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Rezensionen

Rezensionen von BR

Autor: Horst Evers

Ohrwurm-Alarm - 4 Sterne

Sobald ich dieses Buch in die Hand nahm, hatte ich einen Ohrwurm. Da das ein toller Song ist war das aber gut auszuhalten. Ich gehöre zu der Generation die diesen Hit und seine Bedeutung live erlebt hatten.

Schon die Geschichte mit der Namensgebung von Hope Joanna ist ne Wucht und definiert ihre Eltern als typische Berliner mit Herz und Schnauze und viel Humor. Der Fall selbst ist eher skurill aber diese Berliner Schnoddrigkeit, der Wortwitz und der rauhe Umgangston führen uns Leser mitten rein in fremde Welten.

Ich habe mich bei dieser Jagd durch Berlin recht wohlgefühlt und dieses Trio mit Hope, Zecke Neuendorf und die Kommissar-Anwärterin Siri liebgewonnen. Ich kann mir gut vorstellen dass sie weitere Fälle angehen. Zumal direkt in ihrem Umfeld der Kollege Lannert spurlos verschwunden ist und es da wohl was zu ermitteln gäbe.
von BR - 2026-06-07 19:24:00
Autor: Lucy Steeds

beeindruckend - 4 Sterne

Der junge englische Journalist Joseph Adelaide reist in die Provence zu dem zurückgezogen lebenden Maler Edouard Tartuffe. Dieser ist für die Kunstwelt vollkommen unnahbar und Joseph ist sehr aufgeregt dass er nach vielen Anfragen nun eine Einladung von ihm bekommen hat. Der Maler selbst will mit Joseph nichts zu tun haben und schickt ihn weg. Joseph erkennt dass seine Einladung von der Nichte des Malers stammt, Ettie. Geschickt bietet Ettie ihrem Onkel, Tata, den jungen Mann als Modell für ein geplantes Gemälde an und der Maler nimmt die Gelegenheit wahr. So verbringt Joseph viele Wochen über den Sommer im alten Bauernhaus und lernt die Arbeit und die Eigenheiten des Malers kennen.

Langsam erfahren wir auch die Hintergründe dafür dass Ettie nach dem Weggang ihrer Mutter vollkommen ohne eigenes Leben in der ländlichen Einsamkeit bleibt. Sie war sieben Jahre alt als ihre Mutter fort ging und die Kleine bei ihrem Bruder zurück ließ. Dieser hatte keinerlei Verständnis für die Bedürfnisse und Trauer des Mädchens die darauf hoffte dass die Mutter zurück kommt. Im Gegenteil, er nötigte sie dazu kochen zu lernen und sich um alles im Haushalt zu kümmern.
Besonders ungerecht war Tata zu ihr als er ihr das malen verbat und ihre Pinsel zerbrochen und Stifte weggenommen hat. Es ist schwer auszuhalten dass Ettie so gebunden an dieses Anwesen ist und ihr Leben damit verbringt, alles rund um den Maler zu organisieren, richten und erledigen.

Ich kenne sowohl die Provence als auch die Kunst die dort entstand wie Van Goghs "Brücke von Arles". Diese Kunstszene zum Ende des 19. Jahrhunderts ist in dieses Buch sehr gut eingeflossen. Die trockene Landschaft mit den gelben Feldern, der weite Himmel, die Einflüsse der Düfte und des Lichts sind sehr treffend und bildgewaltig beschrieben. Die Entstehung der Gemälde und Josephs Beobachtungen erzeugten eine Sogwirkung ebenso wie das Miteinander, die Spannungen und die Geheimnisse zwischen den drei Hauptfiguren.

Nicht gefallen hat mir eine Szene in der "Kunstinteressierte" auf dem Hof eingefallen sind und sich benommen haben wie eine offene Hose. Vollkommen überspannt und es hat meiner Meinung nach dem Erzählfluss nicht gutgetan. In der Summe hat mich diese fiktive Geschichte aber beeindruckt.
von BR - 2026-05-11 10:24:00
Autor: Helena Falke

originelle Grundidee - 3 Sterne

Lis Castrop ist Weltklasseköchin und hat eine wichtige Stellung in einem Londoner Edelrestaurant. Da Lis aber eine Tochter hat nutzt sie die Chance zu einer Festanstellung bei einer sehr reichen Familie. Beide können bei der Familie Harman wohnen und Cosima wird dadurch eine Top Schulbildung geboten.

An Silvester bereitet Liz in dem Feriendomizil in Davos ein aufwendiges Menü zu. Dabei erliegt die gesamte 4-köpfige Familie Harman einer Vergiftung. Das verwendete Gift ist so hochwirksam dass schnell klar ist dass auch Lis, obwohl sie überlebt hat, daran versterben wird. Es kommt hinzu dass Liz als Köchin selbst im Verdacht steht das Gift angewendet zu haben. Der Leser erlebt mit Liz diese 5 Tagen in einer Luxusklinik in Davos.

Lis nutzt die restlichen Zeit um dem Hintergrund dieser Tat auf die Spur zu kommen. Unterstützt wird sie dabei von der Pflegerin Esme. Mit ihren Gedanken und Recherchen im Internet lernen wir Lis’ Welt in den letzten Jahren kennen. Was sich im Restaurant und später innerhalb der Familie abgespielt hat. Auch Konflikte zwischen Personen, die vielleicht ein Tatmotiv zum Mordanschlag liefern könnten. Bei den Ereignissen in der Vergangenheit hatte ich den Eindruck, dass Lis immer wieder ausgenutzt wurde. Sowohl von den Mitgliedern der Familie Harman als auch ihrem Chef im Edel-Restaurant.

Die Grundidee dass Lis genau weiß dass auch sie an der Vergiftung sterben wird und aus dieser Situation heraus nach dem Täter sucht, fand ich schon sehr originell. Allerdings fand ich die Geschichte trotz der ablaufenden Zeit recht zähfließend.
von BR - 2026-04-13 12:52:00
Autor: Maxim Leo

amüsant - 4 Sterne

Einatmen. -
Die Figur der Marlene Buchholz ist schon richtig originell angelegt. Ihr Unverständnis anderen Menschen gegenüber, ihre Konzentration ausschließlich auf die Arbeit und die Tatsache dass sie keinerlei soziale Kontakte sucht. Dies ist nicht ideal für die Führung eines erfolgreichen Konzernes. Und deshalb wird sie auf ein Achtsamkeits-Seminar geschickt. Ich habe interessiert und mit einem Schmunzeln Marlene dabei beobachtet wie sie sich in diesem Seminar zurechtfindet.

Vor Ort hat sie viele skurrile Begegnungen mit Alex Grow, dem Seminarleiter und weiteren Personen rund um die Academy. Ein bisschen versteckt findet sich aber auch Tiefe in dem Miteinander der verschiedenen Figuren.

Mich hat diese humorvolle Geschichte amüsiert. Dabei sollte man Marlenes Entwicklung nicht bierernst nehmen.
- Ausatmen.
von BR - 2026-04-06 16:54:00
Autor: Wencke Mühleisen

kein angenehmes Lesen - 2 Sterne

Die körperliche Nähe war schon lange aus der Ehe von Erika und Jan verschwunden. Trotzdem kam es für sie sehr überraschend als Jan ihr an einem letzten Urlaubstag offenbarte dass er seit ca. anderthalb Jahren eine Beziehung mit der jüngeren Marie hat.

Mich haben zwei Dinge gestört: Zum einen der Schreibstil mit vielen verschachtelten, langen Sätzen. Ich wollte ein Beispiel zitieren habe dann aber aufgrund der Überlänge nur die Anzahl der Worte gezählt: 94 Worte! (Seite 92/93) Was soll man mit solch einem Satz anfangen?
Und die Hauptperson Erika deren Gedanken die ganze Geschichte tragen blieb mir unsympathisch. Wir lesen die ganze Zeit larmoyante und aggressive Betrachtungen ihrer jetzigen Situation. Besonders ihre Gedanken Marie gegenüber waren derbe und beleidigend.
Es war für mich kein angenehmes Lesen so dass ich froh war dass das Buch weniger als 200 Seiten hatte.
von BR - 2026-03-23 15:22:00
Autor: Kea von Garnier

Erwartungen - 4 Sterne

Die Geschichte wird von dem 16-jährigen Dominik in der Ich-Perspektive erzählt und ich fand seine Gedankenwelt sehr stimmig dargestellt. In diesem Sommer wird ihm bewusst dass die Schule bald endet und er langsam ins Erwachsenenleben startet. Ihn beschäftigen Erwartungen und Zweifel an Zukunft, Freundschaften und erste Liebe wie sicher die meisten in dieser Lebensphase.
Bei ihm kommt erschwerend hinzu dass quasi schon festgelegt ist dass er den Bestatterberuf ergreift um das Bestattungsinstitut seines Vaters fortzuführen. Dies macht ihm richtig Angst denn für ihn würde es wohl bedeuten, dass er nie aus seinem ländlich, dörflichen Umfeld herauskommen würde.

Dies hat mich angesprochen, weil ich vor ca. 30 einen jungen Mann kannte, der genau vor dieser Herausforderung wie Dominik stand. Und ich weiß, dass er inzwischen der Chef des elterlichen Bestattungsinstuts ist.
Hier in der Geschichte hat sich Dominik in diesem schwierigen und ereignisreichen Sommer deutlich weiterentwickelt und ich traue ihm zu dass er seinen Weg finden wird.
von BR - 2026-03-09 13:50:00
Autor: Kira Mohn

Spannungen - 4 Sterne

Beim Titel „Alle glücklich“ in Verbindung mit dem Klappentext wird dem Leser schnell klar dass alles andere als das zutrifft. Die Hauptlast für die Familie trägt wohl die Mutter Nina. Sowohl der Ehemann Alexander als auch der 19-jährige Ben und die 16-jährige Emilia nehmen sie nur in ihrer Organisationsrolle für den Haushalt wahr. Erst als Nina aus dieser Rolle ausbricht bröckeln die Abläufe in der Familie und es gibt Unruhe im Alltag der anderen drei.

Besonders unsympathisch fand ich Alexander, der als Oberarzt überheblich und arrogant rüberkommt. Und das sowohl zu den Kolleginnen in der Klinik als auch gegenüber seiner Ehefrau. Dies zeigt ein Zitat aus dem Kapitel 20 »Was weißt denn du von einem Vollzeitjob? Was weißt du von der Verantwortung, die jeden Tag auf mir liegt? Ein paar Stunden als Sprechstundenhilfe in einer gemütlichen Praxis lassen sich wohl kaum mit einer 60-Stunden-Woche vergleichen!« Dabei hatte Nina genau wie er Medizin studiert aber wegen der ersten Schwangerschaft unterbrochen und die geplante Wiederaufnahme des Studiums scheiterte mit der Geburt ihrer Tochter.

Die Erzählweise jeweils aus der Sicht aller vier Familienmitgliedern hat die Charaktere gut dargestellt. Die Spannungen und das Unverständnis füreinander kam deutlich zum Vorschein und so begleiten wir alle in die recht schmerzhaften Veränderungen.
von BR - 2026-02-24 10:28:00
Autor: Jessica Berger Gross

heftig - 3 Sterne

Die Familie Blum war gerade aus Brooklyn in eine Kleinstadt gezogen weil der Vater eine bessere Anstellung fand, die Lebenskosten deutlich günstiger waren und man für beide Kinder eine gute Schulbildung im Auge hatte. Hazel sollte dort ihr letztes Schuljahr absolvieren und eine Grundlage schaffen um danach auf eine gute Hochschule zu wechseln.

Die titelgebende Szene im Schulleiterzimmer wurde schon im Klappentext beschrieben. Das Verhalten des Direktors hat direkt beim Lesen Beklemmung hervorgerufen und man war fassungslos dass es sowas gibt. Und auch dass er dies schon einige Jahre so gehandhabt hat. Hazel sagt Nein und ab da ist nichts mehr wie vorher.

Sonderbarerweise gibt es weder einen kollektiven Aufschrei der anderen Eltern noch werden Konsequenzen und Aufklärung gefordert sondern auf allen Ebenen gibts Anfeindungen und Hass gegenüber der Familie Blum. Sogar noch Solidaritätsbekundungen für diesen netten Schulleiter, der der Schule so viel gutes getan hatte. Man hört z.B. nichts von Schülerinnen, die sowas in den Vorjahren erlebt hatten. Erst als das Ereignis im weiteren Umfeld öffentlich wird flammt eine passende Empörung auf.

Die Familie ist in der Situation gefangen, sie würden am liebsten ihre Umsiedlung rückgängig machen. Aber die Anstellung des Vaters und die Finanzierung des Hauses können nicht einfach zurück abgewickelt werden.

Vom Schreibstil her hat mir das Buch gut gefallen, trotz des harten Themas gab es auch humorvolle Szenen. Die Wendung die sich circa nach der Hälfte des Buches entwickelt hat, hätte ich so nicht gebraucht.
von BR - 2026-02-18 12:05:00
Autor: Gisa Klönne

Unzufriedenheit - 3 Sterne

Kora lebt seit vielen Jahren in Anselms Elternhaus in Köln während er zur Arbeit nach Berlin pendelte und nur am Wochenende zuhause war. Doch nun hat sich für Kora ihr vertrautes Leben verändert. Sie selbst musste eine schwere Zeit mit einer Herz OP überstehen und dass Anselm mit einer Frühverrentung jetzt ständig in Köln lebt hat sie komplett überrumpelt.

Von Anfang an merken wir dass Kora sich von ihrem Mann Anselm entfernt. Gleich mit der hastigen Abreise zu einer Einladung einer langjährigen Kollegin nach München. Sie hängt direkt einen Abstecher zu einem Bekannten dran der Kora unbedingt in die Suche nach seiner verschwundenen Frau einbinden will. In ihrer Beziehung geht sie auch auf Abstand. Sie lässt Anselm im Ungewissen wohin und warum sie verreist und die Grüblereien über die Beziehung teilt sie nicht mit ihm.

Ich habe mir schwergetan mit dieser Geschichte, besonders weil ich Kora mit ihrer Unzufriedenheit und ihren Gedankengängen nicht verstehen konnte. Ich bin genau in diesem Alter und finde dass man bis dahin schon viel darüber gelernt hat wie sich das Leben verändert. Man kennt die Gefahr von Verlust und Krankheit und spürt dass Möglichkeiten und Ziele etwas enger werden. Aber man tut gut daran, die Dinge zu schätzen die man hat und die gut sind. Auch eine gute Beziehung oder gute Freundschaften sind sehr wertvoll und man sollte schon etwas Mühe investieren.
Immerhin hatte ich zum Ende hin den Eindruck dass Kora mit ihrer Unruhe und allen Zweifeln doch auf einen Weg zurück gefunden hat.
von BR - 2026-02-09 23:01:00
Autor: Max A. Edelmann

Anwalts-Milieu - 5 Sterne

Das Cover gefällt mir wirklich gut: minimalistisch in schwarz-weiß, ein paar senkrechte Linien mit einem skizzierten Mann unten, als Symbol des tödlichen Sturzes. Dieses Motiv wird an jedem Kapitelanfang mit einer laufenden Nummer wiederholt.

Das Thema ist der tödliche Sturz des Anwaltes Thomas Siebenmorgen im Foyer einer Anwaltskanzlei. Für mich steht der titelgebende Unsichtbare Elefant für "Was war da los in dieser Kanzlei?"
Es machen sich drei Protagonisten auf die Suche nach Hintergrundinformationen.
- Maria ist eine Kollegin die besonders in ihrer Anfangszeit in der Kanzlei von Thomas viel Unterstützung hatte. Sie musste den Sturz leider mit ansehen und hadert mit der Frage ob sie ihm noch hätte helfen können.
- Viktor wird von der Polizei beauftragt zur Krisenintervention um Betroffene vor Ort und im privaten Umfeld zu betreuen.
- Simon wird von der Anwaltskanzlei selbst beauftragt um intern zu ermitteln, inwieweit der Arbeitsbereich oder einzelne Kollegen einen Anteil an der Verzweiflung hatten.

Die kurzen Kapitel im Buch fand ich sehr gut, sie haben das Lesen flüssig gestaltet. Alle drei Hauptfiguren waren mir sehr sympathisch. Sie haben sich mit Thomas’ Leben und Arbeiten weitreichender befasst als es ihre Aufgabe verlangt hätte. So kommen sie dem Menschen Thomas Siebenmorgen nahe und alle drei bringt es zu Rückschlüssen in ihr eigenes Leben. In der Summe fühlte ich mich richtig gut unterhalten.
von BR - 2026-01-01 16:19:00