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Paola LopezDie Summe unserer Teile

Roman

Hardcover

Tropen (2025)

256 Seiten; 21.5 cm x 14.3 cm

ISBN 978-3-608-50272-5

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Die Summe unserer Teile

Text der Buchrückseite


»Drei Frauengenerationen in der Wissenschaft, eine kleine Weltreise durch das Jahrhundert - erschütternd und einfühlsam zugleich.«




Alina Bronsky 


 


Die Großmutter flieht im Zweiten Weltkrieg aus Polen in den Libanon. Die Mutter verlässt den Libanon für ein Leben in Deutschland. Die Tochter muss für eine Zukunft zurück nach Polen. Über eine Zeitspanne von siebzig Jahren hinweg erzählt Paola Lopez die mitreißende Familiengeschichte dreier Frauen, die sich ein freies Leben erkämpfen. Ein feinfühliger Roman über die komplizierte Liebe zwischen Müttern und Töchtern und die Flucht in die Welt.  


 


»Dieser Roman kratzt verkrustete Glaubenssätze über Mutterschaft auf und kommt einem persönlich sehr nah. Ich sehe jetzt klarer, wie ich selbst als Mutter — und als Tochter — sein will.«



Mareike Fallwickl




Hauptbeschreibung



»Drei Frauengenerationen in der Wissenschaft, eine kleine Weltreise durch das Jahrhundert – erschütternd und einfühlsam zugleich.«
Alina Bronsky




Die Großmutter flieht im Zweiten Weltkrieg aus Polen in den Libanon. Die Mutter verlässt den Libanon für ein Leben in Deutschland. Die Tochter muss für eine Zukunft zurück nach Polen. Über eine Zeitspanne von siebzig Jahren hinweg erzählt Paola Lopez die mitreißende Familiengeschichte dreier Frauen, die sich ein freies Leben erkämpfen und eine Verbindung zueinander suchen. Ein berührender Roman über das Erbe unserer Mütter, das wir alle mit uns tragen.


Die Großmutter ist eine der ersten Chemikerinnen im Libanon. Die Mutter ist eine angesehene Medizinerin. Die Tochter ist Studentin der Informatik. Sie alle verbindet die Wissenschaft. Doch das Band zwischen den Generationen ist gerissen, Lucy spricht seit Jahren nicht mit ihrer Mutter. Bis plötzlich ein Klavier in ihre Wohnung geliefert wird. Der Steinway, auf dem Lucy als Kind spielen lernte. Sie hasst dieses Klavier. Es erinnert sie an alles, was sie hinter sich lassen wollte: den goldenen Käfig ihrer allzu behüteten Kindheit, die hohen Ansprüche ihrer Mutter und die fehlende Nähe. Als mit dem Klavier auch der polnische Geburtsname ihrer Großmutter auftaucht, setzt Lucy sich kurzentschlossen in den nächsten Zug nach Sopot, den einzigen Ort, den sie mit ihr verbindet. Sie muss die losen Fäden ihrer Familie zusammenführen, um ihre eigene Zukunft in die Hand zu nehmen.



»Dieser Roman kratzt verkrustete Glaubenssätze über Mutterschaft auf und kommt einem persönlich sehr nah. Ich sehe jetzt klarer, wie ich selbst als Mutter — und als Tochter — sein will.«
Mareike Fallwickl






Paola Lopez,
geboren 1988 in Wien, ist Mathematikerin und promoviert interdisziplinär über Künstliche Intelligenz. Derzeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bremen und schreibt für den
Merkur
eine Kolumne zu KI. Für die Arbeit an ihrem Debütroman »Die Summe unserer Teile«

wurde sie mit dem Theodor Körner Preis 2023 gefördert. Paola Lopez lebt in Berlin.




Hersteller: J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger GmbH
Rotebühlstraße 77, 70178 Stuttgart DE
E-Mail: produktsicherheit@klett-cotta.de, Telefon: +49 711 6672-0


Ein feministischer Roman über Wissenschaft, Mutterrollen und die stille Weitergabe von Traumata
Paola Lopez’ Debütroman Die Summe unserer Teile ist mehr als ein feinfühliges Familiendrama – er ist ein vielschichtiger, feministisch geprägter Roman über drei Generationen von Frauen, deren Leben durch familiäre Bande, kulturelle Brüche und eine gemeinsame Leidenschaft für Wissenschaft miteinander verknüpft sind. Die Geschichte spannt sich über acht Jahrzehnte und drei Kontinente – von Polen über den Libanon bis nach Deutschland – und behandelt zentrale Themen wie Selbstbestimmung, Rollenerwartungen, intergenerationale Traumata und das Ringen um Versöhnung.

Drei Frauen, drei Wissenschaften – ein Kampf um Selbstbestimmung
Im Mittelpunkt stehen die Chemikerin Lyudmila, ihre Tochter Daria – eine Medizinerin – und ihre Enkelin Lucy, die Informatik studiert. Alle drei sind in männerdominierten Wissenschaftsfeldern tätig, alle drei müssen sich dort behaupten. Lopez zeigt, wie diese Frauen über Jahrzehnte hinweg mit den Zwängen ihrer Zeit, tradierten Rollenbildern und familiären Altlasten kämpfen.

Lyudmila flieht im Zweiten Weltkrieg aus Polen in den Libanon und widmet sich dort kompromisslos ihrer Karriere als eine der ersten Chemikerinnen des Landes. Daria wächst in Beirut auf, verlässt den Libanon während des Bürgerkriegs, wird Ärztin in Deutschland – und erzieht ihre Tochter Lucy mit strenger Fürsorge und hohen Erwartungen. Lucy wiederum lebt 2014 in Berlin, hat den Kontakt zu ihrer Mutter abgebrochen – und wird durch die Lieferung eines alten Klaviers, Symbol ihrer Kindheit, mit ihrer Vergangenheit konfrontiert.

Diese Generationenlinie verknüpft Lopez klug mit einer feministischen Perspektive: Die Wahl der Naturwissenschaften als verbindendes Element ist ein Statement. Die Frauen sind nicht Opfer, sondern Handelnde – wenn auch oft in stummen Kämpfen. Lopez zeigt, wie weibliche Selbstverwirklichung in männlich geprägten Kontexten oft nur unter hohen persönlichen Opfern möglich ist.

Mutterschaft als ambivalente Erfahrung
Ein zentrales Thema des Romans ist Mutterschaft – fern von Idealisierung. Lyudmila erscheint kühl und unnahbar; Daria als überfürsorglich und fordernd. Lucy fühlt sich eingeengt, nicht gesehen, überfordert von den Ansprüchen ihrer Mutter.

Lopez dekonstruiert gängige Mutterbilder und macht die Spannung sichtbar, die zwischen Fürsorge, Kontrolle und Selbstverwirklichung liegt. Keine der drei Frauen ist nur Täterin oder nur Opfer – sie sind geprägt von den Verletzungen ihrer Mütter, geben diese ungewollt weiter und versuchen gleichzeitig, ihren eigenen Weg zu gehen.

Besonders Lucy gelingt eine vorsichtige Annäherung an das, was vorher verdrängt und verschwiegen wurde. Ihre Reise nach Sopot wird zur symbolischen wie tatsächlichen Bewegung auf die eigene Familiengeschichte zu – ein tastender Versuch, den Zyklus der Sprachlosigkeit zu durchbrechen.

Das Schweigen zwischen den Generationen
Ein weiteres starkes Motiv ist das Schweigen – das Unausgesprochene, das zwischen den Generationen steht. Konflikte werden nicht benannt, sondern ausgesessen oder verdrängt. Die Figuren leiden nicht nur unter äußeren Umständen, sondern auch unter emotionaler Distanz, unausgesprochenen Erwartungen und familiären Missverständnissen.

Lopez zeigt eindrucksvoll, wie sich dieses Schweigen vererbt – und wie schwer es ist, es zu brechen. Dabei gelingt ihr eine feinfühlige Figurenzeichnung: Keine der drei Frauen wird idealisiert, doch jede erhält ihre eigene Stimme, ihre eigene Perspektive, ihre eigene innere Wahrheit. Die Wechsel der Zeitebenen sind fließend, die Übergänge zwischen den Lebensgeschichten der Frauen subtil und stimmig gestaltet.

Stil und Erzählweise
Lopez’ Sprache ist klar und atmosphärisch, mit einem Gespür für emotionale Zwischentöne. Besonders gelungen ist der Aufbau des Romans, der zwischen Zeitebenen und Perspektiven wechselt, dabei aber stets die emotionale Linie beibehält. Die narrative Struktur spiegelt das Fragmentarische der Familiengeschichte – manche Leerstellen bleiben bewusst offen und fordern die Leser*innen zur eigenen Reflexion auf.

Die wissenschaftliche Ebene – Chemie, Medizin, Informatik – dient nicht nur als Hintergrund, sondern als Ausdruck weiblicher Autonomie. Gleichzeitig thematisiert der Roman die strukturellen und persönlichen Hürden, denen Frauen in diesen Bereichen begegnen. Die Wissenschaft wird so zum Ort weiblicher Emanzipation, aber auch zur Projektionsfläche für familiäre Entfremdung.

Fazit
Die Summe unserer Teile ist ein bemerkenswerter Debütroman, der mit erzählerischer Kraft und psychologischer Tiefe drei Frauenschicksale über mehrere Generationen hinweg verknüpft. Paola Lopez erzählt von Selbstbehauptung, familiären Verletzungen und dem Versuch, eigene Wege zu gehen, ohne die Verbindung zu den Wurzeln zu verlieren.

Ein bewegender, feministisch fundierter Roman über Mütter, Töchter, Wissenschaft – und über die Frage, wie viel Vergangenheit in uns steckt. Für alle, die Familienromane mit Tiefgang, starken Frauenfiguren und gesellschaftlicher Relevanz schätzen.

Ein Familienbild, das nicht den Klischees entspricht

Ich mag Bücher, die generationenübergreifend die Geschichte von Frauen erzählen, in diesem Fall drei Generationen, Großmutter, Mutter und Tochter. Primär liegt der Fokus auf dem Leben der Tochter, einer in Berlin lebenden Informatikerin. Neben der Jahrzehnte umfassenden Geschichte von Krieg, Flucht, Umzug, Neuanfang, Lebenskrisen, die mir oft nahe ging, geht es im Kern um die Beziehung zwischen diesen drei Frauen. Es sind keine „normalen“ Mutter-Tochter-Beziehungen, wenn es so etwas überhaupt gibt. Sie sind einander fremd, finden nicht immer die richtigen Worte, es kommt zu Urteilen und Missverständnissen und sie finden nicht zueinander. Ich stelle mir die Frage, ob sie das überhaupt wollen, jede lebt ihre eigene Geschichte. Was sie gemeinsam haben, ist der Drang nach Unabhängigkeit, einem selbstbestimmten Leben. Das ist ihnen für sich selbst und für die nachfolgende Generation wichtig, sie unterstützen sich finanziell sehr, um das zu erreichen. In diesem Roman wird ein anderes Mutter-Tochter-Verhältnis präsentiert, es muss nicht die enge Beziehung sein, in der man zumindest oberflächlich alles voneinander weiß und eng zusammenlebt. Ich finde mich nicht in allem wieder, aber ich finde die Thematisierung sehr gut und wichtig. Die Darstellung ist meist realistisch, und kann vielen dabei helfen, sich nicht schuldig zu fühlen. Ich bin im Roman ein paarmal über die Handlungslogik gestolpert, aber er enthält viele schöne Sätze, die bei mir bleiben, zum Beispiel: „Alle sind davon überzeugt, dass man reden, reden, reden muss. Dass sich alles klären lässt, wenn man nur lange genug darüber spricht […] Manche Dinge lassen sich nicht durch Reden in alle Einzelteile zerlegen, betrachten und schlussendlich lösen. Liegt ein verknotetes Tau zu lange auf dem Meeresgrund, so wird es von Algen überwachsen. […] Das salzige Meerwasser greift das verknotete Seil an, das Seil wird spröde. Der Knoten lässt sich nicht auseinanderklauben. […] Der Knoten wird ein Zuhause für kleine Krebstiere, für Lucys Unabhängigkeit, für ihr erwachsenes Selbst.“

Vergangenheit und Zukunft
Der Debütroman „Die Summe unserer Teile“ von Paola Lopez verbindet die Lebensgeschichten dreier Frauen, deren Leben eng miteinander verwoben sind.
Lucy begibt sich auf einer Reise in die eigene Vergangenheit, um dem Leben ihrer Großmutter Lyudmila in Polen näher zu sein und ihrer Mutter besser zu verstehen. Die Lebensereignisse der Frauen verbinden sich miteinander und spielen doch ihre eigene Melodie in ihren Lebensliedern.
Paola Lopez schafft es mit ihrer Sprache, lebhafte, detaillierte Bilder zu zeichnen, die uns tief in die gemeinsame Geschichte einsteigen lassen. Die Charaktere werden anschaulich und tiefgründig gezeichnet, jede Frauengeneration hat ihre eigenen Besonderheiten. Die einzelnen Kapitel aus der jeweiligen Zeit und die individuelle Sicht der Protagonistinnen geben uns einen tiefen, zum Teil sehr emotionalen Einblick in ihre Lebens- und Gefühlswelt. Ihre Lebensgeschichten mit all den emotionalen Belastungen, ihre Herkunft und Zukunft scheint von einer zur nächsten Generation weitergetragen und ertragen, nie gelöst. Es wird eine Art Distanz aufgebaut und weitergegeben. Diese emotionale Kühle und Distanz der Frauen wird in jeder Geschichte spürbar und hat mir das Lesen erschwert. Es fiel mir nicht leicht, den einzelnen Protagonistinnen zu folgen. Auch das Ende des Romans hat mich fragend, offen zurückgelassen.
Das Cover zum Buch hat mich sehr angesprochen. Die grobe Zeichnung einer Frau im Profil und die leuchtenden Farben, die passende Schrift sowie die Gestaltung der Innseiten hat mir wirklich gut gefallen. Das Buchcover ist ein echter Hingucker.

„Die Summe unserer Teile“ von Paola Lopez ist ein besonderer Debütroman über das Erbe unserer Mütter, die Bewältigung unserer Vergangenheit und die eigene Zukunft.

Zerrissenes Band
Drei Frauen aus drei Generationen stehen in „Die Summe unserer Teile“ im Mittelpunkt einer Geschichte, in der wenig Liebe spürbar ist. „Ein feinfühliger Roman über die komplizierte Liebe zwischen Müttern und Töchtern und die Flucht in die Welt.“, wie es in der Buchbeschreibung steht.

Kompliziert, das Wort passt sehr gut. Häufig scheint es, als gebe es gar keine Liebe zwischen Lucy und ihrer Mutter Daria und ebenso zwischen Daria und deren Mutter Lyudmilla. Und viele Fragen habe ich. Merkwürdig ist zum Beispiel, dass Lucy als Studierende ganz selbstverständlich vom Geld ihrer Mutter lebt, obwohl sie den Kontakt zu ihr abgebrochen hat.

Was die Frauen gemeinsam haben: Alle drei sind Wissenschaftlerinnen, wenn auch auf unterschiedlichen Gebieten. Selbstständig und stark kommen sie mir vor – zumindest am Anfang des Romans.

Die Autorin Paola Lopez lässt ganz langsam einiges klarer werden, aber vieles bleibt verborgen. Mir gefällt der ständige Wechsel zwischen Zeit und Ort recht gut. Auch den Schreibstil mag ich, es gibt wunderbare Umschreibungen und Zitate, und Lucys Idee, ihr Leben als Spiel darzustellen, finde ich ganz originell. Trotzdem dauert es, bis ich wirklich in der Geschichte ankomme. Es gibt so viele Fragen, so viel Unausgesprochenes, so viele Geheimnisse zwischen den Müttern und ihren Töchtern.

Am Ende angekommen, bin ich zufrieden, auch wenn „Die Summe unserer Teile“ für mich noch nicht wirklich die Endsumme, sondern eher eine „Zwischensumme“ ist. Aber ich habe aus der Geschichte gelernt. Nach dem, was erst nach und nach klarer und deutlicher wurde, merke ich, dass es nicht gut ist, jemanden zu verurteilen für das, was er denkt und tut. Wichtig ist, auch über die Hintergründe etwas zu wissen. Das hat die Autorin für mein Empfinden richtig gut gemacht, denn dadurch hat sich mein Verständnis deutlich verändert. Natürlich ist nicht alles entschuldbar, aber die Sichtweise ist eine andere geworden.

Kommunikationsprobleme zwischen Müttern und Töchtern
von Ryria
Großmutter, Mutter und Tochter, in Polen, dem Libanon und Deutschland - die Grundidee und den Aufbau des Buches fand ich super.
Jede der Frauen hat ihre eigenen Kapitel, in denen wir sie besser kennenlernen und teilweise auch in mehreren Lebensabschnitten begleiten: Wir erleben alle drei als Studentinnen, Mutter Daria und Großmutter Lyudmila dann zusätzlich noch bei ihrer späteren Karriere und Schwangerschaft/Zeit als Mutter.
Dies fand ich schön gestaltet, so konnte man Parallelen zwischen den Leben, aber auch Unterschiede gut erkennen. Die verschiedenen Zeitebenen und Perspektiven fördern auch das Verständnis für andere Menschen. Während mir eine Person zunächst eher unsympathisch erscheint, ändert sich dieser Eindruck wieder, wenn ich die Geschichte aus ihrer Sicht erlebe.
Die Botschaft dahinter ist stark, jedoch kann es zwischendurch auch etwas frustrierend sein, wenn man feststellt, dass sich einige Probleme der Frauen mit besserer Kommunikation vermutlich in Luft aufgelöst hätten.

Komplett warm bin ich auch mit keiner der Frauen geworden, selbst mit all dem dazugewonnenen Verständnis gab es doch noch Situationen, in denen ich ihre Handlungen und Entscheidungen so gar nicht nachvollziehen konnte. Ich glaube hier hätten ein paar Seiten mehr dem Buch gut getan, für drei Generationen ist es doch recht kurz und bleibt dadurch manchmal leicht oberflächlich.
Andererseits lässt es sich auch deswegen recht schnell und angenehm lesen, auch die Sprache ist gelungen. Die Gefühle werden immer wieder auf sehr kreative Art beschrieben und die Wissenschaften der Frauen finden auch ihren Weg in die Sprache, so studiert beispielsweise Tochter Lucy Informatik und drückt ihre Gedanken gerne in Computer-Methapern aus.
Zwischendurch gibt es auch immer wieder mal lustige Momente, vor allem durch die unterschiedlichen Länder und Kulturen, davon hätte ich gerne noch mehr gelesen, z.B. mehr Zeit im Libanon verbracht.

Mütter und Töchter
von Miro
Lucy hat den Kontakt zu ihrer Mutter vor drei Jahren abgebrochen, als eines Tages ihr alter Konzertflügel in ihrem WG-Zimmer steht. Er nimmt sehr viel Raum ein und Lucy fühlt sich ziemlich aus der Bahn geworfen von diesem unübersehbaren Objekt ihrer Kindheit. Der Flügel wirft Fragen auf und Lucy flüchtet erst mal, bevor sie bereit ist, sich diesen Fragen zu stellen.

Auch ihre Mutter Daria hatte den Kontakt zur Mutter abgebrochen. Sie lebte als Wissenschaftlerin im Libanon und hatte ihre Tochter zum Studium nach München geschickt, damit sie vor dem Bürgerkrieg sicher war. Als Daria selbst ein Kind hatte, wurde sie von ihrer Mutter Lyudmila in München besucht. Die letzten Worte zwischen diesen beiden Frauen waren kalt und verletzend. Der Besuch ist komplett aus dem Ruder gelaufen und somit ist Lucy in dem Glauben, ihre Großeltern wären verstorben aufgewachsen.

Die Autorin erzählt uns in wechselnden Kapiteln aus den Leben der drei Frauen. Alle drei haben sich der Wissenschaft verschrieben und gehen ihren Weg relativ unbeirrbar. Lyudmila hatte Polen während des 2. Weltkriegs verlassen und im Libanon eine neue Heimat gefunden. Sie musste sich viel erkämpfen, blieb dabei allerdings emotional auf der Strecke. Sie scheint auch nie gelernt zu haben, emotionalen Belangen den nötigen Stellenwert zuzuschreiben. Sie hat mit einigen Traumen zu kämpfen, erklärt sich ihrer Tochter allerdings nie.

Daria fühlte sich wohl von ihrer Mutter zurückgewiesen, denn sie scheint sich nie um die Mutterliebe zu bemühen. Dafür überschüttet sie Lucy mit ihrer Liebe und gleichzeitig mit ihren Erwartungen. Daria durfte nie Klavierspielen lernen, denn die schönen Künste seien Zeitverschwendung. Man sollte seine Energien den wahren Wissenschaften widmen. Lucy durfte das Ausleben, was ihrer Mutter verwehrt blieb. Wie das meistens ausgeht, kennen man ja.

So lesen wir von drei Frauen, die es nie gelernt haben ihre Bedürfnisse zu äußern, sondern besser strikt einen Weg zu verfolgen, der vielleicht nicht zielführend ist. Lucy schafft es vielleicht da auszubrechen. Erste versöhnende Schritte werden gemacht, aber es bleibt noch ein langer Weg. Ihr wurde ein Zweig ihrer Familiengeschichte vorenthalten, dem sie sich nun beginnt anzunähern.

Wir lesen hier nicht linear, erfahren manchmal Dinge, die den Protagonistinnen nicht bekannt sind und können uns so unser Bild zusammenbauen. Die Autorin beleuchtet immer wieder Szenen in den Vergangenheiten der drei Frauen und führt so mit Mut zur Lücke durch deren Geschichten. Schlußendlich kam für mich nichts überraschend, denn es gab für alle Wendungen ausreichend Andeutungen. Aber richtig auserzählt sind die Geschichten nicht. Mir hat das gut gefallen, aber ich kann verstehen, dass andere Leser*innen genau das kritisieren.

Ein interessanter Aufhänger, aber mir zu wenig Tiefgang
Ich finde Familienromane über mehrere Generationen hinweg und dann noch mit verschiedenen Erzählperspektiven richtig toll und habe mir deshalb auch von diesem viel erwartet. Ganz enttäuscht wurde ich nicht und doch ist „Die Summe unserer Teile“ für mein Empfinden einfach ein wenig zu kurz für sein Vorhaben.

Wir begleiten drei Generationen von Frauen in der Wissenschaft und erfahren nach und nach, vor allem durch Lucy als jüngste Generation, mehr über die Geheimnisse sowie Herausforderungen aller Figuren. Festgefahrene Rollenverteilungen, Sexismus in der Wissenschaft, Weitergabe von Traumata an die eigenen Kinder - wirklich interessante Aspekte, die mir doch leider alle zu kurz kamen. Viel wurde angeschnitten, aber bevor es für mich emotional wirklich greifbar wurde, war die Szene schon wieder vorbei.

Die emotionale Distanziertheit wird durch die Wahl der dritten Person als Erzählperspektive noch einmal verstärkt, weshalb ich sie nicht optimal fand. Die Autorin schreibt auch allgemein eher bildhaft und atmosphärisch, Emotionen werden selten vorgegeben. Damit habe ich auch nicht grundsätzlich ein Problem, gern mache ich mir selbst ein Bild. Hier fehlte es mir für diesen Prozess jedoch oft an weiteren Informationen und Zusammenhang.

Für Daria als Lucys Mutter hatte ich am Ende am meisten Verständnis und auch die Enthüllungen rund um Lyudmilas Vergangenheit haben mich betroffen gemacht. Lucy nimmt jedoch am meisten Raum ein und gerade ihre Parts blieben mir bis zum Schluss größtenteils nicht greifbar. Fast wirkte es auf mich so, als ob sie gar nicht Teil der Handlung wäre, sondern vor allem Informationen beschaffen soll.

Das Ende bleibt offen und auf seine eigene Art unversöhnlich, was ich aber in Ordnung fand. Alles andere hätte ich als zu naiv kritisiert. Und so bleibe ich etwas zwiegespalten zurück. Der Roman hat für mich sein Potenzial nicht ausgeschöpft und war mir in der Charakterentwicklung zu oberflächlich. Hier hätte ich eindeutig noch mehr Seiten gebraucht. Trotzdem thematisiert die Handlung einige wichtige Aspekte, wie z. B. Mental Load, subtil und ohne viel an Interpretation vorzugeben. Ein Buch für Menschen, die nicht so gern dickere Romane lesen, Atmosphäre wichtig finden und sich am liebsten selbst eine Meinung bilden.

3,5 Sterne

Drei Generationen – komplizierte Familienverhältnisse
von Tara
„Die Summe unserer Teile“ ist der Debütroman der in Berlin lebenden Autorin Paola Lopez.

Der Roman beginnt 2014 in Berlin. Vollkommen unerwartet steht in dem WG-Zimmer der Informatikstudentin Lucy ein riesiger Flügel. Mit ihm kommen direkt ungute Erinnerungen in ihr auf. Zu ihrer Mutter Daria hat sie bereits vor Jahren den Kontakt abgebrochen. Genau wie Lucys Verhältnis zu Daria war auch das zwischen Daria und ihrer Mutter Lyudmiła kompliziert. Lyudmilla hat in den 1950iger-Jahren Chemie in Beirut studiert. Daria ist ebenfalls Wissenschaftlerin und hat Medizin studiert.

Die Handlung wird aus der Perspektive der drei Frauen erzählt. Dabei wechseln die Zeiten zwischen der Gegenwart 2014, in der Lucy sich auf Spurensuche nach ihrer Großmutter nach Polen begibt, den 1990er Jahren in München, in denen Daria in München studiert hat und den 1950er Jahren in Beirut, in denen es um Lyudmillas Leben geht.

Die drei Protagonistinnen haben jede ihr eigenes Leben. Durch Lucys Suche und die Erlebnisse der Vergangenheit setzt sich nach und nach ein Familienbild zusammen. Es ist eine Familie, in der zu viel geschwiegen wurde, wodurch Spannungen aufgebaut wurden, die dann zum Bruch geführt haben.

Mir fiel es nicht leicht Zugang zu den Protagonistinnen zu finden, da Paola Lopez nicht alles bis ins kleinste Detail auserzählt. Genau das passt aber auch sehr gut, da es in dem Roman um Konflikte geht, die durch Schweigen entstanden sind.

Die einzelnen Erzählstränge wurden hier gelungen miteinander verwoben bis ein stimmiges Bild entstanden ist.

Die Autorin stellt hier eine komplexe Familiensituation da und gibt ein gutes Bild ihrer Charaktere. Auch wenn ich ihr Handeln nicht immer gut heißen konnte, wurden sie für mich größtenteils nachvollziehbar.

Für mich ist dieser Roman ein gelungenes Debüt, das zeigt, wie uns die Vergangenheit und die unserer Familie prägt.

Schwierige Mutter-Tochter-Verhältnisse
Es geht um drei Frauen, die sich auseinanderlebt haben und deren Leben dennoch eng miteinander verwoben ist.
Großmutter Ljudmila ist während des Zweiten Weltkrieges von Polen in den Libanon geflohen. Ihre Tochter Daria hat den Libanon verlassen und ist nach Deutschland gegangen.
Daria und ihre Tochter Lucy sprechen schon seit Jahren nicht mehr miteinander.
Obwohl jede der drei Frauen ihr eigenes Leben lebt, zeichnen sich Gemeinsamkeiten ab.

Sprachlich ist der Roman einfach schön. Er liest sich leicht und enthält viele Sätze, über die es sich lohnt nachzudenken. Die Handlung springt zwischen den Protagonistinnen, Orten und Zeiten hin und her. Dadurch bleibt das Buch durchgehend interessant, es ist als ob ein Mosaik langsam zusammengesetzt wird.

Ljudmila, Daria und Lucy sind drei starke Protagonistinnen über die ich gerne mehr erfahren hätte. Vieles bleibt oberflächlich, aber die Botschaft, wie wichtig es ist miteinander zu reden, kommt dennoch an.

Das Schweigen von drei Generationen
von Chris
Das Buch "Die Summer unserer Teile" von Paola Lopez hat mich wirklich berührt. Es ist sehr emotional und wirklich tiefgründig geschrieben und ich habe zu allen drei Frauen eine Verbindung aufbauen können.

Es handelt von drei Frauengenerationen und jede einzelne Frau hat ihr eigenes Geheimnis über das sie mit ihrer Tochter nicht sprechen kann und was dadurch aber die Beziehung erschwert oder sogar den Kontakt abbrechen lässt.

Die Geschichte springt in verschiedene Zeitebenen und erst nach und nach kann man die Beweggründe der Handlungen der einzelnen Frauen verstehen.

Die Großmutter ist in Polen geboren, flieht aber im 2. Weltkrieg von dort in den Libanon. Die Mutter ist im Libanon geboren aber nach Deutschland gezogen und die Tochter lebt in Deutschland, reist aber nach Polen um die Geschichte ihrer Familie besser zu verstehen.

Ein sehr starker Frauenroman und von mir gibt es eine große Lese-Empfehlung.

Drei Generationen
von Schkob
Die Summe unserer Teile von Paola Lopez erzählt die Geschichte dreier Generationen zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlichen Länder. Der Schreibstil von Lopez konnte mich überzeugen und zog mich als Leserin in den Bann, mit dem Bedürfnis immer weiter zu lesen. Die Spannung zwischen den Generationen bleibt bis zum Ende des Romans erhalten. Leider finde ich den Rest der Handlung außerhalb des Zerwürfnisses der drei Frauen nicht sehr überzeugend. Gerne hätte ich mehr über die Hintergründe der Charaktere erfahren, mehr über ihre Leben, ihr Innerstes, die Auslöser für ihr Verhalten und ihre Wege. Doch auch wenn ich diese Punkte kritisiere, gefallen mir die Gespräche und die Dynamiken zwischen den Frauen sehr gut. Beim Lesen wirkte es als würde ich den Dreien auf ihrem Weg zueinander zuschauen. Zusammenfassend ist es ein Buch, welches spannend beim ersten Lesen ist, mich jedoch nicht komplett überzeugen konnte.

hätten sie doch nur miteinander geredet ....
„Die Summe unserer Teile“ ist der Titel dieses Buches und er passt wunderbar zu den drei Frauen, die in diesem Buch dargestellt werden. Jede hat ihre eigene Geschichte und trägt viel Ballast mit sich. Die Großmutter ist aus Polen geflohen, die Mutter wächst im Libanon auf, den sie für ein Leben in Deutschland verlässt. Und die Tochter zieht in Deutschland in eine andere Stadt.
Diesen Ballast könnte man besser ertragen, wenn man miteinander reden würde, aber das tun die drei nicht. Das ändert sich allmählich, als die Jüngste - Lucy - sich auf Spurensuche nach Polen begibt. Anlass war das Klavier ihrer Großmutter, das auf Veranlassung ihrer Mutter unvermittelt in ihrer Wohnung stand. Der Roman beginnt aus ihrer Perspektive, die dann mit der Perspektive der anderen beiden Frauen wechselt: Daria und Lyudmiła. Die Mutter-Tochter- Beziehung ist komplex, was deutlich wird, als Lucy und Daria in Polen aufeinandertreffen und sich öffnen. Das Ende bleibt offen, macht aber Hoffnung für eine positive Weiterentwicklung.

Schwierige Mutter Tochter Beziehung
von begine


Die Summe unserer Teile, ist ein berührender Roman der Autorin
Paola Lopez.
Es geht hier um Mutter Tochter Beziehungen. So richtig verstehe ich deren Probleme nicht richtig.
Die Studentin Lucy hat sich von der Mutter getrennt. Dieser Begriff hat mich erschüttert. Eigentlich gab es für Lucy keinen richtigen Anlass dafür.
Dann erfahren wir wie die Mutter Daria so wurde, wie sie ist. Ihre Mutter Ludmilla war Chemikerin, die aus Polen fliehen musste.
Traurig ist das es in den Familien keine richtige Ehrlichkeit gab.
Als Ludmilla ihre Tochter und Enkeltochter besucht, merkt man, das sie dem Psychiater Robert, Lucys Vater, keinen Kontakt will.
Später hört man von Ludmillas Erlebnissen und kann alles besser verstehen. Das Schweigen ist immer schlecht.
Der Roman wird von beiden Leben geschildert.
Die Autorin hat interessante Charaktere geschaffen.
Die Sprache ist einfach gut und beflügelnd.
Der Roman konnte mich fesseln und ich möchte ihn gerne empfehlen.



Zu viele Erschütterungen, ihre Mutter, ihre Tochter
Drei Frauen, drei Generationen....Großmutter, Tochter, Enkelin.
Alle drei eint die fehlende Sprache von einer Mutter Tochter Beziehung zur nächsten, was zu erschütternden Zerwürfnissen führt. Das Unausgesprochene führt zu tiefen Brüchen, die unüberwindbar scheinen.
In großartigen Bildern erzählt die Autorin beeindruckend und bedrückend in drei Zeitebenen die Geschichten von Lyudmila, Daria und Lucy und wie sehr das Schweigen ihr Leben prägt.
Ein Roman der Spuren hinterlässt und noch lange nachwirkt.