Rezensionen
Rezensionen von Chrystally
Autor: Kerstin Hau
Ein Kunstwerk über den Umgang mit dem Unbekannten - 4 Sterne
Kerstin Hau erzählt eine Geschichte über den Umgang mit dem Unbekannten, kreativ illustriert von Stella Dreis. In einem Ort mit phantastischen Wesen liegt plötzlich ein riesiges, unbekanntes, schlafendes Tier im Weg, und erst nach mehreren vergeblichen Strategien der Bewohner, es zu umgehen, findet das Mienchen die Lösung: mit ihm zu reden.
In einer Zeit, in der so viele Themen die Gesellschaft spalten, war ich sehr neugierig auf das Buch. Die Geschichte fand ich dann auch toll – es geht um Angst, Problemlösekompetenz, Mut, Konformität, Kompromissbereitschaft, Ageism, Autorität und Macht und die Kraft Gewaltfreier Kommunikation, erzählt in einfachen Sätzen, Dialogen und vielen Ausrufen, die die Innenwelt der Figuren erlebbar macht. Die Illustrationen lassen eine fremde Welt lebendig werden (auch wenn sie der unseren sehr gleicht), mit vielfältigen Figuren – Tiere, Menschen, Phantasiewesen, ausdrucksvoll in unterschiedlichen Stilen gestaltet, mit einer eindrucksvollen Farbgebung in Graustufen und kraftvollen, effektvoll eingesetzten Akzenten in Orange. Das Buch ist hochwertig verarbeitet. Insgesamt war es eine Freude, im Buch zu blättern und es dann zu lesen! Auch unser Kind (fast 5) hat es nach dem ersten Vorlesen nochmal aus einem Stapel ausgesucht.
Schade fand ich, dass die Figuren sehr klein abgebildet sind – das ist sicher auch Absicht und zeigt den Kontrast zu dem großen Tier. Leider kommen ihre Eigenheiten und Vielfalt dadurch nicht ganz so gut zur Geltung; ich würde sie gerne leichter genauer betrachten können. Die vielen Ausrufe fand ich stellenweise etwas langatmig. Was mich allerdings mehr gestört hat, war die stereotype Rollenzuordnung der erwachsenen Figuren: Timpe-Pa, ein „alter weißer Mann“, trifft die Anordnungen; Timpe-Ma, die toupierte Hausfrau, jammert und ist hilflos. Ich hoffe, dass Kinder heutzutage schon weniger in diesem Klischeedenken aufwachsen, und finde es schade, dass dieses Buch es wieder aufgreift. Die Autoritätsthematik hätte auch mit nicht-genderklischeekonformen oder geschlechtslosen Wesen dargestellt werden können.
Insgesamt ist „Obacht“ ein kreatives Kinderbuch, dass schwere Themen leicht verpackt und auch für Erwachsene schön zum Vorlesen ist.
In einer Zeit, in der so viele Themen die Gesellschaft spalten, war ich sehr neugierig auf das Buch. Die Geschichte fand ich dann auch toll – es geht um Angst, Problemlösekompetenz, Mut, Konformität, Kompromissbereitschaft, Ageism, Autorität und Macht und die Kraft Gewaltfreier Kommunikation, erzählt in einfachen Sätzen, Dialogen und vielen Ausrufen, die die Innenwelt der Figuren erlebbar macht. Die Illustrationen lassen eine fremde Welt lebendig werden (auch wenn sie der unseren sehr gleicht), mit vielfältigen Figuren – Tiere, Menschen, Phantasiewesen, ausdrucksvoll in unterschiedlichen Stilen gestaltet, mit einer eindrucksvollen Farbgebung in Graustufen und kraftvollen, effektvoll eingesetzten Akzenten in Orange. Das Buch ist hochwertig verarbeitet. Insgesamt war es eine Freude, im Buch zu blättern und es dann zu lesen! Auch unser Kind (fast 5) hat es nach dem ersten Vorlesen nochmal aus einem Stapel ausgesucht.
Schade fand ich, dass die Figuren sehr klein abgebildet sind – das ist sicher auch Absicht und zeigt den Kontrast zu dem großen Tier. Leider kommen ihre Eigenheiten und Vielfalt dadurch nicht ganz so gut zur Geltung; ich würde sie gerne leichter genauer betrachten können. Die vielen Ausrufe fand ich stellenweise etwas langatmig. Was mich allerdings mehr gestört hat, war die stereotype Rollenzuordnung der erwachsenen Figuren: Timpe-Pa, ein „alter weißer Mann“, trifft die Anordnungen; Timpe-Ma, die toupierte Hausfrau, jammert und ist hilflos. Ich hoffe, dass Kinder heutzutage schon weniger in diesem Klischeedenken aufwachsen, und finde es schade, dass dieses Buch es wieder aufgreift. Die Autoritätsthematik hätte auch mit nicht-genderklischeekonformen oder geschlechtslosen Wesen dargestellt werden können.
Insgesamt ist „Obacht“ ein kreatives Kinderbuch, dass schwere Themen leicht verpackt und auch für Erwachsene schön zum Vorlesen ist.
von Chrystally - 2026-03-24 10:57:00
Autor: Bernhard Hoëcker; Eva von Mühlenfels
Paul schreibt seine eigene Geschichte - 5 Sterne
Ach, Paul! Ein Kind wie jedes andere: fröhlich, neugierig, kreativ – und mit einem eigenen Kopf voller Ideen, die meist dem zuwiderlaufen, was sich die Erwachsenen vorstellen, in diesem Fall dem Erzähler von Pauls Geschichte. Paul soll aufstehen, frühstücken und dann mit einem Karton zum Zoohandel gehen, um sein Kätzchen abzuholen. Aber Paul hat andere Pläne, und erklärt dem Erzähler auch geduldig, warum er es eben anders macht. Und der wiederum begleitet Paul, ebenso geduldig, wie ein wohlwollender Elternteil durch seine ganz eigene Geschichte – lässt ihn sich ausprobieren, unkonventionell sein, Spaß haben. Am Schluss stellt Paul - ohne Vorhaltungen! - fest, dass (ganz manchmal) die Erwachsenen doch auch Recht haben. Und der Erzähler, dass Kinder manchmal die interessanteren Geschichten schreiben.
Ich liebe Paul. Und sein „Kätzchen“. Und ich liebe den Erzähler, bei dessen Text ich immer Bernhard Hoeckers Stimme im Kopf hatte. Und ich liebe die Bilder – bunt, lebendig, ungezwungen, ausdrucksstarke Figuren. Und ich liebe die warme, herzliche, liebevolle Atmosphäre, die das Buch entstehen lässt. Ermutigend für Kinder, inspirierend für Eltern. Großartiges Buch!
Ich liebe Paul. Und sein „Kätzchen“. Und ich liebe den Erzähler, bei dessen Text ich immer Bernhard Hoeckers Stimme im Kopf hatte. Und ich liebe die Bilder – bunt, lebendig, ungezwungen, ausdrucksstarke Figuren. Und ich liebe die warme, herzliche, liebevolle Atmosphäre, die das Buch entstehen lässt. Ermutigend für Kinder, inspirierend für Eltern. Großartiges Buch!
von Chrystally - 2026-03-24 10:38:00
Autor: Ferdinand von von Schirach
Ein junger Protagonist macht noch kein Kinderbuch - 4 Sterne
Von Schirach ist für Erwachsene ein toller Autor, hier wagt er sich an ein Kinderbuch. Er beschreibt er Aufstieg und Fall eines Reiches und die Reise des jungen, nachdenklichen Alexander beim Versuch, seine Stadt vor einem weiteren Krieg zu bewahren, indem er gerechte Gesetze findet. Dabei begegnet er verschiedenen, teils bekannten Figuren, von denen er etwas über die Regeln des guten Zusammenlebens lernt, über Ethik, Psychologie und Philosophie.
Die Geschichte entspricht altgriechischen Dramen und Sagen: die Figuren eigenwillig, prototypisch, leicht greifbar und meist sympathisch, die Handlung eine unverhüllte Heldenreise des jugendlichen Alexanders, der später „der Große“ werden wird.
Der Erzählstil ist größtenteils geprägt von einer entlarvenden Einfachheit, wie sie vor allem Kindern zueigen ist, wodurch die ethischen Grundsätze etwas plakativ, aber dafür eben sehr greifbar vermittelt werden. Manche Details ließen sich jedoch nicht in dieser Sprache bändigen, wodurch es hin und wieder zu abstrakten Exkursen kommt, die aus der Geschichte herausstechen. Erwachsene werden viele Motive wiedererkennen (Diogenes; der Schaumschläger mit den kleinen Händen, das Trolley-Problem…), je nach persönlicher Präferenz wird man sich darüber freuen oder sie als „schon bekannt“ überfliegen; jüngeren Lesende ermöglichen sie spannende erste Begegnungen. Der Erzählrhythmus schwankt zwischen der temporeichen Handlung um die Rettung der Stadt, die Spannung aufbaut, und den kontemplativ geschilderten Begegnungen, Beobachtungen und langen Dialogen. Diese Tempowechsel haben bei mir ein unharmonisches Gefühl wie im Stop-and-go-Verkehr erzeugt.
Die Altersempfehlung von 10 Jahren finde ich passend, für jüngere Kinder sind die Themen noch zu abstrakt und die vielen Dialoge daher vermutlich wenig fesselnd. Ältere Kinder sollten Leseerfahrung mitbringen – um „leichte“ Lektüre handelt es sich für sie sicher nicht, aber dafür eine umso bereicherndere.
Insgesamt ist „Alexander“ ein Buch, das jungen Lesenden erste Begegnungen mit Themen aus Recht, Ethik, Psychologie und Philosophie ermöglicht und sie dabei sicherlich herausfordert.
Die Geschichte entspricht altgriechischen Dramen und Sagen: die Figuren eigenwillig, prototypisch, leicht greifbar und meist sympathisch, die Handlung eine unverhüllte Heldenreise des jugendlichen Alexanders, der später „der Große“ werden wird.
Der Erzählstil ist größtenteils geprägt von einer entlarvenden Einfachheit, wie sie vor allem Kindern zueigen ist, wodurch die ethischen Grundsätze etwas plakativ, aber dafür eben sehr greifbar vermittelt werden. Manche Details ließen sich jedoch nicht in dieser Sprache bändigen, wodurch es hin und wieder zu abstrakten Exkursen kommt, die aus der Geschichte herausstechen. Erwachsene werden viele Motive wiedererkennen (Diogenes; der Schaumschläger mit den kleinen Händen, das Trolley-Problem…), je nach persönlicher Präferenz wird man sich darüber freuen oder sie als „schon bekannt“ überfliegen; jüngeren Lesende ermöglichen sie spannende erste Begegnungen. Der Erzählrhythmus schwankt zwischen der temporeichen Handlung um die Rettung der Stadt, die Spannung aufbaut, und den kontemplativ geschilderten Begegnungen, Beobachtungen und langen Dialogen. Diese Tempowechsel haben bei mir ein unharmonisches Gefühl wie im Stop-and-go-Verkehr erzeugt.
Die Altersempfehlung von 10 Jahren finde ich passend, für jüngere Kinder sind die Themen noch zu abstrakt und die vielen Dialoge daher vermutlich wenig fesselnd. Ältere Kinder sollten Leseerfahrung mitbringen – um „leichte“ Lektüre handelt es sich für sie sicher nicht, aber dafür eine umso bereicherndere.
Insgesamt ist „Alexander“ ein Buch, das jungen Lesenden erste Begegnungen mit Themen aus Recht, Ethik, Psychologie und Philosophie ermöglicht und sie dabei sicherlich herausfordert.
von Chrystally - 2026-01-26 21:39:00
Autor: Cornelia Boese
Nicht gereimt, sondern gedichtet - 5 Sterne
Ich habe dieses Buch bekommen, reingeblättert und hatte nach den ersten Zeilen den Drang, es laut vorzulesen, was ich dann auch ganz für mich getan habe. Was für eine leicht-fließende, fröhlich springende, elegante und kreative Dichtkunst! Und immer wieder schöne Wortspielereien, wie die Biene, die in See sticht. Kein Vergleich mit anderen Kinderbüchern, in denen immer derselbe dröge ein-rein-, Maus-Haus-Quatsch gereimt wird.
Wir treffen auf zunächst zwölf charaktervolle Tiere, die während eines Wettbewerbs ihre menschengemachten Probleme beklagen, und während die geniale Gedichtform auf den ersten Blick die grausame Realität ein bisschen abmildert, werden dabei einige der drängendsten Umweltprobleme unserer Zeit sehr ungeschönt angesprochen. Dabei passt jeder Auftritt raffiniert zum jeweiligen Tier und wird von passender Musik dichterisch untermalt. Die Illustrationen sind zurückhaltend, aber extrem ausdrucksstark und greifen den Charakter und die Emotionen der Tiere ebenfalls gekonnt auf.
Auch unser vierjähriges Kind hat sich neugierig das ganze Buch von vorne bis hinten angehört, und das trotz der doch beachtlichen Länge.
Insgesamt ein herrlicher Reimgenuss für Jung und Alt und ein Buch, das man auch als Erwachsene immer wieder gerne vorliest.
Wir treffen auf zunächst zwölf charaktervolle Tiere, die während eines Wettbewerbs ihre menschengemachten Probleme beklagen, und während die geniale Gedichtform auf den ersten Blick die grausame Realität ein bisschen abmildert, werden dabei einige der drängendsten Umweltprobleme unserer Zeit sehr ungeschönt angesprochen. Dabei passt jeder Auftritt raffiniert zum jeweiligen Tier und wird von passender Musik dichterisch untermalt. Die Illustrationen sind zurückhaltend, aber extrem ausdrucksstark und greifen den Charakter und die Emotionen der Tiere ebenfalls gekonnt auf.
Auch unser vierjähriges Kind hat sich neugierig das ganze Buch von vorne bis hinten angehört, und das trotz der doch beachtlichen Länge.
Insgesamt ein herrlicher Reimgenuss für Jung und Alt und ein Buch, das man auch als Erwachsene immer wieder gerne vorliest.
von Chrystally - 2025-08-26 19:27:00
Autor: Cee Neudert
Plakativ, aber wichtig und kindgerecht - 4 Sterne
Cee Neuderts Kinderbuch „Amélie Amie und die Sache mit der Vielfalt“ nimmt junge Leserinnen und Leser mit auf zauberhafte Ferien im Hinterhof – eine bunte, lebensnahe und gleichzeitig warmherzige Geschichte, die die Vielfalt des Zusammenlebens in den Mittelpunkt stellt.
Gemäß dem Titel finden wir eine große Bandbreite an Protagonistinnen und Protagonisten: Menschen mit unterschiedlichen Familienformen, Körpern, Selbstbildern und Lebensstilen. Dabei integriert Neudert viele Figuren, die gängige Klischees aufbrechen und Kindern zeigen, dass Normalität viele Gesichter haben kann. Um alle Themen unterzubringen, ist die Wohnsiedlung sicher nicht repräsentativ, aber das stört nicht.
Die Illustrationen sind farbenfroh, modern und stimmungsvoll – nie überladen, sondern genau richtig, um die Geschichte lebendig werden zu lassen. Auch die Grundidee, Vielfalt in einer einfachen, alltagsnahen Feriengeschichte zu thematisieren, wirkt sympathisch und nahbar.
Die Erzählstimme ist in Ordnung, ich mochte den etwas ätherischen Duktus nicht, aber das ist Geschmackssache. Die einzelnen Audioabschnitte sind teilweise sehr lang – unpraktisch, wenn man gestört wird. Eine feinere Unterteilung oder die Möglichkeit zum zurückspulen wäre hier hilfreich. Zudem war die Geschichte für unser vierjähriges Kind noch etwas lang, nach zwei Seiten hat er den Erzählstrang verlassen – eine Altersempfehlung ab fünf Jahren wäre passender.
Als erwachsene Mitlesende stößt man sich zudem an der stellenweise sehr plakativen Moral. Kinderbücher, die ihre Botschaften subtiler vermitteln, können manchmal nachhaltiger wirken, da sie zum eigenen Entdecken und Fragen anregen. Aber als tiptoi-Buch muss man es ja wenigstens nicht vorlesen.
Insgesamt ist „Amélie Amie und die Sache mit der Vielfalt“ ist ein liebevoll gestaltetes Kinderbuch, das mit sympathischen Figuren, klugen Illustrationen und einer bunten Bestandsaufnahme moderner Lebenswelten überzeugt.
Gemäß dem Titel finden wir eine große Bandbreite an Protagonistinnen und Protagonisten: Menschen mit unterschiedlichen Familienformen, Körpern, Selbstbildern und Lebensstilen. Dabei integriert Neudert viele Figuren, die gängige Klischees aufbrechen und Kindern zeigen, dass Normalität viele Gesichter haben kann. Um alle Themen unterzubringen, ist die Wohnsiedlung sicher nicht repräsentativ, aber das stört nicht.
Die Illustrationen sind farbenfroh, modern und stimmungsvoll – nie überladen, sondern genau richtig, um die Geschichte lebendig werden zu lassen. Auch die Grundidee, Vielfalt in einer einfachen, alltagsnahen Feriengeschichte zu thematisieren, wirkt sympathisch und nahbar.
Die Erzählstimme ist in Ordnung, ich mochte den etwas ätherischen Duktus nicht, aber das ist Geschmackssache. Die einzelnen Audioabschnitte sind teilweise sehr lang – unpraktisch, wenn man gestört wird. Eine feinere Unterteilung oder die Möglichkeit zum zurückspulen wäre hier hilfreich. Zudem war die Geschichte für unser vierjähriges Kind noch etwas lang, nach zwei Seiten hat er den Erzählstrang verlassen – eine Altersempfehlung ab fünf Jahren wäre passender.
Als erwachsene Mitlesende stößt man sich zudem an der stellenweise sehr plakativen Moral. Kinderbücher, die ihre Botschaften subtiler vermitteln, können manchmal nachhaltiger wirken, da sie zum eigenen Entdecken und Fragen anregen. Aber als tiptoi-Buch muss man es ja wenigstens nicht vorlesen.
Insgesamt ist „Amélie Amie und die Sache mit der Vielfalt“ ist ein liebevoll gestaltetes Kinderbuch, das mit sympathischen Figuren, klugen Illustrationen und einer bunten Bestandsaufnahme moderner Lebenswelten überzeugt.
von Chrystally - 2025-08-26 19:12:00
Autor: Katharina Hagena
Ein Buch wie ein ruhiger, tiefer Fluss - 5 Sterne
„Flusslinien“ von Katharina Hagena ist ein poetisches Buch über Erinnerungen.
Oma Margrit blickt auf ein ereignisreiches Leben zurück und setzt in ihrer Seniorenresidenz Stückchen für Stückchen in Gedanken ihre Familiengeschichte zusammen. Warum ihr dies gerade jetzt so wichtig erscheint, hat sich mir zugegeben nicht so recht erschlossen, und bisweilen bin ich durcheinandergekommen, was davon sie selbst und was ihre Mutter erlebt hat, aber beides tat der Intensität und Lebendigkeit der Erinnerungen keinen Abbruch, und wir begleiten in Margrits Erzählung ihre Mutter und deren Geliebten, einer starken, unkonventionellen Frau.
Luzie ist Margrits Enkelin, die nach einem sexuellen Übergriff damit kämpft, wie ihr näheres und weiteres Umfeld darauf reagiert hat. Ihr Fall, ihre Erlebnisse und ihre Reaktionen schienen mir einerseits etwas plakativ, andererseits sind es Erfahrungen, die leider viele Übergriffsopfer erleben, und jede Geschichte dieser Art schafft wichtiges Bewusstsein.
Arthur arbeitet im Seniorenheim, ist aber im Herzen ein Sprachenerfinder, und seine Gedanken zum Wesen von Worten, ihren Möglichkeiten und Grenzen, ihrer Gefahren und Verantwortungen haben mich sehr berührt. Er verarbeitet die zuletzt schwierige Beziehung zu seinem Zwillingsbruder.
Im Verlauf des Romans werden Schlüsselerlebnisse der genannten Personen stückweise aufgedeckt. Während dem, was die Protagonist*innen zwischen diesen Rückblicken erleben, durchlaufen sie jeweils eine psychische Entwicklung, die mir sehr schnell vorkam dafür, das bisweilen eigentlich wenig passierte.
Seine Eindrücklichkeit bezieht „Flusslinien“ jedoch weniger durch die Handlung als durch seine Sprache. Durch Hagenas Worte, durch unsentimentale und in ihrer Einfachheit poetische Natur- und Charakterschilderungen fühlt man sich selbst im Schilf an der Elbe stehen oder in den Reihen der Senioren beim Konzertnachmittag sitzen. Ein wiederkehrendes Thema, das dem Roman eine unkonventionelle Note gab, war die Perspektive des Atems, die Margrit als gelernte Stimmtherapeutin immer wieder einbringt und die die Leserin die Geschehnisse auf einer körperlichen Ebene „am Kopf vorbei“ miterleben lässt.
Insgesamt eine klare Leseempfehlung für Leser*innen, die auf Sprache mindestens ebenso viel Wert legen wie auf die Handlung, Hamburgliebhaber*innen und Menschen auf der Suche nach eigenwilligen, aber nicht überzeichneten Protagonisten.
Oma Margrit blickt auf ein ereignisreiches Leben zurück und setzt in ihrer Seniorenresidenz Stückchen für Stückchen in Gedanken ihre Familiengeschichte zusammen. Warum ihr dies gerade jetzt so wichtig erscheint, hat sich mir zugegeben nicht so recht erschlossen, und bisweilen bin ich durcheinandergekommen, was davon sie selbst und was ihre Mutter erlebt hat, aber beides tat der Intensität und Lebendigkeit der Erinnerungen keinen Abbruch, und wir begleiten in Margrits Erzählung ihre Mutter und deren Geliebten, einer starken, unkonventionellen Frau.
Luzie ist Margrits Enkelin, die nach einem sexuellen Übergriff damit kämpft, wie ihr näheres und weiteres Umfeld darauf reagiert hat. Ihr Fall, ihre Erlebnisse und ihre Reaktionen schienen mir einerseits etwas plakativ, andererseits sind es Erfahrungen, die leider viele Übergriffsopfer erleben, und jede Geschichte dieser Art schafft wichtiges Bewusstsein.
Arthur arbeitet im Seniorenheim, ist aber im Herzen ein Sprachenerfinder, und seine Gedanken zum Wesen von Worten, ihren Möglichkeiten und Grenzen, ihrer Gefahren und Verantwortungen haben mich sehr berührt. Er verarbeitet die zuletzt schwierige Beziehung zu seinem Zwillingsbruder.
Im Verlauf des Romans werden Schlüsselerlebnisse der genannten Personen stückweise aufgedeckt. Während dem, was die Protagonist*innen zwischen diesen Rückblicken erleben, durchlaufen sie jeweils eine psychische Entwicklung, die mir sehr schnell vorkam dafür, das bisweilen eigentlich wenig passierte.
Seine Eindrücklichkeit bezieht „Flusslinien“ jedoch weniger durch die Handlung als durch seine Sprache. Durch Hagenas Worte, durch unsentimentale und in ihrer Einfachheit poetische Natur- und Charakterschilderungen fühlt man sich selbst im Schilf an der Elbe stehen oder in den Reihen der Senioren beim Konzertnachmittag sitzen. Ein wiederkehrendes Thema, das dem Roman eine unkonventionelle Note gab, war die Perspektive des Atems, die Margrit als gelernte Stimmtherapeutin immer wieder einbringt und die die Leserin die Geschehnisse auf einer körperlichen Ebene „am Kopf vorbei“ miterleben lässt.
Insgesamt eine klare Leseempfehlung für Leser*innen, die auf Sprache mindestens ebenso viel Wert legen wie auf die Handlung, Hamburgliebhaber*innen und Menschen auf der Suche nach eigenwilligen, aber nicht überzeichneten Protagonisten.
von Chrystally - 2025-06-05 21:33:00
Autor: Arielle Johnson
Ich habe angebissen! - 5 Sterne
Flavorama hat ein schlichtes, aber mit seinem Sonnengelb strahlendes und fröhliches Cover – nicht sehr aussagekräftig, aber was anderes hätte ich mir zu dem Thema auch nicht vorstellen können (und definitiv besser als ein Selbstportrait!).
Man erfährt wirklich eine Menge darüber, was eigentlich chemisch und biologisch hinter Schmecken und Riechen steckt. Das Buch ist gut strukturiert und man findet sich leicht zurecht. Der Schreibstil ist wirklich leicht nachzuvollziehen, man wird als Leserin häufig direkt angesprochen und kommt sich vor, als würde die Autorin einem ganz persönlich im Plauderton von ihrem Wissen erzählen. Bisweilen sind die Erklärungen vielleicht etwas langatmig, aber auf jeden Fall kommt man jederzeit gut mit. Die Übersetzung ist meiner Meinung nach leider nicht sehr gut gelungen – zu oft konnte man die originalen Formulierungen heraushören, die sich im Deutschen leider oft unnatürlich lesen. Der Text ist durch charmante Illustrationen aufgelockert, die genau an den richtigen Stellen Inhalte, die mit Worten nur umständlich erklärbar sind, einfach verständlich machen.
Die vielen Rezeptideen lesen sich interessant, werden aber bisweilen durch schwierige Zutaten erschwert. Toll fand ich dagegen die super praxisnahen Anregungen, wie man selbst einen differenzierteren Geruchs- und Geschmackssinn entwickeln kann. Das werde ich in den nächsten Wochen ausprobieren!
Insgesamt ein dichtgepacktes, auf den ersten Blick überwältigendes, aber sehr inspirierendes Buch für alle, die den Geheimnissen des Geschmacks gründlich auf den Grund gehen wollen.
Man erfährt wirklich eine Menge darüber, was eigentlich chemisch und biologisch hinter Schmecken und Riechen steckt. Das Buch ist gut strukturiert und man findet sich leicht zurecht. Der Schreibstil ist wirklich leicht nachzuvollziehen, man wird als Leserin häufig direkt angesprochen und kommt sich vor, als würde die Autorin einem ganz persönlich im Plauderton von ihrem Wissen erzählen. Bisweilen sind die Erklärungen vielleicht etwas langatmig, aber auf jeden Fall kommt man jederzeit gut mit. Die Übersetzung ist meiner Meinung nach leider nicht sehr gut gelungen – zu oft konnte man die originalen Formulierungen heraushören, die sich im Deutschen leider oft unnatürlich lesen. Der Text ist durch charmante Illustrationen aufgelockert, die genau an den richtigen Stellen Inhalte, die mit Worten nur umständlich erklärbar sind, einfach verständlich machen.
Die vielen Rezeptideen lesen sich interessant, werden aber bisweilen durch schwierige Zutaten erschwert. Toll fand ich dagegen die super praxisnahen Anregungen, wie man selbst einen differenzierteren Geruchs- und Geschmackssinn entwickeln kann. Das werde ich in den nächsten Wochen ausprobieren!
Insgesamt ein dichtgepacktes, auf den ersten Blick überwältigendes, aber sehr inspirierendes Buch für alle, die den Geheimnissen des Geschmacks gründlich auf den Grund gehen wollen.
von Chrystally - 2025-02-22 21:23:00
Autor: Tina Harnesk
Raue Schwedin - 5 Sterne
Das Gemälde auf dem Cover von „Als wir im Schnee Blumen pflückten“ lässt einen sofort die unendliche Weite Schwedens spüren, wo dieses Buch spielt. Wir begleiten Marridja, die sich nach einer terminalen Diagnose auf die Suche nach ihrem Neffen macht.
Harnesk hat das Erzähltalent ihrer samischen Vorfahren geerbt. Wir tauchen tief in Mariddjas Denken und Erleben ein – ihre harte, aber herzliche Liebe zu ihrem dementen Mann, ihre unantastbaren Wertvorstellungen und Selbstbild, ihre naiven Versuche, ihren Neffen wiederzufinden, ihre mutige Aufarbeitung der schwierigen Beziehung zu ihrer Schwägerin, ihr trotziger Lebenswille, ihre eigenwillige Herangehensweise an moderne Technik – so tief, dass wir manches erst nach und nach erfahren, wenn die Außensicht von anderen dazukommt. Man erlebt, wie dramatische Lebensumstände wie Vertreibung und Armut so zu einem Teil der eigenen Existenz werden, dass man sie kaum wahrnimmt. Das hat mir bisweilen beim Lesen fast den Atem geraubt. Durch diese Nähe schließt man Mariddja trotz ihrer Verschrobenheit und ihrer bisweiligen Missachtung aller Regeln ins Herz.
Die Handlung entwickelt sich unaufgeregt, wir beobachten einzelne Episoden aus dem Leben des Paares über viele Wochen und oft passiert im Außen wenig, trotzdem habe ich durchgehend gerne weitergelesen. Harnesks Art zu erzählen, der nicht gefühllose, aber unverstellte Umgang ihrer Protagonisten mit den Schicksalsschlägen in ihrem Leben hat mich sehr in seinen Bann gezogen. Gleichzeitig schildert sie mit einer unvergleichlich trockenen Art absurde Situationen, die mich zwischendurch immer wieder zum Lachen gebracht haben. Auch den Einblick in die Geschichte der samischen Urbevölkerung Schwedens fand ich spannend. Ein kleiner Wermutstropfen war ein fehlendes Glossar für die samischen Begriffe, wodurch man sich bestimmte Details nur im Nachhinein erschließen kann.
Insgesamt ein unter seiner Rauheit sehr feinfühliges und damit lesenswertes Buch.
Harnesk hat das Erzähltalent ihrer samischen Vorfahren geerbt. Wir tauchen tief in Mariddjas Denken und Erleben ein – ihre harte, aber herzliche Liebe zu ihrem dementen Mann, ihre unantastbaren Wertvorstellungen und Selbstbild, ihre naiven Versuche, ihren Neffen wiederzufinden, ihre mutige Aufarbeitung der schwierigen Beziehung zu ihrer Schwägerin, ihr trotziger Lebenswille, ihre eigenwillige Herangehensweise an moderne Technik – so tief, dass wir manches erst nach und nach erfahren, wenn die Außensicht von anderen dazukommt. Man erlebt, wie dramatische Lebensumstände wie Vertreibung und Armut so zu einem Teil der eigenen Existenz werden, dass man sie kaum wahrnimmt. Das hat mir bisweilen beim Lesen fast den Atem geraubt. Durch diese Nähe schließt man Mariddja trotz ihrer Verschrobenheit und ihrer bisweiligen Missachtung aller Regeln ins Herz.
Die Handlung entwickelt sich unaufgeregt, wir beobachten einzelne Episoden aus dem Leben des Paares über viele Wochen und oft passiert im Außen wenig, trotzdem habe ich durchgehend gerne weitergelesen. Harnesks Art zu erzählen, der nicht gefühllose, aber unverstellte Umgang ihrer Protagonisten mit den Schicksalsschlägen in ihrem Leben hat mich sehr in seinen Bann gezogen. Gleichzeitig schildert sie mit einer unvergleichlich trockenen Art absurde Situationen, die mich zwischendurch immer wieder zum Lachen gebracht haben. Auch den Einblick in die Geschichte der samischen Urbevölkerung Schwedens fand ich spannend. Ein kleiner Wermutstropfen war ein fehlendes Glossar für die samischen Begriffe, wodurch man sich bestimmte Details nur im Nachhinein erschließen kann.
Insgesamt ein unter seiner Rauheit sehr feinfühliges und damit lesenswertes Buch.
von Chrystally - 2025-01-02 22:13:00
Autor: Sally Page
Gemütlich - 4 Sterne
„Das Buch der neuen Anfänge“ lädt mit einem farbenfrohen, verspielten Cover zum Lesen ein. Wir begleiten die junge Bankangestellte Jo, nachdem ihr Freund sie verlassen hat, wie sie im Schreibwarenladen ihres dementen Onkels aushilft und dort wieder zaghaft neue Beziehungen zu anderen Menschen eingeht.
Wie im „Glück der Geschichtensammlerin“ ist die Protagonistin zwar ein Prototyp Mensch – hier dem der sehr strukturierten, zurückhaltenden, bemühten und nach außen hin farblos wirkenden jungen Frau – aber trotzdem als Individuum erkennbar, glaubhaft und sympathisch beschrieben. Auch ihre alten und neuen Bekanntschaften nehmen in Pages Schilderung plastisch Gestalt an und wir begegnen herrlich skurrilen Charakteren wie dem tätowierten Optiker, der flüchtigen Geistlichen oder Jos Jugendliebe.
Die Geschichte selbst bietet eher wenig Überraschungen, aber es war gemütlich und inspirierend zu lesen, wie sich Jo und die anderen Personen langsam näherkommen, sich öffnen, sich gegenseitig bereichern, gemeinsam Neues ausprobieren und so über die Zeit ihr Potenzial entdecken. Auch die Schritte und Schwierigkeiten in der Wiederannäherung mit Jos alter Freundin waren nachvollziehbar. Was mich leider gestört hat, war die immer wiederkehrende Lobhudelei auf die Freundschaft und Jos ewige Selbstvorwürfe, sich in ihrer alten Freundschaft falsch verhalten zu haben. Ersteres steckt ja schon in der Handlung und man kann es sich selbst erschließen, zweiteres wirkte auf mich übertrieben und ziellos, weil es gar nichts gibt, was sie eindeutig falsch gemacht hat.
Insgesamt ein gemütliches, vorhersehbares Buch mit interessanten Charakteren, das nicht ganz an das Vorwerk der Autorin heranreicht.
Wie im „Glück der Geschichtensammlerin“ ist die Protagonistin zwar ein Prototyp Mensch – hier dem der sehr strukturierten, zurückhaltenden, bemühten und nach außen hin farblos wirkenden jungen Frau – aber trotzdem als Individuum erkennbar, glaubhaft und sympathisch beschrieben. Auch ihre alten und neuen Bekanntschaften nehmen in Pages Schilderung plastisch Gestalt an und wir begegnen herrlich skurrilen Charakteren wie dem tätowierten Optiker, der flüchtigen Geistlichen oder Jos Jugendliebe.
Die Geschichte selbst bietet eher wenig Überraschungen, aber es war gemütlich und inspirierend zu lesen, wie sich Jo und die anderen Personen langsam näherkommen, sich öffnen, sich gegenseitig bereichern, gemeinsam Neues ausprobieren und so über die Zeit ihr Potenzial entdecken. Auch die Schritte und Schwierigkeiten in der Wiederannäherung mit Jos alter Freundin waren nachvollziehbar. Was mich leider gestört hat, war die immer wiederkehrende Lobhudelei auf die Freundschaft und Jos ewige Selbstvorwürfe, sich in ihrer alten Freundschaft falsch verhalten zu haben. Ersteres steckt ja schon in der Handlung und man kann es sich selbst erschließen, zweiteres wirkte auf mich übertrieben und ziellos, weil es gar nichts gibt, was sie eindeutig falsch gemacht hat.
Insgesamt ein gemütliches, vorhersehbares Buch mit interessanten Charakteren, das nicht ganz an das Vorwerk der Autorin heranreicht.
von Chrystally - 2025-01-02 22:04:00
Autor: Katherine Marsh
Fantasy-Academy trifft auf griechische Mythologie – eine gelungene Kombination! - 4 Sterne
Das Cover verrät noch nicht viel, außer, dass ein Mädchen mit einer Laterne durch Venedig mit seinen Gondeln schleicht. Und das Buch startet auch erstmal woanders, nämlich in Avas „ganz normaler“ Schule, in der sie sich mit den ganz normalen Ärgernissen eines Teenager-Mädchens herumschlägt: die Freundinnen pubertieren, und in der Schule herrscht Alltagssexismus. Aber Avas Ärger bricht sich in neuer Form Bahn, und damit startet ihr Leben im Internat, in dem ihr Lieblingsthema – die griechische Mythologie – zum Leben erwacht.
Ich hatte viel Spaß beim Lesen des Buchs. Die Charaktere sind glaubhaft und die Protagonisten sympathisch und überzeugend in ihren Freuden und Nöten. Leider ist die Grenze zwischen den Helden und ihren Antagonisten etwas überdeutlich gezogen, hier hätte ich mir mehr Schattierungen zwischen gut und böse gewünscht. Die Szenen sind lebendig und mitreißend erzählt, die Dialoge wirken meist spontan und natürlich, außer wenn etwas zu viel mythologischer Hintergrund in die Unterhaltungen eingebaut war. Insgesamt fand ich die Handlung spannend und die Autorin hat an vielen Stellen geschickt die mythologischen Hintergründe eingearbeitet, um die Handlung voranzutreiben (z.B. wie sich das genetische Erbe der Schüler*innen auf unterschiedliche Weise Bahn bricht). Dabei zeigt sie ihr tiefgehendes Wissen, sodass das Geschehen trotzdem nicht vorhersehbar ist. Auch ihre Ideen, wie die mythologischen Beziehungen zwischen den Sagengestalten gewesen sein könnten, fand ich ziemlich raffiniert. Ich glaube, mich in griechischer Mythologie halbwegs auszukennen, trotzdem bin ich über manche Gestalten und Hintergründe gestolpert. Auch wenn es ein Glossar gibt, glaube ich, dass vor allem Menschen Spaß an diesem Buch haben, die schon einigermaßen bewandert in griechischer Mythologie sind, sonst ist die Geschichte möglicherweise eine sehr beliebige Ansammlung an fantastischen Gestalten. Für meinen Teil hatte ich jedoch großen Spaß an den neuen Ideen und dem neuen Blickwinkel.
Neben dem Abenteuer der Protagonistin berührt das Buch auch interessante Themen wie die Frage, wie Menschen von den Versäumnissen ihrer Vorfahren betroffen sind und wie deren Errungenschaften ihnen helfen können, wie man sich selbst findet und über sich hinauswächst. Hiervon können gerade junge Leser*innen sicher profitieren. Viel präsenter ist jedoch das Thema Sexismus – unter den Schüler*innen, Lehrer*innen und Sagengestalten. Ich finde es richtig und wichtig, dass Kinder jeden Geschlechts darüber lesen und sich Gedanken machen. Die Beobachtung, welche Rolle Frauen in der Mythologie spielen, haben mich zum Nachdenken angeregt. Leider war das Problem für mich an manchen Stellen etwas zu sehr im Fokus, sodass es von der Handlung abgelenkt hat, und der Wunsch, Frauen und Mädchen zu bestärken, schlug bei den Figuren bisweilen in Schwarzweißmalerei in die andere Richtung und eine Abwertung fast aller männlichen Figuren um. Das fand ich schade und ich halte es für kein hilfreiches „Gegenmittel“ im Kampf gegen Sexismus.
Trotzdem habe ich das Buch mit großem Spaß gelesen und gebe eine Leseempfehlung für Fans griechischer Mythologie.
Ich hatte viel Spaß beim Lesen des Buchs. Die Charaktere sind glaubhaft und die Protagonisten sympathisch und überzeugend in ihren Freuden und Nöten. Leider ist die Grenze zwischen den Helden und ihren Antagonisten etwas überdeutlich gezogen, hier hätte ich mir mehr Schattierungen zwischen gut und böse gewünscht. Die Szenen sind lebendig und mitreißend erzählt, die Dialoge wirken meist spontan und natürlich, außer wenn etwas zu viel mythologischer Hintergrund in die Unterhaltungen eingebaut war. Insgesamt fand ich die Handlung spannend und die Autorin hat an vielen Stellen geschickt die mythologischen Hintergründe eingearbeitet, um die Handlung voranzutreiben (z.B. wie sich das genetische Erbe der Schüler*innen auf unterschiedliche Weise Bahn bricht). Dabei zeigt sie ihr tiefgehendes Wissen, sodass das Geschehen trotzdem nicht vorhersehbar ist. Auch ihre Ideen, wie die mythologischen Beziehungen zwischen den Sagengestalten gewesen sein könnten, fand ich ziemlich raffiniert. Ich glaube, mich in griechischer Mythologie halbwegs auszukennen, trotzdem bin ich über manche Gestalten und Hintergründe gestolpert. Auch wenn es ein Glossar gibt, glaube ich, dass vor allem Menschen Spaß an diesem Buch haben, die schon einigermaßen bewandert in griechischer Mythologie sind, sonst ist die Geschichte möglicherweise eine sehr beliebige Ansammlung an fantastischen Gestalten. Für meinen Teil hatte ich jedoch großen Spaß an den neuen Ideen und dem neuen Blickwinkel.
Neben dem Abenteuer der Protagonistin berührt das Buch auch interessante Themen wie die Frage, wie Menschen von den Versäumnissen ihrer Vorfahren betroffen sind und wie deren Errungenschaften ihnen helfen können, wie man sich selbst findet und über sich hinauswächst. Hiervon können gerade junge Leser*innen sicher profitieren. Viel präsenter ist jedoch das Thema Sexismus – unter den Schüler*innen, Lehrer*innen und Sagengestalten. Ich finde es richtig und wichtig, dass Kinder jeden Geschlechts darüber lesen und sich Gedanken machen. Die Beobachtung, welche Rolle Frauen in der Mythologie spielen, haben mich zum Nachdenken angeregt. Leider war das Problem für mich an manchen Stellen etwas zu sehr im Fokus, sodass es von der Handlung abgelenkt hat, und der Wunsch, Frauen und Mädchen zu bestärken, schlug bei den Figuren bisweilen in Schwarzweißmalerei in die andere Richtung und eine Abwertung fast aller männlichen Figuren um. Das fand ich schade und ich halte es für kein hilfreiches „Gegenmittel“ im Kampf gegen Sexismus.
Trotzdem habe ich das Buch mit großem Spaß gelesen und gebe eine Leseempfehlung für Fans griechischer Mythologie.
von Chrystally - 2024-10-07 10:36:00











