige sehr interessante Frauen kommen vor und haben durchaus wichtige Rollen in diesem Roman: da ist die nach außen hin duldsame und anpassungsfähige, doch innerlich doch so mutige und clevere Großmutter Ella, Schwiegermutter von John und Oma von Cal, die sich entschieden hat, mit ihrem Schwiegersohn und Enkel zu leben, als ihre Tochter Grace die Familie verlassen hat.

Grace, die in einiger Entfernung mit einem anderen Mann weitere Kinder bekommen hat und vor allen als die böse Ehebrecherin dasteht, die ihren kleinen Sohn zurückgelassen hat, doch ist es wirklich so leicht? Oder auch Isla, eine Jugendfreundin von Cal, blitzgescheit und mit viel Potential, und doch auch selbst mit den Einschränkungen und Rollenbildern der Insel ihre Schwierigkeiten habend.

Das Buch liest sich durchaus angenehm, flüssig und unterhaltsam, die Handlung ist sehr dialoggetrieben, es wird viel miteinander gesprochen und doch oft so wenig wirklich gesagt.

Dem Autor gelingt es meisterhaft, die Entfremdung darzustellen, die sich in zwischenmenschliche Beziehungen einschleichen muss, wenn konservative moralische Normen so rigide und verurteilend sind, dass es nicht mehr möglich ist, so zu leben und sich zu zeigen, wie es der eigenen Identität und dem eigenen Empfinden entspricht.

Dadurch ist es ein aufrüttelndes Buch, das Empathie insbesondere mit queeren Menschen fördert, aber auch mit sonst allen, die nicht in die starren Raster sehr konservativ verstandener Religiosität passen.

Der Autor Douglas Stuart ist selbst mit einem Mann verheiratet und alle seine bisher veröffentlichten Bücher scheinen mit dem Thema Homosexualität zu tun zu haben. Man merkt, dass er weiß, wovon er schreibt. Auch handwerklich ist es ein sehr gutes Buch und atmosphärisch bekommt man viel vom Leben in den 1990ern Jahren auf den Hebriden-Inseln mit, die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander in diesem Umfeld sind tiefgründig, vielschichtig und authentisch dargestellt.

Für mich war es das erste Buch dieses Autors, doch nun bin ich neugierig auf seine anderen Bücher geworden, denn es gefällt mir sehr, wie authentisch, vielschichtig und empathisch er auch Lesenden, für die das Thema vielleicht nicht so nahe an der eigenen Lebenswelt ist, einen literarischen Zugang dazu schafft. Empfehlen kann ich es allen, die sich für ein oft auch traurig machendes, aber dabei tiefgründiges und auf jeden Fall sehr nachdenklich stimmendes Buch zu den Themen Homosexualität, Identität, Vater-Sohn-Beziehung und Zu-sich-selbst-stehen interessieren.

Einsamkeit auf der Insel
von Ema
Mit Shuggie Bain und Young Mungo hat Douglas Stuart die Messlatte für mich extrem hoch gelegt – beide Bücher haben mich auf Englisch vollkommen mitgerissen. Entsprechend groß waren meine Erwartungen an John of John, die am Ende leider eher enttäuscht wurden.

Vor allem der Einstieg zieht sich sehr. Cal kehrt nach einem Anruf seines Vaters auf die Insel zurück, von der er stammt, und lebt dort gemeinsam mit seinem Vater John und seiner Großmutter, der Mutter seiner verstorbenen Mutter. Die Atmosphäre der Insel ist dabei zwar dicht und bedrückend beschrieben, gleichzeitig hatte ich aber lange das Gefühl, dass die Handlung kaum vorankommt.

Interessant fand ich vor allem die Dynamik zwischen den Figuren. Die Beziehungen auf der Insel sind stark verwoben, jeder scheint eigene Geheimnisse zu haben und vor allem die eigenen Interessen zu verfolgen. Dadurch entsteht eine unterschwellige Spannung, die sich durch das ganze Buch zieht. Besonders tragisch ist die Beziehung zwischen Cal und seinem Vater: Beide können über vieles nicht sprechen, wodurch auch Homosexualität ein unausgesprochenes Tabuthema bleibt. Diese Sprachlosigkeit gehört definitiv zu den stärkeren Aspekten des Romans.

Trotzdem wirkten einige Handlungsstränge auf mich seltsam oder nicht ausreichend ausgearbeitet. Der Briefkontakt, den Cal aufbaut, erschien mir teilweise eher merkwürdig, ohne dass daraus wirklich etwas Tiefgründiges entstanden wäre. Auch die Beziehung zu seinem Jugendfreund hätte deutlich mehr Raum verdient, weil dort eigentlich viel emotionales Potenzial gelegen hätte.

Was mich letztendlich doch noch überzeugt hat, war das Ende. Dort schafft Douglas Stuart es endlich, die emotionale Intensität zu entfalten, die ich mir über weite Strecken des Buches gewünscht hätte. Insgesamt ist John of John für mich trotzdem ein gutes Buch – atmosphärisch stark und mit interessanten Figuren –, aber im Vergleich zu Shuggie Bain und Young Mungo bleibt es deutlich weniger eindrucksvoll. Rückwirkend hätte ich aber auch lieber die englische Originalversion gelesen.

Gesamt: 3,5/5 Sternen

Zwischen Tradition und Selbstfindung
von Alo

Mit John of John hat Douglas Stuart es mal wieder geschafft: ein trauriges, tragisches und tiefgründiges Buch zu schreiben, das gleichzeitig so zärtlich und schön ist.

Ich bin ehrlich: Als ich gesehen habe, wie dick das Buch ist, hatte ich erstmal Respekt davor. Ich habe es normalerweise nicht so mit sehr umfangreichen Romanen. Aber diese Sorge war komplett unnötig. Mir war keine einzige Seite zu lang.

Am allerbesten haben mir die Figuren gefallen. Auch wenn sie einem manchmal alles abverlangen, sind sie so zart und feinfühlig gezeichnet, dass man sie einfach nicht loslassen will. Man schließt wirklich alle ins Herz.
Da ist zum Beispiel Kel. Er hat in Edinburgh Textilverarbeitung studiert und kehrt nun mittellos auf seine Heimatinsel zurück. Dort erwarten ihn sein Vater und seine Großmutter in der Enge des Elternhauses, in dem es eigentlich nichts gibt außer Schafen, einem Webstuhl und sehr strengen presbyterianischen Glaubensregeln. Dazu kommt, dass Kel homosexuell ist und seine wahre Identität verstecken muss.

Sein Vater John ist ein sehr strenger und gläubiger Mann. Unter dieser harten Schale steckt aber auch ein unglaublich zarter Mensch, der selbst sehr mit dem Leben kämpft und vieles andere leichter sein kann als er selbst. Ich habe alle Figuren geliebt, aber meine absolute Lieblingsfigur war Ella, die Großmutter. Sie ist einfach eine wahnsinnig coole Socke. Ella kam vor vielen Jahren mit ihrem Mann auf die Insel und gilt dort trotzdem immer noch als Außenseiterin. Weil sie kein Gälisch spricht, wird sie immer wieder ausgeschlossen und gehört nie ganz dazu. Trotzdem begegnet sie der Welt mit einer großen Portion Coolness und sehr viel Witz. Man muss sie einfach erleben.

Das Buch ist insgesamt ganz ruhig erzählt. Handlungsmäßig passiert eigentlich gar nicht so viel und gleichzeitig passiert unglaublich viel. Eben in den Figuren, den Beziehungen und dem Miteinander. Mit jeder Seite wünscht man sich für diese Menschen mehr, dass sie irgendwie ihr Happy End bekommen.

Außerdem kann ich auch das Hörbuch sehr empfehlen. Charly Hübner spricht die Figuren mit so viel Gefühl, dass er dieser Geschichte vollkommen gerecht wird.


Man könnte dort leben, wenn man dort leben könnte ...
von evaki
Der Roman JOHN of John von Douglas Stuart, grandios übersetzt von Sophie Zeitz, treffend gelesen, auch auf Gälisch, von Charly Hübner, führt uns mit der ganzen Wucht der rauen windgepeitschten Irischen See auf Harris, eine der Hebrideninseln. Wir lernen viel über Schafzucht, Tweed, Weberei, presbyterianische Glaubensstrenge, menschliche Kälte, nachbarliche Neugierde und großmütterliche Liebe.
Der talentierte Cal durfte auf eine Kunstakademie nach Edinburgh, um dort seiner Begabung freien Lauf zu lassen und der Enge der Inselgemeinschaft zu entfliehen.
Vater John, Weber, Schafzüchter und streng religiöser Psalm Sänger lebt einsam und verhärmt allein mit seiner Schwiegermutter Ella in einem Häuschen am Rande der Insel. Seine Sorge um den in der fernen Stadt lebenden Sohn wächst und lässt ihn nicht in Ruhe. Mit dem Vorwand, dass die Großmutter krank ist und er Hilfe braucht, lockt er den Sohn wieder zurück in die väterliche Knechtschaft.
Zwei Welten prallen aufeinander, als der junge weltoffene, experimentierfreudige Sohn Cal auf die Insel zurückkommt. Vieles bleibt ungesagt und als offenes Geheimnis stehen. Ein großer Roman mit starken Charakteren, die einen noch lange Nachdenken lassen. Große Leseempfehlung!

Ergreifender Roman über eine schwierige Vater-Sohn-Beziehung
Nach seinem erfolgreichen Romandebüt "Shuggie Bain", für das er 2020 den Booker Prize erhalten hat, und seinem zweiten Roman "Young Mungo" hat der schottisch-amerikanische Schriftsteller Douglas Stuart nun sein drittes Werk, "John of John", veröffentlicht.

Im Mittelpunkt der in den neunziger Jahren spielenden Geschichte steht der 22-jährige John Calum McLeod, genannt Cal, der in Edinburgh sein Kunststudium erfolgreich abgeschlossen hat. Nachdem sein Vater John ihn aufgefordert hat, nach Hause zurückzukehren, weil es seiner Großmutter nicht gut gehe, macht Cal sich nach vier Jahren in der schottischen Hauptstadt auf den 400 km langen Weg nach Falabay, einem kleinen Ort auf der Insel Harris in den Äußeren Hebriden, wo sein Vater John mit Cals Großmutter Ella in einem kleinen Crofthaus lebt. John ist Schafzüchter und fertigt als Weber den traditionellen Harris-Tweed. Wie alle Inselbewohner gehört er den Freien Presbyterianern an und ist tief in seinem Glauben verwurzelt. Er weiß nicht, dass Cal mangels beruflicher Perspektive wohnungslos war und bei einer albanischen Putzkolonne jobbte. Seine Enttäuschung über Cals Arbeitslosigkeit kann er nicht verbergen, und die langen, gefärbten Haare seines Sohnes stellen für ihn eine Provokation dar.

Cal fällt es nach den selbstbestimmten Jahren in Edinburgh schwer, sich wieder an die häusliche Enge, die unnachgiebige Dominanz seines Vaters und das traditionelle Umfeld zu gewöhnen. Das Geld ist knapp, und fortan unterstützt er John bei der Schafzucht und am Webstuhl. Vater und Sohn lieben sich, dennoch sind beide nicht in der Lage, ihre Gefühle zu zeigen, vieles bleibt ungesagt. John weiß nicht um Cals Homosexualität, und auch Cal ahnt nicht, welche Geheimnisse John bewahrt.

Der Roman ist in klarer, sehr direkter Sprache geschrieben und liest sich sehr flüssig. Douglas Stuart zeichnet seine Charaktere nicht nur authentisch und facettenreich, er beschreibt auch ihre innere Zerrissenheit sehr eindrucksvoll. Die Geschichte ging mir unter die Haut, ich habe mit den Protagonisten mitgelitten und mir gewünscht, dass sie sich endlich einander öffnen. Die Entwicklung der Figuren ist glaubhaft und ganz wunderbar beschrieben. Ella ist mir besonders ans Herz gewachsen, sie ist selbst eine Außenseiterin und Cal eine Komplizin, die für ihn eintritt und ihn unterstützt.

Sehr beeindruckend fand ich Douglas Stuarts faszinierende Beschreibungen der rauen und kargen Landschaft. Auch der Alltag der Schafzüchter, Fischer und Weber unter den harten Lebensbedingungen ist intensiv geschildert. In vielen Familien entstehen über Generationen hinweg auf den Familienwebstühlen, die mit Trittpedalen angetrieben werden, kunstvolle Kreationen.

Das Buch, in dem es neben einem schwierigen Vater-Sohn-Verhältnis auch um Liebe und Sehnsucht, Scham, Schmerz und Schuldgefühle geht, hat mir sehr gut gefallen, es hat mich gefesselt, erschüttert und zutiefst berührt.

Absolute Leseempfehlung für dieses großartige und tiefgründige Werk!

Studie von Inselmenschen
von Mirko
„John of John“ ist der dritte Roman von Douglas Stuart. „Shuggie Bain“ und „Young Mungo“ waren jeweils rohe Naturgewalten, in denen der Autor seine Figuren in einer schonungslosen Welt gezeigt hatte. Homosexualität spielte eine Rolle und wurde authentisch und ungeschönt in die Erzählungen integriert, ohne das Thema zum Selbstzweck verkommen zu lassen.
Und das ist in „John of John“ nicht anders. Stuart bleibt sich treu. Geändert hat er die Umgebung: Spielt „Shuggie Bain“ noch in der urbanen Welt von Glasgow in den 80er Jahren und „Young Mungo“ in einem Mix aus schottischer Natur und städtischer Umgebung, so verlegt er sein neues Werk in die raue Kulisse der äußeren Hebriden. Das steht dem Roman und den ihn prägenden Charakteren gut.
Im Mittelpunkt steht der junge Cal, der nach einem Kunststudium in Edinburgh zurück in seine Heimat kommt, obwohl er sich von ihr angezogen und gleichzeitig abgestoßen fühlt.
Es geht um den Konfilkt mit seinem Vater, wobei beide ein ähnliches Geheimnis umgibt. Es geht um Familie in all ihren Facetten, es geht um Tradition, um innere Zerrissenheit, um Pflichten und Aufbruch - und Douglas Stuart zeigt dem Leser am Beispiel weniger Personen, wie all dies unser Leben beeinflusst und lenkt.
Er skizziert dies sehr professionell und zeichnet Charaktere, die haften bleiben. Aber als sprachliches Feuerwerk kann man das Werk nicht unbedingt bezeichnen. Es ist solide und modern geschrieben, nicht mehr und nicht weniger.
Stuart geht es vielmehr darum, von den Fallstricken eines Lebens, das sich zwischen Tradition und Moderne bewegt, zu erzählen. Und das wiederum gelingt ihm exzellent.
So ist der Roman wirklich lesenswert und enthält viele bewegende Momente. Die ganz, ganz großen Emotionen sind bei mir aber dennoch nicht geweckt worden. Es hat sich für mich so angefühlt, als sei ich das ein oder andere Mal knapp daran vorbeigeschrammt. Aber dann nahm die Geschichte (auf einer sehr tiefen Ebene) wahrscheinlich einen anderen, für mich eher unverständlichen Lauf. Vielleicht lag es in diesen Momenten aber auch an sprachlichen Barrieren. Wie auch immer, man findet hier genug Wärme und Menschlichkeit, um das Buch letztlich mit einem guten Gefühl zu beenden. Zurück bleibt all das, was im zu Beginn niedergeschriebenen Zitat von Donald Macleod enthalten ist: „ Inselmenschen auf der ganzen Welt sind fürs Exil geboren. Inseln gewähren dir eine privilegierte Kindheit, aber nachdem sie dich zu dem gemacht haben, was du bist, lassen sie dir keinen Platz, um dich auszudrücken.“

Beeindruckend und bedrückend
Beeindruckend und bedrückend

Aufgewachsen auf einer kleinen Insel der Äußeren Hebriden, studierte Cal in Edinburgh, leider ohne anschließend einen Job zu finden. Da kommt die Bitte seines Vaters, nach Hause zurückzukehren, gar nicht so ungelegen. Doch Cal ahnt, dass das Zusammenleben mit seinem Vater John und seiner Großmutter Ella nicht einfach werden wird. John ist in der Kirche sehr aktiv und bibelfest, sodass Cal sich nicht traut, ihm seine Homosexualität zu gestehen. Dabei hat John selbst ein Geheimnis, das ihm zu schaffen macht.

Douglas Stuart hat einen ganz wunderbaren, ehrlichen, direkten Schreibstil, der einen tief eintauchen und nicht an dem Gelesenen zweifeln lässt. Und was man hier zu lesen bekommt, ist harter Tobak. Es tut richtig weh, Cal dabei zu begleiten, sich selbst zu finden. Sein Hadern mit seiner Familie, mit seinem Leben, mit seiner sexuellen Orientierung, seine Unentschlossenheit zwischen Familienbanden und Freiheit lassen sich fast schon mit Händen greifen, so dicht und intensiv werden sie dargestellt.

Es passiert eigentlich nicht viel und doch benötigt die Story die über 550 Seiten, um sich genau richtig zu entwickeln. Ich hätte auch gerne noch mehr davon lesen können, mir war keine Seite zu viel. Die Handlung ist zwar nicht wirklich spannend, aber mich konnte sie so dermaßen fesseln, dass ich in jeder freien Minute nach dem Buch greifen musste. Und auch dazwischen waren meine Gedanken oft bei Cal und John und Innes und den anderen Dorfbewohnern, die auf einem unglaublich kargen Fleckchen Erde ihr Auskommen finden und es miteinander aushalten müssen.

Fazit:
Ein langsamer, intensiver Roman, den man nicht so schnell vergisst.


Wer bin ich, und wer darf ich sein?
von cosmea
Nach einem vierjährigen Kunststudium in Edinburgh kehrt der 22jährige John Calum MacLeod genannt Cal auf Bitten seines Vaters nach Hause zurück, um sich um seine Großmutter Ella zu kümmern. Zu Hause bedeutet für ihn Lewis, eine Insel der Äußeren Hebriden. Cal hat enorme Schulden angehäuft und keine Zukunftsperspektive außer so zu leben wie sein Vater und Generationen vor ihm: mit schwerster Arbeit als Tweed-Weber und Schafzüchter, immer am Rande des Existenzminimums. Cal muss weiter sein Geheimnis vor seinem Vater John und der ganzen Gemeinde wahren, wo jeder alles über die anderen wissen will. John spielt eine wichtige Rolle in der strenggläubigen calvinistischen Gemeinde, wo es üblich ist, einen jungen Mann wie Cal wegen eines angeblichen Fehlverhaltens öffentlich zu stoßen und zu schlagen. Auch sein Vater verliert öfter die Kontrolle und traktiert ihn mit schmerzhaften Fausthieben. Cal hatte vor seinem Weggang einen Geliebten, den jungen Doll Macdonald, der aber nichts mehr von ihm wissen will. Darauf freundet er sich mit Innes MacInnes an, dem besten Freund seines Vaters, der unverheiratet geblieben ist und sich um seinen alten gebrechlichen Vater kümmert. Jeder hat hier ein Geheimnis, wie Cal im Laufe der Geschichte herausfindet. Er erfährt, warum seine Mutter Grace einst seinen Vater und ihn verließ und mit ihrem Schwager eine neue Familie gründete. Er hat sich so nach seiner Heimat gesehnt, aber kann er hier überhaupt leben, ohne sich selbst zu verleugnen und zu verbiegen, nur um die Wärme der vertrauten Gemeinschaft nicht zu verlieren? Wird er in einer solchen Enge ein selbstbestimmtes Leben führen können?
Mir hat dieser atmosphärisch dichte Coming-of-Age-Roman trotz deutlicher Längen gefallen. An äußerer Handlung passiert nicht viel, aber man begleitet Cal gern auf seinem schweren Weg. Den Booker Prize wird der Autor für diesen Roman nicht bekommen, aber eine Leseempfehlung spreche ich trotzdem aus.

Ein typischer Douglas Stuart – und dann auch wieder nicht
Nachdem in den ersten beiden Romanen von Douglas Stuart, 'Shuggie Bain' und 'Young Mungo', vor allem die städtische Szenerie Glasgows mit ihren prekären Lebensverhältnissen vieler Jugendlicher im Mittelpunkt stand, führt uns sein neuer Roman weit hinaus in eine ebenso raue und trostlose Umgebung: auf die abgelegene Insel Isle of Harris in den Äußeren Hebriden. Hier ist der Protagonist Cal aufgewachsen, und hierher kehrt er nach dem Abbruch seines Studiums in Edinburgh zurück. Diese Rückkehr verläuft jedoch alles andere als reibungslos. Seine Extravaganz, seine verborgene sexuelle Orientierung und seine Unangepasstheit stehen im starken Kontrast zur katholischen Strenge seines Vaters John und zur konservativen Inselgemeinschaft. Doch auch John und viele der anderen Bewohner tragen ihre eigenen Geheimnisse mit sich.

Aus dieser Mischung aus Schweigen, unausgesprochenen Konflikten und der kargen Weite der Insel entsteht ein atmosphärisch dichtes und intensives Porträt einer Familie ebenso wie einer ganzen Inselgemeinschaft. Der Roman vermittelt dabei auch Einblicke in das Leben auf der Insel – von der Schafzucht über das Weben von Tweed bis hin zu den Veränderungen durch Tourismus und Umweltfaktoren.

Typisch für Stuart ist die detailreiche, bildhafte Sprache, die eindrucksvolle Stimmungen erzeugt und zwischen Zartheit und Härte, Nähe und Distanz, Humor und Tristesse pendelt. Besonders hervorzuheben ist zudem die Übersetzung von Sophie Zeitz, der es gelingt, die sprachlichen Besonderheiten und die Atmosphäre der Dialoge sehr überzeugend ins Deutsche zu übertragen.

Mit rund 560 Seiten ist der Roman recht umfangreich und wirkt stellenweise etwas langatmig. Dennoch bin ich gerne dabeigeblieben und habe die Geschichte als intensives und eindrückliches Leseerlebnis wahrgenommen.

Alles in allem ein typischer Roman von Douglas Stuart – und gleichzeitig doch wieder ein ganz eigener.

Wie der Vater, so der Sohn
von Miro
Im Zentrum des Romans steht John-Calum, genannt Cal, der auf den äußeren Hebriden aufgewachsen ist, als Sohn von John, großgezogen von seiner Großmutter Ella. Cal hat die Inseln zum Studieren verlassen, aber eine Arbeit findet er nicht. Als Ellas Gesundheitszustand nachlässt, wird er nach Hause gerufen.

Er kehrt zurück zu einem kargen Leben voll harter Arbeit. Schafzucht und Weberei prägen die Tage der Männer. Das Geld reicht vorn und hinten nicht und Cal hat einen Berg Schulden angehäuft während seiner Zeit in Glasgow.

Außerdem prägt die Kirche die kleine Inselgemeinschaft. Sie spendet Trost und Zusammenhalt, kontrolliert die Mitglieder allerdings auch genau. In presbyterianischer Strenge wird darauf geachtet, dass niemand aus der Reihe tanzt. Für Individualität und Freiheitsdrang, wie ihn Cal verspürt, ist hier kein Platz. Doch auch John hütet ein großes Geheimnis, das der Kirche nicht gefallen würde. Dadurch lebt er ein Doppelleben, dass ihn fast zerreißt.

Und auch Cal sollte zu einem Doppelleben gezwungen werden, denn seine Homosexualität kann er auf der Insel nicht ausleben. Vielmehr soll er seine Kindheitsfreundin heiraten, denn die hat sich in andere Umstände gebracht. Loyalität wird über das persönliche Glück gestellt und der Schein muss zwingend gewahrt werden.

Die Beziehung zwischen Vater und Sohn ist von Strenge und Härte geprägt. Sie lieben sich, reden aber kaum miteinander und wenn der Sohn nicht spurt, rutscht dem Vater schon mal die Hand aus. Schön ist das nicht! Doch wenn es drauf ankommt, sind die beiden doch füreinander da.

Diese Buch ist nicht ganz so hart wie Shuggie Bain oder Young Mungo, aber das karge Leben auf den äußeren Hebriden ist auch kein Zuckerschlecken. Diese Heimkehr ist für Cal eine Belastungsprobe nachdem er die Freiheit gekostet hat. In die Enge der Religion will er nicht zurückkehren, aber er ist bereit sich wieder in die Inselgemeinschaft einzugliedern. Er steht unter großem Druck und versucht trotzdem ein Stück weit seinen eigenen Weg zu gehen. Dafür mag ich Cal.

Und selbst John, mit seiner bigotten Strenge ist mir am Ende ans Herz gewachsen, denn auch er kann einfach nicht aus seiner Haut. Er hängt fest in seinen Traditionen und althergebrachten Strukturen. Das macht den Roman schließlich authentisch, denn so sind wir Menschen meistens.

John of John hat mir wieder gut gefallen, obwohl auch dies ein Buch ist, das nicht unbedingt gefallen will. Es ist schonungslos, manchmal kaltherzig und brutal und doch findet sich immer wieder ein Funken Hoffnung. Da ich es nicht so eindringlich wie die beiden Vorgänger empfunden habe, habe ich mich für 4 Sterne entschieden. Vielleicht ist das auch zu streng bewertet, aber es fühlt sich für mich richtig an. Empfehlen kann ich das Buch dennoch ohne Einschränkungen!