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Rezensionen

Rezensionen von Emmmbeee

Autor: Eva Kranenburg

Fragen und Widersprüche - 4 Sterne

1953: Vor kurzem erst ist die DDR gegründet worden, da finden wir die Mädchen Tilla und Rena am Ufer der Saale. Einerseits fühlt Rena sich in ihrem Land und seiner Gesellschaft sicher, da sie an den Sozialismus glaubt, anderseits sehr unsicher deswegen, was denn nun alles erlaubt, was verboten ist, was trotzdem an Gefährlichem möglich sein könnte.
Sie müht sich durch ihr erstes Verliebtsein und versucht, die neugewonnene Freundschaft mit Rena zu erhalten. Gleichzeitig ist da plötzlich eine weibliche Leiche in der Saale.
Und dann: Rena verschwindet, vieles im Zusammenhang mit ihr scheint sich als Lüge zu entpuppen. Mit der Zeit taucht eine weitere Frage auf: Wer ist sie, Tilla, selbst? Fragen über Fragen, und niemand, der Antwort geben will.
Als Österreicherin habe ich vom Leben in der DDR nicht allzu viel mitbekommen, nur was man uns erzählt hat und was vereinzelt in den Büchern zu lesen war. Dass es am 17. Juni 1953 dort einen Volksaufstand gegeben hat, wusste ich bisher nicht. Dieser Roman nun gibt authentische Einblicke in das Leben und das Denken der Menschen von damals samt ihrem Zweifeln.
Bei dieser Geschichte über einen totalen Umbruch und das Ergebnis der Erkenntnisse war ich als Leserin mittendrin, habe um die gefährdeten Personen mitgebangt. Eva Kranenburg bezieht zwar keine persönliche Stellung zur DDR, legt aber ihren Finger auf Wunden wie Auschwitz und die teils krasse Ungleichheit in der damaligen Sowjetunion. Und zwar indem sie Tilla geheime Akten lesen und ihren Vater von seinen Erlebnissen und nicht zuletzt seiner bisher für Tilla verborgenen Ideologie erzählen lässt.
Trotz aller Spannung, besonders im letzten Viertel des Buches, habe ich etliche Stellen als langatmig empfunden und quergelesen. Auch Hauptthema sah ich keines, es ging um mehrere Erzählstränge, denen nicht gleich viel Gewicht zugestanden wurde. Hauptsächlich geht es um Tilla selbst, ihre jugendlichen Nöte, ihr Leben mit dem verwitweten Vater, den Mädchen auf dem Schulhof und um Roman, der noch pubertär zwischen dem Bild eines einsamen Menschen und seinen Versuchen männlicher Dominanz schwankt.
Eher an den Rand gedrängt wird nach Rena geforscht, die unauffindbar zu bleiben scheint. Was mir sehr gefiel, war, dass die Details am Rand zusätzlich Farbkleckse in die Lektüre streuen und den Lesestoff speziell machen. Tilla in ihren Nöten ist ausgezeichnet geschildert, Rena, der Vater, Roman und Rupert farbig skizziert, beinahe haptisch. Auch war ich dankbar für den historischen Kontext am Ende des Buches, der bei mir einige Wissenslücken schloß.
von Emmmbeee - 2026-06-19 18:01:00
Autor: Manik Sarkar

Leidenschaftlich, aber stur - 4 Sterne

Seltsam – zuerst fiel mir eine gewisse Ähnlichkeit zwischen dem Rinderkopf auf dem Cover und der Stirn auf dem Autorenfoto auf. Und dann habe ich mit Vergnügen den Roman über einen recht sturen, aber sehr begabten Metzger gelesen. Begabt ja, für das Fleisch und seine Be- und Verarbeitung, aber der zwischenmenschliche Bereich fällt dem jungen Rensing halt verflixt schwer. Zwar hat er mit seiner Frau eine kluge Person an seiner Seite, aber das anzuerkennen, fällt ihm schwer. Doch es gibt eine gewisse Handlung, die ihm die Kraft für die richtigen Entscheidungen gibt…
Ich habe mich beim Lesen öfters köstlich amüsiert. Der unaufgeregte, ruhige Stil hat mich davongetragen, die Bilder sind stark und eindrücklich, die Charaktere eingängig gestaltet. Zudem interessieren mich Menschen am Rand der sogenannten „Normalität“ ohnehin viel mehr als alle anderen. Rensings Kampf gegen den Supermarkt bzw. seinen abgewanderten Kundenstock nimmt groteske Ausmaße an. Die Vernunft ist zwar bei seiner Frau durchaus beheimatet, doch es fällt ihrem Gatten schwer, das anzuerkennen. Einerseits der ruhig fließende Erzählton, andrerseits das viele Neue, das den Metzger zum Umdenken zwingen will, ihm immer mehr zusetzt und ihm innere Stürme beschert.
Von mir aus hätte auf die junge, praktisch veranlagte Metzgerstochter und nun Ehefrau Jacomine und auf eine andere Außenseiterin, Jans, mehr eingegangen werden können.
„Sturkopf“ ist lustig und traurig zugleich, weil ein so hingebungsvoller, begabter Mensch immer wieder scheitert. Auf jeden Fall ein ungewöhnliches Thema, kurzweilig und lesenswert, mit Blick auf die Einzelheiten, gestaltet. Der Einblick in das Metzgerhandwerk und wie ein Handel dabei vonstattengehen kann, hat mein bescheidenes Hausfrauenwissen überdies erweitert.
Von diesem Autor möchte ich mehr lesen. Gern empfehle ich den Roman weiter.
von Emmmbeee - 2026-06-17 11:47:00
Autor: Ann Packer

Schwerer letzter Lebensabschnitt - 4 Sterne

Eine Frau, todkrank, will ihre allerletzten Tage nicht mit dem Mann verbringen, der sie während ihres gemeinsamen Lebens immer geliebt und umsorgt hat, sondern mit ihren besten Freundinnen. Das stößt ihn natürlich vor den Kopf und enttäuscht ihn sehr. Er beginnt sich selbst unbarmherzig zu hinterfragen und muss schmerzhafte Selbsterkenntnisse aushalten.
Es geht um Treue im engsten Sinn, um Liebe, Frauenfreundschaft, Solidarität und Hilflosigkeit, besonders auf Seiten des Ehemannes. Dramatik und Traurigkeit sind von Anfang an dabei.
Vieles aus der Vergangenheit wird wieder aufgewühlt, erlangt neue Dimensionen, erschwert das Zusammenleben und das Bedürfnis, für die todgeweihte Ehefrau da zu sein.
Die Lektüre hat mich tief aufgewühlt. Weil ich Ähnliches aus meinem Bekanntenkreis kenne, kann ich vieles nachvollziehen, aber nicht alles. Die Spannung ist sehr hoch gehalten, und das, was so schwierig zu fassen ist, hat mich selbst tief bedrückt. Ich denke, den meisten Lesern, die sich ernsthaft auf den Roman einlassen, wird es mehr oder weniger so ergehen.
Die Autorin versteht es, sensibel ein äußerst diffiziles Thema anzupacken und dennoch wahrhaftig zu bleiben. Die Figuren von Claire und Eliot sind besonders nahegehend gezeichnet, auch, was ihre Ehe ausgemacht hat, ist verständlich und einfühlsam beschrieben.
von Emmmbeee - 2026-06-16 18:42:00
Autor: Vera Zischke

Aus Not wird Tugend - 4 Sterne

Im Klappentext steht, dass die Autorin einen autistischen Sohn hat, und auch Leo, der Sohn der Protagonistin Pina, ist einer. Aus eigener Erfahrung und Anschauung ist dieser Roman entstanden und wirkt deshalb auch so wahr.
Was ist, wenn die einzige Person, die einen Autisten versteht und mit ihm umgehen kann, durch eine Krankheit, einen Unfall oder ein anderes Vorkommnis ausfällt? Auf sich allein gestellt kann Leo seinen Alltag nicht bewältigen. Er braucht zumindest die Menschen, die um ihn herum leben und die er ein wenig kennt, die ihm zumindest vertraut sind. Doch diese sind hilflos, denn bisher interessierten sie sich keinen Deut für seine Behinderung. Und schon gar nicht wollen sie aus ihrer (ohnehin eher kleinen) Komfortzone heraustreten. Doch nun ist es notwendig geworden, dass sie einfach handeln müssen.
Vera Zischke ist es durch die Darstellung der Krankheit Autismus gelungen, dass der Leser sich für sie und die Betroffenen zu interessieren beginnt und von der Lektüre zutiefst berührt wird. Die Autorin schildert, wie die Hausgemeinschaft sich aufrappelt, zuerst hilflos reagiert und schließlich gemeinsam herausfindet, was nun zu tun ist. Besonders schön fand ich, wie Leos Charme nach und nach die Mitbewohner für sich einnahm und der neuen Situation einen gewissen Glanz und viel Freude verlieh. Das Zusammenfinden der Hausgruppe macht schließlich aus der Not eine Tugend: Gemeinsamkeit, Inklusion.
Die thematische Schwere wird durch einen leichten Ton im Schreibstil gemildert, ohne die Tragik des großen und leider ziemlich allgemeinen Unverständnisses in der Gesellschaft zu nehmen. Die Spannung baut sich schon ziemlich schnell auf. Mir gefiel, wie die Personen gezeichnet sind und wie schnell ich mitten in der Geschichte war.
Das Thema Inklusion ist nicht erst in letzter Zeit so aktuell. Es ist vor allem auch höchste Zeit, dass wir uns vermehrt damit auseinandersetzen. Inklusion nützt gar nichts, wenn sie nicht gelebt wird. Und keiner von uns sollte vergessen, dass wir alle in irgendeiner Form eigen sind. Denn was ist schon „normal“?
von Emmmbeee - 2026-06-06 14:26:00
Autor: Greta Herrlicher

Wiedersehen nach 20 Jahren - 4 Sterne

Man kann das Gerüst dieses Romans mit folgenden Schlagworten umreißen: drei Kindheits-Freunde, ein Sommer, eine Schuld, Wiedersehen nach zwanzig Jahren, Umgehen mit der Vergangenheit. Natürlich geht es um viel mehr, doch das sollte man selbst erlesen, und das ist auch das Schöne an einer Lektüre.
Schon das legere Narrativ hat es mir angetan. Selbst schwierigste Themen wie der Tod drücken den Ton nicht hinunter, sondern es bleibt ein unaufgeregtes, luftig-leichtes, teils heiteres Erzählen, das mich mit sich genommen hat: sehr lebendig, manchmal fast sprudelnd-erfrischend und durchaus haptisch. Was nach dieser langen Trennung ans Licht gespült wird, gibt der Geschichte Drive, Emotion und Spannung. Dazu der Wechsel zwischen Vergangenheit und spannender Gegenwart, der mich regelrecht gefesselt hat.
Farbig, deutlich, sinnlich werden die Personen gezeichnet, und man weiß gar nicht, wer von den Hauptprotagonisten die meiste Sympathie verdient. Die Schwierigkeiten der Vergangenheitsbewältigung werden dem Leser verständlich vorgelegt. Es ist ja in diesen 20 Jahren so viel geschehen, und jeder der drei Freunde hat sein eigenes Leben bzw. Schicksal hinter sich, von dem die zwei anderen kaum etwas wissen.
Was den Band besonders macht, ist der Farbschnitt und die Illustration im Buchinneren. Das Cover zeigt einen deutlichen Schnitt zwischen Kindheit und Erwachsenenwelt, gefällt mir sehr. Eine Sommerlektüre mit Tiefe, die ich gern weiterempfehlen werde.
von Emmmbeee - 2026-05-29 11:02:00
Autor: Francesca Giannone

Tolle Frau! - 3 Sterne

Während meiner Ferien verdiente ich mir mehrere Jahre lang ein wenig Geld mit Post austragen, und ich kann gut nachvollziehen, wie es Anna bei ihrem Beruf ergangen ist. Im Gegensatz zu mir, die in der eigenen Stadt tätig war, befindet sich eine Norditalienerin im tiefsten Süden, wo Land und Leute so unterschiedlich sind. Dort muss man sich erst daran gewöhnen, dass sie als Frau arbeitstätig ist. Nicht jeder im Dorf ist davon begeistert. Anna fühlt sich lange Zeit fremd und hat ihre Mühen mit der neuen Umwelt.
Doch bei Anna kommt noch hinzu, dass die unterdrücken muss, was sie für ihren Schwager Antonio empfindet. Daneben ist ihr Ehemann Carlo und das gemeinsame Söhnchen Roberto. Da kommen die unterschiedlichsten Gefühle ganz schön ins Laufen.
Francesca Giannone hat einen sehr interessanten Reigen an Personen geschaffen, und alle sind sehr farbig und lebhaft geschildert, ihre Charaktere plastisch gezeichnet. Manche treten sehr deutlich, fast haptisch vor den Leser hin, andere bleiben fast vom Nebel verhüllt. In wenigen Sätzen entwirft sie die apulische Landschaft. Der Schreibstil ist frisch, die Spannung sorgt recht bald für Tempo und Schwung. Manchmal glaubt man zu riechen, was gerade in der Küche zubereitet wird. Ich habe von Anfang an mitgelebt und war mittendrin. Vielleicht hat dazu auch mitgewirkt, dass die Autorin in diesem historischen Roman von ihrer eigenen Großmutter erzählt. In Rückblicken ersteht die Familie neu und frisch, als sei alles erst gestern gewesen.
Das Buch würde ich all jenen Menschen in die Hand legen, die Italien und Familiengeschichten lieben.
von Emmmbeee - 2026-05-14 18:33:00
Autor: Lea Korsgaard

Achtsamkeit und Aufmerksamkeit - 4 Sterne

Schmetterlinge sind wunderschöne, aber auch sehr zarte Geschöpfe, man sollte ihre Flügel auf keinen Fall berühren. Noli me tangere – rühr mich nicht an! Achtsamkeit und größte Sorgfalt ist geboten.
Die Autorin möchte alle Schmetterlinge Dänemarks kennenlernen, dabei hat sie eine Familie, die ihr einiges abverlangt, ganz normal. Doch kommt sie auf ihrer Suche mit vielerlei hilfreichen Menschen zusammen. Nicht zuletzt lernst sie dabei auch sich selbst besser kennen.
Allerdings: die vorgeschlagene Liste habe ich nicht angelegt und habe es später bereut, denn bald hatte ich die Übersicht über die verschiedenen Arten verloren. Immerhin schalte ich jetzt einen Gang herunter, nicht nur, wenn ich mich in der Natur aufhalte und spazieren gehe, sondern auch in der Begegnung mit jeglicher Kreatur. Lea Korsgaards Botschaften sind denn auch vielschichtig und vielfältig, und man sollte nicht durch die Seiten rasen, sondern beim Lesen entschleunigen.
Das Buch bekam ich geschenkt und dachte erst, das ist ein trockenes Sachbuch, etwas über Natur und vielleicht Landschaft, aber es ist viel mehr als das. Die Themen, die angeschnitten und behandelt werden, sind vielschichtig, interessant und wichtig. Die Autorin Lea Korsgaard stellt sich diesen Themen, rüttelt ihre Leser ein Stück weit auf. Ich merke, dass ich jetzt aufmerksamer und bedachter selbst dem kleinsten Geschöpf begegne. Zudem ist der Text in einem Stil geschrieben, der nie langweilig oder langatmig wird. Ich habe es gern gelesen und würde es jederzeit weiterempfehlen.
von Emmmbeee - 2026-05-08 09:32:00
Autor: Trude Teige

Eine starke junge Frau - 4 Sterne

Den Roman „Der Gesang der See“ habe ich als Hörbuch genossen. Das macht durchaus einen Unterschied zum Lesen. Denn ein Sprecher kann unter Umständen so modulieren und betonen, dass manche Stellen deutlicher hervorgehoben werden, ja sogar spannender sind als wenn jemand vielleicht bereits müde oder abgelenkt ist und über eine Stelle hinwegliest, die von Bedeutung gewesen wäre.
Kristiane ist die Witwe eines Lotsen und könnte das Lotsenamt weiterführen, wenn sie ein Mann wäre, denn am Können fehlt es ihr nicht. Damit die Familie vom Lotsendienst leben kann und ihr die Plakette erhalten bleibt, müsste sie nochmals heiraten. Natürlich sind da potenzielle Bräutigame, doch Kristiane will sich nicht nötigen lassen. Denn vom künftigen Ehemann hat sie ihre eigenen Vorstellungen.
Auch mit Neuerungen verschafft sie sich nicht nur Freunde, kann sich jedoch schließlich gegen mächtige Inselbewohner durchsetzen. Sie stemmt sich gegen die Machtlosigkeit, in der die Frauen zu dieser Zeit immer noch gefangen sind, keine Stimme haben, vieles einfach nur hinnehmen können und von den Männern bestohlen und misshandelt werden. Hier zeigt sich die Stärke einer Frau, die es mit Männern aufnehmen kann. Im Stillen habe ich der Heldin, denn das ist Kristiane, wiederholt applaudiert.
Was ich an den Werken von Trude Teige so schätze, ist ihr Erzählstil. Ihre Texte sind unaufgeregt und ruhig, aber voller Leben und Farbe und Tempo. Sie schildert die Menschen, wie auch ihre Leser ähnlichen Charakteren bereits begegnet sind. Man weiß, so und genauso sind und handeln sie
Schon drei andere Romane von Trude Teige habe ich gelesen und war jedes Mal begeistert. Sie ist eine großartige Erzählerin, und ich habe in den Personen immer wieder ähnliche, mit bekannte Menschen erkannt und konnte die einzelnen Entscheidungen der Protagonisten nachvollziehen. Gleichzeitig ist eine Küstenlandschaft vor mir entstanden, die wild und schön, aber auch herausfordernd ist.
von Emmmbeee - 2026-05-04 18:09:00
Autor: Rhiannon Lucy Cosslett

Nicht eitel Sonnenschein - 3 Sterne

Alessia, Iris, Helena, Sophie: vier Namen, die gut nach Griechenland passen. Vier junge Frauen, Freundinnen, die das Ende der Junggesellinnenzeit von einer von ihnen miteinander begehen, und das auf einer griechischen Insel, im südlichen Licht. Und damit kommt der Leser gleich zu Sophie, der Malerin. Sie hat einen Partner, Greg, der seinen Kinderwunsch mit Nachdruck verfolgt. Das aber widerspricht dem künstlerischen Streben von Sophie, die mit Nachwuchs behaftet am Malen gehindert wäre.
Auf der Insel fertigt Sophie ein Portrait von Alessia an, doch es gibt Streit zwischen ihnen, und das wirkt sich auf das Gemälde aus. Auch das Liebesabenteuer mit dem Griechen Ky geht nicht spurlos an der Protagonistin vorüber. Und nach den ersten fünf Tagen kommen die Männer der vier Frauen nach.
Zwischen den Kapiteln immer wieder Begegnungen mit den Werken von tatsächlich existierenden oder existiert habenden Malerinnen, Gedanken dazu, Kommentare, Zustimmung, Ablehnung, sogar Identifikation. Auch sie wollten nichts anderes als ihrer Kunst zu leben.
Viele Themen unserer Zeit werden angesprochen, manches bleibt an der Oberfläche. Das Buch wäre damit auch überfrachtet. Die Farben der Insel, das Inselgefühl, die Hitze, das Licht sind wunderbar beschrieben. Der Verlauf ist jedoch nicht straff durchgezogen, die Handlung hat meiner Meinung nach einige Hänger, manches ist vorhersehbar. Der Text scheint mir ein wenig zu sehr auf Frauen zugeschnitten. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass er auch von Männern gern gelesen wird.
Es ist eine unaufgeregte Sprache, einmal leicht dahinplätschernd, dann wieder durchwirkt von ungewohnten Ausdrücken wie „Hangxiety“ und langen Absätzen, die zum Überfliegen verführen. Mir scheint das Werk insgesamt noch unausgereift, und ich vermisse eine gewisse Homogenität. Aber schließlich ist es ein Erstling, der hoffen lässt.
Das Cover gibt nicht viel preis, vermittelt aber einen mediterranen Eindruck, der an Badeferien denken lässt.
von Emmmbeee - 2026-04-30 17:48:00
Autor: Martina Bogdahn

Heiter, aber allzu brav - 3 Sterne

Der Pfarrer stirbt, seiner Haushälterin, schon seit frühen Kindertagen mit ihm befreundet, wird dadurch aber nicht langweilig. Denn noch vor der Beerdigung steht bereits ein junger Nachfolger aus dem hohen Norden zu nachtschlafender Zeit vor der Tür. Fürs erste scheint es keine größere Sorge zu geben als sein unverständliches Plattdeutsch. Und so muss die Messfeier eben in lateinischer Sprache gehalten werden, und für die Predigt tut es auch ein herausgerissenes Blatt aus einem italienischen Kochbuch (Minestrone).
Durch alle Seiten hindurch zieht sich der Duft von kochender Mirabellenmarmelade, und das hat mir sehr gefallen, denn auch ich liebe dieses Aroma heißer Früchte seit meiner Kindheit. Wie Perlen auf einem Rosenkranz reihen sich in einem fort diverse Histörchen und Geschichtlein aneinander. Es sind Hunderte, und man könnte aus dem Schmunzeln gar nicht mehr herauskommen.
Nur: Wie auf die brave ältliche, aber mit ihren 54 noch keineswegs alte Pfarrersköchin zugeschnitten sind alle so harmlos wie Kinderwitze. Eine Pfarrersköchin, deren Markenzeichen ihr hellblaues Wollkostüm ist, verfügt wohl auch über keine aufregenden Erinnerungen. Ein wenig mehr Spannung, ab und zu ein kräftiger Kick, vielleicht zwischendurch noch eine Prise Paprika hätten dem Roman bestimmt gutgetan. So habe ich des Öfteren querfeldein gelesen und mich manchmal gelangweilt. Dieses Buch liest sich leicht-seicht, man möge mir verzeihen.
Doch wer diese Art von literarischer Unterhaltung gerne mag, dem seien die „Mirabellentage“ herzlich empfohlen.
von Emmmbeee - 2026-04-06 16:15:00